Dass die Ticos den leichten Weg ins Viertelfinale nahmen, kann man ja nicht behaupten. In der Vorrunde wurde Italien besiegt, wurde Uruguay besiegt, wurde auch gegen England nicht verloren. Am Meisten musste man im Achtelfinale gegen Griechenland zittern, als man über eine Dreiviertelstunde in Unterzahl agieren musste.
Spektakulär und aufregend war das bei den Ticos natürlich nicht, aber es funktionierte. Gegen den Ball agierte man in einem 5-4-1, im Ballbesitz wurde schnell ein 3-4-3 daraus, weil die Flügel-Verteidiger aufrückten. Der Clou war die Spielweise im Mittelfeld: Weil mit den vier auf einer Linie agierenden Leuten plus potenziell aufrückenden Außenverteidigern konnte man mit kurzen Pressing-Wegen den ballführenden Gegner zuzweit oder gar zudritt angehen.
War der Ball gewonnen, war der Weg nach vorne nicht besonders kompliziert: Vornehmlich über die Außen wurden Ruiz und Bolaños bedient, vorne bearbeitete Campbell die Kanäle und die Räume zwischen den Reihen, die sich bei offensiv agierenden Gegnern boten.
Damit nützte Teamchef Jorge Luis Pinto den Umstand gut aus, dass gegen seine Mannschaft fast alle Kontrahenten das Spiel selbst in die Hand nahmen, vor allem beim Auftaktspiel gegen Uruguay (das Costa Rica ja 3:1 gewann) war man erbarmungslos darin, einen nicht auf dieses Problemfeld reagierenden Gegner zu bestrafen.
In der Defensive machten die Ticos vor allem das Zentrum zu, mit einer Dreierkette (die sich auf die Abseitsfalle versteht) und mit zwei Sechsern als Absicherung davor. Hier war es vor allem das Team aus Italien, das dagegen überhaupt kein Mittel fand. Hinzu kommt, dass man mit Keylor Navas über einen ausgesprochen guten Torhüter verfügt.
Bei Costa Rica passte alles zusammen: Die wohl beste Spielergeneration in der Geschichte des Landes, ein Team im richtigen Alter, in dem die Mischung aus Routine und jugendlichem Übermut stimmt; ein Trainer, das das zu nützen versteht und auch ein wenig Spielglück, wie im Achtelfinale gegen Griechenland und auch im Viertelfinale gegen die Holländer, die ja auf dem Weg ins Elfmeterschießen zweimal das Torgestänge getroffen haben.
In der Concacaf-Gruppe wird Costa Rica auf absehbare Zeit die Nummer drei bleiben (wie man das in den letzten zehn, zwanzig Jahren zumeist ja auch war). Für einen langfristigen Angriff auf Mexiko und die USA fehlen aber wohl die personellen Ressourcen.
Dass dies die beste Generation der US-Fußball-Geschichte ist, könnte man nicht behaupten. Sicher, deutlich besser als die College-Greenhorns 1990 oder das üble Kick-&-Rush-Team, das mit mächtig Dusel die Vorrunde bei der Heim-WM 1994 überstanden hat. Der Glanz, den im Idealfall ein Landon Donovan verbreiten konnte, fehlte dieser überwiegend bieder besetzten Mannschaft. Was sie aber auf ihrer Seite hatte: Den absoluten Willen.
Jürgen Klinsmann hat es verstanden, aus einem durchschnittlichen Kader eine absolute Einheit zu machen – ähnlich wie 2006 auf höherem Niveau bei Deutschland. Man klammerte sich mit allem, was man hatte, am frühen Vorsprung gegen Ghana fest und ließ sich auch vom späten Ausgleich nicht schocken. Man biss sich als an sich klar unterlegene Mannschaft gegen Portugal so sehr in das Spiel fest, dass man es beinahe gewonnen hätte. Und hätte Chris Wondolowski seinen Mörder-Sitzer beim Stand von 0:0 gegen Belgien verwertet, man wäre sogar im Viertelfinale gewesen.
Und das, obwohl man von Goalie Tim Howard und (mit Abstichen) Clint Dempsey niemanden hat, der – wie es so schön heißt – ein Spiel alleine entscheiden könnte. Sechser Kyle Beckerman, der mit der filzigen Hippe-Matte, hat eine hervorragende Spielübersicht, aber selbst in der MLS geht’s ihm oft mal zu schnell. Jones ist ein verbissener Kämpfer, aber kein Spielgestalter. Bradley ist ein guter Spieleröffner, aber kein Spielmacher.
Und doch hat das Team als Kollektiv überzeugt, sodass es erstmals zum zweiten Mal in Folge gelang, die Vorrunde zu überstehen – und das in einer von der Grund-Qualität echt guten Gruppe, in der man am Papier selbst die deutlich schwächste Mannschaft war. Wie Tony Kornheiser von ESPN richtig sagte: „Team USA is now a Mid-Major“.
Aber obwohl am Ende das gleiche Ergebnis zu Buche steht wie vor vier Jahren – das Achtelfinal-Aus nach Verlängerung – fällt es schwer, bei den USA eine längerfristige, inhaltliche Weiterentwicklung zu erkennen. Davor hat sich Klinsmann bei Deutschland ja gedrückt. Und daran, wie es ihm mit dem US-Team gelingt, wird er sich messen lassen müssen.
Was war das für ein Chaos, in der Qualifikation. Als die Mexikaner phasenweise mehr gefeuerte Teamchefs auf dem Konto hatte als Tore. Erst einiges an US-Schützenhilfe und der eilig einberufene Trainer von Club América, Miguel Herrera – der im Play-Off gegen Neuseeland praktisch seine Klubmannschaft antreten ließ – brachten El Tri wieder in ruhigeres Fahrwasser.
Der eine oder andere Europa-Legionär war nun doch wieder im Kader, und das neue Konzept griff schnell. Statt in einem 4-4-1-1 wie unter Juan Manuel de la Torre (dem letzten mexikanischen Teamchef, der länger im Amt war als ein, zwei Spiele), gibt es bei Herrera zwei Stürmer, zwei potentielle Spielmacher und zwei Flügelspieler, die wegen der Dreierkette hinten hoch aufrücken können. Und wenn alles nichts mehr half – oder wie Brasilien ein richtig starker Gegner da war – rettete hinten Guillermo Ochoa, einer der absoluten Top-Goalies bei dieser Weltmeisterschaft.
Herrera hat in den paar Monaten, in denen er Teamchef war, nicht aus dem Nichts eine Top-Mannschaft geformt, sondern im Endeffekt nur aus einem plötzlichen Loch dorthin zurück gebracht, wo Mexiko seit Jahrzehnten ist. Ein echter Schritt nach vorne ist diese Mannschaft aber nicht. Herrera, so sehr er sich als Rumpelstielzchen benahm und so sehr er wie ein windiger Gebrauchtwagen-Händler aussieht, ist ein Pragmatiker.
