Leverkusen – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Sun, 03 Apr 2016 20:37:54 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Halb Deutschland will noch in die Champions League (Podcast #6) https://ballverliebt.eu/2016/04/03/halb-deutschlad-will-noch-in-die-champions-league-pocast-6/ https://ballverliebt.eu/2016/04/03/halb-deutschlad-will-noch-in-die-champions-league-pocast-6/#respond Sun, 03 Apr 2016 20:34:20 +0000 Neben Bayern und Dortmund kämpfen noch fünf andere Klubs um zwei Champions League-Startplätze. In dieser Ausgabe des Ballverliebt Fußball-Podcasts sprechen wir über die Chancen und Ausgangslage. Hertha, Leverkusen, Mönchengladbach, Mainz oder Schalke: Wer kommt in die Königsklasse? Außerdem im Programm: Das Clasico zwischen Barcelona und Real, die vermeintlichen Titel-Vorentscheidungen in England, Italien und Österreich (inklusve Rapid gegen Salzburg), Freudenmeldung aus dem ÖFB-Nachwuchs und ein kurzer Ausblick auf die WM-Qualifikation der ÖFB-Frauen sowie ein Mini-Ausblick auf die Europapokalwoche.

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Mit Gündogan spielt es sich anders https://ballverliebt.eu/2011/08/28/mit-gundogan-spielt-es-sich-anders/ https://ballverliebt.eu/2011/08/28/mit-gundogan-spielt-es-sich-anders/#comments Sat, 27 Aug 2011 23:32:34 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5591 Mit Gündogan spielt es sich anders weiterlesen ]]> Nuri Sahin ist nicht mehr da – darum holte sich der deutsche Meister Dortmund Ilkay Gündogan. Dieser gibt dem Zentrum des BVB jedoch eine andere Note. Harmoniert hat das bei Vizemeister Leverkusen nicht: Man bekam das Offensiv-Quartett kaum ins Spiel. So gab’s „nur“ ein 0:0.

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund 0:0

Vizemeister gegen Meister – nicht nur von der Ausgangsposition ein absolutes Highlight in der frühen Phase der Bundesliga-Saison. Sondern auch und vor allem für Leverkusen eine große Chance, aufzuzeigen – denn beim letzten Treffen am ersten Spieltag der vergangenen Rückserie vor acht Monaten gab es ordentlich einen auf die Rübe – der damalige Trainer Jupp Heynckes hatte sich vertan.

Ähnliche Formation, weitgehende Neutralisation

Das 1:3 vom 14. Januar 2011

Sein Nachfolger Robin Dutt machte nicht den Fehler, den zentralen Offensivmann bei der Borussia so frei zwischen den Reihen marodieren zu lassen, wie das im Januar Mario Götze konnte. Damals fehlte es durch das flache 4-4-2 an der Hilfe im Mittelfeld, sodass Rolfes und Lars Bender zwischen Sahin und Götze aufgerieben wurden, die beiden Stürmer vorne hingen hingegen komplett in der Luft.

Dutt stellte nun seinerseits ein 4-2-3-1 auf das Feld, das jenem von Dortmund sehr ähnlich war, auch im Verhalten gegen den Ball. Denn da wurde aus beiden Formationen recht flink ein 4-4-1-1, in dem Kagawa bzw. Renauto Augusto als hängende Spitzen etwas höher verblieben.

Dortmund presste, wie man das von der Borussia kennt, vom Anpfiff weg brutal gegen den Gegner, sobald dieser das Spiel von hinten zu eröffnen versuchte. Ruhe gaben sie erst, sobald Leverkusen den Ball halbwegs tief in der Dortmunder Hälfte hatte. So war Bayer gezwungen, entweder schnell (und dabei oft überhastet) durch das Mittelfeld zu kommen, oder den langen Ball zu spielen.

Hatte Dortmund den Ball, doppelte wiederum Leverkusen durchaus konsequent. Einziger Bereich, in dem sich immer wieder etwas Raum auftat, war die Abwehrseite von Castro und Schürrle: Hier wurde öfters so weit eingerückt, sodass Schmelzer und Großkreutz durch halbweite Bälle aus dem Zentrum gefahrlos anzuspielen waren. Castro machte dann aber einen guten Job, den Raum sofort zu schließen.

