färöer – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Fri, 30 Oct 2015 09:47:38 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Ballverliebt Classics: Teamchef Riedl – Fatales und Fatalismus https://ballverliebt.eu/2015/10/30/ballverliebt-classics-teamchef-riedl-fatales-und-fatalismus/ https://ballverliebt.eu/2015/10/30/ballverliebt-classics-teamchef-riedl-fatales-und-fatalismus/#comments Fri, 30 Oct 2015 09:47:38 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=11819 Ballverliebt Classics: Teamchef Riedl – Fatales und Fatalismus weiterlesen ]]> Wer alt genug ist, diese Zeit bewusst zu erlebt zu haben, hat sie verdrängt. Nicht das 0:1 in Landskrona gegen die Färöer, das kann man nicht verdrängen. Höchstens versuchen, aber es wird einem nicht gelingen. Sehr wohl aber verdrängen kann man, was danach kam. Es kam Alfred Riedl, zumindest für 13 Monate. Es war ein Jahr, in dem sich Fatalismus mit spieltaktischer Feigheit und wechselhafter Konsequenz abwechselte. Zum 25-jährigen „Jubiläum“: Das war die kurze Ära Riedl.

Als Spieler war Alfred Riedl durchaus eine Hausnummer. Zweimal Meister und einmal Torschützenkönig mit der Austria, danach war der Linksfuß zehn Jahre Legionär in Belgien (120 Tore in acht Jahren, zweimal Schützenkönig, sehr beeindruckend), ehe er seine letzten aktiven Jahre beim GAK und beim Sportclub verbrachte. Dass es nur zu vier Länderspielen reichte, lag vor allem an der Konkurrenz im ÖFB-Angriff: An Ausnahmestürmern wie Kreuz, Krankl und Schachner kam er nicht vorbei.

Nach der WM 1990 in Italien, in der ein blutjunges ÖFB-Team (24,8 Jahre, nur Keeper Lindenberger war älter als 27) Lehrgeld bezahlt hat, wurde Riedl – der zuvor Bundesliga-Abstiegskandidat Sportclub betreut hatte – zu Hickersberger Assistent berufen. Das hieß: Co-Trainer in der „A“ und Teamchef der U-21 in Personalunion. Heute auch undenkbar. Jedenfalls verkroch sich Hickersberger nach Landskrona zum Schämen in ein Loch, drei Tage später hatte ÖFB-Präsident Mauhart den Assistenten zum Chef gemacht. Im Alleingang.

Vorschusslorbeer sieht anders aus

Das brachte die Landespräsidenten gar fürchterlich auf die Palme, weil sie niemand nach ihrer werten Meinung gefragt hatte; außer Dampf ablassen konnten sie aber nichts mehr tun. Riedl verdiente irgendwas zwischen 70.000 und 90.000 Schilling (also 5.000 bis 6.000 Euro) im Monat und erhielt einen unbefristeten Vertrag. Heißt: Jederzeit kündbar, ohne dass für den ÖFB Mehrkosten entstehen.

Wunderschön, wer sich erinnern kann, war dazu passend auch der „Club 2“ im ORF, wo Riedl weitestgehend stumm aus seinem oberlippenbebarteten Gesicht starrte, während sich Beppo Mauhart und Rapid-Trainer Hans Krankl (der nach einem 2:1 im Uefa-Cup gegen Inter Mailand gerade Oberwasser hatte) verbale Ohrfeigen verpassten. „Ich bin nicht gegen den Riedl-Fredl, i hab ja gemeinsam mit ihm im Team gespielt. Aber i bin gegen die Entscheidung, ihn zum Teamchef zu machen“, aus dem Mund von Krankl, erinnert an eine ganz ähnliche Diskussion in einer ganz ähnlichen Situation 21 Jahre später.

Eh scho wurscht

Riedl selbst fügte sich gleich mal mit einigen Bonmots ein, die kommende sportliche Katastrophen schon im Vorhinein erklären sollten. „Die U-21-Meisterschaft ist sinnlos, weil die meisten Teams zu schwach dafür sind“, stellte er zum Beispiel gleich klar, dass der Nachwuchs mittelfristig auch keine Besserung verspräche.

„Polster, Ogris und Rodax sind in Spanien im Formtief“, beklagte er überdies. Polster ging in seine dritte Saison bei Sevilla, Ogris war im Sommer zu Espanyol gewechselt und Rodax zu Atlético Madrid. In den ersten zwei Spielen traf Rodax jeweils, in den kommenden acht Einsätzen aber nur noch einmal. Sein Stammplatz wackelte.

„Würde ich nach Jugoslawien fahren und sagen, dass wir ohnehin verlieren, hätte ich als Teamchef nichts verloren“, meinte Riedl zwar bei seinem Amtsantritt, aber so richtig glaubhaft wirkte sein zuweilen krampfhafter Optimismus vor seinem ersten Spiel, auswärts bei WM-Viertelfinalist Jugoslawien, nicht.

„Kein langes Gefackel im Mittelfeld. Dieser Raum soll einfach überschossen werden.“

Bei der Kaderbekanntgabe ging Riedl dann daran, den Anwesenden schon jenen Fatalismus näher zu bringen, einstweilen noch in homöopathischen Dosen, der vor allem für die ersten paar Monate stilprägend werden sollte. „Wir brauchen uns gar nicht auf die Jugoslawen konzentrieren“, meinte der 41-Jährige da.  Das Spiel selbst zu gestalten kam schon gleich überhaupt nicht in Frage: „Kein langes Gefackel im Mittelfeld. Dieser Raum soll im Konter einfach überschossen werden.“

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Jugoslawien – Österreich 4:1 (2:1)

Als Riedl merkte, was für eine primitive Holzhackerei er da ankündigte, ruderte er doch ein wenig zurück. „Aber gezielt natürlich, nicht mit dem Dreschflegel!“

Im Endeffekt packte in Belgrad nur ein Team den Dreschflegel aus, und zwar die Gastgeber – für etwa eine halbe Stunde. Das reichte locker. Nach Ogris‘ Führungstor drehte das Team von Ivica Osim auf, schoss  mal schnell drei Tore und verlegte sich danach auf’s Zaubern. Österreich hatte dem nichts entgegen zu setzen: Pecl wurde von Darko Pancev lächerlich gemacht, Artner rannte Vujovic nur hinterher, Herzog war unsichtbar, Reisinger hatte eine erstaunliche Fehlpassquote, Polster präsentierte sich als Immobilie. Nur Ogris stemmte sich mit allem, was er hatte, dagegen, aber kurz nach der Pause musste er verletzt raus.

Für Austria-Libero Aigner (der bei der WM den ausgebooteten Heribert Weber vertreten hatte) war es an seinem 24. Geburtstag das letzte Länderspiel. Osim konstatierte, dass man ganz ohne Routiniers nichts erreichen könne – sieben Österreicher waren jünger als 25 Jahre, Keeper Konsel mit 28 der älteste. Es fehle eine Führungsfigur, wie das in der WM-Qualifikation noch Herbert Prohaska war. Der 22-jährige Herzog war das noch nicht.

„Ihm fehlt’s an Durchsetzungsvermögen. Aber welcher Österreicher setzt sich derzeit schon durch?“

Zwei Wochen nach der ernüchternden Chancenlosigkeit von Belgrad wartete das Heimspiel gegen Nordirland. Die mutlosen Auftritte bei der WM hatten die Stimmung, die davor noch kurz vorm gefühlten WM-Titel war, schon kippen lassen, nach Landskrona wurde das Nationalteam mit komplettem Liebesentzug bestraft. Gegen Nordirland verteilte der ÖFB 2.000 Freikarten, um einen den Super-GAU (= Besucher-Negativrekord) zu verhindern.

Es klappte – exakt 7.032 Zuseher kamen ins Praterstadion. Boah.

Und auch Riedl machte nicht gerade Werbung für das Spiel. „Wenn man danach geht, wer in Form ist, haben wir derzeit große Probleme“, stellte der Teamchef nüchtern fest. Aigner fiel dem Rotstift zum Opfer, Tirol-Libero Baur (21) erschien Riedl noch zu jung. Befragt zu Daniel Madlener von Vorwärts Steyr, den er berufen hatte, sagte der Teamchef: „Er sucht den Weg zum Tor, aber es fehlt an Durchsetzungsvermögen. Nur… Welcher Österreicher setzt sich derzeit schon durch?“

„Die Spieler sind schlecht trainiert.“

Ziemlich unrund reagiert man auf Seiten des ÖFB auch auf einen Sketch der „Hektiker“ um Mini Bydlinski, die sich im ORF über das Team im Allgemeinen und über Toni Polster im Speziellen lustig gemacht hatten. Dafür bekamen die Klubtrainer – vor allem Hans Krankl von Rapid und Herbert Prohaska von der Austria, aber auch Ernst Happel von Tirol wurde nicht ausgenommen – von Riedl, Co-Trainer Koncilia und Vorgänger Hickersberger ausgerichtet, die Spieler kämen schlecht trainiert zum Team und spielten deswegen so unter aller Sau. Man kennt und mag sich ja, da kann sowas schon auch mal in der Öffentlichkeit breitgetreten werden.

