Franco Foda – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Wed, 30 Mar 2022 07:13:52 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Das war die Ära Foda https://ballverliebt.eu/2022/03/29/das-war-die-aera-foda/ https://ballverliebt.eu/2022/03/29/das-war-die-aera-foda/#comments Tue, 29 Mar 2022 20:50:47 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17855 Das war die Ära Foda weiterlesen ]]> Einerseits ging es erstmals ins EM-Achtelfinale und es steht für Franco Foda nach viereinhalb Jahren als ÖFB-Teamchef der beste Punkteschnitt zu Buche. Andererseits wurde in 48 Partien kein einziges Bewerbsspiel gegen ein in der Weltrangliste besser klassiertes Team gewonnen (es gab da überhaupt nur ein einziges Remis – ein 0:0 in Polen) und in der WM-Qualifikation ist man in einer schwachen Gruppe krachend gescheitert.

Wie schon bei Constantini 2011 und Koller 2017 hatte sich das Ende der Teamchef-Amtszeit über Monate abgezeichnet. Wirkte die Zeit unter Koller zumindest vier Jahre lang wie ein geöffnetes Fenster, dass dringend benötigte Frischluft brachte und eine modernde Bude in eine moderne verwandelte, war die Zeit unter Foda wieder von lähmendem Stillstand geprägt. Die Lust, den Gegner zu Fehlern zu zwingen, wich dem Ziel, eigene Fehler zu vermeiden.

Am Tag vor dem Match gegen Schottland, seinem 48. und letzten als ÖFB-Teamchef, kündigte Foda den Rücktritt von seinem Amt an – drei Tage, bevor sein Vertrag ohnehin ausgelaufen wäre. Damit ist die „Ära Foda“ vorbei. Das waren seine Matches als oberster Auswahltrainer des Landes.

Österreich – Uruguay 2:1 (1:1)

1. Spiel am 14. November 2017 in Wien, Freundschaftsspiel. Tore: 1:0 (5.) Sabitzer, 1:1 (10.) Cavani, 2:1 (87.) Schaub. Ballverliebt meinte: „Dieses erste Spiel unter dem neuen Teamchef Franco Foda lässt einen irgendwie mit ein paar Fragezeichen zurück. Gute Unterhaltung war der etwas glückliche 2:1-Sieg gegen Uruguay nicht, die erste Hälfte war furchtbar, die zweite überwiegend ganz gut. Viele Fragen bleiben noch unbeantwortet.“

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Österreich – Slowenien 3:0 (2:0)

2. Spiel am 23. März 2018 in Klagenfurt, Freundschaftsspiel. Tore: 1:0 (15.) Alaba, 2:0 (36.) Arnautovic, 3:0 (51.) Arnautovic. Ballverliebt meinte: „Es gab Angriffspressing, das Wirkung zeigte. Es gab gutes Aufrücken. Es gab – zumindest in der ersten Halbzeit – den klaren Willen, selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Der Aufbau von hinten war zwar etwas eindimensional, aber gegen über weite Strecken schwache Slowenen fiel das nicht so ins Gewicht.“

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Luxemburg – Österreich 0:4 (0:2)

3. Spiel am 27. März 2018 in Luxemburg, Freundschaftsspiel. Tore: 1:0 (4.) Arnautovic, 2:0 (39.) Grillitsch, 3:0 (59.) Gregoritsch, 4:0 (84.) Schaub. Ballverliebt meinte: „Große inhaltliche Aha-Erlebnisse gab es angesichts der Personalsituation nicht. Das Umschalten funktioniert gut, das wusste man; der Aufbau über die Außen weniger. So bleibt als einzige echte Erkenntnis, dass Xaver Schlager richtig gut ist. Das Ergebnis ist auch eine Folge von Luxemburgs Willen, selber etwas beizutragen. Wenn man beim ÖFB eigentlich üben wollte, wie man einen tief und passiv stehenden Gegner knackt, war es womöglich der falsche Gegner.“

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4. Spiel am 30. Mai 2018 in Innsbruck, Freundschaftsspiel. Tor: 1:0 (28.) Schöpf. Ballverliebt meinte: „Österreich verstand es gut, schnell Druck auf den ballführenden Russen auszuüben. Allerdings geschah dies, ohne ein wirkliches Pressing zu zeigen. Die Spielanlage war anders als beim recht aggressiven Auftritt gegen Slowenien, sie war noch mehr auf Arnautovic zugeschnitten und generell etwas zurückgenommener. Im Gegenzug konnte man sich nicht so leicht aus Pressing-Situationen befreien wie beim Spiel im März.“

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Österreich – Deutschland 2:1 (0:1)

5. Spiel am 2. Juni 2018 in Klagenfurt, Freundschaftsspiel. Tore: 0:1 (11.) Özil, 1:1 (53.) Hinteregger, 2:1 (69.) Schöpf. Ballverliebt meinte: „Erst zurückgenommen defensiv, dann aggressiv und druckvoll – und zwar ohne das Personal zu verändern: Österreich eine auffällige Vielseitigkeit und belohnte sich auch dafür. Bei der Bewertung des Resultats darf man nicht vergessen, dass Deutschland mit einer frisierten B-Elf gespielt hat und sich mitten im Trainingsaufbau befindet.“

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Österreich – Brasilien 0:3 (0:1)

6. Spiel am 10. Juni 2018 in Wien, Freundschaftsspiel. Tore: 0:1 (36.) Gabriel Jesús, 0:2 (63.) Neymar, 0:3 (69.) Coutinho. Ballverliebt meinte: „Das war ziemlich schaubgebremst gespielt, von Brasilien, und es hat trotzdem locker gereicht. Man hatte aber bei Österreich den Eindruck einer angezogenen Handbremse und man wurde das Gefühl nicht los, dass man nur den willfährigen Sparringspartner für einen WM-Favoriten gegeben ghat.“

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Österreich – Schweden 2:0 (1:0)

7. Spiel am 6. September 2018 in Wien, Freundschaftsspiel. Tore: 1:0 (11., Eigentor) Helander), 2:0 (64.) Alaba. Ballverliebt meinte: „Ein eher zufälliges Eigentor brachte Österreichs 2:0-Sieg gegen Schweden schnell auf Schiene. Der Gegner, dessen Team personell nichts mit der WM-Viertelfinal-Mannschaft zu tun hatte, zeigte sich wenig unternehmungslustig und bereitete dem ÖFB-Team kaum Probleme. Nur: Man wird nicht immer das Glück haben, dass sich der Gegner das erste Tor selbst macht.“

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Bosnien – Österreich 1:0 (0:0)

8. Spiel am 11. September 2018 in Zenica, Nations League. Tor: 0:1 (78.) Dzeko. Ballverliebt meinte: „Die mangelnde Effektivität mag daran gelegen haben, dass das Pressing zwar aggressiv, aber im Detail nicht wirklich abgestimmt schien und dadurch doch immer wieder zumindest Notausgänge offen ließ. Österreich hatte einige Ansätze für Möglichkeiten, die aber rein über die individuelle Klasse von Arnautovic gespielt wurden. Über einen kontrollierten Aufbau kam man nicht gefährlich vor das Tor.“

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Österreich – Nordirland 1:0 (0:0)

9. Spiel am 12. Oktober 2018 in Wien, Nations League. Tor: 1:0 (71.) Arnautovic. Ballverliebt meinte: „Österreich spielte altbacken und berechenbar. Der nicht ganz unschmeichelhafte Sieg fußt auf einem individuellen Genie-Moment, nicht auf einer rettenden Idee. Über 90 Minuten wurde nie der Eindruck vermittelt, dass man selbst etwas dazu beitragen könnte, die Gäste zu überraschen, zu bremsen oder zu verunsichern. Man hat sich am Ende sogar im eigenen Stadion wie das Kaninchen vor der Schlange hinten reindrücken lassen.“

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Dänemark – Österrecih 2:0 (1:0)

10. Spiel am 16. Oktober 2018 in Herning, Freundschaftsspiel. Tore: 0:1 (29.) Lerager, 0:2 (90.) Braithwaite. Ballverliebt-Leser martidas meinte: „Die Idee, das zuletzt hatscherte Passspiel zu forcieren fand ich gut. Es war klar der Auftrag zu sehen, lieber einen sicheren Pass mehr zu spielen und das gab dem Team auch wieder Vertrauen in das eigene Kurzpassspiel. Das klappte ganz gut, gefährlich wurde man allerdings nie. Das hatte zwei Gründe: Erstens das Fehlen von Arnautovic und zweitens bestimmtes Personal selbst, wie Burgstaller und Sabitzer.“ Hinweis: Letztes Länderspiel von Sebastian Prödl.

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Österreich – Bosnien-H. 0:0

11. Spiel am 15. November 2018 in Wien, Nations League. Ballverliebt meinte: „Der eher schmeichelhafte Punkt reicht, um sich vor dem letzten Spiel am Sonntag in Nordirland nicht mehr mit Abstiegsängsten herumplagen zu müssen. Er hat aber auch gezeigt, dass keine positive Entwicklung stattfindet. Diese Erkenntnis ist kurz vor dem Ende eines fürchterlichen Länderspiel-Herbstes das eigentlich Besorgniserregende.“

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Nordirland – Österreich 1:2 (0:0)

12. Spiel am 18. November 2018 in Belfast, Nations League. Tore: 1:0 (49.) Schlager, 1:1 (57.) C. Evans, 2:1 (90.) Lazaro. Ballverliebt meinte: „Lazaros Tor praktisch mit Ablauf der Nachspielzeit sicherte Österreich den ersten Sieg überhaupt in Belfast. Mehr als ein mittelmäßiger Auftritt war aber auch das 2:1 in Nordirland nicht, mit dem die Nations League für den ÖFB endete. Man schaffte es gegen einen engagierten, aber eindimensionalen Gegner wieder zu selten, in gute Abschlusspositionen zu kommen.“

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Österreich – Polen 0:1 (0:0)

13. Spiel am 21. März 2019 in Wien, EM-Qualifikation. Tor: 0:1 (69.) Piątek. Ballverliebt meinte: „Das Spiel erinnerte ein wenig an die späten Koller-Jahre. Eine planvolle erste Halbzeit mit einer gut abgestimmten Strategie, die grundsätzlich funktioniert. Dann adaptiert der Gegner und es fehlt die Antwort darauf. Die Polen haben dann noch ein billiges Tor aus einem Eckball erzielt und fertig war Österreichs Niederlage. Das ist umso ärgerlicher, weil die Polen beleibe nicht wie ein internationales Top-Länderteam agiert haben. Im Gegenteil.“

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Israel – Österreich 4:2 (2:1)

14. Spiel am 24. März 2019 in Haifa, EM-Qualifikation. Tore: 1:0 (8.) Arnautovic, 1:1 (34.) Zahavi, 1:2 (45.) Zahavi, 1:3 (55.) Zahavi, 1:4 (66.) Dabbur, 2:4 (75.) Arnautovic. Ballverliebt meinte: „Auch Foda-Österreich kann nicht ewig auf der Glückswelle reiten und mit fast durchgängig schlechten Leistungen sieben Punkte aus vier Pflichtspielen einfahren, wie in der Nations League. Letztlich bestätigen die beiden Niederlagen jetzt den schlechten Nations-League-Herbst. Selbst wenn die beiden ersten Halbzeiten in Wien und Haifa rein von der Leistung her eh okay waren: Das ist das ÖFB-Team unter Foda. Es war das neunte Spiel in Folge, in der man maximal eine gute Halbzeit zu Stande brachte.“ Anmerkung: Letztes Länderspiel von Marc Janko.

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Österreich – Slowenien 1:0 (0:0)

15. Spiel am 7. Juni 2019 in Klagenfurt, EM-Qualifikation. Tore: 1:0 (74.) Burgstaller. Ballverliebt meinte: „Obwohl die Slowenen praktisch nichts zeigen, agiert Österreich zurückgenommen und ohne großen Esprit. Es gibt den wichtigen Arbeitssieg, der die EM-Chance erhält.“

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Nordmazedonien – Österreich 1:4 (1:1)

16. Spiel am 10. Juni 2019 in Skopje, EM-Qualifikation. Tor: 0:1 (18., Eigentor) Hinteregger, 1:1 (39.) Lazaro, 2:1 (62., Elfmeter) Arnautovic, 3:1 (82.) Arnautovic, 4:1 (86., Eigentor) Bejtulai. Ballverliebt meinte: „Nach dem Gegentreffer wurde es hektisch, erst nach der Pause wurde es besser, ruhiger und flüssiger. Seine besten Momente hat dieser Kader mit diesen Spielern, wenn er agiert, wie es den Stärken und den Fähigkeiten entspricht: Nach vorne, hohes Pressing, schnelles Umschalten.“

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Österreich – Lettland 6:0 (2:0)

17. Spiel am 6. September 2019 in Salzburg, EM-Qualifikation. Tore: 1:0 (7.) Arnautovic, 2:0 (13.) Sabitzer, 3:0 (53., Elfmeter) Arnautovic, 4:0 (76., Eigentor) Steinbors, 5:0 (80.) Laimer, 6:0 (85.) Gregoritsch. Ballverliebt meinte: „Wie beim Sieg in Nordmazedonien aber muss man – was bei einem 6:0 etwas seltsam klingt – wieder die nicht optimale Chancenverwertung bemängeln. Auskunft über die Stärke des österreichischen Teams kann dieses 6:0 über Lettland aber noch weniger bieten als das 4:1 in Skopje. Dafür war das lettische Team einfach viel zu schlecht.“

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Polen – Österreich 0:0

18. Spiel am 9. September 2019 in Warschau, EM-Qualifikation. Ballverliebt meinte: „Das ÖFB-Team hat mit diesem Auftritt einen lange althergebrachten Blödsinn als solchen entlarvt: Dass man auswärts mit einem guten Team vorsichtiger agieren soll als daheim, eben weil es ein Auswärtsspiel ist. Die Leistung in Warschau war sehr in Ordnung und der Punkt ist das mindeste, was mab verdient hat. Und doch hat dieses 0:0 das Leben der österreichischen Mannschaft eher nicht erleichtert.“

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Österreich – Israel 3:1 (1:1)

19. Spiel am 10. Oktober 2019 in Wien, EM-Qualifikation. Tore: 0:1 (34.) Zahavi, 1:1 (41.) Lazaro, 2:1 (56.) Hinteregger, 3:1 (88.) Sabitzer. Ballverliebt meinte: „Das ÖFB-Team liefert eine verstörend passive Vorstellung ab, in dem ihm offenbar jegliches Pressing, jeglicher Mut und jegliche Forschheit strikt verboten worden war. Der Gegner aus Israel war jedoch so schwach, dass selbst eine innerlich zerrissene österreichische Mannschaft gar nicht so schlecht spielen konnte, um das Spiel nicht zu gewinnen. Vom inhaltlichen Standpunkt her war die Darbietung der Mannschaft von Franco Foda eine Gemeinheit.“