Gündogan ist kein Sahin

Die Mannschaft von Dortmund spielte mit zehn Spielern, die auch in der überragenden Meistersaison elementare Stützen der Mannschaft waren. Nur einer war neu: Ilkay Gündogan, der im Sommer aus Nürnberg kam, um auf der Position des zu Real Madrid abgewanderten Nuri Sahin zu spielen. Das hatte zur Folge, dass das Spiel des BVB fast genauso aussah wie in der vergangenen Spielzeit – heftiges Pressing, schnelles Umschalten, fleißige Außenverteidiger – nur der Punch aus dem zentralen Mittelfeld fehlte.

Sahin ist ein sehr eleganter, dabei aber ungemein energiegeladener Achter, der die intelligenten Pässe nach vorne spielen kann. Ihm war es zu verdanken, dass in der Meistersaison die Spieler, die vor ihm auf der Zehn aufgestellt waren (also im Herbst Kagawa, nach dessen Verletzung beim Asiencup dann Götze) so dermaßen glänzen konnten. Gündogan ist ein etwas anderer Spielertyp: Er ist nicht der begnadete Spieleröffner, der Sahin ist, sondern mehr ein Spielverlagerer.

Gündogans Pässe gegen Leverkusen (Grafik: dfl.de)

In der ersten halben Stunde war Gündogan praktisch gar nicht im Spiel, da segelten die Bälle reihenweise an ihm vorbei. Erst allmählich fand der Deutsch-Türke in die Partie, er schaffte es aber nicht, den diesmal sehr effektiv zwischen Lars Bender und Simon Rolfes eingezwängten Kagawa in Szene zu setzen. Und auch seine Wechselpässe, mit denen er das Spiel verlagerte, öffneten den Raum nicht wirklich – Bayer hatte sich hervorragend eingestellt. Nach vorne konnte Gündogan kaum spielen, die Querpässe blieben ohne nachhaltige Wirkung.

Ähnliches Spiel bis zu den Ausschlüssen

Auch nach dem Seitenwechsel schaffte es Leverkusen, Gündogan nicht nur die Anspielstationen, sondern auch die Zeit am Ball zu nehmen, wodurch das Angriffsspiel des Meisters auch weiterhin nicht zur gewohnten Gefährlichkeit kommen könnte. Andererseits ließ bei Dortmund die Aggressivität nach, sodass sich bei Leverkusen die zuvor deutlich unterdurchschnittliche Passquote erholen konnte und man Dortmund auch vermehrt hinten beschäftigen konnte. So hatte Leverkusen in dieser Phase mehr vom Spiel, aber Dortmund verzeichnete die etwas besseren Chancen, die der von Stuttgart geholte Adler-Ersatz Bernd Leno die eine oder andere Talentprobe abliefern konnte.

Das Spiel wurde dann durch die beiden Ausschlüsse etwas abgetötet. Leverkusens Linksverteidiger Kadlec flog nach einem rüden Tackling an Götze vom Platz, doch bevor Dortmund wirklich Kapital daraus schlagen konnte, erwischte es wenige Minuten später auch Götze selbst – seit seinem starken Länderspiel gegen Brasilien kommt der Jungstar nicht mehr so richtig zur Geltung, droht in ein Loch zu fallen.

Jedenfalls reagierten beide Trainer gleich, indem sie ihre Zehner aus dem Spiel entfernten und dafür die freigeworgenen Plätze nachbesetzten (also Balitsch für Renato Augusto bei Leverkusen und Blaszczykowski für Kagawa bei Dortmund). Mut zum Risiko bei zehn gegen zehn gab es dann aber bei keinem Team mehr.

Fazit: Andere Note im BVB-Mittelfeld – ganz klappt’s noch nicht

Es war kein wirklich aufregendes Spiel, aber dank der Erkenntnisse über das etwas umbesetzte Mittelfeld-Zentrum bei Dortmund kein ganz uninteressantes und unwichtiges. Gündogan hatte vergleichsweise harmlos 67 Ballkontakte, konnte kaum Angriffe lancieren, Kagawa nicht einsetzen und auch die Außenstürmer nie wirklich steil schicken. Der Neuzugang aus Nürnberg blieb unauffällig und so fehlte es bei Dortmund markant an Energie aus der Zentrale. Das könnte gerade gegen starke Gegner im Laufe der Saison durchaus zu einem Problem werden.

