Krankl – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Fri, 17 Apr 2020 12:30:43 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Ballverliebt Classics: Córdoba, ganz neutral https://ballverliebt.eu/2020/04/16/ballverliebt-classics-cordoba-ganz-neutral/ https://ballverliebt.eu/2020/04/16/ballverliebt-classics-cordoba-ganz-neutral/#comments Thu, 16 Apr 2020 06:29:28 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=16886 Ballverliebt Classics: Córdoba, ganz neutral weiterlesen ]]>

Kein Fußballspiel ist in Österreichs Fußballgeschichte so verklärt wie dieses. Bei den einen sorgt schon das Wort „Córdoba“ für verdrehte Augen, für die anderen steht es, ebenso wie Edi Fingers berühmter Radio-Kommentar, für die größte Stunde im heimischen Fußball seit dem Krieg. Auch 42 Jahre danach sorgt der österreichische 3:2-Sieg über Deutschland noch für Emotionen.

Aber wie gestaltete das Spiel jenseits mythischer Zuschreibungen, wie trat das ÖFB-Team 1978 taktisch und spielerisch auf? Dieser weitgehend blinde Fleck verlangt nach neutraler, nüchterner Beobachtung.

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Hans Krankl hat mit dem FC Barcelona den Europacup gewonnen, Herbert Prohaska mit der Roma den Scudetto und Bruno Pezzey mit Frankfurt den UEFA-Cup, Walter Schachner verbrachte später sieben Jahre in der Serie A – für sie war die WM 1978 der internationale Durchbruch. Für die Routiniers Edi Krieger, zuvor mit Brügge im Meistercup-Finale, und Josef Hickersberger war die WM Höhe- und Schlusspunkt ihrer internationalen Karrieren.

Sie alle sind untrennbar mit dem Begriff „Córdoba“ verbunden, doch nicht bei allen war es tatsächlich klar, dass sie auch spielen würden. Andere hatten ihren Fixplatz im Team vermeintlich sicher gehabt.

Personalsuche im Vorfeld

So wäre das Wunsch-Duo im defensiven Mittelfeld eigentlich Josef Hickersberger und Roland Hattenberger gewesen. Hickersbergers lädiertes linkes Knie wurde rechtzeitig heil, Hattenbergers Schulter nicht. Stürmer Sepp Stering, die wie Hattenberger sämtliche Quali-Spiele absolviert hatte, war mit einem Kreuzbandriss out.

Auch Erich Obermayer hat sich erst in den letzten Vorbereitungsspielen statt Peter Persidis in die Startformation gespielt, als staubiger Ausputzer-Libero hinter dem aufrückenden Pezzey. Eine Offensiv-Variante mit Pezzey und Offensiv-Libero Edi Krieger, wie in der Quali etwa gegen Malta, war Teamchef Helmut Senekowitsch zu riskant. Außerdem laborierte Krieger im Vorfeld des Turniers an einer Rippenverletzung und war für das erste Match gegen Spanien ohnehin gesperrt.

Das Fehlen von Hattenberger wurde nach der Ankunft in Argentinien immer mehr zur Gewissheit. Zunächst schien Senekowitsch eine Variante mit Günther Happich oder Heribert Weber statt Hattenberger zu favorisieren; Ernst Baumeister wäre der Hickersberger-Backup gewesen.

Oder, andere Variante: Kreuz – hängender Stürmer oder Flügel – rückt ins Zentrum, dafür der flinke Oberacher oder der direktere Schachner neben Krankl ganz vorne. Auch als möglich wurde eine Variante mit Hickersberger (der in Düsseldorf vom Libero bis zur Sturmspitze schon alles gespielt hatte) am Flügel betrachtet. Dann hätten Weber, Prohaska und Kreuz im Mittelfeld sowie Jara am anderen Flügel gespielt sowie Krankl als Solo-Spitze.

Das eigentliche Schlüsselspiel

Bei der WM in Argentinien nahmen 16 Teams teil, in der Vorrunde wurden vier Vierergruppen absolviert. Die Top-2 jeder Gruppe zogen in die Finalrunde mit wiederum zwei Vierergruppen ein. Deren Sieger bestreiten das Endspiel, die jeweiligen Zweiten das Match um Platz drei. Österreich war in einer Vorrundengruppe mit Turnier-Mitfavorit Brasilien sowie mit Spanien und Schweden. Das als recht hoch gesteckt betrachtete Ziel war der Einzug in die Finalrunde, im Grunde war man in Österreich aber happy, überhaupt erstmals nach 20 Jahren wieder bei einer WM dabei zu sein.

Für das erste Match gegen Spanien war klar, dass es zumindest einen Punkt braucht, um auf die Finalrunde hoffen zu können. Senekowitsch entschied sich für Schachner als zweite Spitze, der junge Steirer kam eher aus der Etappe des linken Flügels. Kreuz bearbeitete den rechten Flügel; Hickersberger bildete mit Prohaska ein Zwei-Mann-Zentrum und Jara wurde links aufgestellt.

Österreich begann nervös, ging aber nach zehn Minuten durch einen von Schachner sehenswert abgeschlossenen Konter 1:0 in Führung. Die Spanier blieben das Team mit mehr Ballbesitz und waren auch nach dem 1:1 durch einen Weitschuss von Dani (21.) die Mannschaft auf der aktiven Suche nach Gelegenheiten. Österreich klammerte sich an das Remis und setzte vereinzelte Nadelstiche, ehe in der 77. Minute sogar das Siegestor fiel: Miguel Angel konnte einen Weitschuss von Jara nicht fangen, Krankl staubte ab.

Der 2:1-Erfolg war ein „Hit and Run“, ein durch solide Defensive mit zwei verwerteten schnellen Gegenstöße sowie einem zwar dominanten, aber auch eher einfallslosen Kontrahenten aus Spanien gesicherter Erfolg. Ohne dieses etwas glückliche 2:1 zum Auftakt wäre das restliche Turnier aus österreichischer Sicht so nicht möglich gewesen.

Österreich 1978 aus taktischer Sicht

Eine wirklich aufregende Mannschaft im Sinne eines Spektakels war das ÖFB-Team 1978 nicht. Zwei Punkte muss man aber herausheben: Die sehr genau abgestimmte und zumeist ungemein taktisch disziplinierte Balance zwischen Abwehr und Mittelfeld sowie die gute Ballbehandlung. Gab es 1990 und 1998 immer (mindestens) eine handvoll technisch limitierter Kampfkicker, konnte 1978 tatsächlich jeder mit dem Ball umgehen und war ein potenzieller Spielgestalter – allenfalls der als reine Absicherung spielende Libero Erich Obermayer fällt da ein wenig heraus.

Das bestimmende Element im Aufbau waren die Vorstöße von Bruno Pezzey. Der damals noch sehr junge Wuschelkopf hatte im Vorwärtsgang genau jene Rolle inne, mit der Franz Beckenbauer in den zehn Jahren davor die Rolle des Libero revolutioniert hatte. Die Vorstöße Beckenbauers hatten im Zentrum für Überzahl gesorgt und boten somit Raum und Zeit zur Spielgestaltung.

Dies war grundsätzlich bei Pezzey genauso, mit dem Unterschied, dass er zusätzlich nomineller Manndecker der gegnerischen Sturmspitze war. Im ÖFB-Team war es Libero Obermayer, der Pezzey den Rücken frei hielt; einer aus dem zentralen Mittelfeld – zumeist Hickersberger – sicherte zusätzlich ab.

Routinier Hickersberger war im Zentrum für die Absicherung, die Balleroberungen, die Übersicht und das Stopfen von Löchern zuständig. Sein Aktionsradius war extrem groß, er arbeitete, damit Prohaska – stark in der Gestaltung, aber mit Schwächen in der defensiven Zweikampfführung – mit Läufen aus der Tiefe das Spiel nach vorne tragen kann. Krieger, der ab dem zweiten Match spielte, konnte je nach Anforderung als Wachhund für den gegnerischen Gestalter oder als vertikaler Box-to-Box-Spieler eingesetzt werden.

Das bedeutete, dass Österreich 1978 eine solide Defensive sowie ein gut abgestimmtes und im Spiel gegen den Ball recht versiertes Mittelfeld hatte. Das hieß aber auch, dass sich die Arbeit im Aufbau auf die jungen Schultern von Prohaska (22) und Pezzey (23) konzentrierte. Dies machte die österreichische Spielgestaltung relativ berechenbar. In den fünf Spielen bis zum Deutschland-Match gelangen nur vier Tore: Ein Konter, ein Abstauber nach Weitschuss, ein Elfmeter und nur ein einziges nach einem gezielten Aufbau.

Turnierverlauf für das ÖFB-Team

Weil auch den Schweden eine Safety-First-Spielweise eigen und die Trekronor mit Spielmacher Anders Linderoth auch sehr eindimensional waren, entwickelte sich im zweiten Spiel Österreichs eine zähe Angelegenheit ohne Torraumszenen. Ein geschenkter Elfmeter verhalf dem ÖFB-Team kurz vor Ende der ersten Halbzeit zur Führung, Konter gegen die zum Risiko gezwungenen Schweden danach wurden nicht genutzt. Durch den 1:0-Erfolg stand der Aufstieg in die zweite Gruppenphase aber schon fest.

Brasilien hatte weder gegen Schweden (1:1) noch gegen Spanien (0:0) gewonnen und brauchte gegen Österreich einen Sieg, zudem fielen Spielgestalter Rivelino (krank) sowie dessen Partner Zico und Stürmer Reinaldo (beide verletzt) aus. Österreich kam mit dem damals unüblichen 4-2-2-2 Brasiliens nicht zurecht und der letzte mentale Punch fehlte auch, eine nervöse Seleção gewann 1:0. Damit war Brasilien weiter und Österreich Gruppensieger.

Österreich rechnete sich im ersten Finalrunden-Spiel gegen Holland Chancen aus, das von Ernst Happel trainierte Oranje-Team hatte bis dahin nicht überzeugt. Der stumpfe, langsame Rasen von Mendoza hatte Holland vor Probleme gestellt, aber auf dem kurzen, schnellen Geläuf von Córdoba kam das flinke Pressing- und Positionswechselspiel voll zur Geltung. Nach einem schlecht verteidigten Standard, einem patscherten Elfmeterfoul von Prohaska und einem Konter lag Österreich schon zur Pause 0:3 im Rückstand, die Köpfe blockierten, die defensive Disziplin war weg und am Ende hieß es gar 1:5.

Gegen die Italiener, die beim 0:0 gegen Deutschland klar dominierend gewesen waren, gab es hingegen die sicherlich cleverste Vorstellung im ganzen Turnier. Senekowitsch nützte den Systemvorteil, den Österreich gegen Bearzots italinisch-typisches, schiefes 3-5-2 hatte, voll aus. Kreuz und Schachner spielten auf vertauschten Seiten, wodurch Cabrini weit nach hinten gedrückt wurde, dafür stand Gentile oft verloren im Halbfeld herum; Krieger kümmerte sich um Rossi – somit hatte Sara keinen Gegenspieler und war der wahre Spielgestalter. Ein verlorenes Laufduell von Strasser gegen Rossi brachte eine unglückliche 0:1-Niederlage.

Das deutsche Team

Deutschland kam als amtierender Weltmeister und EM-Finalist nach Argentinien, aber es war nicht mehr das Team von 1974. Der Hauptunterschied: Franz Beckenbauer war nicht mehr dabei.

Die deutsche Erfolgself, die 1972 Europameister und 1974 Weltmeister war und 1976 noch einmal ins EM-Finale kam, war personell und taktisch eine Mischung der dominierenden Bundesliga-Teams von damals – den Bayern mit ihrem geduldigen Ballbesitzspiel und dem aufrückenden Beckenbauer sowie Mönchengladbach mit dem spritzigen Umschaltspiel und vielen Positionswechseln.

Noch 1976 beim EM-Finale wurde ein Bayern-Ballbesitzspiel mit drei maßgeblichen Bayern-Spielern gezeigt – Beckenbauer, Schwarzenbeck und Hoeneß. Zwei Jahre später wurde vor allem Beckenbauer vermisst, dessen Platz als Libero von Manni Kaltz eingenommen wurde. Dieser war vor allem als Rechtsverteidiger von Offensivgeist beseelt, aber ihm fehlte die Übersicht und die gestalterische Gabe von Beckenbauer (wie allen anderen Kandidaten, fairerweise).

So ähnelte das deutsche Spiel jenem der Österreicher durchaus: Defensiv solide und kaum zu überwinden, aber ohne jeden Punch im Spiel nach vorne. Hölzenbein, Bonhof und Flohe waren gute Spieler, aber ohne die Präsenz und die Ideen vom Libero fehlte etwas. Dazu tüftelte Bundestrainer Helmut Schön ohne Erfolg an der Besetzung der Flügelpositionen. Dribbler Abramczik isolierte sich selbst, Dieter Müller war eher im Zentrum daheim, Hansi Müller eher im offensiven Mittelfeld.

Ein Interview von DFB-Präsident Hermann Neuberger, in dem er Schön und der Mannschaft fehlenden Teamgeist, fehlende Ideen, fehlende Kondition und schlechtes Training vorwarf sowie eine interne Standpauke ankündigte, sorgte zusätzlich für Zündstoff. Der daheim gebliebene Paul Breitner richtete der DFB-Delegation via seiner Kolumne in der „Bild“ öffentlichkeitswirksam allerhand Meinung aus. Es rumorte gewaltig.

In der Vorrunde kam Deutschland nicht über 0:0 gegen Polen und Tunesien hinaus, das 6:0 gegen Mexiko blieb der einzige Sieg; in der Finalrunde gab es ein glückliches 0:0 gegen Italien und ein unglückliches 2:2 gegen Holland. „Wer unter die besten Vier kommen will, muss schon hin und wieder eine Begegnung gewinnen“, stöhnte Schön, zumal Heinz Flohe nach einer Muskelzerrung im Italien-Spiel nicht mehr zur Verfügung stand.

Somit brauchte Deutschland für einen Finaleinzug ein Remis im Parallelspiel und einen eigenen Sieg mit fünf Toren Differenz über Österreich. Ein knapperer Sieg reichte sicher für das Spiel um Platz drei, ebenso ein eigenes Remis bei einer italienischen Niederlage gegen Holland. Österreich war fix schon vor dem Duell mit Deutschland fix ausgeschieden.

