Matthäus – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Thu, 09 Jul 2015 07:15:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Ballverliebt Classics: Der Wende-Weltmeister https://ballverliebt.eu/2015/07/08/ballverliebt-classics-der-wende-weltmeister/ https://ballverliebt.eu/2015/07/08/ballverliebt-classics-der-wende-weltmeister/#comments Wed, 08 Jul 2015 14:42:29 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=11256 Ballverliebt Classics: Der Wende-Weltmeister weiterlesen ]]> Der Weltmeister-Titel von 1954 war der Triumph des sich im Aufbau befindlichen Nachkriegs-Deutschland. Jener von 1974 war der der Bonner Republik, der von 2014 war der Sieg des modernen, multikulturellen Deuschlands. Und der von 1990 war der WM-Titel der Wende. Die Siegsnacht von Rom jährt sich nun zum 25. Mal. Hier nachgezeichnet: Der Turnierverlauf aus Sicht des DFB-Teams.

In den vier Jahren vor dem Turnier in Italien hat sich das deutsche Team extrem entwickelt. War man 1986 noch mit drögem Panzerfußball und einigem Glück ins WM-Finale vorgestoßen (wo man 2:3 gegen Argentinien verlor), wurde im Mittelfeld nun deutlich mehr die spielerische Note betont. Oft wurde ohne einen dezidierten Kämpfer im Zentrum gespielt, dafür mit drei Kreativkräften. Lothar Matthäus (29) von Inter Mailand war dabei gesetzt, dazu kamen zwei aus dem Trio Uwe Bein (29, Frankfurt), Thomas Häßler (24, Köln) und Pierre Littbarski (30, Köln).

Gruppenphase

Deutschland - Jugoslawien 4:1 (2:0)
Deutschland – Jugoslawien 4:1 (2:0)

Matthäus war ein Spieler mit großer Vertikalität. Er konnte sowohl direkt hinter den Spitzen als klassischer Zehner agieren, sehr gerne ließ er sich aber auch hinter seine beiden Adjutanden zurückfallen und lenkte sein Team von hinten heraus. Das machte ihn für die Gegner in einer Zeit strikter Manndeckung sehr schwierig zu verteidigen.

Der Kontrahent im ersten Gruppenspiel war das jugoslawische Team, das als gefährlicher Geheimtipp ins Turnier gegangen war. Trainer Ivica Osim eliminierte nach den politisch aufgeheizten Prügeleien zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad einen Monat vor Turnierstart Dinamo-Star Zvonimir Boban, der dabei mittendrin war. Der Bosnier Osim ließ vier Bosnier, drei Serben, zwei Kroaten, einen Slowenen und einen Montenegriner spielen – die vor allem gegen die Urgewalt von Lothar Matthäus chancenlos waren. Der Kapitän erzielte zwei Tore, war ein permanenter Gefahrenherd und stiftete permanente Unordnung.

Deutschland ging hochverdient mit einer 2:0-Führung in die Pause, der Anschlusstreffer von Libero Jozic störte sie kaum. Als Keeper Ivkovic – bis zwei Jahren davor beim FC Tirol – eine Brehme-Flanke ausließ und Völler zum 4:1 abstaubte, war die Sache erledigt. Beckenbauer konnte in der Folge auch Littbarski und den jüngen Möller einige Minuten geben, man war direkt voll im Turnier drin und war voller Selbstvertrauen.

Deutschland - VAE 5:1 (2:0)
Deutschland – VAE 5:1 (2:0)

Nächster Gegner war der größte Außenseiter des Turniers, das Team von den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dieses bunkerte sich mit vier Manndeckern und einem Libero, dazu zwei Kettenhunden im Mittelfeld, hinten ein.

Natürlich lief das Spiel wie auf einer schiefen Ebene auf das Tor von Muhsin Musabah zu. Dass Deutschland zur Pause nur 2:0 führte – Völler und Klinsmann hatten getroffen – schmeichelte den Emiraten ziemlich, ebenso wie der Anschlusstreffer 20 Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit. Libero Klaus Augenthaler hatte eine Flanke falsch berechnet, in seinem Rücken sagte Khalid Ismail „Danke“.

Wiederum aber weckte das Tor das DFB-Team nur auf – zumal Beckenbauer für die zweite Hälfte einen der zwei Manndecker rausnahm und mit Littbarski einen zusätzlichen Kreativen für das Mittelfeld brachte. Eine Minute nach dem Anschlusstreffer stellte Matthäus den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her, nach einer Stunde markierte Bein das 4:1 und eine Viertelstunde vor Schluss Rudi Völler den 5:1-Endstand. Mit zwei Siegen und 9:2 Toren war der Gruppensieg noch nicht rechnerisch, aber de facto fixiert. Das hieß auch, dass man für zwei K.o.-Spiele in Mailand bleiben konnte.

Deutschland - Kolumbien 1:1 (0:0)
Deutschland – Kolumbien 1:1 (0:0)

So konnte man auch das letzte Gruppenspiel gegen Kolumbien etwas lockerer angehen lassen. Generell ließ Beckenbauer seinen Spielen die ganz lange Leine. Ganz im Gegensatz zum repressiven Muff in Malente, wo Beckenbauer 1974 den Lagerkoller am eigenen Leib erfahren hatte, gewährte er als Teamchef seinen Mannen im Castello di Casiglio in der Nähe des Comosees viele Freiheiten.

