Eriksen – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Mon, 25 Mar 2013 00:55:36 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Die tollen Kroaten, die feinen Bosnier, das EM-Gastgeber-Duell und das dänische 3:0 in Tschechien https://ballverliebt.eu/2013/03/25/die-tollen-kroaten-die-feinen-bosnier-das-em-gastgeber-duell-und-das-danische-30-in-tschechien/ https://ballverliebt.eu/2013/03/25/die-tollen-kroaten-die-feinen-bosnier-das-em-gastgeber-duell-und-das-danische-30-in-tschechien/#comments Mon, 25 Mar 2013 00:30:40 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=8517 Die tollen Kroaten, die feinen Bosnier, das EM-Gastgeber-Duell und das dänische 3:0 in Tschechien weiterlesen ]]> WM-Quali kompakt – quasi Häppchen in Form von Kurz-Analysen von der Jagd nach den Startplätzen für Brasilien 2014! Wo Kroatien mit einer aufregenden Mannschaft wahrscheinlich dabei sein werden. Die Bosnier, die Griechenland 3:1 besiegten, mit einem sehr schiefen 4-2-3-1 ebenso. Auch die Ukraine war systematisch schräg unterwegs und gewann auswärts in Polen. Während Dänemark in einem seltsamen Spiel in Tschechien die Chance auf das WM-Ticket wahren konnte!

Kroatien – Serbien 2:0 (2:0). Mandžukić 23, Olić 37.

Kroatien - Serbien 2:0 (2:0)
Kroatien – Serbien 2:0 (2:0)

Schon bei der EM unter Slaven Bilić war das kroatische Team eines der interessanteren des Turniers, und das ist auch unter Nachfolger Igor Štimac so. Er lässt das Team in einem Hybrid aus 4-2-3-1 und 4-4-2 antreten. Der große Rivale Serbien hatte der gewaltigen Klasse dieses Teams auf fast jeder Position nichts entgegen zu setzen.

Einzige Schwachstelle bei Kroatien ist die Innenverteidigung. Ćorluka und der alte Šimunic sind keine Spieleröffner, erstens, und könnten mit internationalen Klasse-Stürmern sicherlich nicht mithalten. Štimac geht aber deswegen keinen Kompromiss im zentralen Mittelfeld ein und stellt eine robuste Absicherung hin – nein, er wählt den Weg mit zwei Passgebern. Der gebürtige Linzer Mateo Kovačić (im Winter von Dinamo Zagreb zu Inter Mailand gewechselt) und Luka Modrić sind für die Impulse aus dem Zentrum zuständig. Vor allem der 18-jährige Kovačić beeindruckt dabei mit seiner extremen Ruhe am Ball und der Resistenz gegen Pressing-Versuche des Gegners. Was Modrić kann, ist eh bekannt.

Die beiden nominellen Außenspieler, Rakitić und Kranjčar, rücken sehr weit ein und erlauben den extrem offensiven Außenverteidigern Srna und Strinić das hinterlaufen. Damit ist nicht nur Überzahl im Zentrum hergestellt, sondern auch die Breite. Vorne steht Ivica Olić als hängende Spitze und Mario Mandžukić als Knipser. Beide arbeiten extrem viel.

Die Serben, die sich unter Teamchef Siniša Mihajlović im völligen Umbau befinden, waren komplett überfordert. Das teilweise heftige kroatische Pressing verhinderte jeden Versuch von Spielaufbau bei den Serben, die Flügelspieler waren von Strinić und Srna komplett abgemeldet, Kolarov war ein komplettes Desaster (das 1:0 für Kroatien resultierte etwa aus einem schlimmen Schnitzer von Kolarov), Ivanović wurde hinten festgenagelt und konnte Strinić und Olić trotzdem nie Einhalt gebieten. Die beiden armen Teufel, die im serbischen 4-4-1-1 vorne agierten, sahen kaum einen Ball. Kroatien kam zu einem mühelosen und nie gefährdeten 2:0-Sieg.

In der Gruppe A liegt Kroatien punktgleich mit Spitzenreiter Belgien an zweiter Stelle. In dieser Form ist davon auszugehen, dass sich die Kroaten für die WM qualifizieren werden. Dieses aufregende Team wäre sicher eine Bereicherung für das Turnier.

