Rio 2016 – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Sat, 06 Oct 2018 18:12:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Die Herren Kicker in Rio: Zwischen ungewollt und vollem Willen https://ballverliebt.eu/2016/08/01/olympia-rio-2016-herren-fussball-vorschau-brasilien-deutschland-bender/ https://ballverliebt.eu/2016/08/01/olympia-rio-2016-herren-fussball-vorschau-brasilien-deutschland-bender/#comments Mon, 01 Aug 2016 14:09:16 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=12829 Die Herren Kicker in Rio: Zwischen ungewollt und vollem Willen weiterlesen ]]> Es ist so eine Sache mit dem olympischen Männer-Fußball-Turnier. Im Kontext der Spiele ist es kaum mehr als eine Randnotiz, die meisten Spiele werden weit von der eigentlichen Olympia-Stadt ausgetragen, viele bekannte Kicker sind – anders als bei den Frauen – auch nicht dabei und gerade in Europa sind vor allem Klub-Vertreter froh, wenn sich ihr Land nicht qualifiziert. Dennoch hat dieses Turnier, wenn man es für sich betrachtet, einen gewissen Reiz. Hier unsere Vorschau: Rio 2016, das Herren-Fußball-Turnier.

Vor dem Fall des Kommunismus und dem einherhenden Ende des Staats-Amateurtums – dank dem die Ostblock-Staaten de facto mit ihren Nationalteams antreten durften, während Profis aus dem Westen ausgesperrt blieben – gingen sämtliche möglichen Goldmedaillen in den Ostblock (der 1984 die Spiele boykottierte, weshalb dort Frankreich siegte).

Seit dem spanischen Sieg in Barcelona 1992 (mit Guardiola und Luis Enrique) in einem reinen U-23-Turnier und der 1996 in Kraft tretenden Regelung mit 15 Unter-23-Jährigen und drei älteren Spielern im Kader kam kein einziges europäisches Team auch nur ins Finale des Turniers. Spaniens Silber und Italiens Bronze 2004 waren überhaupt die einzigen europäischen Medaillen seit Atlanta.

Gründe für das Image-Problem in Europa

Das europäische Dilemma ist vielschichtig. Zum einen fallen die Spiele genau in den Saisonstart der großen Ligen, oftmals stehen auch schon Europacup-Partien an. Da dann auch noch keine Abstellungspflicht herrscht, ist das Gezänk um die endgültigen Kader fast schon Tradition.

Hinzu kommt, dass jene Spieler, die sich qualifizieren, zu einem großen Teil gar nicht teilnehmen dürfen: Bei einem U-21-EM (die als Quali-Turnier gilt) gilt als Teilnahme-Bedinunung, dass die Kicker am 1. Jänner jenes Jahres, in dem die Qualifikation beginnt, das 21. Lebensjahr vollendet haben müssen. Das heißt, dass beim Turnier anderthalb Jahre später in der Realität die meisten schon 23 Jahre alt sind.

Und damit ein Jahr zu alt für den Stichtag des IOC. Sprich: Die vier Halbfinalisten bei der U-21-EM letztes Jahr (Sieger Schweden, Finalist Portugal sowie die im Semifinale gescheiterten Deutschen und Dänen) haben nicht sich selbst das Ticket nach Rio gesichert, sondern dem nächstjüngeren Jahrgang.

Selbst starke Nationen schaffen es meistens nicht, zwei Jahrgänge hintereinander europäische Spitze zu sein – kleinere Nationen wie Schweden und Dänemark (oder, wie es in London war, Schweiz und Weißrussland) noch viel weniger.

Andere Kontinente, höhere Bedeutung

Die selbst-auferlegte Schwächung der europäischen Teilnehmer macht das Turnier für alle anderen Kontinente umso interessanter, weil somit auch Länder um den Titel mitspielen können, denen bei einer WM die Vielzahl an starken Europäern die finalen Plätze verbaut. Das trägt massiv dazu bei, dass das Olympia-Turnier auf allen anderen Kontinenten einen ungleich höheren Stellenwert genießt als in Europa.

Außerdem gelten in Asien, Afrika sowie Nord- und Mittelamerika schon in der Qualifikation genau die Jahrgänge, die dann auch bei Olympia antreten. In Südamerika ist die U-20-Meisterschaft maßgeblich, womit die Burschen nicht nur selbst teilnehmen können, sondern noch zwei ältere Jahrgänge zu den Spielen dürfen, ohne das Kontingent der drei Over-Aged Players angetastet zu haben.

Nicht umsonst holte sich etwa Argentinien 2004 mit einem Quasi-Nationalteam den Titel: Praktisch alle eingesetzten U-23-Spieler hatten schon A-Länderspiele absolviert (wie Mascherano, Saviola, Tévez, D’Alessandro, Lucho González, Rosales und Coloccini), hinzu kamen noch Ayala, Heinze und Kily González. Na eh klar war die Konkurrenz chancenlos.

Aber das erklärt schon, warum seit Einführung der aktuellen Zugangsregularien 1996 nur Latein-Amerikaner (Argentinien 2x sowie Mexiko) und Afrikaner (Nigeria und Kamerun) den Titel holten und Länder wie Südkorea, Japan und der Irak ins Halbfinale einziehen konnten.

spielplan herren

Für Fußball-Nostalgiker kann das Olympia-Turnier aber durchaus eine gewisse Anziehungskraft ausstrahlen. Denn bei 15 der 16 Teilnehmern spielt der Großteil der Akteure in der jeweils eigenen Liga und gerade die weniger bedeutenden Fußball-Nationen sind überwiegend fast völlige Unbekannte.

Also so wie bis etwa 1990 oder 1994 bei der „großen“ WM.

Gruppe A: Brasilien gegen den Olympia-Fluch

Team BrasilienErstaunlich, aber wahr: Brasilien hat noch nie Olympia-Gold im Fußball geholt. Der großangelegte Angriff in London (mit Neymar, Oscar, Thiago Silva und Marcelo) endete mit einer 1:2-Finalniederlage gegen Mexiko.

Objekitv gesehen war das damalige Team individuell stärker und der Druck auch noch nicht ganz so groß wie jetzt beim Heim-Turnier, wo endgültig nur noch der Sieg zählt. Neymar ist wieder an Bord, der Ex-Leverkusener Renato Augusto ist der zweiter Over-Aged Player. Der Dritte, Goalie Fernando Prass, musste kurzfristig verletzt passen.

Die meisten Spieler ist noch weitgehend unbeschriebene Blätter aus der heimischen Liga, die den Sprung nach Europa (noch) nicht geschafft haben. Es wird der erste wirklich verantwortungsvolle Auftritt von Barcelonas Rafinha werden (dem Bruder des Bayern-Spielers Thiago), dem 19-jährigen Mittelstürmer Gabriel wird großes Talent nachgesagt.

Große Zauberei sollte man von Brasilien nicht erwarten: Der absolute Siegzwang wird das künstlerische Element, wie auch seit Jahrzehnten in der A-Mannschaft zu sehen, merklich verdrängen. Bis zum Halbfinale sollte es keine elementaren Stolpersteine geben und eine Medaille ist das Minimal-Ziel. Dem ganz großen Rummel in Rio kann man sich übrigens lange entziehen: Frühestens im Halbfinale spielt die Selecao erstmals in Rio selbst.

Team DänemarkIm Gegensatz zu Brasilien ist Dänemark, das europäische Team in der Gruppe A, extrem anonym besetzt – vor allem nach der Last-Minute-Absage von Leipzig-Stürmer Yussuf Poulsen. Vom Halbfinal-Team der U-21-EM sind nur noch Sechser Jönsson und Sturmtank Nicolai Brock-Madsen übrig, der Rest rekrutiert sich überwiegend aus der dänischen Liga. Diese hat einige taktisch sehr interessante Teams zu bieten, aber die individuelle Klasse ist in etwa mit der österreichischen vergleichbar.

