Olsen – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Thu, 14 Jun 2012 00:12:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Deutschland zeigt Oranje, wie’s gemacht wird – verdienter 2:1-Sieg https://ballverliebt.eu/2012/06/14/deutschland-zeigt-oranje-wies-gemacht-wird-verdienter-21-sieg/ https://ballverliebt.eu/2012/06/14/deutschland-zeigt-oranje-wies-gemacht-wird-verdienter-21-sieg/#respond Thu, 14 Jun 2012 00:05:48 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7483 Deutschland zeigt Oranje, wie’s gemacht wird – verdienter 2:1-Sieg weiterlesen ]]> Schaut her, Holländer, so geht das – Deutschland lieferte zumindest eine Stunde lang Anschauungs-Unterricht. Bert van Marwijk hingegen machte den gleichen Fehler wie gegen Dänemark und setzte auf eine extrem statische und unbewegliche Mittelfeld-Zentrale, die wurde von den Deutschen zerstört wurde. Dennoch gibt’s für Holland immer noch die Chance auf das Viertelfinale, weil Portugal die Dänen mit 3:2 besiegt. Trotz eines Riesen-Lochs hinter Cristiano Ronaldo.

Deutschland - Holland 2:1 (2:0)

Vorne wird gepresst, hinten wird gewartet – das war eines der größten Probleme der Holländer beim 0:1 gegen Dänemark: Die Mannschaft zerfiel in zwei Teile, einen offensiven und einen defensiven, die wenig miteinander zu tun hatten. Dänemark nützte diese fehlende Balance bei Oranje aus. Genau wie das extrem passive Spiel von De Jong und Van Bommel im Zentrum, die sich beide als reine Zerstörer ohne Aufgabe nach vorne verstanden.

Holland statisch und vorsichtig

Dennoch vertraute Bondscoach Bert van Marwijk der selben Formation wie gegen Dänemark (von der Rückkehr des von einer Verletzung genesenen Stamm-IV Joris Mathijsen mal abgesehen). Anstatt also weiterhin hoch zu pressen und dahinter das Mittelfeld aufrücken zu lassen, verzichtete Van Marwijk auf das Pressing der vier Offensiv-Leute. Anstatt also selbst zu versuchen, das Kommando zu übernehmen, Ballverluste bei den Deutschen zu provozieren und dazu Schweinsteiger und Khedira unter Druck zu setzen, passierte genau das Gegenteil.

Die Holländer standen zwar sehr kompakt, dabei aber auch extrem statisch. Wieder kam von De Jong und Van Bommel in der Vorwärtsbewegung nichts, das Tempo wurde verschleppt, es wurde kaum einmal ein Risiko-Pass versucht, sondern viel eher immer wieder hinten herum gespielt. Kurz: Es fehlte das Überraschungsmoment, es fehlte die Dynamik, es fehlte der Zug zum Tor. Viel gefährlich man mit direkten Pässen sein konnte, wurde in einigen Situationen in der ersten Viertelstunde zwar offensichtlich, aber dennoch kamen solche Versuche viel zu selten.

Deutschland macht’s richtig

Wie man es richtig macht, zeigte die deutsche Mannschaft. Hummels und vor allem Badstuber versuchten, wann immer möglich, den Vorwärtspass; Schweinsteiger und Khedira schalteten sich mit ihrer Dynamik immer wieder nach vorne ein. Der ballführende Holländer wurde immer mit zwei Leuten angepresst, so wurden auch die sich ständig wiederholenden harmlosen Querpässe bei Oranje provoziert. Es wurde konsequent nachgerückt, um keine Löcher zwischen den Reihen aufzureißen. Und im Umschalten wurde sofort Zug zum Tor entwickelt.

Mit seinen intelligenten Laufwegen schuf Özil auch immer wieder Platz für die nachrückenden Mitspieler aus dem Zentrum. Weil De Jong dem deutschen Zehner in Manndeckung nahm, um ihn aus dem Spiel zu halten, blieb oft dem langsamen Van Bommel mehr Arbeit im Zentrum gegen den sich diesmal oft zurückfallen lassenden Gomez und den aufrückenden Schweinsteiger und Khedira.

Dazu waren die Deutschen einfach auch gedankenschneller, was durch die beiden hervorragend herausgespielten Tore verdeutlicht wurde. Die Laufwege von Özil, die Übersicht von Schweinsteiger, der Torriecher von Gomez – all dem hatten die statischen und phantasielosen Holländer praktisch nichts entgegen zu setzen. Die 2:0-Führung von Deutschland zur Pause ging vollauf in Ordnung.

Anderes Bild nach der Pause

Dass es nach dem Seitenwechsel nicht in ähnlicher Manier weiter ging, lag an zwei Faktoren. Zum einen ließ die Intensität im deutschen Spiel nach: Es wurde nicht mehr so konsequent gepresst, man ließ sich etwas weiter hinten hineindrängen. Zudem wurde nicht mehr so direkt und so schnell der Weg nach vorne gesucht. Man hatte den Eindruck, die Deutschen betrachteten insgeheim das Spiel bereits als gewonnen, nachdem es vor der Pause gar so leicht gegangen war, und legten den Schongang ein.

Zum anderen natürlich, und das trug sicher noch viel mehr zum völlig anderen Bild in der zweiten Hälfte bei, waren die zwei Wechsel von Bert van Marwijk, der damit einhergehenden System-Änderung und der anderen Spielweise bei den Holländern. Statt des einmal mehr ausnehmend schwachen Van Bommel und des einmal mehr komplett wirkungslosen Afellay kamen Van der Vaart und Huntelaar ins Spiel.

Wirkung entfaltet sich erst nach und nach

2. Halbzeit

Wobei das in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff noch gar keine so große Wirkung zeigte. Nicht nur, weil Van Persie, der nun auf der rechten Seite agierte, isoliert blieb und sich Sneijder und Robben oft gegenseitig behinderten, weil beide von der linken Flanke kommen wollten. Sondern auch, weil Van der Vaart seine Rolle im zentralen Mittelfeld zunächst ähnlich tief stehend anlegte wie Van Bommel. Mitunter war Van der Vaart noch wesentlich tiefer als De Jong positioniert, stand gegen den Ball auf einer Höhe mit den Innenverteidigern, und holte sich die Bälle von hinten ab.

Aber immerhin: Nun kamen aus dem Mittelfeld-Zentrum auch konkrete Pässe für den Spielaufbau, nun wurde vorne auf die Gegner gepresst – wiewohl auch diesmal nicht in ausreichendem Maße nachgerückt wurde. Außerdem löste sich der Knoten auf der linken Seite, als Robben wieder auf rechts ging und Van Persie als hängende Spitze hinter Huntelaar agierte.

Nach und nach traute sich auch Van der Vaart wirklich nach vorne aufzurücken, sodass sich ein etwas schiefes 4-1-3-2 bildete. Von den fünf Defensiv-Spielern kam zwar immer noch zu wenig, aber dennoch hatten die Holländer hier – zwischen der 65. und der 80. Minute – ihre beste Phase. In die fiel auch das verdiente Anschlusstor durch Van Persie.

Eine Schwachstelle blieb aber: Arjen Robben. Nach seinem Horror-Saisonfinale mit den Bayern steht er immer noch komplett neben sich. Ihm fehlt nicht nur die Form, sondern ganz offensichtlich vor allem die innere Ruhe, um seine Leistung zu bringen. Wäre die rechte Seite nicht wieder ein Komplett-Ausfall gewesen, hätten die Holländer für noch viel mehr Druck sorgen können.

Hummels mit Problemen

Was auch daran lag, dass Mats Hummels zunehmend Probleme mit seinem Stellungsspiel bekam. Die Anwesenheit eines zweiten Stürmers schien ihn deutlich mehr zu verunsichern als Holger Badstuber, jedenfalls ermöglichten eher billige Fehler des gegen Portugal noch so starken Dortmunders, dass sich in dieser Phase immer wieder etwas Chaos in der deutschen Abwehr breitmachte.

Löw versuchte, mit Kroos statt Özil einen frischen Mann für die Zentrale zu bringen, um Van der Vaart wieder etwas weiter nach hinten zu drücken und so den Holländern jenen Punch aus dem Mittelfeld zu nehmen, der in den Minuten davor für das Aufkommen von Oranje verantwortlich war. Das, wie auch die Hereinnahme des geschickt an der Zeit drehenden Lars Bender (für Müller), ging auf und Deutschland gewann mit 2:1.

Fazit: 45 Minuten zu spät, Bert van Marwijk…

Die zweite Hälfte hat ganz eindeutig gezeigt, was Holland in der ersten gefehlt hat. Man kann Bert van Marwijk zu Gute halten, dass er seine massiven Fehleinschätzungen für die Startformation erkannt und sie für die zweite Hälfte erfolgreich korrigiert hat. Man könnte aber auch sagen: Das statische Mittelfeld-Zentrum hat gegen Dänemark schon nicht funktioniert, wie hätte es dann gegen Deutschland funktionieren sollen – noch dazu, wenn man das Spiel eigentlich gewinnen muss? Dass im holländischen Kader durchaus das Potential vorherrscht, aus dem Mittelfeld nachzurücken, dort Kreativität und Druck zu entwickeln, wurde in der zweiten Hälfte klar. Zu spät, denn ein 0:2 gegen Deutschland aufzuholen, ist kaum möglich.

Für Deutschland muss die zweite Hälfte als Warnschuss gelten. Man hat das Spiel dank einer intelligenten Vorstellung in der ersten Halbzeit gewonnen, aber nach dem Seitenwechsel ließ man sich zu leicht zurückdrängen, ließ sich die Initiative zu leicht nehmen – und das noch dazu gegen einen schwer verunsicherten Gegner, der gerade komplett umgestellt hatte. Anstatt in die Findungsphase der Holländer, die ja immerhin eine Viertelstunde dauerte, voll hinein zu bohren, wurde es dem Gegner ermöglicht, ins Spiel zurück zu kommen.

