Hamsik – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Thu, 15 Mar 2012 02:00:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Das Imperium schlägt zurück: Die alte Garde schießt Chelsea zum 4:1-Sieg https://ballverliebt.eu/2012/03/15/das-imperium-schlagt-zuruck-die-alte-garde-schiest-chelsea-zum-41-sieg/ https://ballverliebt.eu/2012/03/15/das-imperium-schlagt-zuruck-die-alte-garde-schiest-chelsea-zum-41-sieg/#respond Wed, 14 Mar 2012 23:49:19 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=6863 Das Imperium schlägt zurück: Die alte Garde schießt Chelsea zum 4:1-Sieg weiterlesen ]]> Vor allem mit Drogba, Lampard und Terry war Ex-Chelsea-Coach Villas-Boas auf Crash-Kurs. So ist es wohl durchaus bezeichnend, dass genau diese drei im ersten wirklich wichtigen Spiel nach der Entlassung des Portugiesen so richtig aufgeigten, drei der vier Tore schossen und das ganze Team mitreißen konnten. Das Aus in der Champions League gegen Napoli konnten die Blues in einem unterhaltsamen Spiel gerade noch verhindern.

Chelsea FC - SSC Napoli 4:1 n.V.

Die ersten beiden Spiele unter Roberto di Matteo hat Chelsea gewonnen – aber so wichtig das 2:0 im Cup bei Birmingham City und das 1:0 gegen Stoke in der Liga auch waren, in der Champions League wartete gegen Napoli das wohl wirklich entscheidende Spiel für den weiteren Saisonverlauf die Blues, zehn Tage nach der Entlassung von André Villas-Boas.

Das System vom Interims-Coach

Di Matteo – der als Spieler 1998 beim letzten Europacup-Triumph von Chelsea dabei war und als Trainer vor anderthalb Jahren West Brom in die Premier League geführt hatte – ging vom 4-3-3 ab, das Villas-Boas verwendet hatte, und stellte das Team auf ein 4-2-3-1 um. Essien fungierte dabei als tief stehender Sechser, währen Frank Lampard aus der Tiefe heraus immer wieder weit mit nach vorne ging, um Zehner Juan Mata gegen die beiden defensiven Mittelfeld-Spieler von Napoli zu unterstützen.

Oftmals spielten Mata und Drogba annähernd auf einer Höhe, dazu gestellte sich noch Sturridge auf der rechten Seite. Das machte, rein numerisch gesehen, durchaus Sinn: Gegen die Dreierkette von Napoli, die defensiv natürlich schnell zur Fünferkette wird, empfielt es sich, mit vielen, hoch stehenden Spielern zu agieren. Aber das alleine war es nicht, was Chelsea die Kontrolle bescherte.

Die Flügel von Chelsea

Sondern auch, dass man das Zentrum bearbeitete, ohne dabei auf die Außen zu vergessen. Man City machte beim 1:1 im Gruppenspiel den Fehler, nur das Zentrum zu bevölkern, aber nicht Napolis Wing-Backs außen zu binden – darauf achtete Chelsea hier sehr wohl. So blieb zwar Ramires, nominell auf dem linken Flügel aufgeboten, zumeist recht weit von der Außenbahn weg – nur wenn defensiv notwendig, bewegte er sich dort hinaus.

Dafür bearbeitete Ashley Cole dort Christian Maggio (und nach dessen verletzungsbedingter Auswechslung Juan Camilo Zuñíga). Auf der rechte Seite blieb Sturridge eher draußen gegen Zuñíga (und später eben Dossena), weshalb Ivanovic in dieser Phase nicht ganz so viel nach vorne unternahm wie Cole.

Napoli lauert auf Gegenstöße

Napoli ließ Chelsea mit dem 3:1 aus dem Hinspiel im Rücken recht bereitwillig den Ball und lauerte, wie es das Spiel dieser Mannschaft nun mal ist, auf schnelle Gegenstöße. Gegen das zwar optisch dominante, aber nicht besonders schnelle Aufbauspiel von Chelsea hatten die Italiener wenig defensive Probleme und es gelang immer wieder, das ungemein flinke Trio vorne einzusetzen.

Dort ließ sich vor allem Hamšík immer wieder fallen, um anspielbar zu sein und vorne Cavani und den etwas passiveren Lavezzi einzusetzen. Chelsea hatte so ein spielerisches Übergewicht, aber Napoli stellte einen steten Gefahrenherd dar und hatte einige sehr gute Chancen, die nur knapp nicht zum Tor führten. Wenn dazu Gelegenheit war, ging das Offensiv-Trio der Italiener auch die ballführenden Gegenspieler an, was Chelsea zumindest phasenweise ein wenig aus dem Rhythmus brachte.

Schwäche bei Flanken in den Strafraum

Das 6:3 von Napoli zuletzt in der Serie A gegen Cagliari hat nicht nur gezeigt, dass man vorne bärenstark ist, sondern auch, wo die Schwäche liegt: Bei Flanken in den Strafraum und Kopfbällen. Alle drei Gegentore gegen Cagliari fielen aus Kopfbällen, und nach einer halben Stunde fand eine Flanke von Ramires (der von Maggio nicht konsequent genug attackiert wurde) den Kopf von Didier Drogba, und der Ivorer traf zum 1:0.

Ein Treffer, der bei Napoli sichtlich Wirkung hinterließ. Die Verletzung von Maggio und der dadurch nötige Wechsel waren sicher auch ein Faktor, aber vor allem im Zentrum – Gargano und Aronica seien hier erwähnt – blieb Napoli nun vermehrt zu weit vom Gegenspieler weg, die Sicherheit im Passspiel schwand merklich und ein zweites Gegentor vor der Pause schien alles andere als unwahrscheinlich.

Wieder ein Kopfball – und die krachende Antwort darauf

Aber es dauerte bis kurz nach der Pause, als Hugo Campagnaro – der linke Mann in Napolis Dreierkette – den Blues das 2:0 schenkte. Erst verursachte er nach einer Flanke (auf dieses Mittel setzte Chelsea nun natürlich vermehrt) aus seiner Verunsicherung heraus einen unnötigen Eckball, und bei dem ließ er dann auch noch John Terry laufen – das verdiente 2:0 für die Hausherren. Und wie schon das erste Tor wurde es von einem Akteur aus jener „alten Garde“ erzielt, die gemeinhin als die Hauptverantwortlichen für Villas-Boas‘ Rauswurf ausgemacht worden waren.

