Hanschitz – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Wed, 09 Oct 2013 13:32:37 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 „Wir können uns auch gegen starke Teams gut präsentieren!“ https://ballverliebt.eu/2011/10/21/wir-konnen-uns-auch-gegen-starke-teams-gut-prasentieren/ https://ballverliebt.eu/2011/10/21/wir-konnen-uns-auch-gegen-starke-teams-gut-prasentieren/#respond Fri, 21 Oct 2011 06:46:45 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5931 „Wir können uns auch gegen starke Teams gut präsentieren!“ weiterlesen ]]> – Interview mit ÖFB-Teamkapitänin Marlies Hanschitz.

Am Mittwoch spielt das österreichische Frauen-Nationalteam in Bruck an der Mur in der EM-Qualifikation um drei wichtige Punkte gegen Armenien. Davor muss das Team noch zu Gruppenfavorit Dänemark – allerdings ohne die Matchwinnerin vom letzten Spiel.

Tor und Nasenbeinbruch in einer Aktion: Marlies Hanschitz trifft beim 1:1 gegen Tschechien zum wichtigen Ausgleich. (Foto: Rudi Dannenbaum)

Mit dem 1:1 gegen Tschechien gab’s einen feinen Auftakt in die Qualifikation für die Frauen-EM 2013 in Schweden. Bevor die Mannschaft von Teamchef Dominik Thalhammer nach Vejle gefolgen ist, hat sich Ballverliebt mit Kapitänin Marlies Hanschitz, die gegen Tschechien den so wichtigen Ausgleich erzielt hat, unterhalten – über das Kapitänsamt, die Mannschaft, die Liga, und ein Spiel in der Loftus Road von London.

Marlies Hanschitz, die beiden Länderspiele in Dänemark am Samstag und gegen Armenien am Mittwoch finden ohne Sie statt. Warum?
Weil ich mir beim letzten Länderspiel gegen Tschechien das Nasenbein gebrochen habe. Ich hab‘ gehofft, dass es sich für die beiden Partien ausgeht. Daraus ist jetzt leider nichts geworden.

Dabei hätte sich beim Spiel am Mittwoch ein Kreis geschlossen. Können Sie sich noch an den 10. Mai 2003 erinnern?
Ja, natürlich! Das war der Tag von meinem ersten Länderspiel. Einem 11:0, auch gegen Armenien – da hab‘ ich sogar ein paar Tore geschossen. Schon beängstigend, wie lange das schon wieder her ist. Dabei wär‘ ich ja noch gar nicht so alt…

Was hat sich seither geändert?
Das ist in Österreich nicht anders als im Frauenfußball generell. Es ist schneller geworden, athletischer. Es kommen viele junge und spielstarke Spielerinnen zum Vorschein. Dazu sind wir auch im taktischen Bereich viel versierter geworden. Jeder Aspekt hat sich ziemlich weiterentwickelt.

Inwieweit ist Teamchef Dominik Thalhammer anders als sein Vorgänger Ernst Weber?
Das kann man gar nicht so vergleichen, sie sind grundverschiedene Trainer. Ernst Weber hat ein gutes Fundament gelegt, auf dem Herr Thalhammer jetzt aufbauen kann, vor allem die Arbeit im taktischen Bereich legt er aber anders an. Der Teamchef hat viel frischen Wind gebracht, er kommt einfach aus einer anderen Generation.

Seit Sommer ist mit Nina Aigner Ihre Vorgängerin als Team-Kapitänin die Co-Trainerin von Dominik Thalhammer. Was bringt sie in die Arbeit mit ein?
Sehr viel, schon alleine durch ihre Erfahrung. Sie kann sich sehr gut in die Lage der Spielerinnen hinein versetzten, wenn ein wichtiges Spiel ansteht. Sie kennt die Situationen sowohl von der Nationalmannschaft als auch von ihrer Karriere bei Bayern München und kann uns gute Tipps geben, wie wir mit solchen Situationen umgehen sollen.