Trash Talk

Schon nach Abschluss der Vorrunde vermittelten die Österreicher den Eindruck, dass die Finalrunde ein schöner Bonus ist und alle Ziele im Grunde erreicht sind. Man wollte sich gegen Holland und Italien vernünftig verkaufen, aber man wusste vor allem: Im letzten Spiel gegen Deutschland kann man dem ungeliebten Nachbarn noch viel kaputtmachen. Entsprechend wurde gestichelt. „Wenn die Deutschen gegen uns so schwach sind wie gegen Polen und Tunesien, freue ich mich schon auf das Spiel“, feixte Hickersberger im Kicker.

Auf Manni Kaltz‘ selbstbewusste Ansage, er würde sich selbst zu den drei besten Abwehrspielern der Welt zählen, konterte Kurt Jara trocken: „Dann müssten aber mindestens 300 andere in den letzten Tagen gestorben sein.“ Herbert Prohaska attestierte dem DFB öffentlich „fehlende Spielerpersönlichkeiten“ und sogar Teamchef Senekowitsch versprach dem Titelverteidiger: „Ein Aussetzer wie gegen Holland passiert uns nur einmal.“

Nicht, dass die verbalen Spitzen nur von Österreich nach Deutschland geflogen wären, keineswegs. Aber der kleine Underdog lehnte sich bei medialen Trash Talk in den Tagen vor dem Match schon ungewöhlich weit aus dem Fenster.

Selbstbewusste österreichische Anfangsphase

Von einem deutschen Sturmlauf, um den angepeilten 5:0-Sieg einzufahren, war von Anfang an nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Schon in den ersten Minuten wurden alle Schwächen, welche das DFB-Team im Turnierverlauf gekennzeichnet hatte, deutlich sichtbar. Das Spiel wurde fast nur mit dem Ball am Fuß nach vorne getragen. Vor der Abwehr gab es vor allem Querpässe, um einen Kanal zu finden, in den man hineindribbeln konnte.

Ganz anders die Österreicher. Das Mittelfeld wurde sehr schnell überbrückt und vor allem die linke Seite war sehr konstruktiv. Heini Strasser nützte seinen Ballbesitz gegen den defensivfaulen Abramczik gut, Willy Kreuz sorgte für Überladungen gegen Berti Vogts. So konnte Kreuz auf der linken Seite weitgehend ungehindert nach vorne arbeiten, vor allem, wenn es schnell ging.

Vermutlich hatte Schön Kreuz tatsächlich auf der linken Angriffsseite erwartet, so wie er es zumeist gegen Italien gespielt hat, weil er seinen rechten Manndecker Vogts auf Kreuz angesetzt hatte und Dietz, der immer den gegnerischen Rechtsaußen übernahm, auf Schachner. Weil Kreuz und Schachner aber bald auf ihre üblichen Seiten wechselten, war Dietz plötzlich rechts-defensiv und Vogts links aufgestellt. „Strikte Manndeckung“, wie auch ORF-Kommentator Robert Seeger schnell bemerkte.

Auch, dass „Österreich so offensiv agiert wie noch in keinem Spiel bei dieser WM“, vermittelte Seeger recht bald. Dennoch war es das deutsche Team, das wie aus dem Nichts nach 18 Minuten in Führung ging: Karl-Heinz Rummenigge taucht plötzlich auf der rechten Seite auf, kein Österreicher ist da, um ihn zu übernehmen, doppelter Doppelpas mit Dieter Müller, und schon steht’s 1:0 für Deutschland.

Weiter keine Struktur bei Deutschland

Die angriffigere Spielweise hatte dafür gesorgt, dass im österreichischen Zentrum die gewohnte Kompaktheit gefehlt hatte und man relativ offen gegen den Ball agierte, so hatte man sich auch das Gegentor eingefangen, aber dennoch blieb Österreich grundsätzlich das besser abgestimmte Team. Doch bei allem Offensivgeist: Da Kreuz und Schachner von relativ weit hinten kamen und – wie in den vorangegangenen fünf Spielen auch – das Nachrücken einem gewissen Sicherheitsgedanken geopfert wurde, blieb Krankl ganz vorne oft ein wenig isoliert.

Deutschland ließ auch mit der Führung im Rücken jede Struktur vermissen. Es ließ sich noch weiter zurückfallen und die Spitzen wurden nur noch durch lange Bälle ins Spiel gebracht. Beer hing in der Luft, Hölzenbein wurde durch Sara und Kreuz vermehrt zum Helfen zur Außenbahn gedrängt und Bonhof fand selten ein Ziel für seine dynamischen Vertikalläufe.

Die größte Vorgabe blieb aber Abramczik. Strasser hatte den Standard-Trick des 22-Jährigen schnell durchschaut (Haken nach rechts), ließ Abramczik immer wieder auflaufen und der Schalker blieb isoliert. Nur sein Mundwerk lief heiß. „Ein ekelhafter Mensch“, sollte Robert Sara danach sagen: „Jeder Italiener, gegen den wir gespielt haben, war sympathischer als er!“ Ambraczik provozierte seine Gegenspieler am laufenden Band, kurz vor Schluss streckte er Koncilia nach einem Abwurf nieder, wandelte vor allem gegen Ende am Rande des Ausschlusses.

Österreich fast der Zahn gezogen

Deutschland brachte die 1:0-Führung in die Halbzeit, Schön brachte für den zweiten Abschnitt Hansi Müller statt Erich Beer. Der 20-jährige Stuttgarter brachte spürbar Linie ins deutsche Spiel. Mit ihm gelang es dem DFB-Team viel besser, den Ballbesitz im Angriffsdrittel zu halten, er unterstützte auch die Offensiv-Reihe darin, Vorstöße von Pezzey zu unterbinden und Steilpässe zu den österreichischen Stürmern zu verhindern.

Zwar brannte in der ÖFB-Defensive nicht viel an, weil diese in der Rückwärtsbewegung gut verzögerte und den Deutschen die Anspielstationen nahm. Hansi Müllers Positionierung auf der halblinken bis linken Seite bedeutete aber, dass Rummenigge mehr Freiheiten hatte und nun als extrem mobiler Zehner agierte. So waren Sara (mit Hansi Müller) und Pezzey (mit Dieter Müller) gebunden und Rummenigge wurde ohne direkten Gegenspieler zum klar gefährlichsten Deutschen.

Dies wiederum zwang Hickersberger zu vermehrtem Hintenbleiben und die Versuche der Österreicher, Chancen zu kreieren, waren immer mehr von einer gewissen Ratlosigkeit gezeichnet. Deutschland war, immer noch 1:0 in Führung, auf dem besten Wege, den rot-weiß-roten Kontrahenten den Zahn zu ziehen. Bis zur 60. Minute, als Krieger nach einem Vorstoß den Ball von halbrechts vor das Tor hebt, Kreuz nicht ganz zum Kopfball kommt und die Kugel dem hinter Kreuz postierten Vogts auf die Beine fällt und von dort ins Tor kullert.

Der österreichische Ausgleich zum 1:1 hatte sich in der Viertelstunde davor nicht gerade abgezeichnet.

Schlag auf Schlag

Der deutsche Plan, das 1:0 staubig über die Zeit zu bringen, war durchkreuzt. Das Finale hatte das DFB-Team offenkundig abgeschrieben, aber zumindest das Spiel um Platz drei hätten sie schon gerne noch gespielt. Jedenfalls stachelte der Ausgleich die deutschen Lebensgeister spürbar an; für den kaum sichtbare Dieter Müller kam mit Klaus Fischer eine neue Sturmspitze.

Im eigenen Defensiv-Drittel schufen die Deutschen nun stets schnell Überzahl in Ballnähe und das Zweikampfverhalten im Mittelfeld war nach dem Ausgleich ebenfalls robuster, die ganze Herangehensweise körperlicher. Im Parallelspiel hatte Holland gegen Italien zum 1:1 ausgeglichen, es brauchte also immer noch einen deutschen Sieg für das Kleine Finale.

Aber es war die österreichische Mannschaft, die nachsetzte. Strasser spielte auf der linken Seite den vorstoßenden Krieger frei, dessen Flanke fand Krankl. Dessen Bewacher Rüssmann war zwei Meter weg, Libero Kaltz stand *irgendwo*, so konnte Krankl die scharfe Flanke mit links stoppen, einmal am Boden auftropfen lassen und mit einem Drehschuss zum 2:1 verwerten.

Die österreichische Führung währte aber nicht lange: Nach Wiederanpfiff war der Ball exakt 12 Sekunden im Spiel, ehe Hickersberger mit einem Foul an Abramczik einen Freistoß verursachte. Bonhof brachte diesen vor das Tor, Hölzenbein war mit dem Kopf zur Stelle, Ausgleich zum 2:2.

Schlagabtausch in der Schlussphase

In der Folge bekam das Spiel immer mehr von einem Handball-Match. Beide Offensiv-Reihen und beide Defensiv-Abteilungen blieben jeweils in ihrem Bereich, ein konstruktives Mittelfeld gab es nicht mehr und die Bälle flogen in hohem Bogen von einem Strafraum zum anderen. Die Kräfte waren offenkundig am Schwinden.

Holland erzielte zeitgleich das 2:1 gegen Italien und den Deutschen würde damit das 2:2 zum zweiten Gruppenplatz reichen. Ab etwa der 80. Minute ging Bonhof vermehrt nach vorne, mit dem offensichtlichen Bestreben, einen österreichischen Aufbau von hinten schon im Keim zu ersticken. Mit Erfolg: Lange Seitenverlagerungen und hohe Steilpässe kamen praktisch nicht mehr an.

Krankls zweiter großer Auftritt

Es war offensichtlich, dass das Spiel einem Endstand von 2:2 entgegen schnaufte, mit dem die Deutschen um Platz drei spielen dürften und mit dem sich Österreich mit erhobenem Haupt von der WM verabschieden würde können. Und dann, 87. Minute, schlug Robert Sara von der Mittellinie eine 50-Meter-Seitenverlagerung, die Rüssmann falsch berechnete und so den Weg zu Hans Krankl fand.

Rüssmann sprintete Krankl hinterher, holte ihn aber nicht mehr ein. Kaltz konnte den Rapid-Stürmer auch nicht mehr aufhalten, der schoss, traf, das 3:2, Jubel. „Das ganze Turnier habe ich keinen Libero hinter mir gebraucht – nur bei diesem Tor, und da war von Manni Kaltz nichts zu sehen“, sollte Rüssmann noch Jahre später schimpfen.

Eine Minute später hatte Abramczik den erneuten schnellen Ausgleich noch auf dem Fuß, als die österreichische Abseitsfalle bei einem Standard nicht funktionierte, aber der Schuss ging knapp rechts am Tor vorbei. Dann pfiff Referee Abraham Klein das Match ab.

Der erste österreichische Sieg über Deutschland nach 47 Jahren war Tatsache.

Ende und Anfang

Ohne das späte Tor von Krankl hätte es Deutschland tatsächlich geschafft, mit einem einzigen Sieg in sechs Spielen um Bronze kämpfen zu dürfen. So hatte Italien trotz des 1:2 gegen Holland den zweiten Gruppenplatz gesichert und holte sich im P3-Spiel ein 1:2 gegen Brasilien ab. Helmut Schön vollzog seinen angekündigten Rückzug und zwei Jahre später, als sich das DFB-Team den EM-Titel holte, waren nur noch Kaltz, Dietz, Rummenigge und Hansi Müller übrig. In Córdoba endete eine große deutsche Ära…

…und eine starke österreichische begann. Für Krankl, Prohaska und Pezzey war das Turnier das Sprungbrett zu erfolgreichen Karrieren in Spanien, Italien bzw. Deutschland. Helmut Senekowitsch, der von Sekaninas bonzenhaften Gutsherren-Art, den ÖFB zu führen, genug hatte, zog es nach Mexiko, später nach Spanien, Griechenland und für ein paar Monate auch nach Deutschland. Die mit acht Teams ausgetragene EM 1980 verpasste Österreich hauchdünn gegen den späteren Finalisten Belgien, bei der WM 1982 zog man trotz internen Problemen wieder in die zweite Gruppenphase ein.

Das Spiel in Córdoba selbst war untypisch für das ÖFB-Team bei der WM 1978 – weil eine an sich eher defensivstarke Mannschaft von Beginn an mit großem Drang nach vorne agierte und es sichtbar war, dass es sich für sie um mehr als das sechste Turnier-Spiel handelte. Hier war eine Truppe am Werk, die ein Statement setzen wollte. Nicht das Spiel an sich, aber dieses gesetzte Ausrufezeichen in diesem bis heute letzten Bewerbsspiel außerhalb Europas prägte den österreichischen Fußball und dessen interne Wahrnehmung über viele Jahre hinweg – zumal Österreich in den zehn Bewerbsspielen gegen den DFB seither ein Remis und neun Niederlagen bei 4:23 Toren eingefahren hat.

Und der Mythos Córdoba ist bis heute präsent – zumindest, wenn es mal wieder gegen Deutschland geht.

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Aber nie war es so chaotisch wie im Winter 2001/02, als neben der Suche nach einem Teamchef auch um den Posten den ÖFB-Präsidenten geschachert wurde.

Hinweis: Um die vielen Namen aus den einzelnen Gruppen ein wenig zu trennen, sind sie hier mit Farb-Codes markiert. Schwarze Namen sind Trainer, rote Namen markieren Funktionäre aus dem ÖFB an sich, hellblaue Namen sind ÖFB-Landespräsidenten und die violett markierten Namen bezeichnen Personen aus dem Bundesliga-Vorstand.

Das Aus für Otto Baric

Der 14. November 2001: Österreich verliert das Rückspiel im WM-Playoff gegen die Türkei mit 0:5. Mit einer Verlegenheits-Truppe, ohne neun Spieler, die zuvor das entscheidende Gruppenspiel in Israel aus Sicherheitsbedenken boykottiert hatten –  Walter Kogler, Roland Kirchler, Robert Ibertsberger, Alfred Hörtnagl, Edi Glieder (alle Tirol), Christian Mayrleb, Martin Hiden (beide Austria), Günther Neukirchner (Sturm) und Didi Kühbauer (Wolfsburg).

Otto Baric selbst wollte weitermachen, stieß aber auf Widerstand – für die sportlich zum Teil kaum verzichtbaren Verweigerer hätte es unter Baric kein Zurück gegeben. Zudem machte man sich beim ÖFB Hoffnungen auf die Ausrichtung der EM 2008. Viele Landespräsidenten sahen die Zeit für einen kompletten Neustart gekommen.

