Ganso – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Sun, 18 Dec 2011 13:37:20 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Klassenunterschied im Finale der Klub-WM: Barcelona fertigt Santos 4:0 ab https://ballverliebt.eu/2011/12/18/klassenunterschied-im-finale-der-klub-wm-barcelona-fertigt-santos-40-ab/ https://ballverliebt.eu/2011/12/18/klassenunterschied-im-finale-der-klub-wm-barcelona-fertigt-santos-40-ab/#comments Sun, 18 Dec 2011 13:37:20 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=6252 Klassenunterschied im Finale der Klub-WM: Barcelona fertigt Santos 4:0 ab weiterlesen ]]> Das große Duell zwischen Messi und Neymar im Klub-WM-Finale? Nun ja, das fand so richtig nicht statt. Der Santos-Jungstar sah kaum einen Ball und konnte nicht verhindern, dass seine Mannschaft vom FC Barcelona absolut zerstört wurde und mit dem 0:4 noch gut bedient war.

FC Barcelona - Santos FC 4:0

David Villa fiel mit seinem im Semfinale des Klub-WM gegen Al-Sadd erlittenen Schienbeinbruch für das Finale gegen Copa-Libertadores-Sieger Santos aus. Für Pep Guardiola kein Problem – bringt er halt Cesc Fàbregas. Damit bekommt das 3-3-4 zwar eine etwas andere Anlage als das mit einem Mittelstürmer Villa der Fall ist, gegen den sicher stärksten Gegner bei dieser Veranstaltung hätte Guardiola aber womöglich so oder so gewechselt.

Überzahl im Mittelfeld

So hatte mit Barcelona gleich zwei zentrale Spieler, die aus der Tiefe nach vorne stoßen können und die Ordnung beim Gegner durcheinander bringen, eben Fàbregas und Messi. Auf den Außenpositionen spielten Dani Alves und Thiago Alcântara sehr hoch und sorgten dort für die nötige Breite, aus dem Mittelfeld verteilten Iniesta und Xavi wie gewohnt die Bälle. Im Grunde sah das Spiel von Barcelona genauso aus wie bei der Offenbarung gegen Villarreal.

Santos konnte Barça die Räume nicht nehmen - hier sind Messi (unten) und Fàbregas (Mitte) völlig frei.

Barcelona sammelte 75% Ballbesitz, es wurde viel rochiert und vor allem Messi und Fàbregas liefen sehr viel und holten sich die Bälle auch in tieferen Mittelfeld-Regionen. Das bereitet den Brasilianern große Probleme, denn die versuchten natürlich, immer möglichst Überzahl in Ballnähe zu bekommen. Was bei de facto fünf zentralen Mittelfeld-Männern bei Barcelona aber hieß das im (sehr schiefen) 4-2-3-1 von Santos aber: Es stand immer einer frei, oft auch mehr – so wie in diesem Bild, als Messi und Fàbregas weit und breit keinen Gegenspieler hatten.

So kam die Santos-Abwehr, die noch dazu einen erstaunlichen Respektabstand zu den Gegenspielern hielt und überhaupt nicht versuchte, mit Körpereinsatz dagegen zu halten, oft schwer in Bedrägnis und nach einer halben Stunde war Barça schon 2:0 voran, zur Halbzeit bereits mit 3:0.

Die Formation von Santos

Die zwei bestimmenden Figuren bei Santos sind natürlich Neymar und Ganso, die beide als heiße Aktien für einen baldigen Transfer nach Europa gehandelt werden. Die beiden haben grundsätzlich eine sehr hohe Qualität, aber gegen ein dermaßen dominantes Team aus Barcelona waren die Superstars zur absoluten Wirkungslosigkeit degradiert. Woran sie aber auch selbst Schuld sind.

Neymar spielte nominell auf der linken Seite im Mittelfeld, aber tatsächlich spielte der 19-Jährige einen Freigeist, spielte sehr zentral und auch recht hoch. Das hieß nicht nur, dass er in der Luft hing, sondern auch, dass Dani Alves die komplette Seite für sich alleine hatte und zudem Puyol immer wieder die Muße hatte, dort etwas weiter aufzurücken.