Länderspiel-Einsätze

Sie stehen bei 36 Länderspielen, keine aktive Spielerin hat mehr. Wie fühlt es sich an, mit erst 25 Jahren schon die Routinierteste in der Mannschaft zu sein?
Schon etwas seltsam, offen gestanden. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass wie eine extrem junge Truppe haben, mit sehr viel Potenzial, viele sind da zwischen 18 und 21 Jahre alt. Da darf man es nicht jeden immer spüren lassen, dass man die Routinierteste ist, weil da alle schon viel von der Welt gesehen haben und herum gekommen sind. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass ein positives Klima vorhanden ist.

Zuletzt gab es mit dem 1:1 gegen WM-Teilnehmer Nigeria und dem 1:1 gegen Tschechien, einem direkten Konkurrenten um EM-Quali-Gruppenplatz, gute Resultate. Was kann man aus solchen Spielen mitnehmen?
Sehr viel. Wir haben gesehen, dass wir uns auch gegen objektiv stärkere Gegner sehr gut präsentieren können. Gerade das Spiel gegen Nigeria war sehr erfreulich, da sind wir auch lange in Führung gelegen. Gegen Tschechien haben wir schon einmal angeschrieben, das ist für die Quali-Gruppe sehr wichtig gewesen. Und solche Resultate sagen auch einiges über das Potenzial aus.

Ist es mittelfristig möglich, sich für ein Großereignis zu qualifizieren – auch vor dem Hintergrund, dass für die WM 2015 in Kanada das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Teams aufgestockt wird?
Ich denke schon. Die WM 2015 ist sicher ein Ziel, das wir anstreben – womöglich kann es auch schon mit der EM 2013 in Schweden etwas werden, auch wenn es ein harter Weg ist. Aber es kann eben immer viel passieren und die Teams aus Tschechien und Portugal wollen natürlich genauso dorthin. Es wird viel von der Tagesform in den direkten Duellen abhängen.

Merkt man in Österreich Nachwirkungen von der medial so offensiv aufbereiteten WM in Deutschland im letzten Sommer?
Unmittelbar sportlich vielleicht nicht so sehr, aber in der öffentlichen Wahrnehmung sicher. Der Frauenfußball wurde durch die vielen Live-Übertragungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht – davor waren ja nur sehr vereinzelt Spiele zu sehen, das haben die Leute nicht so mitbekommen. Bei der WM war es dann auch all denen möglich, sich ein Bild zu machen, die mit dem Frauenfußball davor nichts zu tun hatten. Und letztlich kann man nur dann etwas beurteilen, wenn man es auch gesehen hat.

Im Schatten der WM wäre der österreichischen Liga fast der letztjährige Dritte verloren gegangen – der SK Kärnten, bei dem auch Sie spielen. In letzter Minute wurde mit der Eingliederung in den FC St. Veit doch eine Lösung gefunden. Wichtig für den österreichischen Frauenfußball?
Auf jeden Fall, es wäre im Prinzip der komplette Frauen-Fußball in Kärnten tot gewesen. Zumal ja auch neben mir einige Spielerinnen aus dem Kreis der Nationalmannschaft hier spielen. Gott sei Dank wurde es doch noch was. Da wurde viel gemacht, um ein Türchen zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können.

Hier wird ÖFB-Liga gespielt

Hätten Sie einen Plan B gehabt, falls es nicht weiter gegangen wäre?
Ich hätte schon eine Alternative gefunden, eventuell in Neulengbach. Aber es geht da nicht in erster Linie um mich, es hat ja die ganze Mannschaft betroffen. Im näheren Umkreis gibt es keine anderen ÖFB-Liga-Klubs, zu denen man problemlos pendeln kann – Bergheim bei Salzburg ist 250 km weg, Graz auch knapp 150 km. Unmöglich, weil man ja auch seinen Beruf hat.