Das heißt, dass man es aus dänischer Sicht durchaus als Erfolg ansehen müsste, überhaupt aus der Gruppe herauszukommen. Erster dänischer Gegner ist der Irak, Dritter der Asien-Qualifikation. Der mit sehr viel Abstand beste Kicker im Kader ist der linke Außenbahn-Spieler Ali Adnan, der letzte Saison Stammspieler bei Udinese war, dazu gibt es zwei Türkei- und einen Schweiz-Legionär. Keiner der drei „älteren“ Spieler hat das 26. Lebensjahr überschritten. Großte olympische Sternstunde des Irak war der Halbfinal-Einzug 2004, ehe man das Bronze-Spiel gegen Italien (mit Pirlo, De Rossi, Chiellini und Gilardino) verlor.

Südafrika ist erstmals seit 16 Jahren bei Olympia dabei. Damals in Sydney hat man Brasilien 3:1 besiegt, blieb aber dennoch in der Vorrunde hängen. Diesmal setzt sich das Team überwiegend aus Spielern von bekannten, aber zuletzt mäßigen Klubs der ohnehin selbst im kontinentalen Vergleich ziemlich schwachen südafrikanischen Liga zusammen – vier von den Orlando Pirates (7. der letzten Saison), zwei von den Kaizer Chiefs (Fünfter). Bekanntester Kaderspieler ist der langjährige Team-Keeper Ithumeleng Khune, TV-Kommentatoren werden sich besonders auf Innenverteidiger Kwandakwensizwa Mngonyama freuen.

Gruppe B in der Hölle von Manaus

Team SchwedenWas für ein Glück für Schweden: Der vielseitige Alleskönner Simon Tibbling, Angriffs-Einleiter Robin Quaison und Linksverteidiger Pa Konaté waren beim U-21-Titel letztes Jahr jung genug, um auch noch den Olympia-Stichtag erwischt zu haben. Mit Abdul Khalili und Abwehrchef Alexander Milosevic fahren noch zwei weitere Europameister als Over-Aged Players mit – von den echten Stützen des Titel-Kaders fehlen also nur Stürmer John Guidetti und Achter Oscar Hiljemark (die ja auch beide im EM-Kader der „Großen“ waren).

Schweden verfügt über eine hervorragende Jugend-Arbeit, auch schon einige Legionäre die regelmäßig spielen, viel Selbstvertrauen und das Wissen, dass sie die schwedische Zukunft nach Zlatan Ibrahimovic sind und als Kollektiv mittelfristig sicherlich deutlich stärker als die aktuelle A-Nationalmannschaft.

Was allerdings gegen Schweden und auch die drei anderen Teams in der Gruppe spricht: Jeder muss die ersten beiden Spiele in der Amazonas-Tropenhölle von Manaus absolvieren. Von der WM vor zwei Jahren ist bekannt, was das mit den Spielern macht – die meisten waren schon nach einem Spiel in Manaus so kaputt, dass die kurze Regenerationszeit nicht ausreichte.

Womöglich besser als Schweden könnte damit Nigeria zurecht kommen. Auch das bevölkerungsreichste Land Afrikas liegt ja in einer heißeren Klima-Zone, außerdem ist Nigeria dank der unglaublichen Fülle an talentierten und auch ehrgeizigen Nachwuchs-Spielern ein fast schon traditionell starkes Team bei Olympia – 1996 holte man Gold, 2008 Silber.

Der von John Obi Mikel angeführte Kader ist übrigens der einzige der 16 Teilnehmer, der fast ausschließlich aus Legionären besteht – vor allem Mittelständler aus Portugal und Belgien kommen vermehrt vor. Rein vom Potenzial her dürfte Nigeria der stärkste aus dem afrikanischen Trio sein, wie der Sieg beim Qualifikations-Turnier gezeigt hat. Teamchef Samson Siasia ist außerdem sehr vertraut mit Turnier-Situationen mit jungen Spielern: Unter ihm holte Nigeria 2008 das Olympia-Silber und kam ins Finale der U-20-WM 2005.

Auch die Spieler aus Kolumbien kennen sich mit hoher Luftfeuchtigkeit gut aus. Die Caféteros eliminierten im Play-Off die US-Mannschaft von Teamchef Andreas Herzog. Zu erwarten sind typische kolumbianische Fußballer-Eigenschaften: Gute Technik, sicheres Zusammenspiel, durchaus eine gewisse Robustheit; aber auch ein nicht immer sattelfestes Nervenkostüm. Téo Gutiérrez, der auch seit Jahren für das kolumbianische A-Team stürmt, soll vorne gemeinsam mit Mexiko-Legionär Dario Pabón für die Tore sorgen.

Team JapanDie Kolumbianer sind vermutlich nicht ganz so stark wie andere Teams aus Latein-Amerika wie Mexiko und Brasilien, aber das Viertelfinale kann sich schon ausgehen. Auf jeden Fall aber muss man in dieser Gruppe nach dem ersten Platz trachten, um in der ersten K.o.-Runde nicht auf Brasilien zu treffen.

Das wird sich für Japan, Vierter bei den Spielen in London, wohl eher nicht ausgehen. Mit dabei ist auch ein Österreich-Legionär: Takumi Minamino von Meister Salzburg ist fix auf der Außenbahn eingeplant. Davon abgesehen kommt Japan mit international völlig unbekannten Spielern aus der heimischen Liga; das gilt auch für die drei älteren Spieler. Allerdings: Japan ist mit dieser Mannschaft Sieger der Asien-Qualifikation geworden, das muss man auch erst einmal schaffen. Andererseits gab es im letzten Test gegen Brasilien ein 0:2, bei dem man locker auch sieben, acht Gegentore kassieren hätte können.

Realistischerweise hat nur der Sieger dieser Gruppe eine Chance auf eine Medaille, und das auch nur dann, wenn die Strapazen der klimatischen Bedingungen in Manaus schnell aus dem Organismus gebracht werden. Individuell mag Schweden sogar das beste Team der Gruppe sein, Nigeria und Kolumbien ist aber dennoch mehr zuzutrauen.

Gruppe C: Deutschland und der Titelverteidiger

Team DeutschlandDer Sieger (Mexiko) und der Dritte (Südkorea) des letzten Turniers spielen in einer Gruppe, und doch stellt vermutlich keiner der beiden die stärkste Mannschaft der Gruppe C.

Denn allem Ärger um die Abstellungen zum Trotz kann Deutschland bei der ersten Teilnahme seit Seoul 1988 (als Klinsmann, Riedle, Häßler, Bommer und Reck die Brozemedaille holten) ein äußest patentes Team auf die Beine stellen. Die Bender-Zwillinge, die bei WM- und EM-Turnieren so oft wegen Verletzungen passen mussten, werden als Leitwölfe agieren. Um sie herum: Talent, wohin man schaut.

Innenverteidiger Süle hat mit 20 Jahren schon drei Saisonen als Bundesliga-Stammkraft hinter sich, die Schalke-Jungstars Goretzka und Meyer sind künftige National-Stammspieler, der im Frühjahr überragende Julian Brandt von Leverkusen ebenso. Timo Horn ist, was seine statistischen Werte angeht, längst einer der drei besten Keeper der Bundesliga. Lediglich die Frage, wo Leipzig-Stürmer Davie Selke spielt, da ja Nils Petersen als dritter älterer Spieler nominell den Posten in der Sturmspitze besetzt, ist noch nicht ganz klar. Klar ist aber: Wenn dieses deutsche Team nicht um die Medaillen oder gar um den Turniersieg spielt, wäre das eine grobe Under-Performance.

Team MexikoStärkster Gruppengegner wird ziemlich sicher Mexiko sein. Der Sieger von London – Stürmer Oribe Peralta ist wie 2012 auch diesmal wieder dabei – stellt eine grundsolide Mannschaft aus gewohnt gut ausgebildeten, jungen Spielern aus der sowohl sportlich als auch finanziell durchaus zugkräftigen eigenen Liga (die gemeinsam mit der argentinischen und der brasilianischen zu den drei ganz klar stärksten auf dem amerikanischen Kontinent zählt).

Neben Peralta sind auch Linksverteidiger Torres-Nilo und Keeper Talavera, die anderen beiden älteren Spieler, routinierte Kräfte aus der mexikanischen A-Mannschaft. Sie sollen für die internationale Abgeklärtheit sorgen. Es ist damit zu rechnen, dass Mexiko eher über die schnellen Außenbahn-Spieler aufbauen wird und eine solides, aber taktisch nicht besonders aufregendes Spiel zeigt. Völlig wilde Varianten wie das 3-Raute-3 der A-Mannschaft zuletzt bei der Copa América gibt es bei Raúl Gutiérrez (in den 90ern selbst Nationalspieler) eher nicht.