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Bosnien – Griechenland 3:1 (2:0). Džeko 30, 54, Ibišević 35; Gekas 90.

Bosnien - Griechenland 3:1 (2:0)
Bosnien – Griechenland 3:1 (2:0)

Dass auch die Bosnier ein ziemlich attraktives Team sind, ist schon seit längerem bekannt. Nun haben sie nach zwei Play-off-Niederlagen endlich auch eine Gruppe bekommen, in der sie sich durchsetzen sollten und endlich eine Endrunde erreichen dürften.

Der interessanteste Aspekt im Team von Safet Sušić, wie es sich beim womöglich schon vorentscheidenden Spitzenspiel der Gruppe gegen EM-Viertelfinalist Griechenland darstellte, ist die Assymmetrie im 4-2-3-1. Weil Sušić sowohl Edin Džeko von Man City als auch Vedad Ibišević von Stuttgart in seiner Start-Formation haben will, stellt er Ibišević nominell auf die rechte Mittelfeld-Seite. Er spielt aber recht weit innen und rückt auch oft ins Sturmzentrum, wodurch Rechtsverteidiger Mujdža gezwungen ist, extrem offensiv zu agieren, um die Flanke nicht offen zu lassen.

Auf der anderen Seite jedoch agiert Lulić (von Lazio) eher aus der Tiefe heraus und er hält auch die Außenbahn. Somit kann Linksverteidiger Zukanović hinten bleiben und sich, wie in diesem Spiel, um Salpingidis kümmern, ohne dass nach vorne etwas abgehen würde.

Das Hauptaugenmerk im Zentrum bei Zahirović und Medunjanin liegt im gezielten Pressing, dabei unterstützen sie vor allem Zehner Misimović. Weil sich aber die Griechen darauf recht gut eingestellt hatten und mit Torosidis und Holebas auf den Flügeln sowie dem robusten Salpingidis und dem großen Samaras vorne Anspielpunkte hatte, konnte Bosnien das gewohnte schnelle Umschaltspiel nicht etablieren. Stattdessen bestand der Spielaufbau vor allem aus langen Flankenwechseln auf Lulić oder Ibišević bzw. auf den robust verteidigten Džeko. Das klappte gar nicht.

Nach rund 20 Minuten erkannte Džeko das Problem und ließ sich extrem weit zurückfallen – also sogar hinter die Mittelfeld-Reihe – um besser anspielbar zu sein, während Misimović und vor allem Ibišević sich vorne anboten. Damit war Griechenland im Zentrum in Unterzahl und Bosnien flugs 2:0 in Front. Die Tore waren zwar ein Freistoß und ein Elfer-Nachschuss (der ziemlich erbärmlich verteidigt wurde), waren aber ein logisches Produkt der etwas veränderte Spielanlage der Bosnier.

Die das Spiel mit der Führung im Rücken in der Folge beinahe nach Belieben kontrollierten. Griechenlands Teamchef Fernando Santos nahm in der Pause Linksverteidiger Tzavellas raus und brachte mit Gekas einen neuen Mittelstürmer, dafür ging Samaras auf die linke Angriffs- und Holebas auf die linke Abwehrseite. So wollte er mehr Zug Richtung bosnischen Strafraum bringen – doch konnte diese Maßnahme nicht greifen, ehe Džeko, wieder nach einem Freistoß, das 3:0 markierte. Die Entscheidung.

Nach einer kurzen Orientierungsphase kontrollierte Bosnien also den stärksten Gruppengegner und gewann hochverdient. Damit führt man die Gruppe dank der hervorragenden Tordifferenz de facto vier Punkte vor den Griechen an und hat bereits beide Spiele gegen diese absolviert. Es sollte als endlich mit einer Endrunde klappen.

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Polen – Ukraine 1:3 (1:3). Piszczek 17; Jarmolenko 2, Gusev 6, Sosulia 45.

Polen - Ukraine 1:3 (1:3)
Polen – Ukraine 1:3 (1:3)

Die beiden Gastgeber der letzten EM sind in ihrer Gruppe (gegen England und Montenegro) beide schon ziemlich im Hintertreffen – sowohl für Polen als auch für die Ukraine war das ein Spiel der letzten Chance.