Das kann Löw nicht gefallen.

Gegen Deutschland war es ein recht klares 4-1-4-1, in dem die Portigiesen spielten. Gegen Dänemark war es nun eine anderen Situation: Nicht nur, dass der Gegner nicht so stark ist wie das deutsche Team, nein, vor allem mussten die Portugiesen gewinnen. Weshalb sich die Spielanlage etwas offensiver gestaltete. Was auch heißt: Nani und vor allem Cristiano Ronaldo spielten wesentlich höher, was aus dem System eher ein 4-3-3 machte.

Portugal - Dänemark 3:2 (2:1)

Vor allem Cristiano Ronaldo stand nicht nur recht hoch, sondern auch recht zentral. Zudem presste im Zentrum vor allem Meireles zuweilen recht heftig gegen das dänische Duo mit Kvist und Zimling. Dass letzterer schon nach einer Viertelstunde verletzt raus musste und statt ihm Jakob Poulsen kam, trug nicht gerade zur Sicherheit der dänischen Zentrale bei.

Zumal sich auch keiner der beiden, wie noch gegen Holland, zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. Das war gegen Portugal, wo es keinen zentral spielenden offensiven Spieler gibt, nicht nötig. Doch gegen die aggressiven Gegenspieler schafften sie es nicht, für Struktur im dänischen Spiel zu sorgen. Auch, weil es diesem an der Breite fehlte: Krohn-Dehli und Rommedahl zogen sehr früh nach innen.

Das Problem dabei war, dass wenn die Außenverteidiger Jacobsn und Simon Poulsen aufrückten, war man für das extrem schnelle Umschalten der Portugiesen von Defensive auf Offensive anfällig. Vor allem über die Seite von Cristiano Ronaldo ging da relativ viel, weil Jacobsen gegen ihn und Coentrão nicht selten auf sich alleine gestellt war.

Dänen fehlen die Mittel

Als die Dänen noch überlegten, wie sie denn nun sinnvoll vor das gegnerische Tor kommen sollten, stand es dann auch schon 0:2 – erst verwertete Pepe eine Ecke, dann ließ man sich von einem schnellen Gegenstoß versenken.

Es gelang den Skandinaviern nicht, in den Rücken der Abwehr zu kommen und auch zu selten, den viel auch nach hinten arbeitenden Bendtner einzusetzen. Pepe und Bruno Alves machten, wie schon im Deutschland-Spiel gegen Gomez, zumeist einen guten Job. Den Anschlusstreffer kurz vor der Pause, eingeleitet durch einen klugen Flankenwechsel und eine Rückgabe vor die zu weit nach hinten gerückte Innenverteidigung, konnten sie aber nicht verhindern.

Selbst als sich Portugal in der zweiten Halbzeit merklich zurückzog und noch mehr auf Konter lauerte, gelang es zu selten, Überzahl-Situationen herzustellen. Nicht auf der Seite von Rommedahl, weil sich dieser dafür zu zentral positionierte. Nicht über jene von Krohn-Dehli, weil dieser gegen João Pereira keinen Stich machte und ebenfalls zur Mitte tendierte – dort aber von den aggressiven Moutinho und Meireles aus dem Spiel genommen wurden. Ebenso wie Eriksen, dem Veloso auf den Füßen stand.

Gefahr nur über die rechte Seite

Am gefährlichsten wurde es, wenn es Rechtsverteidiger Lars Jacobsen im Rücken des nicht gerade mit vollem Einsatz verteidigenden Ronaldo gelang, Coentrão entweder auszuspielen oder den Platz zu nützten, den dieser gab, wenn er eingerückt war. Solche Situationen ergaben sich aber erst dann immer öfter, als Rommedahl schon nicht mehr im Spiel war und durch Tobias Mikkelsen ersetzt worden war. Wenig überraschend fiel auch der Ausgleich, erneut durch Bendtner, nach einer präzisen Flanke über diese Seite.

Portugals Teamchef Paulo Bento musste nun natürlich alles riskieren und brachte Silvestre Varela für Meireles – der gleiche Wechsel wie gegen Deutschland. Erstaunlicherweise schaffte es Portugal tatsächlich, nach einer eher lethargisch geführten zweiten Hälfte den Schalter wieder umzulegen – das sehenswerte Siegtor von Varela belohnte das.

Fazit: Dänen stoßen an Limits, aber auch Portugal nicht frei von Sorgen

Als Dänemark gegen Holland das Spiel vom Gegner auf sich zukommen sah, verstand es die Mannschaft gut, die Kontrolle über das Mittelfeld zu bekommen und über Gegenstöße zum Erfolg zu kommen. Als man nun selbst das Spiel gestalten musste, und das gegen einen im Mittelfeld recht geschickt pressenden Kontrahenten, der noch dazu blitzschnell umschalten kann, wurden die Limits dieser Mannschaft offensichtlich. Noch dazu, nachdem mit Niki Zimling ein guter Taktgeber verletzt ausgefallen war.

Die Portugiesen sind wieder zurück im Turnier, weil sie sich bei aller Vorsicht und trotz der sehr reaktiven Spielweise wesentlich frecher und flinker zu Werke gingen als beim 0:1 gegen Deutschland. Dass allerdings hinter Cristiano Ronaldo ein ziemlich fieses Loch in der Defensiv-Arbeit klaffte, darf durchaus Grund zur Sorge geben. Nicht nur, weil die Dänen beide ihre Tore über diese Seite eingeleitet haben. Sondern auch, weil man nun gegen Holland spielt – ein Team, das gewinnen muss. Portugal wird daher wohl auch im dritten Gruppenspiel nicht die Spielgestaltung selbst übernehmen müssen; aber sicherlich die Flanke hinter Ronaldo besser schließen als gegen Dänemark

(phe)

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Deutschland rettet sich, Holland nicht https://ballverliebt.eu/2012/06/10/deutschland-rettet-sich-holland-nicht/ https://ballverliebt.eu/2012/06/10/deutschland-rettet-sich-holland-nicht/#comments Sun, 10 Jun 2012 02:36:46 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7425 Deutschland rettet sich, Holland nicht weiterlesen ]]> Euro 2012 / Tag 2 | Eine schwere Geburt war es, das erste Turnier-Spiel für den Mit-Favoriten aus Deutschland. Selbst hatte man großen Respekt vor den portugiesischen Flügeln, der Gegner machte das Zentrum zu – so gab’s eine recht statische Partie. Die Deutschen retteten den 1:0-Sieg, für Holland ging es nicht so gut aus: Nach dem nicht unverdienten 0:1 gegen Dänemark steht der Vize-Weltmeister schon jetzt mit dem Rücken zur Wand.

Deutschland - Portugal 1:0 (0:0)

Ganz klar: Der gegenseitige Respekt war vorhanden. Nein, mehr als das: Er war riesengroß. Das wurde in der Herangehensweise beider Mannschaften in diesem Spiel klar. So wussten die Portugiesen: Vor allem durch das Zentrum sind diese Deutschen mit den bei Real Madrid extrem gereiften Özil und Khedira, sowie mit Schweinsteiger, brandgefährlich. Das – und die Tatsache, dass es im portugiesischen Kader einfach keinen klassischen Spielgestalter gibt – führte zu einer sehr vorsichtigen Spielanlage.

Wirklich interessant war aber das Spiel über die Flanken. Cristiano Ronaldo (links) und Nani (rechts) zogen sich gegen den Ball sehr weit zurück, sodass bei Portugal ein recht klares 4-1-4-1 entstand. Ziel war es, die beiden nach Ballgewinn schnell steil zu schicken, um vor allem bei Ronaldo die klaren individuellen Vorteile gegenüber Jeroma Boateng zu nützen.

Auch deutsche Flügel vorsichtig

Allerdings wussten natürlich auch die Deutschen, welche Gefahr über Ronaldo und Nani ausgeht. Daher hatte Boateng als Rechtsverteidiger gegen Ronaldo praktisch ausschließlich defensive Aufgaben zu erfüllen und schaltete sich praktisch gar nicht in das Spiel nach vorne ein. Zwar wurde in einige Szenen der Klasseunterschied zum Superstar der Portugiesen schon deutlich, aber Boateng machte grundsätzlich einen sehr soliden Job: Er verzögerte gut, drängte Ronaldo ab und bekam auch gute Unterstützung; vermied es aber, allzu forsch an den Mann zu gehen.

Die sehr konservative Spielweise von Boateng bedeutete, dass Müller vorne ohne seinen Außenverteidiger auskommen musste. Das versuchten die Deutschen auzugleichen, indem Mesut Özil vom Zentrum immer wieder auf den rechten Flügel ging und Müller entweder kurz anspielte, oder es dem Bayern-Spieler ermöglichte, selbst an die Grundlinie oder – noch häufiger – Richtung Strafraum zu ziehen. Coentrão war damit beschäftigt und auch zumeist keine Hilfe für Ronaldo.

Auf der anderen Flanke wusste auch Philipp Lahm um die Stärke von Nani. Daher hielt sich auch der Kapitän der deutschen Mannschaft sehr zurück und beschränkte sich zumeist darauf, den Flügelspieler von Manchester United nicht zur Geltung kommen zu lassen. Auch hier hieß das, dass Lahms Vordermann (Podolski) ohne viel Hilfe von hinten auskommen musste. Podolski nützte das, um recht hoch zu stehen und João Pereira festzunageln, bzw. um zu Gomez in den Strafraum zu ziehen.

Statisches Spiel

Die Folge war ein recht statisches Spiel, in dem die Portugiesen darauf achteten, nichts durch die Mitte zuzulassen und den Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr gering zu halten, um Özil nicht seine große Stärke, die Bewegung zwischen den Linien, zuzugestehen. Und die Deutschen danach trachteten, Ronaldo und Nani unter Kontrolle zu halten, während sie gleichzeitig wussten, dass sie durch das Zentrum nichts zu befürchten hatten.

