Napoli – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Tue, 18 Dec 2012 00:37:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Auf Wiedersehen, Råsunda https://ballverliebt.eu/2012/11/23/auf-wiedersehen-rasunda/ https://ballverliebt.eu/2012/11/23/auf-wiedersehen-rasunda/#comments Fri, 23 Nov 2012 01:21:26 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=8041 Auf Wiedersehen, Råsunda weiterlesen ]]> Ein dezenter, gelber Kranz mit schwarzen Bändern war es, der vor dem Match am Mittelkreis platziert wurde. „Vila i frid“, stand darauf geschrieben, „Ruhe in Frieden“. Eine Schweigeminute folgte. Dann ein riesiges Feuerwerk und eine gigantische Choreo. Die Bildnisse von sechs Herren in gesetzterem Alter ragten auf dem Oberrang, darunter ein 60 Meter langes Spruchband: „Legenden des Råsunda – für alle Zeit unsterblich“.

Auf dem Unterrang: In großen Lettern „AIK“, dem Heimatverein des altehrwürdigen schwedischen Nationalstadions. Alternierend mit der Zahl 1937. Dem Jahr, in dem die Arena eingeweiht wurde. Jene Arena, für die nun endgültig der letzte Vorhang gefallen ist.

Am Ende gab es ein Pfeifkonzert. Weil Edinson Cavani in Minute 93 seinen Elfmeter sicher in das aus sicher Sicht linke Eck geschoben hatte. Torhüter Turina war in die andere Richtung geflogen. Das 2:1, der Sieg für Napoli in diesem Europa-League-Spiel. Nicht einmal ein verdienter Punkt gegen das B-Team von Napoli war dem Stockholmer Traditionsklub AIK vergönnt, weil Verteidiger Niklas Backman den Torschützen recht plump im eigenen Strafraum umgehackt hätte.

AIK – Napoli 1:2

Es war ein Spiel, an das man sich nicht lange erinnern müsste. Die Gäste aus Italien verzichteten auf Stammspieler wie Cannavaro, De Sanctis, Campagnaro und Maggio; Hamsik, Zuñíga und Inler kamen erst im Laufe des Spiels. Wirklich interessiert schien die Truppe lange eher nicht.

Die Gastgeber traten in einem typisch schwedischen 4-4-2 auf, die Phantasie im Spiel nach vorne war enden wollend, einige der langen Bälle nach vorne dafür nicht. Immerhin, vom Rückstand ließ man sich nicht schocken, ein langer Flankenball von Lundberg fand den Kopf von Daníelsson, das 1:1. Im Gegensatz zum pathetischen Vorlauf ein Spiel von überschaubarer Qualität und eher begrenztem Unterhaltungswert.

Dabei hat dieses Stadion viel erlebt.

„Heja Sverige“ und die Geburtsstunde des Mythos namens Pelé

1958 etwa fand in Schweden die Weltmeisterschaft statt. An diese erinnert man sich in Deutschland eher ungern. Weil sich der amtierende Weltmeister völlig aus dem Konzept bringen ließ. Von Zuschauern, die das Heimteam lautstark mit Sprech-Chören anfeuerten! Eine Unerhörtheit, entfuhr es den Deutschen. Nachdem sie, komplett entnervt von den ständigen „Heja Sverige“-Rufen von den Rängen des Ullevi von Göteborg ihr Semifinale gegen den WM-Gastgeber 1:3 in den Sand gesetzt hatten.

Schweden – Brasilien 2:5 (1:2)

Weltmeister wurde Schweden damals aber nicht. Weil man im Finale im Råsunda mit 2:5 gegen Brasilien verlor. Jenes Team, in dem ein 17-Jähriger aufgeigte, der die Welt erstmals verzückte: Pelé! Sein Tor zum 3:1 nach einer Stunde war die Vorentscheidung, sein 5:2 in der Nachspielzeit war der Schlusspunkt.

Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass Schweden damals nicht zufällig und nicht nur wegen der ungewohnt heißblütigen Zuschauer ins Finale gekommen war. Spielmacher Gunnar Gren war schon ein Jahrzehnt Legionär für Milan und die Fiorentina in Italien; Nils Liedholm war ebenso bei den Rossoneri aktiv und wird dort noch heute als Klub-Legende verehrt. Auch Kurre Hamrin war schon zwei Jahre in Italien, er sollte dort noch weitere 13 Saisonen bleiben. Nacka Sköglund? Seit acht Jahren bei Inter Mailand. Und auch Orvar Bergmark sollte es später noch an den Stiefel verschlagen.

Eine Weltklasse-Truppe also – es sollte 35 Jahre dauern, bis das Trekronor-Team wieder in solche Sphären vorstieß.

Auch bei Heim-EM stark

Und zwar anlässlich der Europameisterschaft 1992 im eigenen Land. Jenes Turnier, das vor allem wegen Überraschungs-Sieger Dänemark in Erinnerung blieb. Für Schweden aber auch ein großer Erfolg war. Dem Halbfinal-Aus im Råsunda gegen Deutschland zum Trotz

Schweden – Deutschland 2:3 (0:1)

In einem Turnier, das von großer spielerischer Vorsicht und noch größerer Langeweile auf dem grünen Rasen geprägt war, ragt dieses Spiel – das wohl größte in der Karriere von Thomas Häßler – heraus. Schweden kämpfte tapfer, aber letztlich war gegen den amtierenden Weltmeister und den kleinen Berliner kein Kraut gewachsen.

Was aber nichts daran änderte, dass diese Mannschaft praktisch in selber Besetzung zwei Jahre später ihren größten Erfolg in der jüngeren Vergangenheit schaffte: Platz drei bei der WM in den Vereinigten Staaten. Mit dem umsichtigen Jonas Thern als Sechser, mit Parma-Stürmerstar Thomas Brolin. Mit Kennet Andersson, der danach ebenso in die Serie A ging. Mit Martin Dahlin, dem dunkelhäutigen Angreifer, der bei Borussia M’gladbach seine größte Zeit hatte. Mit Roland Nilsson, gestählt in Jahren in Englands höchster Liga.

Und natürlich mit Torwart-Dauerbrenner Thomas Ravelli, mit 143 Einsätzen der Rekord-Nationalspieler, der selbst dann noch im Tor stand, als er schon aussah wie Mitte 60.

[VIDEOS: Highlights der ersten Hälfte von Schweden-Deutschland und die der zweiten]

Schweden – Österreich 0:1 (0:1)

Der Anfang vom Ende der starken 90er-Jahre-Generation kam dann aber ebenso im Råsunda. Am 9. Oktober 1996 war es, als sich Andi Herzog im ÖFB-Teamdress durchtankte und das Tor zum 1:0-Endstand herstellte. Für Österreich der Startschuss zur erfolgreichen Qualifikation für die WM in Frankreich, für das Trekronor-Team der entscheidende Rückstand, dem man bis zum 0:1 ein Jahr später in Wien hinterher lief.

Die WM 1998 verpasste man also ebenso wie die Euro96. Schweden hatte aber das Glück, dass mit Henke Larsson, Freddie Ljungberg und später natürlich auch Zlatan Ibrahimovic die nächste starke Generation sofort nach kam. Von 2000 bis 2008 verpasste man kein einziges großes Turnier. Und die wichtigen Heimspiele in der Qualifikation wurde immer im alten Råsunda ausgetragen.

Alt und charmant

Es ist alles ein wenig eng im Råsunda

Dass es sich bei dem im Stadtteil Solna im Westen Stockholms gelegenen Stadion, in das etwas mehr als 30.000 Leute reinpassen, nicht gerade um eine moderne Fußball-Arena handelte, wurde einem an jeder Ecke des Baus klar. Vielleicht noch nicht so sehr an der Haupttribünen-Seite, wo bis vor Kurzem auch der schwedische Verband seinen Hauptsitz hatte. Aber innen drin. Dort ist alles recht beengt, es wirkt alles zuweilen etwas improvisiert. Nicht, dass schon der Putz herunterbröckelt. Aber viel fehlt da wohl nicht mehr.