Ist ein Engagement im Ausland für Sie ein Thema gewesen?
Früher schon, aber erst hat es sich nicht ergeben, und dann habe ich bei der Polizei zu arbeiten begonnen. Da ist man gebunden. Die Auslandskarriere wird sich bei mir nicht mehr ausgehen.

Im Europacup haben die Serien-Meister aus Neulengbach durchaus ansprechenden Erfolg. National zertrümmern sie aber die Konkurrenz seit vielen Jahren. Gut oder schlecht für die Liga?
Hmm… Sowohl als auch. Mit ihren Erfolgen auf europäischer Ebene, wie jetzt dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale, setzen sie Österreich auf die Landkarte und es könnte sogar sein, dass demnächst ein zweiter Europacup-Platz für die ÖFB-Liga der Lohn dafür ist. Für die Meisterschaft wäre es aber sicher gut, wenn es Gegner gäbe, die auch mal über die Saison gesehen mit Neulengbach mithalten könnten.

Wie weit ist die ÖFB-Liga von einer semi-profesionellen Basis entfernt?
Die gibt es praktisch gar nicht. Jede Spielerin muss viel in Kauf nehmen, verdienen lässt sich mit dem Frauenfußball in Österreich kaum etwas. Da muss man schon ins Ausland gehen, nach Deutschland etwa, wie es schon viele Österreicherinnen gemacht haben. Und selbst dort ist man weit davon weg, nach einer Karriere vom Verdienten zehren zu können.

Was könnte da das Erreichen einer WM- oder EM-Endrunde für den österreichischen Frauenfußball bewirken?
Viel. Weil dann zumindest für einen gewissen Zeitraum die öffentliche Aufmerksamkeit nicht nur, wie im Sommer, als unbeteiligter Beobachter gegeben ist, sondern mit einem eigenen Team. Dann würden wir uns im österreichischen Frauenfußball sicher auch mit möglichen Sponsoren etwas leichter tun. Da bewegen wir uns leider am unteren Limit.

Die deutschen Frauen waren bei ihrer Heim-WM von der plötzlichen massiven Aufmerksamkeit etwas erschlagen, spielten sehr gehemmt. Wie würde das ÖFB-Team ein gesteigertes Interesse verkraften?
Schwer zu sagen… Einerseits wüssten sicher nicht alle, auf was sie sich da einlassen, was da alles auf uns zukäme. Andererseits traue ich dem Team aber auf jeden Fall zu, cool genug zu sein, das wegzustecken. Es kann keiner von uns sagen, wie es wirklich wäre, aber da haben die Männer auf jeden Fall einen Vorteil, weil sie die permanente mediale Aufmerksamkeit einfach gewohnt sind.

Nur im Umfeld oder auf dem Platz auch?
Natürlich auf dem Platz selbst auch. Das wurde mir bei unserem WM-Quali-Spiel in England im März 2010 erst so richtig bewusst, wenn das Stadion gut besucht ist und vor allem überall die TV-Kameras ganz eng beim Spielfeld sind und ständig auf einen gerichtet sind. Das kann schon ablenken, wenn man es nicht gewohnt ist. Aber gerade auch wegen des großartigen Umfelds war das Spiel in der Loftus Road von London sicher das aufregendste meiner Karriere – obwohl wir 0:3 verloren haben.

EM-Quali-Gruppe 7

Jetzt stehen die EM-Quali-Spiele in Dänemark und gegen Armenien an. Was ist da möglich?
Dänemark auswärts ist brutal schwer. Das Team ist klarer Gruppenfavorit und in der Weltrangliste auch ganz deutlich vor uns platziert. Auch sind die Däninnen von der Technik und ihrer Robustheit viel höher einzuschätzen als zum Beispiel die Tschechinnen. Aber die Mädels fliegen natürlich nicht dorthin, um sich von vornherein geschlagen zu geben. Wir haben auch in England lange dagegen gehalten und erst spät die Tore bekommen. Mit einer guten Leistung und ein bisschen Glück ist vielleicht eine Überraschung möglich.

