Dutt – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Sat, 27 Aug 2011 23:54:12 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Mit Gündogan spielt es sich anders https://ballverliebt.eu/2011/08/28/mit-gundogan-spielt-es-sich-anders/ https://ballverliebt.eu/2011/08/28/mit-gundogan-spielt-es-sich-anders/#comments Sat, 27 Aug 2011 23:32:34 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5591 Mit Gündogan spielt es sich anders weiterlesen ]]> Nuri Sahin ist nicht mehr da – darum holte sich der deutsche Meister Dortmund Ilkay Gündogan. Dieser gibt dem Zentrum des BVB jedoch eine andere Note. Harmoniert hat das bei Vizemeister Leverkusen nicht: Man bekam das Offensiv-Quartett kaum ins Spiel. So gab’s „nur“ ein 0:0.

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund 0:0

Vizemeister gegen Meister – nicht nur von der Ausgangsposition ein absolutes Highlight in der frühen Phase der Bundesliga-Saison. Sondern auch und vor allem für Leverkusen eine große Chance, aufzuzeigen – denn beim letzten Treffen am ersten Spieltag der vergangenen Rückserie vor acht Monaten gab es ordentlich einen auf die Rübe – der damalige Trainer Jupp Heynckes hatte sich vertan.

Ähnliche Formation, weitgehende Neutralisation

Das 1:3 vom 14. Januar 2011

Sein Nachfolger Robin Dutt machte nicht den Fehler, den zentralen Offensivmann bei der Borussia so frei zwischen den Reihen marodieren zu lassen, wie das im Januar Mario Götze konnte. Damals fehlte es durch das flache 4-4-2 an der Hilfe im Mittelfeld, sodass Rolfes und Lars Bender zwischen Sahin und Götze aufgerieben wurden, die beiden Stürmer vorne hingen hingegen komplett in der Luft.

Dutt stellte nun seinerseits ein 4-2-3-1 auf das Feld, das jenem von Dortmund sehr ähnlich war, auch im Verhalten gegen den Ball. Denn da wurde aus beiden Formationen recht flink ein 4-4-1-1, in dem Kagawa bzw. Renauto Augusto als hängende Spitzen etwas höher verblieben.

Dortmund presste, wie man das von der Borussia kennt, vom Anpfiff weg brutal gegen den Gegner, sobald dieser das Spiel von hinten zu eröffnen versuchte. Ruhe gaben sie erst, sobald Leverkusen den Ball halbwegs tief in der Dortmunder Hälfte hatte. So war Bayer gezwungen, entweder schnell (und dabei oft überhastet) durch das Mittelfeld zu kommen, oder den langen Ball zu spielen.

Hatte Dortmund den Ball, doppelte wiederum Leverkusen durchaus konsequent. Einziger Bereich, in dem sich immer wieder etwas Raum auftat, war die Abwehrseite von Castro und Schürrle: Hier wurde öfters so weit eingerückt, sodass Schmelzer und Großkreutz durch halbweite Bälle aus dem Zentrum gefahrlos anzuspielen waren. Castro machte dann aber einen guten Job, den Raum sofort zu schließen.

Gündogan ist kein Sahin

Die Mannschaft von Dortmund spielte mit zehn Spielern, die auch in der überragenden Meistersaison elementare Stützen der Mannschaft waren. Nur einer war neu: Ilkay Gündogan, der im Sommer aus Nürnberg kam, um auf der Position des zu Real Madrid abgewanderten Nuri Sahin zu spielen. Das hatte zur Folge, dass das Spiel des BVB fast genauso aussah wie in der vergangenen Spielzeit – heftiges Pressing, schnelles Umschalten, fleißige Außenverteidiger – nur der Punch aus dem zentralen Mittelfeld fehlte.