Südkorea errang vor vier Jahren in London eher überraschend die Bronze-Medaille. Angesichts der Konkurrenz in der Gruppe wäre es diesmal aber schon eine kleine Überraschung, sollte man die Vorrunde überstehen – obwohl mit dem Tottenham-Legionär Son Heung-Min der derzeit wohl beste Südkoreaner als einer der der Over-Aged Players die Taeguk Warriors verstärkt. Von Son abgesehen ist der hierzulande wohl „bekannteste“ Akteur der Koreaner Hwang Hee-Chan aus der Red-Bull-Lager, der vor allem in der Ersten Liga beim FC Liefering regelmäßig zum Einsatz kommt.

Überhaupt keine Chance wird das Südsee-Team aus Fidschi haben: Die Insulaner profitierten davon, dass Neuseeland im Halbfinale der Qualifikation einen nicht einsatzberechtigten Spieler aufstellte und daraufhin disqualifiziert wurde. Trainiert wird Fidschi von Frank Farina, der fast ein Jahrzehnt australischer Teamchef war. Im 18-Mann-Kader gibt es mit Stürmer Roy Krishna (der in der australischen A-League kickt) nur einen einzigen Spieler, der nicht in der völlig wertlosen heimischen Liga unter Vertrag steht. Alles andere als drei krachende Niederlagen wären eine Sensation.

Gruppe D: Argentinien wie in den 80ern

Als Argentinien 1986 Weltmeister wurde, wurde die Albiceleste als „Maradona plus ein paar beliebige Andere“ aufgefasst. Das ist den Sleeperblokes vor, neben und hinter Maradona gegenüber ein bissi unfair, aber weil in Argentinien (wie auch in Österreich) bei der Besetzung von Trainerposten Name oft vor Können geht, dürfen sie alle mal irgendwo ran, meist mit überschaubarem Erfolg.

Ja, Keeper Pumpido gewann als Coach die Copa Libertadores und Stürmer Valdano die spanische Liga. Aber Sechser Batista war als A-Teamchef ein chaotisches Desaster, Rechtsaußen Claudio Borghi ruinierte beinahe Bielsas Chile, Libero Brown bekleidete keinen Posten lange, Achter Burruchaga war bestenfalls Durchschnitt, Rechtsverteidiger Clausen hatte 14 Jobs in 14 Jahren, Manndecker Ruggeri trainierte zuletzt vor zehn Jahren ein Profi-Team. Und über Maradonas Zeit als Nationaltrainer braucht man eh keine Worte mehr zu verlieren.

Team ArgentinienNun darf Julio Olarticoechea, damals Linksverteidiger der Weltmeister-Mannschaft, mit dem Olympia-Team ran. Vom intensiven Pressing eines Bielsa oder dem aktuellen Vorwärtsspiel á la Messi / Di María / Higuaín ist sein Olympia-Team weit entfernt, vom unglaublichen Talent der Gold-Truppen von 2004 und 2008 auch. Unter Olarticoechea spielt Argentinien so wie unter seinem Teamchef 1986 und 1990, Carlos Bilardo: Defensiv, zynisch, dreckig.

Kein einziger Spieler im argentinischen Kader hat schon wirklich auf sich aufmerksam gemacht, selbst die zwei älteren Spieler (Turhüter Rulli und Verteidiger Cuesta) haben keinen klingenden Namen – und Achter Manuel Lanzini von West Ham sagte kurzfristig angeschlagen ab. So liegen die Hoffnungen auf einer stabilen Defensive und dem talentierten Zehner Angel Correa. Im letzten Test, einem überhitzten 0:0 gegen Mexiko lief das Team in einem 3-4-1-2 auf, davor in der Regel mit einem 4-2-3-1. Die Vermutung liegt nahe, dass Olarticoechea das System auf den Gegner anpasst.

Team PortugalPortugal verlor das Finale der U-21-EM erst im Elfmeterschießen, aber auch bei ihnen ist nicht mehr so furchtbar viel von dieser Mannschaft übrig. Dennoch: Da Portugal fast immer über gute Junioren-Teams verfügt, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit auch jenes Team, das man nach Rio schickt, nicht völlig untauglich.

Aber es ist halt auch nicht wirklich prominent. Achter Bruno Fernandes von Udinese ist noch der bekannteste Spieler, Sergio Oliveira vom FC Porto war 2011 U-20-Vizeweltmeister. Dazu herrscht im Kader ein (beinahe schon gewohnter) Überhang an bei Sporting ausgebildeten Spielern; die Grünen aus der Hauptstadt bildeten auch drei Viertel der frischgebackenen A-Europameister aus. Die Innenverteidiger Figueiredo, Ilori und Edgar Ié, Rechtsverteidiger Esgaio, Achter André Martins, Rechtsaußen Carlos Mané – alle von Sporting.

Ja, ab dem Viertelfinale wird es vermutlich sehr schwer, aber die Gruppe müsste Portugal schon überstehen können. Dabei sollte man die beiden „kleinen“ Teams der Gruppe aber nicht unterschätzen. Denn die Liga in Algerien ist eine der drei, vier stärksten in Afrika (neben jenen von Ägypten, Tunesien und der DR Kongo) und gleich fünf Kaderspieler Algerien kommen vom Meister USM Algier, zwei weitere von Sétif, dem Afrika-Champions-League-Sieger von 2014. Spannend ist, dass dies tatsächlich ein Team von in Algerien geborenen und aufgewachsenen Spielern ist und nur zwei „Franzosen“ dabei sind.

Auch bei Honduras rekturiert sich der Kader vornehmlich aus den nationalen Spitzenklubs Olimpia Tegucigalpa und Real Espana. Das sind zwar keine internationalen Kapazunder, messen sich aber regelmäßig mit den besten Teams aus Mexiko, den USA und Costa Rica in der Concacaf-Champions-League und sind grundsätzlich schon auch mit dem Ball vertraut. Und Honduras eliminierte in der Qualifikation die USA auswärts mit 2:0. Natürlich wäre es eher unerwartet, wenn Honduras die Gruppe übersteht, aber im Vorbeigehen besiegt man dieses Team auch nicht.

Spielorte und Modus

Wie im Spielplan oben ersichtlich: Es handelt sich um vier Vierergruppen, die Ersten und den Zweiten ziehen ins Viertelfinale ein. Bei Punktgleichheit zählt die Tordifferenz. Aufgrund des engen Zeitrahmens wird das Turnier ziemlich durchgepeitscht – so finden alle Viertelfinals am selben Tag statt, auch in der Vorrunde sind immer alle acht Matches eines Spieltags am selben Tag angesetzt.

Als Spielorte fungieren (mit Ausnahme des Olympiastadions in Rio in der ersten Turnier-Woche, ehe dieses für die Leichtathletik-Bewerbe gebraucht wird) ausschließlich Stadien, die 2014 bei der WM in Verwendung waren: Die Halbfinal-Arenen von Sao Paulo und Belo Horizonte, dazu Salvador an der Küste, Hauptstadt Brasilia und die Tropen-Hölle von Manaus.

Live im Fernsehen wird es nur sehr wenig zu sehen geben, weil bei Olympia natürlich noch 27 andere Sportarten komprimiert in zwei Wochen laufen und maximal ARD und ZDF für das deutsche Team zwei Sendestunden hergeben. Die offiziellen Übertragungen im Internet (in London ohne Kommentar, quasi im Stadion-Originalton) sind aber recht verlässlich.

herren übersicht

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Österreich gewinnt den Cyprus-Cup (plus: noch viel mehr) https://ballverliebt.eu/2016/03/12/oesterreich-cyprus-olympia-frauenfussball-shebelieves-nadeshiko/ https://ballverliebt.eu/2016/03/12/oesterreich-cyprus-olympia-frauenfussball-shebelieves-nadeshiko/#comments Sat, 12 Mar 2016 19:30:40 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=12148 Österreich gewinnt den Cyprus-Cup (plus: noch viel mehr) weiterlesen ]]> Ein Freistoß von der halbrechten Seite segelt in den polnischen Strafraum, eine Abwehrspielern verlängert die Kugel genau vor Katharina Schiechtl – und die Bremen-Legionärin sagt „Danke“. Das entscheidende 2:1 im Finale des Cyprus Cup für Österreich, es war die 89. Minute. Der erste Sieg bei einem der renommierten März-Turniere für Österreich.