Die Dreierkette hinten ist notwendig, weil gerade Rafa Márquez, aber auch Francísco Rodríguez nicht mehr die schnellsten sind. Andererseits eignete sich die enge Staffelung im Fünfer-Mittelfeld hervorragend, um Gegner an der Gestaltung zu hindern, mit dem schnellen Umschalten und zwei Sturmspitzen vorne vor allem gegen Kroatien ein gutes Mittel.
Herrera machte nichts dramatisch neues, aber er fand für das Potenzial seiner Spieler die optimale Formation und die optimale Herangehensweise. So fehlten nur wenige Minuten zu einem Viertelfinale in einem Turnier, vor dem man mit dem Vorrunden-Aus gerechnet hatte. Aber auch für Herrera gilt wie für Klinsmann: Die WM hat er gerettet, aber jetzt ist der nächste Schritt gefragt. Wie seit zwanzig Jahren, bei Mexiko.
Anders als Mexiko qualifizierte sich Honduras direkt für die WM – was aber natürlich nichts daran ändert, dass man mit einigem Abstand die schwächste CONCACAF-Mannschaft bei dieser Endrunde war. So schlecht wie es aussieht – mit drei Niederlagen im Gepäck – stellten sich die Honudraner aber auch wieder nicht an.
Natürlich: Besonders spannend ist die Spielanlage, die Luis Fernando Suárez seinem Team verpasst hat, nicht. Ein flaches 4-4-2 ohne Spielmacher, mit einem Schrank (Costly) und einem etwas geschmeidigeren (Bengston) Stürmer vorne, mit Flanken von außen und noch mehr aus dem Halbfeld, mit gutem Verschieben in Richtung Ballnähe. Aber ohne wirkliche Phantasie im Aufbau, ohne trickreiche Spielzüge und ohne echten Glanz zu verbreiten.
Und natürlich: Mit großem körperlichen Einsatz. Die allzu robuste Gangart bescherte schon in der ersten Halbzeit des ersten Spiels einen berechtigten Platzverweis. Dazu fehlte die individuelle Klasse, um ein etwas besser besetztes, aber nicht viel intelligenter spielendes Team aus Ecuador einen Punkt abzutrotzen und gegen die Schweizer und die Franzosen sowieso – wiewohl auch das 0:3 gegen die Eidgenossen schlimmer aussieht als es war.
Mit der Mischung aus US-Legionären, Spielern aus britischen Mittelklasse-Teams und Leuten aus der heimischen Liga ist die zweite Qualifikation in Folge schon ein enormer Erfolg.
Was nicht heißt, dass eine dritte Teilnahme in Folge eine Überraschung wäre. Weil bis auf Panama in der Concacaf-Zone niemand wirklich nachrückt. Costa Rica ist inhaltlich derzeit sicherlich die beste Truppe des Kontinental-Verbandes, Mexiko hält mit individueller Klasse dagegen und die USA mit purem Willen. Hinter diesen vier, fünf Teams reißt es aber völlig ab. Kanada etwa lief in der Qualifikation in Honduras in eine 1:8-Niederlage.
Das heißt: An der generellen Großwetterlage in Nord- und Mittelamerika wird sich nichts ändern, aber dass es Costa Rica ins Viertelfinale geschafft hat und Mexiko und die USA nicht, wird bei den Großmächten sicher nicht gerne gesehen, zumal der Abstand zwischen diesen beiden und der Weltspitze seit längerem stagniert. Das nicht nicht so schlecht, aber es wird auch nicht wirklich besser.
Und: Dauerzustand ist Costa Rica im Viertelfinale ja sicher auch nicht.
(phe)
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Argentinien – Drei sichere Siege verdienen sich natürlich einen Einser, aber wirklich getestet wurden die Gauchos noch nicht. Die dämliche Performance gegen Griechenland könnte heilsam sein, oder ein Vorzeichen.
Chile – Das wohl aufregendste Team der Vorrunde wäre beinahe an seiner mangelhaften Chancenverwertung gescheitert, zieht aber absolut verdient ins Achtelfinale ein. Und auch wenn dort Schluss sein dürfte, es ist ein erfreulicher Auftitt.
Japan – Viel erwartet haben die Japaner selbst nicht, umso mehr haben sie sich selbst und auch die Beobachter erstaunt. Mit klarer taktischer Ausrichtung und hoher Disziplin geht’s zu Recht ins Achtelfinale.
Neuseeland – Die wahre Sensation dieses Turniers! Die All Whites wären schon zufrieden gewesen, nicht allzu sehr verprügelt zu werden. Und am Ende blieben sie sogar ungeschlagen! Das verdient sich einen Einser mit Sternchen.
Niederlande – Die Holländer haben die besten Voraussetzungen für ein ganz großes Turnier: Drei leichte Siege, ohne annähernd an die Grenzen gehen zu müssen, und absolute Ruhe im und um das Team. Heißer Tipp!
Spanien – Es macht wahre Champions aus, im Krisenfall die absolute Ruhe zu bewahren und sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Der Europameister erholte sich wunderbar vom Schweiz-Schock, kam durch und macht vor allem mental einen absolut stabilen Eindruck.
Uruguay – Zugegeben, das ist kein Party-Fußball. Aber die Urus machten in der Defensive staubtrocken ihren Job und vorne schlagen Forlán und Co. zu, wenn es nötig ist. Da ist noch einiges möglich.
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Brasilien – Ohne Probleme die schwere Gruppe überstanden, aber noch nicht begeisternd: Die Seleção musste noch nicht ihre volles Potential ausschöpfen. Es sah bislang aber schon recht abgebrüht aus.
Deutschland – Die junge Truppe zeigte sich spielstark und behielt vor allem die Nerven, als es zum Alles-oder-Nichts-Spiel kam. Die Pleite gegen die Serben hat man sich selbst zuzuschreiben. Für den ganz großen Wurf wird es aber nicht reichen.
Mexiko – Den Franzosen haben sie eine Lehrstunde erteilt, die Mexikaner, die anderen beiden Spiele waren ebenfalls in Ordnung. Aber das letzte Stück zu einem Topteam fehlt dann doch noch.
Slowenien – Ohne Zweifel, die Ergebnisse waren besser als die Leistung tatsächlich war. Dennoch zeigten die Slowenen, dass ihre Qualifikation kein Zufall war, und fast hätte es ja sogar zum Achtelfinale gereicht.
USA – Für die Amerikaner scheint Südafrika ein guter Boden zu sein. Mit großem Kampfgeist retten sich die US-Boys ins Achtelfinale, und zwar völlig verdient. Und dort muss noch nicht Schluss sein.
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Algerien – kaum eine Mannschaft zeigte sich in der Defensive derart sicher wie die Algerier, allerdings war auch kein eine andere vorne so derart harmlos. Für ihr Potential waren die Resultate aber in Ordnung.
Australien – Die Socceroos haben sich von Spiel zu Spiel gesteigert, und haben vom Auftaktspiel abgesehen nicht enttäuscht. Mehr war in dieser Mannschaft aber nicht mehr drin.