Der Schlüssel, um mit Polen umzugehen, hat sich seit der EM nicht verändert: Die extrem starke rechte Seite mit Piszczek und Błaszczykowski muss kontrolliert werden, denn der Rest der Mannschaft genügt internationalen Ansprüchen nicht. Michailo Fomenko, der das Amt des ukrainischen Teamchefs von Oleg Blochin übernommen hatte, ließ sich auch etwas einfallen: Ein extrem schiefes 3-4-3, mit dem die starke polnische Seite personell in Unterzahl gestellt werden sollte.

Während also Andrej Jarmolenko de facto alleine die rechte Angriffsseite beider Ukraine bildete und sich mit dem unauffälligen Rybus und dem schwachen Boenisch vor allem in der Anfangsphase einen Spaß machte, blieb mit Shevchuk der linke Wing-Back hinten und achtete auf Błaszczykowski, während Linksaußen Gusev an der Seitenlinie blieb und sich um Piszczek kümmerte. Unterstützt wurden die beiden, wenn es ernst wurde, von Sechser Stepanenko und dem linken Mann in der Dreier-Abwehr, Alexander Kutcher.

Der Clou war, dass dann immer noch mit Fedetski und Khacheridi zwei Innenverteidiger übrig waren, um Lewandowski nicht zur Geltung kommen zu lassen. Zusätzlich spielte den Ukrainern natürlich massiv in die Hände, mit zwei Weitschüssen in den ersten sieben Minuten – die von Boenisch bzw. Wasilewski aber leicht zu unterbinden gewesen wären – blitzschnell 2:0 in Front lagen und sich in der Folge auf die Defensive konzentrieren konnten.

Natürlich kann man Klasse-Leute wie Piszczek und Błaszczykowski nie ganz kaltstellen, wie die hervorragend herausgespielte Aktion zum Anschlusstreffer wie Piszczek zeigt, aber im Großen und Ganzen hatte die Ukraine die Angelegenheit im Griff. Und als kurz vor der Pause Boenisch einmal mehr schlief, schlug es durch den fleißig laufenden Stürmer Sosulia von Dnipropetrovsk zum 3:1 für die Ukrainer ein.

Polens Teamchef Waldemar Fornalik, der wie sein Gegenüber nach der EM übernommen hatte, brachte für die zweite Hälfte Kosecki statt Rybus und ließ den neuen Mann deutlich höher agieren, um Jarmolenko effektiver nach hinten zu drücken. Weil aber erstens mit Fedetski der rechte Mann in der Dreierkette der Ukraine mehr aufrückte und zweitens Boenisch weiterhin grobe Schwächen im Zweikampf und auch im Positionsspiel zeigte, kam Polen trotz des Wechsels nicht zurück ins Spiel – im Gegenteil, die Ukrainer hatten zwei Topchancen und hätten schon 5:1 führen können, als nach einer Stunde mit Obraniak ein neuer Zehner bei den Polen kam.

Fomenko reagierte prompt und brachte Tymoschuk statt des müdegelaufenen Stepanenko. So wurde Obraniak neutralisiert – und die Ukrainer kontrollierten den 3:1-Sieg ohne gröbere Probleme über die Zeit. Nach dem Punktverlust in Moldawien und der Heimniederlage gegen Montenegro wahrte die Ukraine somit die verbliebene Mini-Chance, aber es wurde auch deutlich, dass die spielerischen Mittel begrenzt sind – und man wird nicht in jedem Spiel zwei Weitschuss-Tore erzielen und danach kontern können.

Eine Teilnahme an der WM ist für die Ukrainer damit ebenso unwahrscheinlich wie für die Polen. Mit einer Heimniederlage gegen die Ukraine im Gepäck werden wohl zwei Überraschungen gegen England und Montenegro nötig sein, um nach von der Endrunde träumen zu dürfen. Dafür ist die Mannschaft mit der Konzentration auf die rechte Seite aber wohl zu berechenbar.

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Tschechien – Dänemark 0:3 (0:0). Cornelius 57, Kjær 67, Zimling 82.

Tschechien - Dänemark 0:3 (0:0)
Tschechien – Dänemark 0:3 (0:0)

Jeweils Unentschieden gegen die seit Jahren wertlosen, sich aber auf dem Weg nach oben befindenden Bulgaren bedeuteten sowohl für Tschechien als auch für Dänemark einen eher durchwachsenen Start in die WM-Quali.