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20. Spiel am 13. Oktober 2019 in Ljubljana, EM-Qualifikation. Tore: 1:0 (21.) Posch. Ballverliebt meinte: „Der Sieg ist hochverdient, er war nicht glanzvoll, aber doch relativ problemlos. Zwar wurde kein großer Glanz versprüht, aber das Team von Franco Foda zeigte sich deutlich aktiver als bei der seltsamen Vorstellung gegen Israel drei Tage zuvor und hatte den Gegner zumeist gut im Griff. Damit ist die zweite EM-Teilnahme hintereinander schon so gut wie fix.“

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Österreich – Nordmazedonien 2:1 (1:0)

21. Spiel am 16. November 2019 in Wien, EM-Qualifikation. Tore: 1:0 (7.) Alaba, 2:0 (48.) Lainer, 2:1 (90.) Stojanovski. Ballverliebt meinte: „Das ÖFB-Motto war ‚Kontrolle ja, Druck nur bedingt‘. Bei Ballverlusten in der gegnerischen Hälfte wurde schnell in den Gegenpressing-Modus geschaltet. Die Österreicher stellten schnell und geschickt Überzahl in Ballnähe her, kontrollierten den harmlosen Gegner problemlos und hätte nach einer Stunde trotz der zurückhaltenden Offensive schon höher als 2:0 führen können.“

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Lettland – Österreich 1:0 (0:0)

22. Spiel am 19. November 2019 in Riga, EM-Qualifikation. Tor: 0:1 (65.) Ošs. Ballverliebt meinte: „Der Murks von Riga verbreitete das Gefühl, dass sich niemand ernsthaft mit diesem Spiel beschäftigt hat, entsprechend hilflos spielte die umformierte Truppe aneinander vorbei. Das ist menschlich verständlich, es ist aber auch unprofessionell und vor allem den in Riga eingesetzten Spielern gegenüber unfair. Einfach elf Leute auf den Spielbericht schreiben und das Match absolvieren, weil man’s halt muss, reicht selbst gegen dieses wertlose lettische Team nicht.“

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Norwegen – Österreich 1:2 (0:1)

23. Spiel am 4. September 2020 in Oslo, Nations League. Tore: 0:1 (35.) Gregoritsch, 0:2 (54., Elfmeter) Sabitzer, 1:2 (67.) Håland. Ballverliebt meinte: „Angesichts der Umstände und des hölzernen Gegners war es eine geduldige und lange auch recht konzentrierte Vorstellung. Man bearbeitete die norwegische Defensive, hielt Håland so gut es ging aus der Gleichung heraus. Österreich erarbeitete sich nicht wirklich viele echte Torgelegenheiten – im Grunde waren es nur drei – aber eine davon wurde genutzt, dazu gab es den Hand-Elfmeter.“ Anmerkung: Debüt von Christoph Baumgartner.

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Österreich – Rumänien 2:3 (1:1)

24. Spiel am 7. September 2020 in Klagenfurt, Nations League. Tore: 0:1 (4.) Alibec, 1:1 (18.) Baumgartner, 1:2 (52.) Grigore, 1:3 (71.) Maxim, 2:3 (82.) Onisiwo. Ballverliebt meinte: „Mit den individuellen Einfällen eines Marko Arnautovic und der Übersicht eines David Alaba hätte Österreich noch hochklassige Elemente gehabt, um dem schlechter besetztem, aber sehr geschickt eingestelltem rumänischem Team noch mehr zum Überlegen zu geben. So ist es eine ärgerliche Niederlage, die allerdings weniger durch dramatische inhaltische Schwächen heraufbeschworen wurde, sondern durch einen cleveren Gegner und individuelle Schnitzer.“

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Österreich – Griechenland 2:1 (0:0)

25. Spiel am 7. Oktober 2020 in Klagenfurt, Freundschaftsspiel. Tor: 0:1 (63.) Fortounis, 1:1 (76.) Grbic, 2:1 (80.) Baumgartner. Ballverliebt meinte: „Erst nach der Pause kommt ein wenig Schwung in die bis dahin lahmende Partie. Der Erkenntnisgewinn ist aufgrund der an vielen Positionen umformierten ÖFB-Formation aber begrenzt. Immerhin: Adrian Grbic erzielt sein erstes Team-Tor.“

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Österreich – Nordirland 1:0 (1:0)

26. Spiel am 11. Oktober 2020 in Belfast, Nations League. Tor: 1:0 (42.) Gregoritsch. Ballverliebt meinte: „Einer sehr ordentlichen Auftritt vor dem Seitenwechsel folgte ein sehr zurückhaldender nach der Pause. Diese Handbremse sowie Fodas defensive Wechsel ermöglichten einem um mehrere Klassen schlechteren Gegner völlig ohne Not, zurück ins Spiel zu finden. Dass man einmal mehr destruktiv den Gegner stark machte anstatt aktiv die Entscheidung zu suchen, ist eines der immer wieder kehrenden, großen Ärgernisse der Arbeit von Franco Foda.“

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Rumänien – Österreich 0:1 (0:0)

27. Spiel am 14. Oktober 2020 in Ploiești, Nations League. Tor: 1:0 (76.) Schöpf. Ballverliebt meinte: „Der Sieg in Rumänien basierte auf einer Umstellung zu Beginn der zweiten Halbzeit: Damit löste Teamchef Franco Foda das zerfahrene Spiel etwas auf und sein Team nützte die Schwächen, welche Rumänien schon zuvor in defensiven Umschaltmomenten offenbart hatte. Diesmal wurde im laufenden Match die Marschroute gewinnbringend geändert.“ Anmerkung: Debüt von Sasa Kalajdzic.

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Luxemburg – Österreich 0:3 (0:0)

28. Spiel am 11. November 2020 in Luxemburg, Freundschaftsspiel. Tore: 1:0 (61.) Trauner, 2:0 (83.) Grbic, 3:0 (90.) Wiesinger. Ballverliebt meinte: „Besonders anregend war es nicht, aber immerhin passt das Resultat.“

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Österreich – Nordirland 2:1 (0:0)

29. Spiel am 15. November 2020 in Wien, Freundschaftsspiel. Tore: 0:1 (75.) Magennis, 1:1 (81.) Schaub, 2:1 (87.) Grbic. Ballverliebt meinte: „Spielerisch war der Auftritt ziemlich dünn, es fehlte das Tempo und die Kreativität um die Nordiren auseinander zu reißen, sicher auch die Spitzigkeit und die letzte Ernsthaftigkeit, die zweifellos auch dem Spielplan und der tabellarischen Irrelevanz des Matches geschuldet ist.“

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Österreich – Norwegen 1:1 (0:0)

30. Spiel am 18. November 2020 in Wien, Nations League. Tor: 0:1 (61.) Zahid), 1:1 (90.) Grbic. Ballverliebt meinte: „Gegen das hastig und bunt zusammen gewürfelte Team aus Norwegen, das coronabedingt das eigentliche Nationalteam ersetzen musste, hätte es beinahe eine verdiente Niederlage gegeben. Erst der Ausgleich in der 94. Minute verhinderte die Niederlage für ein ideen- und espritloses ÖFB-Team, das schon vor dem Rückstand wenig Plan zeigte und danach jegliche Struktur verlor.“

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Schottland – Österreich 2:2 (0:0)

31. Spiel am 25. März 2021 in Glasgow, WM-Qualifikation. Tore: 1:0 (55.) Kalajdzic, 1:1 (71.) Hanley, 2:1 (80.) Kalajdzic, 2:2 (85.) J. McGinn. Ballverliebt meinte: „Obwohl einige Stammkräfte nicht zur Verfügung standen und die Schotten willig waren und die Intensität hoch hielten, war das ÖFB-Team doch das bessere. Durch eine geschickte Umstellung für die zweite Halbzeit konnte man auch Sasa Kalajdzic ins Spiel einbinden, was dieser mit zwei Toren belohnte. Dennoch verschenkte man die Punkte durch individuelle Schnitzer und gesteigerte Schlampigkeit in der Schlussphase.“

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Österreich – Färöer 3:1 (3:1)

32. Spiel am 28. März 2021 in Wien, WM-Qualifikation. Tore: 0:1 (19.) Nattestad, 1:1 (30.) Dragovic, 2:1 (37.) Baumgartner, 3:1 (44.) Kalajdzic. Ballverliebt meinte: „Nein, großen Spaß hat das nicht gemacht. Das lag zum einen an der giftigen Spielweise der Färinger, die Spielfluss und Rhythmus beim ÖFB-Team effektiv störten. Und aber auch einmal mehr daran, dass die überwiegend offensiv denkenden Spieler erneut von Franco Foda zum Nachlaufen angehalten wurden, anstatt die Initiative zu behalten.“

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Österreich – Dänemark 0:4 (0:4)

33. Spiel am 31. März 2021 in Wien, WM-Qualifikation. Tore: 0:1 (58.) A. Skov-Olsen, 0:2 (63.) Mæhle, 0:3 (67.) Højbjerg, 0:4 (74.) A. Skov-Olsen. Ballverliebt meinte: „Bei den Dänen liefen sich immer zwei bis drei Spieler in Position, suchten den Ballführenden. Bei Österreich war es umgekehrt, da musste sich der Ballführende erstmal einen Mitspieler suchen. Österreichs Spieler rücken auch unter Foda sehr hoch ins Angriffsdrittel auf, wenn sie in diesem Bereich Ballbesitz etabliert haben. Das Problem dabei: Die Abwehrreihe geht nur bis zur Mittellinie nach vorne und es werden nicht die erforderlichen Strukturen für ein Gegenpressing nach Ballverlusten im Angriffsdrittel hergestellt. Darum ist Österreich auch so anfällig auf Konter – die Dänen erzielten zwei ihrer Tore aus genau solchen Situationen.“

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England – Österreich 1:0 (0:0)

34. Spiel am 2. Juni 2021 in Middlesbrough, Freundschaftsspiel. Tor: 0:1 (56.) Saka. Ballverliebt meinte: „In der Vorbereitung auf die EM stand, wie es hieß, auch das Verhalten im Umschaltspiel auf dem Programm. Wie diese Situationen beim Spiel gegen die überwiegend aus Reservisten bestehende Mannschaft aus England ausgespielt wurde, verleitet aber nicht gerade zum Optimismus.“

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Österreich – Slowakei 0:0

35. Spiel am 6. Juni 2021 in Wien, Freundschaftsspiel. Ballverliebt meinte: „Der Aufbau von hinten ist ein wenig phantasielos und leidet darunter, dass es keine einstudierten Spielzüge im Zentrum zu geben scheint, mit denen man auf anderem Wege als über die Flügel stabil nach vorne kommen kann. Das machten sich die Slowakei durchaus zunutze. Es war den Slowaken ein Leichtes, den ohnehin nach außen tendierenden ÖFB-Aufbau konsequent auf die Außen zu drängen.“

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Österreich – Nordmazedonien 3:1 (1:1)

36. Spiel am 13. Juni 2021 in Bukarest, 1. EM-Gruppenspiel. Tore: 1:0 (18.) Lainer, 1:1 (28.) Pandev, 2:1 (78.) Gregoritsch, 3:1 (89.) Arnautovic. Ballverliebt meinte: „Ein Spiel mit altbekannten Schwächen, guten individuellen Leistungen und einer funktionierenden Adaptierung des Plans in der zweiten Hälfte bringt dem ÖFB-Team den erhofften – und erwarteten – Pflichtsieg zum EM-Auftakt. Zwar machte man sich das Leben gegen Nordmazedonien zuweilen selbst schwer, aber die höhere Qualität bei Österreich setzte sich letztlich durch.“ Anmerkung: Letztes Länderspiel von Julian Baumgartlinger.

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Niederlande – Österreich 2:0 (0:0)

37. Spiel am 17. Juni 2021 in Amsterdam, 2. EM-Gruppenspiel. Tore: 0:1 (11., Elfmeter) Depay, 0:2 (67.) Dumfries. Ballverliebt meinte: „Nach dem frühen Rückstand gab es keine Idee, wie man in Abschlusspositionen kommen sollte. Je länger das Match dauerte, umso mehr fiel das österreichische Spiel in sich zusammen. Das Spiel des ÖFB-Teams zerfiel komplett in seine Einzelteile. Es wirkte, als wären elf Spieler auf dem Feld, von denen jeder einzelne eine Idee suchte, wie man das Match irgendwie in die Hand nehmen könnte, und letztlich spielten darin alle aneinander vorbei.“

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Österreich – Ukraine 1:0 (1:0)

38. Spiel am 21. Juni 2021 in Bukarest, 3. EM-Gruppenspiel. Tore: 1:0 (21.) Baumgartner. Ballverliebt meinte: „Schlüssel zum Erfolg war ein mutiger Auftritt in der ersten Halbzeit: Hier nagelte man die Ukrainer hinten fest, sorgte mit wirksamem Offensiv- und giftigem Gegenpressing für viele Ballgewinne im Angriffsdrittel. Man hat die Ukrainer, die sich offenbar geistig auf eine Mischung aus Vorsicht und Nichtangriffspakt eingestellt hatte, komplett überrumpelt. Die erste halbe Stunde war wie aus einem Guss, auf den Punkt ausgeführt und das 1:0 das Minimum, was man sich verdient hat.“

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Italien – Österreich 2:1 n.V. (0:0, 0:0)

39. Spiel am 26. Juni 2021 in London, WM-Achtelfinale. Tore: 0:1 (95.) Chiesa, 0:2 (105.) Pessing, 1:2 (114.) Kalajdzic. Ballverliebt meinte: „Wie die erste Halbzeit gegen die Ukraine hat nun auch die zweite Halbzeit gegen Italien gezeigt, wie gut Österreich sein kann, wenn das Team entsprechend der Stärken der Spieler agieren darf. Der Schachzug, Verratti und vor allem Jorginho aus dem Spiel zu pressen, war goldrichtig und ging gut auf. Österreich hatte Italien am Haken und die Italiener haben sich kraft ihrer individuellen Klasse und durch ein wenig Glück davon befreit.“

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Moldawien – Österreich 0:2 (0:1)

40. Spiel am 1. September 2021 in Chișinău, WM-Qualifikation. Tore: 1:0 (45.) Baumgartner, 2:0 (90.) Arnautovic. Ballverliebt meinte: „Österreich hat sich einen Arbeitssieg abgeholt, der weit von „glanzvoll“ entfernt war und fußballerische Feinschmecker-Herzen nicht direkt höher schlagen ließ. Die erste Hälfte war engagiert, wenn auch ein wenig phantasielos, es war alles unter Kontrolle, aber die Torgefahr ging gegen Null. Danach wurde gewartet, dass die Zeit vergehen möge. Die Moldawier haben sich etwas Hoheit über das Zentrum geholt, aber offensiv auch nichts von Belang präsentiert.“