Torchancen blieben Mangelware; die beste hatte vor der Pause Portugal mit Pepes Lattenpendler nach einem Eckball. Selbst nach dem Seitenwechsel änderte sich am Bild des Spiels wenig: Das Tempo blieb überschaubar, die Vorsicht regierte auf beiden Seiten und kein Team schaffte es, das Defensiv-Konzept des jeweils anderen auszuhebeln.

Deutsche Führung, Varelas Freiräume

Nach etwa einer Stunde allerdings hatten die Deutschen einen Weg gefunden, um in den Rücken der Abwehr zu kommen. Sie hatten sich dafür Bruno Alves und Coentrão zurecht gelegt: Es gelang nun nämlich besser, Alves im Zentrum zu binden, wenn Coentrão sich etwas nach vorne bewegt. Das ermöglichte es Müller, aber auch Özil und dem gegenüber Schweinsteiger deutlich offensiveren Khedira, Flanken Richtung Gomez zu schlagen. Einige Versuche schlugen fehl, aber in der 72. Minute fand eine abgefälschte Flanke den Mittelstürmer, der per Kopf zum 1:0 traf.

Paulo Bento musste nun natürlich alles auf eine Karte setzen und brachte Silvestre Varela für Meireles. Der Mann vom FC Porto ist zwar eher ein Flügelstürmer, agierte nun aber halbrechts offensiv und sorgte so für ein personelles Übergewicht in diesem Spielfeld-Bereich. Weil Lahm weiterhin auf Nani aufpassen musste und Schweinsteiger nach seiner Muskelverletzung offensichtlich die Zweikämpfe noch etwas scheute, hatte der neue Mann viele Freiheiten und nützte diese auch zu einer handvoll richtig guter Tormöglichkeiten.

Die Deutschen brauchten in dieser Phase dringend die Paraden von Torhüter Manuel Neuer, um das Spiel über die Zeit zu bringen. Und Neuer hielt die drei Punkte fest.

Fazit: Daran wird sich Deutschland gewöhnen müssen

Ein nicht besonders spektakuläres Spiel, aber nach der deutschen Führung durchaus spannend und am Ende, als Portugal vehement auf den Ausgleich drängte, sogar dramatisch. Die Partie war vom Vorhaben geprägt, nur ja die Stärken des Gegners zu neutralisieren um in dieser schweren Gruppe nur ja keine vermeidbare Niederlage einzustecken.

Deutschland fand mit den Flanken von der rechten Seite ein wirksames Mittel und schlugen daraus letztlich entscheidend zu. Es war beileibe kein Feuerwerk, aber das DFB-Team wird sich daran gewöhnen müssen, dass sich die Gegner äußerst defensiv verhalten, um Özil und Co. keine Räume zu geben. Da wird für das spielstarke deutsche Team Lösungen finden müssen.

Souveräne Qualifikation, dort Portugal distanziert, und trotzdem traute denen Dänen kaum jemand zu, in dieser Gruppe mehr als eine Statistenrolle zu spielen. Großer Fehler! Denn die Mannschaft von Teamchef Morten Olsen präsentierte sich gegen den Vize-Weltmeister als extrem kompakte Truppe, die defensiv extrem aufmerksam agierte und den Holländern einen ziemlichen Fehlstart verpasste.

Holland - Dänemark 0:1 (0:1)

Dänemark stellte sich zunächst einmal tief auf und erwartete Oranje mit der vordersten Front (Eriksen und Bendtner) etwa auf Höhe der Mittellinie, mit Zimling und/oder Kvist als Unterstützung, wenn es darum ging, auf Van Bommel und De Jong zu pressen. So zwangen die Dänen Holland ein überschaubares Tempo auf. Hinzu kam, dass Mathijsen-Ersatz Ron Vlaar in der Innenverteidigung in der Spieleröffnung komplett unbrauchbar ist und mit Jetro Willems ein international völlig unerfahrender Jungspund stand.

Die Flügelspieler im dänischen Team kamen zunächst kaum zur Geltung. Vor allem Krohn-Dehli machte aber defensiv gemeinsam mit Poulsen gegen Robben grundsätzlich keine so schlechte Figur, indem der half, mit Simon Poulsen gemeinsam Robben permanent doppelten. Was sie allerdings nicht verhindern konnten, waren dessen Pässe auf den sich nach außen orientierenden Van Persie. Hier war Agger zwei, drei Mal etwas unaufmerksam.

Perfekt organisiert

Was vor allem in den ersten rund 20 Minuten des Spiels häufig passierte. Holland kam zu einigen guten Chancen, und die Dänen machten da noch keine wirklich gute Figur im Spiel nach vorne. Krohn-Dehli war sehr defensiv unterwegs, Bendtner wurde kaum ins Spiel gebracht und die wenigen Vorstöße blieben harmlos. Ehe ein Pressball von Simon Poulsen eher zufällig zu Krohn-Dehli kam, dieser in den Strafraum zog und durch die Beine von Stekelenburg zum 1:0 traf.

Mit der Führung wurde die dänische Brust extrem breit. Immer deutlicher wurde nun, wie perfekt diese Mannschaft eingestellt war. Und zwar von vorne bis hinten. Denn nun rückten die Außenvertedigier Jacobsen und Poulsen immer weiter auf und beschäftigten so Robben und Afellay. Das war auch deshalb möglich, weil sich einer aus dem defensiven Mittelfeld – zumeist Niki Zimling – zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. Kjær und Agger konnten somit nach außen absichern. Im Zentrum verblieb Kvist, bzw. die etwas einrückenden Rommedahl und Krohn-Dehli.

Holland ratlos

Damit konnte zwar die Geschwindigkeit vor allem von Rommedahl kaum ins Spiel gebracht werden, aber die Raumaufteilung war exzellent und mit den sich gut bewegenden und fleißig pressenden Bendtner und Eriksen vorne hatten die Holländer größte Probleme, das eigene Spiel aufzuziehen. Vor allem die Breite fehlte, weil Van der Wiel (schwach) und Willems (überfordert) sich viel zu wenig trauten und so auf den Flügeln eine permanente Unterzahl herrschte. Die einzige Möglichkeit der Holländer, zu Torchancen zu kommen, war über individuelle Klasse.

Die Niederländer wirkten zunehmend ratlos. Wesley Sneijder veruschte, sich dem gut abgestimmten Zentrum mit Kvist und dem sehr beeindruckenden Zimling zu entgehen, indem er sich vermehrt Richtung linke Außenbahn bewegte. Dort war Rommedahl nicht ganz so viel in die Arbeit nach hinten eingebunden wie Krohn-Dehli auf der anderen. Er brachte auch Bälle in den Strafraum, aber dort machten Kjær und Agger eine sehr starke Partie.

Spielkontrolle ohne hohe Bälle

Sehr beeindruckend war bei den Dänen, wie ruhig und diszipliniert sie agierten, wenn sie holländische Angriffe stoppten und selbst in Ballbesitz kamen. Denn weggedroschen wurde hinten gar nichts – es wurde immer versucht, den Ball ruhig in den eigenen Reihen zu halten, sich gar nicht erst auf Kopfballduelle nach 50m-Befreiungsschlägen einzulassen und so die Kontrolle über das Spiel zu übernehmen.

Vor allem mit der Maßnahme, wie schon bei der WM in Südafrika einen Sechser zwischen die Innenverteidiger zu schieben und so die Flanken zu stärken. Rund 20 Minuten vor Schluss stellte Bondscoach Van Marwijk dann um: Mit Huntelaar (statt Afellay) kam ein echter Strafraumstürmer zu dem extrem weite Wege gehenden Van Persie, Sneijder ging nun ganz auf die linke Seite; dazu kam mit Van der Vaart ein neuer Achter/Zehner für das Zentrum statt De Jong.

Morten Olsen konterte sofort, indem er mit Lasse Schøne einen gegenüber dem ausgewechselten Eriksen etwas defensiveren Spieler für die Sicherung im Zentrum brachte, dazu hielten Jacobsen und Poulsen auf den Außen nun ihre defensiven Positionen ein und die beiden Sechser machten das Zentrum auf einer Höhe dicht. Die Folge: Holland fand auch weiterhin kaum Wege Richtung Andersens Tor. Und wenn, verdaddelten sie die Chancen.

Fazit: Durchaus verdienter dänischer Sieg

„Wir waren das bessere Team“, gab Dänemarks Teamchef Morten Olsen  nach dem Spiel zu Protokoll, und man kann ihm kaum Widersprechen. Die Organisation der Dänen war nahezu perfekt, vor allem Niki Zimling zeigte eine beeindruckende Leistung. Aber auch die Innenverteidigung war sehr aufmerksam, die Außenverteidiger zeigten gute Spielintelligenz und das permanente Anpressen der holländischen Spieleröffnung machte Oranje doch zu schaffen.

Natürlich ist der Vize-Weltmeister individuell deutlich besser besetzt als Dänemark, aber dennoch müssen sie sich neben einigen vergebenen Chancen vorwerfen lassen, einfach keine gute Leistung abgeliefert und keine Strategien entwickelt zu haben, wie man den Rückstand noch zumindest ausgleichen hätte können. Zu viel baute auf Einzelaktionen und dem Vertrauen auf individuelle Klasse auf. Das war zu wenig

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Day 14 / E – Disziplin schlägt Planlosigkeit https://ballverliebt.eu/2010/06/25/day-14-e-disziplin-schlagt-planlosigkeit/ https://ballverliebt.eu/2010/06/25/day-14-e-disziplin-schlagt-planlosigkeit/#respond Fri, 25 Jun 2010 00:33:30 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=2351 Day 14 / E – Disziplin schlägt Planlosigkeit weiterlesen ]]> Südafrika 2010 – Tag 14 – Gruppe E | Mit einer äußerst disziplinierten Leistung zermürbt das Team aus Japan auch Dänemark und zieht mit einem 3:1-Erfolg ins Achtelfinale ein. Holland gewann das bedeutungslose Freundschaftsspiel gegen Kamerun mit 2:1 – allerdings ohne die Stars draußen zu lassen.