Grundsätzlich haben sich aber beide Teams gegenüber der EM nicht großartig verändert. Tschechien ist weiterhin ein eher gesichts- und konturloses Team: Keine glanzvollen Spieler, kein ungewöhnliches System, kein besonderes Flügelspiel. Ein ordentliches, aber nicht brutales Pressing gegen die gegnerische Spieleröffnung. Solide Arbeiter, die aber auch keinen Kampf-Fußball zeigen. Auf die Frage, wofür das tschechische Team Anno 2013 steht, wird man eher ratlose Blicke ernten.

Und auch die Dänen sind sich treu geblieben: Ein 4-4-1-1 mit extrem nach vorne pushenden Außenverteidigern, die von einem zwischen die Innenverteidiger abkippenden Sechser (in diesem Fall Stokholm) abgesichert werden; einrückende Außenstürmer, in Eriksen einen trickreichen, aber noch immer nicht besonders gefährlichen zentralen Gestalter – und vorne ein Pflock von einem Stürmer. In Abwesenheit des nach einer Alko-Fahrt suspendierten Bendtner ist das der Shooting-Star der dänischen Liga, Andreas Cornelius vom FC Kopenhagen.

Dadurch, dass beide Teams darauf achteten, die Räume zwischen Mittelfeld und Abwehr eng zu halten, war im Spiel nach vorne jeweils erhöhte Präzision gefordert. Die es aber nicht gab: Viele schlampige Abspiele (vor allem von Jørgensen und Krohn-Dehli) und die Tatsache, dass Eriksen von Plašil und Darida gut in Schach gehalten wurde, hinderte die Dänen an Torchancen.

Aber auch die Tschechen konnten sich nicht nach vorne kombinieren, weil immer ein Däne da war, der das zu verhindern wusste. Mit ihrer sehr kompakten und taktisch äußerst disziplinierten Defensiv-Arbeit im Mittelfeld schafften es so auch die Skandinavier, von Tschechien nicht nachhaltig in Gefahr gebracht zu werden. Die Folge: Ein zwar intensives, aber in Ermangelung von konkreten Aktionen nicht besonders unterhaltsames Spiel und ein logisches 0:0 zur Pause.

In der zweiten Hälfte stieg bei Dänemark nach vorne die Konzentration und damit auch die Genauigkeit und Cornelius drosch bei seinem Start-Elf-Debüt nach knapp einer Stunde einen Ball, der ihm eher zufällig an der Strafraumgrenze vor die Füße gefallen war, unhaltbar für Cech in den Winkel. Der tschechische Teamchef Bilek brachte im Gegenzug mit Rosický einen echten Gestalter statt Kämpfer Jiráček. Ein guter Wechsel, denn in das auffallend unkonkrete Offensiv-Spiel der Tschechen kam sofort viel mehr Direktheit und Zug zum Tor.

Die Gastgeber waren also drauf und dran, das Spiel auszugleichen, als Simon Kjær nach einem Eckball per Kopf das 2:0 erzielte. Das lässt sich eine so kompakte Mannschaft wie jene der Dänen natürlich nicht mehr nehmen – und Zimlings 3:0 in der Schlussphase machte den Deckel drauf.

Was nichts daran ändert, dass es ein seltsames Spiel war. Keines der beiden Teams wusste wirklich zu überzeugen und vor allem in der Offensive ist extrem viel pures Stückwerk. Dennoch: Bei den Dänen ist ein konkreterer Plan zu erkennen als bei den Tschechen, denen in der Startformation eklatant die Kreativität und die Qualität im gegnerischen Strafraum abgeht. Mit David Lafata muss ein Stürmer ran, der vor Jahren bei der Wiener Austria keinen bleibenden Eindruck hinterließ.

Aber trotz des 3:0-Erfolgs vermittelte auch Dänemark nicht den Eindruck, dass man zwingend viel Geld auf eine WM-Teilnahme setzen sollte. Freilich: Viel dramatisch negatives ist resultatsmäßig noch nicht passiert (Remis gegen Tschechien und in Bulgarien, Niederlage in Italien). Aber dieser Sieg war auch das erste positive Ausrufezeichen. Sollte im nächsten Spiel daheim gegen Bulgarien ein weiterer Dreier folgen, stimmt der Fahrplan in Richtung Play-Off.