Quali-Spiele des ÖFB-Teams

Gegen Armenien wurden die beiden bisherigen Länderspiele mit 11:0 gewonnen. Können die Fans in Bruck an der Mur diesmal auch mit einem zweistelligen Ergebnis rechnen?
(Lacht) Na, das wäre dann vielleicht doch ein bisserl viel verlangt… Aber gegen Armenien muss ohne Frage ein Erfolg her, das ist ein absoluter Pflichtsieg. Da dürfen wir auf keinen Fall etwas liegen lassen.

Im November geht’s dann noch nach Portugal.
Das wird sicherlich das nächste wirklich entscheidende Spiel um den zweiten Gruppenplatz. Wenn wir da ein ernsthaftes Wort mitreden wollen, werden wir gegen Portugal zumindest vier Punkte holen müssen. Das ist schwer, aber sicher nicht unmöglich.

Wir bedanken uns für das Gespräch, wünschen alles Gute – und gute Besserung!

Marlies Hanschitz (25) ist Kapitänin der österreichsichen
Frauen-Nationalmannschaft. Die Kärntnerin spielte in der
ÖFB-Frauenliga in St. Margarethen (bis 2005), Innsbruck (IAC
und Wacker, 2005 bis 2010) und seither für Kärnten bzw. St. Veit.

Das Interview führte Philipp Eitzinger


Kader: Tor:
Anna-Carina Kristler (23 Jahre, St. Veit, 5 Länderspiele), Bianca Reischer (24, Spratzern, 8). Abwehr: Kathrin Entner (23, Neulengbach, 18), Nicole Gatternig (24, St. Veit, 5), Marion Gröbner (25, Herford, 28), Susanna Höller (22, Sindelfingen, 23), Carina Wenninger (20, Bayern München, 20). Mittelfeld: Jasmin Eder (19, Cloppenburg, 2), Laura Feiersinger (18, Bayern München, 6), Heike Manhart (18, Südburgenland, 4), Nadine Prohaska (21, Bayern München, 17), Viktoria Schnaderbeck (20, Bayern München, 9), Daniela Tasch (22, Neulengbach, 6), Susanna Koch (24, Südburgenland, 10), Katja Trödthandl (22, Landhaus, 6). Angriff: Maria Gstöttner (27, Neulengbach, 31), Lisa Makas (19, Spratzern, 7), Katrin Walzl (24, Spratzern, 14).

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1:1 zum Start in die EM-Quali – Der Kapitänin blutige Nase rettet Österreich https://ballverliebt.eu/2011/09/18/11-zum-start-der-em-quali-der-kapitanin-blutige-nase-rettet-osterreich/ https://ballverliebt.eu/2011/09/18/11-zum-start-der-em-quali-der-kapitanin-blutige-nase-rettet-osterreich/#comments Sat, 17 Sep 2011 23:09:39 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5774 1:1 zum Start in die EM-Quali – Der Kapitänin blutige Nase rettet Österreich weiterlesen ]]> Das große Ziel heißt Schweden: Zum Start in die EM-Quali für die Euro2013 im Norden Europas traf das ÖFB-Frauen-Nationalteam auf den wohl direkten Konkurrenten um den Playoff-Platz Tschechien. Der Ausgleich von Kapitänin Marlies Hanschitz, bei dem sie sich eine heftig blutende Nase geholt hatte, rettete Österreich das wichtige 1:1.

Österreich – Tschechien 1:1

Nach der WM ist vor der EM – das gilt natürlich auch bei den Frauen. Nach der medial so breit gespielten Weltmeisterschaft in Deutschland, bei der sich Japan erstmals den Titel holen konnte, startet nun die Qualifikation für die Euro2013 in Schweden, mit dem selben Modus wie beiden Männern: Gruppensieger und bester Zweiter fix dabei, die restlichen Zweiten spielen Playoff. Und genau dieser zweite Platz ist das Traumziel der ÖFB-Auswahl, bei der Dominik Thalhammer (der das Amt vom verstorbenen Ernst Weber übernommen hat) in seine erste Quali als Teamchef startet.