Leverkusen selbst machte trotz der exzellenten Arbeit im Mittelfeld relativ schnell den Eindruck, mit einer Punkteteilung durchaus leben zu können und nach dem Ausschluss verfestigte das natürlich. Robin Dutt hat gezeigt, dass er durchaus in der Lage ist, auf nominell stärkere Gegner ein griffiges und funktionierendes Gegenmittel zu finden und mögliche Schwachstellen gut auszumachen.

Jetzt muss er nur noch die leidige Ballack-Situation lösen – denn der murrende Alt-Star wurde nicht nur nicht vermisst, im Gegenteil, mit ihm wäre dieses Konzept nur schwer durchzuziehen gewesen. Dazu ist Ballack einfach nicht mehr schnell genug.

(phe)

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Der Louis-ist-weg-Effekt https://ballverliebt.eu/2011/04/18/der-louis-ist-weg-effekt/ https://ballverliebt.eu/2011/04/18/der-louis-ist-weg-effekt/#respond Mon, 18 Apr 2011 13:39:43 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=4593 Der Louis-ist-weg-Effekt weiterlesen ]]> Andries Jonker soll die Bayern noch auf Platz drei, und somit in die Champions League führen. Im ersten Spiel nach der Entlassung von Louis van Gaal spielten die Bayern völlig anders: Sie gaben Leverkusen bereitwillig den Ball, und Bayer wusste nichts damit anzufangen – und machte zudem individuelle Fehler.

Bayern München - Bayer Leverkusten 5:1

Im Grunde ging’s in diesem Spiel fast ausschließlich um die Trainer. Auf der einen Seite Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes, der im Sommer zu den Bayern geht. Für ihn war die Lage besonders pikant: Gewinnt er dieses Spiel, hat er zwar noch kleine Chancen auf den Titel mit Leverkusen, kickt die Bayern (und damit sich selbst) aber möglicherweise für die kommende Saison aus der Champions League. Auf der anderen Seite saß erstmals Andries Jonker als Chef auf der Bayern-Bank: Der langjährige Assistens von Louis van Gaal beerbt diesen für die letzten fünf Saisonspiele und übernimmt dann die 2. Mannschaft, die aus der 3. Liga absteigt.

Systematisch veränderte Jonker gegenüber seinem Ex-Boss nichts, er blieb beim 4-2-3-1. Aber die Art und Weise, wie dieses interpretiert wurde, unterschied sich schon merklich vom Ballbesitz-Spiel Van Gaals, natürlich auch befeuert von der frühen Führung – Rolfes bekam in der 7. Minute eine von Schweinsteiger verlängerte Ecke so unglücklich auf den Kopf, dass der Ball in sein eigenes Tor ging. So war Leverkusen schon früh gefordert, selbst mehr für das Spiel zu machen.

Was sich in der erstaunlichen Tatsache manifestierte, dass die Bayern vor der Pause weniger als 50% Ballbesitz hatten – das gab’s in 95 Pflichtspielen unter Van Gaal nur ein einziges Mal. Dafür setzten die Bayern ihre Gegner durchaus unter Druck. Das zwar zwar kein wildes Pressing á la Dortmund, aber es gelang auf diese Weise gut, Leverkusen in Schach zu halten.

Die Formationen

Jonker musste auf die gesperrten Robben und Badstuber verzichten. Das hatte zur Folge, dass Müller auf Robbens rechte Seite ging und dafür der von Van Gaal scheibchenweise abgesägte Klose hinter Sturmspitze Gomez auflaufen durfte (und das, seiner Natur entsprechend, eher hoch stehend tat). Hinten bildete Luiz Gustavo mit Van Buyten die Innenverteidigung, Pranjic (und nach dessen Muskelverletzung Contento) war Linksverteidiger. Butt kehrte für Kraft ins Tor zurück. Auffällig war, dass die drei im offensiven Mittelfeld viel rochierten – so tauchte Klose schon mal auf der rechten Seite auf, so rückte Ribéry auf der anderen Seite immer wieder ein. Auffällig war auch, dass sich vor allem Tymoschuk viel in die Offensive einschaltete – weil er es sich leisten konnte.

Denn Heynckes agierte von der Formation genauso in einem Mittelding aus 4-2-3-1 und 4-4-1-1. Unterschied auf der Position hinter der Spitze: Während bei den Bayern mit Klose ein Spieler dort stand, der von der Stürmerposition kommt, stellte Heynckes mit Ballack jemanden dorthin, der eher aus dem Mittelfeld kommt. Ballack, der zuweilen tatsächlich als hängende Spitze agierte, sollte wohl Druck auf Tymoschuk ausüben, damit dieser nicht zur Spieleröffnung kommt. Er stand dabei aber oft so hoch, dass er für Anspiele kaum in Frage kam und so keine echte Bindung zum Spiel fand – und Tymoschuk somit gefahrlos nach vorne gehen konnte.