(phe)

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Ajax zeigt sich als äußerst spannendes Team – Dortmund siegt dennoch https://ballverliebt.eu/2012/09/18/ajax-zeigt-sich-als-auserst-spannendes-team-dortmund-siegt-dennoch/ https://ballverliebt.eu/2012/09/18/ajax-zeigt-sich-als-auserst-spannendes-team-dortmund-siegt-dennoch/#comments Tue, 18 Sep 2012 21:45:23 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7882 Ajax zeigt sich als äußerst spannendes Team – Dortmund siegt dennoch weiterlesen ]]> Deutscher Meister gegen holländischer Champ – und klar war: Wer eine Chance haben will, gegen Real und Man City im Kampf ums Achtelfinale einzugreifen, muss das Spiel gewinnen. Ajax schaffte es mit einer sehr geschickten und hochinteressanten Spielanlage, das Pressing von Dortmund zu neutralisieren. Einer geschickten Umstellung des BVB konnte man aber nichts mehr entgegen setzten. So kam die Borussia zum 1:0-Sieg.

Borussia Dortmund – Ajax Amsterdam 1:0 (0:0)

Beim deutschen Meister spielten erstmals Mario Götze und Neuzugang Marco Reus gemeinsam in der Start-Elf. Götze war dabei auf der Zehn postiert, agierte in dieser Position allerdings nicht ganz so hoch wie Kagawa in der letzten Saison. Reus kam von der linken Seite. Ansonsten ist es ausnahmslos jedes Personal, das zuletzt das Double geholt hatte.

Und die Borussia spielte von Beginn an, wie man es von ihr kennt, mit aggressivem Angriffs-Pressing. Das bereitete Ajax in der Anfangsphase auch durchaus Probleme: Aus der De-facto-Dreierkette, die die beiden Innenverteidiger Moisander und Alderweireld mit dem sich fallen lassenden Christian Poulsen bildeten, gab’s zunächst kaum ein nach vorne kommen.

Dass Dortmund diesen Vorteil nicht in größere Chancen ummünzen konnte, lag an der engagierten Abwehr-Arbeit des holländischen Meisters – zumeist war noch ein Bein im Weg und verhinderte den letzten Pass. Die restliche Mannschaft bei Ajax war so allerdings gezwungen, weiter nach hinten zu rücken, als ihr Lieb war. So konnte zwar etwas mehr Ballsicherheit hergestellt werden, aber wenn der Ball man halbwegs an der Mittellinie war, gab es keine Ajax-Akteure mehr, die vor dem Ball waren.

Ajax macht’s breit

Der Champion aus der Eredivise hatte eine sehr interessante Taktik, die sich gegen das Pressing von Dortmund nach rund einer Viertelstunde immer mehr bezahlt machte. Ajax machte das eigene Spiel extrem breit, das Begann schon ganz hinten. Dort rückte eben Sechser Christian Poulsen zwischen und oftmals hinter die Innenverteidiger, die so extrem weit nach außen schieben konnten. Das wiederum erlaubte den Außenverteidigern, sich fast wie Wing-Backs nach vorne zu orientieren. Die Außenstürmer standen in der Regel ebenfalls sehr weit außen.

Am interessantesten war aber die Spielweise des verbleibenden Duos im Mittelfeld. In der Arbeit gegen den Ball, vor allem wenn Dortmund von hinten heraus das Spiel eröffnen wollte, standen Eriksen und De Jong sehr eng und verhinderten so flache Bälle durch die Mitte auf Götze oder gar Lewandowski. Im Ballbesitz hingegen rissen die beiden oft extrem weit auseinander – sowohl horizontal, als auch vertikal.

Interessantes Mittelfeld, Falsche Neun

Diese oftmals massiven Abstände zwischen den einzelnen Spielern erschwerten Dortmund zusehens ein effektives Pressing. Um den erwünschten Druck aufzubauen, wäre ein vielfaches der ohnehin schon exorbitanten Laufarbeit nötig gewesen. Um sich nicht schon in der ersten halben Stunde totzulaufen, ließ die Borussia alsbald vom Pressing ab, ließ Ajax den Ball in der Abwehr hin und herschieben, ließ den Holländern Zeit am Ball. Den ersten Kampf hatte der Gast damit gewonnen.

