International hintennach, in der Bundesliga schwach gestartet – aber der amtierende deutsche Meister Borussia Dortmund hat sich zuletzt deutlich stabilisiert. So war das Spiel bei den bislang überragenden Bayern tatsächlich nicht nur das Duell der zwei großen Titelkandidaten der deutschen Bundesliga – sondern auch das des Tabellenersten gegen den Zweiten. Wobei die Bayern einen personellen Nachteil hatten: Mit Schweinsteiger (verletzt) und Tymoschuk (gesperrt) fehlten beide etatmäßigen Männer im defensiven Mittelfeld. Und das merkte man.
Abstecken der Claims
In den ersten zehn Minuten machten gleich beide Mannschaften deutlich, was ihre Intention war: Die Bayern gingen vor allem mit Müller und Gomez konsequent sogar den Dortmunder Torhüter Weidenfeller an, sodass dieser keine Gelegenheit hatte, eine geregelte Spieleröffnung zu versuchen; die Dortmunder pressten ab etwa 10 Metern in der gegnerischen Hälfte ebenso konsequent auf die Innenverteidiger der Bayern – sodass diese ebenso wenig zum Aufbau beitragen konnten.
Die Dortmunder verlegten sich danach allerdings schnell auf das Reagieren und darauf, im Mittelfeld so kompakt wie möglich zu stehen und es den Bayern zu verunmöglichen, das Spiel nach vorne zu tragen. Das schaffte der BVB vor allem dadurch, dass man durch enorme Laufarbeit das Zentrum unter Kontrolle brachte – und weil die Bayern einen Fehler beim 1:3 im Frühjahr wiederholten: Die zu hohe Rolle von Thomas Müller in der Zentrale.
Müller zu hoch
Dortmund schaffte es dadurch, das Spiel der Bayern in deren Hälfte festzusetzen: Die Viererkette hinten und die beiden defensiven Mittelfeldspieler, Luiz Gustavo auf der Sechs und Toni Kroos auf der Acht, waren nicht in der Lage, aus dem Zentrum heraus für Akzente im Spiel zu sorgen. Müller, der auf der linken Flanke eine tolle Saison spielt, fühlte sich im Zentrum sichtlich unwohl – wegen der Rückkehr des zuletzt verletzten Robben war er aber zur der zentralen Rollen gezwungen.
Und Kroos, der auf der Zehn ebenso eine herausragende Saison absolviert hatte, bekam auf der Acht von Dortmund praktisch nie Zeit und Platz – vor allem Kagawa, der so eine irrsinnige Defensiv-Arbeit leistete, stand ihm immer wieder auf den Füßen, zudem machten Kehl und der extrem lauffreudige Sven Bender Kroos immer wieder die Räume eng. So kam dieser nicht zur Geltung, und wenn er doch einmal Raum bekam, verpasste er das Abspiel oder den Abschluss zur rechten Zeit.
Keine Akzente durch Kroos
Wie diese Grafik zeit, hatte Kroos zwar viele Ballkontakte, war aber mangels Optionen im Spiel nach vorne zu vielen Querpässen gezwungen. Es gab nur eine Handvoll erfolgreicher Pässe nach vorne – Dortmund hatte das Geschehen im Griff.
Und zwar auch deshalb, weil mit Schmelzer und Piszczek die beiden Außen-Verteidiger sich, anders als es bei der Borussia sonst Usus ist, im Spiel nach vorne ziemlich zurück hielten und sich vornehmlich darauf verlegte, Ribéry und Robben möglichst aus dem Spiel zu nehmen. Zudem setzte Schmelzer seinen Körper gegen Robben sehr intensiv ein, womit der Holländer überhaupt nicht zurecht kam.
Was auch deshalb gelang, weil die beiden, wenn sie denn Ball mal hatten – vor allem Ribéry ging viel nach hinten, um sich die Kugel dort zu holen – mit der Hilfe von Götze und Großkreutz, oft auch mit Kehl und Bender, gedoppelt wurden und sich nie wirklich entfalten konnten. Und für Lahm und Rafinha war dann auch noch immer ein Gegenspieler übrig.
Kehl agierte konkreter
Anders als Kroos, der den Ball zwar viel hatte, aber wenig damit machen konnte, legte mit Sebastian Kehl sein Gegenüber auf der Achter-Position das Spiel an. Er lief viel, machte Räume eng, presste und doppelte Gegenspieler, hatte aber den Ball selbst nicht annähernd so häufig wie Kroos. Doch wenn er ihn einmal hatte, versuchte der Routinier sofort, das Spiel schnell zu machen und nach vorne zu bringen.