Dänemark – Japan 1:3 (0:2)

Dänemark - Japan 1:3

Das Spiel über die Flügel, vor allem den rechten, war für Dänemark gegen Kamerun der Schlüssel zum Erfolg. Kein Wunder also, dass es Morten Olsen wieder über diese Marschrichtung probierte. Kein Wunder aber auch, dass die Japaner das wussten, und weil die Asiaten deutilch disziplinierter antraten, hielten sie vor allem dort dagegen. Vor allem Dennis Rommedahl, der im zweiten Spiel der entscheidende Mann war, wurde komplett ausgeschaltet. So war das dänische Spiel zunächst extrem linkslastig, über LV Simon Poulsen und den fleißigen Jon Dahl Tomasson. Zudem schob auch Martin Jørgensen, der eigentlich im rechten Halbfeld aufgestellt war, oft sogar noch weiter links als Sechser Christjan Poulsen postiert war.

Das machte das dänische Spiel natürlich ziemlich ausrechenbar, weswegen sich die Japaner, angeführt vom umsichtigen Hasebe, mit zunehmender Spieldauer immer besser damit zurecht ram. Gab es in der Anfangsphase noch einige gefährliche Flanken von der linken dänischen Seite, aber der Rückstand (per Freistoß) brachte die Dänen völlig aus dem Konzept. Die Japaner schafften es nun auch, den ballführenden Dänen schnell zu doppeln oder gar mit drei Mann draufzugehen. Nach dem 2:0, wieder aus einem direkten Freistoß, versuchte nun Rommedahl endlich mehr über seine Seite zu machen. Oft war er dabei aber auf sich alleine gestellt, weil RV Jacobsen nicht allzu gerne mit nach vorne geht und das Mittelfeld weiterhin sehr links-orientiert war.

Die Japaner indes verteilten ihr Spiel gut über die ganze Breite des Platzes, die Fünfer-Reihe im Mittelfeld stand sehr diszipliniert und entnervte die Dänen zusehens. An diesem Bild änderte sich auch in der zweiten Hälfte nichts: Die Japaner waren gegen den Ball immer einen Schritt schneller und einen Gedanken frischer als die Dänen, die nun auch nicht mehr ganz frisch wirkten. Zudem war von durchdachtem Angriffsspiel, wie es noch gegen Kamerun zum Erfolg geführt hatte, wenig zu sehen: Die Offensivkräfte Tomasson (der extrem weite Wege ging, dabei aber uneffektiv blieb) und Bendtner standen sich vorne nicht selten auf den Füßen, Kahlenberg (der nun vermehrt die Linksaußen-Position von Tomasson einnahm) und Rommedahl fanden selten einen Weg an den hervorragend postierten Japanern vorbei.

Nach einer Stunde brachte Olsen dann Stoßstürmer Larsen für Innenverteidiger Krøldrup und stellte auf ein 3-4-3 um, dem es aber massiv an Konsistenz fehlte. Hinten sicherten nur noch die AV Simon Poulsen und Jacobsen, sowie der zurückrückende Sechser Christian Poulsen ab, davor versuchten sich der junge Eriksen (für Kahlenberg gekommen) und Jakob Poulsen (früh für Jørgensen) als Einfädler, Daniel Agger gab nun den Linksaußen (!), nur Rommedahl blieb von A bis Z seiner rechten Seite treu. Vorne verloren sich Larsen, Bendtner und der von seinem Körper zunehmend im Stich gelassene Tomasson oft im Getümmel und blieben so harmlos – dass Tomasson den Elfmeter, den ihm der sonst gute Hasebe rempelderweise geschenkt hatte, erst im Nachschuss über die Linie drückte, passte ins Bild.

Doch die Japaner kamen nie wirklich in die Gefahr, den Sieg noch aus der Hand zu geben. Der Sechser Abe rückte gegen Ende immer mehr in die zentrale Verteidiger-Position, wodurch gegen die drei Stoßstürmer der Holländer wieder ein Gleichgewicht herrschte, Komano und Nagatomo machten hervorragend die Flanken dicht. Äußerst diszipliniert fanden die Japaner auf jede Maßnahme der Dänen sofort die richtige Antwort, zu wenig durchdacht waren die Angriffsbemühungen der Nordeuropäer, zu müde letztlich die Beine der zahllosen älteren Herren in Reihen der dänischen Mannschaft. Dass am Ende die Japaner sogar noch das 3:1 erzielten, war letztlich aber nur noch Kosmetik.

Fazit: Schon die beiden Freistoß-Gegentore in der ersten Hälfte brachen den forsch beginnenden Dänen das Genick. Nie fanden sie in der verbleibenden Stunde, ein taugliches Mittel gegen die Asiaten zu finden, weswegen deren Sieg auch absolut in Ordnung geht.

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Holland – Kamerun 2:1 (1:0)

Holland - Kamerun 2:1

Wenig Tempo, kaum ernsthafte Zweikämpfe, ohne den letzten Einsatz – dieses Spiel war, wie angesichts der Ausgangslage kaum anders zu erwarten war, ein Freundschaftsspiel; ein Test unter Wettkampfbedingungen. Allerdings mit der besten Formation der Holländer, lediglich Boulahrouz spielte RV statt Van der Wiel. Die Elftal war sehr auf Ballkontrolle bedacht, vor allem nach dem schwungvollen Beginn der Kameruner, und mit Fortdauer des Spiels, also etwa aber der 15. Minute, hatten die Holländer alles recht locker im Griff, ohne sich wirklich anzustrengen.

Nach vorne ging es in erster Linie it langen Bällen, die allerdings höchst selten auch bei Van Persie ankamen. In der ganzen ersten Halbzeit gab es nur zwei Aktionen, in denen sich die Holländer mit gesteigertem Tempo vor das gegnerische Tor kombinierten; erst bei der guten Chance für Kuyt, wenige Minuten später beim Treffer zum 1:0 (wieder über die Seite mit Dirk Kuyt). Die Kameruner fingen wie erwähnt bemüht an, spielten vor allem über die Seiten. Im 4-4-2 spielte Eto’o die Sturmspitze und Choupo-Moting den Arbeiter um den Star herum; Chedjou (statt Alex Song) und Makoun in der defensiven Zentrale; Geremi und Nguemo über die rechte und Assou-Ekotto mit Bong auf der linken. Vor allem Benoît Assou-Ekotto, der gegen Dänemark ein alleingelassener armer Hund war, tat sich Unterstützung von Bong sichtlich gut, die besseren Aktionen nach vorne kamen aber von der anderen Seite, über Geremi.

Nach einer Stunde stellte Le Guen auf 4-1-4-1 um, indem er Aboubakar statt Bong brachte. Das Offensivspiel der Kameruner war nun etwas variabler, das hatte aber mit der Entstehung des 1:1 (aus einem Handelfmeter) noch nichts zu tun. Die Afrikaner waren nun sichtlich gewillter, zumindest nicht zu verlieren, als die Holländer es waren, die Partie zu gewinnen. Dass Oranje dennoch als 2:1-Sieger vom Platz ging, liegt an zwei Wechseln: Einerseits durfte bei de Holländern Arjen Robben noch einen 20-minütigen Fitnesstest absolvieren. Zum anderen durfte Kameruns Abwehr-Denkmal Rigobert Song bei seiner vierten WM noch einen Einsatz mitnehmen. Und wie ein Denkmal spielte der alte Song dann auch: Langsam und unbeweglich. So wurde der 33-Jährige, der älter als das aussah und auch so spielte, vom schnellen Robben versetzt, der Ball klatschte an die Latte, und Huntelaar staubte ab.

Fazit: Ein vernachlässigbares Spiel. Das Team aus Kamerun hätte gegen gelangweilte Holländer wohl ein 1:1 mitgekommen, wenn nicht Arjen Robben gekommen wäre. Kamerun fährt mit dieser eher unglücklichen Niederlage mit drei Pleiten nach Hause. Die Holländer haben Kräfte gespart, die noch wichtig sein könnten.

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Das war die Gruppe E: Mit Geduld auf die Fehler des Gegners warten, hinten nichts zulassen – Gruppensieger Holland setzte in der Vorrunde auf Ergebnis statt Erlebnis. Das mag vor allem angesichts der Erfahrungen bei den letzten Turnieren (also mörderische Vorrunde, raus in der ersten K.o.-Runde) keine schlechte Lösung sein. Gefordert wurde Holland nur, wenn es das Team allzu ruhig angehen ließ, wie in der zweiten Hälfte gegen Japan. Was das Team leisten kann, wo jetzt auch Arjen Robben zurück ist, lässt sich aber ebenso wenig abschätzen bei bei den bislang genauso unterforderten Argentiniern.

Erstmals überhaupt außerhalb des eigenen Landes schaffte Japan als Gruppenzweiter den Einzug ins Achtelfinale. Vor acht Jahren in der Heimat war man nach dem verschlafenen 0:1 gegen die Türken mit dem Abschneiden schon eher enttäuscht, das wäre bei einem Aus gegen Paraguay diesmal sicherlich anders. Die Erwartungen wurden schon jetzt bei weitem übertroffen, vor allem dank der extremen Disziplin und des funktionierenden Teamgeistes, aber auch wegen der individuellen Klasse eines Keisuke Honda.