Besonderer Schwachpunkt war aber die linke Seite von Leverkusen. Renato Augusto, der eher im Halbfeld agierte statt auf der Seite, gelang überhaupt nichts und Castro hinter ihm spielte um nichts besser. So hatten Müller und vor allem Lahm ihren Spaß mit Castro, während sie sich um Renato Augusto kaum kümmern müssen.

Bayer drängt die Bayern auf die Seiten ab

Nach der frühen Führung fühlten sich die Bayern komfortabel genug, Leverkusen bereitwillig den Ball zu überlassen – zum einen, weil sie selbst gut verteidigten und keinerlei Gefahr für das Tor von Jörg Butt entstand, zum anderen, weil sich so Räume ergaben, in die die Bayern nach Ballbesitz stoßen konnten. Und Leverkusen verlor die Bälle oft besorgniserregend schnell wieder.

Heynckes lässt nach Außen verteidigen, macht also die Mitte dicht und versucht, gegnerische Angriffe auf die Flügel abzudrängen. Das gibt im Idealfall dem jungen Innenverteidiger-Duo Schwaab/Reinartz Sicherheit, und nimmt zum anderen durch die gute Defensivarbeit von Rolfes und Vidal den gegnerischen Zehner (diesmal eben Klose) merklich aus dem Spiel. Das klappte auch diesmal gut, Castros Desaster-Tag zum Trotz. So taten sich die Bayern, obwohl sie alles im Griff hatten, schwer, vor Adlers Tor zu kommen

Leverkusen implodiert

Ehe ein krasser individueller Fehler den Bayern das 2:0 ermöglichte: Reinartz brachte den Ball nicht weg, Vidal wollte daraufhin, von Müller bedrängt, die Ecke verhindern – mit der Ferse. Sein blinder Rückpass landete genau auf den Füßen von Müller, der nur noch querlegen brauchte und Gomez traf. Das lähmte Leverkusen komplett, die bis dahin zwar harmlose, aber wenigstens nach hinten sichere Bayer-Elf implodierte völlig.

Was für die Bayern natürlich eine Einladung erster Güte war. Es bedaufte nicht einmal mehr jeglicher Form von Pressing, um die Bälle von den Leverkusenern ständig in die Füße gespielt zu bekommen. Vor allem Castro und Renato Augusto standen nun komplett neben sich, auch Balitsch auf der anderen Seite – zuvor recht sicher gegen Ribéry – ließ nach, Rolfes und Vidal konnten das Spiel somit auch nicht wie gewünscht lenken, und Ballack tauchte unter.

Wenn Bayer mit dem 0:2 in die Pause gekommen wäre, womöglich hätte Heynckes dort noch etwas ausrichten können. Aber nachdem Gomez mit einem Doppelschlag vor der Pause die enormen Räume, die Leverkusen nun anbot zu zwei Toren und somit dem 4:0-Pausenstand nützte, war natürlich alles gelaufen.

Belanglose zweite Hälfte

Angesichts der klaren Führung wurde die zweite Halbzeit naturgemäß zu einem ziemlichen Non-Contest. Heynckes erlöste den inferioren Castro, dafür ging Vidal nach links hinten und Lars Bender neu ins defensive Mittelfeld. Renato Augusto sah sich der Bayer-Coach noch zehn Minuten an, eher der ebenso inferiore Brasilianer auch raus durfte – Kießling kam für ihn rein und ging in die Spitze, Derdiyok auf die linke Seite.

Leverkusen erzielte nach einer Stunde das Ehrentor durch Derdiyok (nach einer Unstimmigkeit zwischen Van Buyten und Schweinsteiger); Ribéry sorgte eine Viertelstunde vor Schluss nach einer zu kurzen Kopfballabwehr von Schwaab für den 5:1-Endstand. Ansonsten ließen es die Bayern äußerst ruhig angehen und warteten nur noch, dass die Zeit vergeht. Sie überließen Leverkusen den Ball, die beste Rückrundenmannschaft (ja, das ist tatsächlich Bayer) konnte aber weiterhin wenig davon nützen.