Ebenso enttäuschend war aber auch Ganso. Wenn nicht noch mehr: Denn der Zehner nahm eigentlich nicht am Spiel teil: Er war vom Passtempo der Katalanen überfordert, stand ebenso wie Neymar zumeist zu hoch, sah kaum Bälle und konnte sie noch weniger verteilen. Busquets hatte keinerlei Mühe, Ganso zu neutralisieren.

Ramalho gibt schon zur Halbzeit auf

Santos-Trainer Muricy Ramalho reagierte schon nach einer halben Stunde auf die komplette Chancenlosigkeit seiner Mannschaft und brachte für U-20-Weltmeister Danilo den routinierten Elano. Am Spiel änderte das aber nichts, die rechte Seite blieb genauso wirkungslos und so war mit dem 0:3 in der Halbzeit das Spiel entschieden.

Nach der Pause schien Santos nur noch darauf aus zu sein, das Ausmaß der sportlichen Katastrophe in Grenzen zu halten. So orientierte sich Elano nebem Henrique und Arouca gegen den Ball ins defensive Mittelfeld, wodurch ein fast italienisches 4-3-1-2 entstand, wobei Ganso auf der zehn blieb, sich Neymar aber vermehrt auf die linke Seite orientierte, um ein paar Bälle zu sehen. An Puyol gab’s aber kein Vorbeikommen.

So plätscherte die zweite Hälfte dahin, Barcelona kontrollierte den Ballbesitz und kam auch zu einigen Chancen, aber im Grunde war das Spiel aufgrund des Klassenunterschieds und des Spielstands ein Non-Contest. Auffällig war aber, dass Dani Alves in seiner extrem hohen Positionierung Probleme hatte, Abseitsstellungen zu verhindern. Er tappte ein ums andere Mal in die verbotene Zone, legte aber zehn Minuten vor Schluss noch den 4:0-Endstand durch Messi auf.

Fazit: Santos hatte nicht den Funken einer Chance

Der Copa-Libertadores-Sieger hatte vom Anpfiff an überhaupt keine Chance und der Endstandt von 0:4 drückt den Klassenunterschied in Wahrheit noch gar nicht wirklich aus – hätte Barcelona sieben oder acht Tore erzielt, keiner hätte sich beschweren können. Die hohe Positionierung von Neymar und die Passivität von Ganso taten ihr übriges. Barcelona hatte keine Mühe und konnte sich ungehindert die Bälle zuschieben.

Messi und Fàbregas genossen die ihnen gewährten Freiheiten sichtlich und arbeiteten extrem viel. Das 3-3-4 von Guardiola funktionierte hervorragend, Santos kollabierte unter dem aufgebauten Druck. Der Sieg stand nie zur Diskussion.

(phe)

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Copa, VF 3/4: Chile und Brasilien eliminieren sich selbst https://ballverliebt.eu/2011/07/19/copa-vf-34-chile-und-brasilien-eliminieren-sich-selbst/ https://ballverliebt.eu/2011/07/19/copa-vf-34-chile-und-brasilien-eliminieren-sich-selbst/#comments Tue, 19 Jul 2011 11:25:36 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5359 Copa, VF 3/4: Chile und Brasilien eliminieren sich selbst weiterlesen ]]> Beobachter hatten nach dem ersten, überraschend verlaufenen Viertelfinal-Tag schon gewitzelt: „Wenn’s normal läuft, gibt’s ein Semifinale Paraguay gegen Venezuela!“ Und siehe da: genau so kam es auch. Weil Brasilien wieder nicht in der Lage war eine wenig aufregende Mannschaft aus Paraguay zu knacken. Und weil Chile gegen Venezuela aus der drückenden Überlegenheit zu wenig machte.

Paraguay - Brasilien 0:0 n.V., 2:0 i.E.

Der Modus macht’s möglich – wie schon in der Gruppenphase treffen Brasilien und Paraguay gleich in der ersten K.o.-Runde aufeinander. Und wieder schaffte es die Seleção nicht, den Außenseiter zu biegen – obwohl Paraguay wie schon gegen Venezuela nicht gerade viel Flair anbieten konnte.

Dafür eine konsequente Defensive. Teamchef Gerardo Martino brachte statt des offensiv etwas stärkeren Nestor Ortigoza im Zentrum Victor Cáceres, der sich explizit um Ganso kümmerte. Auch auf den Flügeln, wo üblicherweise das Spiel der Paraguayer aufgezogen wird, hatten die Spieler vornehmlich defensive Aufgabe – nämlich jene, die Außenverteidiger bzw. die Außenstürmer zu stoppen.