Im Endeffekt verdient gescheitert ist dafür Dänemark. Die schon leicht angerostete Truppe genügte den hohen Ansprüchen einer WM zu selten; die Skandinavier waren gegen Japan klar unterlegen, schossen sich gegen Holland selbst auf die Verliererstraße und konnten nur in einem Spiel, dem gegen Kamerun, wirklich als gesamte Mannschaft überzeugen – zu wenig. Deutlich zu wenig ist auch, was das Team aus Kamerun zeigte. Von der Qualität im Kader hätten die Afrikaner ins Achtelfinale einziehen müssen, nicht alle drei Spiele verlieren. Verspielt haben es Eto’o und Co. mit massiver interner Unruhe aber vor allem neben dem Platz, die enttäuschenden Leistungen waren die logische Folge. Von den sechs afrikanischen Teilnehmern hat Kamerun fraglos am meisten enttäuscht.

(phe)

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Day 9 – …aber ich bewundere das Problem! https://ballverliebt.eu/2010/06/19/day-9/ https://ballverliebt.eu/2010/06/19/day-9/#comments Sat, 19 Jun 2010 13:44:41 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=2285 Day 9 – …aber ich bewundere das Problem! weiterlesen ]]> Südafrika 2010 – Tag 9 | Was tun, wenn man gegen die japanische Defensive kein Mittel findet? Wenn man gegen zehn Australier die Zielstrebigkeit verliert? Wenn gegen Dänemark unbedingt ein Tor her muss? Holland, Ghana und Kamerun sagten sich heute: Wir haben keine Lösung – aber wir bewundern das Problem…

Holland – Japan 1:0 (0:0)

Holland - Japan 1:0

Zu viel England geschaut? Die Holländer versuchten es gegen die tief stehenden Japaner ohne Tempo, ohne konsequentes Flügelspiel, ohne echte Kreativität. Auffällig: Zu Beginn rochierten die Flügelspieler Van der Vaart (nominell links) und Kuyt (nominell rechts) immer wieder, und wenn es wirklich über die Seiten ging, kamen auch durchaus gefällige Aktionen zu Stande. Aber vor allem Van der Vaart entfernte sich mit Fortdauer des Spiels von der Seitenlinie und zog, wie schon gegen Dänemark, immer mehr zu Sneijder in die Mitte. Die Folge: Auf den Seiten war einiger Platz und so konnten sich die Asiaten immer wieder an Vorstößen versuchen.

Die Japaner spielten wieder ein 4-1-4-1, mit Honda als vorderstem Mann, dafür Okubo auf der linken Seite. Natürlich verlegten sich die Asiaten auf abwarten und kontern, was allerdings schon deutlich besser aussah als gegen Kamerun, gegen Ende der ersten Hälfte wurden die Japaner sogar für ihre Verhältnisse richtig frech. Wirkliche Chancen gab’s zwar nur aus Freistößen, aber das sehr diszipliniert spielende Team hatte in einer vor sich hin plätschernden ersten Hälfte keine echten Probleme, das 0:0 zu halten.

Die Holländer kamen mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine, auch weil Van Persie sich mehr nach hinten zurückzog, um Überzahl im Mittelfeld zu erzeugen. Aber es musste ein Gewaltschuss von Sneijder herhalten, um zum Erfolg zu kommen – anders konnte es gegen die gute japanische Abwehr nicht gehen. Die Führung ging auch in Ordnung, weil Oranje deutlich mehr für das Spiel getan hatte. Während man aber nach dem 2:0-sieg über Dänemark noch sagen konnte, „Geduld gehabt, immer alles kontrolliert“, war es eine herbe Enttäuschung, was nach der Führung gegen Japan passierte.

Dann nämlich ließ sich die Mannschaft von Teamchef Bert van Marwijk extrem weit zurückdrängen, das Umschalten auf die Offensive klappte überhaupt nicht mehr, kaum einer rückte nach. Das auf dem Papier so spielstarke Team verlegte sich schon über eine halbe Stunde vor Schluss auf das Verwalten des 1:0-Vorsprungs. Auf der anderen Seite übernahm nun Okubo etwas mehr Verantwortung in der Offensive, auch Matsui auf der rechten Seite rückte nun etwas nach vorne. Dem trug Teamchef Okada Rechnung, indem er mit Nakamura (für Matsui) einen Mann brachte, der diese Rolle besser ausfüllen kann. Nakamura gesellte sich zu bzw. hinter Honda, wodurch die Japaner zwischen einem 4-4-2 und einem 4-4-1-1 pendelten. Sie hatten das Spiel nun im Griff, konnten aber kein Kapital daraus schlagen.

Später kamen mit Tamada (für Okubo) und Okazaki (für Hasebe) zwei weitere Offensivkräfte, die Vier-Mann-Abteilung im Angriff rochierte nun viel, brachte aber nichts wirklich entscheidendes vor das Tor – von der guten Chance in der Nachspielzeit einmal abgesehen. Die Wechsel von Van Marwijk, der Elia (für den wieder extrem enttäuschenden Van der Vaart) und Afellay (für Sneijder) brachte, waren logisch. Aber was er mit dem Einsatz des eher statischen Strafraumstürmers Huntelaar für den spielstarken Van Persie bezweckte, wo doch seit Ewigkeiten kein Ball mehr ernsthaft vor das japanische Tor kam, bleibt im Dunkeln.

Fazit: Die Holländer waren vor dem Tor zu statisch und zu langsam, verlegten sich nach dem Tor auf Beamtenfußball und hätten sich über einen Ausgleich sicherlich nicht beschweren dürfen. Die Japaner haben gezeigt, dass in ihnen durchaus Offensivgeist steckt, wenn nötig, aber auch, dass ein Killer vor dem Tor fehlt. Ein Remis wäre korrekt gewesen.

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Ghana – Australien 1:1 (1:1)

Ghana - Australien 1:1

Arm an Kreativität agiern heute aber nicht nur die Holländer, sondern auch die Australier. Pim Verbeek stellte sein Team an einigen Positionen um, der prominenteste Neue war sicherlich Harry Kewell, der für den rotgesperrten Tim Cahill in der Sturmspitze agierte. Die Aussies fingen flott an und gingen auch in Führung – als Geschenk des ghanischen Schlussmanns Kingson, der einen harmlosen Ball nach vorne prallen ließ und Brett Holman ohne Probleme abstauben konnte. Aus dem Spiel heraus aber gelang wenig, obwohl die Fehlerquote bei der Ersatz-Innenverteidigung mit Addy (der bei seinem feisten Foul gegen Ende der 1. Hälfte mit Gelb noch gut bedient war) und Jonathan beinahe minütlich zunahm.

Bei Ghana spielte Kevin-Prince Boateng im Gegensatz zum ersten Spiel zu Beginn im defensiven Mittelfeld im 4-2-3-1; in dem Andrew Ayew auf von der linken Seite in die Zentrale wechselte, Kwadwo Asamoah ging dafür nach links. Im Ballbesitz, den sich die Ghanaer nun vermehrt erkämpften, sogar mitunter auf Halblinks, weil Boateng in die vordere Viererkette aufrückte. Gemeinsam mit Tagoe prüfte er zumehmend den australischen Linksverteidiger Carney – der aber genauso überfordert war wie Chipperfield im ersten Spiel, den Carney ersetzte. Kein Zufall daher, dass die Aktion zum verdienten Ausgleich über Ayew und diese Seite eingeleitet wurde.

Da  Kewell auf der Linie stehend den Arm nicht rechtzeitig wegziehen konnte und den Schuss damit aufhielt, gab’s Elfmeter und Rot für den Stürmer – und das 1:1 als Draufgabe. Die Australier reagierten mit großer Verunsicherung vor allem im Spielaufbau. Culina und Valeri, die beiden Sechser, brachten nach vorne überhaupt nichts zu Wege, die Außenverteidiger kamen ebenso wenig durch. Das Team aus Ghana stellte nun die Passwege geschickt zu, ließ praktisch nichts mehr zu. Zudem verpufften lange Bälle der Australier, weil vorne mit Kewell der Abnehmer fehlte; Holman rückte aus dem zentralen Mittelfeld nicht kosequent in die Spitze. Ähnlich also wie der Özil bei den Detuschen gestern, mit dem Unterschied dass von den Flanken (Emerton und Bresciano) nichts kam. So wäre eine Führung von Ghana, die das Spiel in Überzahl absolut im Griff hatten, durchaus schon vor der Pause verdient gewesen.

Allerdings nur davor. Nach dem Seitenwechsel nämlich ließ Ghana alles vermissen, was dieses Team hätte zeigen müssen – beziehungsweise, die Afrikaner zeigten, warum ihre beiden Tore bislang beide aus Elfmeter gefallen sind. Von Zug zum Tor, von schnellem Kurzpass-Spiel gegen die ja nicht allzu bewegliche Abwehr der Australier, war keine Spur mehr. Dafür jede Menge Verzweiflusschüsse aus 25 Metern plus. Die Australier merkten, dass von Ghana nichts mehr kam, und Verbeek brachte nach etwa zwanzig Minuten in der zweiten Hälfte Chipperfield für die Immobilie Bresciano auf der linken Seite und mit Kennedy für Holman einen echten Stürmer. Und siehe da: Plötzlich waren die Australier wieder im Spiel, weil sich die junge ghanische Abwehr mit der neuen Situation überhaupt nicht zurecht kam.

Auch mit Routinier Muntari, der für den viel zu oft viel zu umständlichen Kwadwo Asamoah zum Einsatz kam. Erst mit zur Einwechslung von Sturmspitze Amoah wenige Minuten vor Schluss (für Boateng) hatte man nie mehr den Eindruck, dass Ghana dieses Spiel noch gewinnen könnte, der Überzahl zum Trotz. Im Gegenteil: Die nun erheblich mutigeren Australier waren dem Siegtor bis zur Schlussoffensive der Ghaner deutlich näher.

Fazit: Ghana hat spielerisch mehr Potential und war über eine Stunde ein Mann mehr – es fehlte dem jungen Team aber an der Abgeklärtheit, die Situation „Pflichtsieg“ auch tatsächlich umzumünzen. Die Australier suchten in der zweiten Hälfte dennoch ihre Chancen und verdienen sich den Punkt somit.