Herauszuheben gilt es bei den Bayern, trotz Gomez‘ Hattrick, zwei andere Spieler, für die der Van-Gaal-Rauswurf ganz offensichtlich die größte Befreiung war. Zum einen Thomas Müller, der mit seiner ganzen aufgestauten Spielfreude vor der Pause Castro zerstörte, danach auch noch Vidal vollends entnervte und am Ende mit Michal Kadlec den dritten Linksverteidiger gegen sich hatte. Und Luiz Gustavo: Er spielte den Innenverteidiger defensiv bombensicher (zugegeben, er war auch kaum gefordert) und startete vor allem nach der Pause immer wieder Vorstöße, die ein wenig an Lúcio erinnerten. Allerdings machte der eher schmächtige Luiz Gustavo das nicht mit der ganzen Wucht der Ein-Mann-Büffelherde Lúcio, sondern mit viel Übersicht und sensationellen Pässen in der Spieleröffnung und -gestaltung.

Fazit: Was tun mit dem Ballbesitz, Bayer?

Ganz offensichtlich hatte Leverkusen nicht damit gerechnet, von den Bayern – zumal in der Allianz Arena – dermaßen viel Ballbesitz zu bekommen und somit auch Verantwortung in der Spielgestaltung zu haben. Bayer wusste wenig bis gar nichts damit anzufangen, außerdem spielten einige Leistungsträger richtig schlecht: Vor allem die linke Seite mit Castro und Renato Augusto war eine Katastrophe. Bevor Heynckes wirklich etwas ändern hätte können, fingen sich die Gäste noch zusätzliche Tore ein und in der zweiten Hälfte hatte Leverkusen so nur noch die Möglichkeit, das Außmaß der sportlichen Katastrophe in grenzen zu halten.

Auch, wenn das 5:1 spektakulär aussieht – im Grunde war es eine langweile und eher unspektakuläre Partie. Andries Jonker ließ seine Bayern nach dem frühen Tor zurückziehen, wollte Leverkusen kommen lassen, sodass das Spiel lange dahinplätscherte. Dann nützten die Bayern drei Fehler eiskalt aus, und die komplette zweite Halbzeit war im Grunde sinnlos.

In der Tat muss es aber so gewesen sein, dass viele Spieler bei den Bayern wie von einer Last befreit waren und sich im Hergeben des Ballbesitzes mit schnellen Gegenstößen wohler fühlen als im Ballbesitz-Spiel von Van Gaal. So war das Spiel sicherlich auch so ein wenig geprägt vom Louis-ist-weg-Effekt.

(phe)

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Das Statement https://ballverliebt.eu/2011/01/15/das-statement/ https://ballverliebt.eu/2011/01/15/das-statement/#comments Sat, 15 Jan 2011 11:42:15 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3763 Das Statement weiterlesen ]]> Wer geglaubt hat, Dortmund könnte nach dem tollen Herbst einbrechen, oder zumindest einen Fehlstart hinlegen – auswärts beim ersten echten Verfolger wäre das ja keine Sensation gewesen – wurde eines besseren belehrt. Denn das 3:1 war ein Statement: „Uns holt keiner mehr ein!“

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund 1:3

Einer der ganz großen Faktoren auf dem Weg zum überlegenen Herbstmeistertitel von Borussia Dortmund war das Pressing. Keine andere Mannschaft in der deutschen Bundesliga spielt so einen Spielverderberfußball wie jene von Jürgen Klopp – will sagen, gegen ein solches Team zu spielen, kann gar keinen Spaß machen. Vor allem dann nicht, wenn wie bei Bayer Leverkusen mit Arturo Vidal einer der wichtigsten Spieler aus der Hinrunde aus persönlichen Gründen Teile der Vorbereitung verpasste und somit nicht von Beginn an auflaufen kann. Auch dann nicht, wenn mit Shinji Kagawa einer der Superstars der Dortmunder Höhenflugs beim Arsenal Asiens auf den Asiencup losgeht.

Das musste auch Bayer Leverkusen erfahren. Die Dortmunder pressten von Anpfiff weg dermaßen aggressiv auf den jeweils Ballführenden Leverkusener, dass diesen keinerlei Luft zum Atmen blieb. Oftmals sah sich der Passempfänger auf Seiten von Bayer schon mit einem oder zwei in vollem Tempo auf ihn zustürmenden Dortmunder konfrontiert, da war der Ball noch gar nicht angekommen – und versprang dieser bei der Annahme auch nur einen halben Meter, war der Ballbesitz schon längst wieder bei der Borussia.