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Israel – Österreich 5:2 (3:1)

41. Spiel am 4. September 2021 in Haifa, WM-Qualifikation. Tore: 0:1 (5.) Salomon, 0:2 (20.) Dabbur, 0:3 (33.) Zahavi, 1:3 (42.) Baumgartner, 2:3 (55.) Arnautovic, 2:4 (59.) Weissman, 2:5 (90.) Zahavi. Ballverliebt meinte: „Es war ein etwas seltsames Spiel: Vor der Pause war Österreich klar am Drücker, provozierte Ballgewinne im Angriffsdrittel am laufenden Band, aber machte nichts daraus – während Israel zwar hinten sehr löchrig unterwegs und nach vorne nicht viel zu bieten hatte, aber 3:0 in Führung ging. Danach stellte Foda auf exakt jenes Spiel um, das schon in Moldawien nicht funktioniert hat, und – große Überraschung – es funktionierte auch in Israel nicht.“

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Österreich – Schottland 0:1 (0:1)

42. Spiel am 7. September 2021 in Wien, WM-Qualifikation. Tor: 0:1 (30., Elfmeter) Dykes. Ballverliebt meinte: „Es ist nicht einmal so sehr das bloße Ergebnis, das einen so dermaßen mit schüttelndem Kopf zurück ließ. Nein, es war das „Wie“, denn in all seiner chaotischen Fahrigkeit erinnerte die Darbietung an Constantini-Zeiten. Unangenehm vieles in diesem Spiel war auf Zufall und spontane Ideen aufgebaut. So war Österreichs Spiel im Ballbesitz langsam und uninspiriert, niemand wollte mit einer Idee vorpreschen, wohl weil die Mitspieler erst erkennen mussten, was die Idee wäre.“

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Färöer – Österreich 0:2 (0:1)

43. Spiel am 9. Oktober 2021 in Tórshavn, WM-Qualifikation. Tore: 1:0 (26.) Laimer, 2:0 (48.) Sabitzer. Ballverliebt meinte: „Das Traurige war, dass in der Folge das Team der Färöer-Inseln den reiferen Eindruck machte und wesentlich besser abgestimmt wirkte, als man selbst aktiver werden musste. Die Gastgeber nahmen den Österreichern die Zeit am Ball und reduzierten sie auf Mitteldistanz-Pässe.“

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Dänemark – Österreich 1:0 (0:0)

44. Spiel am 12. Oktober 2021 in Kopenhagen, WM-Qualifikation. Tor: 0:1 (53.) Mæhle. Ballverliebt meinte: „Ohne jede Torgefahr, ohne Struktur im Aufbauspiel. Dadurch kein Tempo, kein Zug zum Tor, kaum Vertikalität. Österreich hatte Dänemark rein gar nichts entgegen zu setzen, obwohl der EM-Halbfinalist nach der hochverdienten Führung eigentlich nichts anderes mehr getan hat, als sich anzusehen, was Österreich anbietet. Es war nicht viel.“

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45. Spiel am 12. November 2021 in Klagenfurt, WM-Qualifikation. Tore: 0:1 (33.) Bitton, 1:1 (51., Elfmeter) Arnautovic, 1:2 (59.) Peretz, 2:2 (62.) Schaub, 3:2 (72.) Schaub, 4:2 (84.) Sabitzer. Ballverliebt meinte: „In der ersten Halbzeit war eine Strafraumbesetzung bei ÖFB-Team de facto nicht vorhanden, entsprechend gering war die Torgefahr. Das wurde nach dem Seitenwechsel deutlich besser. Es gab viele Ballgewinne und ein defensives Umschalten von Israel gab es kaum noch. Österreich fand viel Raum vor und es gab in der Folge zahlreiche Torchancen.“

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Österreich – Moldawien 4:1 (2:0)

46. Spiel am 15. November 2021 in Klagenfurt, WM-Qualifikation. Tore: 1:0 (4.) Arnautovic, 2:0 (22.) Trimmel, 3:0 (55., Elfmeter) Arnautovic, 3:1 (60.) Nicolaescu, 4:1 (83.) Ljubicic. Ballverliebt meinte: „Die Moldawier ließen die Außenbahnen erstaunlich frei und sie schafften es auch nicht, Druck auf die österreichische Zentrale auszuüben. Nach einer Stunde nahm Foda dann Grillitsch, der das Spiel diktiert hatte, zugunsten von Dejan Ljubicic vom Feld. Die direkte Folge war, dass das Aufbauspiel Österreich spürbar erlahmte.“

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Wales – Österreich 2:1 (1:0)

47. Spiel am 24. März 2022 in Cardiff, WM-Playoff Halbfinale. Tore: 0:1 (25.) Bale, 0:2 (51.) Bale, 1:2 (65.) Sabitzer. Ballverliebt meinte: „Man hatte nun weiß Gott genug Zeit, sich auf dieses Spiel vorzubereiten, den Gegner zu sezieren, Muster zu erkennen, exakte Strategien zu entwickeln und diese Chance, die einem mit dieser Auslosung zuteil wurde, am Schopf zu packen. Stattdessen gab es erst eine Stunde lang den selben vorhersehbaren und unkreativen Ballbesitz-Kick wie immer und dann den Holzhammer.“

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Österreich – Schottland 2:2 (0:1)

48. Spiel am 29. März 2022 in Wien, Freundschaftspiel. Tore: 0:1 (28.) Hendry, 0:2 (56.) McGinn, 1:2 (75.) Gregoritsch, 2:2 (82.) Schöpf. Ballverliebt meinte: „In der ersten Halbzeit gab es mit den steilen Chip-Bällen in die Schnittstelle der schottischen Abwehr, vor allem jene auf Lazaro, eine wirksame Idee, um zu Torchancen zu kommen. Nach dem Rückstand franste es aber spürbar aus. Das Anlaufen passierte ohne Absicherung, die Löcher wurden größer, den Laufwegen fehlte der Zusammenhang. Dass in einer engagierten Schlussphase zwei Joker das nach den Chancen vollauf verdiente Remis retteten, kann Foda am Ende für sich beanspruchen.“ Anmerkung: 100. Länderspiel für Aleksandar Dragovic.

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Bevor ein Nachfolger für Franco Foda gesucht wird, sollte sich der ÖFB – konkreter formuliert: Peter Schöttel – klar werden, welche Art von Spiel man überhaupt haben will und sich danach die Kandidaten für die Nachfolge von Foda aussucht. Sprich: Der ÖFB muss verdammt nochmal genau das machen, wovon Franco Foda nach seinem letzten Match gemeint hat, man müsse damit aufhören. Man MUSS Trainer schon im Vorfeld danach beurteilen, wie sie über Fußball denken. Danach ist es zu spät. Sonst kommt eine Reprise von 2017 und man schmeißt dem Präsidium drei komplett unterschiedliche Trainer hin und man wartet ab, was bei deren Jahrmarkt der Eitelkeiten denn herauskommen möge. Das wäre das Worst-Case-Szenario.

Eine Überraschung aus dem Off, wie sie 2011 Marcel Koller war, ist nicht zu erwarten – weil Willi Ruttensteiner die interne Maulerei und der öffentliche Druck damals komplett wurscht waren und er seinen Sturkopf (zum Vorteil des Nationalteams) einfach durchdrückte. So ein Typ Mensch ist Peter Schöttel nicht. Zu befürchten ist der Weg des geringsten Widerstandes, wie es schon Foda 2017 war. Die Folge waren viereinhalb Jahre, in dem der ÖFB das Happel-Stadion so konsequent leergespielt hat wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Wie Golden die Generation wirklich ist, darf man trefflich diskutieren, aber in jedem Fall hat Fodas Nachfolger Personal zur Verfügung, mit dem man sich zwingend für die EM 2024 qualifizieren muss und mit dem man eine Teilnahme an der WM 2026 in Nordamerika zumindest als realistisches Ziel ansehen muss. Just am Tag von Fodas letztem Spiel erstmals seit sechs Jahren wieder eine U-19 für die EM qualifiziert, in der entscheidenden Gruppe vor Spanien, Martin Scherb ist da der Teamchef.

Letztlich bleibt angesichts der Gemenegelage innerhalb des Entscheidungsgremiums nur zu hoffen, dass wir uns die im Aufbauspiel und Ballbesitz lähmend ideenlosen viereinhalb Foda-Jahre nicht bald zurückwünschen.

LINK: Das war die Ära Marcel Koller (2011 bis 2017)
LINK: Das war die Ära Dietmar Constantini (2009 bis 2011)

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Wales schöpft Potenzial aus, Österreich nicht – das war’s https://ballverliebt.eu/2022/03/24/wales-osterreich-playoff-foda/ https://ballverliebt.eu/2022/03/24/wales-osterreich-playoff-foda/#comments Thu, 24 Mar 2022 22:04:04 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18035 Wales schöpft Potenzial aus, Österreich nicht – das war’s weiterlesen ]]> Es folgt schon einer gewissen größeren Gerechtigkeit: Österreich hat es geschafft, die Playoff-Chance, die nach dem katastrophalen vierten Platz in einer desaströsen WM-Quali eigentlich ohnehin nicht verdient war, nicht zu nützen. Und zwar gegen einen sicher guten, aber auch beleibe nicht unschlagbaren Gegner aus Wales, der – im Gegensatz zu Österreich – den Gegner millimetergenau kannte und auch entsprechend agierte.

Wales – Österreich 2:1 (1:0)

Personal und Systeme

Franco Foda vertraute auf ein 4-2-3-1-System mit Arnautovic vorne und Sabitzer dahinter. Seiwald spielte statt des coronapositiven Grillitsch in der Zentrale, Konrad Laimer bekam den Zuschlag für die rechte Außenbahn. Rob Page musste auf Stammkeeper Danny Ward verzichten, dafür hatte er Gareth Bale zur Verfügung. Er wählte ein 5-3-2-System, in dem Bale als Sturmspitze aufgestellt war, aber große Freiheiten genoss und sich auch in anderen Bereichen des Feldes ins Spiel einbrachte.

Konzept der Waliser greift

Österreich hatte von Beginn an das Plus an Ballbesitz, Wales versuchte allerdings, den Ballführenden gezielt einzukreisen – auch schon in der gegnerischen Hälfte. Das sorgte dafür, dass im Rücken in zwei, drei Situationen große Räume entstanden, die aber nur einmal von Österreich gezielt angespielt wurden. Sabitzers kluger Pass auf Baumgartner bedeutete die einzige echte ÖFB-Torchance, der Schuss klatschte allerdings an die Latte und nicht in die Maschen.

Von dieser Situation abgesehen gelang es Österreich in der ersten Hälfte niemals, sich die Waliser so hinzustellen, dass man mit Tempo vertikal in Richtung gegnerisches Tor hätte kommen können. So gab es viel Ballbesitz, aber rein gar nichts, was man damit anfangen konnte.

Wales verstand es gut, Österreich zwar über die Mittellinie zu lassen, dort aber zuzumachen und den Angriff abzudrängen oder von außen in die Mitte zu zwingen, wo die Hausherren selbst Überzahl hatten und die Wege für Österreich nach vorne zustellten. Damit waren die ÖFB-Kicker oft gezwungen, sich wieder nach hinten zu orientieren. Außerdem hielt Wales damit das Tempo des Spiels niedrig.

Auf Österreich abgestimmt

Wales interpretierte das 5-3-2 relativ flexibel, vor allem in der Anfangsphase war Gareth Bale – wie schon bei der EM im Sommer, als Wales wie Österreich das Achtelfinale erreicht hatte – so gut wie überall unterwegs. Auf der rechten Defensivseite stand Connor Roberts gegen den Ball höher als Neco Williams links, wodurch sich situativ eine Viererkette im walisischen Mittelfeld ergab. Roberts konnte so Alaba früher nehmen und Ramsey freimachen, damit dieser gemeinsam mit Bale Richtung Hinteregger gehen konnte, um dessen öffnenden Pässe zu verhindern.

WIlliams links startete dafür eben von weiter hinten, so hatte er etwas Raum vor sich, in dem er Tempo aufnehmen konnte. Seine Vorstöße waren die Hauptquelle von Gefahr, wenn die Waliser den Ball hatten.

Zentrum aufgegeben

Nachdem sich Dragovic und Alaba bei einem Eckball kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit übertölpeln ließen und wiederum Bale das 2:0 schoss, war eine Reaktion gefragt. Diese Reaktion hieß Sasa Kalajdzic (für Laimer) und war Absicht. Ob es auch Absicht war, das schon zuvor wirkungslose Zentrum gänzlich preiszugeben – und Bale hätte in der 63. Minute genau diesen Umstand beinahe zum 3:0 genützt – ist Spekulation. Womöglich war die Überlegung auch: In der Mitte kommen wir eh nicht durch, also warum überhaupt versuchen.

In der 64. Minute jedenfalls hoppelte ein von Rodon abgefälschter Weitschuss von Sabitzer zum 1:2 über die Linie. Österreich spielte danach im 4-4-2 weiter (Sabitzer links, Baumgartner rechts, Arnautovic und Kalajdzic vorne) und wie schon vor dem Anschlusstreffer war im Vorwärtsgang ein noch stärkerer Flügelfokus erkennbar.

Die fehlende Präsenz im Zentrum hätte jedenfalls kaum zwei Minuten nach dem 1:2 beinahe für das 1:3 gesorgt, Linder parierte aber gegen James.

Raus mit der Brechstange

Nachdem ein paar Flankenbälle ohne nennenswerte Wirkung in den walisischen Strafraum gehoben wurden, packte Foda nach 75 Minuten endgültig die Brechstange aus und brachte Weimann und Lazaro für Schlager und Baumgartner. Weimann kam nun über rechts, Lazaro über links, Sabitzer ging ins Zentrum zu Seiwald. Aber letztlich ging es nur darum, die Kugel irgendwie in die Box zu bringen und sich dort zu Schusspositionen zu improvisieren.

Einmal, in der 91. Minute, brannte es tatsächlich nochmal im Strafraum der Waliser, und da war eine unerwartete Weiterleitung des aufgerückten HInteregger und ein etwas wilder Querpass dabei, aber Wales brachte den 2:1-Sieg über die Zeit.