Österreich - Nordirland 0:0
Österreich – Nordirland 0:0

Frostig ums Herz wurde es einem dann auch beim Spiel selbst, gegen ein biederes und robustes nordirisches Team. Riedl setzte auf Vorsicht: Zwei Manndecker und ein Libero gegen einen Solo-Stürmer, zwei defensive Abräumer gegen einen Zehner (über den die Bälle ohnehin meterhoch hinweg segelten), zwei eher Defensive auf den Außenbahnen.

„Wir haben uns aufgebäumt und immerhin kein Gegentor kassiert“, versuchte Riedl nach dem gespenstisch schlechten Spiel vor einer Geisterkulisse, das 0:0 zum Erfolg hochzujazzen. Warum Debütant Andreas Poiger, der mangels Gegenspieler völlig sinnlos wie bestellt und nicht abgeholt im leeren Raum herumhing, nicht zugunsten eines Kreativspielers ausgewechselt wurde? „Aus Sicherheitsgründen“, so Riedl. Seinen Freiraum jedenfalls konnte der nervöse Poiger nicht nützen. Der 22-jährige Rapidler war halt doch Manndecker und kein Spieleröffner.

Jedenfalls gab’s nach zwei Niederlagen nun zumindest mal einen Punkt, womit man die Inselkicker von den Schafsfelsen schon beinahe wieder eingeholt hatte. Das ist ja nicht nichts.

„Wenn die Spieler übers halbe Feld gaberln sollen, fällt ihnen der Ball sechsmal hinunter.“

In der Folge rechtfertigte sich Riedl für seine extra-vorsichtige Herangehensweise mit dem schon angesprochenen Fatalismus. Motto: Wen hätte ich denn bringen sollen? „Sehen Sie in der Meisterschaft einen Unterschied zwischen den Teamkandidaten und den anderen? Ich nicht“, beklagte er sich gegenüber Journalisten. Resignierender Nachsatz: „Wenn die Spieler übers halbe Feld gabeln sollen, fällt ihnen der Ball sechsmal hinunter!“

Wie soll sich der Nachwuchs aber auch entwickeln, wenn er so vernachlässigt wird. Bei einem internationalen U-15-Länderturnier in der Steiermark etwa verweigerte der Platzwart des steirischen Bierliga-Klubs St. Ruprecht das Bespielen des Hauptplatzes – der lokale Siebtligist hatte ja wenige Tage das nächste Spiel, wo kämen wir denn da hin. Die Kids mussten auf einem gatschigen Nebenplatz spielen.

„Konditionell hinken wir international hinten nach.“

Im Februar lud Riedl zu sportmedizinischen Tests, um zu sehen, ob die Herren Teamkicker in der Winterpause nur Leberkässemmeln gegessen oder doch etwas für ihre Fitness getan hatten. Ob Wolfgang Feiersinger ein schlechtes Gewissen hatte, ist nicht überliefert, jedenfalls schwänzte er – was bei Riedl naturgemäß große Begeisterung auslöste.

Tatsächlich erstaunlich war allerdings, dass eigentlich nur die unter Ernst Happel beim FC Tirol trainierenden Spieler gute Werte hatten, die dafür durch die Bank. Baur, Russ, Hörtnagl, Linzmaier, Pacult, Peischl, Streiter und Westerthaler waren jedenfalls im nächsten Kader für den Test gegen Norwegen auch dabei, ebenso wie Klubkollege Hartmann. „Konditionell hinken wir international hinten nach“, konstatierte Riedl dennoch betrübt.

Anders gesagt: Wir können nicht nur nicht kicken, wir können auch keine 90 Minuten rennen.

Um 45 Cent zum Länderspiel

Durch die beeindruckend harmlosen Leistungen köchelte auch eine andere Diskussion permanent: Die nach der vorsichtigen Grundausrichtung im Mittelfeld. Riedl hatte drei potenzielle Spielmacher zur Verfügung. Manfred Linzmaier agierte bei Tirol neben dem ebenso kreativen Néstor Gorosito, Peter Stöger agierte bei der Austria neben dem ebenso kreativen Jevgenijs Milevskis und Andi Herzog bei Rapid neben dem gelernten Stürmer Christian Keglevits, jeweils nur mit einer defensiven Absicherung dahinter (i.d.R. Hörtnagl bei Tirol, Zsak bei der Austria und Schöttel bei Rapid).

Riedl jedoch beharrte darauf: „Linzmaier und Herzog gemeinsam geht nicht, das passt nicht.“ Wie überhaupt er eben auf Sicherheit bedacht war. Das sorgte für Frust bei den ohnehin in Scharen fliehenden Zusehern und für Verstimmung bei den Beteiligten. So kündigte Riedl an, dass im Test gegen Norwegen  Peter Stöger den Zuschlag für die eine offensive Planstelle bekommen sollte. Linzmaier war sauer, weil er es ebenso mit zwei Kreativen probieren wollte. Herzog war sauer, weil er für das Norwegen-Spiel nicht einmal nominiert wurde.

Um zumindest für ein halbwegs volles Stadion zu sorgen, warf der ÖFB gemeinsam mit TOTO Eintrittskarten um 6 Schilling (= einem gespielten TOTO-Schein) auf den Markt, also um 45 Cent.

Da schau her, eine ordentliche Leistung

Österreich - Norwegen 0:0
Österreich – Norwegen 0:0

Die erstaunlichen 36.000 Zuseher im Prater sahen, wie Michael Baur vom FC Tirol am Tag nach seinem 23. Geburtstag sein Startelf-Debüt als Libero gab. Und sie sahen eine kämpferisch engagierte, wenn schon nicht glanzvolle Leistung.

Nach einer torlosen Stunde sprang Riedl dann über seinen Schatten und brachte Linzmaier für Schöttel aufs Feld. Die Folge war, dass Österreich nun auch spielerisch Übergewicht bekam (wiewohl, eh klar, da Norwegen unter Egil Olsen die Anti-These zum Guardiola’schen Ballbesitz-Fetisch darstellte – mehr als drei Stationen zwischen Balleroberung und Torabschluss waren strikt zu vermeiden). Da Österreich es allerdings nicht schaffte, auch das Tor zu erzielen, klangen gegen Ende schon wieder deutlich hörbare Pfiffe von den Rängen in Richtung Rasen.

Kann ja nicht sein, wir sind ja verwöhnt. Wenn die Herren einmal keinen kompletten Bockmist spielen, ist wohl ein Sieg zu verlangen. Vor allem gegen ein Team, das zwei Monate später immerhin Italien besiegen wird. So oder so: Nach dem Norwegen-Spiel erklärt Gerry Willfurth (der den Cut für die WM 1990 nicht geschafft hatte) seinen Rücktritt – mangels Perspektive auf eine WM-Teilnahme 1994. Der Mann hatte eine prophetische Gabe.

„Der Artner kann hinten spielen, in der Mitte, vorn, rechts, links, der Artner kann alles spielen. Er kann auch gar nicht spielen.“

Aus seinen Aufstellungen machte Riedl bis zum Matchtag immer ein Staatsgeheimnis, weil er nicht wollte, dass nicht berücksichtigte Spieler auf ihr Reservisten-Dasein angesprochen und daraus fiese Schlagzeilen gewoben werden könnten. Er gab maximal ein paar Namen als Fixstarter an. Eine wahre Freude von einem Satz war die Antwort auf eine Journalisten-Frage, ob denn beim nächsten Testspiel, auswärts beim kommenden EM-Gastgeber Schweden, Peter Artner von der Admira spielen würde.

Schweden - Österreich 6:0 (4:0)
Schweden – Österreich 6:0 (4:0)

„Der Artner kann hinten spielen, in der Mitte, vorn, rechts, links, der Artner kann alles spielen… Er kann aber auch gar nicht spielen.“ Es hätte auch ziemlich sicher keinen Unterschied gemacht, wenn Artner an diesem verregneten Nachmittag in Stockholm nicht gespielt hätte. Wie überhaupt an diesem 1. Mai, dem Tag der Arbeit, selbige vom ÖFB-Team konsequent verweigert wurde.

Austria-Manndecker Harald Schneider (der diesmal den schwer am Knie verletzten Robert Pecl vertrat) wird sich sicher sehr gefreut haben, dass er in seinem einzigen Länderspiel 0:6 verloren hat, aber es halfen wirklich alle mit, damit es auch wirklich zu einem zünftigen Debakel kam. Toni Pfeffer etwa, der zu Kennet Anderssons Escort-Service wurde und drei Tore zuließ. Michael Baur, der völlig die Übersicht verlor. Alfred Hörtnagl, der, wenn er nicht gerade Fehlpässe spielte, Erlingmark nach Lust und Laune flanken ließ. Das Experiment mit dem invers spielenden Rodax (der Rechtsfuß spielte ausnahmsweise links) ging auch kräftig schief. Leichte Besserung kam erst, als Peter Stöger für die zweite Hälfte für Linzmaier kam – danach kassierte Österreich nur noch zwei Tore. Was wären die großen Erfolge ohne die Kleinen.