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Kamerun – Dänemark 1:2 (1:1)

Dänemark - Kamerun 2:1

Paul le Guen hat nachgegeben – und die jungen Deutschen Choupo-Moting und Joel Matip, die beide gegen Japan keine gute Figur gemacht haben, rausgenommen, auf ein 4-4-2 umgestellt und Samuel Eto’o in die Spitze gestellt. In der Mittelfeldraute agierte (endlich) Alex Song als Sechser, Emana als Zehner, dazu der routinierte (und heute starke) Geremi rechts und der (nicht ganz so starke) Enoh auf der linken Seite. Mit Erfolg: Die Kameruner übernhemen sofort die Kontrolle über das Spiel und nützen einen schrecklichen Fehlpass von Poulsen, der sich wie schon im ersten Spiel gerne zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, zur frühen 1:0-Führung.

Die Dänen waren in einem 4-2-3-1 aufgestellt, mit Bendtner als Sturmspitze, Tomasson neu zentral hinter ihm, Grønkjær links und Rommedahl rechts. Gerade Grønkjær war durchaus gefällig nach vorne, leistete sich aber in der Rückwärtsbewegung einige böse Schnitzer. Generell war beibeiden Teams die rechte Angrifsseite die stärkere und die linke Abwehrseite die schwächere. Simon Poulosen, der dänische LV, hate mit Geremi und auch Mbia mächtig zu tun, weshalb der nach vorne nicht viel machen konnte; sein Widerpart Assou-Ekotto hielt beim Gegentor ein ausgiebiges Nickerchen.

Sehr fleißig nach vorne war dafür RV Lars Jacobsen, der Enoh im linken Mittelfeld bei Kamerun ordentlich beschäftigte. Allerdings war das Spiel auch geprägt von beängstigens unsicheren Abwehrreihen. Wie beim Ausgleich: Ein profaner Abschlag von Sørensen reichte aus, um die komplette gegnerische Abwehr auszuhebeln. Assou-Ekotto stand irgendwo und ließ Rommedahl ungehindert flanken, Bassong und Nkoulou reagierten zu spät und konnten Bendtner nicht mehr stellen.

In der Pause brachte Le Guen für den angeschlagenen Enoh dann Makoun, was zur Folge hatte, dass er die linke Seite de facto aufgab. Makoun ist kein Flügelspieler, so musste Assou-Ekotto die ganze Seite beackern, weil es Makoun im nunmerhrigen 4-3-1-2 (Emana als Zehner, die Dreierkette mit Geremi, Song und Makoun) immer ziemlich in die Mitte zieht. So hatte Geremi rechts zwar immer noch Mbia, Assou-Ekotto auf links musste nun aber zwei Positionen spielen. Was sich bitter rächte: Ein langer Ball erneut auf Rommedahl, Assou-Ekotto ist noch vorne, und Makoun stellt sich dem Dänen nur halbherzig entgegen. Zudem deckten Bassong und Nkoulou innen beide Bendtner zu, aber keiner kam Makoun zu Hilfe. Und das 2:1 für Dänemark war gefallen.

Le Guen sah sich das recht ideenlose Treiben seiner Mannschaft gegen eine dänische Defensiv-Abteilung, die sich nach dem Seitenwechsel klar gesteigert hat, noch ein paar Minuten an und brachte dann Stürmer Idrissou für Innenverteidiger Bassong und ging damit volles Risiko – weil so mit dem (bekannt unsicheren) Nkoulou meist nur noch ein Verteidiger hinten war, mit den attackierenden Mbia und Assou-Ekotto als Unterstützung falls notwenig. Das war auf dem Papier nun ein 3-3-1-3, im Ballbesitz aber eher ein 1-2-4-3, mit Idrissou vorne links, Webó und dann Aboubakar eher rechts und Eto’o zentral. Die Angriffe der Kameruner waren aber eher verzweifelt als durchdacht, eher Zufallsprodukte als herausgespielte Aktionen. So blieb es beim 2:1 für Dänemark, die kühlen Kopf bewahrten (wenn ihnen dieser nicht, wie Christian Poulsen, per Volltreffer warmgeschossen wurde).

Fazit: Die Dänen präsentierten sich vor allem nach der Pause als reifere und abgeklärtere Mannschaft, daher geht der Sieg gegen die eher wirr und blind anrennenden Kameruner in Ordnung. Außer Selbstvertrauen bringt er aber nicht mehr als ein Remis: Japan muss immer noch geschlagen werden. Bei einem 3:1 hätte ein Remis gereicht.

(phe)

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Day 4 – Nur nix anbrennen lassen https://ballverliebt.eu/2010/06/14/day-4/ https://ballverliebt.eu/2010/06/14/day-4/#comments Mon, 14 Jun 2010 13:41:19 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=2232 Day 4 – Nur nix anbrennen lassen weiterlesen ]]> Südafrika 2010 – Tag 4 | Auffällig: Defensive Denkweise schon in Mittelfeldreihen.  Zum einen natürlich typisch für erste WM-Spiele. Aber zum Anderen können große Teams reagieren und/oder abwarten. So wie Holland und Italien. Und nicht so wie ein enttäuschendes Kamerun.

Holland – Dänemark 2:0 (0:0)

Holland - Dänemark 2:0

Ab durch die Mitte – das war das untaugliche Motto der Holländer in der ersten Hälfte. Trotz über 60% Ballbesitz fiel ihnen kein probates Mittel ein, um die in der Defensive super organisierten Dänen auch nur ansatzweise in Gefahr zu bringen. Kuyt auf der rechten Seite war praktisch gar nich ins Spiel eingebunden, Van der Vaart auf der linken noch weniger. Und wenn die Außen doch einmal an den Ball kamen, zogen sie sofort wieder in die Mitte. Zudem bekam Van der Vaart auf seiner Seite vom deutlich altersschwachen Van Bronckhorst genau gar keine Unterstützung. Der 35-Jährige lebte schon geraume Zeit nur noch von seinem Namen, seine Leistung ist mit „diskret“ noch wohlwollend beschrieben. Van der Wiel rechts war zwar deutlich mehr im Spiel, konnte aber ebenso keine Impulse setzen. Symptomatisch, dass die einzige gute Chance, die von Außen eigeleitet wurde (und vor der Pause eigentlich die einzige echte war) vom ausgewichenen Van Bommel eingeleitet wurde.

Die Dänen traten mit dem exakt gleichen System an wie die Holländer (4-2-3-1, mit Enevoldsen links und Rommedahl rechts, nicht umgekehrt), interpretiertes dieses aber deutlich defensiver und fuhren gut damit. In der ersten halben Stunde lullten sie die Holländer erfolgreich ein und machten die Mitte wunderbar zu, nach vorne ging es in erster Linie über Enevoldsen. Der Holland-Legionär agierte zwar oft recht ungenau, probierte aber lange deutlich mehr als der alte Rommedahl auf der anderen Seite. Der wachte erst nach einer halben Stunde auf, offenbarte aber deutlich den eklatenten Schwächepunkt Van Bronckhorst – nach vorne eben harmlos, nach hinten unsicher.

Das dänische Spiel wurde dann natürlich vom Eigentor kurz nach Wiederanpfiff komplett torpediert. Sie brauchten zehn Minuten, um sich wieder zu sammeln und sich vom Schock zu erholen – als Olsen dann Grønkjær für den mit Fortdauer des Spiels immer schwächeren Enevoldsen brachte, ging es wieder etwas besser, aber wirklich gefährden konnte Dänemark die Holländer nicht mehr. Vor allem nicht, weil mit Elia (der für den enttäuschenden Van der Vaart gekommen war) nun auch auf der linken Seite das Spiel breiter gemacht wurde. Zudem rochierte Van Persie nun deutlich mehr als vor der Pause, schon das 1:0 wurde so eingeleitet.

Außerdem war Morten Olsen mit seinen weiteren Wechseln auch ungewohnt feig. Statt dem angeschlagenen Bendtner kam mit Mikkel Beckman eher ein hängender Stürmer, und die Maßnahme Eriksen für Kahlenberg war zwar ein wenig offensiver, aber echten Stürmer hatte Olsen nicht mehr auf dem Platz. Er versuchte es kuzrfristig mit einer offensiveren Rolle für Kahlenberg, das sorgte aber für Verwirrung als Besserung. Das korrigierte Olsen nach zehn Minuten mit der Einwechslung von Eriksen eben für Kahlenberg, womit Grundordnung des 4-2-3-1 wiederhergestellt war, aber hinkte. Beckmann agierte etwas deplaziert ganz vorne, Eriksen ging statt Jørgensen in die Zentrale, dieser rückte ins defensive Mittelfeld. Zudem ging den Dänen gegen Ende nicht nur die Kreativität aus (die sie ohnehin nicht wirklich zur Schau stellen konnten), sondern vor allem auch die Luft. Hier muss man den dänischen Verband schon fragen, warum sie sich für ein Basecamp an der Küste entschieden haben, wo doch alle drei Gruppenspiele in der Höhe stattfinden.

Fazit: Feuerwerk ließen die Dänen Holland nicht abbrennen, nach dem Rückstand war aber keinerlei Aufbäumen zu erkennen. Daher ist der Oranje-Arbeitssieg korrekt.

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Japan – Kamerun 1:0 (1:0)

Japan - Kamerun 1:0

Es war schon die ganze erste Hälfe über sichtbar: Die Verteidung von Kamerun ist alles andere als sattelfest. Alleine, die Japaner verlegten sich im Mittelfeld auf Stören und Verhindern und schafften eine Überzahl, gegen das spielerisch eher arme Mittelfeld der Kameruner überhaupt kein Mittel fand. Kamerun agierte in einem 4-3-3, mit dem jungen Matip als Sechser, der zwar viel Ballbesitz hatte, gegen das massierte japanische Zentrum aber kein wirksames Mittel fand. Makoun und Enoh waren zwar bemüht, rieben sich aber auf und vermieden es seltsamerweise, Linksaußen Coupo-Moting (der wie ein kompletter Fremdkörper wirkte) und Webo ins Spiel zu bringen. Auch Webo kam viel über die linke Seite. Die Folge: Die linke Seite der Kameruner war tot, vorne stand keiner und Eto’o spielte auf rechts den Hansdampf in allen Gassen, war offensiv aber wirkungslos.