Sahin ist ein sehr eleganter, dabei aber ungemein energiegeladener Achter, der die intelligenten Pässe nach vorne spielen kann. Ihm war es zu verdanken, dass in der Meistersaison die Spieler, die vor ihm auf der Zehn aufgestellt waren (also im Herbst Kagawa, nach dessen Verletzung beim Asiencup dann Götze) so dermaßen glänzen konnten. Gündogan ist ein etwas anderer Spielertyp: Er ist nicht der begnadete Spieleröffner, der Sahin ist, sondern mehr ein Spielverlagerer.

Gündogans Pässe gegen Leverkusen (Grafik: dfl.de)

In der ersten halben Stunde war Gündogan praktisch gar nicht im Spiel, da segelten die Bälle reihenweise an ihm vorbei. Erst allmählich fand der Deutsch-Türke in die Partie, er schaffte es aber nicht, den diesmal sehr effektiv zwischen Lars Bender und Simon Rolfes eingezwängten Kagawa in Szene zu setzen. Und auch seine Wechselpässe, mit denen er das Spiel verlagerte, öffneten den Raum nicht wirklich – Bayer hatte sich hervorragend eingestellt. Nach vorne konnte Gündogan kaum spielen, die Querpässe blieben ohne nachhaltige Wirkung.

Ähnliches Spiel bis zu den Ausschlüssen

Auch nach dem Seitenwechsel schaffte es Leverkusen, Gündogan nicht nur die Anspielstationen, sondern auch die Zeit am Ball zu nehmen, wodurch das Angriffsspiel des Meisters auch weiterhin nicht zur gewohnten Gefährlichkeit kommen könnte. Andererseits ließ bei Dortmund die Aggressivität nach, sodass sich bei Leverkusen die zuvor deutlich unterdurchschnittliche Passquote erholen konnte und man Dortmund auch vermehrt hinten beschäftigen konnte. So hatte Leverkusen in dieser Phase mehr vom Spiel, aber Dortmund verzeichnete die etwas besseren Chancen, die der von Stuttgart geholte Adler-Ersatz Bernd Leno die eine oder andere Talentprobe abliefern konnte.

Das Spiel wurde dann durch die beiden Ausschlüsse etwas abgetötet. Leverkusens Linksverteidiger Kadlec flog nach einem rüden Tackling an Götze vom Platz, doch bevor Dortmund wirklich Kapital daraus schlagen konnte, erwischte es wenige Minuten später auch Götze selbst – seit seinem starken Länderspiel gegen Brasilien kommt der Jungstar nicht mehr so richtig zur Geltung, droht in ein Loch zu fallen.

Jedenfalls reagierten beide Trainer gleich, indem sie ihre Zehner aus dem Spiel entfernten und dafür die freigeworgenen Plätze nachbesetzten (also Balitsch für Renato Augusto bei Leverkusen und Blaszczykowski für Kagawa bei Dortmund). Mut zum Risiko bei zehn gegen zehn gab es dann aber bei keinem Team mehr.

Fazit: Andere Note im BVB-Mittelfeld – ganz klappt’s noch nicht

Es war kein wirklich aufregendes Spiel, aber dank der Erkenntnisse über das etwas umbesetzte Mittelfeld-Zentrum bei Dortmund kein ganz uninteressantes und unwichtiges. Gündogan hatte vergleichsweise harmlos 67 Ballkontakte, konnte kaum Angriffe lancieren, Kagawa nicht einsetzen und auch die Außenstürmer nie wirklich steil schicken. Der Neuzugang aus Nürnberg blieb unauffällig und so fehlte es bei Dortmund markant an Energie aus der Zentrale. Das könnte gerade gegen starke Gegner im Laufe der Saison durchaus zu einem Problem werden.

Leverkusen selbst machte trotz der exzellenten Arbeit im Mittelfeld relativ schnell den Eindruck, mit einer Punkteteilung durchaus leben zu können und nach dem Ausschluss verfestigte das natürlich. Robin Dutt hat gezeigt, dass er durchaus in der Lage ist, auf nominell stärkere Gegner ein griffiges und funktionierendes Gegenmittel zu finden und mögliche Schwachstellen gut auszumachen.