Fazit: Wales ist verdient weiter

Bei der EM hievte Gareth Bale das Team aus Wales mit einem 1:1 gegen die Schweiz und einem Sieg über die Türkei ins Achtelfinale und mehr steht der Truppe von ihrem Potenzial her auch nicht zu. Nur: Damals wie auch in der WM-Qualifikation und in diesem Match gegen Österreich ist es Trainer Rob Page und seinen Spielern gelungen, dieses Potenzial auch auszuschöpfen. Man wusste genau, wie man Österreich beikommen kann und hat diese Spielweise beinahe fehlerfrei exekutiert.

Das mit dem Ausschöpfen des Potenzials bei Österreich ist hingegen so eine Sache, auch in diesem Spiel in Wales. Man hatte nun weiß Gott genug Zeit, sich auf dieses Spiel vorzubereiten, den Gegner zu sezieren, Muster zu erkennen, exakte Strategien zu entwickeln und diese Chance, die einem mit dieser Auslosung zuteil wurde, am Schopf zu packen.

Stattdessen gab es erst eine Stunde lang den selben vorhersehbaren und unkreativen Ballbesitz-Kick wie immer und dann den Holzhammer. Schon in der 32. Minute winkte Sabitzer seinen Kollegen mit sichtbarer Verzweiflung zu, doch endlich aufzurücken und nicht gegen ein Team, das den Ball gar nicht will, mit sechs Mann in der eigenen Hälfte zu bleiben.

Damit läuft der Vertrag von Franco Foda nach dem Benefizspiel für die Ukraine am Dienstag gegen Schottland aus.

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Ernüchternde Bilanz einer ernüchternden WM-Quali https://ballverliebt.eu/2021/11/20/bilanz-wm-quali-2022-osterreich-foda-milletich-israel/ https://ballverliebt.eu/2021/11/20/bilanz-wm-quali-2022-osterreich-foda-milletich-israel/#respond Sat, 20 Nov 2021 07:02:32 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17928 Ernüchternde Bilanz einer ernüchternden WM-Quali weiterlesen ]]> Mit einem 4:2 gegen Israel und einem 4:1 gegen Moldawien beschließt das ÖFB-Nationalteam die WM-Qualifikation und liegt am Ende auf dem vierten Platz, hauchdünn hinter Israel. Am März geht es ins Playoff, man ist dort jenes Team mit der schlechtesten Bilanz aller zwölf Teilnehmer. Welche Bedeutungskraft haben die beiden Erfolge in den letztlich völlig bedeutungslosen letzten beiden Matches?

Das 4:2 gegen Israel

Österreich – Israel 4:2 (0:1)

In der ersten Halbzeit war eine Strafraumbesetzung bei ÖFB-Team de facto nicht vorhanden. Nicht nur einmal zog Marco Grüll in Richtung Strafraum, in dem kein einziger Mitspieler stand – die waren alle außerhalb postiert. Entsprechend gering war die Torgefahr. Das wurde nach dem Seitenwechsel deutlich besser: Da standen oft drei bis vier ÖFB-Spieler in der Box, damit wurde auch die israelische Abwehr mehr beschäftigt und vor allem Hatem Elhamed zeigte massiv Wirkung, Alleine zwischen der 66. und der 72. Minute drehte der Verteidiger von Hapoel Be’er-Sheva unter Gegnerdruck drei üble Korken, einer davon führte zum Tor zum 3:2.

Generell funktionierte das Anlaufen im zweiten Spielabschnitt gut: Es gab viele Ballgewinne, ähnlich wie in der Anfangsviertelstunde beim Hinspiel in Haifa, und ein defensives Umschalten von Israel gab es kaum noch. Österreich fand viel Raum vor und es gab in der Folge zahlreiche Torchancen.

Da es Österreich in der zweiten Halbzeit gelang, sich länger und nachhaltiger in der gegnerischen Hälfte festzusetzen, wurden auch Grillitsch und Seiwald im Mittelfeld-Zentrum entlastet. Zuvor waren die beiden permanent am Auf- und Absprinten, weil die beiden einen Riesenraum zwischen Abwehrreihe und Angreifern abdecken mussten, um dort die Räume für die Israelis eng zu machen. Im Aufbau war Grillitsch viel mehr eingebunden als Debütant Seiwald, der vor allem dann die Anspiele bekam, wenn zwei bis drei Israelis in seiner unmittelbaren Nähe standen. Der Jungspund löste diese Situationen aber zumeist gut auf.

Das 4:1 gegen Moldawien

Österreich – Moldawien 4:1 (2:0)

Gegen Moldawien hatte es Österreich wesentlich einfacher. Wie Israel stellte sich auch dieser Gegner in einem 5-3-2 auf, die Außenbahnen ließen die Gäste erstaunlich frei und sie schafften es auch nicht, Druck auf die österreichische Zentrale auszuüben.

So konnte sich Grillitsch ungestört die Bälle zwischen den Innenverteidigern abholen, damit nach vorne gehen und die Pässe verteilen. Auf der linken Seite waren sowohl Ulmer als auch Grüll bemüht, steil zu gehen. Die Abstimmung der beiden passte nicht immer, klappte im Ganzen aber recht gut. Ähnliches galt für Trimmel und Schaub auf der linken Seite, der Köln-Legionär zeigte sich als deutliches Upgrade zum gegen Israel wirkungslosen Schöpf.

Österreich nützte die Überlegenheit zu einer verdienten 2:0-Pausenführung und ein erstaunlich bescheuertes Elfmeter-Foul von Posmac führte zum 3:0 per Straßstoß. Nach einer Stunde nahm Foda dann Grillitsch, der das Spiel diktiert hatte, zugunsten von Dejan Ljubicic vom Feld. Die direkte Folge war, dass das Aufbauspiel Österreich spürbar erlahmte und die Moldawier etwas Luft zum Atmen bekamen.

Trotz des moldawischen Anschlusstreffers bestand aber nie die Gefahr, dass das Match kippen könnten und das ÖFB-Team kam zu einem ungefährdeten 4:1-Erfolg.

Und was machen wir nun mit dieser Qualifikation?

Den beiden Pflichtsiegen – bei denen alleine 8 der 19 Tore erzielt wurden – zum Trotz: Der vierte Platz ist in dieser Gruppe ein indiskutables Endresultat und selbst der dritte Platz, zu dem nur ein Tor gefehlt hat, wäre kaum besser. Schottland hat drei Spieler mit gehobenem Premier-League-Niveau, sonst kaum mehr als brave Zweitliga-Kämpfer. Israel hat zwei Stürmer mit Qualität, aber sonst nicht mehr besonders viel.

Der zweite Platz hinter den tatsächlich sehr guten Dänen hätte für Österreich das absolute Minimum sein müssen, und es hätte nicht mal eng sein dürfen. Schon vor zwei Jahren machten Foda und das ÖFB-Team deutlich härtere Arbeit aus einem zweiten Quali-Platz, als notwendig gewesen wäre, und zwar in einer vergleichbar schwachen Gruppe. Wurde 2019 aus überwiegend mäßigen Leistungen zumindest noch das erwartbare Minimum an Resultaten geholt, gelang 2021 nicht mal mehr das.

Seit dem Herbst 2018 wurde offensichtlich, dass Foda – anders als in seinen letzten Monaten als Sturm-Trainer – eben doch nicht langfristig über seinen Schatten springen kann. Dass er in der Tiefe seines Herzens ein Kontrollfreak ist, der nichts so sehr verabscheut wie Risiko auf dem Fußballfeld. Stabilität in der Defensive geht ihm über alles, gefährliche Pässe in der Eröffnung sollen um jeden Preis verhindert werden. Dennoch gab es in der Quali für die EM 2020 neun Gegentore in zehn Spielen. Nur zwei der 20 direkt qualifizierten Teams kassierte noch mehr.

Es wirkte, als wolle Foda in der Folge noch mehr die defensive Absicherung haben, die Abwehrreihe stand verglichen mit der Angriffsreihe immer sehr tief, ging praktisch nie über die Mittelinie hinaus. Gleichzeitig wurde aber vorne gepresst, in einer Intensität wie einst unter Koller, aber ohne die nötige Absicherung zwischen Pressingwelle und Abwehr. Die Folge war jener Kontrollverlust, den Foda unbedingt vermeiden wollte, und eine Flut an Gegentoren – besonders frappant beim 0:4 gegen Dänemark.

Dieses Phänomen, gleichzeitig hoch zu pressen und tief zu stehen – was nicht möglich ist – gab es bei Foda einst schon bei Sturm Graz zu sehen. Und auch damals hat es nicht nachhaltig funktioniert. „Foda ist ein durchschnittlicher Trainer, aber seine Mutlosigkeit reißt ihn auf ein unglaublich tiefes Niveau herab. Wenn er einmal seinen Mut zusammennimmt (in den seltenen Fällen), dann gehen da plötzlich wirklich ein paar Türen auf“, analysierte unser Leser martidas nach dem 0:1 in Kopenhagen, und weiter: „Ich habe, glaube ich, noch nie einen Trainer gesehen, der so sehr an seinem eigenen Charakter scheitert, weit mehr als an seinen Fähigkeiten.“

Nichts davon ist neu, alles ist bekannt und der Achtelfinal-Einzug bei der EM hat auch keine Veränderung zum Positiven gebracht. Eher im Gegenteil.

Abstimmung mit den Füßen

Die Tage von Franco Foda als ÖFB-Teamchef sind nach menschlischem Ermessen bald gezählt, es bräuchte schon ein Wunder in Form von zwei Playoff-Siegen im März, um ihn im Amt zu halten. Die Fans haben ohnehin schon längst mit den Füßen abgestimmt. Waren unter Marcel Koller noch im Schnitt 42.200 Zuseher, 47.500 Zuseher und 33.900 Zuseher bei den jeweils fünf Heimspielen der drei Turnier-Kampagnen, war es schon beim Weg zum EM-Ticket unter Foda nur noch 28.600.

Das einzige kompetitive Heimspiel 2021, bei dem Zuseher erlaubt waren – dem ersten Heimspiel nach der erfolgreichen EM – lockte gegen Schottland keine 20.000 Zuseher ins Happel-Stadion und die, die da waren, forderten unmissverständlich den Rauswurf des Teamchefs. Natürlich ist es ein wenig unfair, die beiden bedeutungslosen Heimspiele noch dazuzurechnen, aber aus den drei zuschaueroffenen Herbst-Spielen gab es einen Schnitt von 8.300. Vierstellig war’s zuletzt 1990/91, in der berüchtigten Färöer-Qualifikation.

Und warum muss Foda nicht gleich gehen?

Koller wurde 2016/17 ebenso Vierter in seiner Gruppe und wurde mit freundlichen Worten, aber auch einem festen Tritt in den Hintern verabschiedet. Sportdirektor Willi Ruttensteiner, der nun als Israels Teamchef mit einem viel schlechteren Team als Österreich vor Österreich gelandet ist und der Koller 2011 gegen ein konsterniertes ÖFB-Präsidium durchgedrückt hat, wurde mit nicht besonders freundlichen Worten und einem noch festeren Tritt in den Hintern verabschiedet.

Und ÖFB-Präsident Leo Windtner wurde von einem Präsidium, das angeführt von Herbert Hübel seine Chance zur Revanche für 2011 gekommen sah, bei seiner letzten Wiederwahl so sturmreif geschossen, dass er keine Hausmacht mehr hatte und sein Amt nun folgerichtig abgab.

Die Gegenreformation, die sich 2017 angedeutet hat, scheint vollzogen.

Das heißt aber nicht, dass sich Schöttel und Foda ihrer Posten nun sicher sein können. Dass sie nicht mit der gleichen Vehemenz in die Wüste geschickt werden wie Koller und Ruttensteiner – die nachweislich mehr für den heimischen Fußball geleistet haben wie ihre jeweiligen Nachfolger – vor vier Jahren, ist erstaunlich genug. Dass Milletich und Schöttel am Rande des Matches gegen Moldawien ähnlich unkoordiniert aneinander vorbeigeredet haben wie Alexander Schallenberg und Wolfgang Mückstein, war aber schon auffällig.

Es scheint klar, dass Milletich zunächst die Personalie Sportdirektor geklärt haben will, ehe die Baustelle Teamchef angegangen wird. Gespräche mit Thomas Janeschitz wurden schon in Klagenfurt kolportiert. Dieser war 2009 Nachfolger des letzte Woche verstorbenen Paul Gludovatz als Leiter der ÖFB-Trainerausbildung geworden und wirkte auch als Co-Trainer von Marcel Koller.

Schöttel ist in seinen vier Jahren als Sportdirektor öffentlich vor allem mit wirren Pausen-Interviews bei Länderspielen und sonst großer Zurückhaltung aufgefallen, für die Akademien in den Bundesländern hat er sich dem Vernehmen nach nicht wirklich interessiert. Schöttel ist – anders als der im persönlichen Umgang als extrem schwierig geltente Willi Ruttensteiner – maximal uneitel und sehr angenehm. Aber den Eindruck, dass beim ÖFB wirklich was weitergegangen wäre, hat man eher nicht.

Hätte Milletich nun eine sofortige Foda-Entlassung durchgedrückt, wäre ihm der öffentliche Applaus sicher gewesen und er hätte jene Handlungskraft signalisiert, die Windtner in der letzten Phase seiner Präsidentschaft gefehlt hat. Aber er hätte nur ein Problem (Foda) durch ein anderes (Sportdirektor, dessen Verbleib nicht gesichert ist, sucht Nachfolger, der ohne vorheriges Kennenlernen des Teams in ein vermutlich aussichtsloses Playoff geht) ersetzt.

Wäre es klug gewesen, Foda schon nach den bodenlosen September-Spielen zu liefern? Vermutlich. Aber da war das Präsidium noch mit sich selbst beschäftigt. So hat man einen Herbst verloren, in dem man schon die Weichen stellen hätte können – in aller Ruhe, die Qualifikation war ja eh gelaufen. Dieses Vakuum hat Foda, so kann man annehmen, das Playoff gesichert.

Nur die Aussage, dass sich der Teamchef „das Playoff verdient“ habe, kann man so nicht stehen lassen. Drecks-Fußball ist noch tolerierbar, sei es auch mit Bauchweh, wenn er die Resultate liefert. Wenn Drecks-Fußball auch noch für Drecks-Ergebnisse sorgt – und zwar mit einem Kader, mit dem weder das eine noch das andere nötig wäre – ist das kein Anlass für eine Belohnung. Im Gegenteil.