„Ich wollte zuspielen, aber keiner hat sich freigestellt.“

Direkt nach dem Spiel verweigerte Riedl einen Rücktritt noch, gab an, sich nicht so einfach aus seiner Verantwortung stehlen zu wollen. Am Tag danach klang das schon ganz anders, als er ÖFB-Präsident Beppo Mauhart den Vorschlag unterbreitete, dass ein anderer Trainer-Besen den Scherbenhaufen zusammen kehren solle. Mauhart machte Riedl aber die Mauer.

Was dem Team eklatant fehlte, war ein Spieler, der sich in kritischen Situationen bewährt hat, ein Spieler, an dem sich die verunsicherte junge Bande aufrichten konnte. „Ich wollte zuspielen, aber keiner hat sich freigestellt“, erklärte Michael Baur seine unzähligen Fehlpässe in der Spieleröffnung. Zsak, Artner und Linzmaier vor ihm haben nicht Verantwortung übernommen, sondern sich so gut es ging Verstecken gespielt, während die Schweden mit beinahe verbundenen Augen gezählt haben: Ein Tor, zwei Tore, drei Tore, vier Tore…

Die dahinter mussten es ausbaden, weil Schweden einen Angriff nach dem anderen lancierte. Die davor mussten es ausbaden, weil sie keine Bälle bekamen und in der Öffentlichkeit als Sündenböcke herhalten mussten. „Im Klub geht es deshalb besser, weil man Bälle von hinten bekommt, in der Nationalmannschaft nicht“, sagte Toni Polster. Von den drei Spanien-Stürmern Polster, Ogris und Rodax wurden Tore am Fließband erwartet.

„Ein Kapitän, der in dieser Weise mit dem Schiff untergegangen ist, hat keinen Platz im Team.“

Riedl erklärte zunächst, dass für das Heimspiel in der EM-Quali gegen Färöer (aufgrund grandioser Planung drei Spieltage vor Bundesliga-Schluss angesetzt) die Versager vom Schweden-0:6 die Chance zur Rehabilitation erhalten würden, wie er selbst sie von Mauhart bekommen hatte. Ehe er, die Konsequenz in Person, die Herren Polster, Rodax, Zsak, Artner und Pfeffer eliminierte. Linzmaier und Schneider fielen verletzt aus, aber letztlich traf auch diese beiden der Bannstrahl.

Weder Linzmaier noch Rodax oder Schneider spielten jemals wieder im ÖFB-Team.

Vor allem auf Polster war Riedl stinkig. „Ein Kapitän, der in dieser Weise mit dem Schiff untergegangen ist, hat keinen Platz im Team.“ Nun ist zwar Polster bekanntermaßen nicht der spielstärkste Stürmer, und auch keiner, der sich großartig ins Aufbauspiel einmischt – aber was hätte er ausrichten können? Zumal er mit Rodax einen schnellen Nebenspieler hatte. So oder so, Polster war für Riedl ab sofort kein Thema mehr.

So wie Linzmaier, bei dem die Sachlage aber noch ein wenig perfider war. Vor allem er hatte sich beklagt, nie einen kreativen Nebenmann zu haben oder nie als zweiter kreativer Mann spielen zu dürfen. Nun war er weg, und zack: Herzog und Stöger waren ab sofort als kreatives Duo gesetzt. Mannschaftsführung der Marke Con… naja, sein Co-Trainer lernte jedenfalls  von Riedl. Sehr viel eleganter führte er in seiner Zeit als Teamchef, knapp 20 Jahre später, das Mannschaftsgefüge bekanntlich auch nicht.

„Mit den Routiniers hat es ja zuletzt auch nicht geklappt.“

Polster ließ das nicht auf sich beruhen und trat zurück (also, im Sinne von verbalem Fußtritt, nicht im Sinne von „Auf Wiedersehen“). „Riedl hat die Nerven weggeschmissen. Es war das Schlechteste, was er in dieser Situation machen konnte“, sprach Toni: „Als Kapitän konnte ich keine Wunder wirken. Wenn deine Mitarbeiter nichts zusammenbringen, bist du als Chef hilflos.“ Womöglich war auch Mini Bydlinski sauer, wen hätte er nun verapfeln sollen. Wobei: Da gab’s schon noch ein paar Kandidaten.

Österreich - Färöer 3:0
Österreich – Färöer 3:0 (1:0)

Wirklich die Muffe ging vor dem Rückspiel gegen die Färöer niemandem, was aber auch daran gelegen haben mag, dass das Team ohnehin schon ziemlich darniedergelegen ist, es quasi auch eine weitere Blamage gegen die Insulaner nicht mehr wirklich schlimmer gemacht hätte.

Riedl gab schon recht zeitig bekannt, dass der gebürtige Salzburger Heimo Pfeifenberger von Beginn an spielen würde – als Manndecker. Die Saison hatte er bei Rapid als Stürmer begonnen, diverse Verletzungen in der Hütteldorfer Defensiv-Abteilung veranlassten Krankl dazu, Pfeifenberger nach hinten zu stellen.

Für Riedl eine Maßnahme ohne Risiko: Das bekannt verwöhnte und bei Länderspielen oft negative Publikum in der Mozartstadt (das Hickersberger ein Jahr vorher angefeindet hatte, weil er den Salzburg-Spieler Heri Weber ausgebootet hatte) war befriedet und gegen die sehr defensiv agierenden Färinger war das auch kein Sicherheitsrisiko. Auch vor dem Einsatz von Schöttel (24), Michael Streiter (25) und Arnold Wetl (21) scheute er sich nicht: „Mit den Routiniers hat’s zuletzt ja auch nicht geklappt.“ Die Frage sei nur erlaubt: Welche Routiniers? Linzmaier war 28, gut, Zsak 27, aber Artner war nur ein paar Monate älter als Streiter. Das ist Artner heute noch. Also, nur ein paar Monate älter als Streiter.

Gerade Pfeifenberger sorgte dann nach einer Viertelstunde für die 1:0-Führung, nach dem Seitenwechsel stellten Rückkehrer Streiter und Debütant Wetl (Riedl: „Der Stürmer der Zukunft!“) den 3:0-Endstand her. Nichts, wofür man sich schämen müsste, aber auch nichts, worauf man aufbauen hätte können. Neben den zwei Punkten (mit denen Österreich in der Tabelle endlich punktgleich mit den Färöern war, juhu!) konnte sich vor allem Franz Wohlfahrt freuen, der ein paar Minuten vor Schluss eingewechselt worden war.

„Um ihm zu zeigen, dass er auch ein ernsthafter Teil des Teams ist“, war Riedls offizielle Begründung. Die Wahrheit war deutlich weniger blumig: Mit diesem achten Länderspiel-Einsatz erfüllte Wohlfahrt die Bedingungen der Transfergesetze der englischen Liga.

„Dem Ernst fehlt der nötige Ernst.“

Andi Ogris, den Riedl in Abwesenheit von Polster zum Kapitän befördert hatte (und Stamm im Team war, obwohl sein letztes von vier Toren für Espanyol ein halbes Jahr her war), rückte mit eingerissenem Meniskus ein, als es zwei Wochen nach dem Färöer-Spiel nach Dänemark ging, auch Arnold Wetl war nicht fit, er zerrte sich in einem Meisterschaftsspiel von Sturm Graz den Oberschenkel.

Dafür kam neben Ralph Hasenhüttl von der Austria auch Andis kleiner Bruder Ernst Ogris erstmals in den Kader, obwohl der kantige Admira-Stürmer auch schon drei Monate keinen Treffer mehr erzielt hatte. Außerdem waren auch Riedl die Konditions- und Effizienz-Nachteile von Ogris junior wohlbekannt. „Dem Ernst fehlt der nötige Ernst.“ Was aber kein Grund war, ihn nicht einzuberufen. Vielleicht holte er ihn auch nur, um diesen mäßig eleganten Wortwitz an den Mann zu bringen.

Dänemark - Österreich 2:1 (1:0)
Dänemark – Österreich 2:1 (1:0)

Zur Erinnerung: Acht Monate vorher hatte Riedl im Heispiel gegen Nordirland die Order ausgegeben, auf Forechecking zu verzichten, weil der Gegner zu gut dafür wäre. Nun, im Auswärtsspiel gegen die um drei Klassen besseren Dänen, lautete die Devise: Druck ausüben, Forechecking, Draufgehen.

Na eh klar lag Dänemark schon voran, da waren keine 100 Sekunden gespielt: Einwurf Larsen, Streiter verliert das Kopfballduell, Pfeifenberger steht nur in der groben Nähe seines Gegenspielers und Bent Christensen schiebt locker ein. Die Naivität und die geistige Langsamkeit, mit der vor allem die österreichische Defensive agierte, konnten selbst die Dänen kaum glauben. Manndecker Kent Nielsen konnte sich nach einem Eckball, umringt von vier gebannt zusehenden ÖFB-Verteidigern, sekundenlang den Ball herrichten und sich die Ecke aussuchen. Nielsen knallte die Kugel an den rechten Pfosten.