Nicht am allerneuesten Stand der Technik

Es gab zuletzt eine Vidiwall, die auf dem Dach der recht niedrigen Haupttribüne angebracht war. Ansonsten verbreiteten die Anzeigetafeln eher den Charme aus der elektonischen Gründerzeit. Außerhalb des Stadions (wie am Bild rechts, an der Südtribüne angebracht) oder auch im Stadion selbst, wo eine baugleiche Anzeige bis zuletzt auf der Gegentribüne auf Höhe der Mittellinie angebracht war und die Zuschauer über Spielstand und die abgelaufene Zeit informiert.

Die Vidiwall auf der Haupttribüne ist nicht gerade ein Megatron

Das Råsunda auf europäische Bühne

Es gab eine Zeit, in der man aber auch als solches Mittelklasse-Stadion europäische Endspiele ausrichten konnte. Und während Michael Konsel mit seinem Sieg im Tor des ÖFB-Teams im Oktober 1996 gute Erinnerungen an dieses Stadion haben kann, setzte es für seinen langjährigen Konkurrenten um den Platz zwischen den Team-Pfosten, Franz Wohlfahrt, im Mai 1998 eine bittere Niederlage. Im vorletzten Finale des Europapokals der Pokalsieger.

Chelsea – Stuttgart 1:0 (0:0)

71 Minuten lang hielten die Stuttgarter das 0:0, ehe Chelsea-Spielertrainer (!) Gianluca Vialli sich einen neuen Sturm-Partner einwechselte. Statt Tore André Flo kam also Gianfranco Zola ins Spiel, und kaum eine Minute drin, besorgte der Joker auch schon das 1:0. Der letzte internationale Titel für die Blues, bevor Roman Abramovich den Klub mit seinem Geld erschlug. Und der letzte internationale Titel für die Blues, ehe jener Italo-Schweizer, der im Råsunda neben Raubein Dennis Wise auf Krassimir Balakov aufpasste, als Trainer dieses Klubs 14 Jahre später die Bayern ärgerte.

Die Erinnerung an dieses Spiel verbindet Wohlfahrt übrigens mit einem damals noch recht jungen Trainer am Anfang seiner Trainer-Karriere: Joachim Löw. Der nach dieser Saison, in der er ins Europacup-Finale kam, sich als Bundesliga-Vierter für den Uefa-Cup qualifizierte und erst im Pokal-Halbfinale an den Bayern gescheitert war, entlassen wurde – wegen Erfolglosigkeit.

Eine Weltpremiere für das Råsunda

Norwegen – Deutschland 2:0 (2:0)

Drei Jahre vor dem Europacup-Endspiel gab es für das Stadion von Schwedens Hauptstadt bereits eine absolute Weltpremiere: Als erstes Fußball-Stadion überhaupt wurde das Råsunda zu einer Arena, in der ein WM-Finale der Herren UND eines der Frauen ausgetragen wurde. Im strömenden Regen schlugen sich Fans der im Viertelfinale ausgeschiedenen Gastgeber auf die Seite des Nachbarn aus Norwegen und sie wurden nicht enttäuscht. Zwei recht derbe deutsche Abwehrfehler in der ersten Hälfte ermöglichten Tore von Hege Riise und Mariann Pettersen.

Vier Jahre später wurde die Rose Bowl von Los Angeles zum zweiten Stadion, das WM-Finale von Männern und von Frauen gesehen hat. Bis heute sind das die beiden einzigen Arenen, und mindestens bis 2019 wird das auch so bleiben.

Ein junger Xavi zu Gast

Mit den Erfolgen des schwedischen Nationalteams kamen die Klubs aus der Allsvenskan nur sehr vereinzelt mit. Und noch seltener waren echte internationale Highlights des elffachen Meisters AIK – vier davon wurden im Råsunda gefeiert.

AIK – Barcelona 1:2 (0:0)

1999 schaffte man sogar den Sprung in die Champions League. Und die Begann gleich mit einem Kracher: Der FC Barcelona gab sich die Ehre. Das war jenes Team der Katalanen, in dem Trainer Louis van Gaal zu Beginn der Post-Bosman-Ära so etwas wie ein „Ajax, Version 2.0“ aufbauen wollte. Mit dem selben taktischen Grundgerüst wie zur seiner großen Ajax-Zeit, und zum Teil sogar mit dem selben Personal – die De-Boer-Zwillinge, Jari Litmanen, Patrick Kluivert, auch mit Winston Bogarde.

Und mit einem sehr jungen Xavi, gerade mal 19 Jahre alt. In der Gruppe mit den Katalanen, mit der Fiorentina von Trapattoni um Rui Costa und Batistuta, und mit dem Arsenal von Wenger um Bergkamp und Overmars gab es für das Team des schottischen Trainers Stuart Baxter, wie kaum anders zu erwarten war, nur einen Zähler – ein 0:0 daheim gegen die Italiener.

Vom Tor des bosnischen Stürmers Nebojsa Novakovic, mit dem er AIK gegen das Star-Ensemble aus Barcelona sogar mit 1:0 in Führung brachte, schwärmen Fans des Klubs natürlich bis heute. Dass es durch Gegentore in den Minuten 86 und 93 noch eine 1:2-Niederlage gab – vergeben und vergessen.

Was bleibt, sind Souvenirjäger…

Als der erste Ärger über den verpassten Punkt gegen Napoli verraucht war, setzte auf der vollbesetzten Tribüne recht schnell wieder die Wehmut zurück. Das wissen, dass dieses Europa-League-Spiel gegen Cavani und Co. das allerletzte Spiel an dieser historischen Stätte war. Dass das Råsunda das erste WM-Finalstadion der Geschichte wird, das abgerissen wird und vollkommen von der Bildfläche verschwindet, und nicht „nur“ renoviert wird.

Dass ihnen die Gäste aus Italien nicht einmal die eher zweifelhafte Ehre gelassen haben, wenn schon nicht das letzte Tor geschossen, dann doch zumindest den letzten Ausschluss zu lassen (Salvatore Aronica musste nach einer Notbremse an Mohamed Bangura frühzeitig vom Platz) – geschenkt. Schnell wurde begonnen, sich alles unter den Nagel zu reißen, was nicht niet- und nagelfest war. Naja – eigentlich sogar auch, was niet- und nagelfest war. Schilder, Sitze, braucht ja keiner mehr.

…und der Umzug nach Fan-Voting

Wo es im Jahr 2013 für AIK weitergeht? Ein Verein, der die Rückennummer 1 nicht vergibt, weil diese für die Fans reserviert ist, kann das natürlich nicht entscheiden, ohne die eigenen Anhänger zu fragen. Darum wurde ein Voting veranstaltet: In das neue, hochmoderne 50.000-Zuschauer-Nationalstadion in der Nachbarschaft oder in die ebenfalls brandneue 30.000-Mann-Arena im Süden Stockholms? Das Ergebnis war eindeutig: Die Nationalmannschaft und AIK werden sich auch weiterhin eine gemeinsame Heimstätte haben.

Sich ein Stadion mit dem ungeliebten Rivalen Hammarby zu teilen? Na, das wäre ja wohl auch noch schöner!

(phe)

Alle Bilder: phe

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Das Imperium schlägt zurück: Die alte Garde schießt Chelsea zum 4:1-Sieg https://ballverliebt.eu/2012/03/15/das-imperium-schlagt-zuruck-die-alte-garde-schiest-chelsea-zum-41-sieg/ https://ballverliebt.eu/2012/03/15/das-imperium-schlagt-zuruck-die-alte-garde-schiest-chelsea-zum-41-sieg/#respond Wed, 14 Mar 2012 23:49:19 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=6863 Das Imperium schlägt zurück: Die alte Garde schießt Chelsea zum 4:1-Sieg weiterlesen ]]> Vor allem mit Drogba, Lampard und Terry war Ex-Chelsea-Coach Villas-Boas auf Crash-Kurs. So ist es wohl durchaus bezeichnend, dass genau diese drei im ersten wirklich wichtigen Spiel nach der Entlassung des Portugiesen so richtig aufgeigten, drei der vier Tore schossen und das ganze Team mitreißen konnten. Das Aus in der Champions League gegen Napoli konnten die Blues in einem unterhaltsamen Spiel gerade noch verhindern.