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„Nur“ 0:1 – Österreich von Dänen locker auf Abstand gehalten https://ballverliebt.eu/2021/10/12/danemark-osterreich-foda-faroer/ https://ballverliebt.eu/2021/10/12/danemark-osterreich-foda-faroer/#comments Tue, 12 Oct 2021 21:51:32 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17874 „Nur“ 0:1 – Österreich von Dänen locker auf Abstand gehalten weiterlesen ]]> Nach dem 2:0-Pflichtsieg auf den Färöern gab es für das ÖFB-Team in Dänemark ein 0:1. Ein Ergebnis, der den Grad der völligen dänischen Kontrolle und der kompletten Harmlosigkeit des ÖFB-Teams nicht einmal im Ansatz ausdrückt. Denn während der EM-Halbfinalist und nunmehr fixe Gruppensieger nach einer überlegen gestalteten Stunde mehrere Gänge zurück schaltete, kam Österreich nicht einmal ordentlich in den gegnerischen Strafraum.

Dänemark – Österreich 1:0 (0:0)

Beim 0:4 im Frühjahr ist es schon in der vordergründig recht ereignisarmen ersten Halbzeit deutlich geworden: Dänemark ist ein annähernd perfekt aufeinander abgestimmtes Kollektiv, in dem immer zwei, drei Schritte weiter gedacht wird. Jeder weiß, was der andere macht, die Absicherung im Anlaufen passt, die Pressingstrukturen sitzen. Damit kann auch das Tempo hochgehalten werden, wenn man das möchte.

So ließ es sich auch im Parken an: Alleine in den ersten zwei Spielminuten wurden schon drei österreichische Ballverluste durch den früh ausgeübten dänischen Druck provoziert. Schon die ÖFB-Außenverteidiger konnten nicht aufdrehen, weil sie sofort mit zwei Gegenspielern konfrontiert waren. Und Martin Hinteregger war der Einser-Ziel des dänischen Angriffspressings: Er ist der Chef-Spieleröffner, und wenn man ihn angeht, hat man Österreich schon so gut wie neutralisiert. Auffällig: Stefan Posch wurde im Gegensatz dazu eher in Ruhe gelassen.

Österreich auf Zerstören aus

Franco Foda hatte das ÖFB-Team offensiv in die Defensiv-Rolle geredet und so spielte man auch. Gegen den Ball stellte man sich in einem 4-4-2 auf und ließ das dänische Geschehen über sich ergehen; mit Ilsanker im zentralen Mittelfeld und Sabitzer de facto neben Kara ganz vorne. Im Grunde spielte Österreich so wie Sturm vor zehn Jahren – nur eben mit David Alaba und Marcel Sabitzer statt Martin Ehrenreich und Imre Szabics (und in der Schlussphase mit Flo Kainz statt… naja, statt Flo Kainz).

Aber selbst das machte man gar nicht so gut. Vor allem die linke Seite war extrem anfällig: Die Schnittstelle zwischen Alaba (den es als Unterstüzung für Debütant Grüll nach vorne zog) und Hinteregger passte gar nicht. Andererseits war es in Abwesenheit von Hintereggers öffnenden Pässen wiederum Alaba, über den Österreich zumeist ins Angriffsdrittel kam. Dabei wurde er aber zumeist isoliert. Die einzige echte Torchance für Österreich resultierte aus einem Freistoß.

Da das Aufrücken nach Ballgewinnen nicht im Block passierte, sondern oft eher unkoordiniert, ergaben sich zwischen den Linien wiederum Räume. Wenn die Färinger dieser erkennen und finden, können das die Dänen erst recht und sie taten das auch. Mit hohem Tempo und hoher Passsicherheit wurde das österreichischen Defensiv-Umschalten immer wieder ausgehebelt.

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Hohe Ungenauigkeit

Das ÖFB-Team hingegen war durch den Druck gezwungen, die Kugel schnell laufen zu lassen, und das geht nur, wenn man aufeinander abgestimmt ist. Die Realität waren aber mittellange Bälle, die immer wieder recht ungenau ankamen und vor allem jegliches eigenes Tempo unmöglich machten. Sabitzer, der in Tórshavn auf der Acht noch an vielen aussichtsreichen Aktionen beteiligt war, hing vorne auf der Zehn bzw. als hängender Stürmer in der Luft. Wenn Alaba zur Verstärkung ins Zentrum einrückte, wurde es außen gefährlich: Grüll war bemüht, er hatte aber sichtbare Schwierigkeiten mit der dänischen Geschwindigkeit.

Hinzu kam, dass auch Laimer auf der anderen Seite die Defensivläufe gegen Mæhle nicht konsequent durchzog. Das fiel Österreich nach 52 Minuten auf den Kopf: Hinteregger ging den nach vor stürmenden Delaney an, Posch blockte Mittelstürmer Dolberg (statt Damsgaard gekommen) weg, Trimmel kümmerte sich um Linksaußen Poulsen – und niemand war bei Mæhle, der völlig blank stand und mühelos zum 1:0 versenkte. Schon bis dahin vereitelte Keeper Bachmann einige gute Chancen, hier war er machtlos.

Personal-Geschiebe bei Österreich…

In der Folge – genau als Kara in der 60. Minute behandelt wurde – ging Ilsanker von der Sechs in die Abwehrkette, wodurch sich ein 5-4-1 ergab. Foda erklärte nach dem Spiel, dass man damit die lange dänischen Bälle besser verteidigen wollte. Doch die Dänen ließen nach der Führung ein wenig von der Daumenschraube ab, dafür fehlte Österreich nun vollends jede Struktur nach vorne. Anstatt gegen Luft holende Dänen selbst Geschwindigkeit aufzunehmen, zerfiel jeglicher Spielfluss in einem Stop-and-Go-Geholze.

So ging Ilsanker wie Kara nach 71 Minuten raus, es kamen Schaub und Onisiwo, womit sich wie gegen die Färöer ein 4-3-3 ergab: Sabitzer und Lainer auf der Acht, Onisiwo ganz vorne, Grüll links und Schaub rechts. So krallte sich Österreich ein wenig die Kontrolle über das Zentrum, zumal Schaub und auch Alaba situativ einrückten. Für die letzten zehn Minuten kamen dann noch Kainz (für Grüll) und Gregoritsch (für Laimer), womit wiederum jede Ordnung dahin war.

…und Dänemark schaltet auf Cruise Control

Die Dänen schalteten nun endgültig in den dritten Gang zurück. Die Wing-Backs Mæhle und Wass (bzw. in der Schlussphase Stryger) komplettierten eine Fünferkette mit einer Viererreihe im Mittelfeld davor. Man ließ Österreich den Ballbesitz-Anteil von knapp über 40 Prozent in der ersten Hälfte auf am Ende 51% hochschrauben, ließ aber überhaupt nichts zu.

Es gelang dem ÖFB-Team nicht, kollektive Ideen zu entwickeln. Es gab ein paar Weitschüsse, die die Statistik aufblasen, aber nichts bringen. Es gab ein paar Chip-Bälle von hinten, die aber keine Chance hatten, einen österreichischen Abnehmer zu finden. Dänemark verwaltete das Spiel trocken runter und kam dabei nicht einmal ins Schwitzen.

Fazit: Sang- und klanglos

Ohne jede Torgefahr, ohne Struktur im Aufbauspiel. Dadurch kein Tempo, kein Zug zum Tor, kaum Vertikalität. Österreich hatte Dänemark rein gar nichts entgegen zu setzen, obwohl der EM-Halbfinalist nach der hochverdienten Führung eigentlich nichts anderes mehr getan hat, als sich anzusehen, was Österreich denn so anbietet. Es war nicht viel.

Die Nonchalance, mit der Dänemark in der letzten halben Stunde das Match austrudeln ließ, verpasst dem hilflosen ÖFB-Auftritt nochmal eine besonders bittere Note. Natürlich sind Arnautovic, Lainer, Baumgartner und Kalajdzic nicht zur Verfügung gestanden. Aber es war immer noch genug Qualität auf dem Platz, mit der man auch ernsthaft etwas anfangen kann.

Es ist müßig geworden, sich über die völlig Abwesenheit eines durchdachten Offensivspiels zu beklagen. Man weiß einfach, dass es ein solches unter Foda in diesem Leben nicht mehr geben wird. Jetzt steht Österreich da, auf Platz vier der vermutlich wieder leichtesten WM-Quali-Gruppe, endgültig ohne theoretische Chance auf Platz zwei, und das zwei Spiele vor Schluss.

Am Sonntag übernimmt der neue ÖFB-Präsident Gerhard Milletich sein Amt. Vorgänger Leo Windtner hat sich 2009 eingeführt, indem er ein gigantisches Missverständnis von Teamchef verräumt hat (Karel Brückner war das damals). Mal sehen, was Milletich macht.

Der 2:0-Sieg in Tórshavn

Drei Tage vor dem 0:1 im Parken gab es den 2:0-Sieg im Tórsvøllur. Dabei ärgerten die Färinger das ÖFB-Team schon in der ersten Hälfte damit, dass aufgerissene Löcher zwischen den Linien sehr rasch entdeckt und bespielt wurden. So hatte Österreich zwar viel Ballbesitz, aber die Chancen verbuchte zunächst das Team von den Färöer-Inseln.

Färöer – Österreich 0:2 (0:1)

In dem Spiel, das eine Stunde nach dem Kurz-Rücktritt begann und wohl auch ob der politischen Ereignisse deutlich weniger Zuseher hatte als die zeitgleiche Sondersendung auf ORF 2, war Österreich in einem 4-3-3 angetreten. Man hatte relativ viel Ballbesitz und relativ wenig Idee, wie man in den Färöer-Strafraum kommen sollte. So lief man immer wieder in Ballverluste und Konter der Färinger, die deutlich mehr Gefahr ausstrahlten als das meiste, was das ÖFB-Team zeigte. Wenn bei Österreich Konstruktives passierte, hatte fast immer der auf der Acht eingesetzte Marcel Sabitzer seine Füße im Spiel.

Wie sehr die Vertikalität fehlte, wurde nach einer halben Stunde deutlich, als man die Färöer einmal selbst erwischte und Laimer nach Kara-Zuspiel einen Konter zum 1:0 verwertete. Eine frappante Parallele zum Heimspiel im Frühjahr, als man beim 3:1-Sieg ja auch zwei Kontertore gebraucht hat. In Tórshavn brachte ein abgefälschter Weitschuss von Sabitzer kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit das 2:0 und damit die Vorentscheidung.

Das Traurige aber war, dass in der Folge das Team der Färöer-Inseln den reiferen Eindruck machte und wesentlich besser abgestimmt wirkte, als man selbst aktiver werden musste. Die Gastgeber nahmen den Österreichern die Zeit am Ball und reduzierten sie auf Mitteldistanz-Pässe. Anstatt den Ballbesitz zu sichern, das Spiel zu beruhigen und etwas Zeit von der Uhr zu nehmen, gestattete Österreich den Färingern, das Tempo selbst zu bestimmen.

Die individuelle Klasse reichte zwar nicht aus, um noch etwas am Spielstand zu ändern und man muss mit einem Sieg auf den Färöer-Inseln immer froh sein. Besondere Zuversicht für das Match in Dänemark verbreitete das ÖFB-Team in Tórshavn aber nicht.

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Bankrott-Erklärung bei 0:1 gegen Schottland https://ballverliebt.eu/2021/09/08/osterreisch-schottland-niederlage-foda/ https://ballverliebt.eu/2021/09/08/osterreisch-schottland-niederlage-foda/#comments Wed, 08 Sep 2021 21:48:08 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17831 Bankrott-Erklärung bei 0:1 gegen Schottland weiterlesen ]]> Es ist nicht einmal so sehr das bloße Ergebnis, die 0:1-Niederlage gegen Schottland, die einen so dermaßen mit schüttelndem Kopf zurück ließ. Nein, es war das „Wie“, denn in all seiner chaotischen Fahrigkeit erinnerte die Darbietung beim ersten Bewerbs-Heimspiel vor Zusehern seit November 2019 an Constantini-Zeiten.

Österreich – Schottland 0:1 (0:1)

Warum tat sich Österreich so schwer?

Die Schotten sind zwar in ihren fußballerischen Möglichkeiten recht limitiert, aber sie können Rückschlüsse aus Videostudium ziehen. Israel wollte kontrolliert hinten raus spielen und bekam den Pressing-Furor zu spüren? Fein, das liegt uns eh nicht. Martin Hinteregger ist der Hauptverantwortliche in der Spieleröffnung? Fein, nehmen wir ihn eben raus.

Letzteres war vor allem die Aufgabe von Ché Adams. Der schottische Stürmer – der in Southampton mit Ralph Hasenhüttl einen österreichischen Trainer hat – drängte mit geschickten Laufwegen aus dem Zentrum heraus Hinteregger immer wieder weit in Richtung Seitenlinie und isolierte ihn dort. So fand der Frankfurt-Legionär selten die Zeit für seine zielsicheren öffnenden Pässe nach vorne. Sein rüdes Foul, das ihm in der 25. Minute die gelbe Karte brachte, hatte schon den deutlichen Geruch von Grant.

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War die erste halbe Stunde wirklich ganz okay?

Nicht wirklich. Schon früh wurden die Probleme im Aufbau, verstärkt durch Hintereggers direkten Gegenspieler, sichtbar. Situativ ließ sich Ilsanker fallen, aber sobald der Ball von hintern heraußen war, wurde das Tempo wieder verschleppt und zuweilen die Kugel wieder dem auf die Sechs aufgerückten Ilsanker zugespielt.

Es gab Pässe nach vorne, die vor allem von Arnautovic auch durchaus festgemacht wurden. Dies waren aber zumeist 40- bis 50-Meter-Pässe und es rückten auch selten mehr als zwei Österreicher schnell genug nach, um irgendwie involviert zu werden. Diese drei Spieler, zumeist neben Arnautovic noch Laimer und Baumgartner, sahen sich dann sieben bis acht Schotten gegenüber.

Abschlüsse gab es vornehmlich aus der Distanz, einer dieser Schüsse strich auch nur knapp am schottischen Tor vorbei.

Warum die vielen hohen Bälle?

Mit der Führung (30., Elfmeter) im Rücken konnten die Schotten ihre wirkliche Stärke, nämlich das Verteidigen mit einer Fünferkette hinten und einem Dreier-Mittelfeld davor, voll ausspielen. Zusätzlich hatten sie in John McGinn von Aston Villa quasi einen Freigeist im Mittelfeld: Er spielte auf der Zehn, wenn Österreich herausspielte; ließ sich auf die linke Acht fallen, wenn Österreich herauskam und war vor allem in der zweiten Halbzeit auch als zentraler Sechser zwischen Gilmour und McGregor zu finden.

Österreich hingegen spielte sehr statisch und die Raumverteilung war furchtbar, sie machte hohe Bälle geradezu notwendig. Die Offensivspieler orientierten sich zwischen den schottischen Reihen durchgängig an der Abwehrkette. Es war also unmöglich, sie anzuspielen und der Aktion gleichzeitig Tempo mitzugeben, weil denn entweder ein Schotte dazwischen war oder man im Abseits stand. Arnautovic ist letzteres besonders oft passiert.