Die defensive Feigheit, mit der Riedl sonst spielen ließ, wünschte man sich sehnlich zurück. Zwar versuchte Herzog viel und er war auch Österreichs bester Mann, aber die Dänen schossen Österreich nur deshalb nicht ähnlich ab wie die Schweden sechs Wochen vorher, weil sie recht bald vom Gas gingen.

Nicht, dass dem ÖFB-Team das viel geholfen hätte. Auch weiterhin wurde mit dem geballten Temperament einer Weinbergschnecke verteidigt, und Heimo Pfeifenberger merkte man an, dass er selbst bei Rapid nur eine Notlösung als Manndecker war – Bent Christensen, immerhin Torschützenkönig der gerade abgelaufenen Saison in Dänemark, durfte auch beim 2:0 so frei zum Kopfball kommen wie davor vermutlich die komplette Saison nicht.

Dass Ernst Ogris in seinem einzigen Länderspiel das wohl formvollendeste Tor seiner ganzen Karriere erzielte – ein eleganter Seitfallzieher kurz vor Schluss – war für ihn persönlich ein schöner Erfolg und das Ergebnis von 1:2 sieht optisch nicht so wild aus. Aber es drückt die beinahe unwirkliche Chancenlosigkeit nicht einmal im Ansatz aus. „Die einfachsten Pässe kamen nicht an“, lamentierte Riedl, „damit haben wir den Gegner stark gemacht.“

Die Dänen wurden ein Jahr später Europameister. Es steht zu vermuten, dass sie doch ein wenig mehr drauf hatten, als von österreichischen Fehlpässen zu profitieren.

„Der Gegner war in einem nicht gerade hochklassigen Spiel technisch klar besser.“

Ehe sich die sommerpäusliche Ruhe über das ÖFB-Team legte und Andi Ogris im Sommer nach einem mäßig erfolgreichen Jahr bei Espanyol zur Austria zurückkehrt, lag Österreich drei Spiele vor Schluss immerhin auf dem dritten Rang. Sah zumindest akzeptabel aus.

Die verbleibenden Spiele (Dänemark und Jugoslawien daheim, Nordirland auswärts) wollten mit Blick auf die kommende Auslosung zur WM-Quali für 1994 dennoch nicht abgeschenkt werden und zur Vorbereitung gab’s noch ein Testpiel in Portugal. Weiterhin ohne Toni Polster, dafür mit einem 24-Jährigen Manndecker vom FC Tirol, der drei Monate davor noch in der steirischen Landesliga gespielt hat. Mario Posch bekam von Riedl sogar die Zusage, spielen zu dürfen. Auch Walter Kogler von Sturm und Franz Resch von Rapid waren erstmals mit dabei.

Portugal - Österreich 1:1
Portugal – Österreich 1:1 (1:0)

Gegen die aufstrebenden Portugiesen (die davor gegen Weltmeister Deutschland 1:1 gespielt und Europameister Holland sogar besiegt hatten) strich Riedl einen Stürmer aus der Mannschaft, und der Platzwart des FC Porto strich Österreich das Abschlusstraining. Er hatte vor dessen Start das Flutlicht abgedreht und war heimgegangen. Kein Witz.

Im letzten Moment kippte Riedl, entgegen seiner Ankündigung, Posch doch noch aus dem Team und ließ statt ihm Resch debütieren. Die österreichische Deckung agierte ungewohnt konzentriert und konsequent, jedenfalls konnten sich die Portugiesen offensiv kaum in Szene setzen. Futre war einmal seine Foxterrier Artner entwischt, aber sonst war nicht viel los.

Gut, bei Österreich auch nicht. Westerthaler sah kaum einen Ball, und nach einer Stunde brachte Riedl dann doch einen zweiten Stürmer (Pfeifenberger für Feiersinger) und es war dennoch nicht mal wirklich eine Torchance, die zum 1:1-Endstand führte, sondern ein Kopfball von Walter Kogler nach einem Eckball. Im Nachlauf wankte Riedl zwischen Realismus und Delirium. „Der Gegner war in einem nicht gerade hochklassigen Spiel technisch klar besser“, sagte er, im selben Atemzug aber auch: „Wir haben 1:1 gespielt und die U-21 hat hier sogar 3:2 gewonnen. Man sollte den österreichischen Fußball nicht unterschätzen!“

Der letzte Akt

Hans Krankl (und auch Otto Baric) war schon direkt nach Landskrona von vielen als Teamchef gefordert worden. Womöglich zog Mauhart die Nacht-und-Nebel-Aktion mit Riedl durch, um nicht von den Landespräsidenten den Rapid-Trainer aufgeschwatzt zu bekommen.  Fragen nach Krankl beantwortete Mauhart pampig: „Mit Rapid weder in den Europacup zu kommen, noch Cupsieger zu werden, schafft schnell mal einer.“

Die Antwort auf die Frage, ob uns Krankls Katastrophen-Amtszeit von 2002 bis 2005 erspart geblieben wäre, wäre er schon 1990/91 krachend gescheitert, ist zumindest spannend. Genauso wie die Frage, wer 2002 Baric‘ Nachfolger geworden wäre. Man sieht: Irgendwann wurden sie’s alle.

Wohl auch, um das gespannte Verhältnis zwischen Mauhart und Krankl nicht noch nachhaltiger zu beschädigen, verlangte der ÖFB nicht einmal eine Untersuchung durch Team-Arzt Ernst Schopp, um auf Robert Pecl zu verzichten. Dieser spielte nach seiner Verletzung zwar wieder regelmäßig für Rapid, aber eine Länderspielwoche war im laut Rapid nicht zuzumuten. Der ÖFB nickte das ab.

Österreich - Dänemark 0:3
Österreich – Dänemark 0:3

So hießen die Manndecker gegen Dänemark wieder Artner und Kogler. Und Artner war es auch, der mit einem besonders starksigen und in seiner entstehen völlig sinnfreien Eigentor nach zehn Minuten die erneute Katastrophe einläutete – er rannte einem 50-Meter-Ball von Povlsen so lange nach, bis er die von Kogler abgefälschte Kugel auch wirklich mit der Schulter an Konrad vorbei ins Tor bugsieren konnte.

Ein paar Minuten danach legte Stöger in der Vorwärtsbewegung einen Ball ohne näher ersichtlichen Grund in den leeren Raum quer, Povlsen sagte zum 2:0 „danke“. Nach einer halben Stunde ließ sich Prosenik ganz besonders billig von Henrik Larsen abkochen, die Flanke verwertete ein komplett blank stehender Bent Christensen schon zum 3:0.

Die Dänen bejubelten ihre Tore nicht einmal mehr richtig, ihre Überlegenheit schien ihnen fast peinlich zu sein. „Österreich ist ein wertloses Team ohne jede internationale Klasse“, konstatierten die dänischen Medien hernach. „Für die Verteidigung ist es schwierig, wenn kein Mittelfeld vorhanden ist“, brummte Franz Resch. Und Harry Gschnaidtner, 21-jähriger Defensiv-Spieler von Stahl Linz, wird sich besonders gefreut haben, als ihn Riedl in der Halbzeit in das kaputte Team hinein debütieren ließ.

„In Zukunft spielen wir am Besten nur noch gegeneinander, international haben wir ja ohnehin keine Chance“, seufzte Mauhart mit einem Blick auf das 1:6 von Meister Austria Wien gegen Arsenal ein paar Wochen vorher. Und die eh nur 10.000 Zuseher im Praterstadion? Die skandierten abwechselnd „Wir wollen Toni“ und …

… „Riedl raus!“

Und der Teamchef gehorchte. Riedl hatte genug – er hatte weder spielerisch eine Linie, geschweige denn eine Steigerung etablieren können, noch vermochte er irgend eine Form von Aufbruchstimmung zu versprühen. Am Tag nach dem Trauerspiel, das bei weniger dänischem Mitleid auch zweistellig ausgehen hätte können, quittierte er seinen Dienst. Eine Woche später, beim 1:2 in Nordirland, saß schon Riedls Co-Trainer Didi Constantini als Interims-Teamchef auf der Bank, Ernst Happel übernahm nach der Winterpause.

Alfred Riedl arbeitete nie wieder als Trainer in Österreich.

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Österreich erfüllt mit 3:0 auf den Färöern die Pflicht – mehr aber auch nicht https://ballverliebt.eu/2013/10/16/osterreich-erfullt-mit-30-auf-faroern-die-pflicht-mehr-aber-auch-nicht/ https://ballverliebt.eu/2013/10/16/osterreich-erfullt-mit-30-auf-faroern-die-pflicht-mehr-aber-auch-nicht/#comments Wed, 16 Oct 2013 00:03:04 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=9678 Österreich erfüllt mit 3:0 auf den Färöern die Pflicht – mehr aber auch nicht weiterlesen ]]> Ein Allzeit-Klassiker, von dem jeder, der ihn gesehen hat, noch seinen Enkelkindern erzählt, war das 3:0 von Österreich auf den Färöern ja nicht. Eher ein unterkühlte Vorstellung, die dafür gereicht hat, drei Punkte mitzunehmen um damit unbeschadet von dieser Insel wieder wegzukommen. Was angesichts der Lage in der damit zu Ende gegangenen WM-Quali verständlich ist, aber keinen hohen Entertainment-Faktor hatte.