Leverkusen schaffte es somit nie, mehr als ein, zwei Pässe hintereinander an den Mann zu bringen, ehe Dortmund die Kugel wieder hatte und sich blitzartig nach vorne orientierte. Was auch am System lag: Denn während Bayer-Trainer Heynckes ein ganz klassisches 4-4-2 mit einer flachen Mittelfeldkette aufs Feld schickte, war das gewohnte Dortmunder 4-2-3-1 den Gegebenheiten des Spiels und denen des Gegnern um Längen besser geeignet. Vor allem im Bereich des offensiven Mittelfelds nützte Klopp die Formation der Leverkusener gnadenlos aus.

Denn im Zentrum, wo Leverkusen an sich einen numerischen Nachteil hatte, verzichtete Dortmund auf selbigen – und zwar doch einigermaßen eklatant. Denn während Sven Bender sich eher zurückfallen ließ und Götze sich im Rücken von Rolfes und Lars Bender breitmachte, stand de facto Nuri Sahin alleine gegen diese beiden. Was aber nichts machte, weil Dortmund es verstand, die so entstehenden Raumvorteile anderswo exzellent zu nützen. Das heißt: Ob des massiven Pressings kam die Bayer-Zentrale überhaupt nicht dazu, auf irgend eine Weise sinnvoll ins Spiel einzugreifen, Dortmund brauchte die Überzahl im Mittelkreis also gar nicht.

Denn dafür hatten sie vor allem im eigenen offensiven Mittelfeld einen riesigen Vorteil – nämlich den, dass sich Götze hinter den beiden Leverkusener Sechsern ausbreiten konnte, wie er wollte. Er war somit eine sich immer in Bewegung befindliche Anspielstation nach dem Ballgewinn und blieb dabei von Leverkusen ziemlich unbehelligt. Was den Grund in der restlichen Raumaufteilung der Borussia hatte: Denn hätten sich Rolfes und Lars Bender weiter zurückgezogen, um sich Götzes anzunehmen, wäre Bayer zu tief gestanden und hätten Dortmund so quasi kampflos das Mittelfeld überlassen. Wäre einer aus dem Innenverteidiger-Duo Friedrich/Reinartz zu Götze aufgerückt, hätte Sturmspitze Lewandowski zu viel Platz gehabt. Bayer war in einem Dilemma gefangen, aus dem es kein Entrinnen gab.

Und nach vorne? Nun, da konnte bei Leverkusen nichts Sinnvolles zu Stande kommen. Wie auch? Dortmund ließ das gar nicht zu. Das Mittelfeld war völlig aus dem Spiel, die Außenverteidiger von Blaszczykowski und Großkreutz zur Defensivarbeit gezwungen, und so blieb dem komplett in der Luft hängenden (und auch recht statischen) Sturm-Duo Kießling/Helmes kaum mehr als die Zuschauerrolle. Das einzige Mittel, wie Bayer den Ball nach vorne brachte, waren lange Bälle von hinten – von denen kamen in der ersten Hälfte genau zwei Stück einigermaßen brauchbar auf Kießling; auf Helmes gar keiner.

Den einzigen Vorwurf, den sich Dortmund zur Halbzeit machen muss: Es gab keine Tore. Denn auch, wenn das ultra-massive Pressing nach 20, 25 Minuten ein Ende hatte – es reichte auch danach die Andeutung davon, um die Leverkusener weiterhin an der Kandarre zu halten. Trotz eines absoluten Klassenunterschieds stand es zur Pause somit 0:0.

In fünf Minuten auf 3:0

Das korrigierte der Tabellenführer aber nach der Pause prompt: Als sich Schwaab nach einem weiten Einwurf (den schon Friedrich falsch eingeschätzt hatte) vor das Tor nicht allzu geschickt daran versuchte, einen den Ball vor dem hinter ihm stehenden Großkreutz wegzuköpfen, brauchte der Dortmunder nur noch „Danke“ zu sagen und die hochverdiente Führung war gefallen (50.). Und damit der Bann gebrochen. Denn drei Minuten später verschätzte sich Friedrich im Laufduell nach einem von Lewandowski per Kopf verlängerten langen Pass erneut auf Großkreutz, der ohne zu zögern zum 2:0 abdrückte. Und weil der Doppeltorschütze in Minute 55 (erneut nach einem Einwurf) in der schnellen Vorwärtsbewegung einmal mehr Friedrich alt aussehen ließ, hatte Götze freie Bahn und schoss durch die Beine von Bayer-Goalie Adler zum 3:0 ein.