Denn Gruppenfavorit Dänemark wird wohl für alle unantastbar bleiben. Dahinter streiten sich Tschechien (Topf 2), Österreich (Topf 3) und Portugal (Topf 4) um den Playoff-Platz. Armenien wird normalerweise acht vernichtende Niederlagen einstecken, die erste gab’s im Parallelspiel mit dem 0:8 gegen Portugal. Diese Konstellation heißt auch: Schon in diesem ersten Spiel ist verlieren eigentlich verboten; wenn man ein ernsthaftes Wort um den zweiten Platz mitreden will, darf man das Heimspiel (im oberösterreichischen Vöcklabruck ausgetragen) gegen das Topf-2-Team nicht ohne Punktgewinn absolvieren.

Flexible Formation

Dominik Thalhammer setzte auf ein recht klassisches 4-4-2, in dem sechs Deutschland-Legionärinnen in der Startelf standen. Deutlich komplizierter stellte sich das System seines tschechischen Gegenübers Vladimír Hruška dar. Seine Grundformation war zwar auch ein 4-4-2, aber hier verschob die Abwehrkette so weit, dass das mitunter schwer nach einer Dreierkette (Sedláčková, Pincová, Vyštejnová) aussah, in der Mocová und Krůzová die Wing-Backs gaben.

Tschechien gegen den Ball

So schafften es die Tschechinnen, die Flanken defensiv gut zu kontrollieren und im Zentrum gegen das ÖFB-Sturmduo Burger/Fischer immer Überzahl zu haben. Hinzu kam, dass sich Lucie Martínková, an sich im Angriff aufgestellt, auf den linken Flügel orientierte, um vor dem linken De-facto-Wingback einerseits abzusichern und sich andererseits als Anspielstation anzubieten.

Aus dieser Formation heraus entwickelten die Tschechinnen die größte Gefahr. Weil es bei Österreich nicht funktionierte, die Flanken defensiv gegenseitig abzusichern: Gingen Hanschitz und Gröbner mit nach vorne, fühlte sich weder die jeweilige Innenverteidigerin noch der Sechser für die Absicherung zuständig. So gelang es den Tschechinnen nach Ballgewinn immer wieder, schnell in den Rücken der Außenvertedigerinnen zu kommen; vor allem Voňková stellte das ÖFB-Team hier vor große Probleme. Ihre extrem knapp vor das Tor gezogenen Flanken sorgten immer wieder für Zittern.

Höheres Tempo bei Tschechien

Das selbe Problem ergab sich auch, wenn Hanschitz und Gröbner gegen den Ball einrückten – da waren die österreichischen Mittelfeld-Außen Feiersinger und Ruiss oft nachlässig, wodurch auch hier die Tschechinnen immer wieder bis zur Grundlinie durchgehen konnten.

Das Team aus Tschechien war in der ersten Halbzeit nicht um Klassen besser, aber das höhere Tempo und die größere Passgenauigkeit hatte der leichte Favorit durchaus auf seiner Seite; ein Tor für den Gegner schien immer ein wenig wahrscheinlicher als eines vom ÖFB-Team. Am nähesten zur Torerfolg kam Tschechien bei einem Schuss der (sonst in der Vorwärtsbewegung äußerst zurückhaltenden) Linksverteidigerin Petra Vyštejnová, die aus 20 Metern das Aluminium traf. Die Österreicherinnen durften mit dem Pausenstand von 0:0 nicht unglücklich sein.

Mehr Mut nach dem Seitenwechsel

Das Problem im Spiel nach vorne beim österreichischen Team war nicht nur die geschickte Abwehrarbeit des Gegners, sondern auch, dass bei Ballgewinn in der eigenen Hälfte die beiden Angreiferinnen vorne ein zu großes Loch zum Mittelfeld rissen und so oft nur mit langen Bällen anspielbar waren. So war es kaum gelungen, sich schnell vorne festsetzen zu können und eine eventuelle Unordnung zu nützen.