Färöer - Österreich 0:3 (0:1)
Färöer – Österreich 0:3 (0:1)

Arnautovic gesperrt, Janko gesperrt, Almer angeschlagen: Teamchef Marcel Koller war beim Trip auf die Färöer-Inseln zum Umstellen gezwungen. Und nicht nur das Personal war ein anderes wie beim 1:2 in Schweden, sondern auch das System und natürlich, letztlich hatte das Spiel ja keine Auswirkungen mehr auf die WM-Quali, auch die Intensität.

Kavlak auf der Acht, Alaba auf der Zehn

Wie schon beim 0:6 in Wien stellte Färöer-Teamchef Lars Olsen auch im Heimspiel ein 4-4-1-1 auf, mit zwei grundsätzlich defensiven Viererketten. Die beiden Offensiv-Spieler übten keinerlei Druck auf die österreichischen Innenverteidiger aus, dahinter versuchten sich die restlichen acht Färinger darin, die Räume eng zu machen. Alles wie gehabt also.

Anders als in der Friends, als Dragovic den Solo-Sechser in einem 4-1-4-1 gegeben hatte, ließ Koller in Tórshavn in einem 4-2-3-1 spielen. Neben Dragovic kam Kavlak als Achter in die Mannschaft, dieser ging viel vertikal und konnte so aus dem freieren Raum heraus mit Anlauf in bzw. zwischen die färingischen Viererketten stoßen. Eine interessante Überlegung, der aber ein wenig die Unterstützung von Harnik und Klein fehlte.

Dragovic indes verschob hauptsächlich horizontal und sicherte mit den Innenverteidigern Prödl und Pogatetz ab. Alaba auf der Zehn spielte nicht die bei Koller übliche Rolle als Pressing-Maschine (wogegen hätte er auch pressen sollen?), sondern als Gestalter, der sich auch mal tiefer fallen ließ.

Links ganz okay, rechts ziemlich schlecht

Sobald Österreich den Ball im Bereich von Alaba und Kavlak hatte, also zwischen den Ketten der Färinger, doppelten diese auf den Ballführenden und aufgrund der fehlenden Bewegung der Mitspieler im ÖFB-Team stockte das Spiel nach vorne natürlich merklich; zumal sich die Gastgeber zwar schon etwas mehr zutrauten als noch bei der Verprügelungs-Aktion in Wien, aber sich nur selten dazu hinreißen ließen, aus der Grundordnung zu kommen. Wenn das doch einmal geschah, verabsäumte es Österreich, die Umschaltphase schneller und konsequenter auszunützen.

Das Auseinanderziehen es färingischen Abwehrverbundes wurde in erster Linie über die linke Seite von Fuchs und Ivanschitz probiert. Wenn auch selten in höherem Tempo, hinterlief Fuchs seinen Vordermann und bot sich an, sodass Ivanschitz im Idealfall zwei Anspiel-Optionen hätte, nämlich Alaba und eben Fuchs. Auf der rechten Seite aber passierte überhaupt nichts: Klein war ein offensiver Totalausfall und seine (wenigen) Flanken brachten nichts, Harnik war eigentlich kaum vorhanden.

Vertikalität prallt am Strafraum ab

Dem Geschenk von Färöer-Goalie Nielsen, der Andreas Ivanschitz an dessen 30. Geburtstag das Tor zum 1:0 ermgölichte, zum Trotz: Schwungvoll und konsequent war Österreich nicht. Auffallend war aber schon, dass vor allem Alaba aus dem Zentrum heraus versuchte, Vertikalität ins Spiel zu bringen und er band auch seine Nebenleute darin ein. Das ging auch im Ansatz oft gut, nur fehlte demjenigen, der mit dem Ball dann in den Strafraum kam, dort gegen die vielen Gegenspieler die Optionen. Derart auf sich alleine gestellt, rannten sich Hosiner und Co. oft fest.

So hatte Österreich das Spiel zwar grundsätzlich im Griff, es gelang aber viel zu selten, so viele Spieler im Aufbau mit entsprechendem Tempo vor den Ball zu bekommen, dass die Färinger damit existenzielle Probleme hatten. Es gab schon immer wieder Chancen, aber dass die Tore nach einer Stunde aus einem Eckball und einem (geschenkten) Elfmeter resultierten, war dann doch kein Zufall.

Mit dem Doppelschlag in den Minuten 64 und 67 im Rücken war das Spiel gelaufen, das wussten auch alle, und so spielten Österreich dann auch. Statt dem müden Fuchs und dem verletzten Harnik kamen Suttner und Sabitzer, aber natürlich änderte das nichts mehr am Spiel. Die Färinger kamen gegen eine immer desinterresierter wirkene österreichische Mannschaft noch zu ein paar Halbchancen. Diese blieben aber ungenützt.

Fazit: Gewonnen, aber aus dem Spiel kam zu wenig

Ein Tor aus einem Torwart-Fehler, eines aus einem Eckball und eines aus einem Elfmeter: Wenn das Ziel war, möglichst unbeschadet von dieser vermaledeiten Insel runter zu kommen, ist es gelungen. Überzeugend war der Auftritt aber nicht. Die Rolle von Kavlak, der aus der Tiefe heraus zwischen die zwei Ketten der Färinger stoßen konnte, war von der Überlegung her logisch, wurde aber zu wenig ausgenützt.

Die rechte Seite mit Klein und Harnik war ein Totalausfall, Hosiner konnte sich nicht empfehlen; die Pässe von Ivanschitz waren oft ungenau und erforderten Extra-Arbeit vom Empfänger, Pogatetz spielte einige erstaunliche Fehlpässe und Alaba rieb sich auf. Wieder wurden gegen einen defensiven Gegner wenige Chancen wirklich heraus-*gespielt*. Die Leistung reichte, um die bösen Geister der Vergangenheit nicht wieder auferstehen zu lassen und sich mit 17 Punkten und +10 Toren zu Europas bestem Gruppendritten zu machen. Mehr aber auch nicht.

(phe)

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Fehler genützt, 6:0 gewonnen – aber alles passte gegen die Färöer nicht https://ballverliebt.eu/2013/03/23/fehler-genutzt-60-gewonnen-aber-alles-passt-gegen-die-faroer-nicht/ https://ballverliebt.eu/2013/03/23/fehler-genutzt-60-gewonnen-aber-alles-passt-gegen-die-faroer-nicht/#comments Sat, 23 Mar 2013 00:46:54 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=8505 Fehler genützt, 6:0 gewonnen – aber alles passte gegen die Färöer nicht weiterlesen ]]> Angstgegner? Nicht in Heimspielen! Zum dritten Mal empfängt Österreich das Team von den Färöer-Inseln, zum dritten Mal gibt es einen nie auch nur im Ansatz gefährdeten Sieg. Beim 6:0 gegen den mit zwei sehr eng stehenden Viererketten auftretenden Gegner wurde zwar nicht allzu oft aus herausgespielten Chancen getroffen. Die Fehler des Gegners wurden aber eiskalt ausgenützt. Womit am Ende ein erfreulich hoher Pflichtsieg steht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

2013 03 22 Aut-Far 6-0
Österreich – Färöer 6:0 (3:0)

Nix da mit tief stehen: Die Färinger versuchten Österreich vom eigenen Tor wegzuhalten, in dem sie ihre Abwehr-Kette wann immer möglich weit nach vorne schoben. Die Mittelfeld-Kette schob allerdings nicht in gleichem Maße nach vorne, womit sich ein sehr kompaktes Acht-Mann-Rechteck bildete. Das Ziel war klar: Den Österreichern, bekannt für eher mäßigen eigenen Spielaufbau, die Mitte zustellen und so wenig Platz wie möglich zum kombinieren geben.

Zwei Schwachstellen

Das Problem der Färinger war dabei aber unter Anderem, dass sich Marc Janko beim Aufwärmen wehtat und statt ihm Philipp Hosiner zu seinem Start-Elf-Debüt im Nationalteam kam (seine ersten drei Minuten im Team spielte er vor zwei Jahren in Spiel 1 nach Constantini). Der Austrianer ist ein Spieler, der sich hervorragend mit der Abseitslinie spielen kann und Verteidigern in dessen Rücken davonlaufen kann. Das, verbunden mit einem individuellen Schnitzer von Baldvinsson, ermöglichte Hosiner das Tor zum 2:0. Den großen, robusteren Janko hätten die Gäste so wohl deutlich besser in Schach halten können.