Und gegen Kolumbien gewährte er Andi Brehme eine Pause. Die Südamerikaner aber hielten nichts davon, Ruhe zu geben: Für sie ging es noch um den zweiten Gruppenplatz. Die Cafeteros, damals ein mit Rauschgift-Millionen hochgepimptes Team, um den schillernden Spielmacher Carlos Valderrama kontrollierten mit schnellem Kurzpassspiel Ball und Gegner. Nur Bodo Illgner war es zu verdanken, dass Kolumbien nicht nach einer Stunde 2:0 führte, sondern es entgegen des Spielverlaufs noch immer 0:0 stand. In Minute 89 gelang dem eingewechselten Littbarski dann sogar per Weitschuss das 1:0. Immerhin kam Kolumbien dank des Ausgleichs in der Nachspielzeit durch Fredy Rincón noch zum verdienten 1:1.

K.o.-Phase

Zweifelhafter Lohn für den Gruppensieg war ein Achtelfinal-Duell gegen den erbittertsten Gegner dieser Zeit, das Team aus den Niederlanden. Zwei Jahre zuvor hatte Oranje im EM-Halfinale den EM-Gastgeber Deutschland eliminiert, in der WM-Quali für das Turnier in Italien hatte es ein 1:1 (in Rotterdam) und ein 0:0 (in München) gegeben. In der Vorrunde aber hatte es das niederländische Team nur zu drei Remis gegen Ägypten, Irland und England gebracht und rutschte nur als einer der besseren Gruppendritten in die K.o.-Phase. Einer der Hauptgründe war die schlechte Form von Marco van Basten, die ihn schon weite Teile des Frühjahrs verfolgt hatte.

Deutschland - Holland 2:1 (0:0)
Deutschland – Holland 2:1 (0:0)

Gegen den Lieblingsfeind aber war Holland wieder voll da. Der starke Start ins Spiel war auch möglich, weil Beckenbauer zwar einen dritten Manndecker eingezogen hat, aber damit das defensive Mittelfeld vollends unbesetzt blieb.

Die Vertikalläufe von Aron Winter aus dem Zentrum heraus verliefen weitgehend ungehindert und der 23-Jährige von Ajax Amsterdam hätte schon in den ersten zehn Minuten auf 2:0 stellen können, wenn nicht müssen. Zudem stifteten die permanenden Positionswechsel von Gullit und Witschge bei den deutschen Manndeckern Berthold und Buchwald – die ihre Seiten jeweils beibehielten – Verwirrung.

Nach rund 20 Minuten aber torpedierte Frank Rijkaard die holländische Dominanz, indem er Rudi Völler wiederholt in die Lockenpracht spuckte. Rijkaard sah dafür ebenso Rot wie Völler, der sich beim argentinischen Referee Loustau darüber beschwert hatte. Ohne Rijkaard musste Jan Wouters aus dem Zentrum zurück in die Abwehr, dafür rückte Winter nach hinten, um die Balance zu wahren. Vorbei war’s mit Winters Läufen in den freien Raum und damit auch mit der holländischen Dominanz.

Klinsmann, der nach Völlers Ausschluss wie aufgedreht lief, scorte kurz nach Beginn der zweiten Hälfte das 1:0, Brehme legte zehn Minuten vor Schluss das 2:0 nach – die Entscheidung in einer enorm hitzigen Partie. Das Elfmeter-Tor von Ronald Koeman in Minute 89 kam zu spät, Deutschland siegte 2:1.

Deutschland - Tschechoslowakei 1:0 (1:0)
Deutschland – Tschechoslowakei 1:0 (1:0)

Vor dem Viertelfinale gegen das Team der Tschechoslowakei – die CSFR hatte im Achtelfinale Überraschungsteam Costa Rica locker 4:1 besiegt – gewährte Beckenbauer dem Kader zwei Tage komplett frei. Der souveräne Turnierverlauf aber ließ die Leichtigkeit in Leichtsinn überschlagen. Deutschland dominierte den Nachbarn zu Beginn klar, kam nach einem von Matthäus verwandelten Elfmeter (Straka hatte Klinsmann gefoult) nach einer knappen halben Stunde zum 1:0.

In der Folge aber stellte man das Spiel ein. Es folgten billige Ballverluste, das tschechoslowakische Team kam auf, auch nach dem Ausschluss für den unbeherrschten Lubomir Moravcik nach 70 Minuten durch den österreichischen Referee Helmut Kohl. Nach dem 1:0-Sieg wollten die deutschen Spieler in der Kabine feiern, aber Beckenbauer bekam einen legendären Wutausbruch. Er trat auf Eisboxen ein, fuchtelte wie wild: „So ein schlechtes Spiel hab‘ ich ja überhaupt noch nie gesehen! So werden wir im Halbfinale aus dem Stadion geschossen“, soll der Teamchef gebrüllt haben. Vor allem Uwe Bein dürfte sich den Zorn des Kaisers zugezogen haben. Der als schlampiges Genie bekannte Frankfurter spielte fortan keine WM-Minute mehr.

Für das Halbfinale musste man erstmals raus aus Mailand, es wartete England – ausgerechnet in Turin. Fünf Jahre nach dem Heysel-Desaster sorgte eine Heerschaar von 8.000 Sicherheitskräfte dafür, dass Juventus-Fans von den englischen Anhängern abgeschirmt wurden – was nicht ganz gelang, es gab einige Ausschreitungen und auch Festnahmen. Auf dem Feld passten sich die Three Lions in dem Turnier den anderen Trend an: Libero und zwei Manndecker waren nun auch bei Teamchef Bobby Robson gefragt.