Chelsea FC - SSC Napoli 4:1 n.V.

Die ersten beiden Spiele unter Roberto di Matteo hat Chelsea gewonnen – aber so wichtig das 2:0 im Cup bei Birmingham City und das 1:0 gegen Stoke in der Liga auch waren, in der Champions League wartete gegen Napoli das wohl wirklich entscheidende Spiel für den weiteren Saisonverlauf die Blues, zehn Tage nach der Entlassung von André Villas-Boas.

Das System vom Interims-Coach

Di Matteo – der als Spieler 1998 beim letzten Europacup-Triumph von Chelsea dabei war und als Trainer vor anderthalb Jahren West Brom in die Premier League geführt hatte – ging vom 4-3-3 ab, das Villas-Boas verwendet hatte, und stellte das Team auf ein 4-2-3-1 um. Essien fungierte dabei als tief stehender Sechser, währen Frank Lampard aus der Tiefe heraus immer wieder weit mit nach vorne ging, um Zehner Juan Mata gegen die beiden defensiven Mittelfeld-Spieler von Napoli zu unterstützen.

Oftmals spielten Mata und Drogba annähernd auf einer Höhe, dazu gestellte sich noch Sturridge auf der rechten Seite. Das machte, rein numerisch gesehen, durchaus Sinn: Gegen die Dreierkette von Napoli, die defensiv natürlich schnell zur Fünferkette wird, empfielt es sich, mit vielen, hoch stehenden Spielern zu agieren. Aber das alleine war es nicht, was Chelsea die Kontrolle bescherte.

Die Flügel von Chelsea

Sondern auch, dass man das Zentrum bearbeitete, ohne dabei auf die Außen zu vergessen. Man City machte beim 1:1 im Gruppenspiel den Fehler, nur das Zentrum zu bevölkern, aber nicht Napolis Wing-Backs außen zu binden – darauf achtete Chelsea hier sehr wohl. So blieb zwar Ramires, nominell auf dem linken Flügel aufgeboten, zumeist recht weit von der Außenbahn weg – nur wenn defensiv notwendig, bewegte er sich dort hinaus.

Dafür bearbeitete Ashley Cole dort Christian Maggio (und nach dessen verletzungsbedingter Auswechslung Juan Camilo Zuñíga). Auf der rechte Seite blieb Sturridge eher draußen gegen Zuñíga (und später eben Dossena), weshalb Ivanovic in dieser Phase nicht ganz so viel nach vorne unternahm wie Cole.

Napoli lauert auf Gegenstöße

Napoli ließ Chelsea mit dem 3:1 aus dem Hinspiel im Rücken recht bereitwillig den Ball und lauerte, wie es das Spiel dieser Mannschaft nun mal ist, auf schnelle Gegenstöße. Gegen das zwar optisch dominante, aber nicht besonders schnelle Aufbauspiel von Chelsea hatten die Italiener wenig defensive Probleme und es gelang immer wieder, das ungemein flinke Trio vorne einzusetzen.

Dort ließ sich vor allem Hamšík immer wieder fallen, um anspielbar zu sein und vorne Cavani und den etwas passiveren Lavezzi einzusetzen. Chelsea hatte so ein spielerisches Übergewicht, aber Napoli stellte einen steten Gefahrenherd dar und hatte einige sehr gute Chancen, die nur knapp nicht zum Tor führten. Wenn dazu Gelegenheit war, ging das Offensiv-Trio der Italiener auch die ballführenden Gegenspieler an, was Chelsea zumindest phasenweise ein wenig aus dem Rhythmus brachte.

Schwäche bei Flanken in den Strafraum

Das 6:3 von Napoli zuletzt in der Serie A gegen Cagliari hat nicht nur gezeigt, dass man vorne bärenstark ist, sondern auch, wo die Schwäche liegt: Bei Flanken in den Strafraum und Kopfbällen. Alle drei Gegentore gegen Cagliari fielen aus Kopfbällen, und nach einer halben Stunde fand eine Flanke von Ramires (der von Maggio nicht konsequent genug attackiert wurde) den Kopf von Didier Drogba, und der Ivorer traf zum 1:0.

Ein Treffer, der bei Napoli sichtlich Wirkung hinterließ. Die Verletzung von Maggio und der dadurch nötige Wechsel waren sicher auch ein Faktor, aber vor allem im Zentrum – Gargano und Aronica seien hier erwähnt – blieb Napoli nun vermehrt zu weit vom Gegenspieler weg, die Sicherheit im Passspiel schwand merklich und ein zweites Gegentor vor der Pause schien alles andere als unwahrscheinlich.

Wieder ein Kopfball – und die krachende Antwort darauf

Aber es dauerte bis kurz nach der Pause, als Hugo Campagnaro – der linke Mann in Napolis Dreierkette – den Blues das 2:0 schenkte. Erst verursachte er nach einer Flanke (auf dieses Mittel setzte Chelsea nun natürlich vermehrt) aus seiner Verunsicherung heraus einen unnötigen Eckball, und bei dem ließ er dann auch noch John Terry laufen – das verdiente 2:0 für die Hausherren. Und wie schon das erste Tor wurde es von einem Akteur aus jener „alten Garde“ erzielt, die gemeinhin als die Hauptverantwortlichen für Villas-Boas‘ Rauswurf ausgemacht worden waren.

Napoli war nun gezwungen, wieder aktiver am Spiel teilzunehmen und Gökhan Inler, Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft, ging mit seiner Energie aus dem Zentrum dabei voran. Nicht nur, dass er nun deutlich Verantwortung übernahm und die Intensität erhöhte, nein, er sorgte mit seinem krachenden Weitschuss-Tor aus 20 Metern auch dafür, dass Napoli nun wieder weiter wäre und Zwang somit Roberto di Matteo zum Handeln.

Torres kommt rein

Ab ca. 60. Minute

Dieser brachte Fernando Torres ins Spiel, der seit Oktober auf einen Torerfolg wartet. Für ihn musste Sturridge weichen und aus dem System wurde nominell ein 4-4-2. Weil aber Mata sich nicht allzu viel auf der rechten Seite aufhielt und in sich immer wieder in die Zehner-Position orientierte, musste Branislav Ivanovic die komplette rechte Seite übernehmen. Das machte der Serbe von seiner Präsenz her auch sehr gut, allerdings waren seine Flanken und seine Zuspiele zumeist sehr ungenau. So war Dossena beschäftigt, aber Torgefahr ging davon nicht aus.

Torres selbst spielte um Drogba herum und versuchte, die Kanäle zwischen Napoli-Abwehr und dem defensiven Mittelfeld der Italiener zu nützen. Das machte er recht ordentlich, er bot sich immer als Anspielstation an und arbeitete gut, aber echte Gefahr für das Napoli-Tor ging auch von ihm nicht aus. So brauchte es bei allem spielerischen Übergewicht, das Chelsea entwickelte, einen Hand-Elfmeter. Diesen verwandelte mit Frank Lampard der dritte aus der alten Garde mit voller Wucht. Das 3:1 aus dem Hinspiel war egalisiert, es ging in die Verlängerung.

Chelsea mit mehr Qualität von der Bank

Dort mussten die Mannschaften merklich der extrem hohen Intensität der vorangegangenen 90 Minuten Tribut zollen. Di Matteo nahm dabei aber einen guten Wechsel vor: Für Mata brachte er Malouda. Der Franzose ging nun auf die linke Seite und machte einen guten Job, wenn es darum ging, Bälle zu behaupten Gegenspieler zu binden. Ramires wechselte auf die rechte Seite und übernahm dort die spielerische Verantwortung, nachdem Bosingwa dort Ivanovic ablöste (Terry musste raus, Ivanovic ging in die IV).