Die andere Schwachstelle, die sich aufgrund dieser kompakten, aber ohne Druck auf den Gegenspieler ausübenden Defensiv-Aufstellung der Färinger war, dass sie die Flanken völlig offen ließen. Garics und vor allem Fuchs konnten ungehindert aufrücken und bis an die Grundlinie durchgehen. Gerade Fuchs-Gegenspieler Hjalgrim Elttør war gedanklich fast immer einen Schritt hintennach; er fiel nur auf, wenn er Fuchs mal wieder nachhechelte. Dieser Freiraum ermöglichte Fuchs seine starke Flanke zwischen den Viererketten hindurch auf Hosiner, der zum schnellen 1:0 verwandelte.

Schnelle Entscheidung

In der Folge verstanden es die Gäste besser, den zur Grundlinie Durchgehenden (zumeist Fuchs, immer wieder aber auch Arnautovic – der auf rechts begann und nach etwa einer Viertelstunde mit Ivanschitz die Seiten tauschte – und Alaba) zumindest so zu doppeln, dass keine Flanke mehr ins Zentrum kommen konnte. Was sich allerdings nicht änderte, war die Tatsache, dass die zwei Ketten zwar eng standen, aber selbst auf die sich mittendrin befindenden Österreicher kein wirklicher Druck ausgeübt wurde. So konnte Ivanschitz nach einer halben Stunde unbedrängt seinen Weitschuss zum 3:0 anbringen. Spätestens da war das Spiel natürlich entschieden.

Was sich nicht so richtig lohnt, ist, auf die Offensive der Färinger einzugehen – die gab es nämlich nicht. Und zwar gar nicht. Holst als hängende Spitze sah kaum einen Ball, Solo-Spitze Edmundsson im Grunde gar keinen. Es gab nicht mal einen wirklichen Aufbau, weder aus dem Zentrum noch von den Flügeln. Wenn Heinz Lindner nicht im ÖFB-Tor gestanden wäre, es hätte keiner gemerkt. Dragovic und Pogatetz war in der Innenverteidigung wohl eher langweilig, Sechser Kavlak unterfordert.

Alaba und Arnautovic bleiben am Gaspedal

Was erfreulich war: Trotz der 3:0-Führung und der Tatsache, dass die Partie längst entschieden war, stiegen vor allem David Alaba und Marko Arnautovic nicht vom Gaspedal. Vor allem dieses Duo versuchte immer wieder, mit schnellen und auch mit überraschenden Aktionen den Färöer-Block auseinander zu ziehen und so Löcher zu reißen. In letzter Konsequenz fehlte dabei zwar oft die Genauigkeit, aber es sendete ein wichtiges, permanentes Signal aus: Wir wollen hier mehr als nur verwalten.

Gerade David Alaba war einmal mehr überall zu finden. Nominell startete auf der halblinken Position als Achter, der ging von dort aus aber oft auch auf den linken Flügel, auch mal nach rechts rüber, bot sich für Anspiele an, lenkte das Spiel. Was natürlich auch deshalb möglich war, weil ihn die Färinger auch ließen und er wusste, dass Defensivarbeit nicht gefragt war.

Ivanschitz nimmt sich zurück

Wer hingegen eine eher unauffällige Partie absolvierte, war Andreas Ivanschitz. Der Mainz-Legionär startete auf der linken Außenbahn und wechselte nach rund 15 Minute auf rechts, ihm fehlte es aber ein wenig an der Hilfe von Garics, dazu waren seine Gegenspieler Samuelsen und Justinussen stärker als die Färinger auf der anderen Seite. In der zweiten Halbzeit nahm er sich dann immer mehr zurück, was sein Positionsspiel angeht.

Heißt: Er ging ins Zentrum auf die Acht und flankierte dort den für Kavlak eingewechselten Leitgeb und war die Absicherung in der Mitte. Das erlaubte es nicht nur Leitgeb, nach vorne zu arbeiten, sondern ermunterte auch Alaba, sich noch mehr in die Offensive einzuschalten und zuweilen als Rechtsaußen zu spielen. Und obwohl nach etwas mehr als einer Stunde Weimann für den immer defensiver werdenden Ivanschitz kam, drohte dieser Wechsel Österreich den Schwung zu rauben.

Drei Tore wecken Verwalter wieder auf

Alaba war nun zurück im Zentrum, Weimann ging auf die rechte Seite. Ohne Alaba in der unmittelbaren Offensive aber ging in der Folge merkbar der Punch ab. Immer mehr ging es nun auch über höhere Bälle – ohne Janko vorne kein wirklich taugliches Mittel. Nun, nach rund einer Stunde, hatte man erstmals das Gefühl, es würde auf Verwalten umgestellt. Es gab zwar einige Halbchancen, aber erst Junuzovic‘ Weitschuss zum 4:0 eine Viertelstunde vor Schluss weckte die Szenerie wieder auf.

Das Erstaunliche an der Abwehr der Gäste: Selbst nach dem vierten Gegentor rückten die immer noch fleißig auf, wann immer es möglich war (was, zugegeben, nicht so sehr oft der Fall war). So aber fingen sie sich unmittelbar nach dem 4:0 einen blitzsauberen Konter über Hosiner ein, der auf Weimann flankte, dieser legte zurück auf Alaba – das 5:0. Kurz darauf ließ auch noch Färöer-Goalie Nielsen ein Garics-Schüsschen zum 6:0 passieren.

Fazit: Schöner Sieg, aber auch nicht mehr

In so einem Spiel gegen den designierten Punktelieferanten zählt letztlich nur das Resultat. Das ist mit dem 6:0 – dem höchsten Länderspiel-Sieg seit 14 Jahren – natürlich sehr, sehr gut und übertraf die Erwartungen. Viele Erkenntnisse lassen sich aber nicht ziehen, dazu war der Gegner einfach viel zu harmlos.

Was sich aber sehr wohl sagen lässt, obwohl das nach einem 6:0 seltsam klingt: Es fehlen weiterhin die Tore aus der eigenen Spielgestaltung heraus. Das 2:0 und das 6:0 resultierte aus schlimmen individuellen Fehlern der Gäste, das 3:0 und das 4:0 waren Weitschüsse von außerhalb des Strafraums und das 5:0 war ein Konter. Obwohl Arnautovic und Alaba viel probierten, geht das sicher noch besser.

Natürlich: Nach einem 6:0 mag sich das wie mühsame Nörgelei anhören, nach dem krampfhaften Suchen nach einem Haar in der Suppe. Tatsache ist aber: Irland wird deutlich robuster verteidigen, hat Spieler von deutlich höherer Klasse, und wird Österreich wohl kaum so viele Fehler anbieten wie das Färöer gemacht hat. Die Fehler, die Irland macht, müssen aber so konsequent genützt werden wie sie in diesem Spiel genützt wurden. Das war nämlich der größte Pluspunkt am Spiel des ÖFB-Teams.

(phe)

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Ballverliebt Classics: Färöer II. https://ballverliebt.eu/2013/03/20/ballverliebt-classics-faroer-ii/ https://ballverliebt.eu/2013/03/20/ballverliebt-classics-faroer-ii/#comments Wed, 20 Mar 2013 14:56:08 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=8442 Ballverliebt Classics: Färöer II. weiterlesen ]]> Vom Winde verwehrt: 18 Jahre nach Landskrona versuchte sich wieder ein österreichisches Nationalteam auswärts gegen die Färinger, und wieder war das Resultat eine Blamage. Keine Jahrhundert-Peinlichkeit wie das Spiel im September ’90 zwar, aber in ihrer Entstehung nicht weniger dämlich – und in der Erinnerung auch wegen der „Radio-Übertragung“ von Thomas König (der ORF bekam kein Bildsignal) berüchtigt. Im teils heftigen Sturm auf den Schafsinseln agierte das Team fast ausschließlich mit hohen Bällen. Das 1:1 war letztlich auch der Anfang vom Ende der kurzen Ära Brückner.

Färöer - Österreich 1:1 (0:0)
Färöer – Österreich 1:1 (0:0)

„Du kannst bei so einem Gegner nicht sagen, ‚du musst auf das oder auf das aufpassen‘, wenn die davor 21 Spiele lang ohne Sieg waren!“ – So bilanzierte Herbert Prohaska das Spiel danach. Es hätte vermutlich aber schon gereicht, wenn man der Mannschaft gesagt hätte: „Da hat’s einen ziemlich üblen Wind, vermeidet hohe Bälle um jeden Preis.“

Das Gegenteil war der Fall: Die allzu offensichtliche Vorgabe war, es ausschließlich mit hohen Bällen zu versuchen.

System und Raumaufteilung

In seinem vierten Länderspiel als Teamchef war Karel Brückner erstmals von seinem Hybrid aus 4-1-4-1 und 4-3-3 abgegangen und stellte ein 4-4-2 auf. Gegen den wie erwartet sehr tief stehenden Gegner mit dessen zwei dichten Viererketten standen vorne Leuchtturm Janko und Wusler Hoffer. Der Plan war klar: Janko soll die hohen Bälle annehmen und Hoffer bedienen bzw. diesem den Weg freiblocken.