Deutschland - England 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 4:3 i.E.
Deutschland – England 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 4:3 i.E.

Auch, wenn beim 2:1 nach Verlängerung im Viertelfinale gegen Kamerun viel Glück dabei dabei: Diese Maßnahme verlieh England eine große Stabilität. Im Mittelfeld gab es mit Chris Waddle und dem bei diesem Turnier groß aufspielenden Paul Gascoigne zwei kreative Spieler hinter dem Sturmduo mit Lineker und (dem sich gerne etwas zurückfallen lassenden) Beardsley. Zudem konnten die Außenverteidiger guten Gewissens aufrücken.

Deutschland geriet gegen die selbstbewussten Engländer dann auch schnell unter Druck. Über Platt und Waddle lief der Ball gut, Kohler hatte mit Lineker alle Hände voll zu tun. Zudem spielte Deutschland ab der 30. Minute auch einige Zeit mit zehn Mann, weil Völler behandelt wurde. Im Laufduell bekam er einen Tritt von seinem Bewacher Des Walker ab, nach langer Behandlung gab Völler aber doch w.o., und Kalle Riedle kam ins Spiel.

Nach dem Seitenwechsel spielte Häßler deutlich höher, so drückte man das englische Mittelfeld etwas nach hinten und auch Lothar Matthäus – vor der Pause zur Wirkungslosigkeit verurteilt – kam besser ins Spiel. Nach einer Stunde wurde der neue Schwung mit dem 1:0 belohnt: Brehmes abgefälschter Schuss schlug hinter dem 40-jährigen englischen Keeper Peter Shilton ein.

Robson switchte danach doch wieder auf ein 4-4-2, Trevor Steven kam für Libero Terry Butcher (der diese Rolle vor allem in der Spieleröffnung schon arg hölzern spielte). Als es schon nach einem knappen deutschen Sieg aussah, traf nach 80 Minuten aber Gary Lineker doch noch zum 1:1 – Jürgen Kohlers verunglückter Rettungsversuch landete beim ehemaligen Barcelona-Stürmer, der musste nur noch einschießen. England nahm wieder Dampf raus, war mit der Verlängerung erst einmal zufrieden.

Dort aber übernahm Deutschland wieder die Kontrolle, dazu holte sich Paul Gascoigne eine gelbe Karte ab – im Finale wäre er damit gesperrt gewesen. Wie ein Schlag wirkte sich das auf das ganze Team aus, so schien es. Im Elferschießen scheiterte erst Stuart Pearce, dann Chris Waddle. Alle Deutschen trafen, somit war der Platz im Finale gebucht.

Das Finale

Im Turnierverlauf lief sich alles auf ein Endspiel zwischen Deutschland und Italien hinaus – die beiden souveränsten und auch unterhaltsamsten Teams des Turniers. Aber der Titelverteidiger hatte etwas dagegen, obwohl Argentinien zwischen dem Titel 1986 und Turnierstart 1990 insgesamt 26 von 32 absolvierten Spielen nicht gewann und im Eröffnungsspiel dem Kamerun unterlag. In der Folge schmuggelte man sich als Gruppendritter ins Achtelfinale, mit einem glücklichen 1:0 über Brasilien ins Viertelfinale und per Elfmeterschießen gegen Jugoslawien und Italien ins Finale.

Deutschland - Argentinien 1:0 (0:0)
Deutschland – Argentinien 1:0 (0:0)

All das mit einem zynischen, beinahe ekelhaften Anti-Fußball. Vor Libero Juan Simon standen vier eisenharte Verteidiger, davor drei dezidiert defensive Mittelfeld-Leute. Vor Spielmacher Maradona spielte nur eine Spitze – Claudio Caniggia, der im Finale aber ebenso gesperrt war wie Abfangjäger Ricardo Giusti, Rechtsverteidiger Julio Olarticoechea und Sechser Sergio Batista.

Ohne so viele Spieler verlegte sich Argentinien im Finale umso mehr auf Verteidigen, Treten, Kämpfen, Schimpfen und Theatralik. Selbst die italienischen Zuseher in Rom standen wie ein Mann hinter Deutschland, Maradona etwa wurde bei jedem Ballkontakt gnadenlos niedergepfiffen. Zudem wich ihm Guido Buchwald nicht von der Seite – der große Star der Mannschaft war überhaupt kein Faktor. Nicht selten stand Gustavo Dezotti von Serie-A-Absteiger Cremonese, der Caniggia vertrat, als einziger Argentinier in der gegnerischen Hälfte.

Dieser Spielweise fiel schon nach einer Stunde der für Ruggeri eingewechselte Pedro Monzón per Gelb-Rot zum Opfer, dazu hätte es nach einem Foul am nach vorne stürmenden Libero Augenthaler in Minute 61 einen Elfmeter für Deutschland geben müssen, die Pfeife des mexikanischen Referees Edgaro Codesal Mendez blieb aber stumm.