So schaffte es Chelsea gut, die Abwehr von Napoli auseinander zu ziehen und versuchte weiterhin, mit Flanken die Schwäche im Zentrum der Italiener auszunützen – was in der 105. Minute durch ein Tor von Ivanovic nach Drogba-Flanke zum 4:1 ausgenützt wurde. Was die Vorentscheidung war: Denn bei Napoli war das Offensiv-Trio müdegelaufen – ohne die defensiv gebundenen Wing-Backs waren sie zumeist auf sich alleine gestellt. Mit Pandev und Jungstar Vargas fehlte es aber an den Ideen, zudem machte der im Saisonverlauf oft (und auch zu Recht) viel gescholtene David Luiz eine herausragende Partie.

Fazit: Der Wille, der unter Villas-Boas fehlte

Roberto di Matteo hat sein Team taktisch richtig eingestellt, erkannte die Schwächen von Napoli und bohrte diese entsprechend an, nahm die Wing-Backs der Italiener aus dem Spiel und isolierte damit deren Offensiv-Trio ganz gut. Aber: Viel entscheidender als das war die Tatsache, dass die Spieler von Chelsea mit einem Schwung, einem Willen und einer inneren Überzeugung aufgetreten sind, wie sie es unter André Villas-Boas praktisch nie gemacht haben.

Dieser Wucht war Napoli über die 120 Minuten gesehen ganz einfach nicht gewachsen. Es fehlte so ein wenig der Plan B als sich immer mehr abzeichnete, dass man nach vorne ohne nach vorne marschierende Flügelspieler kaum die Mittel hatte, das gefürchtete Trio Hamšík/Cavani/Lavezzi entsprechend einzusetzen. Was eine ähnliche Erkenntnis bringt wie vor einem Jahr nach dem Aus in der Europa League: Napoli hat sich ohne Frage extrem verbessert, in den letzten 13 Monaten, aber ein absolutes europäisches Spitzenteam ist man eben doch (noch) nicht.

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Durch die Mitte spielt man Napoli nicht aus – Man City so nur 1:1 https://ballverliebt.eu/2011/09/14/durch-die-mitte-spielt-man-napoli-nicht-aus-man-city-so-nur-11/ https://ballverliebt.eu/2011/09/14/durch-die-mitte-spielt-man-napoli-nicht-aus-man-city-so-nur-11/#comments Wed, 14 Sep 2011 21:08:26 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5747 Durch die Mitte spielt man Napoli nicht aus – Man City so nur 1:1 weiterlesen ]]> Manchester City startete die Saison in nicht zu stoppender Manier – im Duell der Champions-League-Debütanten gegen Napoli gab es den ersten kleinen Dämpfer für die Citizens. Weil es gegen das in Europa kaum verwendete 3-4-2-1 der Italiener an der Konsequenz im Flügelspiel fehlte.

Manchester City - SSC Napoli 1:1

Das Erfolgsgeheimnis von Napoli in der italienischen Meisterschaft beruht auf der Gegensätzlichkeit des eigenen Systems zu jenem der Gegner: Mit einer Dreierkette hinten und zwei Sechsern davor wird die fast ausschließlich über die Mitte kommende Konkurrenz aufgehalten, während die beiden Wing-Backs gegen die in der Serie A ansonsten deutlich unterqualitativ bis gar nicht besetzten Flügel die Angriffe aufgozogen wird und das Dreigestirn mit Hamsik, Lavezzi und Cavani vorne dann für die Tore sorgt.

Wie Mancini das 3-4-2-1 ausspielen will

Das geht auf internationaler Bühne so nicht, was schon in der letztjährigen Europa League klar wurde. Und gegen eine so starke Mannschaft wie Man City ist mit selbst das Spiel aufziehen schon mal gar nichts – so blieb zwar das übliche 3-4-2-1 von Trainer Walter Mazzarri bestehen, es erfüllte aber andere Zwecke als in der Serie A.

Für Man-City-Coach Roberto Mancini bedeutete das in England gar nicht vorkommende System, dass er seine Mannschaft darauf neu einstellen musste. Das machte er, indem er ein nominelles 4-4-2 auf das Feld stellte, das aber nur in den allerseltensten Fällen auch als solches spielte. Vor allem die Tatsache, dass duch die sehr tief stehenden Wing-Backs von Napoli effektiv gegen eine Fünferkette angespielt werden musste, war dabei das Hauptproblem.

Der Plan: Viel über die Außen

Mancini versuchte das zu lösen, indem er vorne mit Dzeko und vor allem Agüero zwei extrem mobile Spitzen hatte, die sich viel bewegten und die Napoli-Dreierkette, die sich oft im Strafraum zusammenzog, auseinander zu reißen versuchten. Noch wichtiger aber waren Pablo Zabaleta und Aleksandar Kolarov.

Die beiden Außenverteidiger mussten extrem viel nach vorne machen, um dafür zu sorgen, dass die Wing-Backs von Napoli beschäftigt waren und wenn möglich einer aus dem Zentrum – entweder aus der Dreierkette oder einer der beiden Sechser Inler und Gargano – nach außen musste, um zu helfen, und so Räume im Zentrum zu öffnen. Allerdings zogen Silva und Nasri oftmals zu früh in die Mitte, um das wirklich konsequent genug zu machen.

Napoli tut sich nach vorne schwer

City sammelte so zwar zwei Drittel Ballebesitz, aber gegen die dicht stehende Abwehr der Italiener kamen sie nur dann durch, wenn es gelang, Napoli herauszulocken oder nach Standardsituationen für Napoli in der Hälfte von City schnell nach vorne zu kommen. Was nicht oft der Fall war – Dzeko verzog gleich zu Beginn nur knapp, Touré holzte den Ball nach einer halben Stunde an die Latte. Ansonsten war das viel Ballbesitz und wenig Chancen.

Napoli kam nur in Ausnahmefällen nach vorne, weil Zuñíga und Maggio wahnsinnig viel mit Defensivaufgaben gebunden waren, und die beiden Sechser sowieso. So fehlte es dem Offensiv-Trio am Nachschub und es gelang nicht allzu oft, sie einzusetzen. Und wenn doch, konnten sie sich nur dann etwas festsetzen, wenn sie es schafften, den Ball so lange zu halten, bis Mannschaftskollegen aufgerückt waren. Oder, wenn Anspiele schnell verarbeitet wurden – so wie in der 17. Minute, als Lavezzi mit dem ersten Angriff der Italiene die Latte traf.

City zu viel durchs Zentrum

Das änderte sich ein wenig nach dem Seitenwechsel. Anstatt noch mehr als vor der Pause zu versuchen, das Spiel breit zu machen und die Fünferkette so in Verlegenheit zu bringen, spielte sich City nun noch mehr in der Mitte fest und erlaubte so den Wing-Backs von Napoli, deutlich mehr als in der ersten Hälfte nach vorne zu rücken. Das hatte naturgemäß zur Folge, dass Kolarov und Zabaleta nicht mehr so viel ins Angriffsspiel eingebunden waren. Was wiederum das Spiel von City noch mehr in die Mitte verlagerte.

Napoli hatte das Geschehen defensiv im Griff, es fehlte im unmittelbaren Zentrum aber an Manpower, um das für sich auszunützen. Darum brachte Mazzarri nach einer Stunde mit Blerim Dzemaili auch seinen zweiten Schweizer (neben Inler) für Lavezzi, der neue Mann stellte sich etwas tiefer als der Argentinier vor ihm – und siehe da, Gargano und Inler taten sich nun viel leichter, den Ball kontrolliert nach vorne zu bringen.