Und nachdem Lewandowski im Laufduell mit Reinartz – erneut nach einem Einwurf – beinahe in der 60. Minute das 4:0 erzielt hätte, wechselte Jupp Heynckes. Und zwar gleich dreimal. Mit Vidal (statt Lard Bender) wurde die Mittelfeldzentrale bei Leverkusen deutlich lebhafter, der Chilene gab einen laufstarken und körperbetonten Box-to-Box-Midfielder. Mit Barnetta (statt Sam) kam einiger Schwung auf die linke Seite. Und mit Derdiyok (statt Helmes) kam nun ein neuer Mann in die Spitze neben Kießling.

Dortmund schaltet ab

Dass sich das Leverkusener Spiel nun entspannte, lag aber zu einem großen Teil auch daran, dass die Borussia nun ihre Bemühungen weitgehend einstellte. Der Tabellenführer lag 3:0 voran, wozu dann noch kräfteraubend auf den längst geschlagenen Gegner pressen? Zumal man ja weiterhin immer wieder recht simpel zu Torchancen kam. Das ging erst zurück, als in der 68. Minute der bärenstarke, aber ob seiner vielen Laufarbeit platte Götze ausgewechselt wurde. Für ihn kam Barrios, der sich in die Spitze orientierte; Lewandowski übernahm die Position von Götze – nur, dass er dort nicht annähernd die Präsenz und die jetzt schon vorhandene Klasse Götzes besitzt.

Klopp hatte schon zuvor eine weitere Änderung vorgenommen, deren Auswirkungen sich nur schwer taxieren lassen. Für die zweite Hälfte musste Sven Bender mit einer Bänderdehnung w.o. geben, für ihn kam Antonio da Silva. Der Brasilianer ist gelernter Spielmacher, und so übernahm er die Position von Sahin, der Türke wiederum orientierte sich auf die defensivere Bender-Rolle. Was das wirklich gebracht hat, kann man schwer sagen – denn mit den drei schnellen Toren hatte sie nichts zu tun, und danach gab die komplette Mannschaft nicht mehr Vollgas. So bekamen sie hintenraus noch Probleme – aber ob das der Fehler der beiden war oder auf die generelle Einstellung der Mannschaft in der Schlussphase zurück zu führen ist…?

Bayer mit der zweiten Luft

Nach dem Austausch von Götze war Bayer wieder in der Partie drin. Dortmund spielte nun in einem 4-4-1-1 und ohne den letzten Einsatz fanden die Leverkusener nun die Möglichkeiten vor, die Demütigung etwas einzudämmen. Das kann Jürgen Klopp nicht gefallen haben – zumal sich nach dem 1:3 durch Kießling (80.) noch weitere Chancen ergaben, das Ergebnis zu verkürzen und das Spiel womöglich noch einmal spannend zu machen. Weshalb er hier noch reagierte und mit Felipe Santana (statt Großkreutz) einen Innenverteidiger brachte; Hummels rückte dafür in jenes defensive Mittelfeld auf, das Sahin und Da Silva außer Kontrolle zu verlieren drohten. Im Endeffekt brannte dann auch nichts mehr an.

Fazit: Ein Sieg, ein Statement

Was Dortmund in den ersten 60, 70 Minute ablieferte, war nichts anderes als ein gewaltiges Statement an die Bundesliga-Konkurrenz: „Wir sind so stark, ihr habt keine Chance mehr gegen uns!“ Leverkusen lief der Musik eine Stunde lang nur hinterher und war komplett chancenlos – wohlgemerkt, als erster ernsthafter Verfolger in einem Heimspiel. Und das noch dazu, wo mit Shinji Kagawa einer der BVB-Schlüsselspieler des Herbstes gar nicht dabei war. Leverkusen hatte mit dem 4-4-2 gegen die aggressiven Dortmunder, die noch dazu eine optimale Raumaufteilung hatten, nichts zu bestellen.

Gefühlt ist die deutsche Meisterschaft mit diesem Spiel entschieden. Denn nicht nur, dass Dortmund den ohnehin schon komfortablen Vorsprung weiter ausbaut. Nein, vor allem als Signal an die Konkurrenz war die Art und Weise des Sieges von großer Wichtigkeit.

(phe)

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