In den alten Trott

Was zur Folge hatte, dass das brasilianische Spiel ziemlich in den alten Trott verfiel: Wenig Breite über die Außenverteidiger, viel Platz zwischen Defensive und Offensive und ein Offensiv-Quartett, dass nicht gut harmonierte, wenn der Ball doch einmal vorne war. Besonders enttäuschend war in dieser Phase Maicon: War er gegen Ecuador noch eine dramtische Verbesserung gegenüber Dani Alves, kam hier wiederum nichts wirklich nennenswertes von ihm.

Andererseits aber zeigte Marcelo Estigarribia, der zwei so tolle Spiele zum Auftakt gemacht hatte, wie schon in seinem letzten Gruppenspiel nach vorne praktisch gar nichts. Auf der anderen Seite ist Vera (der wieder statt Barreto spielte) ohnehin mehr auf der defensiven Seite daheim. So hatte Paraguay das Spiel defensiv zwar gut im Griff und man ließ Brasilien wenig Zeit am Ball und somit kaum Gelegenheit, sich wirklich zu entfalten, aber selbst konnte man auch kaum Torgefahr erzeugen. Ein torloses Remis zur Halbzeit war die logische Folge.

Maicon wacht auf

Nach dem Seitenwechsel sah man endlich wieder mehr von Maicon. Von Estigarribia war nichts zu befürchten, und so traute sich Maicon wieder mehr nach vorne, was dem Spiel seiner Mannschaft extrem gut tat. Brasilien schaffte es nun, den Ball kontrolliert in die gegnersiche Hälfte zu bringen und sich dort festzusetzen. Das war zwar immer noch nicht annähernd so gut wie gegen Ecuador, aber immerhin eine deutliche Verbesserung gegenüber der ersten Halbzeit.

Nach einer Stunde reagierte Martino und brachte mit dem genesene Barreto statt Vera die offensivere Variante auf dem rechten Flügel – wenn schon von Estigarribia auf links nichts kam. Der Effekt allerdings hielt sich eher in Grenzen, weil auch Barreto eher gegen André Santos spielte als umgekehrt. In der zweiten Hälfte zog die Seleção deutlich an der Daumenschraube und hätte auch genug Chancen gehabt, die verdiente Führung zu erzielen. Torhüter Villar hatte etwas dagegen.

Ball kommt nicht in die Spitze

Das Problem bei Paraguay blieb, den Ball in die Spitze zu Valdez und Barrios zu bekommen. Zwar spielte Valdez zumeist in einer eher hängenden Position, letztlich aber doch zu hoch, um aus dem tief stehenden Mittelfeld und von den wirkungslosen Außen bedient zu werden. So nahm Gerardo Martino den in der Luft hängenden Barrios vom Platz und brachte Hernán Pérez, der zentral hinter Valdez ein Mittelding aus Zehner und hängender Spitze gab.

Das nahm zwar Lucas Leiva wiederum etwas aus der Rechnung, sorgte aber nicht dafür, dass Paraguay besser nach vorne spielte. Wirklich geholfen hat auf der anderen Seite auch der Schritt, den bulligen Fred in die Spitze zu stellen und Pato statt des ausgewechselten Neymar (der wiederum haupsächlich durch seine lächerliche Frisur, und nicht durch sein Spiel auffiel) auf den Flügel zu stellen. So ging es in die Verlängerung.

Zwei Mann weniger, gegenseitige Blockade

Dort setzte sich das Spiel – das zudem von einer Peinlichkeit von erbärmlich schlechtem Rasen zusätzlich gehandicapt war – der zweite Halbzeit fort, ehe mit Lucas Leiva und Antolín Alcaraz zwei Spieler aus der Premier League (Liverpool bzw. Wigan) nach einer Rauferei ihre jeweiligen Teams um einen Mann dezimierten. Die gegenseitige Blockade wurde davon allerdings eher verschärft, zumal mit Lucas Silva und Elano (statt Ganso und Pato) bei Brasilien auch eher zentrale Spieler kamen.