Ein Standard rettet City

City ließ nun neben Flügelspiel und Tempo auch zunehmend die Präzision vermissen, und so nützte Napoli einen leichten Ballverlust zu einem schnellen Konter, den Cavani cool zur 1:0-Führung für die Italiener abschoss. Nicht ganz unverdient, denn in der zweiten Hälfte war der Dritte der letzten Serie-A-Saison deutlich besser im Spiel und konnte auch die Ballbesitz-Statistik annähernd ausgleichen.

Da City die spielerischen Mittel vermissen ließ und nachdem Agüero für den zweiten Lattenschuss der Gastgeber gesorgt hatte, musste wenige Minuten später ein Freistoß herhalten, um den Ausgleich zu erzielen – Kolarov versenkte ihn mit der letzten Aktion, bevor er für Gaël Clichy den Platz verlassen musste. Zudem kam Adam Johnson für den weitgehend unproduktiven Samir Nasri neu in die Partie.

Das erhöhte zwar den Punch über die rechte Seite (Silva war auch links gewechselt) und bereitete die größte Siegchance für City vor (Dzeko verzog knapp), aber Ordnung und Präzision im Spiel nach vorne gingen weiterhin ab. Zudem nützte Napoli das mit geschicktem Positionsspiel im Mittelfeld aus, um nicht mehr wirklich in Gefahr zu kommen, den Punkt zu verlieren.

Fazit: City immer schlampiger, Napoli immer sicherer

Der Plan von Manchester City, durch weit aufrückende Außenverteidiger die Wing-Backs von Napoli zu beschäftigen und so zu versuchen, die Defensive auseinander zu ziehen, war zwar grundsätzlich richtig, wurde aber zu unkonsequent ausgespielt. So hielt Napoli vor der Pause gut dicht und fand nach dem Seitenwechsel, als City immer mehr mit dem Kopf durch die Wand wollte, immer besser ins Spiel.

Daher ist der Punkt, den Napoli aus England mitnimmt, auch verdient. Denn während City im Spielverlauf immer schlampiger wurde, wurden die Italiener immer sicherer und trauten sich spätestens mit der Einwechslung von Dzemaili immer mehr zu. Für Napoli zweifellos ein gewonnener Punkt, für City zwei verlorene – im ersten Pflichtspiel dieser Saison, das die Mannschaft nicht gewinnen konnte.

(phe)

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Napoli schiebt Milan Richtung Titel https://ballverliebt.eu/2011/02/28/napoli-schiebt-milan-richtung-titel/ https://ballverliebt.eu/2011/02/28/napoli-schiebt-milan-richtung-titel/#respond Mon, 28 Feb 2011 22:20:10 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=4230 Napoli schiebt Milan Richtung Titel weiterlesen ]]> Napoli ist das Überraschungsteam dieser Saison in der Serie A – aber zum Gipfel bei Tabellenführer Milan tauchten sie irgendwie nicht auf. Nervös, fahrig, ungenau – und nach einem dämlichen Handelfmeter brach Napoli volleds ein. Womit man Milan zu einem großen Schritt in Richtung Titel verholfen hat.

AC Milan - SSC Napoli 3:0

Die Neapolitaner, die fehlende Qualität mit viel Hirnschmalz und einer in Europa unüblichen Formation (3-4-2-1) ausglichen, spielten schlicht und ergreifend eine unterirdisch schlechte Partie – aber Milan-Coach Max Allegi hatte auch die richtigen Antworten auf das vor allem in Italien unkonventionelle Napoli-System gefunden.

Für die schlimme Leistung der Süditaliener, vier Tage nach dem Aus in der Europa League (das schon gezeigt hat, dass sie kein wirkliches Spitzenteam stellen), kann auch das Fehlen des gesperrten Lavezzi nicht als Erklärung herhalten. Mascara, der für den Argentinier spielte, versuchte viel und war noch einer der weniger schlechten im Dress von Napoli. Ein Totalausfall war indes Marek Hamsik – er ist das Offensiv-Hirn seiner Mannschaft, er hätte die Löcher, die Milan durchaus anbot, sehen und ausnützen müssen. Stattdessen versteckte er sich komplett.

Milan-Coach Max Allegri stellte sein Team im gewohnten italienischen 4-3-1-2 auf, die Medien nennen das im Falle Milans gerne „4-3-Fantasia“ – weil Zehner Robinho und die beiden nominellen Stürmer Pato und Ibrahimovic sich sehr frei bewegen können, viel rochieren und sich so auch in der Grafik nur andeutungsweise darstellen lassen.

Milan hält auf Flügel dagegen

Das große Plus von Napoli gegenüber vielen Konkurrenten in der Serie A ist ein funktionierendes Flügelspiel: Durch die Dreierkette hinten (die diesmal wieder in der Stammbesetzung Campagnaro, Cannavaro, Aronica spielte) können die Flügelverteidiger Dossena (links) und Maggio (rechts) die bei vielen Gegnern ohnehin nur notdürftig besetzten Flanken dominieren. Allegri hielt dagegen, indem er nicht nur Abate und Jankulovski viel nach vorne schickte, sondern auch die Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen zur Unterstützung nach außen schickte. So sah sich Dossena plötzlich Abate UND Gattuso entgegen; bzw. war (der komplett indisponierte) Maggio gegen Jankulovski und Flamini komplett auf verlorenem Posten.

Das funktionierte, weil es vor allem Hamsik und auch Gargano (der deutlich höher agierte als sein Nebenmann Pazienza, der sich ganz offensichtlich um Robinho kümmern sollte) es nicht schafften, mit Tempo in den Rücken von Flamini bzw. Gattuso zu kommen. Und wenn doch, räumte der fast immer sehr, sehr tief stehende Van Bommel bzw. die nach außen driftenden Innenverteidiger Nesta und Thiago Silva ab. So war das Offensivtrio der Neapolitaner komplett abgemeldet.

Napoli bringt sich selbst auf die Verliererstraße

Dass es mit einem torlosen Remis in die Halbzeitpause ging, lag daran, dass die Defensive von Napoli der mit Abstand beste Mannschaftsteil war. Ansonsten wirkte das Team von Walter Mazzarri fahrig (Hamsik), hypernervös (z.B. Maggio), und konnte Abbiati im Milan-Tor nicht ein einziges Mal prüfen. Endgültig auf die Verliererstraße brachte sein Team aber Abwehrspieler Salvatore Aronica mit einem eher dämlichen bzw. unglücklichen Handspiel kurz nach Wiederanpfiff. Zlatan Ibrahimovic jedenfalls nahm das Geschenk dankend an und stellte per Elfer auf 1:0.

Womit das Spiel schon vorentschieden war. Denn die zuvor schon schwachen Neapolitaner brachen nun komplett in sich zusammen. Kaum noch ein Pass kam an, schon gar nicht die 50-Meter-Versuche, die sich in dieser Phase dramatisch häuften. Im Grunde zeigten nur zwei Mann bei Napoli Normalform bzw. vollen Einsatz: Torhüter Morgan de Sanctis, der in dieser Phase einige gute Chancen vereiteln konnte; und Trainer Walter Mazzarri, den die Nicht-Leistung seiner Mannschaft an der Seitenlinie zur Verzweiflung trieb.

Allegri hatte indes Kevin-Prince Boateng für den etwas verspielten Robinho eingewechselt, und der Deutsch-Ghanae brachte mit seiner deutlich bulligeren und kräftigeren Spielweise nun auch echte körperliche Präsenz in das Offensiv-Spiel bei Milan. Der Lohn: Sein Tor zur endgültigen Entscheidung. Nach einem Konter gegen die recht weit aufgerückte Napoli-Hintermannschaft fand Patos Stanglpass Boateng, der musste nur noch den Fuß hinhalten.

Und keine zwei Minuten später erzielte Pato selbst nach einem erneuten Konter gegen eine erneut sehr weit aufgerückte Hintermannschaft mit einem wunderschönen Schlenzer von der Strafraumgrenze nicht nur den 3:0-Endstand, sondern machte dies mit dem schönsten Tor des Tages.