Das war nach der Pause besser: Nicht nur, das das zentrale Mittelfeld-Duo von Bayern München, Prohaska und Schnaderbeck, weiter aufrückte und ihre tschechischen Gegenspielerinnen in der Spielfeldmitte mehr unter Druck setzten, zudem ließ sich eine der beiden Stürmerinnen etwas fallen. So wurde Pincová herausgezogen, während sich Sedláčková und Vyštejnová um die vorne verblibenene Spielerin kümmerten. So waren die Flanken immer offener, was allerdings nicht konsequent genug ausgenützt wurde.

Billiges Gegentor, blutige Antwort

Was nicht nicht änderte, war das Preisgeben von Platz im Rücken der Außenspielerinnen. Das hatte aber mit dem Tor, mit dem Tschechien in Führung ging, letztlich nichts zu tun: Das war ein eigentlich nicht besonders gefährlicher Freistoß von der Seitenlinie, den ÖFB-Torfrau Kristler völlig falsch berechnete, sodass der Ball über ihre Fäuste hinweg ins Tor hüpfte.

Schon die Entscheidung gegen die bemüht, aber nicht besonders torgefährlichen Österreicherinnen? Nein – denn nur fünf Minuten später wurde ausgerechnet Kapitänin Marlies Hanschitz, die defensiv so ihre Probleme hatte, zur blutigen Heldin. Bei einem Freistoß von der rechten Seite stürzte sie sich ohne Rücksicht auf Verluste ins Getümmel – dort stocherte sie nicht nur den Ball zum Ausgleich über die Linie, sondern holte sich dabei auch noch eine heftig blutende Nase. Das sah wild aus – ihr an sich weißes Trikot war etwa so rot wie das der Tschechinnen, als sie abtransportiert wurde. „Des woas wert“, meinte sie im Interview nach dem Spiel.

Österreich mit deutlich mehr Kraftreserven

Statt ihr kam Kathrin Entner in die Partie; sie übernahm die rechte Abwehrseite, dafür wechselte Marion Gröbner auf links. Im Nachhinein betrachtet kein schlechter Zug, denn nun war endlich der Rückraum verbotene Zone für die Flügelspielerinnen aus Tschechien. Außerdem ließen bei den Gästen die Kräfte deutlich mehr nach als beim Team aus Österreich – somit konnte das Spiel in der letzten halben Stunde besser kontrolliert werden als davor.

Volles Risiko ging Dominik Thalhammer verständlicherweise aber nicht – er brachte mit Lisa Makas vom starken Aufsteiger Spratzern eine neue Stürmerin für Ines Ruiss, dafür übernahm Melanie Fischer die Planstelle im linken Mittelfeld. Die Wechsel von Vladimír Hruška orientierten sich eher am konditionellen Zustand seiner Mannschaft. Das hieß: Jene Spielerinnen, die durch ihre Laufarbeit am wichtigsten für das Spiel ihres Teams gewesen waren, mussten weichen. Also die komplette rechte Seite mit Mocová und Voňková, sowie die fleißige, aber glücklose Stürmerin Divišova.

Was der Gefährlichkeit der Mannschaft natürlich nicht besonders zuträglich war. So hatte Neulengbachs Torschützenkönigin Nina Burger – und auch in den ersten vier Spielen der laufenden Saison war sie schon elfmal erfolgreich – sogar noch die Chance auf den Sieg. Aber auch das 1:1 ist gemessen an der Ausgangsposition, zumal zwei Wochen nach einem 0:4-Debakel im letzten Test gegen die Slowakei, ein sehr ordentliches Ergebnis.