Napoli war nun gezwungen, wieder aktiver am Spiel teilzunehmen und Gökhan Inler, Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft, ging mit seiner Energie aus dem Zentrum dabei voran. Nicht nur, dass er nun deutlich Verantwortung übernahm und die Intensität erhöhte, nein, er sorgte mit seinem krachenden Weitschuss-Tor aus 20 Metern auch dafür, dass Napoli nun wieder weiter wäre und Zwang somit Roberto di Matteo zum Handeln.

Torres kommt rein

Ab ca. 60. Minute

Dieser brachte Fernando Torres ins Spiel, der seit Oktober auf einen Torerfolg wartet. Für ihn musste Sturridge weichen und aus dem System wurde nominell ein 4-4-2. Weil aber Mata sich nicht allzu viel auf der rechten Seite aufhielt und in sich immer wieder in die Zehner-Position orientierte, musste Branislav Ivanovic die komplette rechte Seite übernehmen. Das machte der Serbe von seiner Präsenz her auch sehr gut, allerdings waren seine Flanken und seine Zuspiele zumeist sehr ungenau. So war Dossena beschäftigt, aber Torgefahr ging davon nicht aus.

Torres selbst spielte um Drogba herum und versuchte, die Kanäle zwischen Napoli-Abwehr und dem defensiven Mittelfeld der Italiener zu nützen. Das machte er recht ordentlich, er bot sich immer als Anspielstation an und arbeitete gut, aber echte Gefahr für das Napoli-Tor ging auch von ihm nicht aus. So brauchte es bei allem spielerischen Übergewicht, das Chelsea entwickelte, einen Hand-Elfmeter. Diesen verwandelte mit Frank Lampard der dritte aus der alten Garde mit voller Wucht. Das 3:1 aus dem Hinspiel war egalisiert, es ging in die Verlängerung.

Chelsea mit mehr Qualität von der Bank

Dort mussten die Mannschaften merklich der extrem hohen Intensität der vorangegangenen 90 Minuten Tribut zollen. Di Matteo nahm dabei aber einen guten Wechsel vor: Für Mata brachte er Malouda. Der Franzose ging nun auf die linke Seite und machte einen guten Job, wenn es darum ging, Bälle zu behaupten Gegenspieler zu binden. Ramires wechselte auf die rechte Seite und übernahm dort die spielerische Verantwortung, nachdem Bosingwa dort Ivanovic ablöste (Terry musste raus, Ivanovic ging in die IV).

So schaffte es Chelsea gut, die Abwehr von Napoli auseinander zu ziehen und versuchte weiterhin, mit Flanken die Schwäche im Zentrum der Italiener auszunützen – was in der 105. Minute durch ein Tor von Ivanovic nach Drogba-Flanke zum 4:1 ausgenützt wurde. Was die Vorentscheidung war: Denn bei Napoli war das Offensiv-Trio müdegelaufen – ohne die defensiv gebundenen Wing-Backs waren sie zumeist auf sich alleine gestellt. Mit Pandev und Jungstar Vargas fehlte es aber an den Ideen, zudem machte der im Saisonverlauf oft (und auch zu Recht) viel gescholtene David Luiz eine herausragende Partie.

Fazit: Der Wille, der unter Villas-Boas fehlte

Roberto di Matteo hat sein Team taktisch richtig eingestellt, erkannte die Schwächen von Napoli und bohrte diese entsprechend an, nahm die Wing-Backs der Italiener aus dem Spiel und isolierte damit deren Offensiv-Trio ganz gut. Aber: Viel entscheidender als das war die Tatsache, dass die Spieler von Chelsea mit einem Schwung, einem Willen und einer inneren Überzeugung aufgetreten sind, wie sie es unter André Villas-Boas praktisch nie gemacht haben.

Dieser Wucht war Napoli über die 120 Minuten gesehen ganz einfach nicht gewachsen. Es fehlte so ein wenig der Plan B als sich immer mehr abzeichnete, dass man nach vorne ohne nach vorne marschierende Flügelspieler kaum die Mittel hatte, das gefürchtete Trio Hamšík/Cavani/Lavezzi entsprechend einzusetzen. Was eine ähnliche Erkenntnis bringt wie vor einem Jahr nach dem Aus in der Europa League: Napoli hat sich ohne Frage extrem verbessert, in den letzten 13 Monaten, aber ein absolutes europäisches Spitzenteam ist man eben doch (noch) nicht.

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Durch die Mitte spielt man Napoli nicht aus – Man City so nur 1:1 https://ballverliebt.eu/2011/09/14/durch-die-mitte-spielt-man-napoli-nicht-aus-man-city-so-nur-11/ https://ballverliebt.eu/2011/09/14/durch-die-mitte-spielt-man-napoli-nicht-aus-man-city-so-nur-11/#comments Wed, 14 Sep 2011 21:08:26 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5747 Durch die Mitte spielt man Napoli nicht aus – Man City so nur 1:1 weiterlesen ]]> Manchester City startete die Saison in nicht zu stoppender Manier – im Duell der Champions-League-Debütanten gegen Napoli gab es den ersten kleinen Dämpfer für die Citizens. Weil es gegen das in Europa kaum verwendete 3-4-2-1 der Italiener an der Konsequenz im Flügelspiel fehlte.

Manchester City - SSC Napoli 1:1

Das Erfolgsgeheimnis von Napoli in der italienischen Meisterschaft beruht auf der Gegensätzlichkeit des eigenen Systems zu jenem der Gegner: Mit einer Dreierkette hinten und zwei Sechsern davor wird die fast ausschließlich über die Mitte kommende Konkurrenz aufgehalten, während die beiden Wing-Backs gegen die in der Serie A ansonsten deutlich unterqualitativ bis gar nicht besetzten Flügel die Angriffe aufgozogen wird und das Dreigestirn mit Hamsik, Lavezzi und Cavani vorne dann für die Tore sorgt.

Wie Mancini das 3-4-2-1 ausspielen will

Das geht auf internationaler Bühne so nicht, was schon in der letztjährigen Europa League klar wurde. Und gegen eine so starke Mannschaft wie Man City ist mit selbst das Spiel aufziehen schon mal gar nichts – so blieb zwar das übliche 3-4-2-1 von Trainer Walter Mazzarri bestehen, es erfüllte aber andere Zwecke als in der Serie A.