Ghana – Die Black Stars wurden ihrem Ruf als solidestes Team Afrikas gerecht und ziehen als einzige Mannschaft ihres Kontinents eine Runde weiter. Dennoch: Vorne war’s zu harmlos, der Aufstieg ist eher glücklich.
Honduras – Dass die Mittelamerikaner keine Chance haben würden, war klar. Dass sie sich eher unglücklich vor des Gegners Tor anstellen, war ersichtlich. Dass sie sich dennoch für ihr Potential ganz ordentlich dabei waren, kann aber auch nicht geleugnet werden.
Paraguay – Ja, am Ende steht der Gruppensieg. Aber war das bisher wirklich überzeugend? Vom starken Spiel gegen die Slowaken abgesehen, ist Paraguay bis hierhin fraglos noch unter den Möglichkeiten geblieben.
Portugal – Wirklich überzeugend waren Cristiano Ronaldo und Co. ja nur beim 7:0 gegen Nordkorea. Was das Team wirklich kann, wurde aber noch nicht klar. Das Achtelfinale gegen Spanien gibt darüber sicher Aufschluss.
Südafrika – Dem Gastgeber fehlte es schlicht an der Qualität, um die Vorrunde zu überstehen. Ich im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben sie sich ordentlich präsentiert und müssen sich nicht schämen.
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Côte d’Ivoire – Dass sie’s drauf haben, zeigten sie gegen Nordkorea. Aber das Spiel gegen Portugal gingen die Elefanten zu zaghaft an, jenes gegen Brasilien mit allzu viel Einsatz. Da wäre sicherlich mehr möglich gewesen.
Dänemark – Dem guten Spiel gegen Kamerun zum Trotz reicht es verdient nicht. Zu bieder das Auftreten der Mannschaft, zu harmlos nach vorne, und am Ende versagten dem eigentlich routinierten Team auch noch die Nerven.
England – Ein Glück, dass die Slowenen den Ausgleich nicht mehr geschafft haben, denn über ein Ausscheiden hätte sich in England keiner beschweren dürfen. Immerhin haben die Three Lions im entscheidenden Spiel das Resultat erbracht.
Nigeria – Es war schon wesentlich besser als beim haarsträubenden Afrikacup, aber die Super Eagles müssen sich das Aus mehr dummen Fehlern (die Rote gegen Griechenland, die verpassten Chancen gegen Südkorea) als fehlendem Potential zuschreiben.
Nordkorea – die Abwehrleistung gegen die Brasilianer war durchaus beeindruckend, aber danach trat die geheimnisvolle Mannschaft nur noch als Panikorchester auf. WM-Reife? Na, in vier Jahren vielleicht. Diesmal noch nicht.
Schweiz – Trotz des überraschenden (und glücklichen) Sieges gegen Spanien fahren die Eidgenossen zu Recht nach Hause. Ohne jede Kreativität und Esprit versprühten die Schweizer eher Langeweile und Biederkeit.
Serbien – Arbeitsverweigerung im ersten Spiel, schlechte Chancenverwertung im dritten. Das reicht richtigerweise nicht für ein Weiterkommen, dem Sieg gegen die Deutschen zum Trotz.
Slowakei – Der WM-Debütant war der großen Bühne in den ersten zwei Spielen deutlich nicht gewachsen und profitierte im Dritten von der unsagbaren Schwäche des Gegners. Das Achtelfinale ist wohl doch mehr, als diesem Team zusteht.
Südkorea – Dem überzeugenden Auftritt gegen Griechenland folgte nicht mehr viel, die Asiaten schlichen sich eher ins Achtelfinale. Ein schöner Erfolg, aber ob wirklich noch mehr möglich ist?
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Frankreich – Schlimmer kann man sich nicht präsentieren. Kopflos auf dem Platz, chaotisch im Umfeld. Als ob sich der Finalist von vor vier Jahren selbst für die umstrittene Qualifikation bestrafen wollte.
Griechenland – Eigentlich ist die Schande noch größer als vor zwei Jahren. Denn die Griechen zeigten gegen Nigeria, dass sie eine starke Offensive hätten. Leider hatte Rehhagel wohl eine Allergie dagegen und Spaß daran, dass man sein Team hasst.
Italien – Es hat sich ja in den letzten Jahren schon abgezeichnet. Aber dass es so schlimm werden sollte? Dem Titelverteidiger fehlte es kurz gesagt an allem. Hinten löchrig, in der Mitte ideenlos, vorne ein Lüfterl. Mehr hat dieses Team nicht mehr drin.
Kamerun – Den Auftritt der Löwen kann man ohne Umschweife als genauso missraten bezeichnen wie den der Franzosen, denn die Ansammlung von Individuen hat sich zu hundert Prozent selbst aus dem Turnier genommen.
]]>Portugal – Nordkorea 7:0 (1:0)
Da schau her: Die Nordkoreaner zeigten sich gegen die Porugiesen wesentlich frecher als beim 1:2 gegen Brasilien, aus dem 5-3-2 in der Defensive wurde nun über weite Strecken ein 3-5-2, weil die beiden Außenverteitiger Ji und Cha deutlich mehr aufrückten und die Außen der Portugiesen (Cristiano Ronaldo und Simão) schon früh stellen konnten. Vor allem Cristiano Ronaldo (der, anders als gegen die Ivorer, diesmal über die linke Seite kam) war nicht besonders lauffreudig und es wurde schnell deutlich, dass der vor allem langen Bällen auf ihn keinen Schritt entgegen geht – so hatten die aufmerksamen Koreaner wenig Probleme, ihm immer wieder die Bälle zu nehmen, bevor er sie überhaupt hatte.
Zudem hatte man den Eindruck, dass die Portugiesen mit den deutlich mutigeren Koreanern nicht gerechnet hatten, vor allem im Mittelfeld kamen die Favoriten kaum zum Zug, die Außenverteidiger (vor allem Cha rechts) waren ständig nach vorne unterwegs und es gab durchaus die Möglichkeiten, dass die Portugiesen sogar in Rückstand geraten. Diese versuchten zu selten, gegen die Dreierabwehr in den schnellen Vorwärtsbewegung breit zu machen, bevor die Außenverteidiger zurück waren. Doch die Nordkoreaner machten in der Abwehr dann den Fehler, der schon gegen Brasilien zu zwei Gegentoren geführt hat: Halbherziges Stellungsspiel auf der linken Abwehrseite, ein schneller Pass und Meireles stand frei vorm Tor, 1:0. Eine der wenigen gelungenen Aktionen von der Flanke, auf der Simão ansonsten nichts zeigen konnte und .