Bei Paraguay ging man auf ein 4-4-1, indem Edgar Barreto vom rechtn Mittelfeld nach hinten rückte und von dort Dario Verón auf die frei gewordene Position von Alcaraz in der Zentrale. Paraguay wusste nun endgültig, dass man in diesem Spiel kein Tor mehr erzielen würde und drehte an der Zeit, Brasilien kam auch in der restlichen Spielzeit nicht zum Zug – und so musste es ins Elfmeterschießen gehen

Wo die Brasilianer zum Teil am fürchterlichen Untergrund scheiterten, denn ganze Rasenstücke im mit tonnenweise Sand bearbeiteten Geläuf bei den Strafstößen herausgerissen. Aber während nach Elano (der den Ball gefühlte fünf Meter über das Tor hob) auch Thiago Silva, André Santos und Fred nicht in der Lage waren, sich darauf einzustellen, reagierte Paraguay richtig: Estigarribia und Riveros chipten den Ball nur leicht in die Mitte und verzichteten auf Härte. Was das richtige Rezept war.

Fazit: Aufregend war’s nicht…

War die Verlängerung vom Spiel Argentiniens gegen Urguay noch wegen des Siegeswillens beider Teams durchaus sehenswert, waren das 120 eher mühsame Minuten. Paraguay machte nicht wirklich Anstalten, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und beschränkte sich darauf, eine ohnehin nicht übertrieben gut geölte brasilianische Mannschaft in Schach zu halten.

Der Seleçãao gelang es wieder einmal nicht, für die nötige Breite zu sorgen und auch das Loch zwischen Ramires und dem Offensiv-Quartett ist in weiten Phasen wieder beängstigend groß gewesen. So passt es ins Bild, dass es dieses nicht funktionierende schafft sogar alle vier Elfmeter im Shoot-Out zu verballern.

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Chile war in einem von defensiver Disziplin geprägten Turnier die mit Abstand attraktivste Mannschaft. Doch weil erst Teamchef Borghi die erste Halbzeit verschenkte und dann sein Team ein Füllhorn an Möglichkeiten, reichten Venezuela zwei Freistöße zum äußerst glücklichen 2:1-Sieg…

Venezuela - Chile 2:1

Marcelo Bielsa interpretierte als chilenischer Teamchef sein 3-4-3 immer, es gab bei ihm – egal gegen wen – nur einen Sechser. Dass Claudio Borghi in der Herangehensweise an eine Partie da etwas vorsichtiger zu Werke geht, ist bekannt. Gegen Venezuela hat er es aber ein wenig übertrieben: Mit Carmona und Medel stellte er gleich zwei Sechser auf, und das bei einem Kontrahenten, von dem klar war: Der wird nicht stürmen, sondern tief stehen und abwarten.

Ein verschenkter Mann

So kam es dann auch: Die Venezuelaner spielten in den Gruppenspielen, in denen sie der Außenseiter waren – also gegen Brasilien und Paraguay defensiv und nahmen nur gegen die biederen Ecuadorianer das Heft selbst in die Hand. Chile ist nun alles andere als bieder, und so reihten sich die beiden Viererketten, die Teamchef Farias in gewohnter Besetzung auflaufen ließ, auch dementsprechend tief ein.

Was für das 3-4-1-2 von Borghi bedeutete: Einer seiner beiden Sechser war verschenkt. Mit den beiden Offensiven im venezolanischen Team, diesmal Fedor und Maldonado, wäre die Dreierkette mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler ebenso spielend zurecht gekommen. Angesichts der (zumindest) acht gegnerischen Mann zwischen dem Duo Medel/Carmona und dem venezolanischen Tor war es für Chile schwierig, den Ball sinnvoll nach vorne zu bringen.

Flügel ausgeschaltet

Was auch daran lag, dass die gut nach hinten arbeitenden Flügel-Duos bei Venezuela ihren jeweiligen, auf sich alleine gestellten Gegenspieler (Isla bzw. Vidal) gut im Griff hatte. Jimenez im Zentrum kam alleine gegen die vielbeinige Abwehr kaum durch. Womit Chle immer mehr auf lange Bälle zurück griff – für die körperlich eher kleingewachsene Albiroje gegen die Kanten in der venezolanischen Abwehr kein taugliches Mittel.