Für Man-City-Coach Roberto Mancini bedeutete das in England gar nicht vorkommende System, dass er seine Mannschaft darauf neu einstellen musste. Das machte er, indem er ein nominelles 4-4-2 auf das Feld stellte, das aber nur in den allerseltensten Fällen auch als solches spielte. Vor allem die Tatsache, dass duch die sehr tief stehenden Wing-Backs von Napoli effektiv gegen eine Fünferkette angespielt werden musste, war dabei das Hauptproblem.

Der Plan: Viel über die Außen

Mancini versuchte das zu lösen, indem er vorne mit Dzeko und vor allem Agüero zwei extrem mobile Spitzen hatte, die sich viel bewegten und die Napoli-Dreierkette, die sich oft im Strafraum zusammenzog, auseinander zu reißen versuchten. Noch wichtiger aber waren Pablo Zabaleta und Aleksandar Kolarov.

Die beiden Außenverteidiger mussten extrem viel nach vorne machen, um dafür zu sorgen, dass die Wing-Backs von Napoli beschäftigt waren und wenn möglich einer aus dem Zentrum – entweder aus der Dreierkette oder einer der beiden Sechser Inler und Gargano – nach außen musste, um zu helfen, und so Räume im Zentrum zu öffnen. Allerdings zogen Silva und Nasri oftmals zu früh in die Mitte, um das wirklich konsequent genug zu machen.

Napoli tut sich nach vorne schwer

City sammelte so zwar zwei Drittel Ballebesitz, aber gegen die dicht stehende Abwehr der Italiener kamen sie nur dann durch, wenn es gelang, Napoli herauszulocken oder nach Standardsituationen für Napoli in der Hälfte von City schnell nach vorne zu kommen. Was nicht oft der Fall war – Dzeko verzog gleich zu Beginn nur knapp, Touré holzte den Ball nach einer halben Stunde an die Latte. Ansonsten war das viel Ballbesitz und wenig Chancen.

Napoli kam nur in Ausnahmefällen nach vorne, weil Zuñíga und Maggio wahnsinnig viel mit Defensivaufgaben gebunden waren, und die beiden Sechser sowieso. So fehlte es dem Offensiv-Trio am Nachschub und es gelang nicht allzu oft, sie einzusetzen. Und wenn doch, konnten sie sich nur dann etwas festsetzen, wenn sie es schafften, den Ball so lange zu halten, bis Mannschaftskollegen aufgerückt waren. Oder, wenn Anspiele schnell verarbeitet wurden – so wie in der 17. Minute, als Lavezzi mit dem ersten Angriff der Italiene die Latte traf.

City zu viel durchs Zentrum

Das änderte sich ein wenig nach dem Seitenwechsel. Anstatt noch mehr als vor der Pause zu versuchen, das Spiel breit zu machen und die Fünferkette so in Verlegenheit zu bringen, spielte sich City nun noch mehr in der Mitte fest und erlaubte so den Wing-Backs von Napoli, deutlich mehr als in der ersten Hälfte nach vorne zu rücken. Das hatte naturgemäß zur Folge, dass Kolarov und Zabaleta nicht mehr so viel ins Angriffsspiel eingebunden waren. Was wiederum das Spiel von City noch mehr in die Mitte verlagerte.

Napoli hatte das Geschehen defensiv im Griff, es fehlte im unmittelbaren Zentrum aber an Manpower, um das für sich auszunützen. Darum brachte Mazzarri nach einer Stunde mit Blerim Dzemaili auch seinen zweiten Schweizer (neben Inler) für Lavezzi, der neue Mann stellte sich etwas tiefer als der Argentinier vor ihm – und siehe da, Gargano und Inler taten sich nun viel leichter, den Ball kontrolliert nach vorne zu bringen.

Ein Standard rettet City

City ließ nun neben Flügelspiel und Tempo auch zunehmend die Präzision vermissen, und so nützte Napoli einen leichten Ballverlust zu einem schnellen Konter, den Cavani cool zur 1:0-Führung für die Italiener abschoss. Nicht ganz unverdient, denn in der zweiten Hälfte war der Dritte der letzten Serie-A-Saison deutlich besser im Spiel und konnte auch die Ballbesitz-Statistik annähernd ausgleichen.

Da City die spielerischen Mittel vermissen ließ und nachdem Agüero für den zweiten Lattenschuss der Gastgeber gesorgt hatte, musste wenige Minuten später ein Freistoß herhalten, um den Ausgleich zu erzielen – Kolarov versenkte ihn mit der letzten Aktion, bevor er für Gaël Clichy den Platz verlassen musste. Zudem kam Adam Johnson für den weitgehend unproduktiven Samir Nasri neu in die Partie.

Das erhöhte zwar den Punch über die rechte Seite (Silva war auch links gewechselt) und bereitete die größte Siegchance für City vor (Dzeko verzog knapp), aber Ordnung und Präzision im Spiel nach vorne gingen weiterhin ab. Zudem nützte Napoli das mit geschicktem Positionsspiel im Mittelfeld aus, um nicht mehr wirklich in Gefahr zu kommen, den Punkt zu verlieren.

Fazit: City immer schlampiger, Napoli immer sicherer

Der Plan von Manchester City, durch weit aufrückende Außenverteidiger die Wing-Backs von Napoli zu beschäftigen und so zu versuchen, die Defensive auseinander zu ziehen, war zwar grundsätzlich richtig, wurde aber zu unkonsequent ausgespielt. So hielt Napoli vor der Pause gut dicht und fand nach dem Seitenwechsel, als City immer mehr mit dem Kopf durch die Wand wollte, immer besser ins Spiel.

Daher ist der Punkt, den Napoli aus England mitnimmt, auch verdient. Denn während City im Spielverlauf immer schlampiger wurde, wurden die Italiener immer sicherer und trauten sich spätestens mit der Einwechslung von Dzemaili immer mehr zu. Für Napoli zweifellos ein gewonnener Punkt, für City zwei verlorene – im ersten Pflichtspiel dieser Saison, das die Mannschaft nicht gewinnen konnte.