Jetzt muss er nur noch die leidige Ballack-Situation lösen – denn der murrende Alt-Star wurde nicht nur nicht vermisst, im Gegenteil, mit ihm wäre dieses Konzept nur schwer durchzuziehen gewesen. Dazu ist Ballack einfach nicht mehr schnell genug.

(phe)

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Freiburg zeigt, wie’s gehen könnte https://ballverliebt.eu/2010/11/20/freiburg-zeigt-wies-gehen-konnte/ https://ballverliebt.eu/2010/11/20/freiburg-zeigt-wies-gehen-konnte/#comments Sat, 20 Nov 2010 17:18:24 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3289 Freiburg zeigt, wie’s gehen könnte weiterlesen ]]> Vierter gegen Erster – wer vor der Saison gewettet hätte, dieses Attribut würde auf Freiburg gegen Dortmund zutreffen, wäre jetzt wohl reich. In diesem Spiel hatte Freiburg die bessere erste Hälfte, aber weil BVB-Coach Klopp in der Pause richtig reagierte, drehte sich das Spiel danach komplett.

SC Freiburg - Borussia Dortmund 1:2 (1. Hälfte)

Als „Überraschungsteams“ kann man beide Mannschaften in dieser Bundesliga-Saison betrachten. Zugegeben, bei Dortmund war zu erwarten, dass das Team von Jürgen Klopp eine gute Rolle spielen würde – nun ist der BVB aber überlegener Tabellenführer. Und Freiburg war als Abstiegskandidat in die Saison gegangen, dank der starken Arbeit von Trainer Robin Dutt – auch er einer der jungen, modernen Generation von Trainern, die sich in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr durchsetzten – liegt der als kleiner Klub mit begrenzten finanziellen Mitteln mitunter etwas belächelte Klub nach 12 Spieltagen auf einem sensationellen vierten Tabellenplatz.

Freiburg hatte zu Beginn allerdings einiges an Problemen. Vor allem der Sechser Julian Schuster stand immer so ein wenig zwischen den Stühlen. Denn wenn Kagawa sich weiter in die Spitze orientierte, ließ er sich weiter fallen – was vor allem Nuri Sahin, aber auch den nach innen ziehenden Großkreutz und Götze Raum gab. Ließ er von Kagawa ab und stand höher, hatte der qurilige und enorm spielintelligente Japaner den Platz, den er benötigte. Vor allem Toprak ließ sich dadurch immer wieder aus der Innenverteidigung ziehen, was Barrios wiederum Räume ermöglichte.

Zudem zog Dortmund das gefürchtete Pressing bis zur gegnerischen Torlinie oftmals so konsequent durch, dass Bastians diverse Male parallel zur Linie riskante Rückpässe auf Freiburg-Goalie Oliver Baumann spielen musste. Wirklich in echte Torchancen ummünzen konnte der Tabellenführer diese grundsätzliche Überlegenheit aber nicht. Im Gegenteil, Freiburg spielte sich vor allem über die rechte Seite des Weißrussen Anton Putsila immer wieder schön nach vorne, auch der extrem laufstarke Solo-Stürmer Papiss Cissé konnte sich immer wieder anbieten.

Dennoch war die Leistung beider Teams lange geprägt von großer Ungenauigkeit, es kam kaum ein flüssiges Spiel zu Stande. Das änderte sich erst, als Freiburg in Führung ging – durch ein Tor, das nie hätte fallen dürfen. Erst wurde ein simpler Ausrutscher mit einem Freistoß belohnt, dann wurde Dortmund-Goalie Weidenfeller an der Fünfmeterraum-Grenze gerempelt, und zu guter Letzt traf Subotic beim Rettungsversuch Hummels, von dem der Ball ins Tor ging.