Nach der Pause machten die Portugiesen vieles besser, was davor nicht zur Zufriedenheit passierte – vor allem das schnelle Spiel über die Außen. Kaum ging Crsitiano Ronaldo mal mit Tempo zur Grundlinie, riss die koreanische Dreierkette auseinander. Dass allerding bei einem Mondball aus dem Mittelfeld selbige auch schon die Orientierung verliert, ist eher erstaunlich – und wieder war es mit Ri Kwang-Chon der linke Innenmann, der den Stellungsfehler beging. Und wieder kam die Aktion zum 2:0 über die recht Seite, die ja zuvor gar nichts zeigte.
Dass Queiroz in der Halbzeit seine Mannschaft ganz offensichtlich darauf aufmerksam machte, „Hallo, wir spielen hier gegen eine Dreierkette – also konsequent ab über die Außen!“, trug früchte. Sowohl beim 3:0 als auf beim 4:0 rissen Coentrão und Cristiano Ronaldo mit beherzten Läufen über die Seite die Dreierkette auseinander, flankten, und der Mann in der Mitte (erst Almeida, dann Thiago) nützten den Platz in der Mitte und sagte „Danke“. Kurz darauf das selbe Spielchen über rechts (wieder über Ronaldo), das hätte schon das 5:0 sein müssen – die Koreaner wussten darauf überhaupt nicht zu reagieren. Darum legten die nun wesentlich sichereren Portugiesen konsequent den Finger in diese Wunde.
Die Koreaner waren nun sichtlich durch mit den Nerven (Ri Kwang-Chon, der schon bei den ersten vier Toren schlecht gestanden war, produzierte den Querschläger, den Liédson zum 5:0 ausnützte), konnten das disziplinierte Spiel wie gegen Brasilien und das mutige der ersten hälte heute nicht mehr aufrecht erhalten. Nur Sturmspitze Jong Tae-Se ließ sich nicht entmutigen, doch sonst ging es für die Nordkoreaner nun nur noch darum, das Ausmaß der sportlichen Katastrophe einzudämmen – was nicht gelang, denn die völlig entnervte Defensive kassierte gegen die nun groß aufspielenden Portugiesen dann noch zwei Treffer. Cristiano Ronaldo durfte seine großartige zweite Hälfte mit dem Ende seiner Torsperre belohnen, beim 6:0 schlief Park Chol-Jin, der rechte Innenverteidiger; und beim 7:0 der sonst so sichere zentrale Mann, Ri Jun-Il.
Fazit: Die Portugiesen enttäuschten vor der Pause gegen freche Koreaner, spielten aber nach der Pause groß auf, weil sie die Schwächen der Asiaten brutal aufdecken konnten. Das höchste WM-Sieg seit dem 8:0 der Deutschen gegen Saudi-Arabien vor acht Jahren hievt Portugal zu 99% ins Achtelfinale. Den Koreanern kann man nur wünschen, dass der „Geliebte Führer“ in der Heimat das Spiel nicht gesehen hat.
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Chile – Schweiz 1:0 (0:0)
Der überraschende Sieg der Schweizer über Spanien bedeutete für Chile: Siegpflicht! Aber die Südamerikaner, die gegen die zwei Schweizer Spitzen mit einer Dreierkette (Medel, Ponce, Isla) verteidigten, kamen gegen die im Mittelfeld sehr aktiven Gegner zu Beginn überhaupt nicht zurecht. Die Eidgenossen waren wie gegen Spanien recht defensiv ausgerichtet, mit Inler und Huggel in der Zentrale, und auch Gelson auf der linken Seite ist eigentlich gelernter defesniver Mittelfeldspieler. So kam die chilenische rechte Seite mit Isla und Sánchez, die gegen Honduras groß aufgespielt hatte, nicht in die Partie, und weil auch Behrami auf der rechten Seite der Schweizer eher defensiv denkt und spielt, konnte auch das Duo Vidal/Beausejour in Schach gehalten werden.
Wollten aber die Schweizer nach vorne spielen, bot sich ihnen ein Spiegelbild: Carmona und seine Kollegen im chilenischen Mittelfeld machten die Räume ebenso eng, sodass es auch für die Schweizer kein Durchkommen gab. Das Resultat war ein wenig ansehnliches Kampf- und Krampfspiel, das sich fast ausschließlich im Mittelfeld abspielte; und weil der arabische Schiedsrichter recht kleinlich agierte, sammelten sich schon früh diverse Verwarnungen an. Bewegung kam erst ins Spiel, als nach einer halben Stunde der Schweizer Valon Behrami für einen Ellbogencheck (völlig zurecht) vom Platz flog.
Nun ging Stürmer Alex Frei auf die Behrami-Position zurück, und die Chilenen reagierten insofern darauf, dass sie sofort die Seite mit Frei und Lichtsteiner anbohrten. Sofort kamen zwei, drei gefährliche Situationen zu Stande, die Hitzfeld noch vor der Pause dazu zwangen, mit Barnetta einen echten Mittelfeldspieler anstatt des defensiv überforderten Frei einzuwechseln.
Für die zweite Hälfte ließ zwar Bielsa nicht, wie eigentlich zu erwarten gewesen wäre, gegen nun nur noch einen Stürmer seine Dreierkette auf, brachte aber mit Valdivia einen spielstärkeren Stürmer für Suazo und mit Mark González einen Linksaußen für Vidal; Beausejour rückte eine Position zurück ins linke Mittefeld. Gegen die dezimierten Schweizer übernahmen die Chilenen nun voll das Kommando, kamen aber auch aufgrund ihrer kleineren Statur gegen die physisch starken Schweizer Abwehrspieler nicht so richtig zum Zug; ein vermeintliches Tor wurde zu Recht wegen Abseits nicht anerkannt.
Nach einer Stunde kam noch Sturmspitze Paredes für Matí Fernández, der als Spielgestalter gegen die vielbeinige gegnerische Abwehr kein Mittel fand, und Bielsa stellte nun doch auf zwei Innenverteidiger um – Jara ging auf die linke Seite. Der spielerische Druck, den die Chilenen ausübten, wurde dann doch noch mit dem 1:0 belohnt (wenn es Abseits gewesen sein sollte, reden wir hier von Millimetern – kein Vorwurf), weswegen Hitzfeld reagierte und mit Bunjaku doch wieder eine zweite nominelle Spitze brachte. Bunjaku brachte zwar die meiste Zeit auf der linken Mittelfeldseite zu, auf der er Gelson ersetzte, die Chilenen gingenaber wieder zurück zur Dreierkette und lauerten auf Konterchancen. Diese boten sich zwar, wurden aber ebenso kläglich vergeben wie Derdiyoks Hundertprozenter kurz vor Schluss für die Schweizer.
Fazit: Die Chilenen feiern einen hochverdienten Sieg, weil sie nach dem Ausschluss das Heft des Handelns in die Hand nahmen. Weil es ihnen aber an der Abgeklärtheit vor dem Tor fehlte, dürfte dieser zweite 1:0-Sieg wohl dennoch zu wenig sein – vorausgesetzt, die Spanier werden ihrer Favoritenrolle gegen Chile gerecht und die Schweizer der ihren gegen Honduras.