Christian Eriksen, Supertalent aus Dänemark, bewegte sich vorwiegend vertikal, rückte auf, trug das Spiel gemeinsam mit Blind und Boerrigter gut nach vorne. Das bereitete Kehl Probleme und verhinderte zudem, dass sich Piszczek groß nach vorne einschalten konnte. Kapitän Siem de Jong hingegen war deutlich mehr horizontal unterwegs, und deutlich weiter hinten. Er hatte das Spiel eher vor sich und konnte Pässe abfangen, die vor allem Götze zum Ziel hatten.

Vorne spielte Ryan Babel nominell als Spitze, viel eher war der Neuzugang aus Hoffenheim aber eine Falsche Neun. Er spielte sehr tief, entzog sich so der Umklammerung von Subotic und Hummels. Zudem konnte er so im Mittelfeld den zahlenmäßigen Nachteil von Ajax ausgleichen, beschäftigte mit Gündogan den anderen Dortmunder im defensiven Mittelfeld. Durch geschicktes Spiel über die Außen und die herausragende Technik von Eriksen gelang es Ajax bis zur Halbzeit, das Spiel absolut ausgeglichen zu gestalten. Man fand sogar zwei gute Chancen vor, in Führung zu gehen.

Hummels rückt auf

Ganz offensichtlich hat Dortmund-Trainer Jürgen Klopp das Problem im Mittelfeld erkannt und reagierte für die zweite Halbzeit darauf. Das Innenverteidiger-Duo war in der ersten Hälfte zumeist zu zweit gegen keinen Gegenspieler gestanden. Also nahm Dortmund nach dem Seitenwechsel das Risiko, einen der beiden – zumeist war es Hummels – ins Mittelfeld aufrücken zu lassen und neben Kehl de facto den zweiten Sechser zu geben. Das wiederum erlaubte es Ilkay Gündogan, sich weiter nach vorne zu orientieren.

So brachte Dortmund eine numerische Überlegenheit in jeden Bereich, in dem Ajax zuvor durch die geschickten Laufwegen von Erisken und De Jong einen Vorteil hatten. Damit konnte auch der Druck auf die Spieleröffnung von Ajax erhöht und der holländische Meister nach hinten gedrückt werden. Dortmund hatte ganz klar das Spiel in den Griff bekommen und hätte durch einen Elfmeter nach eine Stunde in Führung gehen müssen, Hummels vergab allerdings kläglich.

Dennoch: Ajax hatte massive Probleme mit der subtilen Umstellung von Dortmund und konnte sich kaum noch befreien. Auch wenn bei der Borussia längst nicht alles funktionierte – so agierte Reus über weite Strecken ähnlich glücklos wie mit der Nationalmannschaft in Österreich, so baute Kuba Blaszczykowski nach einer starken Anfangsphase bedenklich ab, so fehlte es in der letzten Konsequenz an der nötigen Eigenverantwortung beim Suchen des Abschlusses.

Ehe Robert Lewandowski die Borussia kurz vor Schluss mit seinem Tor zum 1:0-Endstand doch noch erlöste.

Fazit: Ajax interessanter, Dortmund mit höherer Klasse

Die Spielanlage von Ajax unterschied sich deutlich von vielem, was man sonst dieser Tage so zu sehen bekommt: Extrem breit angelegt, mit seinem in Ballbesitz massiv auseinanderdriftenden Mittelfeld, ohne einen echten Stürmer. Gerade mit der markanten Breite im Spiel und den großen Abständen ließ Ajax das Pressing von Dortmund lange weitgehend ins Leere laufen.

Dass Dortmund letztlich dennoch als Sieger vom Platz ging (und angesichts der Gruppen-Konkurrenz namens Real Madrid und Manchester City den holländischen Meister damit im Grunde wohl schon aus dem Bewerb kegelte), hängt mit zwei Faktoren zusammen: Der klugen Adaptierung von Dortmund in der zweiten Hälfte und der über die ganze Mannschaft gesehen höheren individuelle Klasse des deutschen Meisters.

Der letztlich nicht unverdient gewinnt. Aber dennoch muss man vor Ajax den Hut ziehen.

(phe)

 

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