(phe)

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Die inhaltliche Selbstblockade bringt verdiente Pleite gegen die Slowakei https://ballverliebt.eu/2011/08/10/selbstblockade-bringt-12-im-test-gegen-die-slowakei/ https://ballverliebt.eu/2011/08/10/selbstblockade-bringt-12-im-test-gegen-die-slowakei/#comments Wed, 10 Aug 2011 21:06:49 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5517 Die inhaltliche Selbstblockade bringt verdiente Pleite gegen die Slowakei weiterlesen ]]> Der Ballbesitz war das einzige, wo Österreich einen Voreil hatte. Denn ansonsten blockerte sich ein wirres Team selbst. Flache Sololäufe, statt Janko einzusetzen. Ein Kulovits als Spielgestalter. Ein verschenkter Junuzovic. So reichte den nicht übertrieben starken, aber inhaltlich gut aufgestellten Slowaken eine absolute Durchschnittsleitung.

Österreich - Slowakei 1:2

Österreich ist rechts, Deutschland ist links – nein, das ist keine politische Zuschreibung (obwohl man auf die Idee kommen könnte), sondern die Aufteilung der Flanken beim ÖFB-Team. Auf der linken Außenbahn waren Klein und Junuzovic aufgeboten, auf der linken wie gehabt Fuchs und Alaba. Und auch, wenn keine der beiden wirklich funktionierte, so war doch – wenig überraschend – die „deutsche“ deutlich aktiver.

Seltsame Besetzung der Zentrale

Eine weitere Auffälligkeit in der österreichischen Aufstellung war die Tatsache, dass Spieleröffner Julian Baumgartlinger als tiefer Sechser aufgeboten war, Zerstörer Kulovits hingegen als Achter. Womöglich war die Absicht dahinter, dass Kulovits den Kettenhund für Marek Hamsik geben hätte sollen – der Napoli-Star spielte nur dummerweise auf der Flanke.

So tapste Kulovits eher verloren durch das Zentrum und war zu jenen Pässen in der Eröffnung gezwungen, die Baumgartlinger viel besser kann. Auch konnte er keinerlei Druck auf Jez und vor allem das Duo Guédé/Kucka ausüben. Im Gegenteil – der eingebürterte Guédé war der einzige Slowake, der einigermaßen konsequent auf den Gegner presste, in seinem Fall eben Kulovits.

Alleinunterhalter Martin Harnik

Hamsik auf der Flanke bedeutete, dass Christian Fuchs nicht annähernd so viel nach vorne machen konnte, wie das erhofft und geplant war; während Rechtsverteidiger Klein deutlich mehr mit sich selbst zu tun hatte. Er machte (einmal mehr) viel zu wenig nach vorne, er ging (einmal mehr) viel zu zögerlich in die Zweikämpfe. So musste Zlatko Junuzovic auf der für ihn ungewohnten rechten Seite viel mehr Defensivarbeit leisten, als ihm lieb war. Und so blieb auch viel zu viel Arbeit an Martin Harnik hängen.

Denn aus der Zentrale kam nichts (Baumgartlinger zu tief) und auf der linken Seite war Alaba ohne den gebundenen Fuchs ziemlich der Alleinunterhalter. Er machte dort aber viel mehr Wirbel als Junuzovic, an dem das Spiel komplett vorbei lief. Die Folge: Harnik orientierte sich viel mehr auf die linke Flanke, während Alaba oft sehr früh ins Zenturm zog und nicht selten alleine den Weg zum Tor suchte.

Das war sehr durchsichtig und die slowakische Zentrale mit Kucka und Guédé hatte in der Regel wenig Probleme, das zu verteidigen. Harnik tankte sich zwar immer wieder durch, allzu viele wirklich gefährliche Aktionen vor das Tor von Jan Mucha waren aber nicht dabei. Die ärmste Sau bei der ganzen Sache war indes Marc Janko: Weil hinter ihm oft Solos über die Halbpositionen kamen, aber nicht ein einziges Mal eine Flanke von der Grundlinie, KONNTE der Twente-Stürmer gar nichts ausrichten – völlig unmöglich.

Slowakei schaltet hoch

Weil Hamsik über die Fuchs-Seite wenig zur Geltung kam, ging er nach rund zwanzig Minuten für einmal ins Zentrum. Kulovits hatte diese Möglichkeit überhaupt nicht auf der Rechnung, und so war es Hamsik ein leichtes, sich im Rücken von Kulovits davon zu stehlen und einen Eckball heraus zu holen. Aus dem fiel dann das 1:0 für die Slowakei, weil Dragovic das Kopfballduell mit Juraj Kucka verlor.

Das war für die Slowaken der Startschuss. Während sich der WM-Achtelfinalist in der ersten Hälfte der ersten Hälfte vornehm zurückhielt, pressten sie nun deutlich aggressiver und auch deutlich höher, sodass den Österreichern kaum noch Zeit blieb, das Spiel auch nur zu eröffnen. Die Folge waren immer mehr lange Bälle, die kaum einen Abnehmer fanden. Andererseits ging es bei Ballgewinn der Slowaken nun aber sehr schnell und direkt nach vorne, und auch wenn es Abseits war, das 2:0 war nur folgerichtig.

Für die zweite Hälfte nahm Constantini den eher sinnlosen Kulovits heraus und brachte mit Daniel Royer einen neuen Mann für den linken Flügel, Alaba übernahm die Position als Achter. Das brachte allerdings wenig, weil bei den Slowaken gleichzeitig mit Erik Jendrisek ein neuer Gegenspieler statt Hamsik kam, der sich für den ausgewechselten Jez ins Zentrum orientierte. Die Folge: Royer war durch den aktiven Jendrisek viel hinten gebunden, Alaba durch Hamsik im Zentrum, und das Spiel stockte weiterhin.

Noch weniger Plan nach Systemumstellung

Letzte halbe Stunde

In der 55. Minute stellte das ÖFB-Team auf ein 4-4-2 um. Hoffer kam statt des unsichtbaren Junuzovic, Harnik besetzte die rechte Seite. Das ging zunächst gar nicht, weil es das ÖFB-Team im Mittelfeld und auf den Seiten falsch spielte: Wenn man aus einem 4-4-2 das Spiel gestalten will, müssen die Außen im Mittelfeld einrücken und die Außenverteidiger brutal nach vorne preschen – so wie etwa bei Villarreal.

Das passierte bei den Österreichern nicht: Baumgartlinger stand zentral tief, Alaba deckte vor ihm das Zentrum ab, aber Harnik und Royer wurden von ihren Gegenspielern auf die Flügel gezwungen, weil vor allem Klein überhaupt nicht mithalf. Es ist nur der fehlenden Konsequenz der Slowaken zu verdanken, dass sie das ziemlich aufgerissene österreichische Mittelfeld überhaupt nicht bestraften.