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Spanien – Honduras 2:0 (1:0)
Nominell stellte Del Bosque mit Torres und Villa zwei Spitzen auf, er veränderte aber sein 4-2-3-1 nicht, weil Villa die Position auf der linken offensiven Mittelfeldseite einnahm. Das hatte Sinn, weil Villa somit einigen Platz vor sich hatte, um seine Fähigkeiten auszuspielen. Und es funktionierte auch: Vor allem in der Anfangsphase ging jede gefährliche Aktion über Villas linke Seite, folgerichtig auch die schöne Einzelleistung zur 1:0-Führung. Dass über seiner an sich starken Leistung der Makel der Tätlichkeit liegt, die ihn nach einer halben Stunde vom Platz fliegen hätte lassen müssen, ist schade.
Torres agierte als Sturmspitze im Zentrum, bekam einige Bälle und seine Teamkollegen versuchten vor allem nach der Führung, ihren durch viele Verletzungen im Saisonverlauf sichtlich verunsicherten Teamkollegen in Szene zu setzen – dass er nicht ganz auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit ist, wurde aber schon deutlich. Nicht ganz mit Villas Zug zum Tor mithalten konnte der eher diskrete Navas, der mehr damit beschäftigt war, den äußerst umtriebigen Ramos abzusichern, als selbst den unmittelbaren Weg zum Tor zu suchen.
Die Honduraner stellten sich in einem 4-1-4-1 auf, mit Wilson Palacios als Sechser und einer sehr defensiv orientierten Viererkette im Mittelfeld, die (oft erfolglos) versuchte, dem spanischen Kurzpassspiel den Weg zu versperren. Auffälligster Mann nach vorne war Walter Martínez, was nicht nur an seiner bunten Frisur lag, sondern daran, dass er sich nicht sklavisch an seine Position im rechten Halbfeld hielt, sondern auch anderswo Lücken im spanischen Mittelfeld ausnützten wollte. Da aber die Honduraner nur recht zaghaft nach vorne spielten, war David Suazo in der Spitze erwartungsgemäß harmlos – zudem beteiligte er sich zumeist an der Defensivarbeit.
Nach der Pause wurde Honduras mutiger – zumindest nominell: Stürmer Welcome kam für den linken Mittelfeldmann Espinoza, er orientierte sich sofort in die Spitze. Suazo wich ins linke Mittelfeld zurück, Guevara ins defensive Mittelfeld – nun agierte Honduras aus einem 4-2-3-1, und sie spielten nun auch beherzter nach vorne. Die unmittelbare Folge: Mehr Platz für die Spanier, und schon stand’s nur fünf Minuten nach der hondurasnischen Neuausrichtung 0:2. Nachdem Villa den Elfmeter verballert hat, brachte Rueda mit Núñez noch einen Offensiven, stellte auf 4-4-2 um, und die Spanier hatten hinten noch mehr Platz. Fàbregas hätte eine halbe Minute nach seiner Einwechslung (für Xavi) zum 3:0 einschieben müssen – aber die Spanier haben, das bestätigt den Eindruck vom Schweiz-Spiel, einige Schwierigkeiten im Verwerten der Chancen.
Was sich auch in der restlichen Partie nicht besserte, sondern eher noch schlimmer wurde – weil, wohl auch mit der sicheren Führung im Rücken, jeder noch einen Haken machte, noch einmal abgeben wollte, und im Endeffekt keiner tatsächlich auch aufs Tor schoss. Selbst, als die Honduraner dann sogar noch die Viererkette aufgelöst hatten, auf Dreierkette gingen und den (ohnehin nominell stark besetzten) spanischen Außen noch mehr Platz ließen, nahmen die Spanier diese Einladung nicht an – speziell Navas muss als Enttäuschung angesehen werden. Ja, vorne wurde Honduras nicht mehr gefährlich, aber sie können sich durchaus damit rühmen, gegen Chile und Spanien nur drei Tore kassiert zu haben.
Fazit: Die Spanier kamen zu einem leichten Sieg, verpassten es aber, etwas für Selbstvertrauen und Tordifferenz zu tun. Mit einer zum Teil fast schon überheblich schlampigen Offensivleistung wird es gegen Chile nicht gehen. Honduras darf man bescheinigen, nach der Pause durchaus auch nach vorne etwas machen zu wollen – gegen Spanien, wohlgemerkt – und sich auch vom 0:2 darin nicht beirren zu lassen. Den größten Vorwurf bei Spanien muss man aber Villa machen: Seine zwei Tore in allen Ehren, aber die Tätlichkeit liegt wie ein Schatten darüber, und den Elfmeter hätte er Torres überlassen sollen, um diesem den dringend notwenigen Schub zu geben.
(phe)
]]>Honduras – Chile 0:1 (0:1)
Es dauerte 34 Minuten, ehe der Chilene mit dem am wenigsten lateinamerikanisch klingenden Namen sein Team zurecht erlöste. Nachdem die Chilenen mal wieder auf der Seite durchgebrochen waren, war es Mauricio Isla, der Beausejour den Ball ans Becken knallte, von wo er schließlich ins Tor flog. Es war Chiles erster WM-Sieg seit 48 Jahren.
Und der Treffer hatte sich angekündigt, denn nach einer sehr kurzen Abtastphase fanden sich die in Weiß spielenden Honduraner schnell in einer David vs. Goliath Situation wieder. Weil deren Trainer, Alexis Mendoza, das schon geahnt hatte, probierte man auch kaum, das Spiel zu kontrollieren. Der Plan war, die Chilenen kommen zu lassen und dann auszukontern. Ersteres lief zu gut für die Chilenen, Zweiteres dafür zu schlecht für Honduras. Zu Buche standen am Schluß nur wenige zwingende Chancen für die Mittelamerikaner.
Zurück zu den Seiten: Am liebsten spielten die Rotblauen sich halb-rechts oder halb-links nach vorne, waren aber auch in der Mitte die Herren des Platzes. Jedenfalls bis vor de 16ern, dann verließen sie die Ideen und die Präzision. Das Resultat: Ein Haufen von den meist gut stehenden Honduranern geblockter Pässe und Flanken sowie eine erkleckliche Menge an versandeten Dribblings. Das zweite Tor lag in der Luft, wäre auch verdient gewesen, fiel aber nie.
Die Konter der in Weiß spielenden Hondurander erwiesen sich meist als zu langsam oder zu ungenau, Fehlpässe fabrizierten aber beide Teams einige im vorderen Mittelfeld.
Fazit: Was am Ende übrig blieb kann als verdienter Arbeitssieg der Chilenen gewertet werden. An Effizienz und Präzision muss aber noch gearbeitet werden, sonst sind die Schweizer im Kampf um Platz 2 klar zu favorisieren.