Dies ist ein ziemlich ausführlicher Artikel. Zur Übersicht, folgende Themen werden behandelt: Erst geht es im Österreich beim Cyprus Cup, die ÖFB-Frauen haben mit drei Siegen und einem Remis das durchaus namhafte Turnier gewonnen. Dann werfen wir einen Blick auf das europäische Olympia-Quali-Turnier und dort im Speziellen auf das Team der Schweiz. Außerdem fand noch der hochkarätig besetzte SheBelieves Cup in den USA statt, wo die vier derzeit besten Nationalteams der Welt untereinander waren. Und am Ende geht der Blick noch nach Japan, weil der Teilnehmer an den letzten drei Finals von großen Welt-Turnieren die Qualifikation für Olympia sensationell verpasst hat.

Österreich gewinnt den Cyprus Cup

„Im Herbst haben wir mit zwei Sechsern gespielt“, erklärt Teamchef Dominik Thalhammer, nun nur noch mit einem. Das Grundgerüst mit dem Ball war ein 4-1-4-1 bzw. 4-3-3, mit nur einer defensiven Mittelfeld-Spielerin. Durch die doppelte Besetzung auf der Acht/Zehn konnten die Außenstürmer auch wirklich außen bleiben. „Im alten System tendierten die Mittelfeld-Außen dazu, früh einzurücken. So hat uns die Breite gefehlt, wenn die Außenverteidigerinnen nicht sehr weit nach vorne gerückt sind“, so der Teamchef.

Nun kann die Abwehrkette ein wenig flacher bleiben, mit zwei hohen Außenstürmern und zwei offensiv denkenden Achtern stellt man die Abwehr eines destruktiven und tief stehenden Gegners vor die Frage, wie sie es anstellen soll, nicht auseinander gezogen zu werden.

Experiment gegen Irland

Österreich - Irland 2:0 (1:0)
Österreich – Irland 2:0 (1:0)

Gegen Irland im ersten Spiel probierte man aber noch eine weitere Neuerung aus: Aus der Abwehr rückte Viki Schnaderbeck in den Sechserraum auf. So standen zwei Sechser (eher eng), davor zwei Achter (mit größerem Abstand), zwei weit agierende Außenstürmer und Mittelstürmerin Nina Burger. Ein wenig in Richtung WM-System, so wie ganz früher, mit einem aufbauenden, zentralen Viereck.

Wirklich funktioniert hat es offenbar noch nicht, die Abstände zwischen den Spielerinnen waren oft nicht optimal, „aber das ist nicht ungewöhnlich, wenn man etwas zum ersten Mal in einem echten Match ausprobiert“, so der Trainer. In jedem Fall aber hat man Irland doch einigermaßen verwirrt, mit dieser Raumaufteilung, und mit zwei vertikalen Pässen (einmal an die Strafraumgrenzen und einmal in den Rücken der aufgerückten irischen Abwehr) wurden die beiden Tore zum 2:0-Sieg eingeleitet.

In der letzten halben Stunde, nach dem Tor zum 2:0, zog sich das österreichische Team etwas zurück und testete das staubige Nach-Hause-Bringen eines Ergebnisses. Die Folge war eine optische irische Überlegenheit, die aber nicht wirklich etwas einbrachte.

Riegelknacken gegen Ungarn

Österreich - Ungarn 2:1 (0:0)
Österreich – Ungarn 2:1 (0:0)

Die Irinnen wollten durchaus mitspielen, Ungarn zwei Tage später nicht. Das war genau so erwartet worden; die ÖFB-Frauen stellten sich in einem 4-3-3 auf, erstmals mit Barbara Dunst in der Startformation. Die 18-Jährige vom nationalen Meister FSK St. Pölten ist eine Starkstrom-Spielerin, rastlos und unangenehm für jede Gegenspielerin. Mit ihr war der Teamchef auch recht zu zufrieden.

Die Vorgabe für dieses Spiel war, Geduld zu haben. „Oft wurde in der Vergangenheit zu schnell der vertikale Pass gespielt, obwohl dieser nur mit hohem Risiko oder nur ungenau spielbar war“, so Thalhammer. Die Schlussfolgerung: Länger den Ball auch öfter mal quer spielen, den Gegner zum Verschieben zwingen, Löcher abwarten. Eine Vorgabe, die erfüllt wurde: „Das erste Tor entstand aus dem 14. Ballkontakt dieser Ballbesitz-Phase“, freut sich der Teamchef, Sarah Zadrazil war als letzte am Ball, als kurz nach dem Seitenwechsel das 1:0 fiel.

Am Ende stand ein 2:1 (Billa erzielte nach einer Ecke das Siegtor, Bernadett Zágor hatte entgegen des Spielverlaufs den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt) zu Buche, und weil Italien gegen Irland nur zu einem Remis kam, bedeutete das: Ein Punkt im letzten Gruppen-Match, und Österreich würde im Finale stehen.

Defensiv-Test gegen Italien

Österreich - Italien 0:0
Österreich – Italien 0:0

Das Spiel gegen den laut Weltrangliste stärksten Teilnehmer am Cyprus Cup, Italien (Nr. 13, Österreich ist derzeit 27.), war eher eine Trockenheizer-Partie. Die spanische Unparteiische Frías Acedo pfiff auf beiden Seiten viel ab, es gab viele Standard-Situationen, aber sehr wenig Spielfluss.

Italiens Teamchef Antonio Cabrini, Weltmeister von 1982, ging in diesem Turnier vom gewohnten 4-3-3 ab und spielte mit einem 4-4-2 durch. Sprich: konsequentere Besetzung der Außenpositionen und zwei Mittelstürmer, dafür ein Posten weniger zum Aufbauen. So segelten vor allem die langen Bälle von den Vieren hinten auf die Vier da vorne, bzw. die Flanken von den Mittelfeld-Außen in Richtung Strafraum. Italien hatte aber grundsätzlich zunächst mehr vom Spiel und traf auch einmal die Torumrandung.

Nach einer halben Stunde lief die österreichische Pressing-Maschine dann an, was Italien merklich zu schaffen machte und sichtlich nervte, auch kam die Defensive der Azzurre schon ein wenig ins Schwimmen, wenn Druck auf sie ausgeübt wurde. Halb durch die zweite Halbzeit änderte sich das Spiel wiederum radikal, weil Sarah Puntigam nach einem Handspiel mit Gelb-Rot vom Platz musste. Der erste Ausschluss bei den ÖFB-Frauen seit 21 Jahren (damals Gerti Stallinger in einem EM-Quali-Spiel im Horr-Stadion gegen Jugoslawien).

In den verbleibenden 25 Minuten konnte Österreich damit die Variante „Abwehrschlacht“ probieren – das entspricht nicht den Vorstellungen und dem Naturell des Teams, kann aber auch mal nötig sein. Italien machte wiederum Druck, vor allem über die Außenpositionen. „Da haben wir zu viel zugelassen“, moniert Thalhammer, „die Flanken müssen wir besser verteidigen.“ Vor allem, da Norwegen (in vier Wochen Gegner in der EM-Quali) auf eine praktisch idente Spielanlage baut wie Italien in diesem Spiel. Allerdings sagt Thalhammer auch: „Ausgespielt haben die uns nicht!“ Womit es beim 0:0 blieb, Nina Burger hatte in der Nachspielzeit sogar noch die Chance auf den Siegtreffer.

Mühsam gegen Polen

Österreich - Polen 2:1 (1:1)
Österreich – Polen 2:1 (1:1)

In der anderen Gruppe hatte sich Polen durchgesetzt, war deshalb der Finalgegner des ÖFB-Teams. Schnaderbeck rückte für die gesperrte Puntigam auf die Sechs, dafür verteidigte hinten Gini Kirchberger von Köln neben Carina Wenninger von den Bayern innen.