Komplette inhaltliche Leere

Wie zum Hohn für diese Umstellung Österreich nach der einzigen wirklich guten Flanke im ganzen Spiel (eine einzige, in 90 Minuten) den Anschlusstreffer erzielte, übertüncht nur die inhaltliche Leere. Dass ausgerechnet der kleine Hoffer dem eher bemitleidenswerten Janko den Ball vom Schädel nahm und ihm auch noch das Tor wegnahm, war für den Holland-Legionär sicher auch kein Boost für das Selbstvertrauen.

Zumal das Spiel der Österreicher in der letzten halben Stunde fast nur noch auf lanke Seitenwechsel „aufgebaut“ war, obwohl Alaba und Baumgartlinger durchaus aufrückten und auch die Abwehrreihe hoch stand. Aber die Slowaken spielten ihre Umstellungen deutlich klüger aus, weil sie innerhalb ihres Systems durchwechseln konnten, ohne dass sich an der klar erkennbaren Linie im Spiel auch nur das geringste änderte.

Sebo vorne, dafür Holosko auf der Seite? Kein Problem. Jendrisek ins Zentrum, dafür Guédé raus und Hamsik zurück auf die Acht? Nur für Alaba eine Umstellung, weil er defensiv mehr tun musste – ein weiterer Grund, warum Österreich nur noch durch langen Hafer nach vorne kam. So ist es am Ende zwar für das Resultat aus ÖFB-Sicht bitter, dass der vermeintliche Ausgleich von Hoffer wegen Abseits zurecht nicht zählte. Dem Spiel entspricht die österreichische Niederlage aber durchaus.

Fazit: Da passte sehr, sehr wenig. Eigentlich nichts.

Kulovits auf der Acht? Ein seltsames Manöver, das ein Schuss in den Ofen war. Junuzovic auf die rechte Seite stellen? Keine gute Idee, weil auch von Klein nichts kam. Nach innen ziehende Angriffe über Alaba und Harnik? Funktionierte nicht, zudem wurde so Janko aus dem Spiel genommen. Umstellung auf 4-4-2? Raubte dem Team den letzten Funken Kreativität.

Das slowakische Team ist von der Besetzung und dem Potenzial her weder wirklich etwas Besonderes noch wirklich über die Mannschaft aus Österreich zu stellen. Doch Teamchef Vladimir Weiss versteht es, seinem Team eine klare Linie zu verschaffen, innerhalb er ohne Reibungsverluste wechseln kann und das zwar recht bieder daherkommt (vor allem, wenn wie in diesem Spiel Marek Hamsik nicht so zur Geltung kommt), aber weil jeder genau weiß, wann er was zu tun hat, reichen letztlich gute 25 Minuten, um einen Gegner wie Österreich in der aktuellen Verfassung verdient zu besiegen.

(phe)

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Napoli ein Spitzenteam? (Noch) nicht. https://ballverliebt.eu/2011/02/24/napoli-ein-spitzenteam-noch-nicht/ https://ballverliebt.eu/2011/02/24/napoli-ein-spitzenteam-noch-nicht/#comments Thu, 24 Feb 2011 22:49:13 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=4186 Napoli ein Spitzenteam? (Noch) nicht. weiterlesen ]]> Der Überraschungs-Zweite der Serie A gegen das Team, dass in Spanien um den Titel „Best of the Rest“ kämpft, Teil zwei: Im Hinspiel neutralisierten sich Napoli und Villarreal. Beim 2:1-Sieg der Spanier im Rückspiel zeigte sich vor allem, dass die Italiener zwar ein gutes Team stellen – aber keine Spitzenmannschaft.

Villarreal CF - SSC Napoli 2:1

Walter Mazzarri änderte sein Team gegenüber dem Hinspiel nur auf einzelnen Position, nicht aber seine bewährte Grundformation des 3-4-2-1; wobei die wohl wichtigste Änderung Edinson Cavani betraf: Er saß zunächst auf der Bank und José Ernesto Sosa begann. Bei Villarreal standen bis auf Senna (für ihn rückte Valero ins Team) die selben Spieler in der Startelf wie beim 0:0 im Hinspiel letzte Woche. Was auch hieß: Die Partie verlief auch sehr ähnlich dem von vor sieben Tagen.

Villarreal versuchte sich an der Spielgestaltung, was vom konsequenten und frühen Pressing der Italiener aber erfolgreich gestört. Selbst lief sich der aktuelle Zweite der Serie A aber nach Ballgewinnen praktisch immer in der schnell wieder dicht gestaffelten Abwehr der Spanier fest. Kam Villarreal doch einmal in die Nähe des Napoli-Strafraums, gab es dort ob der systembedingten Unterzahl kein Durchkommen. So war das Tempo des Spiels hoch, genauso die Intesität, aber Torszenen blieben aus.

Eminent wichtig waren im taktischen Duell natürlich vor allem beim Aufeinandertreffen des 4-4-2 von Villarreal mit dem 3-4-2-1 von Napoli die Kämpfe um die Flanken. Hier setzten sich über das Spiel gesehen die Spanier durch: Cani und Gaspar schafften es, dass Dossena zu keinem Zeitpunkt ernsthaft ins Spiel kam. Die linke Seite von Napoli war somit völlig aus dem Spiel.

Die andere Seite beackerte Zuniga mit etwas mehr Erfolg. Er hielt zum einen Cazorla gut ruhig und ging auch immer wieder beherzt nach vorne, konnt aber andererseits nicht verhindern, dass Weltmeister Capdevila oftmals tief in der Napoli-Hälfte auftauchte. Aber wenn bei Napoli was ging, dann über Zunigas Seite.