Der Außenseiter hatte das Spiel defensiv also relativ komfortabel im Griff, kam aber selbst kaum einmal zu echten Gegenstöen. Claudio Bravo im chilenischen Tor sah vor der Pause im Grunde nur einen einzigen Ball auf sein Tor zusegeln – und der war auch prompt drin. Venezuelas Abwehrhüne Vizcarrondo verwertete einen Freistoß zur überraschenden Führung. Eigentlich logisch, dass es nur ein Standard sein konnte.

Mit Valdivia kommt wieder Schwung

Wie schon bei der Weltklasse-Partie gegen Uruguay kam ins chilenische Spiel so richtig Schwung, als Jorge Valdivia in die Partie kam, Teamchef Borghi beließ mit Carmona einen seiner defensiven Mittelfeldspieler in der Kabine. Jiménez wich ging nun nach links und Vidal verstärkte zusätzlich das Zentrum. Die Folge war ähnlicher Rambazamba-Fußball wie gegen Uruguay.

Venezuela hatte nicht im Ansatz die Mittel, sich wirklich des unglaublichen Angriffswirbels zu erwehren, den das Team aus Chile nun über sie hereinbrechen ließ. Lediglich Torhüter Renny Vega verhinderte mit einigen starken Aktionenen den Ausgleich, auch das Torgestänge musste herhalten. Aber wie so oft bei Chile: Der Ertrag stimmte mit dem Gezeigten überhaupt nicht überein. Alleine zwischen Halbzeit und dem letztlich überfälligen Ausgleich von Suazo in Minute 69 hätte man eigentlich vier bis fünf Tore schießen müssen.

So kommt, was kommen musste…

Venezuela hatte also mächtig Glück, dass es mit einem 1:1 in die Schlussphase ging und nicht mit jenem aussichtslosen Rückstand, den man sich aufgrund der zweiten Hälfte eigentlich verdient gehabt hätte. Und die mangelhafte Torausbeute der Chilenen sollte sich rächen – weil zehn Minuten vor Schluss ein zweite Freistoß in den Strafraum flog, Torhüter Bravo nur kurz klären konnte und Cichero zum sensationellen 2:1 verwertete.

Wenn das nicht schon der Todesstoß für Venezuela war – im direkten Gegenzug gab es eine weitere hundertprozentige Torchance – dann war es nach der gelb-roten Karte für Gary Medel endgültig vorbei. In den letzten Minuten verzichtete Chile darauf, die Planstelle auf der Sechs nachzubesetzen. Natürlich, es brauchte den Ausgleich, aber so kam Venezuela in dieser Phase noch zu einigen Kontern. Den Ausgleich fing sich Venezuela nicht mehr – dafür eine unglaublich dämliche rote Karte: Der vorbelastete Tomas Rincón verpasste einem Gegenspieler am Mittelkreis (!) eine Kopfnuss.

So ist Venezuela zwar im Halbfinale. Muss dort aber ohne den wichtigsten Mann im defensiven Mittelfeld auskommen.

Fazit: Eigentlich eine Schande

Dass die Kolumbianer als Favorit gegen Peru geflogen sind, durfte noch mit einem Schulterzucken quittiert werden. Dass die Großmächte Argentinien und Brasilien es im ganzen Turnier kaum gebacken bekamen und letztlich scheiterten, war bis zu einem gewissen Grad folgerichtig.

Aber dass nun die wahrscheinlich beste und mit Sicherheit attraktivste Mannschaft des von defensiver Disziplin geprägten Turniers nun auch die Koffer packen muss, ist eigentlich eine Schande. Chile hat sich das Aus aber selbst zuzuschreiben: Es waren mehr als genug Chancen da, um Venezuela mit einer demütigend hohen Niederlagen aus dem Turnier zu kegeln.

Hatte die letzte große chilenische Mannschaft Ende der 90er-Jahre bis auf ein Weltklasse-Sturmduo (Salas und Zamorano) kaum etwas zu bieten, ist es bei der aktuellen genau umgekehrt: Im Spiel nach vorne ist Chile derzeit das weltweite Nonplusultra. Aber es gibt niemanden, die die Unzahl an Chancen auch in Zählbares ummünzen könnte.

So reichten dem Team aus Venezuela zwei ordinäre Standardsituationen zum überraschenden Semifinal-Einzug.