Fünf Tage nach dem Debakel im Ali Sami Yen sah Baric ein, dass eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages im ÖFB nicht durchzubringen ist. Baric verabschiedete sich mit einem flammenden Plädoyer für seinen Co-Trainer Didi Constantini. Er wäre der Beste für den Job, richtete Baric via „Krone“ aus.

ÖFB-Präsident contra Stronach

Im ÖFB war man auch mit einer anderen Personalie beschäftigt: Austria-Boss und Bundesliga-Präsident Frank Stronach trachtete mit dem Versprechen nach einer Unmenge von Geld, einigen guten und vielen sehr wirren Ideen nach dem Präsidenten-Amt von Beppo Mauhart, das im April 2002 neu gewählt werden sollte.

Im Lichte (oder dem Schatten) dieses Chaos wurde auch gleichzeitig ein neuer Teamchef gesucht. Namen geisterten en masse durch die Medienlandschaft und Mauhart führte auch Verhandlungen, obwohl neben der Bundesliga (unter Stronach) auch einige Landespräsidenten offen sein Mandat in Frage stellten (wie Vorarlbergs Karlheinz Kopf im ORF bekannt gab). Diese Gruppen waren sich allerdings keineswegs einig, im Gegenteil: Vor allem zwischen OÖFV-Chef Leo Windtner, der Bundesliga und auch Baric flogen die medialen Giftpfeile.

Tirol-Meistertrainer Kurt Jara, dem schon nach drei Monaten beim HSV eine steife Brise ins Gesicht wehte, sagte vorsorglich gleich ab, genau wie Sturm-Coach Ivica Osim. Auch Frank Rijkaard wurde kolportiert, Werner Lorant traf sich sogar mit Mauhart, selbst Berti Vogts gehörte zu den Namen, die dementiert werden musste. Johan Cryuff wurde auch mal erwähnt, das war aber selbst weniger seriösen Zeitgenossen zu lächerlich.

Bundesliga setzt auf Krankl

Hans Krankl löste zwei Wochen nach dem Türkei-Spiel seinen Vertrag als Admira-Trainer (mit acht Punkten Rückstand auf den Vorletzten). Die Bundesliga unter der Führung von Präsident Stronach und Vorstand Reinhard Nachbagauer unterstützte Krankl offen und nützte das Machtvakuum im ÖFB, den Goleador schnell zum Favoriten auf den Posten zu machen – einstimmig wurde Krankl am 7. Dezember von den 20 Bundesliga-Klubs bei einer gemeinsamen Sitzung in Laxenburg zu ihrem präferierten Kandidaten bestimmt.

CC BY-SA/Steindy

Der von Baric in Stellung gebrachte Didi Constantini war frustriert („Was sollte mehr zählen, ob einer 200 Tore geschossen hat oder ob einer Fußballtrainer ist?“, klagte er in der SportWoche) und übernahm die Austria, während der ÖFB eine Task Force einsetzte, um den Teamchef zu bestimmen. In dieser saßen Mauhart, Nachbagauer und ÖFB-Generalsekretär Gigi Ludwig.

Machtkampf deluxe um das Präsidenten-Amt

Was die anstehende Wahl des ÖFB-Präsidenten anging, tobte ein Machtkampf deluxe. Im Grunde wollten alle Beppo Mauhart nach 18 Jahren als Alleinherrscher abgesetzt haben. Die Landespräsidenten focierten OÖ-Landesboss Leo Windtner, der sich aber beharrlich weigerte. Vor allem die Präsidenten aus dem Westen brachten in Folge Friedrich Stickler aufs Tapet, der wiederum von OÖC-Boss Leo Wallner protegiert worden war.

Die Bundesliga drängte auf Frank Stronach, der sich die Liebe der Klubs mit viel Geld erkauft hatte. Auch Gerhard Kapl, Schiedsrichter-Obmann und steirischer Landes-Chef, galt als Kandidat. Durch seine Connections mit dem steirischen ÖVP-Klubobmann Gerhard Hirschmann, der wiederum kräftig um den gebürtigen Steirer Stronach buhlte, wurden ihm Chancen auf Stimmen sowohl aus dem ÖFB- als auch aus dem Bundesliga-Lager zugerechnet, so hätte er als Kompromiss durchgehen können.

Kapl schlug sich im Zuge des Verhandlungsmarathons am 21. Jänner 2002 im Salzburger Hotel Rosenberger offen auf die Seite Stronachs, womit Mauharts nötige Zwei-Drittel-Mehrheit im Gremium dahin war. Allerdings: Auch Stronach – der selbst nicht anwesend war, stattdessen in Kanada am Telefon saß – kam nicht auf die zur Wahl notwendigen Stimmen.

So rang Mauhart Stronach in der Folge einen Deal ab, dass er selbst zurückzieht, wenn Stronach auch verzichtet. Friedrich Stickler hatte sich lange genug herausgehalten, um niemanden gegen sich aufzubringen und verließ den Showdown als Kompromisslösung als designierter ÖFB-Präsident. Seine Bestätigung im April war nur noch Formsache.

Krankl bekommt Konkurrenz

Die zeitgleich zum Präsidenten-Geschachter stattfindende Suche nach dem Teamchef wäre vermutlich recht schnell zu Gunsten Krankls entschieden gewesen, wenn sich nicht die Landespräsidenten quer gelegt hatten. Vor allem Oberösterreichs Landes- und ÖFB-Vizepräsident Leo Windtner trat vehement und öffentlich gegen Krankl ein, er wollte einen ausländischen Fachmann haben und plädierte für Roy Hodgson.

Das hatte Windtner schon im April 1999 gemacht, als sich aber Otto Baric die Prohaska-Nachfolge gesichert hatte. Auch, weil bei vielen in Österreich die von Hodgson stets eingesetzte Viererkette als avantgardistische Spinnerei angesehen wurde, die langfristig den Libero nie würde ersetzen können. Man erreichte im Winter 2001/02, dass Hodgson nach Wien kam und mit Mauhart und Nachbagauer verhandelte. Allerdings: Der Engländer, der kurz zuvor bei Udinese entnervt vom klubinternen Chaos zurückgetreten war, hatte auch Angebote von Shachtar Donetsk und Derby County vorliegen.

Schon vor dem Salzburger Sitzungsmarathon am Montag, dem 21. Jänner 2002 war Krankl also der Favorit auf den Job und nachdem der ÖFB bei der Präsidentenwahl einen eigenen Kandidaten durchgebracht hat, gestanden die Landespräsidenten der Bundesliga – trotz massiver Vorbehalte – den Teamchef zu. Damit hatte Hans Krankl den Zuschlag

Gemischte Reaktionen

Die Landespräsidenten wollten Krankl bis zuletzt verhindern und brachten sogar Uli Stielike noch ins Spiel, als sich abzeichnete, dass Hodgson zu teuer wird um ihn bei der Bundesliga durchzubringen. Mit sichtbar steinerner Miene versicherten sie, genauso wie Mauhart und auch Stickler, dem neuen Teamchef die Rückendeckung. Der Tenor war klar: Wir haben die ganz große Katastrophe (also Stronach als ÖFB-Präsident) verhindert, dann können wir notgedrungen Krankl als das geringere Übel akzeptieren.

Andreas Herzog (der ja aktuell auch ein Thema ist), der gerade von Bremen heim nach Hütteldorf gewechselt war, freute sich: „Er kann eine Mannschaft heiß machen und wird uns Patriotismus einimpfen, und so etwas braucht man vor einem Länderspiel!“ Auch in der Bundesliga waren die Reaktionen überwiegend positiv. Baric hatte sich oft über die vielen schwachen Legionäre in der Liga beschwert; Krankl gelobte, dies nicht zu tun („Ein guter Junger wird sich immer gegen einen mittelmäßigen Ausländer durchsetzen“).

Medial verlief die Bruchlinie an den erwarteten Stellen. Der Boulevard freute sich über Krankls Patriotismus und dass jemand Teamchef war, der genug Liebe zur Heimat mitbringt, um die harte Zeit eines Neustarts mit glühendem Feuer durchzustehen. Andere Medienvertreter waren kritischer. „Krankl ist ein talentierter Wiener, er verfügt über einen geschmeidigen einschlägigen Schmäh und eine unstillbare Sehnsucht nach dem großen Gefühl“, konstatierte Johann Skocek im Standard, „Krankls Charisma überschreitet die provinziellen Grenzen des heimischen Fußballgeschäfts – das macht ihn gegen Erfolge und Misserfolge irgendwie immun.“

Allerdings auch nur für dreieinhalb Jahre.

Nicht verpassen: Unser Podcast zur höchstwahrscheinlich anstehenden Suche nach dem Nachfolger von ÖFB-Teamchef Marcel Koller.

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15 Jahre nach dem Krankl-Debüt: Was sind Eure Erinnerungen? https://ballverliebt.eu/2017/03/26/krankl-15-jahre/ https://ballverliebt.eu/2017/03/26/krankl-15-jahre/#respond Sun, 26 Mar 2017 19:28:22 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=13417 15 Jahre nach dem Krankl-Debüt: Was sind Eure Erinnerungen? weiterlesen ]]> Vor exakt 15 Jahren, am 27. März 2002, gab Hans Krankl sein Debüt als ÖFB-Teamchef. Diskutiert mit: Was verbindet ihr mir der Ära Krankl, wie hat die Ballverliebt-Gemeinde die Jahre 2002 bis 2005 aus Sicht des ÖFB-Teams in Erinnerung?

Österreich -Slowakei 2:0 (0:0)
Österreich -Slowakei 2:0 (0:0)

1. Spiel am 27. März 2002 in Graz, Freundschaftsspiel. Tore: 1:0 (64.) Brunmayr, 2:0 (78.) Weissenberger. Eingewechselt: Dospel, Brunmayr, Weissenberger, Lexa, Höller, Hickersberger. Debütanten (6): Aufhauser (25), Feldhofer (22), Hickersberger (29), Höller (25), Linz (20), Panis (26). Legionäre (2): Manninger (Fiorentina), Stranzl (München ’60). Ø-Alter der Startelf: 25,8 Jahre. Spiel: Herzog in seiner zurückgezogenen Rolle und Vastic als tatsächlicher Spielmacher mit Drang in die Spitze harmonieren nicht. Krankl wollte offensiven Mut sehen, man hatte das harmlose slowakische Team auch gut im Griff, spielte aber nach vorne zu ungenau. Joker Brunmayr nützte einen patscherten Fehlpass von Petráš nach einer Stunde zum 1:0, der ebenso eingewechselte Weissenberger machte den Deckel drauf. Was Krankl wollte: Austesten, ob er die Gestalter Herzog und Vastic gemeinsam zum funktionieren bringt. Mut haben. Und: „Alle müssen sich Baur, Vastic und Herzog unterordnen.“ Hans K. nach dem Spiel: „Am wichtigsten ist, im Team für eine gute Stimmung zu sorgen.“ Signifikant für: Sechs Mann debütierten.

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18 Jahre im Zeitraffer: Wie das ÖFB-Team wurde, was es heute ist https://ballverliebt.eu/2016/06/14/18-jahre-im-zeitraffer-wie-das-oefb-team-wurde-was-es-heute-ist/ https://ballverliebt.eu/2016/06/14/18-jahre-im-zeitraffer-wie-das-oefb-team-wurde-was-es-heute-ist/#comments Tue, 14 Jun 2016 08:30:59 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=12606 18 Jahre im Zeitraffer: Wie das ÖFB-Team wurde, was es heute ist weiterlesen ]]> Fünf Trainer versuchten sich vergeblich, zahllose Spieler kamen zum Einsatz, aber das Resultat war immer das gleiche: Österreich verpasst die Qualifikation für die Endrunde. Das war seit der WM 1998 immer so – bis der Bann nun gebrochen wurde. Wir blicken kurz zurück: Das waren die Teams, die die jeweiligen Zwei-Jahres-Zyklen für das ÖFB-Team bestritten haben.

Vorrunde bei der WM 1998

Österreich WM 98
WM 1998 – Ø-Alter 31 Jahre

Das Team von 1998 war das letzte, das sich auf sportlichem Wege für ein großes Turnier qualifiziert hat, als Gruppensieger vor Schottland und Schweden. Der Höhepunkt dieses Teams war das 1:0 in der Qualifikation gegen Schweden – jenes Spiel, das das die Weichen für den Gruppensieg endgültig stellte.

Zur WM selbst schleppte sich das Team eher, als dass es eine wirkliche Euphorie gegeben hätte: Polster stieg mit Köln ab, Herzog lief seiner Form hinterher, die Testspiele waren furchtbar (0:3 gegen die USA, 2:3 gegen Ungarn). Seinen Zenit hatte das Team überschritten und die Spielanlage bei der WM war recht defensiv; gegen Kamerun spielten drei DM hinter Herzog, gegen Chile drei DM und gar kein Herzog davor – in beiden Partien wurde Roman Mählich neben Kühbauer und Pfeifenberger eingesetzt. Beide Partien endeten dank österreichischen Ausgleichs-Toren in der Nachspielzeit 1:1.

Hannes Reinmayr, im Vorfeld der WM deutlich besser in Form als Herzog, kam erst im letzten Spiel gegen Italien von Beginn an ran, der eingewechelste Herzog erzielte das 1:2-Ehrentor per Elfer in der Nachspielzeit.

Quali zur Euro 2000

Österreich EM 2000
Quali für die EM 2000 – Ø-Alter 30 Jahre

Nach der WM waren die Team-Karrieren von Konsel (eher freiwillig) und Polster (eher weniger freiwillig) beendet, Wolfgang Feiersinger spielte nur noch eine Partie.

Eine wirkliche Verjüngung fand aber nicht statt – die neuen Leute Winklhofer, Mayrleb und vor allem Wohlfahrt waren keine echten Jungspunde mehr. Auch am System änderte Herbert Prohaska nichts (auf was auch, es spielte kein Bundesliga-Team anders als mit Libero, Manndecker und Zehner); allenfalls verzichtete er auf eine zweite Spitze zugunsten eines weiteren DM.

Nach drei mühsamen Spielen mit sieben Punkten (gegen Israel, Zypern und San Marino) lief man in Valencia in das längst legendäre 0:9. Otto Baric übernahm, suchte eifrig einen neuen Libero (und probierter etwa Zoki Barisic und Ivica Vastic auf dieser Position aus). Nach dem 0:5 in Tel-Aviv beendete Österreich die Gruppe als Dritter hinter Spanien und Israel und knapp vor Zypern.