Logische Folge: Führung aus einem Eckball

So war es beinahe logisch, dass das 1:0 für Napoli aus einer Standardsituation entstand: Eine kurz abgespielte Ecke von rechts, eine Flanke vor das Tor und Hamsík köpft (wenn auch aus schwer abseitsverdächtiger Position) zum 1:0 für die Italiener ein. Was die mitgereisten Fans so heftig bejubelten, dass der Zaun zwischen Tribüne und Platz kollabierte und ein Dutzend Fans aufs Feld purzelten…

Ein Tor, das seine Wirkung nicht verfehlte – denn nun konnte sich Napoli etwas zurück ziehen und Villarreal etwas defensiver erwarten; schließlich brauchten die Hausherren nun schon zwei Tore. Angesichts der Tatsache, dass Zuniga und Dossena sich nun also normale Außenverteidiger verhalten konnten und die Seiten defensiv gut zumachten, standen dann immer noch drei Innenverteidiger und zwei defensive Mittelfeldspieler zur Verfüngung, die Villarreal auch noch umkurven musste. Kein Wunder, dass die Angriffsversuche der Spanier immer hilfloser wurden und das Tempo alsbald komplett aus ihrem Spiel wich. Napoli hatte alles fest im Griff, und als Lavezzi aus einem Konter ganz alleine auf Keeper Diego Lopez zulief, hätte es schon die Vorentscheidung sein müssen – aber der Villarreal-Goalie parierte (27.).

Zwei Fehler, zwei Gegentore

Es sah bei Napoli alles bombensicher aus, aber dann passte in der 42. Minute für einmal doch die Zuordnung nicht: Cribari grätschte daneben, ein schneller Steilpass vor das Tor, und Nilmar setzte sich gegen den zurückgeeilten Hamsik (!) durch – der Ausgleich. Und ehe es sich die Italiener versahen, lagen sie noch vor dem Pausenpfiff sogar im Rückstand: Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, schneller Ball auf Giuseppe Rossi, und dessen Schuss wird für Napoli-Schlussmann Morgan de Sanctis unhaltbar abgefälscht.

Den doppelten Nackenschlag konnte Napoli nicht so ohne Weiteres verarbeiten, wie die Anfangsphase der zweiten Hälfte deutlich zeigte. Es häuften sich nun die Fehlpässe, die Abwehr (die mit Cannavaro und Aronica ja gleich ohne zwei Stammverteidiger spielte) begann zu schwimmen. Zudem war das Spiel der Italiener weiterhin sehr eindimensional rechtslastig.

Mit Cavani kommt Schwung, aber auch Planlosigkeit

In der 53. Minute brachte Mazzarri dann mit Edinson Cavani seinen Superstar in der Spitze statt des unauffälligen Sosa. Mit dem Uruguayer kam zwar sofort Schwung in das Spiel der Italiener: Cavani hatte sofort die erste Kopfball-Chance (55.), traf den Pfosten (66.) und setzte einen Fallrückzieher über das Tor (72.).

Doch in gleichem Maße wich das durchdachten Spiel der ersten Hälfte immer mehr einem eher planlosen Angriffsspiel nach dem Motto „Gib den Ball einem der drei da vorne, die werden schon was draus machen“. Natürlich kann man einen wie Cavani nie ganz ausschalten, aber Villarreal machte einen guten Job, das so gefährliche Angriffstrio Cavani/Lavezzi/Hamsik (die 33 von Napolis 41 Serie-A-Toren erzielt haben) aus der unmittelbaren Gefahrenzone fern zu halten.

Daran änderte sich auch nichts, als Mazzarri zehn Minuten vor Schluss Innenverteidiger Cribari vom Platz nahm und mir Mascara einen weiteren Stürmer brachte. Im Gegenteil – Villarreal hatte im Konter sogar noch diverse Chancen, mit einem dritten Tor das Spiel zu entscheiden.

Fazit: Der kühlere Kopf gewinnt

Eigentlich hatte Napoli ja den besseren Matchplan: Frühes Pressing, hinten gut zumachen, vorne auf die individuelle Klasse bauen. So hatten die Italiener Villarreal in der ersten halben Stunde voll im Griff. Nach der Führung aber ließen sie die Zügel zu schnell schleifen und die Spanier nützten zwei Fehler gnadenlos aus. Nach der Pause fehlte es Napoli an der Ruhe, wieder zum eigenen Spiel zurück zu kehren und die Spanier brachten den Sieg über die Zeit.

Im größeren Kontext sagt dieses Spiel mehr über Napoli aus, als über Villarreal. Die zweite Halbzeit hat gezeigt, dass es beim Zweiten der Serie A noch an der Klasse fehlt, gegen einen qualitiativ wirklich guten Gegner Rückschläge zu verarbeiten und die Ruhe zu bewahren, wenn es darauf ankommt. Das unterscheidet eine gute Mannschaft von einem Spitzenteam – und letzteres ist Napoli dann doch (noch) nicht.

(phe)

Lest auch die Analyse des Hinspiels auf ballverliebt

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Mehr als ein kleiner Bruder? https://ballverliebt.eu/2010/01/26/mehr-als-ein-kleiner-bruder/ https://ballverliebt.eu/2010/01/26/mehr-als-ein-kleiner-bruder/#comments Tue, 26 Jan 2010 17:49:44 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=1784 Mehr als ein kleiner Bruder? weiterlesen ]]> WM-SERIE, Teil 9: SLOWAKEI | Eigentlich sind die Slowaken ja eher dafür bekannt, den Nachbarn aus Tschechien im Eishockey einzuheizen. Jetzt schicken sie sich an, im Fußball einen historischen Irrtum aufzuzeigen. Einen Irrtum aus dem Jahre 1976.

Als Uli Hoeneß den entscheidenden Elfmeter in den Nachthimmel von Belgrad jagte und Antonín Panenka seinerseits die Kugel an Sepp Maier vorbei zentral ins Tor lupfte, war es geschafft: Die Tschechoslowakei hat nach zwei verlorenen WM-Finals erstmals in ihrer Geschichte einen großen Titel eingefahren. Das Team war Europameister von 1976. Ein Titel, der heute, siebzehn Jahre nach der Trennung der beiden Staaten, gemeinhin der tschechischen Nationalmannschaft zugeschlagen wird. Eine eigentlich ungeheuerliche Fehleinschätzung.

Denn wieviele Tschechen waren im Finale gegen die Bundesrepublik Deutschland tatsächlich auf dem Feld – neun? zehn? Nein – es waren nur vier! Sieben der elf Akteure vom Europameister waren Slowaken. Und doch würde niemand auf die Idee kommen zu sagen, die Slowakei hätte einen Europameistertitel auf der Habenseite. Eine Haltung, die natürlich auch dadurch so richtig Traktion bekommen hat, weil sich die Tschechen nach der Trennung schnell als fixe Größe im Weltfußball etabliert hatte, die Slowaken international aber lange nicht so richtig Fuß fassen konnten. Nicht, was den Vereinsfußball angeht, nicht was den Export von potentiellen Superstars angeht – und so natürlich auch nicht, was die Nationalmannschaft angeht. Aber damit soll jetzt Schluss sein.