Fazit: Napoli enttäuscht auf der ganzen Linie

Milan zeigte eine ordentliche Leistung, aber sicherlich nicht mehr – das generelle Niveau der Partie war eher schwach und hält keinem Vergleich etwa mit dem Spiel Bayern-Dortmund stand und zeigte ganz deutlich, warum die Serie A ihren vierten Champions-League-Platz nun endgültig an die deutsche Bundesliga verloren hat. Die italienische Meisterschaft ist derzeit schlicht und ergreifend nicht besonders gut.

So kann sich Milan über einen Sieg freuen, der sie ein großes Stück näher an den ersten Scudetto seit sieben Jahren bringt. Aber sie sind dafür trotz ihrer nicht unintelligenten Reaktion auf das sonst so dominante Flügelspiel der Gegner nicht nur selbst dafür verantwortlich. Einen erheblichen Teil hat nämlich die Mannschaft von Napoli beigetragen, die ganz einfach ein grottenschlechtes Spiel abgeliefert hat.

So einfach ist Fußball manchmal

(phe)

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Napoli ein Spitzenteam? (Noch) nicht. https://ballverliebt.eu/2011/02/24/napoli-ein-spitzenteam-noch-nicht/ https://ballverliebt.eu/2011/02/24/napoli-ein-spitzenteam-noch-nicht/#comments Thu, 24 Feb 2011 22:49:13 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=4186 Napoli ein Spitzenteam? (Noch) nicht. weiterlesen ]]> Der Überraschungs-Zweite der Serie A gegen das Team, dass in Spanien um den Titel „Best of the Rest“ kämpft, Teil zwei: Im Hinspiel neutralisierten sich Napoli und Villarreal. Beim 2:1-Sieg der Spanier im Rückspiel zeigte sich vor allem, dass die Italiener zwar ein gutes Team stellen – aber keine Spitzenmannschaft.

Villarreal CF - SSC Napoli 2:1

Walter Mazzarri änderte sein Team gegenüber dem Hinspiel nur auf einzelnen Position, nicht aber seine bewährte Grundformation des 3-4-2-1; wobei die wohl wichtigste Änderung Edinson Cavani betraf: Er saß zunächst auf der Bank und José Ernesto Sosa begann. Bei Villarreal standen bis auf Senna (für ihn rückte Valero ins Team) die selben Spieler in der Startelf wie beim 0:0 im Hinspiel letzte Woche. Was auch hieß: Die Partie verlief auch sehr ähnlich dem von vor sieben Tagen.

Villarreal versuchte sich an der Spielgestaltung, was vom konsequenten und frühen Pressing der Italiener aber erfolgreich gestört. Selbst lief sich der aktuelle Zweite der Serie A aber nach Ballgewinnen praktisch immer in der schnell wieder dicht gestaffelten Abwehr der Spanier fest. Kam Villarreal doch einmal in die Nähe des Napoli-Strafraums, gab es dort ob der systembedingten Unterzahl kein Durchkommen. So war das Tempo des Spiels hoch, genauso die Intesität, aber Torszenen blieben aus.

Eminent wichtig waren im taktischen Duell natürlich vor allem beim Aufeinandertreffen des 4-4-2 von Villarreal mit dem 3-4-2-1 von Napoli die Kämpfe um die Flanken. Hier setzten sich über das Spiel gesehen die Spanier durch: Cani und Gaspar schafften es, dass Dossena zu keinem Zeitpunkt ernsthaft ins Spiel kam. Die linke Seite von Napoli war somit völlig aus dem Spiel.

Die andere Seite beackerte Zuniga mit etwas mehr Erfolg. Er hielt zum einen Cazorla gut ruhig und ging auch immer wieder beherzt nach vorne, konnt aber andererseits nicht verhindern, dass Weltmeister Capdevila oftmals tief in der Napoli-Hälfte auftauchte. Aber wenn bei Napoli was ging, dann über Zunigas Seite.

Logische Folge: Führung aus einem Eckball

So war es beinahe logisch, dass das 1:0 für Napoli aus einer Standardsituation entstand: Eine kurz abgespielte Ecke von rechts, eine Flanke vor das Tor und Hamsík köpft (wenn auch aus schwer abseitsverdächtiger Position) zum 1:0 für die Italiener ein. Was die mitgereisten Fans so heftig bejubelten, dass der Zaun zwischen Tribüne und Platz kollabierte und ein Dutzend Fans aufs Feld purzelten…

Ein Tor, das seine Wirkung nicht verfehlte – denn nun konnte sich Napoli etwas zurück ziehen und Villarreal etwas defensiver erwarten; schließlich brauchten die Hausherren nun schon zwei Tore. Angesichts der Tatsache, dass Zuniga und Dossena sich nun also normale Außenverteidiger verhalten konnten und die Seiten defensiv gut zumachten, standen dann immer noch drei Innenverteidiger und zwei defensive Mittelfeldspieler zur Verfüngung, die Villarreal auch noch umkurven musste. Kein Wunder, dass die Angriffsversuche der Spanier immer hilfloser wurden und das Tempo alsbald komplett aus ihrem Spiel wich. Napoli hatte alles fest im Griff, und als Lavezzi aus einem Konter ganz alleine auf Keeper Diego Lopez zulief, hätte es schon die Vorentscheidung sein müssen – aber der Villarreal-Goalie parierte (27.).

Zwei Fehler, zwei Gegentore

Es sah bei Napoli alles bombensicher aus, aber dann passte in der 42. Minute für einmal doch die Zuordnung nicht: Cribari grätschte daneben, ein schneller Steilpass vor das Tor, und Nilmar setzte sich gegen den zurückgeeilten Hamsik (!) durch – der Ausgleich. Und ehe es sich die Italiener versahen, lagen sie noch vor dem Pausenpfiff sogar im Rückstand: Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, schneller Ball auf Giuseppe Rossi, und dessen Schuss wird für Napoli-Schlussmann Morgan de Sanctis unhaltbar abgefälscht.

Den doppelten Nackenschlag konnte Napoli nicht so ohne Weiteres verarbeiten, wie die Anfangsphase der zweiten Hälfte deutlich zeigte. Es häuften sich nun die Fehlpässe, die Abwehr (die mit Cannavaro und Aronica ja gleich ohne zwei Stammverteidiger spielte) begann zu schwimmen. Zudem war das Spiel der Italiener weiterhin sehr eindimensional rechtslastig.

Mit Cavani kommt Schwung, aber auch Planlosigkeit

In der 53. Minute brachte Mazzarri dann mit Edinson Cavani seinen Superstar in der Spitze statt des unauffälligen Sosa. Mit dem Uruguayer kam zwar sofort Schwung in das Spiel der Italiener: Cavani hatte sofort die erste Kopfball-Chance (55.), traf den Pfosten (66.) und setzte einen Fallrückzieher über das Tor (72.).

Doch in gleichem Maße wich das durchdachten Spiel der ersten Hälfte immer mehr einem eher planlosen Angriffsspiel nach dem Motto „Gib den Ball einem der drei da vorne, die werden schon was draus machen“. Natürlich kann man einen wie Cavani nie ganz ausschalten, aber Villarreal machte einen guten Job, das so gefährliche Angriffstrio Cavani/Lavezzi/Hamsik (die 33 von Napolis 41 Serie-A-Toren erzielt haben) aus der unmittelbaren Gefahrenzone fern zu halten.

Daran änderte sich auch nichts, als Mazzarri zehn Minuten vor Schluss Innenverteidiger Cribari vom Platz nahm und mir Mascara einen weiteren Stürmer brachte. Im Gegenteil – Villarreal hatte im Konter sogar noch diverse Chancen, mit einem dritten Tor das Spiel zu entscheiden.

Fazit: Der kühlere Kopf gewinnt

Eigentlich hatte Napoli ja den besseren Matchplan: Frühes Pressing, hinten gut zumachen, vorne auf die individuelle Klasse bauen. So hatten die Italiener Villarreal in der ersten halben Stunde voll im Griff. Nach der Führung aber ließen sie die Zügel zu schnell schleifen und die Spanier nützten zwei Fehler gnadenlos aus. Nach der Pause fehlte es Napoli an der Ruhe, wieder zum eigenen Spiel zurück zu kehren und die Spanier brachten den Sieg über die Zeit.