Quali zur WM 2002

Österreich WM 02
Quali für die WM 2002 – Ø-Alter 30 Jahre

Für seine erste volle Quali-Kampagne legte sich Baric auf den in Hochform agierenden Routinier Michael Baur von Serienmeister FC Tirol fest, er grub Thomas Flögel aus der schottischen Liga aus und setzte von Beginn an auf den jungen Martin Stranzl, der sich beim deutschen Bundesliga-Mittelständler 1860 München festgespielt hatte. Dafür waren Schöttel, Pfeffer, Mählich und Cerny kein Thema mehr.

Am grundsätzlichen Fußball änderte sich aber nichts: Libero und Manndecker, Andi Herzog als Zehner, zwei Stürmer davor. Die restliche Fußballwelt hatte sich zum großen Teil schon weiter entwickelt, Österreich lebte von Elfer-Killer Wohlfahrt und Andi Herzog in seinem letzten Frühling.

Nach dem der Setzliste gemäßen zweiten Platz hinter Spanien und vor Israel ging es mit einem Haufen von Replacements (Stichwort Israel-Verweigerer) in zwei Playoff-Niederlagen gegen die Türkei.

Quali zur Euro 2004

Österreich EM 04
Quali für die WM 2004 – Ø-Alter 28 Jahre

Hans Krankl übernahm, probierte tonnenweise mehr oder weniger (überwiegend weniger) talentierte Spieler und kündigte großmundig den radikalen Schnitt und die totale Verjüngung des ÖFB-Teams an.

Der radikale Schnitt passierte (nur drei Stammkräfte der letzten Quali überlebten), das mit der Verjüngung war eine oft wiederholte, aber dadurch nur umso dreistere PR-Lüge: Die neuen Fixleiberl-Kicker waren an die bzw. über der 30er-Marke. Krankl stellte auf Viererkette um (wiewohl das ziemlich stocksteif interpretiert wurde), oft mit Roland Kirchler als hängende Spitze.

Herzog war nach einem mäßigen Intermezzo bei Rapid in die MLS zu den L.A. Galaxy gewechselt und kein Thema mehr; anonsten galt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigsten mit 28-Jährigen und nicht mit 31-Jährigen. Es wurden die Gesichter getauscht, aber nicht das Prinzip. Es war die verlorene Generation.

In der Quali für die EM 2004 gab es im Grunde nur ein einziges gutes Spiel (das 5:0 gegen Weißrussland), dafür eine Niederlage mit einer besonders untauglichen Leistung in Moldawien. Gegen die Gruppen-Favoriten Tschechien und Holland gab es keinen Punkt und in der Gruppe mit Monster-Rückstand den dritten Platz.

Quali zur WM 2006

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Quali für die WM 2006 – Ø-Alter 28 Jahre

Nach zwei Jahren des personellen Irrlichterns hatte Krankl erkannt, dass es eh nix bringt und holte Kühbauer (längst im biblischen Alter) zurück, setzte verstärkt auf Christian Mayrleb in seinem dritten Frühling und wechselte wild die Torhüter durch. Mit Ivanschitz und Pogatetz durften auch zwei tatsächlich noch eher junge Spieler ran.

Das Team hatte zu dieser Zeit eine deutlich merkbare GAK-Schlagseite (Standfest, Ehmann, Pogatetz, Aufhauser und auch Schranz wurden mit den Grazern 2004 Meister) – was logisch war, da beim anderen Top-Team jener Zeit (der Austria) praktisch keine Österreicher spielten und man Legionäre von nennenswerter Qualität bequem an einer Hand abzählen konnte.

Nach einem erfreulichen 2:2 gegen England zum Auftakt ging in der Folge aber einiges schief – Heimniederlage (trotz ansprechender Leistung) gegen Polen und ein 3:3 in Nordirland ließen Krankls Elf schnell wieder ins Hintertreffen geraten. In Wales gab es einen verdienten Sieg, weil Krankl versehentlich mal was richtig gemacht hatte (Stranzl statt des gesperrten Aufhauser im Mittelfeld), was er vier Tage später gleich wieder rückgängig machte – und Österreich war wieder so planlos aus wie sonst auch. Nach zwei erschütternd ambitionslosen Spielen in Polen (2:3) und Aserbaidschan (0:0) war Krankl Geschichte.

Vorrunde bei der EM 2008

Vorrunde der EM 2006 – Ø-Alter 25 Jahre

Für die Heim-EM 2008 und die beiden Jahre der Vorbereitung durfte Pepi Hickersberger ran und er eliminierte alles, was er für zu alt oder für nicht tauglich oder beides hielt – wenn auch nur nach und nach. Davon abgesehen probierte er jeder Personalie, die nicht bei drei auf den Bäumen war – von Ertl bis Feldhofer, von Atan bis Mörz, von Eder bis Salmutter.

Er setzte in seinem ersten Jahr auf ein 4-4-2 und verlor damit gegen Ungarn und Costa Rica. Er setzte in seinem zweiten Jahr auf ein 4-2-3-1 und holte zumindest Remis gegen Ghana, England und Tunesien. Und erst kurz vor der EM stellte er auf die Dreierkette um, die in zwei der drei EM-Spiele zum Einsatz kam. Dazu baute er die ersten von jenen Burschen ein, die 2007 im Halbfinale der U-20-WM waren – Harnik, Prödl und Hoffer.

Bei der EM selbst startete man gegen Kroatien ultra-feig und erst die Einwechslung von Ümit Korkmaz brachte Schwung. Im zweiten Spiel gegen Polen dominierte Österreich, geriet aber durch ein Abseits-Tor in Rückstand und rettete gerade noch das 1:1. Und gegen die Deutschen hielt man gut mit, aber ein Ballack-Gewaltschuss brachte den deutschen Sieg und das österreichische Aus.

Man hatte sich weder blamiert noch wirklich aufgezeigt.

Quali für die WM 2010

Österreich WM 2010
Quali für die WM 2010 – Ø-Alter 24 Jahre

Der ÖFB schaffte es, als Hickersberger-Nachfolger den Tschechen Karel Brückner aus der geplanten Pension zurück zu holen und er baute erst einmal auf dem EM-Kader auf, brachte zudem die von Hicke ausgebooteten Scharner und Janko zurück. Mit ihnen gab es zum Start gleich mal ein 3:1 gegen Frankreich, danach aber ein peinliches 0:2 in Litauen, ein peinliches 1:1 auf den Färöern und ein bitteres 1:3 daheim gegen Serbien.

Dem ausgebrannten Brückner ließ immer wieder durchklingen, dass er sich eigentlich nicht wirklich für den Job interessiert, hinzu kamen Sprachschwierigkeiten und fehlende Chemie zur Mannschaft, die sich etwas vernachlässigt fühlte. Darum wurde Brückner nach nur einem halben Jahr im Amt entsorgt und durch Didi Constantini ersetzt. Der Tiroler verfrachtete gleich mal Andi Ivanschitz ins Aus, dafür holte er ein paar junge Burschen mit erst einer Handvoll Bundesliga-Einsätzen: Dragovic und Baumgartlinger von der Austria, Pehlivan von Rapid, Jantscher und Beichler von Sturm. Man brachte die Qualifikation mit Anstand zu Ende und landete hinter Frankreich und Serbien auf dem dritten Rang; beim letzten Match im Stade de France durfte auch David Alaba debütieren.

Quali für die EM 2012

Österreich EM 2012
Quali für die EM 2012 – Ø-Alter 27 Jahre

Constantini ekelte in der Folge einige weitere Teamspieler raus, die gerne etwas besser auf Spiele vorbereitet werden wollten und das auch so artikulierten – Garics und Stranzl etwa, auch Manninger hatte von Constantinis Sprunghaftigkeit schnell genug.

In der Quali für die EM 2012 startete man mit einem äußerst glücklichen Erfolg gegen Kasachstan und einem Arbeitssieg gegen Aserbaidschan, es folgte ein turbulentes Remis in Belgien. Mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen wähnte sich der Boulevard schon auf halbem Weg zur EM – aber im verbleibenden Jahr von Constantinis Amtszeit gab es keinen einzigen Sieg in einem Quali-Spiel mehr.

Die Auftritte wurden immer noch planloser, Constantinis Wortmeldungen immer noch pampiger, und nach einem lähmenden Jahr des DiCo’schen Abwehrkampfes gegen das 21. Jahrhundert war seine Zeit als Teamchef endlich abgelaufen. In seinen knapp drei Jahren holte der fünf Siege in Pflichtspielen.

Die übermächtigen Besiegten: Rumänien, Färöer, Litauen, Kasachstan und Aserbaidschan.

Quali für die WM 2014

Österreich WM 2014
Quali für die WM 2014 – Ø-Alter 26 Jahre

Sehr zum Unmut von Alt-Teamspielern von Polster über Krankl bis Prohaska zauberte ÖFB-Sportchef Ruttensteiner danach den Schweizer Marcel Koller aus dem Hut. Unter ihm hatte das chaotische und selten nachvollziehbare Herumgewurstle der DiCo-Zeit ein Ende, dafür hielt nun endlich Bedacht und Seriosität Einzug. Koller legte sich recht schnell auf eine erste Elf fest (die jener von Constantinis Team beim 0:2 daheim gegen Belgien schon frappant ähnelte). Kein Teil des Teams mehr war Paul Scharner, der Koller daraufhin öffentlich die Fähigkeit für den Job absprach.

Personelle Kontinuität und eine stringente Strategie, die auf hohem Pressing und schnellem Umschalten aufgebaut war, wurde immer besser verinnerlicht. In der Qualifikation für die WM in Brasilien forderte man Deutschland, erkämpfte vier Punkte gegen Irland, remisierte daheim gegen Schweden und ließ nur einmal wirklich unnötig Punkte liegen – beim 0:0 in Kasachstan. Natürlich war das Team noch sehr von der Präsenz eines Junuzovic und den Toren von Alaba abhängig, aber es entwickelte sich etwas. Vor allem Marko Arnautovic, von Bremen nach Stoke gewechselt, kam in ruhigeres Fahrwasser. Und Veli Kavlak ersetzte den am Ende der Quali verletzten Baumgartlinger auch recht patent.

Bis zum vorletzen Spiel, jenem in Schweden, bestand eine realistische Chance auf das WM-Playoff, aber in Stockholm waren die Schweden (noch) zu abgezockt. Österreich wurde Dritter und hatte Schlagdistanz zum zweiten Topf hergestellt.

Quali für die EM 2016

Österreich EM 2016
Quali für die EM 2016 – Ø-Alter 28 Jahre

Praktisch unverändert ging Koller, der den Vertrag trotz heftigem Bezirzen des 1. FC Nürnberg und des Schweizer Verbandes verlängerte, in den nächsten Anlauf. Und es wurde immer besser.

Einem okayen 1:1 daheim gegen Schweden folge ein mühsames 2:1 auswärts in Moldawien, aber dann ging’s los mit der Siegesserie: Heim-Erfolge gegen Montenegro (verdient) und Russland (etwas glücklich), danach ein 1:0-Sieg in Moskau und, als Meisterstück, das 4:1 in Stockholm – damit war fix, dass Österreich erstmals nach 18 Jahren wieder auf sportlichem Wege für ein Großereignis qualifiziert war. Und der Sieg in Montenegro nach Rückstand und widrigem Spielverlauf war womöglich sogar der wichtigste – weil er gezeigt hat, dass das Team auch dann einen unbändigen Willen hat und nicht aufsteckt, wenn es nicht läuft und es eigentlich auch um nichts mehr geht.

Nun geht diese seit vier Jahren gewachsene Truppe also in die Europameisterschaft. Gegen Ungarn, Portugal und Island in der Vorrunde, und hoffentlich noch mit dem einen oder anderen Match in der K.o.-Phase.

Und der Aussicht, vielleicht nicht wieder 18 Jahre warten zu müssen, ehe es in eine Endrunde geht. Das wäre übrigens 2034.

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15 Jahre voller Schweizer Prügel für Österreich https://ballverliebt.eu/2015/11/15/15-jahre-voller-schweizer-pruegel-fuer-oesterreich/ https://ballverliebt.eu/2015/11/15/15-jahre-voller-schweizer-pruegel-fuer-oesterreich/#comments Sun, 15 Nov 2015 20:16:37 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=11849 15 Jahre voller Schweizer Prügel für Österreich weiterlesen ]]> Unglaublich aber wahr: Das letzte Pflichtspiel des ÖFB-Teams gegen die Schweizer Nati liegt 58 Jahre zurück. Seit dem Spiel im Gerö-Cup 1957 wurden 33 Turniere und die dazu gehörenden Qualifiaktionen ausgelost, nie kamen Österreich und Schweiz zusammen. Am Dienstag kommt es dafür zum 15. Mal in diesem Zeitraum zu einem freundschaftlichen Aufeinandertreffen der Nachbarn.

Die Bilanz der letzten 15 Jahre spricht dabei klar für die Schweiz, da verlor Österreich vier der fünf Spiele. Und zwar immer hochverdient: Auf Augenhöhe, wie es aktuell der Fall ist, befand sich das ÖFB-Team mit der Schweiz schon lange nicht mehr. Hier ein kleiner Rückblick auf diese fünf Spiele.

1:2 in Wien, August 2001

Österreich - Schweiz 1:2 (0:1). Herzog 61 bzw. Vogel 10, H. Yakin 64.
Österreich – Schweiz 1:2 (0:1). Herzog 61 bzw. Vogel 10, H. Yakin 64.

Im August 2001 traf man sich beim Debüt von Köbi Kuhn als Nati-Coach. Für Österreich war es ein Probelauf für die letzten drei Spiele für die WM-Quali für Korea/Japan, im Speziellen für das Spiel in Spanien zweieinhalb Wochen danach. Als ob das Flutlicht die grausame Leistung des ÖFB-Teams verhindern wollte, fiel es pünktlich drei Minuten vorm Anpfiff aus.