(phe)

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Copa, Tag 3 – Auch Brasilien startet fehl; und noch eine Nullnummer https://ballverliebt.eu/2011/07/03/copa-tag-3-auch-brasilien-startet-fehl/ https://ballverliebt.eu/2011/07/03/copa-tag-3-auch-brasilien-startet-fehl/#respond Sun, 03 Jul 2011 21:27:00 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5106 Copa, Tag 3 – Auch Brasilien startet fehl; und noch eine Nullnummer weiterlesen ]]> Nach dem Gastgeber Argentinien macht auch Brasilien keinen allzu glücklichen Eindruck – nur 0:0 gegen Venezuela! Wobei es nicht nur am Abschlussglück fehlte, sondern an vielem mehr. Zu wenig Tempo, und behäbig, und vor allem: Viel zu wenig Flügelspiel!

Brasilien - Venezuela 0:0

Die Santos-Jungstars Neymar und Ganso feierten ihren ersten großen Auftritt im Trikot des WM-Gastgebers von 2014 – die beiden sollen die Zukunft der Seleção darstellen. Auf dem Weg dazu, zu tragenden Stützen beim Turnier in drei Jahren aufgebaut zu werden, soll die Copa so ein wenig als Testlauf herhalten. Wie belastbar sind die beiden schon? Vor allem, wenn es darum geht, gegen einen kompakten, aber nicht zur Weltspitze zählenden Kontrahenten wie Venezuela geht. So richtig gut ging das nicht.

Brasilien behäbig

Und schnell wurde das Problem der Seleção klar: Zu wenig Bewegung, zu wenig Tempo, sehr statisches Spiel und vor allem: Ein zu großer Abstand, bzw. zu wenig Kontakte zwischen den sechs Spielern hinten und den vier vorne. Was erstaunlich war, denn vor allem Dani Alves blieb hinten, wie man das von ihm bisher nur in den Spielen gegen Real Madrid gesehen hatte – dort musste er allerdings Cristiano Ronaldo in Schach halten, hier eigentlich nur Juan Arango.

Der einzige, der sich gelegentlich mal auf den Weg nach vorne machte, war Ramires. Hinzu kam, dass die Offensiven bei den logischerweise defensiv eingestellten Venezolanern in guten Händen waren. Robinho versuchte zumindest hin und wieder, so etwas wie Breite ins Spiel zu bringen, ohne große Hilfe war er aber verloren. Es hatte fast den Anschein, Neymar und Robinho waren mehr damit beschäftigt, alle paar Minuten ihre Seiten zu tauschen, als zum gegnerischen Tor zu kommen.

Keine Chancen aus spieltypischen Aktionen

Brasilien hatte in der ersten Hälfte zwar drei gute Chancen, aber keine davon entstand aus einer geplanten, für das Spiel typischen aktion. Patos Lattenschuss resultierte aus dem einzigen Vorstoß von Dani Alves – ja, kaum ging er mit, wurde es gefährlich. Vizcarrondos Rettungsaktion mit der Schulter wurde nötig, weil die Venezolaner bei einer Standardsituation aufgerückt waren und die Brasilianer einen Konter fuhren. Und Neymars Schlenzer am langen Eck vorbei entstand aus einem Pass von Ganso, bei dem Neymar im Abseits stand.

Venezuela spielte das 4-4-2 sehr geschickt aus. Hinten stand der Außenseiter sehr sicher, Rincon und Lucena hatten das Zentrum im Griff, und die Flügel Arango und González waren gegen André Santos und Dani Alves überhaupt nicht gefordert. Für wirkliche Torgefahr reichte es aber nicht, zu umständlich waren die Versuche in Tornähe, zu sicher standen Lúcio und Thiago Silva.

Keine Besserung, dann noch weniger Flügel

Auch nach Wiederanpfiff bot sich bei den Brasilianern dasselbe Bild, allerdings kamen die Venezolaner etwas forscher aus der Kabine. Vor allem Arango hat gemerkt, dass die Brasilianer an diesem Tag durchaus zu packen sind, vor allem, weil sich Dani Alves weiterhin dezent zurückhielt. Auffällig war, dass bei den Brasilianern vor allem auf der rechten Seite – gleich, ob nun Neymar oder Robinho sich gerade dort aufhielten – eine Gasse zwischen Mittelfeldmann und Seitenaus-Linie gelassen wurde. Kein Zweifel, dass Dani Alves diese hätte bearbeiten sollen. Hätte.