Das deutlich konkretere Spiel von Kehl mit dem Ball verdeutlicht die Ausrichtung im Spiel von Dortmund: Die Bayern weit vom eigenen Tor weghalten und nach Ballgewinn schnell Umschalten. Durch diese ständig lauernde Gefahr des Gegenstoßes nach einem Ballverlust in der Bewegung nach vorne minimierte sich das Risiko, das die Bayern zu nehmen bereit waren, immer mehr. So spielten die Gastgeber im Zweifel immer den sicheren Quer- oder Rückpass, vermieden jeden Pass nach vorne, der auch nur annähernd Gefahr ausstrahlte und bekamen somit natürlich überhaupt keinen Zugriff auf die Hälfte der Gäste, vom Strafraum ganz zu schweigen.
Hier spiegelte sich auch die generelle Ausgangslage im Spiel wider: Es ist noch die erste Saisonhälfte, es geht noch lange nicht um Alles oder Nichts und im Endeffekt wären die Bayern auch mit einem torlosen Remis alles andere als todunglücklich gewesen. Die Vorsicht dominierte bei den Münchnern.
Götzes Tor bringt neue Impulse
Gerade als ein nicht uninteressantes, aber auf jeden Fall unspektakuläres Spitzenduell immer mehr seinem beinahe logischen 0:0 entgegen ging, erzielte Mario Götze das 1:0 für Dortmund, bei dem der diesmal nicht immer ganz sattelfest Jerome Boateng etwas die Übersicht verloren hatte.
Was hieß, dass die Bayern deutlich mehr Riskiko im Spiel nach vorne nehmen mussten und die auf Ballsicherung basierende Spielweise zugunsten eines direkteren Zugangs aufgeben musste. Dortmund reagierte auf die Führung, ähnlich wie beim überragenden 3:1 im Februar, mit dem Anziehen der Daumenschraube: Der BVB orientierte sich deutlich höher, attackierte noch früher und konnte sich sogar in der gegnerischen Hälfte festsetzen. Von erhöhter Torgefahr vor dem Dortmunder Tor konnte keine Rede sein.
Heynckes stellt um
Jupp Heynckes sah natürlich, dass sich ohne Impulse von seiner Seite am Spiel der Bayern nichts ändern würde und reagiert: Erst brachte er Alaba (statt Robben für die rechte Seite) und Olic (als zweiten Stürmer statt des ganz schwachen Müller), stellte somit auf ein 4-4-2. Das ergab zwei Probleme: Erstens standen sich Olic und Gomez vorne auf den Füßen, der Abstand zwischen den beiden war viel zu klein. Und zweitens fehlte die Offensivzentrale nun komplett und Dortmund hatte im Zentrum zusätzlich zur besseren Laufarbeit nun auch eine 3-gegen-2-Überzahl. Diese wurde natürlich ausgespielt und der BVB sah im Spiel nach vorne deutlich besser aus, ein 2:0 schien näher als ein Ausgleich.
Woraufhin Heynckes auch Rechtsverteidiger Rafinha aus dem Spiel nahm und mit Petersen noch einen dritten echten Stürmer brachte. Mit der Ordnung im Spiel der Bayern war es nun endgültig dahin: Alaba hatte die komplette rechte Seite über, mit Moritz Leitner brachte Klopp im Gegenzug einen frischen Mann für die defensive Mittelfeld-Zentrale. Mehr als die Brechstange – lange Bälle nach vorne und hoffen, dass die drei Stürmer was daraus machen – kam nicht mehr.
Fazit: Der Dortmunder Matchplan ging voll auf
Natürlich hat den Bayern die Energie eines Bastian Schweinsteiger in Bestform absolut gefehlt, keine Frage. Aus dem Mittelfeld kamen ohne den verletzten Taktgeber nicht die nötigen Impulse, um die ungewohnt tief stehenden Dortmunder auszumanövrieren.
Die mit ihrer fleißigen Laufarbeit und ihrem guten Pressing für die Defensive extrem gut arbeitende offensive Dreierreihe des amtierenden Meisters aus Dortmund verunmöglichte es den Bayern, von hinten heraus das Spiel zu lenken. Ein zu hoch stehender Müller war isoliert, Robben wurde vom ungemütlichen Schmelzer neutralisiert und auch Ribéry kam gegen das ständige Doppeln kaum zum Zug. So fehlte es Kroos an den Optionen, um seine Mannschaft vor das gegnerische Tor zu bringen.