Es half nichts, eine halbe Stunde später ging es doch los mit dem Trauerspiel. Mehr als eine Handvoll Spieler aus dem ohnehin nicht besonders grandios besetzten Team von Otto Baric trugen nur lässig ihr Trikot spazieren, der Endstand von 1:2 sah deutlich besser aus, als die österreichische Vorstellung tatsächlich war. „So verlieren wir in Valencia wieder mit 0:9“, war Kapitän Andi Herzog bedient. „Ich brauche nur Spieler, die auch in einem Testspiel mit maximalem Einsatz spielen, ich werde einige eliminieren“, kündigte Baric an.

Vor dem Spiel in Spanien eliminierte er aber nur Muhammet Akagündüz. Den einzigen Spieler, der gegen die Schweiz gar nicht gespielt hat. Das Spiel in Spanien endete 0:4.

2:3 in Basel im August 2002

Schweiz - Österreich 3:2 (2:1). H. Yakin 19, Frei 41, M. Yakin 76p bzw. Wallner 11, 81.
Schweiz – Österreich 3:2 (2:1). H. Yakin 19, Frei 41, M. Yakin 76p bzw. Wallner 11, 81.

Ein Jahr später war Hans Krankl der Bank-Angestellte beim ÖFB und im letzten Testlauf vor dem Start in die EM-Quali für 2004 ließ er erstmals überhaupt ein österreichisches Nationalteam in einer Vierer-Abwehrkette ohne Libero aufs Feld – zumindest nominell. Denn Michael Baur stürmte in alter Gewohnheit schon in der 3. Minute in Libero-Manier aus der Innenverteidigung bis in die gegnerische Hälfte durch.

Gerd Wimmer und Jürgen Panis bekamen recht offensich nicht gesagt, was sie als Außenverteidiger tun sollten – sie agierten so eng als zusätzliche Innenverteidiger, als wollten sie die eigene Innenverteidiger decken. Die Abstimmung war eine Katastrophe. Und das Spiel nach vorne war holprig bis eindimensional. Die Schweizer merkten das, darum brachte sie das frühe Tor von Roman Wallner auch nicht aus der Ruhe.

Aber Hauptsache, Hans Krankl gab Minuten vor dem Spiel jenes Interview, in dem er berüchtigterweise ankündigte, dass Österreich mal von ganz Europa um das Sturm-Duo Linz/Wallner beneidet werden würde.

Die Schweiz war 2004 bei der EM und 2006 bei der WM. Österreich war bei beiden nicht dabei.

2:1 in Innsbruck im Oktober 2006

Österreich - Schweiz 2:1 (2:0). Linz 24p, Kuljic 36 bzw. Streller 70.
Österreich – Schweiz 2:1 (2:0). Linz 24p, Kuljic 36 bzw. Streller 70.

Ein paar Tage nach einem besonders betrüblichen Auftritt in Vaduz, bei dem Österreich als klar schlechtere Mannschaft mit mörderisch viel Dusel das Team aus Liechtenstein 2:1 besiegt hat, dachter Teamchef Hickersberger laut darüber nach, eine Dreier-Abwehr zu installieren. Das war bei der EM dann auch tatsächlich der Fall (und es hat dort auch wirklich exzellent funktioniert, als einziger Mannschaftsteil), beim dem Vaduz-Desaster folgenden Spiel in Innsbruck gegen EM-Co-Gastgeber Schweiz aber noch nicht.

Statt der zwei Legionäre in Vaduz (Ivanschitz und Linz) liefen nun derer sieben auf (Macho, Stranzl, Ivanschitz, Prager, Weissenberger, Kuljic und Linz) und das merkte man auch. Die Brust war nicht mehr ganz so schmal, nach einer durchaus sehenswerten ersten Hälfte führte Österreich bereits 2:0. Wie überhaupt die Abwehr (in Vaduz spielten noch Standfest, Eder, Feldhofer und Plassnegger) eine recht sichere Figur machte, Prager setzte im Zentrum mehr Akzente als Leitgeb, Weissenberger auf der Außenbahn mehr als Mörz.

Die Schweizer, vor der Pause sichtlich überrascht vom forschen österreichischen Auftreten, fingen sich nach dem Seitenwechsel und erhöhten das Tempo auf ein Maß, mit dem das ÖFB-Team merklich Probleme hatte. Es reichte aber nur noch zum Anschlusstreffer. Für Österreich war es (gemeinsam mit dem 1:1 gegen Ghana) die beste Leistung der ganzen Länderspiel-Saison

1:3 in Zürich im Oktober 2007

Schweiz - Österreich 3:1 (2:0). Streller 2, 55, H. Yakin 36; Aufhauser 11.
Schweiz – Österreich 3:1 (2:0). Streller 2, 55, H. Yakin 36; Aufhauser 11.

Ein Jahr später waren die Leistungen bei Österreich immer noch nicht besser. So wurde im Vorfeld des Eröffnungs-Spiels des frisch renovierten Letzigrunds in Zürich sogar ein 5:0-Sieg in einem Trainingsspielchen gegen die U-19 der Vorarlberger Akademie mit Erleichterung zu Kenntnis genommen.

Dass die Schweizer, immerhin Achtelfinalist bei der vorangegangenen WM in Deutschland, Österreich meilenweit überlegen waren, war auch ein dreiviertel Jahr vor der gemeinsamen EM unübersehbar. Martin Hiden gewann im Abwehrzentrum genau null Prozent seiner Zweikämpfe in der ersten Hälfte, Christian Fuchs (der bei Mattersburg in der Liga der taktisch Blinden einen Wing-Back neben einer Dreierkette gab) hatte defensiv nicht viel zu melden und Joachim Standfest hatte eine Streuung bei der Richtung seiner Flanken, auf die jede Schrotflinte stolz wäre.

Die Schweiz nahm das Spiel, anders als jenes ein Jahr davor, tatsächlich ernst und spielte Österreich souverän aus. Mit der ersten Aktion nach vorne durfte Marco Streller schon alleine auf Manninger zulaufen, der schnelle Ausgleich durch René Aufhauser brachte das diesmal in einem 4-2-3-1 spielnde ÖFB-Team nur resultatsmäßig auf Augenhöhe. Die Schweizer gewannen locker mit 3:1, Österreich rehabilitierte sich (wie genau ein Jahr zuvor) mit einer braven Leistung im zweiten Spiel des Länderspiel-Doppels (einem Sieg gegen Drogbas Ivorer).

Bei der Heim-EM schieden beide Gastgeber schon in der Vorrunde aus. Die Schweizer als Gruppenletzter, aber mit einem Sieg. Die Österreicher ohne Sieg, aber immerhin als Gruppendritter. Die Schweiz qualifizierte sich danach als Gruppensieger für die WM 2010, Österreich war trotz eines Sieges gegen Frankreich meilenweit selbst vom Playoff-Platz entfernt.

0:1 in Klagenfurt im August 2010

Österreich - Schweiz 0:1 (0:0). Costanzo 73.
Österreich – Schweiz 0:1 (0:0). Costanzo 73.

Direkt nach der WM durften sich die Schweizer einen Spaß aus dem haarsträubenden, steinzeitlichen inhaltichen Nichts machen, das das ÖFB-Team unter Constantini darstellte. Internationalen Klasse-Spielern wie Stephan Lichtsteiner, Gökhan Inler und Xherdan Shaqiri stellte er, weil er grade lustig war, Patrick Wolf entgegen.

Dazu eine Doppel-Sechs, die defensiv nur Abschirmdienste verrichtete, nach vorne die Mittellinie (ganz offensichtlich) nicht überqueren durfte und so letztlich völlig nutzlos war. Die Schweizer spielten mit Halbgas und hatten trotzdem alles im Griff, aber im Abschluss haperte es ein wenig. Österreich hatte nur aus Standard-Situationen so etwas wie Torgefahr zur bieten, dazu einen geschenkten Elfmeter in der zweiten Hälfte, den Christian Fuchs, ein fairer Sportsmann, recht kläglich verschoss.

Eine Viertelstunde vor Schluss bestrafte Joker Moreno Costanzo (mit seinem einzigen Länderspiel-Tor) die an taktischer Stupidität kaum zu überbietende Darbietung der Österreicher mit dem 1:0.

Die Schweiz blieb in der Quali für EM 2012 ausnahmsweise mal hängen, cruiste aber souverän zur WM 2014. In Österreich dauerte die lähmende Amtszeit von Constantini noch etwas mehr als ein Jahr, ehe Marcel Koller endlich anfing, aus dem Team etwas rauszuholen.

Position der Stärke im November 2015

Nun trifft Österreich erstmals seit dem 4:2 in St. Gallen im Februar 1999 (damals als WM-Teilnehmer und EM-Qualigruppen-Führender) wieder aus einer Position der Stärke heraus auf die Schweizer. Mit einem Schweizer Teamchef.

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18 Years of Hurt – überstanden! https://ballverliebt.eu/2015/09/08/18-years-of-hurt-ueberstanden/ https://ballverliebt.eu/2015/09/08/18-years-of-hurt-ueberstanden/#comments Tue, 08 Sep 2015 20:19:40 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=11592 18 Years of Hurt – überstanden! weiterlesen ]]> Der Kegelabend von Valencia.

Die Demütigung von Tel-Aviv.

Vastic als Libero in Kalamata.

Drei Gegentore nach der 80. Minute, wieder in Valencia.

Der Jubel nach dem Last-Minute-Tor von Herzog in Tel-Aviv…

…und das Play-Off-Debakel von Istanbul.

Die Bestellung von Hans Krankl als Teamchef.

Der Vernichtung zu zehnt in Prag.

Das Trauerspiel von Tiraspol.

Der Freistoß von Krzynowek.

Das irre-reguläre Spiel von Belfast.

Das Hosenscheißer-Spiel von Chorzów.

Die Niederlage gegen Kanada.

Die Fast-Niederlage von Vaduz.

Das glückliche Remis auf Malta.

Das Mini-Turnier gegen Japan und Chile.

Das 3:4 nach 3:0 gegen Holland.

Die Feigheit gegen Kroatien.

Die Schludrigkeit gegen Polen.

Ballacks Gewaltschuss.

Maierhofer als lebender Flipperautomat in Marijampole.

Die Windlotterie von Tórshavn.

Das K.o. gegen Serbien.

Die Bestellung von Didi Constantini als Teamchef.

Der dämliche Elfmeter von Belgrad.

Die kleinmütige Herangehensweise gegen Litauen.

Linz als Zehner, der Einfall auf dem Fahrrad.

Der übel vercoachte 4:4 von Brüssel.

Die Implosion gegen Belgien.

Mario Gomez in der Nachspielzeit.

Trottelgate.

Arnautovic, der gegen Deutschland 2 Zentimeter zu klein ist.

Der Rückfall in der 2. Hälfte von Stockholm 2013.

Alles vorbei. Frankreich, wir kommen!

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Jetzt geht es zur Europameisterschaft nach Frankreich. Folge Ballverliebt auf Facebook und Twitter um am Weg dorthin nichts zu verpassen!

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Als Kader-Bekanntgaben in Österreich noch spannend waren https://ballverliebt.eu/2015/09/03/oesterreich-koller-krankl-constantini-vergleich/ https://ballverliebt.eu/2015/09/03/oesterreich-koller-krankl-constantini-vergleich/#comments Thu, 03 Sep 2015 20:55:56 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=11527 Als Kader-Bekanntgaben in Österreich noch spannend waren weiterlesen ]]> Kaderbekanntgaben sind unter ÖFB-Teamchef Marcel Koller zu einem völligen Non-Event geworden. Seit Jahren gibt es keine nennenswerten Überraschungen peronseller Natur, flockige und/oder jenseitige Aussagen des grundseriösen Schweizers gibt es auch so gut wie nie. Das war in der Vergangenheit anders: Da waren die Kader-Bekanntgaben nicht selten unterhaltsamer als das folgende Match. Eine kleine Rückschau.

„Man muss wieder vor uns Zittern“, gab der neue Teamchef zu Protokoll, als er in Eisenstadt seinen ersten Kader präsentierte. Ein Testspiel gegen die Slowakei stand an. Eine neue Ära sollte anbrechen. Drei Mann waren dabei, die noch nie im Kader waren. Vier weitere, die zwar schon mal im Kader waren, aber noch kein Länderspiel absolviert hatten, ebenso. Eine Kader-Bekanntgabe war das, die viel Slapstickhaftes hatte und doch ein Vorgeschmack werden sollte auf das, was in den nächsten Jahren noch so allem kommen sollte.

Es waren aber auch echte Kapazunder von internationalem Format, die Hans Krankl am 21. März 2002 da nominierte. Die 29-jährige Nachwuchshoffnung Thomas Hickersberger von Salzburg, der 25-jährige Thomas Höller von Aufsteiger FC Kärnten und Jürgen Panis, 27, vom FC Tirol. Das waren die drei Teamkader-Debütanten – auch René Aufhauser (25) vom GAK, Ferdinand Feldhofer (22) von Rapid, Goalie Roland Goriupp (30) vom FC Kärnten und Roland Linz (20) von der Austria sollten Europa erzittern lassen.

Didn’t quite work out.

Dafür waren Kader-Bekanntgaben von Krankl immer spannend. In seinem zweiten Spiel ließ er Rolf Landerl debütieren, 26 Jahre und bei Fortuna Sittard unter Vertrag. „Ich werde mir weiter Spieler anschauen, mit denen niemand rechnet“, gab Krankl nach dem 2:6 in Deutschland zu Protokoll – Landerls einzigem Länderspiel. Alleine in seinem ersten Jahr ließ Krankl 18 (!) Spieler debütieren (Durschnitts-Alter: 24 Jahre), in den neun Spielen kamen 39 (!!) verschiedene Spieler zum Einsatz. Dazu kamen arme Teufel wie Robert Golemac und und Helmut Riegler, die nominiert waren, aber nie spielen durften.