Aus slowakischer Sicht kann man die Sache nämlich auch anders herum sehen. Sie sind mit dem Gruppensieg in der Qualifikation (in einer zugegeben recht schwachen Gruppe) nun erstmals bei einer WM-Endrunde dabei – und haben somit genauso viele Teilnahmen auf dem Konto wie der westliche Nachbarstaat, mit dem man so lange vereint war. Denn so sehr die Tschechen auch bei diversen EM-Endrunden aufzeigten, sie waren seit der Trennung 1993 nur ein einziges Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei. Vor vier Jahren. Und dieses Abenteuer endete schnell, schon nach der Vorrunde.

Die Erfolgsgeschichte der Slowakei hat ihren Grundstein im Jahr 2000. Das Eishockey-Team, dass sich (anders als das der Tschechen, das diskussionslos bei der A-WM bleiben durfte) von ganz unten nach oben arbeiten musste, stieß erstmals ins WM-Finale vor. Man unterlag dort zwar ausgerechnet Tschechien, war aber in der Weltspitze endgültig angekommen. Und ebenfalls in diesem Jahr wurde Vladimír Weiss, mit der ČSSR bei der Fußball-WM 1990 aktiv, mit gerade 35 Jahren Trainer von Mittelständler Artmedia Bratislava. Von nun an sollte es bergauf gehen – wenn auch die Puckjäger damit schneller waren. Sie feierten 2002 ihr „Wunder von Göteborg“ feierten und wurden erstmals Weltmeister.

Die Fußballer brauchten da noch etwas. Sie landeten in den Qualifikationen für WM und EM konstant auf den Plätzen drei oder vier, etablierten sich als Mittelklassemannschaft. Einmal reichte es für’s Playoff, im November 2005 stand man gegen Spanien aber auf verlorenem Posten. Doch der Aufwärtstrend war unverkennbar: In diesem Herbst qualifizierte sich Artmedia, mittlerweile dank Trainer Weiss zu Meisterehren gekommen, sensationell für die Champions League, düpierte dort den FC Porto und ließ die Glasgow Rangers hinter sich. Weiss wechselte daraufhin in die russische Liga – und wurde nach der deutlich verpassten Qualifikation für die Euro 2008 slowakischer Teamchef. Ein logischer Schritt, für beide Seiten.

Die Slowaken hatten natürlich auch Glück mit ihrer Gruppe. Die nach einer schrecklichen Euro ausgebrannten Polen, die vermeintlich irrelevanen Slowenen, die biederen Nordiren. Und die schwächelnden Tschechen – ausgerechnet. Teamchef Weiss fand ähnliche Verhältnisse vor, wie bei Artmedia: Im Grunde eine No-Name-Truppe. Seine Spieler in der Nationalmannschaft standen zum Großteil bei allen möglichen europäischen Leichtgewichten unter Vertrag. Dazu eine Handvoll viel versprechender Talente, wie Trainersohn Vladímir junior oder Marek Hamšík. Und der Teamchef machte daraus eine zwar wenig spektakuläre, aber gut aufeinander abgestimmte Einheit, die sich auf die Gegner hervorragend einstellt und als Mannschaft besser ist als die Summer der Einzelteile. So wird man nationaler Meister. Und so führt man auch einen Underdog wie die Slowakei zu einer WM-Endrunde.

Einen Underdog, in dessen Mannschaft nur wenige einen internationalen Namen haben. Einer derjenigen, die noch am ehesten auf dem Radar aufscheinen, ist Abwehrchef Martin Škrtel. Der 1.91m-Hüne hat sich bei Liverpool in der ersten Mannschaft festgespielt und soll auch im slowakischen Team als knochentrockener Abräumer schon vor Schlussmann Ján Mucha abräumen. Eine Mammut-Aufgabe, denn der zweite Mann vorm Torwart von Legia Warschau ist mit Ján Ďurica eher ein Unsicherheitsfaktor. Hier gibt es aber kaum Alternativen, weswegen der Verteidiger von Hannover seinen Platz sicher haben dürfte.

Ebenso wie Peter Pekarík auf der rechten Seite, obwohl dieser bei Wolfsburg kaum Spielpraxis bekommt. Der einzige, der sonst noch auf halbwegs internationalem Niveau rechts hinten spielen könnte, ist Radoslav Zabavník – der hat aber erstens seinen Platz eher auf der linken Seite. Und selbst von dort kann der 29-Jährige eigentlich nur noch verdrängt werden, wenn er keinen Verein findet, nachdem sein Vertrag beim russischen Mittelständler Terek Groznyi nicht verlängert wurde. Signale deuten auf einen Wechsel in die polnische Liga. Die Abwehrreihe steht im Normalfall, hier hat Weiss zuletzt kaum gewechselt, wenn es nicht durch Verletzungen oder Sperren notwendig wurde.

Etwas umkämpfter ist die Position im defensiven Mittelfeld. Zuletzt hatte dort der 33-jährige Zdeno Štrba von Xanthi bessere Karten, aber sein gleich alter Konkurrent Miroslav Karhan hat beinahe hundert Länderspiele auf dem Buckel. Er ist damit slowakischer Rekord-Teamspieler und hat zudem gegenüber Štrba (der erst 2009 die Slowakei verlassen hat) den Vorteil, seit über zehn Jahren dank Stationen in der Türkei, Spanien und Deutschland durchwegs in starken Ligen engagiert zu sein. Seine Erfahrung ist auf dem Niveau einer Weltmeisterschaft ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Der eigentliche Star der Mannschaft ist, trotz dem Liverpooler Škrtel, aber Marek Hamšík. Der offensive Mittelfeldmann von Napoli ist der Kapitän der Mannschaft, und das mit gerade einmal 22 Jahren. Er führt die Riege der jungen, aufstrebenden Mittelfeld-Akteure im slowakischen Mannschaft Team an; bei seinem Debut in der Serie A (noch für Brescia) war er noch keine 18 Jahre alt. Er kann auch über die Flanken kommen, spielt aber eher in der Mittelfeldzentrale. Sollten die Slowaken mit zwei Sechsern agieren, würde Hamšík auf die linke Seite ausweichen.