Nach einer Stunde stellte Menezes sein System dann um: Nachdem Stürmer Fred für Robinho gekommen war, stellte sich die Seleção in einem 4-2-2-2 auf, mit Fred und Pato vorne, Neymar halblinks und Ganso halbrechts dahinter. Flügelspiel war nun gar keines mehr erkennbar, es ging nur noch durch die Mitte. Und das nicht besonders schnell und nicht besonders zielstrebig: Fred sah kaum einen sinnvollen Ball, Neymar und Ganso blieben sehr diskret.

Später Weckruf

Der Versuch mit dem 4-2-2-2 klappte also überhaupt nicht, weshalb Menezes seinen Irrtum kaum eine Viertelstunde später auch wieder korrigierte: Lucas (vom FC São Paulo kam für die linke Seite), Ganso rückte wieder ins Zenturm, und der offensivstärkere Elano ersetzte Ramires. Und nun wachte auch Dani Alves auf: Er rückte nun endlich so auf, wie man das von Beginn an erwartet hatte. Das Spiel der Brasilianer hatte in der Schlussphase damit eindeutigen Linksdrall, weil von Andre Santos und Neymar auf der anderen Seite überhaupt nichts mehr kam.

Spät, aber doch wurde Cichero nun richtig geprüft, aber er hielt dem Druck durchaus stand. Wie generell die Venezolaner eine sehr kompakte Leistung boten und das 0:0 bis zum Ende hielten – und das durchaus nicht unverdient. Weil es die Brasilianer schafften, eine matten ersten Hälfte eine noch mattere zweite folgen zu lassen, in der man erst in den Schlussminuten das Gefühl hatte, so etwas wie Siegeswillen erkennen zu können.

Fazit: Wirklich nur ein Test?

Zu langsam, zu wenig Bewegung, zu wenig Verbindung von der Defensiv- mit der Offensiv-Abteilung, und vor allem über weite Strecken ein Komplettverzicht auf jegliches Flügelspiel – die Brasilianer lieferten eine richtig schlechte Partie ab. Venezuela hatte kaum mehr zu tun, als mit den zwei Viererketten kompakt und eng zu stehen und auf gelegentliche Konter zu lauern. Da funktionierte, weil man das Zentrum im Griff hatte und über die Flügel viel zu lange praktisch überhaupt nicht gefordert wurde.

Die Brasilianer ließen eine gewisse Ernsthaftigkeit vermissen, als ob für sie diese Copa tatsächlich kaum mehr darstellen würde als einen Test unter Wettkampfbedingungen. Will man aber nicht deutlich früher ausscheiden, als das dem Selbstverständnis der Seleção entspricht, muss eine deutliche Leistungssteigerung her. Denn bei allem Respekt vor Venezuela, aber die kommenden Gegner werden schwerer.

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Bei der WM war Paraguay ins Viertelfinale gekommen, ohne viel dafür tun zu müssen. Was hat die Albiroja also wirklich drauf? Beim 0:0 gegen die eher beidere Mannschaft aus Ecuador zeigte man zwei Gesichter: Ein starkes, druckvolles. Und eines, das den neutralen Beobachter eher erschaudern lässt.

Paraguay - Ecuador 0:0

Konsequentes Spiel über die Flügel, verbunden mit wirkungsvollem Pressing: So spielt man ein funktionierendes 4-4-2. Genau so spielte Paraguay: Weil Piris (bei seinem Länderspiel-Debüt!) und Torres von hinten enormen Druck nach vorne machten, konnten Estigarribia und Barreto ebenso weit nach vorne schieben oder in die Zentrale einrücken. Das machte Ecuador extrem zu schaffen – vor allem, weil in der Anfangsphase Kapitän Walter Ayoví recht sorglos nach vorne marschierte und seine Seite damit wiederholt blank ließ.

Hinzu kam, dass sich vor allem Santa Cruz sehr gut bewegte und sich als Anspielstation anbot, während Barrios im Zentrum blieb und auf Flankenbälle wartete. Und dort zudem Gegenspieler zu binden verstand: Die ecudaorianischen Hintermannschaft, der es in einigen Situationen durchaus zu schnell ging, verlor da durchaus in einigen Situationen die Übersicht – etwa, als sich drei Mann auf Barrios stürzten, sich aber niemand für Barreto zuständig fühlte. Dessen Abnahme der Flanke von Estigarribia konnte Ecuador-Goalie Eligaza nur mit Mühe parieren.