Bei den Japanern, die in einem 4-1-4-1 antraten, war Okubo zwar der nominelle Stürmer, wesentlich auffälliger auch in der Vorwärtsbewegung war aber Keiskuke Honda. Er suchte, wie auch bei ZSKA Moskau, als Aktivposten immer wieder den Weg in die Spitze. Okubo dafür war überhaupt nicht ins Spiel eingebunden, hatte in der ganzen ersten Hälfte genau vier (!) Ballkontakte. Nur folgerichtig, dass das 1:0 für Japan über einen schrecklichen Abwehrschnitzer bei einer Standardsituation zu Stande kam – anders war es nach dem Spielverlauf der ersten Hälfte eigentlich nicht möglich. Im konkreten Fall zeigte Assou-Ekotto lächerliches Abwehrverhalten, und nach der Flanke behinderten sich Nkoulou und Mbia und natürlich war es Honda, der abstauben konnte.

Mit den Führung im Rücken sahen die Japaner nach der Pause natürlich keinerlei Veranlassung, ihre destruktive Spielanlage zu ändern. Eto’o fing auf der rechten Seite zwar durchaus ansprechend wieder an, konnte aber seine Stärken dort nie wirklich zur Entfaltung bringen. Er wollte Rechtsaußen, Zehner und auch Sturmspitze gleichzeitig spielen und war so im Endeffekt nichts so wirklich. Struktur im Spiel der Kameruner suchte man Vergeblich. Le Guen brachte dann Emana für den jungen Matip, um das schwache Mittelfeld offensiv zu stärken, und dann Geremi für den wirkungslosen Makoun, um das Spiel besser zu lenken. Effekt? Keiner. Auch die Einwechslung von Idrissou für den oft ignorieten Choupo-Moting brachte nichts.

Okada veränderte nur Details, aber nichts Grundsätzliches. Der schon vor der Pause einigermaßen aktive Honda ging endgültig in die Spitze, als der gelernte Stürmer Okazaki für den fleißigen Matsui auf die rechte Mittelfeldseite kam; der offensiv komplett in der Luft hängende Okubo ging bis zu seiner Auswechslung auf die linke Seite. Das alles allerdings, ohne so richtig gefährlich zu werden oder auch nur wirklich konsequent den Weg nach vorne zu suchen. Für Japan ging es nur darum, die glückliche Führung über die Zeit zu bringen. Was auch gelang.

Fazit: Kamerun ist das bisher schwächste afrikanische Team, denn die Algerier haben wenigstens durch Umstellungen versucht, etwas zu reißen. Die Japaner waren sicher nicht besser, nützten aber die eine echte Chance. Riecht nach einem Schneckenrennen ums Achtelfinale.

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Italien – Paraguay 1:1 (0:1)

Italien - Paraguay 1:1

Was wurde nicht über die Italiener gelästert. Zu alt, zu langsam, die Nachrücker zu unroutiniert. Doch der Titelverteidiger fing gar nicht schlecht an: Vor allem die Achse Zambrotta-Pepe auf rechts war recht fleißig, das Mittelfeld zeigte ein starkes Pressing. Vor allem damit kamen die Paraguayer überhaupt nicht zurecht: Für einen geregelten Spielaufbau blieb in den ersten 20, 25 Minuten keine Zeit, so hingen Valdez und Barrios vorne ziemlich in der Luft. Mehr als hohe Bälle waren da nicht. Zudem etablierte sich Vera im rechten Mittelfeld bei Paraguay kruzfristig als Schwachpunkt. Sein schlechtes Stellungsspiel und seine technischen Fehler konnten allerdings Criscito und vor allem Iaquinta überhaupt nicht nützen. Iaquinta, der Linksaußen im 4-3-3 gab, sah in der kompletten ersten Hälfte nur sechs Bälle.

Nach starkem Beginn allerdings ließ das Mittelfeld-Pressing der Italiener nicht nur nach, sondern hörte (ebenso wie die Angriffe über die rechte Flanke) komplett auf. Paraguay kam nun wesentlich besser in die Partie, schafften es aber dennoch nicht, das Dortmund-Sturmduo Valdez/Barrios zu bedienen. Gerade Valdez hing ziemlich in der Luft. Aus dem Spiel gelang es zwar nicht, für ernsthafte Gefahr zu sorgen, aber weil De Rossi und Cannavaro bei einem Standard schliefen, ging Paraguay mit einer 1:0-Führung in die Kabine.

Die Italiener aber rissen nach dem Seitenwechsel das Spiel sofort wieder an sich, getragen vor allem vom bärenstarken Montolivo, dem nun wieder fleißigeren Zambrotta und auch von Kampfsau Pepe, der auf die linke Seite gewechselt war. Aus dem 4-3-3 wurde nun endügltig ein 4-2-3-1, wodurch sich die Italiener wieder mehr Kontrolle im Mittelfeld erkauften. Als dann Camoranesi nach einer Stunde für den umtriebigen Marchisio kam, switchte Lippi auf ein 4-4-2, mit Gilardino und (dem allerdings weiterhin durchsichtigen) Iaquinta vorne, Pepe links und Camoranesi rechts im Mittelfeld. Dieser Maßnahme war es zu verdanken, dass Vera, der sich nun deutlich gefangen hatte, sich auf der einen Seite an Pepe aufrieb und Santana die linke Flanke nicht konsequent besetzt hielt, sodass Camoranesi durchaus für Schwung über diese Seite sorgen konnte.

Umso mehr bekamen die Italiener die Kontrolle, als der spielstärkere Di Natale für Gilardino kam und um Iaquinta herum recht frei agieren konnte. Lippi wechselte also dem Spielverlauf entsprechend gut ein, seine Mannschaft steigerte sich klar und der Ausgleich war absolut korrekt. Ja, sogar ein Sieg hätte es noch werden können, denn Paraguays Teamchef Martino gönnte seiner nun vielbeschäftigten Abwehr keine Rotation, wechselte nur (und das völlig wirkungslos) positionsgetreu die beiden Stürmer aus, ohne etwas für sein Mittelfeld zu tun, um die Spielkontrolle wieder zu erlangen. Der Punkt für Paraguay hielt nur, weil sich Torhüter Villar nach seinem Irrflug beim Gegentor (auch ein Standard) keine Fehler mehr elaubte.

Fazit: Italien brauchte ein paar Justierungen, um nach der Pause ins Spiel zurück zu finden, das Unentschieden ist aber (mindestens) verdient. Paraguay reagierte nicht angemessen auf die italienischen Umstellungen und hatte im Endeffekt ein wenig Glück.

(phe)

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Das Dynamit ist aus. Her mit dem Beton! https://ballverliebt.eu/2010/05/22/das-dynamit-ist-aus-her-mit-dem-beton/ https://ballverliebt.eu/2010/05/22/das-dynamit-ist-aus-her-mit-dem-beton/#respond Sat, 22 May 2010 09:23:58 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=2061 Das Dynamit ist aus. Her mit dem Beton! weiterlesen ]]> WM-SERIE, Teil 26: DÄNEMARK | Vor mittlerweile 18 Jahren wurde „Danish Dynamite“ sensationell Europameister. Erfrischender Offensiv-Fußball ist immer noch das Credo der Dänen, aber statt Dynamit gibt’s derzeit eher nur Schweizerkracher – echte Topstürmer fehlen.

Nicklas Bendtner ist bei Arsenal nicht gerade das, was man einen Publikumsliebling nennt. Der 22-jährige Torjäger ist nämlich nicht direkt der effektivste seiner Zunft, und ein Teamplayer wie sein Konkurrent Robin van Persie ist er auch nicht. Während aber Arsène Wenger bei den Gunners durchaus Alternativen zu Bendtner hat, ist der dänische Teamchef Morten Olsen vor dessen zehnjährigen Amtsjubiläum auf ihn angewiesen. Obwohl auch bei den 15 Toren in der Qualifikation nur drei auf das Konto von Nicklas Bendtner gingen.

So ist der Offensiv-Fußball, der die Dänen in den Neunzigern mit dem EM-Titel und den sagenhaften Auftritten bei der WM 1998, als sie sich ins Viertelfinale bombten und dort Brasilien einen legendären Kampf boten, zwar bis heute das Idealbild in Olsens 4-3-3. Aber ganz deutlich ist er auch dem Pragmatismus gewichen, dass vor allem Angesichts des nicht allzu sprengkräftigen Angriffs die Abwehr stehen muss. Und wie diese Umstellung gelang! Während in den letzten fünf Qualispielen (nach höheren Erfolgen gegen die Underdogs Malta und Albanien) nur vier Treffer gelangen, wurde die Abwehr in der kompletten Vorrausscheidung nur fünf Mal bewzungen. Und zwei dieser Gegentreffer gab’s beim dramatischen 3:2-Erfolg in Portugal.

Dass die schwere Gruppe gar als Sieger noch vor Portugal und Schweden beendet wurde und die Qualifikation nach zwei verpassten Turnieren diesmal nie in Frage stand, darf so vor allem als Erfolg von Trainerfuchs Morten Olsen gelten – des ersten Dänen, der 100 Länderspiele sowohl als Spieler als auch als Teamchef absolviert hat. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt und er hatte die Fähigkeit, aber auch das Standing in Dänemark, die Angriffslust zu Gunsten einer gestärkten Abwehr zu opfern. Einer Abwehr, die zwar nicht über die ganz großen Stars verfügt, aber ihren Job staubtrocken erledigt.