Anders in der 83. Minute, als Sensini in einem Laufduell Völler einen leichten Rempler gab. Codesal zögerte keinen Moment und zeigte sofort auf den Punkt. Lothar Matthäus, der etatmäßige Elferschütze, wollte nicht antreten – er fühlte sich nicht sicher genug. Dafür schnappte sich Andi Brehme – Klubkollege von Matthäus und Klinsmann bei Inter Mailand – den Ball. Keeper Sergio Goycoechea erahnte zwar die richtige Ecke, aber Brehme knallte die Kugel unhaltbar zwischen den aus Sicht des Schützen linken Pfosten und den heranfliegenden Keeper – das hochverdiente 1:0.

Direkt danach griff der entnervte Dezotti von hinten um Kohlers Hals herum an dessen Kragen und riss den deutschen Verteidiger nieder – auch hier zögerte Cosedal nicht und warf den zweiten Argentinier aus dem Spiel. Troglio und Dezotti, beide um einen Kopf größer als der Referee, brüllten auf den graumelierten Mexikaner ein, ehe Maradona alle anderen wegdrängte. Nur nicht noch einen dritten Spieler verlieren, schien der Kapitän zu denken.

So oder so: Einige Minuten später war das Spiel vorbei und Deutschland Weltmeister. Noch ein paar Minuten später empfing Matthäus den WM-Pokal aus den Händen von Italiens Staatspräsident Francesco Cossiga.

Und noch ein paar Minuten danach wanderte Franz Beckenbauer einsam durch den Mittelkreis des Olympiastadions von Rom.

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Wieder kein Red Bull Salzburg in der Champions League https://ballverliebt.eu/2014/08/27/wieder-kein-red-bull-salzburg-in-der-champions-league/ https://ballverliebt.eu/2014/08/27/wieder-kein-red-bull-salzburg-in-der-champions-league/#comments Wed, 27 Aug 2014 21:11:43 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=10477 Wieder kein Red Bull Salzburg in der Champions League weiterlesen ]]> Nationale Dominanz und internationale Glanzpunkte – das war die Vorgabe, als Red Bull im Frühjar 2005 den immer näher dem finanziellen Abgrund entgegen siechenden Bundesliga-Klub in Salzburg übernahm. Ersteres ist gelungen, seit dem Einstieg wurde der Klub in neun Jahren fünfmal Meister und viermal Zweiter. In der Europa League überstand man dreimal die Gruppenphase, zweimal davon glanzvoll. Nur das mit der Champions League, das ist so eine Sache. Sieben mal probiert. Und auch 2014 ist wieder nix passiert…

2006 – Valencia, 1:0 und 0:3

Als Salzburg im ersten Red-Bull-Jahr unter Kurt Jara hinter der von den Stronach-Millionen aufgepumpten Austria Zweiter wurde, bestand noch die halbe Stammformation aus Österreichern – nach der Kader-Umwälzung im Sommer 2006 und nach Jaras Rauswurf war nur noch einer übrig : René Aufhauser. Andere (wie Kapitän Schopp, aber auch Manninger, Ivanschitz, Pichorner, Scharrer und Mayrleb) wurden aussortiert. Und es kam das Trainer-Duo Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus. Unter diesen beiden sollte bei den ersten internationalen Auftritten nach der Übernahme wenn möglich die Champions League, zumindest aber die Uefa-Cup-Gruppenphase erreicht werden. Im ersten Match beim Schweizer Meister FC Zürich wurden den Bullen aber von Inler, Dzemaili, Raffael und Co. ziemlich die Grenzen aufgezeigt, mit dem 1:2 war man noch gut bedient – und im Rückspiel profitierte man von individuellen Fehlern. Obwohl dir Zürcher unter Trainer Lucien Favre wieder die deutlich bessere Mannschaft waren, siegte Salzburg 2:0. Damit war das Minimalziel erreicht, denn bei einem Scheitern gegen Valencia hätte man immerhin in der ersten Uefa-Cup-Runde (damals das, was heute das Play-Off ist) weitergemacht. Im Hinspiel im ausverkauften Stadion (das aber noch nicht für die EM erweitert worden war) erwischte man die Spanier auch tatsächlich auf dem falschen Fuß: Zweieinhalb Wochen, ehe die spanische Meisterschaft begann, sorgte ein Piták-Kopftor für das 1:0 gegen den dritten der letzten Saison in Spanien.

Valencia - Salzburg 3:0
Valencia – Salzburg 3:0

Zwei Wochen später war das Team von Trainer Quique Sánchez Flores deutlich besser eingespielt und die ultra-defensive Herangehensweise von „Trappathäus“, die das 1:0 aus dem Hinspiel über die Zeit mauern wollten, ging fürchterlich in die Hose. Statt des 4-4-2 wie gegen Zürich oder des 4-4-1-1 (mit Janocko als hängender Spitze) im Heimspiel gegen Valencia ließen die beiden ein 4-5-1 spielen, mit drei defensiven Mittelfeld-Spielern, ohne einen Kreativen im Zentrum und mit Peter Orosz aus dem Regionalliga-Team ganz vorne – Alex Zickler fehlte wegen einer Oberschenkelverletzung. Nach zehn Minuten vertendelte Vargas einen Ball, was zum 0:1 durch Morientes führte, nach einer halben Stunde griff Carboni mit der Hand zum Ball und David Villa verwertete den Elfer im Nachschuss. In der Halbzeit kam Lokvenc statt Orosz, das problem blieb aber – überraschenderweise – bestehen. Dem einen Tor, das es gebraucht hätte, kamen die Bullen nicht einmal nahe und David Silva machte in der Nachspielzeit den Deckel drauf. Valencia war damals ein Team aus der erweiterten europäischen Spitze, gewann in der Folge die CL-Gruppe gegen die Roma, Shachtar Donetsk und Olympiakos überlegen, schaltete im Achtelfinale Inter Mailand aus und blieb erst im Viertelfinale gegen Mourinhos Chelsea hängen. Salzburg musste in der ersten Uefa-Cup-Runde gegen die Blackburn Rovers ran, erkämpften daheim ein 2:2 gegen die Engländer (mit Friedel, Emerton, Tugay, Bentley und Benni McCarthy), agierten aber auswärts wie schon in Valencia erschütternd defensiv und verloren 0:2. Die Gruppenphase fand ohne die Bullen statt.