Die Flügel waren nicht synchron besetzt. Auf der rechten Seite hatte RV Garics durchaus den Vorwärtsgang drin, Vordermann Harnik rückte relativ früh ein und sollte von Garics – zumindest in der Theorie – hinterlaufen werden. Links hingegen war Emanuel Pogatetz deutlich vorsichtiger, wodurch sich mitunter hinten eine De-facto-Dreierkette ergab.

Der Wind fängt die hohen Bälle

Die beiden Viererketten der Färinger fingen rund 30 Meter vor dem eigenen Tor an, den ballführenden Österreicher aggressiv zu doppeln. Nicht aber im Sinne von Pressing, sondern mit ganz erdigen, körperbetonten Zweikämpfen. Dass der slowenische Referee Ceferin das Spiel eher an der langen Leine ließ, kam den Färingern da durchaus zu Pass.

Die Folge war, dass die hohen Bälle von immer weiter hinten in die grobe Richtung von Janko und Hoffer geschlagen wurden. Das Hauptproblem dabei war der Wind: In der ersten Hälfte spielte Österreich mit Rückenwind und dieser fing die Bälle ab einer Höhe von etwa fünf Metern ein. Präzision war dadurch völlig unmöglich, zudem waren die Gastgeber diese Bedingungen natürlich gewöhnt.

Kaum Kombinationsspiel

Von einem Aufbauspiel der Färinger zu sprechen, wäre eine Übertreibung: Die Abschläge von Torhüter Mikkelsen plumpsten, gegenwindbedingt, schon deutlich vor der Mittellinie zu Boden. Versuche, aus dem Mittelfeld die beiden Stürmer Hansen und Holst zu bedienen, scheiterten an der Ungenauigkeit und der Hast, mit der diese Pässe gespielt wurden. Versuche, den Ball mal ein wenig in den eigenen Reihen zu halten, endeten zumeist beim eigenen Torhüter und einem Abschlag, der wiederum Opfer des Windes wurde.

Der die Österreicher aber weiterhin nicht davon abhielt, den Ball in die Höhe zu bringen. Was auch deshalb nötig war, weil es de facto kein Kombinationsspiel ab. Auf den Außenbahnen preschten zwar Garics und Fuchs nach vorne, sie taten das zumeist allerdings ohne einmal mit einem Doppelpass den Gegner auszuspielen.

Dennoch genug gute Chancen

Einen Schönheitspreis hat niemand verlangt, und auch wenn die Herangehensweise mit den langen Bällen kein wirklich taugliches Rezept war, heißt das nicht, dass es nicht dennoch genug Chancen gegeben hätte. So wurde ein Schuss von Hoffer aus spitzem Winkel auf der Linie geklärt (9.), konnte Färöer-Goalie Mikkelsen einen Janko-Kopfball aus kurzer Distanz halten (16.), verpasst Harnik eine Flanke von links nur knapp (18.). Nach einem zu kurzen und zu ungenauen Freistoß der Färinger an der Mittellinie fing Ivanschitz den Ball ab und schickte Janko in den für einmal offenen Rücken der Abwehr, aber auch aus dieser Chance wurde nichts (26.). Und schließlich schob der für den verletzten Harnik eingewechselte Andi Hölzl einen Abpraller nach einem Freistoß am Tor vorbei (32.).

Stranzl etwas unglücklich

Prödl und Stranzl waren in der ersten Hälfte null gefordert – die Gastgeber brachten in der ersten Hälfte nur einen Schuss auf das Gehäuse von Alex Manninger – und vor allem Stranzl machte in der Folge einen eher schläfrigen Eindruck. Eine Minute und 20 Sekunden nach Beginn der zweiten Hälfte rückte er bei einem Angriff der Färinger etwas halbherzig heraus und ließ Bogi Løkin in seinem Rücken entwischen. Der 19-Jährige, der den angeschlagenen Borg auf der rechten Mittelfeld-Seite ersetzte, schob mühelos zum 1:0 ein.

Im direkten Gegenzug machte Stranzl seinen Patzer wieder gut, indem er eine von Arnbjørn Hansen per Kopf verlängerte Ivanschitz-Ecke im Fallen aus kurzer Distanz zum 1:1 über die Linie drückte, aber hinten blieb er weiterhin anfällig – wenige Minuten nach dem Ausgleich ließ er erneut einen Färinger laufen. Diesmal wurde die Schläfrigkeit aber nicht bestraft.

Österreich spielte in dieser zweiten Hälfte nun mit Gegenwind. Das mag auch ein Grund sein, warum nun deutlich weniger schnell nachgerückt wurde. Dadurch wurden auch weniger zweite Bälle erkämpft und es fiel den Färingern zunehmend leichter, gute österreichische Chancen zu verhindern. In der 61. Minute scheiterte Janko aus einem Meter an Goalie Mikkelsen, sonst war nicht viel los. Weshalb Brückner nach 67 Minuten ein ein 3-4-3 umstellte.

Mit dem Kopf durch die Wand

Ab Minute 67
Ab Minute 67

Je länger das Spiel aber dauerte, umso mehr war es geprägt von immer verzweifelteren Einzelaktionen, anstatt sich am Zusammenspiel zu versuchen. Das sah in der Regel so aus, dass einer einen Alleingang startete und die Teamkollegen ihm, ohne sich groß selbst zu bewegen, dabei zusahen.

Nicht selten war ein Spieler in Rot von drei Weißen umringt, aber niemand bot sich zum Helfen an. Die Abstimmung der drei Stürmer vorne passte nicht, daran konnte auch der zehn Minuten vor Schluss für Janko eingewechselte Arnautovic nichts mehr ändern. In Minute 75 zielte Jimmy Hoffer bei einem Torschuss ein wenig zu hoch – es war die einzige echte Tormöglichkeit in der letzten halben Stunde.

Die Färinger brachten das 1:1 ohne wirklich in Gefahr zu kommen über die Zeit. Das zweite Mal, dass man dem ÖFB-Team ein starkes Resultat abtrotzen konnte.

Die Auswirkungen

So blöd es klingt: Rein sportlich hatte der Punktverlust in Tórshavn keine allzu gravierenden Folgen – zu weit war man am Ende ohnehin von der Konkurrenz in der Gruppe entfernt. Viel schlimmer waren aber einerseits die psychischen Folgen einer erneuten Blamage gegen die Färöer-Inseln und die unmittelbar nach dem Spiel einsetzenden Selbstzerfleischung. Dass die Funktionäre schnellstmöglich ausgeflogen wurden, während sich die Spieler die Nacht am Flughafen um die Ohren schlagen mussten – wegen des Windes wurde ein Startverbot verhängt – monierte etwa Marc Janko lautstark und bekam dafür einen ordentlichen Rüffel und viel Häme.

Zermürbt von den medialen Prügeln, der unglücklichen Heimreise und dem Wissen um die Blamage war Österreich vier Tage später im Heimspiel gegen Serbien völlig chancenlos und lag nach 25 Minuten schon 0:3 im Rückstand. Die Hoffnung auf eine WM-Qualifikation war schon nach dem vierten Spiel endgültig dahin, der Schwung aus der eh ganz okay verlaufenen Heim-EM, dem Test-Remis gegen Italien und dem erfreulichen 3:1-Sieg im ersten WM-Quali-Spiel gegen Frankreich war komplett verfolgen.

Teamchef Karel Brückner, der nach der EM und sieben Jahren als tschechischer Teamchef eigentlich in Pension gehen wollte und von ÖFB-Präsident Stickler aus selbiger geholt wurde, war nach dem 0:2 in Litauen schon ein wenig angezählt. Nach dem Doppelspieltag mit dem 1:1 in Tórshavn und dem 1:3 gegen Serbien bildete sich endgültig eine massive Front gegen den Tschechen. Ihm wurde vorgehalten, sich zu wenig in Österreichs Stadien blicken zu lassen, seinen Wohnsitz nicht von Olmütz nach Wien zu verlegen, mitunter die Vornamen der Spieler nicht zu kennen. Kurz: Desinteresse am Teamchef-Posten.

Es folgten eine schlechte Leistung beim 2:4 in einem Freundschaftsspiel gegen Türkei und eine desaströse im Februar 2009 beim 0:2 gegen Schweden, ehe Brückner nach nur sieben Spielen im Amt das Handtuch warf. Der kurz zuvor als Stickler-Nachfolger ins Amt des ÖFB-Präsidenten gekommene Leo Windtner installierte Didi Constantini als neuen Teamchef. Es folgte eine Ära, die gemeinhin, nun ja, nicht so gut davonkommt.