Völliges Irrlichtern

Auch in seinen drei weiteren Jahren wurde jede Kader-Bekanntgabe zu einem heiteren Rätselraten, welchen Spieler er denn diesmal aus dem Hut zaubern würde. Da die Ausländer-Quote in der Bundesliga damals bei rund 50 % lag, konnte sich eigentlich jeder Österreicher, der halbwegs regelmäßig zum Einsatz kam, darauf verlassen, früher oder später mal einen Anruf vom Teamchef zu bekommen. „Niemand ist vor Krankl sicher“, unkte die OÖN nach Krankls erstem Jahr. „Man könnte behaupten, dass man Hans Krankl so lange als Teamchef einberufen lässt, bis er einen Weltrekord im Ausprobieren von Spielern aufgestellt hatte“, in seinem dritten.

hanseSeine Nominierungs-PKs waren immer spannend. Einmal trat GAK-Goalie Franz Almer aus dem Team zurück, unmittelbar nachdem er als 31-Jähriger erstmals nominiert worden war („Sie haben mich 10 Jahre ignoriert, jetzt interessiert’s mich auch nimmer“). Alen Orman berief Krankl, „weil ich ihn kenne, da ich ihn als 18-Jährigen bei Gerasdorf trainiert habe“. „Ich werde einen Kader nominieren, über den sich viele wundern werden“, meinte Krankl, ehe er nach anderthalb Jahren Didi Kühbauer (damals 32 Jahre alt) von Zweitligist Mattersburg reaktivierte. Dieser musste danach verletzungsbedingt absagen und noch weitere anderthalb Jahre auf sein Team-Comeback warten.

Der Beste wo gibt

„Wir schlogn Wales zwoamoi“, hatte Krankl im TV-Interview nach dem 3:3 in Nordirland gesagt. „Keiner verlangt von uns, Wales zweimal zu schlagen“, als er drei Monate später den Kader für die beiden Spiele einberief.

Alex Hörtnagl wurde nominiert, einen Tag nachdem er sich einen doppelten Bänderriss zugezogen hatte und gerade operiert wurde. „Es gibt keinen besseren für den Teamchef-Job als mich“, sagte Krankl dennoch (nach einem Test-2:0 über Costa Rica). Und: „Morientes ist um nichts besser als Glieder“ – wohlgemerkt ein paar Wochen, nachdem er Glieder wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht in den Kader aufgenommen hatte. „Ich habe meinen Stamm gefunden“, erklärte er der verdutzten Reporterschar auch einmal – vier Monate später nominierte er die Spieler 49 und 50 in seiner bis dahin zweijährigen Amtszeit.

Hicke und Brückner

Es folgten sachliche und im Ton zuweilen einschläfernde Kader-PKs von Josef Hickersberger, der sich nur selten zu einem Bonmot hinreißen ließ. „Im Gegensatz zu Färöer sind Trinidad und Tobago zwei Inseln, also gleich doppelt gefährlich“, war eines der seltenen Highlights. Ansonsten regierte die Vernunft: „Kavlak und Junuzovic sind nicht dabei, weil ein U-21-Auswärtsspiel in Italien wertvoller ist als zehn Minuten im A-Team auf Malta“, erklärte Hickersberger etwa ganz ohne Pathos.

Vor gefühligen Ausbootungen war aber auch Hicke nicht gefeit: Scharner flog raus, weil er die schlechte Stimmung im Team monierte. Pogatetz, weil er inhaltliche Kritik übte. Prager, weil er sich über eine Auswechslung ärgerte. Linz, weil er zu Larifari-Trainingsleistungen neigt. Linz und Prager wurden nach vier Monaten pardoniert, Pogatetz nach einem Jahr, Scharner gar nicht.

Nachfolger Brückner kommunizierte zunächst nur via Dolmetsch und ließ diesen ausrichten, dass über seine Kader-Entscheidungen keine Fragen beantwortet werden. Überhaupt war der „Weiße Vater“ nicht gerade der Wuchtldrucker der Nation. Kritik an ihm kommentierte er lapidar mit „gehört zum Job“, über den Rücktritt von ÖFB-Präsident Stickler meine er knapp: „Das ist seine Sache, nicht meine.“ Und den Wechsel von Marko Stankovic in die Serie B nach Triest hielt Brückner schlicht für „keine gute Idee“.

Deutschland sollte sich hinterfragen

Es folgte der grummelige und tirolerisch-bärbeißige Constantini „Ich möchte ihn aus der medialen Schusslinie nehmen“, gab er sich bei seiner ersten Nominierungs-PK gegenüber Andreas Ivanschitz väterlich-fürsorglich, nur um nach dem Spiel (einem 2:1 über Rumänien trotz einer ganz schlechten Leistung) zu grinsen: „Damit er und Stranzl wiederkommen, müssen sie die anderen erst mal rausspielen!“

dicoStranzl trat etwas später sauer aus dem Team zurück, Ivanschitz war unter Constantini nie dabei. „Wenn er in Mainz weiter so aufspielt, gehört er ins Team“, sagte der Teamchef im August 2009. „Wer eine Stammplatz-Garantie haben will, den nehm ich ihn nicht mit“, einen Monat später. Ivanschitz‘ Konter („Hab‘ ich nie gefordert, ich bin doch kein Trottel“) quittierte Constantini bei der nächsten Kader-PK mit der nächsten Nicht-Berufung und einem „Das Leben ist halt ungerecht, ich muss nicht alles rechtfertigen“. In weitere Folge kam dann DiCos berühmter Sager, dass sich die deutsche Bundesliga hinterfragen muss, wenn Ivanschitz dort eine gute Figur abgibt.

Gute Gründe

Als der zuvor ausgebootete Alex Manninger seine folgende Nominierung mit dem Team-Rücktritt ablehnte, sagte Constanitini: „Soll ich vor ihm auf die Knie fallen und betteln?“ Als Ivanschitz mit Mainz in Flachau auf Trainingslager war, sprach der Teamchef nicht mit ihm: „Da standen 20 Autogrammjäger um ihn herum.“  „Er ist verrückt“, war dafür die offizielle Begründung dafür, dass Stefan Maierhofer berufen wurde, obwohl er nie beobachtet wurde.

Janko wurde einmal quasi prophylaktisch nicht berufen, weil Constantini nicht wusste, wie es um eine Knieblessur steht: „Ich hab‘ ihn drei, viermal angerufen, aber er hat nicht abgehoben.“ Arnautovic wurde im März 2011 trotz ständiger Espakaden in Bremen berufen: „Bei uns trifft er regelmäßig und liefert gute Leistungen ab. Deshalb ist er dabei.“ Beim nächsten Spiel fehlte Arnautovic im Aufgebot. Constantini: „Um wieder einberufen zu werden, muss er sich normalerweise total ändern.“

Constantini peitschte die Kader-Bekanntgaben üblicherweise in Rekordtempo durch, selten dauerte die PK länger als eine Viertelstunde. Seine pampige und nicht selten grantige Art und Weise, auf Nachfragen zu reagieren, trieb es den Anwesenden bald aus, ihn lange mit Fragen zu traktieren. Und als sich Veit Vinenz Fiala von 90minuten.at bei einer PK erdreistete, ihm eine spezielle Taktik-Frage zu stellen, war „Trottelgate“ die Folge.

Peinlichkeiten sind Vergangenheit

Nach vier Jahren Marcel Koller werden nun diese Kaderbekanntgeban kaum noch wahrgenommen. Und das ist gut so. Sätze wie „Die, die dabei sind, haben sich bewährt und genießen mein Vertrauen“ haben bei Koller in der Tat Hand und Fuß. Großartige Nachfragen sind gar nicht mehr wirklich nötig, weil eh alles eingespielt ist und nicht erklärt werden muss.

Peinliche Laviertänze wie von Constantini vor allem mit Ivanschitz gehören der Vergangenheit an. Krankls erstaunlicher Spagat zwischen absurder Selbstüberschätzung und clownesker Überforderung ebenso. Der Teamchef stellt sich weder mit übergroßem Ego noch mit betonter Griesgrämigkeit selbst in den Mittelpunkt.

Weil er es nicht nötig hat. Er lässt seine Arbeit für sich sprechen. Und die kann sich sehen lassen. Wenn nicht alles mit dem Teufel zugeht, qualifiziert sich Österreich für die EM in Frankreich 2016. An so einem Erfolg waren weder Krankl (wiewohl der auch nicht das Spielermaterial dazu hatte) noch Constantini auch nur nahe dran.

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Österreich kurz vor Toreschluss, Teil 2: Verweigerer, Irreregulär und Alaba https://ballverliebt.eu/2013/10/09/osterreich-kurz-vor-toreschluss-teil-2-verweigerer-irreregular-und-alaba/ https://ballverliebt.eu/2013/10/09/osterreich-kurz-vor-toreschluss-teil-2-verweigerer-irreregular-und-alaba/#respond Wed, 09 Oct 2013 02:33:47 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=9607 Österreich kurz vor Toreschluss, Teil 2: Verweigerer, Irreregulär und Alaba weiterlesen ]]> Am Freitag kommt es zum Showdown: Österreich gastiert in der Friends-Arena von Stockholm, dann geht’s auf die Färöer-Inseln. Die entscheidenden Spiele, ob sich das ÖFB-Team erstmals seit 16 Jahren auf sportlichem Wege für ein Großereignis qualifizieren kann oder nicht. Aus diesem Anlass unser großer Zweiteiler: Österreich im Quali-Endspurt, ein Rückblick auf die letzten 24 Jahre: So lief es für Österreich in den Qualifikationen und so sah es kurz vor Ultimo aus.

Hier nach Teil 1 (1988-1999) nun hier Teil 2: Herzogs Tor in Israel, Krankls Ausraster in Belfast, und die Wiederauferstehung unter Koller.

2001: Ohne neun

Für die Quali zur WM 2002 in Japan und Südkorea kam es zum großen Déjà-vu – schon wieder ging’s gegen Spanien und Israel. Nach einigen mäßigen Testspielen (1:4 in Griechenland, 1:1 gegen Schweden, 1:2 gegen Kroatien) und einem erstaunlichen 5:1 bei Toni Polsters Abschiesspiel gegen den Iran lief die Quali mit einem ziemlich mühsamen 1:0-Sieg in Liechtenstein an. Ehe die Nation im Oktober 2000 mal für zwei Stunden von „Taxi Orange“ zu Österreich gegen Spanien umschaltete und das nicht bereute – das Spiel endete 1:1 und so lange der junge Martin Stranzl bis zu einer Verletzung auf dem Feld war, war Österreich sogar die bessere Mannschaft.

Dennoch: Das ÖFB-Team zu dieser Zeit war im Grunde nichts anderes als Andreas Herzog, Elferkiller Wohlfahrt und noch neun recht beliebig aufstellbare andere. Beim 1:1 gegen Spanien bereitete Herzog ebenso das österreichische Tor per Ecke vor wie beim 1:1 in Bosnien. Beim hart erkämpften 2:1 über Israel schoss Herzog das Siegtor und Wohlfahrt hielt einen Elfmeter, und beim nicht wirklich beeindruckenden 2:0 gegen Liechtenstein bereitete der alternde Spielmacher beide Treffer vor. Das 0:4 in Spanien sieht schlimmer aus als es war: drei Tore fielen erst in der Schlussphase.

Quali zur WM 2002 in Japan und Südkorea
Quali zur WM 2002 in Japan und Südkorea

Vor den letzten beiden Spieltagen lag Österreich punktgleich mit Israel und hatte neben dem Heimspiel gegen Bosnien noch die Reise nach Tel-Aviv am Spielplan stehen. Dabei war es ohne Relevanz, ob das ÖFB-Team gegen Bosnien gewann oder nur Remis spielte, in Israel dürfte so oder so auf keinen Fall verloren werden. Und selbst bei einer Pleite gegen Bosnien hätte man mit einem Sieg in Israel noch alles selbst in der Hand.

Gegen Bosnien war es einmal mehr Herzog, der ein ziemlich schwaches ÖFB-Team rettete, sein Doppelpack sicherte den 2:0-Sieg. Doch das eigentlich am 6. Oktober angesetzte Spiel in Israel wurde zwei Tage vor diesem Termin nach einem ungeklärten Absturz eines russischen Flugzeugs über Israel – Fehlgeleitete Rakete? Terroranschlag? – abgesagt; drei Tage, nach dem neun Spieler von Haus aus die Dienstreise nach Tel-Aviv wegen Sicherheitsbedenken verweigert hatten: Walter Kogler, Roland Kirchler, Robert Ibertsberger, Alfred Hörtnagl, Edi Glieder (alle Tirol), Christian Mayrleb, Martin Hiden (beide Austria), Günther Neukirchner (Sturm) und Didi Kühbauer (Wolfsburg).

Ohne diese neun aber mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe aus Replacements, darunter dem 39-jährigen Teamdebütanten Zeljko Vukovic, ging es mit dreiwöchiger Verspätung nach Israel, wo die Israeli nach einer Stunde durch einen Elfer in Führung gingen, Österreich sich aber nicht hängen ließ und Herzog in der Nachspielzeit einen Freistoß durch eine furchtbar gestellte israelischen Mauer hindurch zum 1:1 versenkte, woraufhin ORF-Kommentator Hans Huber mit Steinen und Orangen beworfen wurde.

Österreich war Gruppenzweiter – bis heute zum letzten Mal – und durfte (oder musste?) im Play-Off gegen die Türkei ran. Kogler, Ibertsberger, Hörtnagl und Neukirchner hatten sich mit der Verweigerungs-Aktion für alle Zeit selbst aus dem ÖFB-Kader eliminiert, alle anderen Israel-Boykottierer zumindest noch für die Türkei-Spiele. Gegen den späteren WM-Dritten standen Herzog und die noch beliebiger als zuvor schon aufgestellten zehn anderen auf verlorenem Posten – 0:1 und 0:5.

2003: Mörderische Gegner, mörderisches Loch

Nach der Demission von Otto Baric war erneut Ivica Osim – der bei Sturm nicht mehr ganz so glücklich war – einer der gehandelten Kandiaten, aber ÖFB-Präsident Mauhart hievte in einer seiner letzten Amtshandlungen Hans Krankl auf die Teamchef-Position. Nach dem Chaos um die Verweigerer, dem unweigerlich näher rückenden Ende von Herzogs Team-Karriere und mit der Qualifikation für die EM 2004 in Portugal vor der Brust versuchte es Krankl vor allem mit Händeauflegen und unübersichtlich vielen verschiedenen Spielern – in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit trugen 48 verschiedene Spieler das ÖFB-Trikot.

Nach durchwachsenen Testspielen (2:0 gegen die Slowakei, 0:0 gegen Kamerun, 2:6 in Deutschland und 2:3 in der Schweiz) und der Ankündigung, dass Österreich in naher Zukunft von ganz Europa um das Sturmduo Roman Wallner/Roland Linz beneidet werden würde, ging’s mit einem von zwei Herzog-Elfmetern gesicherten 2:0 gegen Moldawien los, gefolgt von einem erfreulichen 2:0 in Weißrussland.