2007 – Shachtar Donetsk, 1:0 und 1:3

National gab’s 2007 aber den Titel und damit die nächste Chance. Für einen neuen Kader: Mit Alex und Miyamoto waren zwei Japaner als PK-Gag verpflichtet worden, Leitgeb kam von Sturm, Ilic von Galatasaray, Sekagya aus Argentinien. Gegen den lettischen Meister Ventspils war Salzburg, mittlerweile von Trapattoni alleine betreut, nicht gefordert. Auswärts gab’s ein 3:0 (Aufhauser-Triplepack), daheim vor immerhin 13.500 Zusehern sogar ein 4:0 (Aufhauser, Dudic, Ilic und Leitgeb). Dann wartete Shachtar Donetsk. Schon zu dieser Zeit hatte Trainer Mircea Lucescu sein bewährtes Rezept: Hinten grimmige Verteidiger aus Osteuropa, vorne trickreiche Ballzauberer aus Brasilien. Im mit 26.000 Zusehern sehr gut gefüllten Stadion ging Salzburg im Hinspiel daheim früh in Führung, nachdem Tchigrinski im Strafraum Volleyball gespielt hatte und Zickler den fälligen Elfer verwertete. In der Folge agierten die Gäste gefälliger und gefährlicher, aber die Bullen hielten gut dagegen und brachten das 1:0 über die Zeit. Dass die Spielphilosophie im Sommer nicht umgestellt wurde, zahlte sich schon ein wenig aus.

Shachtar Donetsk - Salzburg 3:1
Shachtar Donetsk – Salzburg 3:1

Das Rückspiel fand noch im alten Beton-Bunker von Donetsk statt, die Donbass-Arena gab’s noch nicht. Nach einem Eckball ging Salzburg auch hier durch Remo Meyer früh in Führung, der postwendende Ausgleich durch den Italiener Cristiano Lucarelli war noch kein Problem – Shachtar brauchte noch immer zwei Tore. Der Druck, den die Ukrainer machten, war enorm, aber Salzburg hielt lange stand. Mit Glück, weil ein klares Elfer-Foul von Carboni nicht geahndet wurde, aber auch mit Geschick. Bis zur 77. Minute, als Sekagya im Strafraum Lucarelli zwar nicht wild umriss, aber doch zu Fall brachte. Castillo verwertete den Elfer und Donetsk hatte noch eine knappe Viertelstunde, um das eine Tor zu erzielen, dass es noch brauchte – und der eingewechselte Brandão besorgte dieses in der 87. Minute. Ein sehenswerter Kopfball nach einer Weltklasse-Flanke von Razvan Rat – damit war Salzburg geschlagen. Donetsk kam in der Champions League zu Siegen gegen Celtic Glasgow und bei Benfica Lissabon, beendete die von Milan gewonnene Gruppe aber auf dem vierten Platz. Salzburg musste in der ersten Uefa-Cup-Runde gegen AEK Athen ran, verlor gegen Rivaldo, Dellas, Macho und Co. schon das Hinspiel auswärts mit 0:3 und war einmal mehr an zwei Versuchen gescheitert, eine Gruppenphase zu erreichen.

2009 – Maccabi Haifa, 1:2 und 0:3

Weil man 2008 hinter Rapid „nur“ Zweiter wurde, starteten die Bullen mit einem neuen Trainer – Co Adriaanse – und einer völlig neuen Spielphilosophie – Hurra-Fußball statt Safety-First – gleich im Uefa-Cup, wo Sevilla zu stark war. Unter Adriaanse flog man durch die Liga, war schon am drittletzten Spieltag auch rechnerisch Meister und trennte sich auch gleich wieder vom offensiv denkenden Holländer. Statt seiner kam ein defensiv denkender Holländer: Huub Stevens. Gegen die Bohemians aus Dublin brauchte es nach einem mageren 1:1 daheim ein Glücks-Tor kurz vor Ende des Rückspiels, um mit einem 1:0 noch weiterzukommen; gegen Dinamo Zagreb gab’s daheim vor 16.000 Zusehern ein schmeichelhaftes 1:1 und wiederum Glück, dass der Becherwurf auf den tschechischen Referee-Assistenten von der UEFA nicht geahndet wurde. In Zagreb ging Salzburg etwas entgegen des Spielverlaufs nach einer halben Stunde durch Dusan Svento in Führung, nach dem Ausgleich in Minute 47 steuerte das Spiel der Verlängerung entgegen. Ehe Robin Nelisse, Dreadlocks-Stürmer von den Niederländischen Antillen, mit seiner nachhaltigsten Aktion im Salzburg-Dress in der 83. Minute einen Weitschuss versenkte. Das 2:1, der Einzug ins Play-Off, und damit fix erstmals in einer Gruppenphase. Und sei es nur die der Europa League. Aber man rechnete sich gute Chancen auf die Champions League aus, war doch der Gegner in Maccabi Haifa zumindest vom Namen her kein Übermächtiger. Auf dem Rasen jedoch machten die Israeli schnell klar, dass sie eine Mannschaft hatten, die eingespielt, kompakt und vor allem im Vorwärtsgang alles andere als schlecht war, während Salzburg sich nach dem radikalen Schnitt zurück zum Vorsichts-Fußball erst noch finden musste. Mohamed Ghadir sorgte vor 24.000 Zusehern halb durch die erste Hälfte für die verdiente Maccabi-Führung, die Zickler nach einer Stunde ausgleichen konnte. Ehe kurz vor Schluss Maccabis Joker mit dem wundervollen Namen Shlomi Arbeitman den 2:1-Siegtreffer für sein Team markierte.