Im größeren Kontext sagt dieses Spiel mehr über Napoli aus, als über Villarreal. Die zweite Halbzeit hat gezeigt, dass es beim Zweiten der Serie A noch an der Klasse fehlt, gegen einen qualitiativ wirklich guten Gegner Rückschläge zu verarbeiten und die Ruhe zu bewahren, wenn es darauf ankommt. Das unterscheidet eine gute Mannschaft von einem Spitzenteam – und letzteres ist Napoli dann doch (noch) nicht.

(phe)

Lest auch die Analyse des Hinspiels auf ballverliebt

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Napoli vs Villareal – Ungeduld kostet Punkte https://ballverliebt.eu/2011/02/17/napoli-villareal-ungeduld-kostet-punkte/ https://ballverliebt.eu/2011/02/17/napoli-villareal-ungeduld-kostet-punkte/#respond Thu, 17 Feb 2011 22:46:43 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=4085 Napoli vs Villareal – Ungeduld kostet Punkte weiterlesen ]]> Die Europa League ist in ihrer K.O.-Phase. Österreichische Klubs sind zwar keine mehr dabei, aber wenn der aktuelle Zweite der Serie A gegen den Vierten der Primera Division antritt, sollte man trotzdem hinsehen. Napoli kämpft in Italien um die Meisterschaft, Villarreal weiß schon jetzt ziemlich sicher, dass man nächste Saison in der Champions League-Quali startet. An diesem Abend ging es aber vorerst um den kleineren europäischen Pokal.

Napoli - Villarreal: Startformationen

Napoli startete mit einem bekannten 3-4-1-2 in die Partie, eines das sich Kenny Dalglish für sein neues Liverpool-Modell wahrscheinlich angesehen hat. Dem gegenüber machte sich das 4-4-2 von Villarreal fast schon bieder traditionell aus, obwohl es durchaus seine Eigenheiten hatte.

Eine wesentliche Reibingsfläche bot sich im Duell zwischen den beiden Wingbacks von Napoli und den Mittelfeld-Außenspielern von Villarreal. Während Dossena und Maggio naturgemäß den Lauf der Seitenlinie entlang suchten, wollten Valero und Cazorla eigentlich zur Unterstützung ihrer beiden Stürmer zur Mitte ziehen. Die Frage des Abends war also, wem die Mitspieler die Verwirklichung ihrer Idee besser ermöglichten.

Und abgesehen von einigen wenigen Phasen war das eher Napoli. Deren kompakten Zentrale sorgte dafür, dass die Gast-Avancen durch die Mitte meist genau dort verendeten – nicht selten um einen Konter über die Flügel einzuleiten. Das wäre berechenbar gewesen, hätte vorne hinter den hellblauen Spitzen Lavezzi nicht in der Rolle der zentralen Spielfigur brilliert. Der 25-jährige Argentinier sorgte mit seinem allgegenwärtigen Treiben für das unberechenbare Moment im Spiel der Gastgeber. Gerne kombinierte er über links mit dem ebenfalls starken Dossena, oft auch über rechts mit Maggio, ab und zu sogar durch die Mitte mit versuchten Vorlagen für Cavani.

Gut gepresst

Beide Mannschaften spielten diszipliniertes Pressing. Napoli lauerte ab der Mittellinie, um im Fall eines zu schlechten Passes in der gelben Verteidigung auch schon mal blitzschnell dort für Druck zu sorgen. Villarreal setzte schon tiefer in der Hälfte der Italiener an. So entwickelte sich ein recht hohes Spieltempo.

In der Defensivbewegung zeigte Napoli sich wesentlich kompakter. Die defensive 5er-Zentrale die um die beiden Wingbacks ergänzt wurde, ließ gegen die etwas in der Luft hängenden beiden Spitzen nichts anbrennen. Trotz numerischer Unterlegenheit in dieser Region versuchte Villarreal es quasi 90 Minuten lang ausschließlich dort. Meist war das mäßig effektiv, ab und zu kam man dann aber doch durch. Nilmar scheiterte etwa in der 14. Minute am italienischen Schlussmann.

Villarreal hingegen hatte wesentlich mehr Mühe mit den Napoli-Angriffen. Napoli kam sehr breit angedonnert, was in Kombination mit dem permanenten Anbohren der Verteidigung über die Flügel dazu führte, dass beim „Gelben Uboot“ die letzten beiden Abwehrreihen nahezu auf eine Linie gedrückt wurden. In der Mitte hielt die Innenverteidigung trotzdem die meiste Zeit über dicht. Wenn Cavani doch einmal freigspielt wurde, rettete entweder Lopez (22.) oder die verlorene Orientierung des Stürmers (43.).

Abfall

Obwohl die Torszenen sich rar hielten und Tore gleich ganz ausblieben, war die erste Hälfte von ziemlich attraktiven, schnellen Fußball geprägt. Zu Beginn der zweiten Hälfte änderte sich dies drastisch. Vor allem die bis dahin doch dominanten Gastgeber erhöhten ihre Fehlpassquote. Über 10 Minuten ging am Platz so ziemlich gar nichts.

Villarreal blieb vorerst einfach harmlos, aber Napoli wurde ungeduldig. Immer wieder versuchte man es mit der Brechstange mitten durch die Abwehr oder nagelte gleich aus der Distanz über das Tor (Yebda 56., Lavezzi 58,). Auch das Publikum zeigte sich bald als unruhig. Ohne Not gab das Heimteam das Heft etwas aus der Hand.

Was hatte sich geändert? Villarreal machte die Abwehrarbeit vor der Innenverteidigung etwas besser, was Lavezzi zu noch weiteren Wegen zwang. Nilmar rutschte außerdem etwas zurück und überließ Rossi mehr die Solospitze. So (4-4-1-1) kam Villarreal zu etwas mehr Gewicht im offensiven Mittelfeld (mit den beiden zur Mitte ziehenden Cazorla und Valero zusammen) und zwang die Wingbacks von Napoli zu mehr Defensivarbeit.

Wechsel

Die Trainer reagierten auf die Schlacht vor den Abwehrreihen. Marchana ersetzte Senna bei Villarreal. Napoli-Trainer Mazzarri nahm den farblosen Mascara vom Platz und brachte den ohnehin überraschend nicht von Beginn spielenden Slowaken Hamsik (beide Wechsel in der 61.). Der spielte nun rechts hinter Cavani dieselbe Rolle wie Lavezzi auf der linken Seite (3-4-2-1). Weniger Einfluss hatte der Tausch von Yebda gegen Pazienza, der eher dieselbe Rolle mit frischen Beinen übernahm.

In dieser neuen Kooperation der hängenden Stürmer schlug es auch bald ein. Hamsik fand Lavezzi, der hob in wundervoller Manier über die Abwehr auf Cavanis Kopf, und der traf ins Netz. Wunderbar, doch dieses Tor in der 73. Minute sollte korrekterweise wegen Abseits aberkannt werden. Nur eine Minute später hätte Lavezzi seine Leistung beinahe selbst gekrönt, doch nach einem weiten Zuckerpass von Maggio wurde er in letzter Sekunde gestoppt.

Das war es dann allerdings auch vom Heimteam. Die Schlussviertelstunde gehörte tendentiell Villarreal. Keine taktische Finesse sondern Einzelaktionen machten den Unterschied. Immer wieder versuchten die Offensivspieler der Spanier es mit Dribblings und kamen damit entweder zu Chancen, wurden gefoult oder sorgten zumindest für Druck. Die besten Möglichkeiten fanden Nilmar (76., nach Pass von Rossi) aus spitzem Winkel und Valero (89., nach Dribbling per Weitschuss) vor. Das waren auch die besseren Gelben am Platz, während Dossena, Cribari und vor allem Lavezzi in Blau besonders herausstachen.