Das Vorhaben von Klopp, „die Bayern auf unser Niveau herunterzuziehen“, spricht nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, klappte hervorragend und beweist, dass der BVB auch im Reagieren auf einen starken Gegner eine Partie gut bestreiten und sogar gewinnen kann. Das wird für die verbleibenden Spiele in der Champions League sicherlich Auftrieb geben und auch in der Bundesliga ist man nach dem holprigen Start, wo man noch auf der Suche nach einer passenden Adjustierung nach dem Abgang von Nuri Sahin war, bereits wieder auf zwei Punkte an den Bayern dran.
Natürlich: Angesichts der Pattstellung, die bis zum Tor herrschte, wäre ein 0:0 genauso ein passendes Resultat gewesen. Beschweren dürfen sich die Bayern über die Niederlage aber nicht: Über 90 Minuten kam nie die zündende Idee. Ausfälle von Schweinsteiger und Tymoschuk können also nicht einmal die in der bisherigen Saison so bärenstarken Bayern kompensieren.
(phe)
]]>Eine breite Brust sieht anders aus… sowohl Arsenal (2:8 gegen Manchester United vor der Länderspielpause) als auch Dortmund (1:2 daheim gegen Hertha BSC) starten nicht gerade mit überbordendem Selbstvertrauen in die Champions League. Was man beim direkten Duell durchaus sah: Weder die Gunners noch der BVB spielten wirklich ihr gewohntes Spiel.
Gunners abwartend
Arsenal sah nicht nur personell gegenüber der letzten Saison deutlich verändert aus, sondern auch die Formation an sich hat sich verändert. Vor allem die Rolle von Yossi Benayoun sorgt für einen neuen Look, denn er agierte ganz und gar nicht als Zehner. Nein, er zog sich vornehmlich auf die halbrechte Position zurück und formte gemeinsam mit Song (zentral) und Arteta (im linken Halbfeld) zumeist eine Dreierkette aus defensiven Mittelfeldspielern. Im Ballbesitz orientierte sich Benyaoun ins offensive Zentrum.
Diese Formation hatte zur Folge, dass es keine wirkliche Anspielstation für die Spieleröffnung gab. Mit Walcott und (vor allem) Gervinho rückten die Außenstürmer deutlich ein, aber auch dort waren sie bei der Dortmunder Defensive recht gut aufgehoben. So blieb das Angriffsspiel der Gunners zumeist relativ früh hängen.
Dortmund mit Handbremse
Bei Dortmund war auffällig, dass das teils brutale und atemberaubende Pressing, mit dem man in der letzten Saison so grandiosen Erfolg hatte, nur sehr schaumgebremst zum Einsatz kam. Es wurde zwar sehr wohl darauf geachtet, dem ballführenden Gegner nicht allzu viel Zeit zu gewähren, aber den Eindruck einer etwas angezogenen Handbremse machte das schon.
Die besseren Chancen in der Anfangsphase hatten die Dortmunder, weil sie die oft weit aufgerückte Viererkette von Arsenal mit schnellen Lochpässen an der Abseitsfalle vorbei austrickste und zwei-, dreimal den Raum dahinter mit Tempo auszunützen versuchte; doch letztlich fehlte die Präzision, das auch in Tore umzumünzen, ehe Arsenal tiefer stand und das Problem so abstellte.
Was bei Dortmund in den ersten Saisonspielen fehlte, war der Punch aus dem Mittelfeld, seitdem Nuri Sahin nicht mehr da ist. Ilkay Gündogan konnte dafür nicht sorgen, und Sebastian Kehl ist, obwohl Kapitän, auch nicht derjenige, der das mit hohem Tempo geplante Spiel der Dortmunder von hinten heraus lenken kann – vor allem dann nicht, wenn ihm der Gegner (der um diese über den Sommer entstandene Schwäche natürlich weiß) drei defensive Mittelfeldspieler zwischen sich und die Angriffsspieler stellt.