Polens Teamcher Wojciech Basiuk, das wurde schnell deutlich, wusste, wie Österreich spielen will. Er wies seine Spielerinnen an, dem ÖFB-Team gar nicht erst die Gelegenheit zu geben, in das Pressingspiel zu kommen, indem die Bälle schnell los zu werden waren – und zwar hoch und weit in die Richtung von Stürmerin Ewa Pajor. Das funktionierte einerseits ganz gut, weil Österreich tatsächlich nicht so richtig ins gewünschte Spiel kam (dem frühen 1:0 durch Nina Burger zum Trotz), andererseits aber wiederum nicht so richtig, weil Pajor alleine relativ wenig ausrichtete und der Ball zumeist längst wieder bei Österreich war, ehe das polnische Mittelfeld aufrücken konnte. Der Ausgleich (rund 10 Minuten nach dem 1:0) kam hingegen zustande, weil es Polen einmal schaffte, auf spielerischem Weg die erste Pressinglinie zu umspielen, die folgende Flanke verwertete Ewelina Kamczyk (die 19-Jährige stieg vor zwei Jahren direkt von der U-17 ins A-Team auf).

Dieses Spiel zeigte, dass gerade Topf-3-Teams, die sich etwas überlegen, Österreich zuweilen noch vor Probleme stellen können (wie im Herbst auch Wales mit einem durchaus geschickt aufgestellten 3-4-3). Das schnelle Rausbringen des Balles aus der Abwehr in Verbindung mit „drei, vier sehr schnellen Spielerinnen“ (O-Ton Thalhammer) machte Polen zu einem unguten Gegner. Österreich hatte in der Folge mehr vom Spiel, traf auch einmal die Latte (Billa), zwingende Torchancen gab es aber kaum – ehe Schiechtl aus einem Standard kurz vor dem Ende doch noch das Tor erzielte.

Bilanz

„Im Grunde haben wir alle Ziele erreicht“, ist Teamchef Thalhammer zufrieden: „Es war eine Weiterentwicklung in allen Bereichen und wir arbeiten gezielt an Details. Es gab einige gute Erkenntnisse was das Offensivspiel betrifft und unser Verhalten im Ballbesitz, aber auch bei Pressing-Situationen. Da sind wir oft nicht genau genug im Anlaufen, und das Gegenpressing ist manchmal etwas zu ungestüm.“ Sprich: Wenn man im Gegenpressing ein Foul verursacht, ist das nicht so furchtbar hilfreich.

Und Negatives? „Da kann ich nichts finden“, überlegt der Trainer, „alle sind fit wieder heimgekommen, das ist sehr wichtig. Außerdem haben wir gesehen, dass da ein Team auf dem Platz steht, das sehr stabil ist, egal was passiert. Ob es nun ein vermeidbares Gegentor, ein Ausgleich oder gar ein Ausschluss ist.“

Die nächsten Aufgaben warten am 6. und am 10. April im Vorwärts-Stadion von Steyr. Da kommen in der EM-Qualifikation Kasachstan (sollte ein klarer Sieg für Österreich werden) und Gruppenfavorit Norwegen. Und, nur um es noch einmal zu erwähnen: Die ÖFB-Frauen sind nun seit 17 Spielen oder ziemlich exakt zwei Jahren ungeschlagen, Gegner waren in dieser Zeit etwa Australien (WM-Viertelfinalist), Finnland (EM-Teilnehmer), Spanien (WM-Teilnehmer) und Italien (EM-Viertelfinalist).

Die Olympia-Quali

Schweden - Norwegen 1:0 (1:0)
Schweden – Norwegen 1:0 (1:0)

Norwegen spielte parallel zum Cyprus Cup in der europäischen Olympia-Qualifikation (Deutschland und Frankreich sind wegen ihrer WM-Leistungen schon qualifiziert, hier ging es um den dritten und letzten UEFA-Platz) und verpasste das Turnier in Rio, für das in der Vierergruppe (mit Schweden, Schweiz und Turnier-Gastgeber Holland) der ersten Platz notwendig gewesen wäre.

Unter Roger Finjord, seit einem halben Jahr Chef-Trainer, spielt der Weltmeister von 1995 und Olympiasieger von 2000 in einem 4-4-2, das im Aufbau eigentlich ein 4-2-4 ist: Zwei statische Sechser im Zentrum, gelernte Außenstürmer an den Flanken, eine bullige und eine trickreiche Stürmerin im Zentrum.

Wenn Norwegen aber gezwungen ist, das Spiel gegen einen Gegner von halbwegs Klasse zu gestalten, wird das alles sehr bieder – was aber zum insgesamt eher enttäuschenden Niveau bei diesem Mini-Turnier passt. Schweden etwa machte in erster Linie zu (passive Viererkette hinten, drei zentrale und defensiv denkende Leute im Mittelfeld), schlich und mauerte und mogelte sich zum Gruppensieg (frühes Tor und dann nix mehr beim 1:0 gegen Norwegen, klares Abseits-Tor beim 1:0 gegen die Schweiz, profitiert von einem Mörder-Bock in der holländischen Abwehr beim 1:1).

Schweden hat sich seit der Heim-EM 2013 in eine gravierende spielerische Krise manövriert, auch wegen personeller Aderlässe: Öqvist ist Mama, Göransson in der Anonymität von Mittelständler Vittsjö untergetaucht, Sjögran ist Sportdirektorin in Malmö und die dünnhäutige Asllani hat sich mit der zuweilen undiplomatischen Teamchefin Pia Sundhage überworfen. Kurz: Schweden hat derzeit nicht das Personal für ein Offensivspiel der Marke Sundhage, weshalb Pia den pragmatischen Weg gewählt hat und mauerte.

Holland war die einzige Mannschaft, die konsequent versucht hat, selbst ein Spiel aufzuziehen, das diesen Namen auch verdient, zerlegte so die Schweiz, aber gegen Schweden und Norwegen fehlte die individuelle Klasse (wohl auch, weil Außenstürmerin Lieke Martens und Abwehrchefin Stefanie van der Gragt verletzt fehlten). Der Weg zur Heim-EM im kommenden Jahr stimmt bei Oranje unter Bondscoach Arjan van der Laan aber.

Die Sache mit der Schweiz und Martina Voss

Holland - Schweiz 4:3 (1:1)
Holland – Schweiz 4:3 (1:1)

Das einigermaßen deutlich schwächste Team im Turnier war das aus der Schweiz. Das lag zum einen daran, dass Führungsspielerinnen wie Ramona Bachmann und Lara Dickenmann komplett von der Rolle waren. Aber auch daran, dass das System und die Spielanlage an Naivität kaum zu überbieten waren.

Die deutsche Trainierin Martina Voss-Tecklenburg stellte nach der WM vom flachen 4-4-2 auf ein 4-1-3-2 um, in dem die Außen im Mittelfeld recht breit stehen. Ziel: Mit vier Offensiven auf der ganzen Breite angreifen, plus einen zentralen Zehner, plus offensiv denkene Außenverteidiger (wie Ana Maria Crnogorcevic, die eigentlich Außenstürmerin ist). So überfährt man unterklassige Gegner wie Georgien und Nordirland in der EM-Quali im Herbst 4:0 und 8:1, eh klar. Beim 3:0 in Italien im Oktober hatte man schon Glück, dass Italien (damals im 4-3-3) die klare Überzahl im Zentrum wegen akutem Kreativitätsmangel nicht nützte – und, dass Azzurre-Goalie Giuliani zweimal grob daneben griff; das Resultat von 3:0 täuscht darüber hinweg, dass die Schweiz in Cesena sicherlich nicht die bessere Mannschaft war.

Italien - Schweiz 0:3 (0:0)
Italien – Schweiz 0:3 (0:0)

Nun ging es aber gegen wirklich gute Gegner, und schon die realtiv spielstarken Holländerinnen machten die offenen Halbräume, die Schweiz über 70 Minuten nicht zumachte, zu ihrem persönlichen Spielplatz. Spielerinnen wie Trainerin beklagten sich nach der Lehrstunde (in der man nur wegen konditioneller Mängel bei Holland in der Schlussphase noch von 1:4 auf 3:4 verkürzt hatte) über „zu große Räume“, die man Oranje im Mittelfeld gewährt hatte. Das ist aber außschließlich Voss anzukreiden.