Maccabi Haifa - Salzburg 3:0
Maccabi Haifa – Salzburg 3:0

Dadurch waren die Chancen schon vor dem Rückspiel auf ein Minimum gesunken, und im Ramat-Gan-Stadion zerbröselten die Bullen dann vollends. Nicht eine einzige Torchance gab’s, am Nasenring wurde man durch’s Stadion gezogen. Dvalishvili nützte eine Kette von Salzburger Fehlern nach einer halben Stunde zum schon längt überfälligen 1:0, nach einer Stunde fälschte Ilsanker einen Schuss von Golasa unhaltbar zum 2:0 ab. Ehe in der Nachspielzeit auch Gustafsson, der ein noch höheren Debakel verhindert hatte, daneben griff – 0:3, der Endstand. Wirklich logisch zu erklären ist das, was im Herbst mit diesen zwei Teams passierte, nach dem Klassenunterschied im direkten Duell aber nicht. Denn während Maccabi in der Champions League alle sechs Spiele gegen Bordeaux, Juventus und die Bayern verlor (fünf davon mit 0:1), gab Salzburg in der Europa League gegen Lazio, Villarreal und Levski Sofia keinen einzigen Punkt ab. Natürlich, es waren zwei Top-Teams im Umruch, aber sechs Siege? In der ersten K.o.-Runde schied Salzburg im Februar während der Olympischen Spiele in Vancouver gegen Standard Lüttich aus.

2010 – Hapoel Tel-Aviv 2:3 und 1:1

Neues Jahr, neues Glück: Nach dem Titel unter Stevens 2010 gab’s personell nur leichte Adaptierungen, aber auch eine typisch österreichische Blamage – 0:1 beim HB Tórshavn auf den Färöern. Allerdings, nachdem die Färinger eine Woche davor vor 9.000 Zusehern in Salzburg 0:5 verloren hatten. Danach führte man bei Omonia Nicosia auf Zypern dank eines Torwart-Fehlers, den Gonzalo Zarate ausgenützt hatte, lange 1:0, ehe man sich in der Nachspielzeit noch per Elfer das 1:1 einfing. Eine Woche später zeigten sich die Bullen im Rückspiel vor 14.500 Leuten als gnadenlos effizient: Obwohl der Meister aus Zypern in der Anfangsphase drückend überlegen war, ging Salzburg durch Aushilfs-Linksverteidiger Svento in Führung, ein Doppelpack von Schiemer (erst nach Schwegler-Einwurf, dann nach Leitgeb-Flanke) sorgte schon vor der Pause für das 3:0. Am Ende stand ein 4:1, das darüber hinwegtäuscht, dass Salzburg keineswegs die bessere Mannschaft war.

Salzburg - Hapoel Tel-Aviv 2:3
Salzburg – Hapoel Tel-Aviv 2:3

Im Playoff ging es wie im Jahr davor gegen den israelischen Meister, diesmal war’s Hapoel Tel-Aviv. Die unter Stevens zunehmender verknöchernde Mannschaft hatte dem flinken Gegner aber wenig entgegenzusetzen. Umso weniger, nachdem es schon in der 1. Minute einen Elfmeter-Pfiff gab und Torhüter Enyeama zum 0:1 verwandelte. Den zwischenzeitlichen Ausgleich von Pokrivac konterte Sahar noch vor der Pause zum 2:1. Als der spätere Kaiserslautern-Stürmer Itay Schechter in der 53. Minute zum verdienten 3:1 traf, war die Begegnung im Grunde vorbei. Boghossian vorne hing in der Luft, Zarate verdribbelte sich zu oft, es gab kein kreatives Moment im Spiel der Salzburger. Der nach England abgewanderte Somen Tchoyi fehlte an allen Ecken und Enden. Wallner traf noch per Elfer zum 2:3-Endstand, aber im Grunde war schon nach dem Hinspiel, das 19.000 Menschen im Stadion verfolgten, das allgemeine Gefühl, dass es wieder nichts wird. Im Rückspiel versuchten es die Salzburger mit Wille und mit Wucht, kurz vor der Halbzeit gab’s durch ein Eigentor auch das 1:0, aber weder Wallner noch später Boghossian vorne, weder Mahop rechts noch Zarate links, weder Medes da Silva noch Pokrivac im Zentrum sorgte für die nötige Gefahr. Das Spiel endete letztlich 1:1 und es ging wieder in die Europa League für die Bullen. Dort gab’s gegen Man City, Juve und Lech Posen zwei Punkte und den letzten Gruppenplatz. Hapoel gewann in der Champions League 3:0 daheim gegen Benfica, holte noch Remis gegen Schalke und in Lyon, wurde aber Gruppenletzter.