Individueller Fehler führt zum Tor
So verging die erste Hälfte ohne allzu viele wirkliche Höhepunkte und wenigen konkreten Aktionen, und es war beinahe logisch, dass es einen individuellen Fehler brauchte, um einer Mannschaft einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Kehl lud mit einem leichtsinnigen Querpass Arsenal zum 1:0 ein, Robin van Persie nützte die sich etwas unverhofft bietende Chance cool aus.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst nichts, außer dass bei Dortmund die Innenverteidiger (vor allem Hummels) mit dem Ball weit aufrückten und bis deutlich in die gegnersichen Hälfte hinein gingen, um etwas mehr Manpower gegen die weiterhin eher abwartende Mannschaft von Arsenal zu bringen. Wirklich Bewegung kam aber erst in der 70. Minute in das Spiel.
Klopp reagiert richtig
BVB-Trainer Klopp brachte Blaszczykowski (rechts) und Perisic (links) neu für die Außenbahnen für die beiden schwächsten Dortmunder an diesem Tag, also Kehl und Großkreutz. Götze ging dafür ins Zentrum und gab den Achter, wie er das zuletzt auch in der Nationalmannschaft gemacht hat. Eine Umstellung, die wirkte: Denn mit dem spielintelligen Götze im Zentrum und frischem Wind auf beiden Flügeln gelang es nun deutlich besser, Arsenal zu kontrollieren und nach hinten zu drücken.
Pat Rice, der an der Seitenlinie Arsene Wenger ersetzte, reagierte kaum fünf Minuten später seinerseits, indem er vom 4-3-3 mit drei defensiven im Mittelfeld auf ein 4-2-3-1 umstellte: Frimpong (für Walcott) gab den zweiten Sechser neben Song, dafür rückte Arteta auf (gegen Götze), Benayoun auf die linke Seite (gegen Blaszszykowski) und Gervinho auf die rechte (gegen Perisic). Damit sollten die drei kreativen Spieler, die immer besser ins Spiel kamen, weiter hinten festgezurrt werden.
Starke Schlussphase des BVB
Was aber nur mit Blaszczykowski gelang. Perisic machte auf seiner Flanke so ziemlich, was er wollte – wehalb Rice kurz darauf zur nächsten Umstellung gezwungen war. Er nahm Gervinho, der Perisic defensiv nichts entgegen zu setzen hatte, vom Feld und brachte André Santos vor links hinten, womit Gibbs nun den RV und Sagna den RM gab, um Perisic zu kontrollieren, Arsenal igelte sich mit einem 4-1-4-1 hinten ein.
Auch, wenn bei Dortmund die letzten Ergebnisse nicht passten und Sahin schon abgeht, der BVB ist immer noch eine wahnsinnig gut aufeinander abgestimmte Mannschaft. Die Lauf- und die Passwege unter Druck stimmen und so war der Gastgeber in den letzten 20 Minuten die klar dominierende Mannschaft und hatte auch einige gute Chancen auf einen hochverdienten Ausgleich – es war dann ein Prachtschuss von Perisic aus 20 Metern ins Kreuzeck, der das 1:1 für den deutschen Meister sicherte.
Fazit: Eingespieltheit rettet Dortmund
Abwartend, eher vorsichtig, mit drei defensiven Mittelfeldspielern – ist das der neue Look von Arsenal oder war es nur eine Reaktion auf die nach dem Sahin-Abgang etwas geänderte Spielanlage von Dortmund aus der Zentrale heraus? So oder so: Was gegen einen etwas verunsicherten Gegner eine Stunde lang gut funktioniert hat, krankte gegen eine immer stärker werdende Mannschaft aus Dortmund am Link zu den Offensivspielern.
Dortmund kämpfte sich regelrecht in die Partie rein, was nicht nur mit dem Rückstand zusammen hängt, sondern wohl auch damit, dass der BVB spätestens nach einer Stunde gemerkt hat, dass Arsenal die knappe Führung über die Zeit schaukeln will und nicht wirklich daran interessiert war, selbst groß die Initiative zu ergreifen. Hier kam dem deutschen Meister die Tatsache massiv entgegen, dass in der Startformation kein einziger (!) Neuzugang stand (mit Perisic war es am Ende auch nur einer).
Was hieß: Die Mannschaft zeigte sich hervorragend aufeinander abgestimmt, während bei Arsenal mit vier Neuen (darunter drei, die erst am letzten Drücker gekommen sind) in der Schlussphase jene Kompaktheit gefehlt hat, die zu Beginn gegen einen ebenfalls eher abwartenden Gegner noch gepasst hat.
Der Punkt für Dortmund ist verdient – mindestens.
(phe)
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