So gut der Start war, so mörderisch waren aber die anderen beiden Gegner. Tschechien war gerade auf dem besten Weg dazu, Europas womöglich beste und mit Sicherheit aufregendste Mannschaft zu werden; und Holland hatte nach dem peinlichen Verpassen der WM 2002 auch einiges gutzumachen. Wenig überraschend war Österreich beim 0:3 gegen die Niederlande vor der Winterpause ebenso völlig chancenlos wie beim 0:4 in Prag nach der Winterpause. Der wahre Tiefpunkt sollte aber erst noch kommen, und zwar in Form des Trauerspiels von Tiraspol, der 0:1-Pleite in Moldawien. Chancen auf eine EM-Teilnahme hatte Österreich sowieso nie wirklich, und nun hatte man es auch geschafft, sich standesgemäß zu blamieren. Das 5:0 gegen Weißrussland vier Tage später war da nur ein kleiner Trost. Zumal man beim 1:3 in Rotterdam brav kämpfte, aber außer dem ersten Länderspieltor von Emanuel Pogatetz nichts zu holen war.

Quali für die EM 2004 in Portugal
Quali für die EM 2004 in Portugal

Das Loch, in das Österreich nach dem Ende der „Generation Frankreich“ gefallen war, war ein ganz schön enormes. Dennoch: Selbst wenn der ÖFB zu dieser Zeit ein besseres Team gehabt hätte, gegen die beiden kommenden EM-Halbfinalisten wäre kein Kraut gewachsen gewesen. Auch, wenn man am letzten Spieltag gegen die Tschechen, die schon als Gruppensieger feststanden und daher mit einer B-Elf daherkamen, fast eine Überraschung gegeben hätte. Erst zwei späte tschechische Tore sorgten für das 2:3 aus österreichischer Sicht.

2005: Irre-regulär

Für die Qualifikation zur WM in Deutschland durfte Krankl bleiben, aber für die Heim-EM zwei Jahre später, für die Österreich in der Zwischenzeit den Zuschlag bekommen hatte, verlängerte sich Krankls Vertrag nur, sollte er bei der WM-Endrunde das Achtelfinale erreichen. Eine pure Illusion, Utopie – wiewohl der Weg dorthin zumindest gut anfing.

Nämlich mit einem 2:2 im Heimspiel gegen England, für das man sich vor allem bei David James zu bedanken hatte, und einem 2:0-Pflichtsieg gegen Aserbaischan. Und auch gegen Polen machte man keine schlechte Figur, kassierte aber recht einfache Tore und verlor daheim mit 1:3 – der erste Rückschlag, dem vier Tage später ein weiterer folgen sollte. Und zwar das 3:3 in Nordirland, nach dem Krankl seine legendäre emotionsgeladene Rede im ORF-Studio hielt. Stichwort: „Irre-regulär“.

In jener Rede kündigte Krankl auch an, Wales zweimal zu schlagen. Hierbei hielt er Wort: Einem verdienten 2:0-Sieg in Cardiff folgte ein ziemlich glücklicher 1:0-Sieg über die Waliser in Wien. Damit hatte man die drei Nachzügler klar distanziert, und nach vorne war zumindest noch nicht aller Tage Abend. Der Stand in der Gruppe: England 16, Polen 15, Österreich 11. Hieß: Ein Sieg in Polen, und es ist noch was möglich. In Chorzów machte sich Krankls ultra-defensive Aufstellung mit drei defensiven Mittelfeld-Spielern, ohne Zehner und mit einer Spitze nicht bezahlt: Österreich verlor mit 2:3, die Sache war erledigt und die Luft draußen. Einen beängstigend blutleeren Auftritt beim 0:0 in Aserbaidschan später war Krankl Geschichte.

Quali für die WM 2006 in Deutschland
Quali für die WM 2006 in Deutschland

Für die letzten beiden Spiele, die eigentlich schon die ersten Tests für die zweieinhalb Jahre später anstehende Heim-EM waren, übernahm Willi Ruttensteiner das Team und mit ihm gab es einen erstaunlich strukturierten Auftritt in England. Die Three Lions brauchten den Sieg unbedingt, um Polen noch abzufangen, und sie bekamen ihn – wenn auch nur mühsam und durch ein Elfmeter-Tor mit 1:0. Vier Tage später verabschiedete sich das ÖFB-Team mit einem 2:0 gegen Nordirland von der Gruppe und Emanuel Pogatetz mit einer roten Karte von der Heim-EM, ehe er ein Jahr später von der UEFA pardoniert wurde.

2007: Keine Quali, aber erstaunlich schlechter Fußball

Vor der Europameisterschaft im eigenen Land lief die Qualifikation natürlich ohne Österreich ab. Josef Hickersberger, der 15 Jahre nach Landskrona auf den Teamchef-Posten zurückkehrte, experimentierte viel und nahm dabei sowohl grässliche Leistungen als auch maue Resultate in Kauf. Wie gleich mal ein 0:2 daheim gegen Kanada zum Start, oder ein 2:1 gegen Liechtenstein – bei dem die Liechtensteiner das um eine Klasse bessere Team waren. Auf Malta sorgte ein abgefälschter Freistoß von Ivanschitz mit dem einzigen halbweg ernst zu nehmenden österreichischen Torschuss im ganzen Spiel für ein glückliches 1:1.

Der spielerische Tiefpunkt war im September 2007 erreicht, mit erbärmlichen Darbietungen bei einem Mini-Turnier gegen Japan und Chile, ein maues 1:3 bei EM-Co-Gastgeber Schweiz folgte. Einige Witzbolde in Tirol initiierten sogar eine Petition, dass Österreich bitte nicht teilnehmen muss, um sich die drohende Blamage zu ersparen. Es flackerte lange nur vereinzelt ein wenig Hoffnung durch, wie etwa bei einem anständigen 1:1 gegen Ghana oder einem richtig guten 3:2 gegen die Côte d’Ivoire. Zudem erreichte die U-20 bei der WM in Kanada sensationell das Halbfinale, mit Harnik, Hoffer und Prödl sprangen sogar noch drei aus dieser Truppe auf den EM-Zug. auf.

Erst unmittelbar vor der EM und mit der Umstellung auf eine Dreierkette besserte sich Österreich merklich. Beim 0:3 gegen Deutschland spielte man das DFB-Team trotz der letztlich klaren Niederlage lange her, ebenso die Holländer beim 3:4 – als Österreich zwischenzeitlich aber 3:0 geführt hatte. Bei der EM selbst gab’s ein 0:1 gegen Kroatien (bei dem mehr möglich war), ein 1:1 gegen Polen (bei dem mehr möglich war) und ein 0:1 gegen die Deutschen (die dabei wiederum nicht zu überzeugen wussten). Es war weder ein wirklicher Erfolg, noch eine echte Blamage.

2009: Kurz-Tripp mit dem Weißen Vater

Nach der EM und Hickersbergers Abgang konnte ÖFB-Präsident Stickler den scheidenden tschechischen Teamchef Karel Brückner überreden, Österreich zu übernehmen. Mit dem „Weißen Vater“ gab es gleich mal ein erfreuliches 2:2 in einem Test gegen Italien und zum Start in die Quali für die WM in Südafrika ein wundervolles 3:1 gegen Frankreich. Alle waren happy. Oder, naja, viele.

Erste Verfallserscheinungen gab’s schon vier Tage später in Litauen. In einer an sich klassischen 0:0-Partie trafen die Litauer zweimal, gewannen 2:0. Ein Spiel, das auch durch die erstaunliche Performance von Stefan Maierhofer berühmt wurde. Das de-facto-Aus kam dann schon beim dritten Spiel, bei dem Österreich auf den Färöern trotz heftigen Winds konsequent auf hohe Bälle setzte und nur 1:1 spielte. Vier Tage später gab’s ein 1:3 daheim gegen Serbien und die Quali war schon wieder gelaufen, bevor es überhaupt Winter geworden war.

In diesen Chaos-Herbst 2008 hinein trat dann auch noch Stickler zurück. Sein Nachfolger Leo Windtner legte Brückner alsbald die Pension nahe und Didi Constantini sollte retten, was noch zu retten war – also in erster Linie Gruppenplatz drei. Constantini eliminierte in einer ersten Amtshandlung Kapitän Ivanschitz und ließ ihn demonstrativ bis zum Ende seiner Amtszeit draußen, dafür gab er Jungspunden wie Dragovic und Pehlivan die Chance. Es gab trotz furchtbarer Leistung ein 2:1 gegen Rumänien und trotz einer sehr guten Leistung ein 0:1 in Serbien. Nach der Sommerpause wurden die Färöer locker 3:1 geschlagen und in Rumänien gab es ein 1:1, mit dem der dritte Platz schon recht sicher schien.

Quali für die WM 2010 in Südafrika
Quali für die WM 2010 in Südafrika

Da Frankreich noch ein Heimspiel gegen die Färöer offen hatte (und das dann auch 5:0 gewann), war Platz zwei schon vor den letzten beiden Spielen außer Reichweite. Gegen Litauen wollte Constantini seine Mannschaft partout nicht als Favorit sehen, und so spielte sie letztlich auch – erst ein Elfer-Geschenk brachte den 2:1-Sieg und damit auch rechnerisch Platz drei. Das weitgehend sinnbefreite letzte Spiel in Frankreich nützte Constantini dazu, noch einmal eine ganz besonders abstruse Aufstellungs-Variante an den Start zu bringen und dazu, David Alaba sein Debüt im Nationalteam zu ermöglichen. Frankreich gewann 3:1, aber das Ergebnis war nicht mal zweitrangig.

2011: Lähmend bis zum Ende

Deutschland in der Gruppe, dazu die aufstrebenden Belgier und die immer ganz guten Türken: Österreich hatte keine leichte Gruppe für die Quali zur EM in Polen und der Ukraine bekommen. Dass man aber schon im ersten Spiel daheim gegen Kasachstan bis zur 91. und 93. Minute braucht, um einen nicht wirklich verdienten 2:0-Sieg einzufahren, hatte dann doch keiner geglaubt. Es war aber ein Omen, wie lähmend die Quali verlaufen sollte und wie offensichtlich die Rückschritte waren, die das Team unter dem grummeligen Constantini machte. Gegen Aserbaidschan ging man früh in Front, kam so zu einem unspektakulären 3:0.

Das folgende Spiel in Belgien sollte zum Sinnbild werden: Eine Mannschaft, in der richtig Talent steckt, und ein Teamchef, der damit nicht wirklich schritthalten kann. Am Ende stand ein 4:4, dem eine große Euphorie folgte, und der Euphorie folgte nach dem Jahreswechsel ein 0:2 zuhause gegen die Belgier. Die Konsequenz war, dass sich das ÖFB-Team auch in Istanbul nichts zutraute und mit einer ähnlich mutlosen Performance ebenso 0:2 verlor, was eigentlich schon dem Ende gleichkam. Das letzte Aufbäumen gab’s daheim gegen Deutschland, wo Österreich die sicherlich beste Leistung unter Constantini zeigte, aber in der Nachspielzeit mit 1:2 verlor.

Spätestens da war klar, dass die Quali-Chancen endgültig dahin waren, aber dennoch konnte sich beim ÖFB niemand zu einer Entscheiung pro oder contra Constantini durchringen. Erst nach dem 2:6 in Deutschland und dem 0:0 gegen die Türkei im September machte man dann doch Nägel mit Köpfen: Constantini war weg.

Quali für die EM 2012 in Polen und der Ukraine
Quali für die EM 2012 in Polen und der Ukraine

Wie schon 2005 übernahm auch diesmal Willi Ruttensteiner für die beiden bedeutungslosen letzten Spielen, und beim 4:1 in Aserbaidschan wirkte die Mannschaft wie von einer schweren Last befreit. Damit war Österreich fix auf Rang vier einzementiert und beim 0:0 in Kasachstan ging’s nur noch darum, sich nicht mehr zu verletzen.

2013: Zurück im Bereich der Quali-Chancen

Mit Marcel Koller übernahm danach ein Trainer das Teamchef-Amt, den keiner auf der Rechnung hatte, der sich aber als Goldgriff erwies. Nach einigen verlorenen Jahren verpasste er der talentierten Truppe nach und nach ein zumeist funktionierendes taktisches Grundkonzept. Außerdem hat der Schweizer das Glück, dass erstmals seit Andreas Herzog ein Spieler dem ÖFB-Team wirklich alleine helfen kann und der zur absoluten Weltklasse aufgestiegen ist: David Alaba.

Beim ersten Pflichtspiel unter Koller, dem Auftakt zur Quali für die WM in Brasilien, zeigte Österreich eine der besten Leistungen überhaupt jemals und brachte ein zuweilen ziemlich hilfloses Deutschland zur Verzweiflung. Das typisch österreichische daran: Deutschland gewann dennoch mit 2:1. Das einzige, wenn man so will, Bogey der Qualifikation passierte danach beim 0:0 in Kasachstan, Punkte, die auch beim 4:0 über die Kasachen vier Tage danach nicht auf das Konto zurückzuholen waren, genausowenig wie durch das 6:0-Schützenfest gegen die Färöer nach dem Jahreswechsel.

Alaba hatte schon gegen Kasachstan und die Färöer getroffen, wirklich wichtig war aber erst sein später Ausgleich zum 2:2-Endstand beim Spiel in Irland. Damit blieb Österreich halbwegs im Fahrplan, und beim wichtigen 2:1-Heimsieg gegen Schweden war Alaba natürlich auch wieder voll dabei – er verwandelte den Elfer zur Führung. Beim 0:3 in Deutschland war Österreich chancenlos, umso wichtiger war danach das Heimspiel gegen Irland. Ein Krampfspiel, nicht schön anzusehen, keine gute Leistung von beiden Teams. Und wer sorgte kurz vor Schluss für die Entscheidung? Eh klar, Alaba. Österreich gewann 1:0.

Quali für die WM 2014 in Brasilien
Quali für die WM 2014 in Brasilien

Und hier sind wir nun. Gewinnt Schweden am vorletzten Spieltag gegen Österreich, ist das Trekronor-Team fix zumindest Zweiter. Geht es Remis aus, reicht den Schweden ein Punkt gegen Deutschland am letzten Spieltag. Und gewinnt Österreich, hat das ÖFB-Team alle Trümpfe in der Hand – einen Sieg zum Abschluss auf den Färöer-Inseln bräuchte es dann noch, um sicher zu sein.