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Schweiz – Spanien 1:0 (0:0)
Selbe Gruppe, anderes Spiel: Im Gegensatz zum Sieg der Chilenen blieben die Mühen der Spanier gänzlich unbelohnt. Der Grund: Der eidgenössische Goalie Benaglio, zu große Ballverliebtheit und Gelson Fernandes (auch dessen Name klingt nicht so wirklich nach Schweizer Bergidylle).
Die selbstenannte „beste Mannschaft des Planeten“ machte von Beginn an Druck. Del Bosques Wunsch war klar: Heute muss ein Sieg her, ist man doch klarer Gruppenfavorit. Trotzdem konnte man das gegnerische Tor nicht all zu fleißig unter Beschuss nehmen, Hitzfelds Hintermannen standen nämlich gut und agierten sehr diszipliniert. Also verlief der Angriff der Spanier in Zyklen. Zuerst Dribbeln. Wenn das nicht klappte, versuchte man im Strafraum einen anderen Mitspieler anzupassen. Auch das gelang nicht gut. So sollten Schüsse aus der Distanz das Problem lösen
Über das Resultat der Fernschüsse freute sich insgesamt das Publikum aber weit mehr als Benaglio im Schweizer Kasten. Der hatte mit denen nämlich kaum was zu tun, zeichnete sich dafür auf kurze Distanz aus, als er etwa Navas den Winkel aus wenigen Metern abdeckte. Später musste man doch noch einmal aufatmen, denn einer der Distanzschüsse – ein 30-Meter-Hammer von Xabi Alonso – krachte hinter einem chancenlosen Torwart an die Latte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Iberer jedoch bereits hinten.
Zurück in die erste Halbzeit: Nach 36 Minuten vollbracht einer der Schweizer Verteidiger ein gar seltsames Kunststück und tackelte seinen Teamkollegen Phillip Senderos. Der verletzte sich unglücklicherweise dabei auch noch. Für ihn kam Bergen, der ihn gut vertrat.
Zu Halbzeit stand es also – enttäuschenderweise für die Spanier – nur 0:0. Nach Wiederanpfiff begann das gleiche Spiel von vorne, Spanien drückend überlegen aber ineffizient im Angriff, die Schweiz meist eingekerkert mit wenigenAusbrüchen, die das Offensivduo Derdiyok/Nkufo selten gefährlich gestaltete.
Beinahe gelang dann noch ein weiteres Kontertor, denn die Spanier rannten jetzt noch verzweifelter gegen das eidgenössische Abwehrbollwerk an, dass stabil wie das Matterhorn im Strafraum stand. Was trotzdem durchkam schnappte sich Benaglio. Spanien starb in Schöhnheit, die „rote Furie“ war gezähmt.
Das Mittelfeld war fest in spanischer Hand und selbst bis ins letzte Drittel hinein vermochten die Schweizer wenig auszurichten. Die Abwehr hatte wenig zu tun, war bei „normalen“ Angriffen nie in Gefahr, rückte aber selbst zu weit auf, was die Konter des Gegners begünstigte. Die Schweiz igelte sich ein und versuchte zwischendurch schnell herauszufahren. Zumeist konnte das Mittelfeld nicht schnell genug überbrückt werden, so dass die Spanier sich in der Defensive wieder sammeln konnten. Aufgrund der Taktik hielt sich die spielerische Eigeninitative in Grenzen, die Schweizer reagierten zumeist nur.
Fazit: Spanien ist sicherlich das spielstärkste Team der Gruppe H, brillierte aber heute nicht mit überragender Effizienz. Wenn sich das ändert, ist sicherlich jeder Gegner schlagbar. Die Schweiz hingegen versucht erst gar nicht gegen klar überlegene Gegner das Spiel zu machen, sondern verläßt sich auf Kontertore in die Abwehr. Solange letztere weiter so gut steht und der Keeper einen guten Tag erwischt, geht das gut. Dafür ist man in der Pflicht, „kleinere“ Gegner zu schlagen – das wird nicht leicht gegen Honduras und erst recht nicht gegen Chile.
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Südafrika – Uruguay 0:3 (0:1)
Dieses Spiel stand für die Gastgeber der WM unter keinem guten Stern. Obwohl gleich viel im Ballbesitz wie die südamerikanischen Gäste, vermochte man nicht viel daraus zu machen.
Und das ist im wesentlichen das bezeichnendste Wort für die Spielanlage der Bafana, Bafana heute: Mittelfeldgeschiebe. Man wollte zwar vorwärts kommen – schaffte das auch ein paar mal, aber nur selten gefährlich – oft rotierte die Wuchtel aber nur zentral. Die Urus standen gut, waren am Beginn des Spiels etwas zu vorsichtig. Die Himmelblauen entdeckten aber langsam, dass man den Südafrikanern etwas mehr zu Leibe rücken kann, weil bei ihnen ohnehin nicht viel nach vorn passiert.
Die Mühe darf man der Truppe rund um den Eröffnungstorschützen Siphiwe Tschbalala nicht absprechen – das Team war auf 3 Punkte aus, bekam aber letztlich 3 Tore.
Nachdem zwei Fernschüsse von Tshbalala recht deutlich vorbei gingen, krachte es in Minute 25 hinter Ithumeleng Khune. Forlan zog aus rund 25 Metern ab, der Ball wurde abgefälscht und senkte sich dann sehr plötzlich hinter dem Bafana-Keeper. Die Urus, die bis dato nocht nicht viel gezeigt hatten, waren plötzlich in Front. Nach einem sehenswerten Dribbling hätte der zweite Star, Luis Suarez, beinahe auf 2:0 erhöht, traf aber nur das Außennetz.
In Halbzeit zwei versuchte Südafrika den Druck zu erhöhen, war aber nur mäßig erfolgreich. Lugano wiederum hatte aus einem Freistoß eine riesige Kopfballchance auf das 2:0 der Urus, traf den Ball aber nicht gut genug. Ähnliches gelang dann auch Mphela für das Heimteam.
Zirka eine Viertelstunde vor Spielende war es dann Südafrika-Goalie Khune, der für die Vorentscheidung sorgte. In einem 1-gegen-1 mit Suarez verschätzte er sich beim Tackling und streifte den Uruguayner, der schließlich zu Fall kam. Obwohl es keine besonders harte Berührung gab, entschied der Referee aus der Schweiz, Massimo Busacca, zurecht auf Torraub und Elfmeter.
Khune musste vom Platz, Pienaar ging gleich mit und wurde für den Ersatz Keeper Moneeb Josephs ausgetauscht. Diego Forlan drückte den Elfer höchstpersönlich und mit ordentlich Wumms in die Maschen, ohne dem Reservegoalie nur den Hauch einer Chance zu lassen.
Was dann geschah war absehbar. 9 südafrikanische Feldspieler versuchten noch irgendwie an einen Anschlußtreffer zu kommen, kamen aber auch nicht weiter als bisher. Dafür wurden für die Urus die Räume offener, so dass sie im Ballbesitz Spiel und Tempo fast nach Belieben dominierten – wenngleich sie nicht mehr sonderlich offensiv auf ein drittes Tor spielten. Das fiel aber trotzdem- in der fünften und letzten Minute der Nachspielzeit staubte Pereira gegen eine zerfallene Bafana-Abwehr zum 3:0 Endstand ab.