Die Erkenntnisse der WM und der Spiele seither sprechen eine eindeutige Sprache: Geht es gegen deutlich schwächere Teams (wie Ecuador bei der WM), spielt man die individuelle Überlegenheit und die relative Offensivstärke gnadenlos aus. Gegen stärkere Gegner aber passt man die Strategie nicht an und rennt blindlings in offene Messer. So war es bis zu einem gewissen Grad beim eher peinlichen 1:2 gegen Kamerun bei der WM, so hätte es in Cesena gegen Italien werden können (wenn die es etwas intelligenter gespielt hätten), und so war es absolut bei 3:4 in Holland nun in der Olympia-Quali.

Immerhin: Gegen die zentral stark aufgestellten Schwedinnen stellte Voss tatsächlich auf ein 4-2-3-1 um (mit Zehnder und Wälti auf der Sechs) und hielt Schweden halbwegs an der Leine, ehe man das Pech hatte, dass das Referee-Gespann ein Tor für das Trekronor-Team anerkannte, bei der Torschützin Caroline Seger auf der Torlinie stand, also klar Abseits war. Im letzten Spiel gegen Norwegen (als die Schweiz schon aus dem Rennen um das Olympia-Ticket war) kam wieder das offene 4-1-3-2 zum Einsatz, was nur deshalb funktionierte, weil Norwegen eben ohne Aufbau via Zentrum spielt.

Österreich - Schweiz 1:2 (0:1)
Österreich – Schweiz 1:2 (0:1)

Martina Voss war als Spielerin gemeinsam Europameisterin und Vize-Weltmeisterin mit Silvia Neid, und gemeinsam ist ihnen das Vertrauen auf individuelle Klasse, das Überrennen der Gegner über die Flügel und offenbar auch die Abneigung, den eigenen Matchplan auf den Gegner anzupassen (womöglich, weil sie es unter ihrem damaligen Teamchef Gero Bisanz auch nicht anders gelernt hatten). Für die EM im kommenden Jahr wird sich die Schweiz natürlich völlig ohne Probleme qualifizieren, aber dort wird es das nächste Mal wieder spannend, inwieweit sich Voss da auf starke Gegner anpasst. Interessant wäre wieder mal ein Spiel der Schweiz gegen Österreich: Derzeit sieht es so aus, als wäre die Schweiz individuell besser aufgestellt, Österreich inhaltlich.

Das letzte Duell gab es im August 2012 in Altach, die Schweiz gewann damals 2:1 (Tore von Moser und Dickenmann bzw. Puntigam). Gerade Österreich, damals noch am Anfang der Entwicklung ist inhaltlich aber überhaupt nicht mit 2012 zu vergleichen.

Das Turnier der Großen in den USA

Das März-Turnier mit dem vermutlich dämlichsten Namen aller Zeiten („SheBelieves Cup“) war jenes mit dem wohl höchsten Niveau aller Zeiten. Gastgeber und Weltmeister USA gewann die Premiere mit drei Siege in drei Spielen vor Deutschland (6 Punkte), England und Frankreich (je 1 Punkt). Nun haben manche das Turnier ernster genommen (USA) als andere (Frankreich), ein paar schöne Erkenntnisse lassen sich auch dem durchaus ansehnlichen Cup aber schon ziehen.

USA - England 1:0 (0:0)
USA – England 1:0 (0:0)

Erstaunlich ist vor allem, dass die USA ohne Abby Wambach (der Sturmtank hat aufgehört) und Megan Rapinoe (die oft eigensinnige Flügelflitzerin riss sich das Kreuzband) viel flexibler ist. Im aktuellen Mix aus 4-2-3-1 und 4-4-1-1 kippen die beiden Sechser in der Regel seitlich ab, um die aufrückenden AV abzusichern; WM-Final-Star Carli Lloyd nimmt sich im Dienste der Mannschaft eher zurück. Und: Trainerin Jill Ellis baut jetzt, noch vor Rio, die Jungen ein.

Lindsey Horan, eigentlich ein Offensivgeist, fremdelt mit ihrer Rolle im defensiven Mittelfeld noch etwas. Emily Sonnett, der Nr.-1-Draft-Pick, spielte in der Innenverteidigung auf sicher und hielt sich an der routinierten Becky Sauerbrunn an. Und Mallory Pugh ist the real deal: Das 17-jährige Mädel (die schon vor anderthalb Jahren bei der U-20-WM die einzige US-Spielerin war, die auf der Höhe des Geschehens war) ist unerhört schnell, technisch schon extrem gut und hat auch durchaus Spielverständnis.

Allerdings: Furchtbar viel kommt, von diesen drei abgesehen, auf absehbare Zeit auch nicht nach und Trainerin Ellis rotiert auch eher ungarn. Mit Crystal Dunn als bullige und Christen Press als international routinierte Alternative für Pugh, und eher wieder mit Julie Johnston (wie bei der WM) statt Sonnett wird Ellis so in die Olympischen Spiele gehen. Ob Rapinoe rechtzeitig fit wird, muss sich zeigen – und ob ihre Rückkehr dem US-Spiel überhaupt gut täte, ebenso.

2016 03 03 Ger-Fra 1-0Bei Deutschland wurden von Noch-Bundestrainerin Silvia Neid ein paar neue Leute ausprobiert (Kerschowski und Blässe am Flügel, Hendrich als RV, Doorsoun als LV), andere Leute weiter mit einer kaum nachvollziehbahren Nibelungen-Treue bedacht (die IV mit Krahn, 30, und Bartusiak, 33, beide eher von der Holzfuß-Fraktion und nicht gerade die weiblichen Wiedergänger von Javi Martinez und Jerome Boateng) und im ersten Spiel mit einem 4-1-4-1 geteasert.

Dieser System-Test wurde aber extrem halbherzig absolviert, schnell kam man wieder auf das gewohnte, berechenbare Neid’sche 4-4-2, das dann auch beinhart durch das restliche Turnier durchgezogen wurde. So als ob Neid sagen würde: Ich habe mich zehn Jahre nicht um die Entwicklung einer taktischen Alternative geschert, warum sollte ich jetzt, ein paar Monate vor Ende meiner Amtszeit, damit anfangen. Nach Olympia übernimmt Steffi Jones, ob sie das Amt der Bundestrainerin etwas weltoffener anlegt als Neid, weiß noch niemand.

England zeigte sich etwas weniger systemvariabel als sonst, spielte aus einem 4-1-3-2 heraus das Turnier weitgehend durch und testete vor allem das Stören des Aufbaus von spielstärkeren Teams. Das gelang gut: Die USA fand trotz des 1:0-Sieges nie eine wirkliche Lösung, genauso die berechenbaren Deutschen (die nur wegen eines Eigentors und eines geschenkten Elfers 2:1 gewannen) und das Spiel gegen Frankreich endete 0:0. Zwar holte England also nur einen Punkt aus den drei Spielen, furchtbar unzufrieden wird Trainer Mark Sampson aber nicht sein.

Dafür spielte Frankreich diesmal ein bisschen „Little Britain“ und variierte das System (4-1-4-1 gegen Deutschland, 4-4-2 gegen die USA, 4-2-3-1 gegen England) – wenn auch nicht die Spielanlage. Frankreich will natürlich immer noch den Ball, ist technisch exzellent, erarbeitet sich Chancen – braucht aber zu viele und im entscheidenden Moment klappts einfach nicht. Irgendwie wie immer halt. Immerhin: Kheira Hamraoui zeigte im DM auf und ist eine echte Alternative zu Cammy Abily und Amandine Henry.

Was das für Rio bedeutet? Einerseits sollte man natürlich erst einmal die Auslosung der drei Gruppen am 14. April abwarten. Aber: Weltmeister USA ist stärker als bei der WM im letzten Jahr und ist der klare Favorit auf die fünfte Goldmedaille im sechsten olympischen Frauen-Turnier. Frankreich – bei der WM die deutlich stärkste Mannschaft, aber im Viertelfinale im Elferschießen an Deutschland gescheitert – hat es drauf, muss es aber erst einmal im Kopf zusammenbringen.