2012 – F91 Düdelingen, 0:1 und 4:3

In der Saison 2010/11 wurde die Mannschaft zunehmend leblos und Huub Stevens im Frühjahr durch Ricardo Moniz ersetzt, den Titel holte aber Sturm Graz. Die Bullen zogen über Metalurg Liepaja, den FK Senica und wiederum Omonia Nicosia in die Europa-League-Gruppenphase ein, wo man hinter Athletic Bilbao Zweiter wurde – noch vor einem PSG, der den Bewerb nicht so richtig ernst nach, und Slovan Bratislava. In der ersten K.o.-Runde erstarrte Salzburg aber vor dem wie wild pressenden Team von Metalist Kharkiv komplett in Ehrfurcht – 0:4 und 1:4. Weil sich Moniz in seine Kompetenzen reingeredet fühlte, nahm er trotz Meistertitel seinen Hut und der neue Red-Bull-Gesamt-Sportchef Ralf Rangnick installierte jenen Trainer, der 2011/12 den deutschen Zweitliga-Abstiegskandidat Paderborn beinahe in die Aufstiegs-Relegation geführt hatte: Roger Schmidt. Mit einem Kader, der weder seiner war noch den Anforderungen für seine Spielidee entsprach, hieß die erste Mini-Hürde F91 Düdelingen. Der Meister aus Luxemburg war in der Runde davor 7:0 und 4:0 über den Titelträger aus San Marino hinweggefegt. Das allererste Pflichtspiel unter Schmidt wurde auswärts in Luxemburg gleich zu einer schlimmen Blamage – ein Tor von Aurelién Joachim in Minute 75 sorgte für den 1:0-Sieg für Düdelingen. Peinlich, aber kein Problem, dachten alle: Daheim wird man schon mit vier bis acht Toren Differenz über die No-Names drüberfahren.

Salzburg - Düdelingen 4:3
Salzburg – Düdelingen 4:3

Doch weit gefehlt. Die Spieler glaubten wohl selbst, dass es auch mit 20 % Einsatz geht, obwohl das sieben Tage davor schon schlimm in die Hose gegangen war. Nach einer halben Stunde fanden sich die Bullen erneut 0:1 im Rückstand, allerdings drehten zwei Tore von Jantscher und Hinteregger das Spiel noch vor der Pause auf 2:1 um. Noch ein Tor, das sollte ja wohl zu schaffen sein. Aber keine drei Minuten nach Wiederanpfiff hatte der Underdog zum 2:2 ausgeglichen, wenig später die unglaublichen Löcher in der Deckung der unerhört behäbigen Salzburger sogar zum 3:2 genützt. Noch eine halbe Stunde Zeit für drei Tore. Zehn Minuten vor Schluss kam Salzburg durch einen von Cristiano (erinnert sich noch wer an diesen Mega-Flop?) verwandelten Elfer zum 3:3, wenige Sekunden später durch Zarate zum 4:3. Aber es reichte nicht. Düdelingen war dank der Auswärtstorregel in der 3. Quali-Runde, für Salzburg die internationale Saison vorbei, noch ehe es August war. Die Luxemburger unterlagen erst Maribor in der CL-Quali und dann Hapoel Tel-Aviv im Europa-League-Playoff. Salzburg entsorgte den halben Kader (Jantscher, Zarate, Mendes da Silva, Maierhofen, Boghossian, Cristiano, Lindgren), stellte sich bis Ende August komplett neu auf (Mané und Kampl, dazu Klein, Vorsah, Berisha und Nielsen), konnte aber Peter Stögers bärenstarke Austria nicht mehr einholen.

2013 – Fenerbahçe, 1:1 und 1:3

Vor allem im Frühjahr, nachdem Schmidt seine erste ordentliche Vorbereitung mit einem Kader nach dem Gusto von ihm und Rangnick absolvieren hatte können, kam das Werk ins Laufen – mit Hilfe des gegen Düdelingen verletzten Soriano, mit dem nach Jahren des Leidens endlich fitten Alan, und vor allem mit dem exzentrischen Kevin Kampl. Als Vizemeister durfte man in der CL-Quali im Ast der Verfolger aus den Top-Ligen ran, in der ersten Runde gegen Fenerbahçe. Der türkische Vizemeister, im Jahr davor noch im Europa-League-Halbfinale, waren nach einem Trainerwechsel noch nicht ganz auf der Höhe und die Bullen setzten Fener zusätzlich zu. Der für Roger Schmidt typisch gewordene, extrem aggressive Pressing-Fußball erwischte die Türken völlig am falschen Fuß, im ausverkauften Stadion von Wals-Siezenheim gelang Alan dann der Führungstreffer – aber ein eher dämlicher Elfer in der Nachspielzeit bescherte Fener noch den 1:1-Ausgleich.