Die Schwachpunkte der Südafrikaner lagen das ganze Spiel über vorne und hinten. Die Abwehr wirkte nie optimal koordiniert und profitierte stark davon, dass Uruguay im Angriff lange zu harmlos war. Als noch harmloser erwies sich jedoch die Offensive der Südafrikaner. Weitschüsse und Standards waren das einzige Anzeichen von Gefahr, gelungnges Spiel in den Strafraum sah man selten und auch die Anbindung zum Mittelfeld war nicht immer optimal.
Fazit: Südafrika muss in den kommenden Tagen stark an der Offensive arbeiten und die Abwehr besser aufstellen und disziplinieren. Das heutige Spiel zeigte die Schwächen auf, die zur Eröffnung wohl aufrund des großen Motivationsschub nicht so stark zum Vorschein kamen. Uruguay ist dem Aufstieg sehr nahe, um Frankreich zu besigen muss für Südafrika wohl ein halbes Wunder her.
(gpi)
Es ist vor allem der Verdienst von Reinaldo Rueda. Als der Kolumbianer 2007 das Amt des honduranischen Teamchefs annahm, befand sich der Fußball des Landes noch immer in einer Schockstarre. Weniger die Tatsache, dass die zurückliegende Weltmeisterschaft in Deutschland verpasst wurde – das passierte Honduras seit der ersten (und einzigen) Teilnahme 1982 immer. Nein, es war das „wie“ – nicht einmal in die Finalrunde hatten sie es geschafft. Dabei hatten sie es in der eigenen Hand.
Am letzten Vorrunden-Spieltag, es war im November 2004, musste ein Heimsieg gegen Costa Rica her, und zwar mit zwei Toren Differenz. Sonst würde es nichts mit der Finalrunde, in der erst drei Jahre zuvor die Teilnahme an der Endrunde in Japan und Südkorea nur knapp verpasst wurde. Zweimal hatte es Honduras im Herbst ’04 nicht geschafft, gegen Fußballzwerg Kanada zu gewinnen, sich so erst in diese missliche Lage gebracht. Und natürlich, es klappte nicht – das Spiel gegen Costa Rica endete 0:0, alles war aus. Die Costaricaner qualifizierten sich letztlich und absolvierten sogar das Eröffnungsspiel gegen Deutschland, Honduras lag am Boden. Aber man sieht sich im Leben ja immer zweimal.
Die missglückte Qualifikation für 2006 war vor allem ein Produkt von ständiger Unruhe im Umfeld. Zu Beginn war Volksheld José de la Paz Teamchef – er führte sein Land schon 1982 zur Endrunde. Nach einem holprigen Start und nachdem die Qualifikation für den Gold-Cup, also die Nordamerika-Meisterschaft, beinahe verpasst worden wäre, holte man in Panik Weltenbummler Bora Milutinović. Dass der Serbe, der auf seinen Reisen durch die Fußballwelt ja schon einiges erlebt hatte, nach wenigen Monaten schreiend das Weite suchte, spricht Bände über die Zustände im honduranischen Verband. De la Paz wurde zurückgeholt, der Umschwung gelang nicht mehr. Honduras war raus.
Dass im folgenden Gold-Cup immerhin das Semifinale erreicht wurde, rettete De la Paz nicht mehr. Der Teamchef ging in die Politik, und Ruhe sollte erst wieder einkehren, als im Jänner 2007 Reinaldo Rueda die Bühne betrat. Als kolumbianischer Teamchef war er beim Gold-Cup 2005 noch von Honduras besiegt worden, nun war es an ihm, die alsbald startende Qualifikation besser zu meistern. Und er tat dies.
Und er scheute sich auch nicht davor, durchzugreifen – auch wenn dies auf Kosten von Leistungsträgern ging. So verbannte er etwa Offensiv-Mann De Leon, als dieser wegen einer angeblichen Verletzung nicht einrücken wollte. De Leon kostete das ein Jahr seiner Nationalmannschafts-Karriere, Rueda brachte dies die Autorität, die er brauchte. Und er hatte auch das nötige Glück – denn erneut kam es am letzten Spieltag der Vorrunde zu einem Entscheidungsspiel, das diesmal zumindest nicht verloren werden durfte! Doch diesmal gelang es, Mexiko wurde sogar 1:0 geschlagen, und es ging in die Finalrunde. In der sich eine einmalige Gelegenheit bieten sollte.
Denn wegen den schwächelnden Mexikaner führte Honduras die Gruppe phasenweise gar an, rutschte dann aber hinter diese, und auch hinter die Amerikaner zurück. Womit einmal mehr Costa Rica der Gegner war – wie fünf Jahre zuvor. Der Platz im Play-Off gegen den Südamerika-Fünften war längst fix, aber gegen Teams wie Argentinien, Ecuador oder Uruguay wären die Chanchen schlecht gestanden. Es musste also der dritte Gruppenplatz sein! Am letzten Spieltag erfüllten die Honduraner zwar ihre Pflicht gegen El Salvador, aber Costa Rica führte sensationell 2:0 in den USA. Das wäre das Ticket für Costa Rica gewesen, Honduras hätte erneut durch die Finger geschaut. Doch dann kamen die Amerikaner in dem für die bedeutungslosen Spiel zurück, und Jonathan Bornstein glich in der Nachspielzeit aus! Damit war die Rache an Costa Rica vollzogen – und Honduras dabei.
Spätestens seit diesem Tag ist Reinaldo Rueda ein Volksheld – in Honduras wird er nur „Reynaldo“ geschrieben. Wie in „Rey“, dem spanischen Wort für König. Seine beinahe monarchische Macht demonstrierte erst kürzlich, als der Verband die Prämien für die erfolgreiche Qualifikation nicht ausbezahlen wollte. Kaum drohte er mit dem Rücktritt, war das Ausschütten der Prämien plötzlich kein Problem mehr…
Bei der Endrunde in Südafrika kann sein Team nur positiv überraschen. Alleine die Teilnahme ist für das Land in Mittelamerika ein Riesenerfolg, und als ganz chancenlos muss die Mannschaft in der Gruppen zumindest gegen Chile und die Schweiz nicht angesehen werden. Die Truppe wird von vielen älteren Akteuren geführt, denen es aber an internationaler Erfahrung mangelt – eine Weltmeisterschaft ist natürlich für alle Beteiligten absolutes Neuland. Dafür kann Rueda vor allem in Mittelfeld und Angriff viel variieren, weil ihm dort auch über die erste Elf hinaus einige Spieler zur Verfügung stehen, die das Niveau nicht senken.