Deutschland wird genauso daherkommen wie immer und von jedem Gegner mit einem kleinen Stück Hirnschmalz und der nötigen individuellen Klasse dazu vor gravierende Schwierigkeiten gestellt werden. Algarve-Cup-Sieger Kanada ist Außenseiter, Veranstalter Brasilien (beim heuer mäßig besetzten Algarve Cup immerhin im Finale) ist nicht so gut und hat den größten Druck.

Sayonara, Norio-san

Und Japan? Nun ja: Jenes Team, das in allen drei großen Finals seit 2011 stand (2x Weltmeisterschaft und 1x Olympia) ist die größte Sensation der #RoadToRio. Nach einem verdienten 1:3 gegen Australien, einem peinlichen 1:1 gegen Südkorea und einem bitteren 1:2 gegen China stand schon nach drei der fünf Spiele fest, dass die Nadeshiko keine Chance mehr auf eines der beiden asiatischen Tickets für Olympia hat.

Trainer Norio Sasaki, der vor acht Jahren ein Mitläufer-Team übernommen und es zur zeitweise deutlich besten Mannschaft der Welt gemacht hat, nahm seinen Hut. Das blamable Scheitern ist zu einem gewissen Grad auch seine Schuld: Er hat es verabsäumt, einen wirklichen Generationswechsel zu vollziehen. Das Team, das sich letztes Jahr ins WM-Finale schleppte, hatte ein geradezu biblisches Durchschnitts-Alter, bis auf Homare Sawa (die 36-jährig ihre Karriere beendete) sortierte er aber weiterhin niemanden aus.

Ob Sasaki aber auch an der Schlampigkeit im Passspiel Schuld ist, das sein Team bei dem Olympia-Quali-Turnier gezeigt hat? Japans Anlage ist auf präzisen Pässen in der gegnerischen Hälfte ausgelegt, um die körperlichen Nachteile auszugleichen. Ständig aber musste Spielerinnen ungenauen Pässen nachlaufen, passierte billige Abspielfehler, wurde das Tempo heraus genommen. So kann man selbst als Japan Teams wie Australien und China nicht unter Druck setzen, selbst gegen die beiden koreanischen Teams mühte man sich ab. Eine entsetzte Homare Sawa gab zu Protokoll, dass der Fokus fehle, die Bereitschaft, auch wenn es nicht läuft konzentriert zu bleiben. Kurz: Japan wirkte alt und satt.

Aya Miyama, die das Spiel gestalten soll, spielt nur Alibi-Pässe. Die routinierte Yuki Ogimi konnte sich im Strafraum überhaupt nicht durchsetzen, die Zeit von RM Shinobu Ohno ist längst vorbei. Und Innenverteidigerin Azusa Iwashimizu, die wirklich schon alles gesehen hat, ist seit dem für sie desaströsen WM-Finale gegen die USA und Carli Lloyd komplett neben der Spur.

Wer auch immer Norio Sasaki nachfolgt – heißeste Kandidatin ist Japans Junioren-Teamchefin Asasko Takakura – hat nun gemütlich drei Jahre Zeit, um bis zur WM 2019 in Frankreich einen Generationswechsel zu vollziehen. Normalerweise dürften aus der aktuellen Stammformation dann kaum noch mehr als drei oder vier Leute übrig sein.

By the way: Australien und China fliegen für den asiatischen Verband nach Rio.

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Zwei völlig verschiedene Spielanlagen schärfen https://ballverliebt.eu/2016/02/26/oesterreich-frauen-cyprus-cup-italien-irland-ungarn-olympia/ https://ballverliebt.eu/2016/02/26/oesterreich-frauen-cyprus-cup-italien-irland-ungarn-olympia/#respond Fri, 26 Feb 2016 19:57:43 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=12086 Zwei völlig verschiedene Spielanlagen schärfen weiterlesen ]]> Das Leistungsgefälle ist, allen Fortschritten der Mittelklasse zum Trotz, im Frauenfußball immer noch gewaltig. Das heißt: Schwächere Teams bunkern sich gegen bessere extrem hinten ein und verbarrikadieren die gefährliche Zone vor dem Tor.  Nun gehört Österreich mittlerweile auch zu den stärkeren Nationalteams.

Das dadurch entstehende Dilemma: Die auf extrem aggressives Pressing und hohe körperliche Robustheit ausgelegte Spielanlage kann oftmals nicht zur Anwendung gebracht werden, weil der Gegner den Ball gar nicht haben will und man dadurch auch niemanden anpressen kann. Darum ist ÖFB-Teamchef Dominik Thalhammer gezwungen, der Mannschaft eine zweite, völlig entgegengesetzte Spielanlage einzuimpfen. Dazu dient der kommende Cyprus Cup.

Vier Monate ist das letzte Länderspiel der ÖFB-Frauen nun her. Das 1:0 in der EM-Quali in Israel war ein furchbar zähes Spiel: Über 500 Pässe spielte Österreich da, hatte um die 80 Prozent Ballbesitz, kreierte aber kaum echte Torgefahr gegen einen ultra-defensiven Gegner.  „Es muss uns gegen solche Teams besser gelingen, zwischen die Linien zu kommen und auch konsequenter dorthin kommen, wo es zählt – in den Strafraum, vor das Tor“, fordert Teamchef Thalhammer, der zuletzt zum sportlichen Leiter der Traineraus- und -fortbildung im ÖFB befördert wurde.

Anders gesagt: Viel Ballbesitz alleine bringt gar nichts, wenn man nicht vors Gehäuse kommt. Genau das kann im zweiten Gruppenspiel gegen Ungarn (am 4. März) trainiert werden. Thalhammer erwartet ein ähnliches Spiel wie vor genau einem Jahr, als Österreich beim Istrien Cup gegen Ungarn spielte und in einem ähnlichen Spiel wie zuletzt in Israel ebenso 1:0 gewann.

cypruscup

Irland, Ungarn, Italien

Dafür will Thalhammer eine erhöhrte System-Flexibilität etablieren. Vom 4-4-2, das in den letzten Jahren immer die Basis war, ging man im Herbst schon oftmals zugusten eines 4-2-3-1 ab, aber generell soll das System selbst den Gegebenheiten nahtlos angepasst werden können. Gegen Irland, zwei Tage davor, wird Österreich wohl ein wenig eher die in den letzten Jahren gewonnene körperliche Robustheit ausspielen können, mit der man das irische Team schon letztes Jahr in Istrien bis zum Gehtnichtmehr genervt hat.

Im letzten Gruppenspiel dürfte dann wieder der komplette Furor des ultra-aggressiven Pressings ausgepackt werden, den Österreich gegen die stärkeren Teams in den letzten Jahren ausgezeichnet hat – wenn die Italienerinnen sie lassen. In ihrem letzten Spiel gegen ernst zu nehmende Konkurrenz nämlich, im Herbst in der EM-Quali gegen die Schweiz, gefiel sich Italien darin, mit einem 4-3-3 und einer flachen Offensivreihe die gegnerische Spieleröffnung durch Stellungsspiel zu kappen.

Womoglich wird, so seltaam das klingen mag, dieses Spiel mehr über Italien aussagen als über Österreich. Italien, Viertelfinalist der letzten EM, ist in der Theorie ein Team der erweiterten europäischen Spitze, in der Praxis aber ein Scheinriese auf der Suche nach sich selbst.

Österreich - Italien 1:3 (1:3)
Österreich – Italien 1:3 (1:3)

Der nationale Meister Verona hatte die ärgste Mühe, im Herbst im Europacup den österreichischen Vertreten St. Pölten zu eliminieren (5:4 und 2:2), die beste Spielerin der letzten 20 Jahre, Patrizia Panico, hat mit 41 Jahren nun doch ihre Team-Karriere beendet, und bis auf Melania Gabbiadini (die Schwester von Napoli-Stürmer Manolo) und Bayern-Linksverteidigerin Raffaela Manieri (die im Nationalteam Innenverteidigerin spielen muss) ist keine Akteurin von europäischer Klasse in Sicht. Orientiert sich Cabrini an der österreichischen Spielanlage oder will er selbst das Spiel in die Hand nehmen? Kühne Prognose: Stellt sich Italien eher passiv mit den der Offensiven vor die österreichische Eröffnung, hat Italien gute Karten. Will Italien spielen, kann es aber schlimme Dresche von Österreich geben.