Fazit: Tschechien mit mehr Qualität, Österreich mit mehr Kraft

Die Favoritinnen aus unserem nördlichen Nachbarland zeigten sich eine Stunde lang als etwas besseres Team, das nicht nur mit guter Technik, sondern auch mit der etwas eigenwilligen Abwehrstrategie gut gefahren ist, wenig zugelassen hat und selbst vor allem über die Außenbahnen immer wieder für einiges an Zittern in der österreichischen Defensive gesorgt hat.

Zwei Punkte sprachen in diesem Spiel aber für Österreich: Zum einen die Tatsache, dass man sich nach dem bitteren Rückstand nicht hängen ließ und der bessere konditionelle Zustand der Mannschaft.  Und auch ein wenig Glück, dass die große Schwachstelle – das Verteidigen der Außenbahnen – zwar durchaus angebohrt, aber nicht bestraft wurde. Immerhin: Der Worst Case, also eine Heimniederlage gegen direkten Konkurrenten zum Start, was wohl schon das Ende der Quali-Hoffnungen bedeutet hätte, wurde abgewendet.

So haben die kommenden Spiele noch ernsthaften Wettkampfcharakter, wiewohl die Ergebnisse der beiden nächsten Partien wohl schon so gut wie feststehen. Alles andere als eine Niederlage in Dänemark (22. Oktober) und ein Kantersieg gegen Armenien (am 26. Oktober in Bruck an der Mur) wäre eine Sensation. Ehe es im November zum Auswärtsspiel nach Portugal geht.

(phe)

Stimmen zum Spiel

Dominik Thalhammer, ÖFB-Teamchef: „Das Ergebnis ist okay, obwohl am Ende sogar noch etwas mehr möglich gewesen wäre. Aber es ist für diese junge Mannschaft extrem wichtig, Erfolgserlebnisse wie dieses oder das 1:1 gegen Nigeria vor der WM zu haben. Erfreulich war, dass wir uns nach dem Rückstand nicht so hängen gelassen haben wir im letzten Test gegen die Slowakei. Da hat unsere Team-Psychologin gute Arbeit geleistet!“

Vladimír Hruška, Tschechiens Teamchef: „Ich bin nicht zufrieden, weil wir hier eigentlich schon einen Sieg eingeplant gehabt hätten. Jetzt wird es umso schwerer, Dänemark womöglich unter Druck zu setzten. Darum werden wir uns jetzt darauf konzentrieren müssen, zumindest den zweiten Platz in der Gruppe abzusichern.“

Die Teams:

Österreich: Anna-Carina Kristler (23, St. Veit) – Marion Gröbner (25, Herford/Ger), Susanna Höller (22, Sindelfingen/Ger), Carina Wenninger (20, Bayern München), Marlies Hanschitz (25, St. Veit) – Laura Feiersinger (18, Bayern München), Viktoria Schnaderbeck (20, Bayern München), Nadine Prohaska (21, Bayern München), Ines Ruiss (23, Neulengbach) – Melanie Fischer (25, Innsbruck), Nina Burger (23, Neulengbach). Wechsel: Kathrin Entner (23, Neulengbach) für Hanschitz (64.). Lisa Makas (19, Spratzern) für Ruiss (73.). Teamchef Dominik Thalhammer.

Tschechien: Petra Taušová (27, Slavia Prag) – Iva Mocová (31, Sparta Prag), Jana Sedláčková (18, Sparta Prag), Veronika Pincová (21, Slavia Prag), Petra Vyštejnová (20, Sparta Prag) – Lucie Voňková (19, Slavia Prag), Klára Cahynová (18, Slovácko), Irena Martínková (25, Sparta Prag), Marcela Krůzová (21, Slavia Prag) – Lucie Martínková (25, Sparta Prag), Petra Divišová (26, Slavia Prag). Wechsel: Tereza Kožárová (19, Sparta Prag) für Divišova (78.). Markéta Ringelová (22, Sparta Prag) für Voňková (81.). Adéla Odehnalová (21, Slavia Prag) für Mocová (85.). Teamchef Vladimír Hruška.

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