Fenerbahçe - Salzburg 3:1
Fenerbahçe – Salzburg 3:1

In Istanbul versuchte es Salzburg mit dem gleichen Rezept, ging auch früh durch Soriano in Führung – aber die internationale Abgebrühtheit fehlte dem Team auf diesem Niveau. Fenerbahçe nützte die allzu nassforsche Spielweise der Bullen zu drei Toren (von Meireles, Sow und Webo) noch vor der Halbzeit. Danach steckte Salzburg nicht auf, hatte diverse Chancen, vernebelte diese aber allesamt. So gewannen die Türken auch nicht ganz unverdient mit 3:1, durften dann die Duelle gegen Arsenal im Playoff noch spielen (und klar verlieren) und wurde danach wegen des Manipulations-Skandals, in den man in der Türkei verwickelt war, ausgeschlossen. Salzburg wollte sich per CAS zurück in die Champions League klagen, scheiterte aber. Dafür geigte man in der Europa League groß auf. Nach dem lockeren Playoff-Sieg gegen Zalgiris Vilnius gab’s wie schon 2009 sechs Siege in den sechs Gruppenspielen gegen Standard Lüttich, Elfsborg und Esbjerg, ehe man in der ersten K.o.-Runde Ajax der Lächerlichkeit preisgab und trotz des Gesamtscores von 6:1 noch gnädig mit dem Meister der Eredivisie war. Als man im Achtelfinale aber auf einen clever verteidigenden Gegner und eine Dreierkette traf, war Schluss mit lustig.

2014 – Malmö, 2:1 und 0:3

Schon am 22. März, also nach 28 von 36 Spieltagen, als man schon 98 Tore auf dem Konto hatte, stand der Meistertitel fest, alle Stammspieler der Erfolgsmannschaft wurden gehalten, nur Trainer Roger Schmidt ergriff die Chance, zu Bayer Leverkusen zu wechseln. Die Reibungsverluste durch die Neubesetzung der Trainerbank waren gering, schließlich ließ Adi Hütter bei Grödig einen sehr ähnlichen Spielstil anwenden. Durch die vielen Punkte aus der Europa League hatte man auch den Vorteil einer starken Setzung, die wirklich gute Gegner gar nicht möglich machte. Und dabei hatte man noch Pech, mit dem Geld-Adel aus Aserbaidschan namen Qarabag Agdam – einem Klub mit einem ähnlich hohen Budget wie Salzburg – noch den unangenehmsten Kontrahenten gezogen zu haben. Nach einem 1:2 auswärts rettete eine wirklich starke Vorstellung vor 20.000 Zusehern und zwei Hinteregger-Tore den Playoff-Einzug. Wo es gegen Malmö ging. Ein Jahr davor hatte man den damals amtierenden schwedischen Meister Elfsborg zweimal wie einen Regionalligisten aussehen lassen, aber gegen Malmö wirkten die Bullen schon im Hinspiel seltsam fahrig, vor allem in der Anfangsphase. Als sich der Staub gelegt hatte, sorgten Schiemer (nach einer Viertelstunde) und Soriano (kurz nach Wiederanpfiff) für eine komfortable Führung und Kampl hätte vor ausverkauftem Haus in der 77. Minute alles klar machen können, scheiterte aber alleine gegen Malmö-Goalie Olsen. Auf der anderen Seite aber patzte in der Nachspielzeit Bullen-Keeper Gulácsi, der davor zwei großartige Paraden gezeigt hatte, und Malmö kam zum Anschlusstreffer.

Malmö - Salzburg 3:0
Malmö – Salzburg 3:0

Im Rückspiel packte Malmö-Coach Age Hareide dann statt dem flachen 4-4-2 vom Hinspiel die Basel-Formation aus, agierte nur noch ein wenig tiefer: Mit Halsti als astreinem zentralen Mann einer Dreierkette, die eigentlich eine Fünferkette war. Davor drei zentrale Mittelfeld-Spieler, davor zwei giftige Stürmer. Malmö verzichtete auf die Außenbahnen, weil Salzburg auch auf sie verzichtet – verdichten war angesagt. Dazu spielte den Schweden natürlich in die Karten, dass Rosenberg schon nach zehn Minuten einen von Gulacsi recht patschert verursachten Elfer zum 1:0 nützte und kurz darauf Eriksson mit einem Tausendguldenschuss das 2:0 markierte. Daraufhin brach bei Salzburg die totale Planlosigkeit aus, sogar die Außenverteidiger zogen in die Mitte, als ob das Gras an den Flanken vergiftet wäre. Das zu verteidigen war für Malmö die leichteste Übung. Nach der Pause ließ Hütter, dem einige Stützen verletzt fehlten und der auf den offenkundig streikenden Mané verzichtete, den überforderten Keita in der Kabine, brachte Linksverteidiger Ankersen und damit deutlich mehr Struktur. Aber zählbaren Erfolg konnte dadurch auch keiner generiert werden. Und als in der Schlussphase die Konzentration immer weiter runterging und die Fehlerquote damit wieder ganz steil nach oben, lief man in das 0:3. Das Ende.

Und jetzt?

Es ist anzunehmen, dass Leipzig nächstes Jahr in der Bundesliga spielen wird. Mit Massimo Bruno und Marcel Sabitzer gehören schon jetzt zwei Salzburg-Spieler offiziell Leipzig, und diverse andere Leistungsträger könnten im Sommer durchaus folgen, um mit ihrer internationalen Erfahrung gleich für Furore in der Bundesliga sorgen zu können. Den nationalen Titel wird Salzburg auch heuer einfahren, selbst wenn man pro Spiel nur mit acht Leuten antritt und drei davon mit verbundenen Augen spielen. Aber die Vermutung liegt nahe, dass Malmö nicht nur die größte Chance war, dass Salzburg in die Champions League kommt. Sondern auch die letzte. (phe)

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