Hinzu kam einmal mehr, dass es keinerlei Laufwege gab, um den schottischen Block in Bewegung zu bringen: Zumeist bewegte sich ein österreichischer Spieler rund um den Ballführenden herum, der Rest verkroch sich im weidlich ausgebreiteten schottischen Deckungsschatten.

Es blieben also nur zwei Optionen: Rückpass oder hoher Ball nach vorne.

Warum wirkte das österreichische Spiel so eng?

Weil es das war. Alaba rückte schon vor der 77. Minute, als er im Zuge der Ulmer-Einwechslung für Grillitsch ganz dorthin geschoben wurde, eher ein als zur Grundlinie durchzugehen. Christopher Trimmel auf der rechten Seite verhielt sich auch eher zurückhaltend. Dafür spielten die nominellen Außenspieler Laimer (rechts) und Baumgartner (links) vor allem nach dem Gegentor immer zentraler und rückten, wie schon in Moldawien, in den Zehnerraum.

Weil der Aufbau ohne den effektiv aus dem Spiel gefrusteten Hinteregger praktisch nur den spontanen Ideen des Ballführenden entsprang und sich kaum einmal jemand freilief, waren alle Österreicher im Zentrum im erwähnten Deckungsschatten verloren.

Was brachten Fodas Wechsel?

Mehr Präsenz im Strafraum, aber keine Besserung am Rest des Feldes. Nach knapp einer Stunde kam Gregoritsch für den schwer unzufriedenen Ilsanker, es entstand ein 4-4-2 mit Grillitsch vor Hinteregger und Dragovic als Restverteidigung – die schon zuvor zuweilen schwer luftig daherkam – und dem Rest des Teams in Brechstangen-Mission davor.

Ab ca. der 60. Minute

Gregoritsch kam ein zwei, drei der insgesamt 38 Flanken, die fast alle in maximal mittlerem Tempo in den Strafraum gehoben wurden. Aber sonst änderte sich an der Statik des Spiels nicht viel. Yusuf Demir (in der 76. Minute positionsgetreu statt Schaub) setzte zu einigen Tempodribblings an, was vor allem deswegen so auffällig war, weil dies davor so frappant gefehlt hatte.

Fazit: Jetzt stimmen auch die Ergebnisse nicht mehr

Unangenehm vieles in diesem Spiel war auf Zufall und spontane Ideen aufgebaut. So war Österreichs Spiel im Ballbesitz langsam und uninspiriert, niemand wollte mit einer Idee vorpreschen, wohl weil die Mitspieler erst erkennen mussten, was die Idee wäre – und diese Zeit bekommt man gegen die defensiv starken Schotten nicht.

Das sieht dann natürlich so aus, als fehle es den Spielern am Willen, sich voll einzusetzen.

Es ist eh immer dasselbe: Ohne klar definierte Angriffsstrukturen kein Tempo, ohne Tempo keine Löcher in der gegnerischen Abwehr, ohne diese Löcher nur Weitschüsse und Zufallsprodukte. Israel hat dem ÖFB-Team sogar den patscherten Gefallen getan, sich anpressen zu lassen und ist davongekommen, weil nach dem Ballgewinn wieder alles Zufall war. Die Schotten haben einfach kernig alles zugemacht.

Österreich hat nun vier der letzten 13 Spiele gewonnen – gegen Färöer (mit zwei Kontertoren daheim), gegen Mazedonien und die Ukraine und mit Mühe in Moldawien. Wie viele Pflichtspiele Franco Foda als Teamchef gegen in der Weltrangliste höher klassierte Teams gewonnen hat? Kein einziges.

Bisher hat es immer noch irgendwie gereicht, dass zumindest das Minimum erreicht wird. Da dies nun auch nicht mehr funktioniert, gibt es schlechte Spiele UND schlechte Resultate. Keine gute Kombination. So kann man spätestens nach diesem Triple-Spieltag davon ausgehen, dass Foda als Teamchef in die Lame-Duck-Phase eingetreten ist: Das Ende ist wohl mehr oder weniger fix, es geht nur noch um die Frage, wann es vorbei ist.

Vor der offiziellen Inthronisierung des neuen ÖFB-Präsidenten am 17. Oktober wird es eher nicht der Fall sein, egal ob es nun Gerhard Milletich oder Roland Schmid wird. Das heißt, dass Foda die Auswärtsspiele auf den Färöern und in Dänemark noch bekommt. Man weiß nicht so recht, ob man ihn dafür beglückwünschen oder bemitleiden soll.

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2:5 in Haifa: Karma-Debakel gegen Ruttensteiners Israel https://ballverliebt.eu/2021/09/05/osterreich-israel-debakel-foda-ruttensteiner/ https://ballverliebt.eu/2021/09/05/osterreich-israel-debakel-foda-ruttensteiner/#respond Sun, 05 Sep 2021 10:12:38 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17819 2:5 in Haifa: Karma-Debakel gegen Ruttensteiners Israel weiterlesen ]]> Trotz unzähligen Ballgewinnen im Offensivdrittel schaffte es Österreich, in Israel 0:3 im Rückstand zu sein als 3:0 in Führung. Danach verteidigte Israel so, wie man gegen ein Team mit viel Ballbesitz und wenigen Ideen verteidigen muss und kam letztlich zu einem 5:2-Sieg. Für Israels Teamchef Willi Ruttensteiner, einst von den ÖFB-Landespräsidenten nach 15 Jahren erfolgreicher Aufbauarbeit mit einem Tritt in den Hintern verabschiedet, ein süßer Sieg.

Israel – Österreich 5:2 (3:1)

Ruttensteiner vertraute dem bei Israel gewohnten 5-3-2, in dem der linke Achter Solomon deutlich höher agierte als der rechte Achter Natkho; vorne spielten Dabbour und Zahavi. Bei Österreich wurde auf ein 3-4-3 vertraut, in dem vor allem der linke Wing-Back Alaba viel zentral agierte.

Extrem viele Ballgewinne…

Anders als Moldawien drei Tage zuvor, war Israel bemüht, den Ball planvoll aus der Abwehr nach vorne zu bringen. Das war allerdings ideal für Österreich: Denn das Angriffspressing brachte von Beginn an extrem viele Ballgewinne im Angriffsdrittel. Die israelische Abwehr wirkte dadurch sehr gehetzt, es ergaben sich zahlreiche Löcher und offene Schnittstellen.

Die Anlaufwege von Grillitsch, Laimer und Baumgartner sorgen recht bald schon für Panik bei Israel, zuweilen wurden gar Fünf-Meter-Pässe genau in die Beine des Österreichers gespielt. Laimer hätte dadurch beinahe den Ausgleich nach dem frühen Tausendgulden-Schuss zum Gegentor erzielt, hätte er den Ball nicht mit der Hand auf Schiene gebracht.

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…aber kein Plan nach dem Ballgewinn

Die Szene von Laimer zum vermeintlichen 1:1 war aber die Ausnahme: Hier erfolgte der Torabschluss ohne weiteren Pass, weil Laimer alleine auf Torhüter Marciano zulaufen konnte. In so gut wie allen anderen Situationen folgte nach dem Ballgewinn die große Ratlosigkeit und das haarsträubende Improvisieren.

Ohne erkennbar einstudierte Laufwege musste sich jeder österreichische Ballführende in der Situation den Mitspieler suchen. Alles konzentrierte sich in einem Zehn-Meter-Band im Zentrum, es wurde extrem umständlich. Dennoch gab es eine Handvoll großer Einschussmöglichkeiten, die entweder durch fehlendes Zielwasser oder durch die Reflexe von Torhüter Marciano zunichte gemacht wurde.

Israel: Eine echte Chance, drei Tore

Ruttensteiners Israelis machten es genau umgekehrt. Das frühe 1:0 war ein sehenswerte Schuss von der Strafraumkante, aber keine echte Torchance. Das 3:0 nach einer halben Stunde resultierte aus einem eher patscherten Ballverlust von Dragovic an der Mittellinie, der Zahavi 50 Meter freien Raum zum Tor offenbarte. Und nur das 2:0 entstammte einer wirklichen Torchance, wiewohl Dragovic auch hier nicht die beste Figur abgab und der Tap-In aus einem Meter wohl alleine den halben israelischen xG-Gesamtwert (2,03) ausmachte, mit dem Tap-In in der Nachspielzeit zum 5:2-Endstand den Großteil des Restes.

Zu einem Zeitpunkt, als eine österreichische 3:0-Führung den Spielverlauf passend abgebildet hätte, stand es also 0:3 aus Sicht des ÖFB. Das war unglücklich, aber auch nicht nur Zufall.

Denn so anfällig Israel auf das Angriffspressing von Österreich war, und noch vor der Pause resultierte aus einem weiteren Ballverlust das 1:3 durch Baumgartner, so geschickt zogen sie ihr eigenes auf. Die Dreier-Abwehr des ÖFB schaffte es nicht, den Ball sinnvoll nach vorne zu bringen und Hinteregger, der üblicherweise für die Pässe nach vorne zuständig ist, wurde daran gut gehindert. Situativ rückte er sogar auf, was in seinem Rücken aber Räume ließ – gefährlich.

Einfallslos nach der Pause

Für die zweite Halbzeit baute Foda das System um und aus dem 3-4-3 wurde ein herkömmliches 4-2-3-1. In der Folge sah das österreichische Spiel sehr ähnlich aus wie in Chisinau: Wie gewohnt viel Ballbesitz, aber keine Ideen im Aufbau; weiterhin drückte sich alles im Zehnerraum zentral zusammen; es gab keine Breite von den Außenverteidigern – vor allem nicht von Alaba. Außerdem wurde der auf der Zehn im Spiel gelassene Schöpf, ohnehin kaum mit Spielpraxis, zwischen allen möglichen improvisierenden Mitspielern und deren unkoordinierten Laufwegen aufgerieben. So konnten auch die Israelis die vor der Pause erschütternd löchrige Defensive gut zusammen halten.

Zweite Halbzeit

Das gelang auch deshalb, weil Israel sich nicht – wie Moldawien – nur hinten einbunkerte, sondern weiterhin auch schon im Mittelfeld den ballführenden Österreicher anlief und so einen gezielten ÖFB-Aufbau zumeist schon im Keim erstickte. Arnautovic‘ Weitschuss sorgte kurzfristig für die Minimierung des Rückstandes auf ein Tor, das hielt aber nicht lange an.

Das Tor des kurz zuvor eingewechselten Shon Weissman zum 4:2 war ein Paradebeispiel dafür, was Österreich in der ersten Halbzeit vorgehabt hatte, aber nicht exekutieren konnte. Druck auf Schöpf beim Herausspielen, dieser hatte keine Anspielstation, Ballverlust, zack, bumm, Tor. Damit war das Spiel nach 60 Minuten erledigt. Zahavis Tor in der Nachspielzeit war dann nur noch der Schlusspunkt.

Demir nur kurz im Zentrum

In der 68. Minute kam Yusuf Demir für Schöpf ins Spiel und er nahm, wie von Foda angekündigt, die Position auf der Zehn ein. Dort kam er gegen die massierte und körperlich robuste Defensive der Israelis aber kaum zur Geltung und auch die Mitspieler schienen nicht zu wissen, wie sie Demir einbinden sollen. In den zwölf Minuten, in denen Demir auf der Zehn spielte, hatte er kaum drei Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte.

Für die Schlussphase kam schließlich Ercan Kara (statt Baumgartner) für die Zehn und Demir ging auf Baumgartners linke Angriffsseite. Dort fühlte er sich sofort sichtlich wohler, zeigte in einigen Passfolgen gutes Spielverständnis und lief auch aktiv die Gegner an – also im Ansatz jenes Spiel, das ihn für Barcelona als Flügelspieler interessant macht. Demir ist kein Spieler, der mit Zweikämpfen zur Defensive beiträgt, sondern Ballgewinne durch Anlaufen forciert.

Fazit: Süße Rache von Ruttensteiner

Es war ein etwas seltsames Spiel: Vor der Pause war Österreich klar am Drücker, provozierte Ballgewinne im Angriffsdrittel am laufenden Band, aber machte nichts daraus – während Israel zwar hinten sehr löchrig unterwegs und nach vorne nicht viel zu bieten hatte, aber 3:0 in Führung ging. Danach stellte Foda auf exakt jenes Spiel um, das schon in Moldawien nicht funktioniert hat, und – große Überraschung – es funktionierte auch in Israel nicht.

Die ÖFB-Abwehr wirkte vom israelischen Angriffspressing überrascht und in keinster Weise darauf vorbereitet; bis zum Schluss nicht. Sie provozierte ungewohnte Fehler – Dragovic‘ Ballverlust zum 0:3, Hintereggers eigentliches Elfer-Foul kurz vor dem 2:4 – und konnte ihre Aufgaben im Spielaufbau zu keinem Zeitpunkt vollziehen.

Gerade Willi Ruttensteiner, der 2017 vom ÖFB unsanft vom Hof gejagt worden war, um Platz für eine Revolution des Kleinmuts und des Bauchgefühls gegenüber Progressivität und Daten zu machen, verpasste seinen Nachfolgern nun einen groben Kinnhaken – so gesehen hat das 2:5-Debakel für Österreich durchaus ein gewisses Karma-Element.

Das Angriffspressing von Österreich war ausgezeichnet, dafür war der Rest eine Katastrophe: Wieder wirkte das Spiel nach dem Ballgewinn rein auf Zufall aufgebaut, zudem gab es überhaupt keinen Plan gegen das Anlaufen der Israelis. Damit ist Platz zwei in der Gruppe, der für ein Team mit der Kaderqualität von Österreich das absolute Minimalziel sein muss, schon in die Ferne gerückt.

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Kein Glanz, keine Blamage-Gefahr: Österreich mit 2:0 in Moldawien https://ballverliebt.eu/2021/09/01/kein-glanz-keine-blamage-gefahr-oesterreich-mit-20-in-moldawien/ https://ballverliebt.eu/2021/09/01/kein-glanz-keine-blamage-gefahr-oesterreich-mit-20-in-moldawien/#comments Wed, 01 Sep 2021 21:57:50 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17801 Kein Glanz, keine Blamage-Gefahr: Österreich mit 2:0 in Moldawien weiterlesen ]]> Österreich hat in Chişinău den schwachen Gegner Moldawien stets im Griff, verbreitet aber nicht viel Inspiration und noch weniger Torgefahr. Tore jeweils am Ende der beiden Halbzeiten bringen den 2:0-Erfolg, der in der WM-Quali auch Pflicht war: Ein glanzloser Arbeitssieg, bei dem wohl, wenn überhaupt etwas, dann die drohnenbedingte Verschiebung des Anpfiffs in Erinnerung bleibt.