Freiburg fand mit der Führung im Rücken deutlich besser ins Spiel. Mit Makiadi und Abdessadki rückten die beiden zentralen Spieler der Mittelfeldkette etwas nach vorne, konnten so Sahin und Bender beschäftigen und somit kontrollieren konnten. Somit hatte Schuster nun die Sicherheit, ohne allzu große Gefahr Kagawa zu vernachlässigen – weil der Japaner von den Versorgungswegen abgeschnitten war. Das Heimteam kontrollierte das Spiel bis zur Halbzeit recht sicher und brachte die 1:0-Führung in die Kabine.

Freiburg - Dortmund 1:2 (2. Hälfte)

Dort reagierte Klopp auf die Tatsache, dass Kagawa zunehmend isoliert war. Er zog Götze zum Japaner in die Zentrale, um den vor der Pause immer stärker werdenden Schuster mit zwei Spielern zu überfordern. Die so frei gewordene linke Seite füllten nund Schmelzer und Sahin in Gemeinschaftsarbeit. Mit sofortiger Wirkung: Dortmund drückte die Freiburger nun brutal hinten hinein und kam schnell zu einigen wirklich guten Ausgleichschancen. Zudem war durch die nun deutlich offensivere Ausrichtung Makiadi nun deutlich mehr mit Bender beschäftigt – umgekehrt zur ersten Hälfte. Auch Abdessadki hatte nun kaum noch Gelegenheiten, Cissé in Szene zu setzen. Von einigen Kontern abgesehen, war Dortmund am Drücker.

Klopp änderte seine neue Formation auch nicht wirklich, als Blaszczykowski (statt des diesmal eher schwachen Großkreutz) und Lewandowski (statt Kagawa) eingewechselt wurden. Freiburg-Coach Dutt versäumte es, auf das deutlich verschobene Gleichgewicht im Mittelfeld zu reagieren, und so war es nur verdient, als Dortmund in der 75. Minute dann doch zum Ausgleich kam. Der weit aufgerückte Linksverteidiger Schmelzer flankte einen Ball in die Mitte, wo der eben erst eingewechselte Lewandowski den Ball zum 1:1 verwerten konnte.

Nun stellte Dutt doch um: Mit Reisinger (für Makiadi) kam ein zweite echter Stürmer, die Formation wurde ein 4-1-3-2. Was ein Zeichen hätte sein sollen, dass man mit einem Remis nicht ganz zufrieden ist, wurde allerdings von der ersten Aktion nach dem Wechsel torpediert – diesmal war es Rechtsverteidiger Piszczek, der nach innen flankte, und Mujdza per Eigentor vor Barrios und Götze ins eigene Tor zum 2:1 für Dortmund. Innerhalb von drei Minuten hatten die Borussen das Spiel gedreht. Mit Pech für Freiburg, denn hinter Mujdza stand Götze auf eine Weise im Abseits, die sicher nicht als „passiv“ bezeichnet werden kann.

Freiburg warf mit dem zweiten Stürmer (und neuen Flügelspielern) nun noch alles nach vorne, was Dortmund den Raum zur vermeintlichen Entscheidung gab. Aber den Konter schließt Blaszczykowski mit einem unglaublichen Fehlschuss über das Tor ab. Was sich beinahe gerächt hätte – denn in der Nachspielzeit hatte Julian Schuster mit einem Kopfball noch die Riesenchance auf den Ausgleich. Weil er aber nur die Latte traf, blieb es beim 2:1-Sieg für Dortmund.

Fazit: Dortmund hat das Spiel verdient gewonnen, weil Klopp mit seinen Umstellungen in der Halbzeit alles richtig gemacht hat und Robin Dutt mit seiner Reaktion viel zu lange gewartet hat – nämlich, bis der Ausgleich gefallen war. Freiburg machte in der ersten Hälfte vieles richtig, war aber nach dem Seitenwechsel zu lange nicht in der Lage, sich vom Dortmunder Druck zu befreien. Der SCF zeigte, wie man Dortmund schlagen könnte – hielt es aber nicht durch.

Wiederum sichtbar wurde allerdings, warum der BVB die Bundesliga mit sieben Zählern Vorsprung recht ungefährdet anführt.

(phe)

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