Unabhängig davon, ob es klappt oder nicht: Österreich ist erstmals seit zwölf Jahren vor den letzten beiden Spielen wieder voll dabei im Kampf um die Endrunden-Tickets. Das alleine ist schon aller Ehren wert.

(phe)

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Von „Irreregulär“ bis heute: Österreichs Turnaround innerhalb von neun Jahren https://ballverliebt.eu/2013/06/11/von-irreregular-bis-heute-osterreichs-turnaround-innerhalb-von-neun-jahren/ https://ballverliebt.eu/2013/06/11/von-irreregular-bis-heute-osterreichs-turnaround-innerhalb-von-neun-jahren/#comments Tue, 11 Jun 2013 13:26:01 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=8843 Von „Irreregulär“ bis heute: Österreichs Turnaround innerhalb von neun Jahren weiterlesen ]]> Bei den zehn Aufstellungen, die im Artikel „77 – Die Trainer seit Lederer“ vom einem Bundesliga-Spieltag im November 2004 gepostet wurden, fiel auf: Damals war fast jeder zweite Spieler in der Bundesliga kein Österreicher. Das war damals, wenn man so will, die „dunkle Ära“ in Österreichs Fußball: Massenhaft zumeist sinnlose Legionäre in der Liga, dafür praktisch keine nennenswerten Österreicher im Ausland. Das Nationalteam befand sich, mangels verfügbarer Qualität, im freien Fall.

Nun, 2013, ist der Ausländer-Anteil von gut der Hälfte auf rund ein Viertel gesunken, es gibt so viele Österreicher in anderen Ligen wie noch nie, das Nationalteam ist massiv im Aufschwung. Viel ist seither passiert. Eine Analyse – mit dem 3:3 im „Irreregulär“-Match in Nordirland als Ausgangspunkt.

2004: Die Lage war fatal

Nordirland - Österreich 3:3 (1:1)
Nordirland – Österreich 3:3 (1:1)

Manninger hatte zuvor eine komplette Saison kein einziges Spiel für Bologna gemacht und hatte gerade vier Einsätze für Siena in den Beinen. Schopp war in dieser Saison für Brescia noch gar nicht im Einsatz gewesen, in der vorangegangenen Saison war er immer wieder mal eingewechselt worden – von Stammkraft kann aber keine Rede sein. Alle anderen schmorten im eigenen Liga-Saft: Feldhofer und Hiden bei Rapid, Vastic und Kiesenebner bei der Austria, Kirchler und Mayrleb bei Pasching, dazu kamen noch Pogatetz (GAK), Kühbauer vom sportlich schwer kriselnden Mattersburg und Andi Ibertsberger vom sportlich nicht besonders guten Salzburg.

Martin Stranzl (24), damals bei Stuttgart, verletzte sich beim Aufwärmen; Kapitän Ivanschitz (21, Rapid) konnte wegen einer Oberschenkel-Blessur erst nach einer Stunde ran. Eingewechselt wurden dann noch Kollmann (28) und Sick (25) vom GAK. Ehmann (29, GAK), Aufhauser (28, GAK) und Haas (30, Sturm) fehlten verletzt.

Und welche Legionäre hätte Krankl nehmen sollen? Wallner, der bei Hannover mehr durch Exzesse als durch Tore auffiel? Zeljko Radovic von Bielefeld? Roland Linz, der für Nizza genau gar kein Tor geschossen hat? Viele Auslands-Alternativen hatte er nicht. Rolf Landerl spielte beim portugiesischen Abstiegskandidaten Penafiel, Günther Friesenbichler (Egaleo) und Volkan Kahraman (Xanthi) in Griechenland, Muhammet Akadündüz (Konya) und Ümit Erbay (Malatya) in der Türkei, der vor Löw geflüchteten Paul Scharner (Bergen) in Norwegen – wir erinnern uns, er hatte sich bei der Austria unter Jogi Löw geweigert, auf eine bestimmte Position eingewechselt zu werden -, dazu Thomas Mandl (Basel) und René Schicker (St. Gallen) in der Schweiz. Dann gab’s noch Alen Orman (Hibs) in Schottland und Thomas Prager in der Nachwuchs-Abteilung von Heerenveen.

Außerdem fällt auf, dass das Team damals gnadenlos überaltert war (Vastic 35, Kirchler 34, Kühbauer 33, Mayrleb 32, Hiden 31, Schopp 30). Mit Pogatetz (21) und Ibertsberger (22, Team-Debüt) gab es nur zwei Junge in der Aufstellung, dazu Feldhofer, den man damals mit seinen 24 immer noch als Talent bezeichnete. Das Durchschnitts-Alter der Truppe beim „irreregulären“ 3:3 in Belfast war 28,5 Jahre.

Eine steinalte Mannschaft, kaum ein Mittelbau, praktisch keine in absehbarer Zeit teamreifen Talente, und Hans Krankl als Teamchef. Um die EAV zu zitieren: „Mit einem Wort, die Lage ist fatal.“

Entwicklung in der Fünf-Jahres-Wertung
Entwicklung in der Fünf-Jahres-Wertung

Was sich eben auch auf Klub-Ebene abzeichnete. Sturm war nach den starken Auftritten in der Champions League in schweren finanziellen Nöten, dazu waren die damals gesammelten Punkte kurz davor, aus der Wertung im Fünf-Jahres-Ranking der UEFA zu fallen. Das starke internationale Jahr der Austria (Uefa-Cup-Viertelfinale) und des GAK (Uefa-Cup-Sechzehntelfinale) schönten die Bilanz zwar, aber der Trend ging eindeutig nach unten. Erst zweieinhalb Jahre später war mit Platz 22 der Tiefpunkt erreicht – und da waren die Punkte des Austria-Viertelfinals sogar noch in der Wertung.

Die Folge: Österreich hatte nur noch drei EC-Plätze – Meister, Vizemeister und Cupsieger. Weil es 07/08 keinen Cup gab, rückte der Liga-Dritte nach. Im Sommer ’08 gab’s nur deshalb vier Teams im Europacup, weil sich Sturm zusätzlich durch den UI-Cup kämpfte.

Entwicklungen brauchen Zeit

In der Saison 2004/05 betrug der Österreicher-Anteil in der heimischen Bundesliga also nur noch knapp über 50 Prozent. Daher, und mit Blick auf die 2008 anstehende Heim-EM, wurde der Österreicher-Topf eingeführt. Parallel dazu wurden Nachwuchs-Projekte in die Wege geleitet (Stichwort „Challenge 08“) und vermehrtes Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit in den Akademien gelegt. Vorbild war die Stronach-Akademie in Hollabrunn: In den folgenden Jahren sollte sie die Bundesliga mit jungen Spielern überschwemmen. Dabei geholfen hat sicher auch, dass die Austria Amateure in die 2. Liga aufsteigen durften (wie es später auch die Salzburg Juniors schafften) und die Jung-Kicker sich so an den Erwachsenen-Fußball herantasten konnten.

Der Legionärs-Tiefpunkt wurde in der Saison 2005/06 erreicht – nur 13 Österreicher spielten in der höchsten Liga eines anderen Landes, und das waren kaum Kracher. Pogatetz (Middlesbrough), Stranzl (Stuttgart), Macho (Lautern), Lexa und Weissenberger (Frankfurt), Prager (Heerenveen), Dag (Gaziantep), Scharner (Bergen), Tesevic (Livingston), Orman (Thun) und Oraze (Honved), dazu Haas in Japan und Kitzbichler in Australien.

Entwicklung im Elo-Ranking
Entwicklung im Elo-Ranking

Das hatte Auswirkungen auch auf das Nationalteam. Nachdem die „Generation Frankreich“ nach dem Kegelabend von Valencia vorbei war, wurde deutlich, dass nichts nachkam. Unter Baric wurde in einer unglaublich schwachen Gruppe Platz zwei und das Play-Off für 2002 gerettet (0:1 und 0:5 gegen die Türkei). Krankl litt wohl am massivsten unter der fehlenden vorhandenen Qualität; Hickersberger experimentierte viel und bekam auch daher resultatsmäßig ordentlich auf’s Haupt.

Die für die Heim-EM gesetzten Maßnahmen griffen, aber sie griffen naturgemäß langsam. Es dauert nun mal, bis junge Spieler ins Profi-Alter kommen. Brückner wäre der erste gewesen, der von der deutlich angewachsenen Breite profitieren hätte können, aber ihm fehlte es an guter Gesundheit, der Motivation und auch am öffentlichen Rückhalt.

Constantini brachte von Alaba über Pehlivan und Jantscher bis Dragovic viele Produkte der guten allgemeinen Nachwuchs-Arbeit ins Team, ihm fehlte aber das taktische Rüstzeug, um das umzumünzen – unter ihm wurde mit Platz 74 der historische Tiefpunkt im Elo-Ranking, der echten Weltrangliste, erreicht. Marcel Koller schafft das nun endlich in vernünftigem Maß.

2013: Anschluss hergestellt

Nach dem sehr erfreulichen 2:1 über Schweden ist die Chance auf die erste Play-Off-Teilnahme seit zwölf Jahren (und damals eben in einer Gruppe mit Israel, dem damals irrelevanten Bosnien und Liechtenstein; hinter Spanien) intakt und die Anzahl der Legionäre ist explodiert. 14 Österreicher bekamen Einsätze in der deutschen Bundesliga (Alaba, Fuchs, Stranzl, Harnik, Holzhauser, Baumgartlinger, Ivanschitz, Arnautovic, Junuzovic, Prödl, Hoffer und Almer, dazu Scharner und Pogatetz), drei in England (Weimann, Scharner und Pogatetz), Garics ist Stammkraft bei Bologna, Dragovic wird nach einer herausragenden Saison nicht mehr lange in Basel sein. Dazu gibt’s sechs Österreicher in der Türkei, einige in der 2. Liga in Deutschland, und nicht zu vergessen – auch wenn schon alleine wegen der Distanz wohl kein Thema für’s Team ist – Michael Gspurning, den statistisch besten Torhüter der MLS bei Seattle.

Der Anteil an einheimischen Spielern in der Bundesliga ist seit 2004 von knapp über 50 Prozent auf fast 75 % angestiegen. Weil viel mehr Junge nachkommen als noch vor neun Jahren, und weil es für den Einsatz von Österreichern einen finanziellen Anreiz gibt (Österreicher-Topf). Die Anzahl an sinnlosen Legionären – der damalige Austria-Coach Christoph Daum machte den Begriff der „Kellner vom Plattensee“ zum geflügelten Wort – sank dramatisch an. Durch die Regulative des Österreicher-Topfes achten die Vereine darauf, möglichst nur noch Legionäre einzusetzen, die tatsächlich einen sportlichen Mehrwert bringen. Die Vereine erkannten, dass sie sportlich im Vergleich zu den anderen Klubs nichts an Konkurrenzfähigkeit einbüßten. Es profitieren davon alle.

Nur halt die Kellner vom Plattensee nicht. Für die Liga macht das im internationalen Vergleich kaum einen Unterschied – sie pendelt derzeit ebenso zwischen Platz 15 und 18 wie damals. Und das Nationalteam hat einen extremen Boost bekommen.

Zumindest im österreichischen Fußball war also früher, also um 2004 herum, definitiv NICHT alles besser. Ganz im Gegenteil.

(phe)

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Football Manager 08 – Einfach köstlich https://ballverliebt.eu/2008/04/29/football-manger-08-einfach-koestlich/ https://ballverliebt.eu/2008/04/29/football-manger-08-einfach-koestlich/#comments Tue, 29 Apr 2008 11:57:38 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=142 Football Manager 08 – Einfach köstlich weiterlesen ]]> Ich war in den letzten Tagen dabei ein wenig den Football Manager 08 von SEGA auszuprobieren. Nachdem ich den ersten Schock der Unübersichtlichkeit überwunden hatte, kam ich schön langsam ins Spiel und bemerkte, dass er doch gar nicht so kompliziert ist. Inzwischen ist fast eine ganze Saison vergangen.

Toll an dem grundsätzlich eher halblustigen Manager ist die „Persönlichkeits-Realität“. Dank dieser durfte ich mich nämlich herzlich amüsieren: Es gibt alle möglichen (mehr oder weniger) wichtigen Personen, auch die des österreichischen Fußballs – angefangen bei Andreas Heraf über Werner Kuhn zu G.Trapattoni.

Und nun trug es sich folgendermaßen zu: Ich beobachtete natürlich neben dem Managen des eigenen Klubs die Ö-Bundesliga. Und was sehe ich da? Rapid Wien ging als Tabellen-Neunter in die Winterpause. Pacults-Trainerstuhl wackelte schon die gesamte Saison über wie kein Zweiter und schließlich wurde PP auch gefeuert.

Spannend durfte ich also beobachten: Wer wird wohl Pacult als Rapid Trainer nachfolgen? Naaaaaaaaaa? Ganz klar, gibt ja eh nur einen: Der silberhaarige Motivationsmagier kommt einhergeritten und soll bei Rapid den Stall ausmisten. Hans Krankl folgte Peter Pacult nach.

Eine Winterpause und zwei Spiele später ist Rapid dann – oh Wunder – ganz am Tabellenende. Krankl darf wieder in die Welt hinausreiten und Österreich-Kolumnen schreiben. Das nenne ich mal einen netten Realismus. Einfach genial.

Der Kader von Rapid ist übrigens, bis auf Maierhofer, ganz genau der Kader mit dem die Hütteldorfer in Wirklichkeit Meister geworden sind..

Jedenfalls hab ich mich köstlich amüsiert. Pacult versagt und Krankl kommt eingeritten um gleich wieder gefeuert zu werden. Ich bin gespannt, wer als nächster Trainer kommt. Und ob Rapid tatsächlich absteigt, der Rückstand auf Altach beträgt bereits 4 Punkte. Wacker ist übrigens zweiter und Austria Kärnten ist nach langer Zeit an der Tabellenspitze nur noch fünfter.

Noch ein Detail am Rande: Trapattonis Trainerstuhl ist auch ständig am Wackeln und die gleichen Spieler wie auch in Wirklichkeit sind ständig grantig, dass sie nicht zum Einsatz kommen.

Der Persönlichkeitsrealismus passt also (fast – D. Constantini ist Dauertrainer), nur die Tabellenstände sind etwas unpassend. FC Barcelona ist in Spanien nur knapp über einem Abstiegsplatz. Im gesamten ist der Manager übrigens relativ langweilig – wenn nicht gerade so geniale Personlrochaden statt finden.

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