Das Personal

Österreich: Alex Manninger (31, Juventus) – Gyuri Garics (24, Atalanta), Sebastian Prödl (21, Bremen), Martin Stranzl (28, Spartak Moskau), Emanuel Pogatetz (25, Middlesbrough) – Martin Harnik (21, Bremen), Paul Scharner (28, Wigan), Andreas Ivanschitz (24, Panathinaikos), Christian Fuchs (22, Bochum) – Jimmy Hoffer (21, Rapid), Marc Janko (25, Salzburg). Eingewechselt: Andreas Hölzl (23, Sturm Graz), Roman Kienast (24, Helsingborg), Marko Arnautovic (19, Twente). Teamchef: Karel Brückner (Tscheche, 68, seit zwei Monaten).

Färöer: Jakup Mikkelsen (38, Klaksvík) – Jónas Tór Næs (21, Köge/Dänemark), Egil Bø (34, Streymur), Jón Rói Jacobsen (25, Frem Kopenhagen), Jóhan Davidsen (20, Runavík) – Jákup Borg (28, HB Tórshávn), Atli Danielsen (25, Frem Kopenhagen), Mikkjal Thomassen (32, Streymur), Christian Høgni Jacobsen (28, AB Kopenhagen) – Christian Holst (26, Silkeborg/Dänemark), Arnbjørn Hansen (22, Streymur). Eingewechselt: Bogi Løkin (19, Runavík), Frodi Benjaminsen (30, HB Tórshavn), Andrew Fløtum (29, HB Tórshavn). Teamchef: Jógvan Martin Olsen (47, seit drei Jahren).

(phe)

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Välkommen till Landskrona https://ballverliebt.eu/2013/03/20/valkommen-till-landskrona/ https://ballverliebt.eu/2013/03/20/valkommen-till-landskrona/#comments Wed, 20 Mar 2013 14:35:43 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=8454 Välkommen till Landskrona weiterlesen ]]> Es gibt vier Städte in Schweden, die jeder Österreicher kennt. Stockholm, Göteborg, Malmö – und Landskrona. Dabei ist das beschauliche Städtchen Landskrona kaum größer als Feldkirch in Vorarlberg. Aber hier, im Stadion des örtlichen Zweitligisten, verlor Österreich am 12. September 1990 gegen die Färöer-Inseln. Womit das Wort „Landskrona“ in Österreich auf ewig einen negativen Beigeschmack haben wird. Dabei hat Landskrona das nicht verdient. Ein Spaziergang.

Etwa 15 Minuten mit dem Zug, und man steht am Bahnhof von Landskrona.
15 Minuten mit dem Zug von Malmö aus, und man steht am Bahnhof von Landskrona.
Etwas außerhalb der Stadt, zu Fuß etwa 30 Minuten vom Bahnhof entfernt, liegt in zwischen Wohnhäusern und Parkanlagen der "Landskrona Idrottsplats"
Etwas außerhalb der Stadt, zu Fuß etwa 30 Minuten vom Bahnhof entfernt, liegt in zwischen Wohnhäusern und Parkanlagen der „Landskrona Idrottsplats“
Die Haupttribüne des Stadions des Vereins Landskrona BoIS. Bei dem war letztes Jahr Henrik Larsson Trainer...
Die Haupttribüne des Stadions, in dem der Verein Landskrona BoIS spielt. Bei dem Zweitliga-Klub war letztes Jahr noch Superstar Henrik Larsson Trainer…
...und er wurde abgelöst vom früheren Gladbach- und Lautern-Stürmer Jörgen Pettersson. Damals rasiert und mit blondgefärbten Haaren, jetzt mit Glatze und rotem Wikinger-Bart.
…und er wurde abgelöst vom früheren Mönchengladbach- und Kaiserslautern-Stürmer Jörgen Pettersson. Damals rasiert und mit blondgefärbten Haaren, jetzt mit Glatze und mit knallrotem Wikinger-Bart.
Genau hier stand es: Jenes Tor, in dem Torkil Nielsen damals den Ball zum 1:0-Goldtor versenkte. 1990 war dahinter eine Tribüne, jetzt Büro-Container.
Genau hier stand es: Jenes Tor, in dem Torkil Nielsen damals den Ball zum 1:0-Goldtor versenkte. 1990 war dahinter eine Tribüne, jetzt Büro-Container.
Ja, es gibt sie noch - die gute, alte Steher-Längstribüne!
Ja, es gibt sie noch – die gute, alte Steher-Längstribüne!
In diesem Stadion muss man es sich schon vor dem Anstellen überlegen, ob man eine Wurst ("Körv") oder was zum Trinken haben möchte.
In diesem Stadion muss man es sich schon vor dem Anstellen überlegen, ob man eine Wurst („Körv“) oder was zum Trinken haben möchte. Eine Bratwurst mit Gebäck („Körv med Bröd“) gibt’s um 20 Kronen, also um 2,40 €.
Der Presse-Raum hinterm Stadion verbreitet einen etwas erdigen Charme...
Der Presse-Raum hinterm Stadion verbreitet einen etwas erdigen Charme…
...umso einladender ist der Grillerei-Stand direkt daneben.
…umso einladender ist dafür der Grillerei-Stand direkt daneben.
Auf dem Weg vom Stadion ins Stadtzentrum gibt's extrem viel Grün...
Auf dem Weg vom Stadion ins Stadtzentrum gibt’s extrem viel Grün…
...und es ist recht wenig los. Man fühlt sich ein wenig an Mödling erinnert.
…und es ist recht wenig los. Man fühlt sich ein wenig an Mödling erinnert.
Der alte Wasserturm. Heute ist darin ein Priestersemiar untergebracht. Evangelisch - denn der Anteil an Römisch-Katholischen liegt in Schweden bei unter 2 Prozent.
Der alte Wasserturm. Heute ist darin ein Priesterseminar untergebracht. Evangelisch – denn der Anteil an Römisch-Katholischen liegt in Schweden bei unter zwei Prozent.
Der Hauptplatz von Landskrona. Wenn Jahrmarkt ist, auch gerne mal geschmückt.
Der Hauptplatz von Landskrona. Wenn Jahrmarkt ist, auch geschmückt…
...und in den umliegenden Straßen die Kirtags-Stände, wie man sie auch bei uns kennt. Billige T-Shirts, Süßigkeiten in allen Farben und Formen, und so weiter.
…und in den umliegenden Straßen die Kirtags-Stände, wie man sie auch bei uns kennt. Billige T-Shirts, Süßigkeiten in allen Farben und Formen, und so weiter.
Landskrona ist eine Küstenstadt. Beim neuen Wasserturm aber hätten sie sich ein wenig mehr ästhetische Mühe geben können.
Landskrona ist eine Küstenstadt. Beim neuen Wasserturm aber hätten sie sich schon ein wenig mehr ästhetische Mühe geben können.
Das Städtchen verfügt auch über eine Zitadelle mit Wehrgraben rundherum...
Das Städtchen verfügt auch über eine Zitadelle mit Wehrgraben rundherum und…
...einem ausgedehnten Schlosspark zum einfach mal bräsig in der Sonne liegen...
…einem ausgedehnten Schlosspark zum einfach mal bräsig in der Sonne liegen.
...und das machen mitunter auch Ziegen. Kein Scherz.
…und das machen mitunter auch Ziegen. Kein Scherz.
Die bekannteste Tochter der Stadt ist Selma Lagerlöf. Sie bekam als erste Frau den Literatur-Nobelpreis verliehen, ihr Gesicht ist auf dem 20-Kronen-Schein vorne drauf. Hinten ihre berühmteste Roman-Figur - und zwar...
Die bekannteste Tochter der Stadt ist Selma Lagerlöf. Sie bekam als erste Frau den Literatur-Nobelpreis verliehen, ihr Gesicht ist auf dem 20-Kronen-Schein vorne drauf. Hinten ihre berühmteste Roman-Figur – und zwar…
...Nils Holgersson. Der gemeinsam mit den Wildgänsen von der Region Schonen aus nach Lappland fliegt.
…Nils Holgersson. Jener von einem Kobold geschrumpfte Junge, der mit den Wildgänsen von der Region Schonen, in der Landskrona liegt, nach Lappland fliegt.

Zwischen dem eher geerdeten Malmö im Süden und dem etwas blasierten Helsingborg im Norden ist Landskrona ein Fleckchen Erde, an dem es sich durchaus leben ließe. Auch mit der Erinnerung an den 12. September 1990.

(phe)

Alle Bilder: Philipp Eitzinger

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Faröer – Österreich: Die Analyse https://ballverliebt.eu/2008/10/11/faroer-osterreich-die-analyse/ https://ballverliebt.eu/2008/10/11/faroer-osterreich-die-analyse/#comments Sat, 11 Oct 2008 17:05:02 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=991 Faröer – Österreich: Die Analyse weiterlesen ]]> Thomas König ist kein Radiomoderator.
Der ORF ist peinlich, weil er im Fernsehen Radio überträgt und keine Webcam besitzt.
Österreich hat keine Goalgetter und kann im Wind nicht spielen.
Die Faröer haben endgültig einen Lieblingsgegner gefunden.
Der slowenische Schiri dürfte kein Genie sein.
Es war wahrscheinlich gar nicht so schlecht gespielt, aber es war zu wenig.
Bei der WM 2010 werden wir wahrscheinlich nicht dabei sein.

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