Das bisher einzige Spiel Österreichs gegen Italien (wo 1982er-Weltmeister Antonio Cabrini der Teamchef ist) wurde vor drei Jahren 1:3 verloren, das war in der Frühphase des sich entwickelnden österreichischen Pressing-Spiels: Vorne wurde kräftig drauf gegangen, im Mittelfeld aber nicht nachgerückt. Es war auch das letzte Spiel von Marion Gröbner, Susi Höller und der eingewechselten Maria Gstöttner, zwei langjährigen Stützen des ÖFB-Teams.

Das Spiel in Larnaca ist nun eine schöne Vergleichsmöglichkeit. Danach wartet noch ein viertes Spiel bei diesem Turnier, das Platzierungsspiel – gegen ein Team aus der anderen Gruppe. Dort spielen Turnier-Organisator Finnland, dazu Wales, Polen und Tschechien. Was passiert, sollte es zu einem Spiel gegen Wales kommen, ist nicht ganz klar, schließlich sind die Waliserinnen Gegner von Österreich in der derzeit laufenden EM-Quali. „Das wäre subobtimal“, sagt auch Thalhammer, „andererseits kennen wir uns ohnehin in- und auswendig. Zudem stellt sich die Frage, ob man das Spiel dann wirklich ernst nimmt.“

Ob es möglich ist, bei einem etwaigen Platzierungsspiel gegen Wales den Modus kurzfristig umzudrehen (es ist am Ende ja doch nur ein Test-Turnier, keine Pflichtspiel-Veranstaltung), sei mal dahingestellt. Gegen Finnland spielte Österreich in der letzten Quali für die WM 2015 (1:2 in Turku und 3:1 in Wr. Neustadt), gegen Tschechien in der Quali davor für die EM 2013 (1:1 in Vöcklabruck und 3:2 im Schlüsselspiel in Prag), beide ließ man hinter sich. Am interssantesten wäre wohl ein Duell gegen Polen, da liegen die letzten Spiele nämlich schon lange zurück: In der Quali für die EM 2009 verlor Österreich 0:1 in Freistadt und gewann 4:2 in Kutno, mit Carina Wenninger und Nina Burger sind aber nur noch zwei Spielerinnen von damals noch mit dabei.

Ein Wort zum ÖFB-Kader: Grundsätzlich sind alle dabei, bis auf Offensiv-Allrounderin Lisa Makas (erneuter Kreuzbandriss) und Goalie Anna-Carina Kristler (beruflich verhindert).

Olympia-Qualifikation

Zeitgleich wird noch an jeder Menge anderen Orten Frauenfußball gespielt. Vor allem in der Olympia-Quali geht es heiß her.

In Rotterdam rittern Holland, Norwegen, Schweden und die Schweiz um den letzten europäischen Platz im olympischen Turnier in Brasilien im Sommer, nachdem Deutschland und Frankreich ihr Ticket schon bei der WM letztes Jahr gebucht haben (England als bestes europäisches Team der WM darf ja nicht mitmachen, weil sich die anderen Home Nations querlegen).

Nun spielen also die vier im Achtelfinale der WM eliminierten europäischen Teams aus, wer die Deutschen (im letzten Turnier unter Silvia Neid) und Frankreich begleitet. Norwegen (Österreichs Gruppengegner in der EM) planiert Test- und Qualigegner unter dem neuen Teamchef Roger Finjord nach Belieben (4:0 gegen Wales, 6:0 gegen Rumänien, 4:0 in Schottland – nur gegen Frankreich gab’s zuletzt ein knappes 0:1); die Schweiz besiegte auswärts in der EM-Quali Italien und sieht stabil (wenn auch nicht vesinders aufregend) aus, der kommende EM-Gastgeber Holland ist unter dem neuen Trainer Arjan van der Laan überhaupt noch ungeschlagen (mit Siegen gegen Weltklasse-Team Frankreich, WM-Finalist Japan und zweimal gegen Dänemark). Nur die Schweden scheinen sich nach der katastrophalen WM noch immer nicht zurück in die Spur begeben zu haben. Wer sich da durchsetzt? Unmöglich vorherzusagen. Hier geht’s wirklich um was – kein Wunder, dass Eurosport statt (wie in den letzten Jahren) den Algarve Cup heute die Olympia-Quali überträgt.

Parallel werden in Osaka die beiden asiatischen Tickets ausgespielt. Japan gilt in dem Mini-Turnier als Favorit, China und Australien (beide im WM-Viertelfinale) sind die heißesten Kandidaten auf den zweiten Platz. Nordkorea (bei der WM ausgeschlossen) und Südkorea (im WM-Achtelfinale) haben wohl nur Außenseiterchancen, Vietnam gar keine.

Schon letzte Woche wurde das CONCACAF-Quali-Turnier absolviert, wie erwartet kamen da Weltmeister USA und WM-Viertelfinalist Kanada durch (das konsequenzlose Finale des Turniers gewann die USA mit 2:0), dahinter ist nun endgültig klar, dass Costa Rica als klare Nummer drei des Kontinents Mexiko deutlich den Rang abgelaufen hat.

olympia

USA, Algarve, Istrien

Weil Schweden und Norwegen, zwei Stammgäste beim Algarve-Cup, eben indisponiert sind, verlor das prestigeträchtigste März-Turnier deutlich an sportlichem Stellenwert, weswegen die USA nun ihr eigenes Turnier ausrichtet – den „SheBelieves Cup“, mit Deutschland, England und Frankreich. Vier der fünf besten Nationalteams der Welt treffen da in Tampa, Nashville und Boca Raton aufeinander. Ein Leckerbissen.

Ohne die USA, Deutschland, Norwegen und Schweden kommt der Algarve Cup heuer extrem gerupft daher. Statt der üblichen 12 sind es diesmal nur acht Teilnehmer, darunter auch Kanada – dieses Team spielte, wie Frankreich, England und Holland, traditionell immer beim Cyprus Cup mit. Womit dieses Turnier, das Österreich nun erstmals bestreitet, auch nicht mehr ganz das Niveau der letzten Jahre hat.

Umso wichtiger, dass es mit einer österreichischen Teilnahme in Zypern klappte, denn der Istrien-Cup (wo Österreich ja letztes Jahr spielte) ist heuer komplett wertlos und in dieser Form sicher nicht dauerhaft überlebensfähig. Neben den drittklassigen Teams aus Kroatien, Slowenien, der Slowakei und Nordirland füllen die B-Teams von Frankreich und Ungarn, die U-23 der USA und die U-20 aus Polen das Feld auf. Die Zweitverwertungen des USWNT und der Équipe Tricolores sollten das unter sich ausmachen, im Normalfall.

Der Kader für den Cyprus Cup

Österreich: Tor: Jasmin Pal (19, Innsbruck, 0 Länderspiele/0 Tore), Manuela Zinsberger (20, Bayern/GER, 13/0). Abwehr: Verena Aschauer (22, Freiburg/GER, 26/3), Barbara Dunst (18, St. Pölten, 1/0), Virginia Kirchberger (22, Köln/GER, 30/0), Sophie Maierhofer (20, Werder Bremen/GER, 6/1), Katharina Schiechtl (22, Werder Bremen/GER, 8/2), Viktoria Schnaderbeck (25, Bayern/GER, 43/2), Lisi Tieber (25, Neunkirch/SUI, 23/1), Carina Wenninger (25, Bayern/GER, 48/3). Mittelfeld: Jasmin Eder (23, St. Pölten, 24/0), Laura Feiersinger (22, Bayern/GER, 35/6), Jenny Pöltl (22, St. Pölten, 31/3), Nadine Prohaska (25, St. Pölten, 55/7), Sarah Puntigam (23, Freiburg/GER, 53/9), Sarah Zadrazil (23, Eastern Tennessee/USA, 28/2). Angriff: Nici Billa (19, Hoffenheim/GER, 13/6), Nina Burger (28, Sand/GER, 70/38), Stefanie Enzinger (25, Sturm Graz, 1/0), Simona Koren (22, Eastern Tennessee/USA, 6/0).

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