Schock nach Konter, Rückfall nach Ausfall

Das Spiel von Ecuador litt enorm unter der enormen Ungenauigkeit vieler Pässe, verursacht durch den Druck, den Paraguay auf den Ballführenden ausübte. Vor allem Christian Noboa, der Kapitän von Rubin Kasan, kam als Achter im ecuadorianischen Mittelding aus 4-2-3-1 und 4-4-1-1 überhaupt nicht zur Geltung – wenn etwas ging, dann über die Flanken von Antonio Valencia oder (noch eher) Walter Ayoví. Doch trotz der recht deutlichen Unterlegenheit wäre nach einer halben Stunde beinahe der Führungstreffer gelungen – Ex-Birmingham-Legionär Chucho Benítez lässt die ganze Verteidigung aussteigen, legt sich im entscheidenden Moment aber den Ball zu weit vor.

Eine Aktion, die bei Paraguay sichtlich Wirkung hinterließ. Sicherlich noch entscheidender war aber, dass sich kurz danach Edgar Barreto verletzte und ausgewechselt werden musste. Enrique Vera bemühte sich zwar nach Kräften, aber gegen den neuen Mann setzte Ayoví wieder vermehrt Nadelstiche und so kam Ecuador wieder besser in die Partie.

Niveauverfall nach der Pause

Mit Antonio Valencia musste Ecuador-Teamchef Reinaldo Rueda (der mit Honduras bei der WM war) den prominenteste Mann in der Kabine lassen, der Mann von Manchester United hatte einen Schlag abbekommen. Mit der Umbesetzung in der Raumaufteilung – Méndez ging auf die Valencia-Position nach rechts, Benítez gab nun die hängende Spitze, der neue Mann Arroyo besetzte den linken Flügel – konnte auch das immer ungenauer werdende Spiel der Albiroja recht problemlos in Schach gehalten werden.

Ohne Barreto auf der rechten Seite war der fleißige Piris auch ohne Wirkung, sodass Paraguay nun nur noch über Argentinien-Legionär Marcelo Estigarribia nach vorne kam; der Mann von Newell’s Old Boys war der einzige, der es bis weit in die zweite Hälfte immer wieder versuchte. Santa Cruz ließ sich, weil er kaum noch Bälle sah, immer weiter zurückfallen, bis er permanent im Mittelfeld herumturnte. Mehr Gefahr als einen Torschuss von der Strafraumgrenze brachte der eingewechselte Nelson Valdez auch nicht mehr zu Wege.

Und Ecuador? Die Gelben hatten den Spielstand nun im Griff und kamen in einer extrem niveauarmen zweiten Hälfte nicht mehr wirklich in Gefahr, den Punkt noch aus der Hand zu geben. Doch selbst blieben sie, bei allem Ballbesitz, den sie in dieser Phase ansammelten, ebenso harmlos und Justo Villar im paraguayanischen Tor musste keine allzu schweren Prüfungen bestehen.

Fazit: Paraguay mit mehr Potenzial, 0:0 dennoch korrekt

Ginge es nur nach der ersten Hälfte, kann ein verdienter Sieger dieses Spiels nur Paraguay heißen. Gutes Pressing und extrem druckvolles Spiel über beide Flanken, dazu mit Santa Cruz und vor allem Barrios zwei gefährliche Stürmer im Zentrum – Ecuador hatte eine halbe Stunde lang alle Hände voll zu tun, irgendwie das 0:0 zu halten. Mit dem Beinahe-Rückstand und vor allem dem Ausfall des sehr starken Barreto war das Spiel von Paraguay aber wie abgerissen.

So passte man sich nach der Pause dem mäßigen Niveau des biederen und weitgehend harmlosen Team Ecuadors an, und nach den Eindrücken der zweiten Hälfte hätte nun wirklich kein Team den Sieg verdient gehabt. Das größere Potenzial hat von diesen beiden Mannschaften, wenig überraschend, der WM-Viertelfinalist aus Paraguay. Wie die Albiroja die schlimmen zweiten 45 Minuten weggesteckt haben, dürfen sie im nächsten Spiel gegen die fehlgestartete Seleção zeigen.

(phe)

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