Moldawien – Österreich 0:2 (0:1)

Ohne Kalajdzic und Lainer (fehlen den ganzen Herbst), ohne Schlager und Neo-Bayern-Spieler Sabitzer (angeschlagen) und ohne Baumgartlinger (noch nicht ganz fit) reiste Österreich nach Moldawien. Auch Alaba und Dragovic wurden mit Blick auf die anstehenden Spiele in Israel und gegen Schottland geschont. Yusuf Demir, der bei Barcelona nun fix im Einser-Kader ist und Neymars einstiger Nummer 11 bekommen hat, saß auf der Bank – und dort blieb er auch.

Eng und auf die Mitte konzentriert

Österreich spielte grundsätzlich aus einem 4-2-3-1 heraus, in dem die beiden Mittelfeld-Außen (Schaub rechts, Baumgartner links) relativ weit einrückten. Dies sorgte für Überladungen im Zehnerraum, in dem die Moldawier in deren 4-4-2 nur zwei Spieler hatten. Diese Herangehensweise hatte mehrere Effekte.

Zum einen, dass Österreich bei Ballverlusten sehr schnell sehr viele Spieler in der Nähe hatte, um sofort ins Gegenpressing zu kommen. Das funktionierte sehr gut, Moldawien brachte kaum einmal zwei Pässe hintereinander an den Adressaten, ehe die Kugel wieder bei Österreich war. Mit dem Ball wirkten die Gastgeber ziemlich überfordert.

Zum anderen aber, dass der Aufbau bei Österreich sehr eng war, sich sehr auf die Mitte konzentrierte. Die Außenverteidiger Ulmer und Trimmel rückten zwar auf, vermochten es aber nicht, den moldawischen Block auseinander zu ziehen – zumindest nicht so, dass Löcher entstanden, in die hinein manl gezielt in den Strafraum kommen hätte können.

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Spieleröffnung aus der Dreierkette

In der ersten Halbzeit ließ sich Österreichs Sechser Grillitsch oftmals zwischen die Innenverteidiger Lienhart und Hinteregger fallen (bzw. neben Lienhart). Offenkundiger Plan dahinter war wohl, dass damit einer der beiden Innenverteidiger neben die beiden moldawischen Stürmer in den Halbraum aufrücken konnte. Wie üblich war Hinteregger hierbei der Go-To-Guy, der die Richtung vorgab und der auch immer anspelbar war, wenn im Mittelfeld nichts weiterging.

Das ÖFB-Team hielt in der ersten Halbzeit das Tempo gut hoch und war sichtlich bemüht, den Gegner laufen zu lassen, mürbe zu machen und durch diese aktive Spielweise nichts zuzulassen. Das klappte im Ganzen sehr gut. Was hingegen nicht funktionierte, war das Finden von sinnvollen Abschlusspositionen.

Die Verdichtung im Zehnerraum sorgte für sehr enge Räume vor dem Strafraum. Arnautovic zauberte einige schlaue Ideen aus seinem Fußgelenk, die aber oft zu spontan für die Mitspieler waren; es gelang auch nicht, hinter die moldawische Kette zu kommen. Wenn er etwas Platz bekam, war Baumgartner sofort gefährlich, das war aber zu selten der Fall. Immerhin brachte sein 18-Meter-Schuss kurz vor der Halbzeit Österreich in Führung.

Moldawische Umstellung: Erst subtil, dann brutal

Roberto Bordin, Moldawiens italienischer Teamchef, stellte für die zweite Halbzeit zunächst subtil um: Gînsari, zuvor Stürmer neben Ghencev, ging zurück ins Mittelfeld; so ergab sich ein 4-1-4-1. Damit hatten die Gastgeber erstens das personelle Minus im Zentrum zumindest einigermaßen behoben und zweitens konnte nun Hinteregger nicht mehr so leicht in den Halbraum vorstoßen.

Zweite Halbzeit: Moldawien ist im 4-1-4-1 nicht mehr ganz so wehrlos im Zentrum in Unterzahl

Diese Maßnahme, im Zusammenspiel mit dem schon bekannten Rückzug von Foda-Österreich nach der Pause – zumal nach einer Führung – führte dazu, dass die Moldawier das Spiel beruhigen konnten. Das Tempo ging nach unten, die Gastgeber waren deutlich weniger gehetzt als noch zuvor und Österreich machte auch längst nicht mehr so energiegeladen die Zeit für den moldawischen Ballführenden eng.

Nach 60 Minuten wurde aus Bordins subtiler Umstellung eine brutale Voll-Rotation innerhalb des Systems: Ghecev und Gînsari gingen raus, Platica ging von rechts ins Sturmzentrum, Belousov von links nach rechts, die neuen Spataru und Bugaciuc nach links bzw. auf die Acht. Zehn Minuten später kam Marandici für Belousov, der neue ging nach links, dafür Spataru nach rechts.

Verwirrend? Das fanden die moldawischen Spieler wohl auch. Der Hauch von Rhythmus, den sie sich zu Beginn der zweiten Hälfte erarbeitet hatten, wurde mit den permanenten Veränderungen rausrotiert.

Warten, dass die Zeit vergeht

Franco Foda tauschte fünfmal innerhalb des Systems und vor allem die Einwechslung von Ilsanker für Grillitsch vermittelte ein „jetzt nur nix mehr falsch machen“ für die letzten zehn Minuten. Moldawien brachte – mit Ausnahme einer Flanke von links kurz vor Schluss – nichts in die Nähe von ÖFB-Keeper Bachmann, was auch nur mittelgroße Gefahr ausstrahlte und so plätscherte das Spiel einem 1:0 für Österreich entgegen…

…bis ein kluger Pass des kurz zuvor für Baumgartner (der relativ rüde von Reabciuc umgeschnitten worden war) gekommenen Alaba auf Arnautovic in der Nachspielzeit das 2:0 einleitete.

Fazit: Geholt, was geholt werden musste

Bis auf den Drohnenpiloten, der mit seinem Spielzeug für eine 30-minütige Verschiebung des Anpfiffs gesorgt hat, wird dieser Abend in Chişinău wohl niemandem lange in Erinnerung bleiben. Österreich hat sich einen Arbeitssieg abgeholt, der weit von „glanzvoll“ entfernt war und fußballerische Feinschmecker-Herzen nicht direkt höher schlagen ließ. Zumindest nach dem 1:0 war er aber auch nie gefährdet.

Die erste Hälfte war engagiert, wenn auch ein wenig phantasielos, es war alles unter Kontrolle, aber die Torgefahr ging gegen Null. Danach wurde gewartet, dass die Zeit vergehen möge. Die Moldawier haben sich etwas Hoheit über das Zentrum geholt, aber offensiv auch nichts von Belang präsentiert.

Immerhin, die drei Pflicht-Punkte sind da. In Haifa am Samstag und in Wien gegen Schottland am Dienstag wird’s aber wohl doch ein wenig schwieriger. In diesen beiden Spielen werden auch die Weichen gestellt, wie es im Dreikampf um Platz zwei in die Quali-Zielgerade gehen wird.

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1:0 über die Ukraine: Starke erste Hälfte bringt Österreich ins Achtelfinale https://ballverliebt.eu/2021/06/21/10-ueber-die-ukraine-starke-erste-haelfte-bringt-oesterreich-ins-achtelfinale/ https://ballverliebt.eu/2021/06/21/10-ueber-die-ukraine-starke-erste-haelfte-bringt-oesterreich-ins-achtelfinale/#comments Mon, 21 Jun 2021 20:10:45 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17573 1:0 über die Ukraine: Starke erste Hälfte bringt Österreich ins Achtelfinale weiterlesen ]]> Mit einem 1:0-Sieg über die Ukraine springt Österreich zum Abschluss der EM-Gruppenphase auf den zweiten Platz der Gruppe C und hat damit erstmals seit der WM 1982 die Vorrunde eines großen Turniers überstanden. Schlüssel zum Erfolg war ein mutiger Auftritt in der ersten Halbzeit: Hier nagelte man die Ukrainer hinten fest, sorgte mit wirksamem Offensiv- und giftigem Gegenpressing für viele Ballgewinne im Angriffsdrittel. Zwar lehnte sich das ÖFB-Team etwas gar früh zurück, aber es reichte zum Sieg.

Österreich – Ukraine 1:0 (1:0)

Die Formationen

Franco Foda stellte umfassend um: Erstmals im Turnier war das Team wieder in einem 4-2-3-1 formiert. Alaba war statt als zentraler Verteidiger auf der linken Seite aufgeboten, dafür musste Ulmer weichen. Grillitsch und Schlager waren hinter Sabitzer im Mittelfeld-Zentrum daheim, Konrad Laimer wurde auf die rechte Außenbahn geschoben. Vorne begann Arnautovic nach abgesessener Sperre.

Bei der Ukraine kehrte gegenüber dem 2:1-Sieg über Nordmazedonien auf der Sechs Sidorchuk wieder für den am Knie lädierten Stepanenko zurück, ansonsten war es das gleiche Personal in der gleichen 4-1-4-1-Formation.

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Druckvoller Beginn

Statt einem langsamen Beginn ohne Risiko – schließlich konnten beide Mannschaften davon ausgehen, mit einem Remis weiter zu sein – wollte das ÖFB-Team von Beginn an nichts wissen. Im Gegenteil: Bei Ballverlusten im Angriffsdrittel wurde sofort ein giftiges Gegenpressing gezeigt. Auch die Spieleröffnung der Ukraine wurde aggressiv angelaufen, und zwar aus einem sehr frontalen Winkel. Damit war es den Ukrainern nicht möglich, den Rückraum der österreichischen Pressingwelle zu bespielen.

Das Team der Ukraine produzierte derart unter Druck gesetzt viele Ballverluste und blinde Bälle ins Nirgendwo. Vor allem Grillitsch und Sabitzer waren extrem aufmerksam und sammelten solche freien Bälle beinahe im Minutentakt auf. Der druckvolle Beginn der Österreicher zeigte früh Wirkung, wie Matvienkos unbedrängter 40-Meter-Querpass ins Seitenaus nach etwa einer Viertelstunde zeigte.

Hilflose Ukrainer – direkte Österreicher

Andrej Shevchenko und sein Team hatten einen derart forschen Gegner offenkundig nicht erwartet, zumal nach dem behäbigen und eher leblosen Auftritt des ÖFB-Teams zuletzt in Holland. Die Ukrainer kamen überhaupt nicht in Kontersituationen (von einem schnellen Einwurf in der 2. Minute abgesehen), und wenn, war sich im österreichischen Team niemand zu schade, auch nach hinten zu arbeiten. Das zeigte beispielsweise Christoph Baumgartner, der für den aufgerückten Alaba am eigenen Strafraum einen ukrainischen Angriff entschärfte

War es gegen Holland noch ein großer Schwachpunkt, dass das Spiel in die Spitze so gut wie gar nicht vorkam – und wenn doch, dann viel zu langsam – war Österreich in diesem Spiel darauf bedacht, möglichst schnell und direkt ins Angriffsdrittel zu kommen. Die Genauigkeit beim Pass aus dem Zentrum nach vorne war dabei gar nicht so entscheidend, weil schnell auf den zweiten Ball gepresst wurde, um vorne den Ballbesitz etablieren zu können.

Der Lohn für die dominant geführte erste halbe Stunde war das hochverdiente 1:0 durch Christoph Baumgartner nach einem Eckball. Schon zuvor hatte es ein

Leichter Bruch nach einer halben Stunde

Baumgartner war zuvor bei einem Kopfballduell mit Zabarny zusammengestoßen, nach einer halben Stunde musste er vom Feld. Der für ihn eingewechselte Alessandro Schöpf ging auf die rechte Seite, Laimer auf die linke. In der Folge wurde die Intensität beim ÖFB-Team spürbar zurückgefahren.

Das ist nach einer solchen Phase wie den ersten 30 Minuten kein Wunder und es muss gar nicht zwingend am Fehlen des starken und umtriebigen Baumgartner liegen. Jedenfalls konnten die Ukrainer mit etwas mehr Ruhe im Spiel ein wenig durchatmen und sie konnten Ballbesitzphasen verlängern, gefährlich wurden sie aber nicht – sie schlossen die erste Halbzeit mit einem geradezu peinlichen xG-Wert von 0,04 ab.

Das ist noch weniger, als Österreich in den ersten 45 Minuten in Amsterdam produziert hatte. Das ÖFB-Team hätte hingegen durch Schlager (37.) und Arnautovic (43.) auf 2:0 stellen können.

Die zentrale Figur: Florian Grillitsch

Dass die Ukraine so harmlos war, lag zu einem großen Teil an David Alaba. Als Linksverteidiger neutralisierte er Andrej Jarmolenko komplett, womit den Ukrainern viel von ihrer Gefährlichkeit genommen wurde. Das Team von Shevchenko wurde damit gezwungen, mehr durch das Zentrum zu spielen.

Und dort war Florian Grillitsch. Er hatte Alexander Zinchenko, immerhin in Manchester bei Pep Guardiola im Training, so bombenfest im Griff, dass der 24-Jährige schon früh sich selbst mental fertig machte. Wo und wann immer Zinchenko einen Ball annehmen und was damit machen wollte, war Grillitsch längst da. Auch die Außenbahnen – der gegen Mazedonien so starke Malinovski und der flinke Jarmolenko – entfalteten keine Wirkung, Linksverteidiger Alaba hatte Jarmolenko sprichwörtlich in der Westentasche eingesteckt.

Grillitsch war aber auch der Dirigent im österreichischen Zentrum. Ukrainische Versuche, ihn anzupressen, prallten wirkungslos an ihm ab. Dafür fand er fast immer einen Raum in seiner Nähe, in den er den Ball hinein spielen konnte. Bei ihm war der Ball sicher: 85 Prozent seiner Pässe fanden einen Abnehmer, nur Innenverteidiger Dragovic (der fast jeden zweiten Ball bei Lainer oder eben Grillitsch ablieferte) kam auf einen höheren Wert.

Weniger direkte in die Tiefe nach der Pause

Das österreichische Spiel nach der Pause wirkte deutlich weniger offensiv, das lag aber nicht daran, dass man den Ukrainern mehr Zeit ließ. Zumindest nicht generell. Denn die Ukrainer bekamen immer noch kaum Zeit für ein zielgerichtete Spieleröffnung. Was sich allerdings änderte: Es gab deutlich weniger direkte Bälle in die Spitze, wie das noch vor der Pause der Fall gewesen war.

Die Folge war, dass es den Ukrainern leichter fiel, im eigenen Verteidigungsdrittel an den Ball zu kommen. Aber das Spiel nach vorne war immer noch davon geprägt, dass dem Mittelfeld keinerlei Wirkung zugestanden wurde.