Was dem Spiel etwas fehlte war das Feuer. Exemplarisch konnte man sich das in der 94. Minute ansehen, als Aronica Sekunden vor dem Schlusspfiff mit einer Gelb-Roten vom Platz flog, weil er per Foul eine Konterchance von Nilmar verhinderte. Niemand auf dem Platz schien dies mit irgendeiner Emotion zu würdigen.

Fazit

Nur in Ansätzen war an diesem Abend zu sehen, dass hier zwei Top-Teams aus Italien und Spanien die Klingen kreuzten. Auf eine spielerisch gute und interessante ersten Hälfte, der vor allem Napoli den Stempel aufdrückte, folgte eine eher zerfahrene zweite. Bei Napoli darf man bedauern, dass die früh einsetzende Ungeduld den Schwung aus dem Spiel genommen hat. Villarreal sollte mit dem Ergebnis zufriedener als mit der Leistung sein. Das Rückspiel in einer Woche hat bei dieser Ausgangslage immerhin durchaus das Potential interessant zu werden. (tsc)

Lest auch die Analyse des Rückspiels auf ballverliebt

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Leonardo kappt Inters Flügel https://ballverliebt.eu/2011/01/06/leonardo-kappt-inters-flugel/ https://ballverliebt.eu/2011/01/06/leonardo-kappt-inters-flugel/#comments Thu, 06 Jan 2011 22:13:07 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3662 Leonardo kappt Inters Flügel weiterlesen ]]> Wer fliegen will, braucht Flügel? Davon scheint der neue Inter-Trainer Leonardo nicht allzu viel zu halten. Denn bei seinem ersten Spiel auf der Bank der Nerazzurri gegen den Überraschungs-Dritten Napoli schickte er sein Team de facto ohne Flügel auf den Platz.

Inter Mailand - SSC Napoli 3:1

Leonardo würfelte ziemlich durch. Statt des 4-3-3 von Mourinho und Benítez schickte er ohne Sneijder (verletzt) und Eto’o (gesperrt) ein 4-4-2 auf’s Feld, mit einer Mittelfeldraute und mit Pandev als hängender Spitze. Stankovic spielte zentral Offensiv, Milito ganz vorne – und alles mit viel Drang zum Zentrum. Das Flügelspiel bei Inter bestand im Grunde nur aus Maicon, der Dossena deutlich mehr beschäftigen konnte als das Chivu auf der anderen Flanke mit Maggio gelang.

Inter kam durch eine sehenswerte Kombination zwar schnell zum 1:0 durch Motta (3.), aber Napoli ließ sich davon nicht allzu lange aus dem Konzept bringen. Trainer Walter Mazzarri formierte sein Team in einem 3-4-1-2, wie man es in Europa nur sehr selten sieht. Mit Hamsik als Spielgestalter hinter den Spitzen Cavani und Lavezzi und den beiden eher defensiv orientierten zentralen Spielern hinter Hamsik (Gargano und Pazienza) hatte das Spiel grundsätzlich eine ähnliche Ausrichtung. Durch die Mitte nämlich.

Weil auch Maggio und Dossena bei Napoli die einzigen waren, die für das Spiel über die Flügel verantwortlich waren. So kam Napoli in den ersten Minuten kaum nach vorne, eben weil Inter den Mittelkreis im Grunde mit vier Spielen zugestellt hatte. Weshalb eine kleine Anpassung große Wirkung zeigte: Lavezzi ließ sich zurückfallen und unterstützte Hamsik in der Spielgestaltung und es gelang Napoli auch immer besser, vor allem Zanetti Richtung Seitenlinie zu ziehen – was für Gargano und Hamsik im Halbfeld Platz generierte. Zudem marschierte Lúcio, wie es früher seine Art war, immer wieder mit Macht nach vorne, wodurch Chivu auch dessen Platz abdecken musste. Was das schnelle und viel rochierende Angriffstrio von Napoli immer wieder nützte, denn da sah die Inter-Defensive zuweilen etwas chaotisch aus.

So war der Ausgleich durch Pazienza, den defensiveren der beiden Sechser, in der 20. Minute schon verdient, wiewohl er aus einem Eckball entstanden ist. Napoli hatte das Spiel in den Griff bekommen und die Angriffsbemühungen von Inter auf lange Bälle aus dem defensiven Mittelfeld beschränken können. Über die Flanken kam beim Weltcup-Sieger sehr, sehr wenig. Als dann aber Maicon doch einmal durchkam und flanken konnte, stand es sofort wieder 2:1 für Inter (37.). Das Kopfballtor von Cambiasso kam ziemlich aus heiterem Himmel, eben weil in dieser Phase die Kreativität bei Inter völlig zum erliegen gekommen war.

Drittes Tor entscheidet

Für die zweite Hälfte orientierte sich Stankovic vom Zentrum eher auf die linke Seite, um den Platz hinter Maggio besser auszunützen und Campagnaro aus der Dreierkette zu ziehen. Das klappte zwar an sich ganz gut, weil aber Paolo Cannavaro durch viel Laufarbeit die entstehenden Löcher stopfen konnte, hatte das wenig Effekt. So war Inter zwar offensiv um nichts überzeugender wie vor dem Seitenwechsel, aber hinten stand das Team von Leonardo nun umso sicherer. Aus zwei Gründen: Erstens blieb Lúcio nun brav hinten und zweitens orientierte sich Motta etwas weiter nach hinten, weil Stankovic ja dessen Offensiv-Agenden vermehrt übernahm. So hatten Hamsik und Lavezzi kaum noch Platz, ihr Spiel aufzuziehen.

Und was noch dazukam: Inter legte in der 55. Minute das 3:1 drauf – das zweite Tor von Motta entstand, wie sollte es of der Kreativ-Armut von Inter anders sein, aus einem Eckball. Somit war Napoli gezwungen, das Spiel aufzuziehen, und zwar gegen einen Gegner, der sich nun genüsslich hinten hinein setzte und die Neapolitaner machen ließ. Mit der komfortablen Führung im Rücken war es Inter nun natürlich kein Problem mehr, die letzte halbe Stunde trocken die Zeit runter zu spielen, ohne noch ernsthaft in Gefahr zu kommen. Das Spiel plätscherte dem Schlusspfiff entgegen, ohne dass man trotz deutlichem optischem Übergewicht für Napoli jemals das Gefühl gehabt hätte, es wäre noch etwas möglich.

Fazit: Schön war’s nicht, aber wichtig

Überzeugend war die Leistung vom Inter im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Leonardo nur in der Defensive der zweiten Hälfte. Mit vier zentralen Mittelfeldspielern und ohne nominelle offensive Flügelspieler war die „Kreativität“ der Nerazzurri oftmals auf lange Bälle beschränkt, der Doppelpass zum frühen 1:0 war das einzige echte spielerische Highlight; die Kopfbälle zum zweiten und zum dritten Tor nützten Stellungsfehler gut aus, waren aber keine wirklich herausgespielten Szenen.

Napoli fehlte es vor der Pause an der Kaltschnäuzigkeit, die mitunter etwas unsortierte Inter-Abwehr öfter zu knacken und nach dem 1:3 und der dichter und disziplinierter werdenden Inter-Hintermannschaft war alles vorbei. Für den neuen Inter-Coach darf das erfreuliche und wichtige Resultat bei seinem Debüt aber (trotz des Fehlens von Eto’o und Sneijder, letzterer wird noch einige Spiele nicht zur Verfügung stehen) nicht darüber hinwegtäuschen, dass keine gravierende Leistungssteigerung gegenüber der Benítez-Zeit zu erkennen war.

Und die Gegnerschaft hat sicherlich erkannt, dass es zumindest in diesem Spiel kein ernsthaftes Flügelspiel gab. Gegen so ein Inter hätten Robben und Ribéry im Champions-League-Achtelfinale einen Heidenspaß.

(phe)

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