Dorthin, wo sich zwei weitere aus der jungen Generation um den Platz streiten. Zum einen ist dies der Salzburger Dušan Švento, der bei den Bullen eine durchaus ansprechende Saison spielt. Im Laufe der Qualifikation setzte sich aber eher der 20-jährige Miroslav Stoch fest – der Nachfolger von Marko Arnautovic bei Twente Enschede. Das Riesentalent gehört an sich Chelsea und hatte für die Blues auch schon den einen oder anderen Einsatz, bevor er nach Holland verliehen wurde. Ein ähnliches Duell gibt es auf der rechten, ebenso offensiv ausgelegten Mittelfeldseite: Hier wurde der routinierte Ján Kozák von Trainersohn Vladimír Weiss junior verdrängt. Der 20-jährige ist zwar zweifellos talentiert, konnte sich jedoch bei Manchester City überhaupt nicht durchsetzen und wechselte im Winter zu den Bolton Wanderers.

In der Spitze hat Teamchef Weiss ebenso einige Alternativen, aus denen er sich sein Sturmduo zusammen basteln kann. Da wäre zum einen Stanislav Šesták, der seit Jahren beständig für Bochum in der deutschen Bundesliga seine Tore schießt. Er bildet zusammen mit Robert Vittek das wahrscheinliche Duo vor dem gegnerischen Tor. Da Vittek aber bei Lille nur Joker ist und so nicht auf die erhoffte Einsatzzeit kommt, könnte auch von Erik Jendrišek zu Zug kommen. Dieser spielt bei Kaiserslautern zwar „nur“ in der zweiten deutschen Liga, das aber dafür regelmäßig und durchaus erfolgreich. Zudem hat Weiss mit Martin Jakubko einen regelmäißgen Turschützen aus der russischen Liga zur Verfügung und, wenn alle Stricke reißen, mit Filip Hološko noch einen Stürmer von Beşiktaş. Über den Status als Alternative ist Letzterer im Nationalteam aber, trotz zahlreicher Einsätze, nie wirklich hinausgekommen.

Die Situation ist durchaus mit der zu vergleichen, wie sie die Tschechen vor der Euro 1996 vorfanden: Nicht wirklich beachtet, zwar mit Talent, aber ohne die großen Namen. Und so wie es damals Karel Poborský und Pavel Nedvěd waren, die aus der No-Name-Truppe herausstachen und in der Folge zu Superstars wurden, ist es durchaus realistisch, dass sich nun auch aus der slowakischen Mannschaft einige Spieler in den Vordergrund spielen. Neben den jetzt schon bekannten Hamšík und Škrtel sind es vor allem Stoch und Weiss junior, auf die es ein Auge zu werfen gilt.

Zudem hat es die Auslosung gut mit dem WM-Debütanten gemeint, denn mit Paraguay und den Neuseeländern bekommen es die Slowaken neben den favorisierten Italienern mit zwei Gegnern zu tun, vor denen man sich nicht fürchten muss. Das wird sich aber im ersten Spiel auch der Kontrahent aus Neuseeland denken, weshalb es wichtig ist, schnell etwaige Nervosität abzulegen. Die Slowaken haben keinen Druck, alleine mit der direkten Qualifikation wurde schon mehr erreicht, als man sich wohl selbst realistischerweise zugedacht hätte.

Hinzu kommt, dass die beiden Spiele gegen die schlagbaren Gegner in kleineren Stadien zur Mittagszeit ausgetragen werden, die Gefahr in diesen Spielen also nicht übermäßig groß ist, weit weg von der Heimat von einer allzu dichten WM-Atmosphäre erdrückt zu werden. Die Slowaken können eigentlich nur positiv überraschen.

Und dem Nachbarn zeigen, dass er nicht das Monopol auf guten Fußball hat. Wie damals, 1976.

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SLOWAKEI
ganz in weiß, adidas – Platzierung im ELO-Ranking: 48.

Spiele in Südafrika:
Neuseeland (Mittagsspiel Di 15/06 in Rustenburg)
Paraguay (Mittagsspiel So 20/06 in Bloemfontein)
Italien (Nachmittagsspiel Do 24/06 in Johannesburg/E)

TEAM: Tor: Ľuboš Kamenár (23, Nantes), Ján Mucha (27, Legia Warschau), Štefan Senecký (30, Ankaragücü). Abwehr: Marek Čech (27, West Bromwich), Marián Čišovký (30, Timişoara), Ján Ďurica (28, Hannover), Peter Pekarík (23, Wolfsburg), Martin Petráš (30, Cesena), Kornel Saláta (25, Slovan Bratislava), Martin Škrtel (25, Liverpool), Radoslav Zabavník (29, zuletzt Terek Groznyi). Mittelfeld: Marek Hamšík (22, Napoli), Miroslav Karhan (34, Mainz), Kamil Kopúnek (26, Trnava), Ján Kozák (30, Slovan Bratislava), Marek Sapara (27, Rosenborg), Miroslav Stoch (20, Twente Enschede), Zdeno Štrba (34, Xanthi), Dušan Švento (24, Salzburg), Vladímir Weiss (20, Bolton). Angriff: Filip Hološko (26, Beşiktaş), Martin Jakubko (30, FK Moskau), Erik Jendrišek (23, Kaiserslautern), Stanislav Šesták (27, Bochum), Robert Vittek (28, Lille).

Teamchef: Vladimír Weiss (45, Slowake, seit Juli 2008)

Qualifikation: 2:1 gegen Nordirland, 1:2 in Slowenien, 3:1 in San Marino, 2:1 gegen Polen, 2:1 in Tschechien, 7:0 gegen San Marino, 2:2 gegen Tschechien, 2:0 in Nordirland, 0:2 in Slowenien, 1:0 in Polen.

Endrundenteilnahmen: keine

>> Ballverliebt-WM-Serie
Gruppe A: Südafrika, Mexiko, Uruguay, Frankreich
Gruppe B: Argentinien, Nigeria, Südkorea, Griechenland
Gruppe C: England, USA, Algerien, Slowenien
Gruppe D: Deutschland, Australien, Serbien, Ghana
Gruppe E: Holland, Dänemark, Japan, Kamerun
Gruppe F: Italien, Paraguay, Neuseeland, Slowakei
Gruppe G: Brasilien, Nordkorea, Elfenbeinküste, Portugal
Gruppe H: Spanien, Schweiz, Honduras, Chile

* Anm.: Die Platzierungen im ELO-Ranking beziehen sich auf den Zeitpunkt der Auslosung.

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