Im Tor sollte Noel Valladares stehen. Er hat sich den Posten nach dem letzten Gold-Cup im Sommer 2009, bei dem Honduras das Semifinale erreicht hat, von seinem Klub-Kollegen Donis Escober zurück erobert. Vor ihm steht der jüngste Teil der Mannschaft – Innenverteidiger Erick Norales (25) und Linksverteidiger Emilio Izaguirre (24) sind die „Team-Babies“, haben ihre Plätze aber so gut wie sicher. Um den zweiten Platz in der Zentrale rittern dafür gleich mehrere Spieler: Da wäre zum einen Carlos Palacios, der in den letzten Testspielen dort agiert hat. Er verdrängte Victor Bernández, dem es beim belgischen Spitzenklub Anderlecht eklatant an Spielpraxis mangelt. Am wahrscheinlichsten ist, dass Maynor Figueroa von Wigan spielen wird. Dieser ist zwar gelernter Außenverteidiger, kann aber auch innen auflaufen.
Die rechte Seite teilen sich China-Legionär Mauricio Sabillón (defensiv) und Edgar Álvarez, der in der italienischen Serie A beim AS Bari spielt. Die defensivere Variante wäre, wenn Danilo Turcios statt Álvarez aufläuft. Aufräumer im defensiven Mittelfeld ist mit Wilson Palacios der international, trotz seiner erst 25 Jahren, wohl abgeklärteste Spieler – er hat sich bei Tottenham einen Stammplatz erkämpft und ist eine der ganz zentralen Korsettstangen von Rueda. Vor ihm ist es Kapitän und Rekord-Teamspieler Amado Guevara, der für die Kreativität im Mittelfeld zuständig ist.
Spielt Rueda mit einem 4-4-2, ist üblicherweise Julio César de Leon der Mann, der auf der linken Seite für Dampf sorgen soll. Der Teamchef variiert aber gerne, und lässt sein Team (vor allem gegen schwächere Gegner) auch mitunter mit einem 4-3-3 auflaufen. In diesem Fall opfert eram Ehesten Álvarez, zieht De Leon (oder Flügelstürmer Walter Martínez) nach vorne und bringt mit Thomas oder Espinoza entweder einen zweiten Sechser, oder mit Ramón Núñez einen zweiten Offensiven. Das ist bei der WM zwar nicht von Beginn an zu erwarten, kann aber im Falle eines Rückstands durchaus eine Option sein.
Das Prunkstück der Honduraner ist nämlich zweifelsohne ihre Offensive. Mit dem allerdings schon in die Jahre gekommenen Wandervogel Carlos Pavón (der 36-jährige Rekordtorschütze hat letzten Sommer seinen neunzehnten Vereinswechsel vorgenommen), der sich bei zwei Versuchen in Europa nicht durchsetzen konnte. Und natürlich mit David Suazo, der seit einigen Jahren ein fixer Bestandteil in den vorderen Regionen der Torschützenliste in der italiensichen Serie A ist. Derzeit spielt der 30-jährige Suazo für Genoa, nachdem er viele, viele Jahre bei Cagliari der absolute Fixpunkt war und 2008 (als brandgefährlicher Joker) sogar mit Inter Mailand Meister wurde.
Die Honduraner rühmen sich damit, das beste Sturmduo Mittelamerikas zu haben, und sie rühmen sich wohl nicht zu unrecht. Allerdings ist das Duo Pavón/Suazo auch eines der älteren und, gerade im Falle von Pavón, eher langsameren. Das könnte die Chance für Carlo Costly sein, der in der Qualifikation ebenso einige wichtige Tore beigesteuert hat. Der 27-jährige Rumänien-Legionär hat zudem einen guten Namen: Sein Vater Anthony war 1982 für Honduras bei der WM-Endrunde dabei…
Egal, wie es für Reinaldo – oder Reynaldo – Rueda in Südafrika läuft, er hat in Honduras schon alleine aufgrund der geschafften Qualifikation schon jetzt Denkmal-Status. Sollte es sogar zu einem Sieg oder gar zum Achtelfinale-Einzug reichen, umso mehr. Aber eigentlich kann nichts mehr schief gehen, auch wenn das Team chancenlos wäre und den (erwarteten) letzten Gruppenplatz einfährt.
Denn die Rache an Costa Rica, die ist geglückt.
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HONDURAS
blau-weiß gestreiftes Trikot, blaue Hose, Joma – Platzierung im ELO-Ranking: 33.
Spiele in Südafrika:
Chile (Mittagsspiel Mi 16/06 in Nelspruit)
Spanien (Abendspiel Mo 21/06 in Johannesburg/E)
Schweiz (Abendspiel Fr 25/06 in Bloemfontein)
TEAM: Tor: Ricardo Canales (28, Motagua), Donis Escober (30, Olimpia), Noel Valladares (33, Olimpia). Abwehr: Victor Bernández (28, Anderlecht), Oscar Boniek-García (25, Olimpia), Osman Chávez (25, Platense), Maynor Figueroa (27, Wigan), Emilio Izaguirre (24, Motagua), Erick Norales (25, Marathón), Mauricio Sabillón (31, Hangzhou). Mittelfeld: Edgar Álvarez (30, Bari), Julio César de Leon (30, Torino), Roger Espinoza (23, Kansas City), Amado Guevara (34, Motagua), Ramón Núñez (24, Olimpia), Wilson Palacios (25, Tottenham), Hendry Thomas (25, Wigan), Danilo Turcios (32, Olimpia), Melvin Valladares (25, Real España). Angriff: Carlo Costly (27, Vaslui), Allan Lalín (29, Lenkeran), Walter Martínez (28, Marathón), Carlos Pavón (36, Real España), David Suazo (30, Genoa), George Welcome (25, Motagua).
Teamchef: Reinaldo Rueda (53, Kolumbianer, seit Jänner 2007)
Qualifikation: 4:0 gegen und 2:2 in Puerto Rica. 1:2 in Mexiko, 2:1 in Kanada, 2:0 gegen Jamaika, 3:1 gegen Kanada, 0:1 in Jamaika, 1:0 gegen Mexiko. 0:2 in Costa Rica, 1:1 auf Trinidad, 3:1 gegen Mexiko, 1:2 in den USA, 1:0 gegen El Salvador, 4:0 gegen Costa Rica, 4:1 gegen Trinidad, 0:1 in Mexiko, 2:3 gegen die USA, 1:0 in El Salvador.
Endrundenteilnahmen: 1 (1982 Vorrunde)
>> Ballverliebt-WM-Serie
Gruppe A: Südafrika, Mexiko, Uruguay, Frankreich
Gruppe B: Argentinien, Nigeria, Südkorea, Griechenland
Gruppe C: England, USA, Algerien, Slowenien
Gruppe D: Deutschland, Australien, Serbien, Ghana
Gruppe E: Holland, Dänemark, Japan, Kamerun
Gruppe F: Italien, Paraguay, Neuseeland, Slowakei
Gruppe G: Brasilien, Nordkorea, Elfenbeinküste, Portugal
Gruppe H: Spanien, Schweiz, Honduras, Chile