Durch die fehlenden Pässe in die Tiefe sah das eigene Offensivspiel der Österreicher aber ähnlich bruchstückhaft aus wie gegen die Niederlande. Es gab einige Pässe im Aufbau, die in die Isolation führte; Laimer wurde einige Male in den Schwitzkasten zwischen Außenlinie auf der einen und zwei bis drei Ukrainern auf der anderen Seite geschickt.

Über die Zeit gelangweilt

Der Expected-Goals-Wert in der zweiten Halbzeit weist 0,19 für Österreich und 0,20 für die Ukraine aus. Das heißt: Was Torszenen angeht, war in den zweiten 45 Minuten auf beiden Seiten bis auf einige (bestenfall) Halbchancen so gut wie nichts mehr los. Österreich drehte an der Uhr: Ilsanker kam für Laimer und ging auf die Sechs neben Grillitsch, dafür wechselte Schlager auf jene linke Abwehrseite, auf der eingewechslte Marlos und Jarmolenko mit Tempo durchstoßen sollten.

Österreich machte es sehr geschickt, den Ukrainern ihre größte Stärke – das schnelle Konterspiel – nicht zuzugestehen und zwang ihnen auf, das Spiel in einem Rückstand selbst gestalten zu müssen. Das ÖFB-Team störte diese Versuche über weite Stecken gut: Wenn ein Spieler aus dem Verbund herausrückte, wurde hinter ihm abgesichert; die generelle Struktur wurde beibehalten, die Ukrainer hatten nicht die zündenden Ideen.

In den letzten 15 Minuten zog Österreich die Daumenschrauben sogar wieder ein wenig an. Man hatte nie den Eindruck, dass sich die Ukrainer ernsthaft einem Ausgleich annähernd würden.

Fazit: Eines der besten Spiele unter Foda

Das 90-minütige Nichts von Amsterdam wurde etwa in der Totally Football Show von The Athletic als „grindige Ödnis“ verrissen, der Guardian bezeichnete das ÖFB-Team als „deutlich schlechter als die Summer seiner Einzelteile“. Einem der inhaltslosesten und planlosesten Auftritte der Ära Foda folgte noch eines der besten Spiele unter dem Teamchef, der seit Herbst 2017 die Geschicke der Mannschaft leitet.

Man hat die Ukrainer, die sich offenbar geistig auf eine Mischung aus Vorsicht und Nichtangriffspakt eingestellt hatte, komplett überrumpelt. Die erste halbe Stunde war wie aus einem Guss, auf den Punkt ausgeführt und das 1:0 das Minimum, was man sich verdient hat. In dieser Phase hat man die Ukrainer so mürbe gemacht, dass sie selbst dann noch verzagt waren, als der Druck längst nachgelassen hatte.

Bis auf Shaparenkos Schuss von der linken Seite und der von Lainer abgefälschten Flanke musste Bachmann kaum eingreifen. Österreich habe die taktische Herangehensweise verändert „and bulldozed right over Ukraine“ konstatierte Between The Posts. Österreich habe der Ukraine „Angst eingeflößt und weiche Beine verursacht“, kommentierte die Gazzetta dello Sport, die sich schon auf ein Duell mit Ex-Milan-Star Shevchenko gefreut hatte.

Was das Spiel vor allem gezeigt hat: Wie gut Österreich sein kann, wenn das Team das spielen darf, was es am besten kann.

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EURO 2020- Letzte Runde, letzte Chance: Österreich gegen die Ukraine https://ballverliebt.eu/2021/06/19/euro-2020-podcast-vorrunde-letzte-chance/ https://ballverliebt.eu/2021/06/19/euro-2020-podcast-vorrunde-letzte-chance/#respond Sat, 19 Jun 2021 19:32:58 +0000 Die EURO 2020 geht in die heiße Phase – und das nicht nur wegen der Hitzewelle. Die ersten Teams müssen die Heimreise antreten. Wird Österreich nach dem Spiel gegen die Ukraine dabei sein? Und wie enttäuschend war eigentlich der Auftritt gegen die Niederlande? Und ist Deutschland nach dem Sieg gegen Portugal plötzlich wieder Favorit? Tom und Philipp schwitzen sich durch Folge 3 des Ballverliebt EURO Podcasts.

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Erschütternd harmlos: Österreich in Holland ohne echte Torchance https://ballverliebt.eu/2021/06/17/erschuetternd-harmlos-oesterreich-in-holland-ohne-torchance/ https://ballverliebt.eu/2021/06/17/erschuetternd-harmlos-oesterreich-in-holland-ohne-torchance/#comments Thu, 17 Jun 2021 21:57:52 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17552 Erschütternd harmlos: Österreich in Holland ohne echte Torchance weiterlesen ]]> Mit einer ausgesprochen dünnen Vorstellung verliert Österreich das zweite Gruppenspiel der EM gegen Holland in Amsterdam mit 0:2. Nach dem frühen Rückstand gab es keine Idee, wie man in Abschlusspositionen kommen sollte. Je länger das Match dauerte, umso mehr fiel das österreichische Spiel in sich zusammen. Letztlich muss man nach dieser erschütternd harmlosen Darbietung froh sein, nur 0:2 verloren zu haben.

Holland – Österreich 2:0 (1:0)

Die Formationen

Foda brachte die exakt gleiche Formation im grundsätzlich gleichen System wie beim Auftaktsieg gegen Nordmazedonien. Einziger Unterschied: Gregoritsch begann in der Spitze statt Kalajdzic. Im Ganzen standen die Wing-Backs aber deutlich tiefer. War vor allem Ulmer im ersten Spiel noch auf Höhe des gegnerischen Sechzehners herumgeturnt, war gegen die Niederlande das System ein klares 5-3-2.

Bei Oranje war De Ligt nach seiner leichten Blessur zurück, er spielte zentral in der Abwehr-Dreierkette; De Vrij rückte nach rechts, Timber rotierte auf die Bank. Wie beim turbulenten 3:2 gegen die Ukraine war es wieder ein 3-5-2 mit einem sehr fluiden Mittelfeld-Zentrum.

Die Anfangsphase

Die Niederländer überließen Österreich zu Beginn den Ball und ließen es zu, dass das ÖFB-Team sich damit ins Mittelfeld spielt – dort wurde aber schnell um den Ballführenden verdichtet und österreichische Ballverluste provoziert. Die Österreicher liefen ihrerseits bereits die holländische Spieleröffnung an und es wurde in dieser Anfangsphase auch gut von hinten nachgepresst – so hatten es auch die Gastgeber schwer, sich zu befreien.

Aus einem der provozierten Ballverluste im Mittelfeld resultierte letztlich auch die Szene nach acht Minuten, in der Alaba Dumfries an genau dem einen Körperteil traf, den der Holländer innerhalb des Strafraumes hatte. Depay ließ sich die Chance nicht entgehen und traf per Elfmeter zum frühen 1:0 für die Niederlande.

Holland mit vollem Zugriff im Zentrum

Gegen die Ukraine wirkte das extrem fluide Zentrum mit De Jong, De Roon und Wijnaldum eher wie ein Risikofaktor. Das war gegen Österreich anders, und das hatte einen simplen Grund: Die Ukraine zwangen Holland den Ball auf – nun hatte Österreich den Ball. So konnte sich das Trio genüsslich so positionieren, dass man idealen Zugriff auf den ballführenden Österreicher bekam bzw. die Dreierkette des ÖFB-Teams so anlaufen, dass deren Möglichkeiten im Aufbau streng limitiert waren.

So stellte sich nämlich Wijnaldum, nominell als Zehner aufgeboten, gegen den Ball de facto als Rechtsaußen auf und verunmöglichte so Martin Hintereggers Eröffnungspässe sehr geschickt. Weil auch Alaba und Dragovic mit Weghorst und Depay quasi direkte Gegenspieler hatten, die sie beim Herausspielen störten, kam das ÖFB-Spiel nie mehr wirklich in Schwung.

Österreich macht Pressinglöcher auf

Nach etwa 25 Minuten rückte Xaver Schlager von der Sechs vermehrt nach vorne auf, um im Anlaufen der holländischen Eröffnung zu helfen. Anders als in den ersten 10 Minuten des Spiels erfolgte nun aber keinerlei Abdecken im Rücken der „Pressing“-Welle mehr, wodurch sich Löcher ergaben.

Noch deutlich auffälliger war dies bei Konrad Laimer, der in mehreren Situationen einen Holländer anlief – zumeist war es De Jong – aber Lainer hinter ihm nichts tat, um zu verhindern, dass die Gastgeber genau in den in Laimers Rücken entstandenen Freiraum spielen konnte. Dadurch passierte genau das und der Ball war in kürzester Zeit am österreichischen Strafraum.

Lainer offensiv ohne Impulse – aus Gründen

War Lainer gegen Mazedonien noch ein offensiver Schwungbringer auf der rechten Außenbahn, gab es diesmal praktisch überhaupt keine Impulse von ihm. Das hat einen ganz simplen Grund: Er war einfach völlig in der Defensive gebunden, da das Quartett mit Blind, De Jong, Van Aanholt und Depay nach Belieben schalten konnte und mit Laimer und Lainer nur zwei echte Gegenspieler auf dem Weg nach vorne hatte.

So war das österreichische Team im 5-3-2 nach hinten gedrückt, ohne jegliche Strategie, wie man mit der limitierten Manpower nach vorne kommen sollte, geschweige denn, sich in Abschlusspositionen zu bringen. Der Expected-Goals-Wert in der ersten Hälfte betrug erschütternde 0,06 Tore – verglichen mit 1,68 bei den Niederländern. Neben dem Elfmeter hatte Depay noch zwei weitere gute Chance (24., Außennetz sowie 40., aus kurzer Distanz drüber); auch Wijnaldum hätte schon für das 2:0 sorgen können (41.).

Das Spiel zerfällt in die Einzelteile

Für die zweite Halbzeit war genau gar kein Impuls zu sehen, der dem Team in der Pause mitgegeben worden wäre. Im Gegenteil: Man lief die Holländer immer wieder an, aber völlig ohne Strukturen dahinter. Man versuchte schon aufzubauen, aber ohne jeden Esprit und Plan. Man war schon versucht, keinen weiteren Gegentreffer zu kassieren, aber konsequent verteidigt wurde auch nicht.

Das Spiel des ÖFB-Teams zerfiel komplett in seine Einzelteile. Es wirkte, als wären elf Spieler auf dem Feld, von denen jeder einzelne eine Idee suchte, wie man das Match irgendwie in die Hand nehmen könnte, und letztlich spielten darin alle aneinander vorbei.

Keine Idee vorhanden

Holland überließ Österreich in dieser Phase wieder mehr den Ball – am Ende standen 53 Prozent Ballbesitz für das ÖFB-Team zu Buche – und die Österreicher rückten auch mit der Abwehrlinie bis zur Mittelinie auf. Es waren nur überhaupt keine Laufwege zu erkennen, kein übergeordneter Plan. So war der Raumgewinn überschaubar, es gab keinen Druck auf den Gegner bei den sich nun dramatisch häufenden Fehlpässen.

Beim 0:2 nach rund einer halben Stunde wurde einer dieser Ballverluste genützt, um schnell umzuschalten, innerhalb von wenigen Sekunden in eine gute Abschlussposition zu kommen und durch den rechten Wing-Back Dumfries zu treffen.

Österreich hingegen blieb behäbig, ideenlos und auf der Suche nach Einzelaktionen, die nicht kamen. Der ballführende Österreicher musste stets schauen, sich selbst aus Drucksituationen zu befreien, weil niemand zur Hilfe kam.

Seltsame Umstellung

Nach 70 Minuten wechselten Alaba und Hinteregger wieder ihre Plätze. Der Move, der gegen die Mazedonier das Spiel wieder unter Kontrolle brachte, verpuffte aber wirkungslos. Etwa zur gleichen Zeit kam Lazaro für Baumgartner, wodurch sich bei Österreich ein eher seltsames 3-1-5-1 ergab. Auch diese Umstellung verpuffte: Weder erhielt man dadurch verstärkten Zugriff auf das Zentrum, noch wurde dadurch irgendetwas in puncto Strafraumbesetzung besser.

Ab der 70. Minute packte Österreich endgültig die Brechstange aus – aber mit nur einem Stürmer (Kalajdzic), und selbst der zog sich immer wieder ins Mittelfeld zurück.

Im Gegenteil, der nach einer Stunde für den wirkungslosen Gregoritsch eingewechselte Kalajdzic ließ sich teilweise sogar in die eigene Hälfte fallen, um sich dort die Bälle abzuholen. Erst die Einwechslung von Onisiwo in den letzten Minuten brachte eine Ahnung von Schwung ins österreichische Spiel, aber es war natürlich too little, too late.

Fazit: Man machte es Holland leicht

Der holländische Sieg stand spätestens mit dem Tor zum 1:0 nach elf Minuten niemals auch nur im Ansatz in Frage. Der Umstand, dass das ÖFB-Team zunächst im Mittelfeld die Nerven verlor und Pressingläufe nicht abgedeckt wurden, machte es Oranje leicht, Kontrolle auszuüben. Dass die Vorstellung des österreichischen Teams in der zweiten Halbzeit selbst mit „Stückwerk“ noch wohlwollend umschrieben ist, erlaubte der Niederlande einen Heimsieg, der ohne größere Anstreungung unter Dach und Fach gebracht werden konnte.

Man konnte die eklatanten Schwächen des ÖFB-Teams durch die offenkundig nicht vorhandenen einstudierten Spielzüge mit Leichtigkeit nützen. Man konnte den ballführenden Österreicher stets schnell isolieren, weil niemand zum helfen nachrückte. Man konnte die hohe Abwehrlinie der Gäste nützen, weil Österreich extrem viele leichte Ballverluste provozierte. Und man kam defensiv nie ins Wackeln, weil das Team von Franco Foda stets das Tempo herausnahm, anstatt im Vorwärtsgang Tempo aufzunehmen.

Eben weil niemand da war, der die gleiche Idee hatte wie ein Teamkollege.

Das 0:2 bedeutet nun, dass ein Remis gegen die Ukraine nicht reicht, um die Gruppe als Zweiter zu beenden. Die Rechnung ist nun also relativ leicht: Besiegt man die Ukraine, ist Österreich als Gruppenzweiter weiter und trifft höchstwahrscheinlich im Achtelfinale auf Italien. Mit einem Remis ist man auf vier Punkten und damit als Gruppendritter so gut wie sicher auch im Achtelfinale. Und bei einer Niederlage muss man hoffen, dass es sich mit drei Punkten und einer negativen Tordifferenz noch ausgeht.

Das kann klappen. Kann aber auch danebengehen.

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