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So stellen die Dänen nicht mehr ein extrem spektakuläres Team wie mit den Laudrup-Brüdern bei den Erfolgen in den Neunzigern, sondern eher eine kontrollierte, zum Ansehen beinahe langweilige Mannschaft. Das Fehlen eines echten Stars (und ein solcher ist Bendtner als Arsenal-Reservist ja eigentlich nicht) darf aber nicht als Schwäche fehlinterpretiert werden. Im Gegenteil, die Dänen waren immer dann am Stärksten, wenn der Teamgeist stimmte, und sich in der Mannschaft keiner herausnahm, nur medienwirksame Alleingänge zu starten. Zumal jeder um seine Rolle innerhalb des Teams weiß, was auch nicht zwingend mit fußballerischen Qualitäten zusammen hängt. Dass Sechser Christian Poulsen von Juventus Turin auf dem Platz etwa ein vertiabler Dreckskerl ist, der die Gegner so lange auf das Heftigste provoziert, bis diese auszucken, weiß man nicht erst seit Francesco Tottis Spuckattacke auf den heuten 30-Jährigen bei der Euro2004.

Zudem stimmt auch die Mischung zwischen Routiniers und Jungspunden in der Mannschaft. Martin Jørgensen etwa war schon 1998 dabei und spielte über zehn Jahre für Udinese und die Fiorentina in der Serie A, ehe er vor einem halben Jahr in die Heimat zurück kehrte. Dennis Rommedahl und Jon Dahl Tomasson sind ebenso routinierte Kräfte. Auf der anderen Seite gibt es aber etwa den 21-jährigen Innenverteidiger Simon Kjær, der in Palermo seit zwei Jahren Stammkraft ist und auch seinen Platz im Team sicher hat, oder eben auch den 22-jährigen Stoßstürmer Nicklas Bendtner.

Was einmal mehr zeigt, wie gut auch die Nachwuchsarbeit in diesem kleinen Land funktioniert. Gute Leistungen bei den nationalen Vereinen sind oft das Sprungbrett etwa nach Holland, von wo aus es nicht selten in die echten Topligen geht. In der vermutlichen ersten Elf spielen jeweils drei in Italien und England, dazu gibt’s Legionäre aus Deutschland und eben Holland; und Italien-Heimkehrer Jørgensen. Nur Jakob Poulsen die heimische Liga noch nicht verlassen.

Der Einsertorwart dafür schon lange. Thomas Sørensen stand schon beim Achtelfinal-Einzug vor acht Jahren zwischen den Pfosten. Dennoch steht hinter dem langjährigen Premier-League-Torhüter ein Fragezeichen: Eine Ellbogen-Verletzung macht seinen Start unsicher. Sollte der 34-Jährige nicht rechtzeitig fit werden, springt Stephan Andersen ein. Er ist zwar auch ein ordentlicher Torhüter, an internationaler Erfahrung mangelt es ihm aber im Gegensatz zu Sørensen.

In der Abwehr kann Olsen am Ehesten ein wenig rotieren. In der Innenverteidigung sollten Simon Kjær und Per Krøldrup gesetzt sein, mit dem gelernten Innenverteidiger Daniel Agger auf der linken Seite. Es ist aber genauso möglich, dass der Liverpool-Legionär Agger ins Zentrum geht, und dafür Patrick Mtiliga auf der linken Seite spielt. Da Mtiliga aber mit beinahe dreißig Jahren den Durchbruch noch nicht geschafft hat, und auch im Nationalteam bislang keine Rolle spielte, wird dies eher nur die Notlösung sein. Auf der rechten Seite führt indes kein Weg an Lars Jacobsen vorbei. Für den 30-Jährigen von Blackburn ist es das erste große Turnier.

Im Dreier-Mittelfeld setzt Olsen vor allem auf die Erfahrung eines Christian Poulsen. Der bereits angesprochene Sechser von Juventus versteht es nicht nur, der eigenen Mannschaft Rhythmus zu geben, sondern vor allem, jenen des Gegners zu stören. Ihm zur Seite steht Jakob Poulsen vom dänischen Absteiger Aarhus – gerade aufgrund der sicherlich eher angeknacksten Psyche ist er wohl einer der potentiellen Schwachpunkte. Anders als sein Klubkollege in Aarhus, Martin Jørgensen. Der 34-jährige Routinier hat in seiner Laufbahn schon viel erlebt und wird seine internationale Karriere mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach dem Turnier in Südafrika beenden. Er ist zweifellos der vielseitigste Mittelfeldmann: Grundsätzlich ist ein ein Achter, der das Offensivspiel der Mannschaft lenkt. Er kann aber genauso als Flügelstürmer eingesetzt werden und spielte bei der Fiorentina einige Zeit sogar als Rechtsverteidiger.

Ihn auf Sicht zu ersetzen, wird eine der wichtigsten Aufgaben nach dem Turnier sein. Im Turnier aber ist es auch an den anderen Spielern, Jørgensen zu unterstützen und natürlich auch selbst initiativ zu werden. Das sollte für die ähnlich routinierten Außenstürmer kein Problem sein! Jon Dahl Tomasson, der auf der linken Angriffsseite spielen wird, aber genauso in die Mittefeldzentrale oder in die Spitze gehen kann, gewann in seiner langen Laufbahn schon zwei Europacups und erzielte schon über 50 Tore im Nationalteam. Dass er den Uralt-Rekord von Tist Nielsen brechen wird, steht eigentlich außer Frage, womöglich schafft er das sogar schon in den Vorbereitungsspielen.

Auf der rechten Seite ist das Revier von Dennis Rommedahl. Er ist zwar sehr schnell, im Gegensatz zu Tomasson fehlt es ihm aber eklatant an Torgefahr. Seine Flanken sollen vor allem Mittelstürmer Nicklas Bendtner bedienen. Hier wird das Alternativen-Problem von Morten Olsen am deutlichsten sichtbar: Der zweite Anzug sitzt vor allem in der Offensive nicht. Fallen spieler wie Tomasson, Bendtner oder Jørgensen aus, gibt es keinen gleichwertigen Ersatz. Das wurde etwa bei einem Testspiel in Österreich augenscheinlich, welches eine Mannschaft ohne einige Stützen verlor.

Das ist ohne Frage der größte Stolperstein der Dänen auf dem Weg ins Achtelfinale. Dass die erste Mannschaft es vom Potential her absolut drin hat, auch bei ihrer vierten Teilnahme an einem Weltturnier die Vorrunde zu überstehen – das schafften sie bislang immer – steht außer Zweifel. Den Japanern ist die dänische Mannschaft an körperlicher Robustheit weit überlegen, dem Team aus Kamerun fehlte es zuletzt an Teamgeist. Schafft es die Hintermannschaft der Dänen, in diesen Spielen halbwegs dicht zu halten, steht einem Achtelfinale, vermutlich gegen Italien, nicht mehr viel im Wege.

Eben nur noch die leidige Schwäche vor des Gegners Tor. Elektrisierende Spieler wie einst die Laudrups oder noch früher Preben Elkjær-Larsen gibt es nicht. Aber egal, wie dieses Turnier für den Europameister von 1992 ausgeht, Morten Olsen hat seinen Platz in der Hall of Fame des dänischen Fußballs sicher.

Auch ganz ohne Dynamit.

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DÄNEMARK
rotes Trikot, weiße Hose, adidas – Platzierung im ELO-Ranking: 17.

Spiele in Südafrika:
Holland (Mittagsspiel Mo 14/06 in Johannesburg/S)
Kamerun (Abendspiel Sa 19/06 in Pretoria)
Japan (Abendspiel Do 24/06 in Rustenberg)

TEAM: Tor: Stephan Andersen (28, Brøndby), Jesper Christiansen (32, FC Kopenhagen), Thomas Sørensen (34, Stoke). Abwehr: Daniel Agger (25, Liverpool), Lars Jacobsen (30, Blackburn), Per Krøldrup (30, Fiorentina), William Kvist (25, FC Kopenhagen), Simon Kjær (21, Palermo), Simon Poulsen (25, Alkmaar), Patrick Mtiliga (29, Málaga). Mittelfeld: Thomas Enevoldsen (22, Groningen), Jesper Grønkjær (32, FC Kopenhagen), Daniel Jensen (30, Bremen), Martin Jørgensen (34, Aarhus), Thomas Kahlenberg (27, Wolfsburg), Christian Poulsen (30, Juventus), Jakob Poulsen (26, Aarhus), Michael Silberbauer (28, Utrecht). Angriff: Mikkel Beckmann (26, Randers), Nicklas Bendtner (22, Arsenal), Michael Krohn-Dehli (27, Brøndby), Søren Larsen (28, Duisburg), Dennis Rommedahl (31, Ajax Amsterdam), Jon Dahl Tomasson (33, Feyenoord).

Teamchef: Morten Olsen (60, Däne, seit Juli 2000)

Qualifikation: 0:0 in Ungarn, 3:2 in Portugal, 3:0 auf und 3:0 gegen Malta, 3:0 gegen Albanien, 1:0 in Schweden, 1:1 gegen Portugal, 1:1 in Albanien, 1:0 gegen Schweden, 0:1 gegen Ungarn.

Endrundenteilnahmen: 3 (1986 Achtelfinale, 98 Viertelfinale, 2002 Achtelfinale)

>> Ballverliebt-WM-Serie
Gruppe A: Südafrika, Mexiko, Uruguay, Frankreich
Gruppe B: Argentinien, Nigeria, Südkorea, Griechenland
Gruppe C: England, USA, Algerien, Slowenien
Gruppe D: Deutschland, Australien, Serbien, Ghana
Gruppe E: Holland, Dänemark, Japan, Kamerun
Gruppe F: Italien, Paraguay, Neuseeland, Slowakei
Gruppe G: Brasilien, Nordkorea, Côte d’Ivoire, Portugal
Gruppe H: Spanien, Schweiz, Honduras, Chile

* Die Platzierung im ELO-Ranking bezieht sich auf den Zeitpunkt der Auslosung

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