casillas – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Mon, 16 Jul 2018 17:30:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Europas „Große“ bei der WM: Zwei stark, einer so naja – aber drei griffen völlig in den Dreck https://ballverliebt.eu/2014/07/19/zwei-stark-einer-so-naja-aber-drei-von-europas-grossen-griffen-voellig-in-den-dreck/ https://ballverliebt.eu/2014/07/19/zwei-stark-einer-so-naja-aber-drei-von-europas-grossen-griffen-voellig-in-den-dreck/#comments Sat, 19 Jul 2014 00:24:38 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=10440 Europas „Große“ bei der WM: Zwei stark, einer so naja – aber drei griffen völlig in den Dreck weiterlesen ]]> Erst Italien, dann Spanien, nun Deutschland: Wenn man nur rein die Siegerliste betrachtet, die die letzten drei WM-Turniere hervorgebracht haben, sieht das nach einer brutalen europäischen Dominanz aus. Die Wahrheit ist aber viel eher: Die Breite an gutklassigen Teams macht’s. Denn genau wie schon 2006 und 2010 haben auch diesmal einige von Europas Big Guns ziemlich daneben gegriffen – am kolossalsten natürlich Titelverteidiger Spanien. ABer ein Europäer kommt halt immer durch. Das war diesmal eben Deutschland. Und das verdient.

Deutschland: Krönung eines langen Weges

Das war kein Glücksrittertrum wie beim eher zufälligen Finaleinzug 2002, das war von langer Hand geplant und ist eigentlich zwei Jahre zu spät gekommen. Seit Löw vor zehn Jahren zur Nationalmannschaft kam, wurde um einige Stützen herum konsequent ein über Jahre hinweg eingespieltes Team geformt. Lahm, Schweinsteiger und Klose waren von Beginn an dabei, der Rest wuchs homogen dazu, und im richtigen Moment ging es auch auf.

Deutschland
Deutschland: Als Khedira und Schweinsteiger fit genug waren, beide 90 Minuten durchzuhalten, durfte Lahm endlich nach rechts hinten. Von da an hatten die Gegner keinen Spaß mehr.

Dabei ist Löw ein großes Risiko gegangen, nach einigem Experimentieren sich so spät – nämlich erst ein halbes Jahr vor der WM – auf das bei den Guardiola-Bayern praktizierte 4-3-3 zu verlegen. Er hatte mit sechs bis sieben Bayern-Spielern einen großen Block, der das Gerüst darstellte und in der Vorbereitung klappte es nicht immer nach Wunsch. Auch, weil Löw Lahm wie bei den Bayern in die Mitte stellte, obwohl damit eine Baustelle rechts hinten aufgemacht wurde.

Der Gamble zahlte sich aus. Als sich Khedira (nach Kreuzbandriss im Herbst) und Schweinsteiger (nach vielen Blessuren in den letzten Jahren) halb durchs Turnier fit für 90 Minuten meldete, konnte er endlich Lahm dorthin stellen, wo es für das Team am Besten war. Mit Erfolg: Gab es davor mit allerhand Notvarianten auf rechts hinten (Boateng, Mustafi) eher Bauchweh, flutschte es mit Lahm dort – und das Mittelfeld-Trio mit Schweinsteiger, Khedira und Kroos blühte auf.

Löw war flexibel genug, sich kurz vor dem Turnier auf das 4-3-3 draufzusetzen, aber stur genug, um im ganzen Turnier mit der Ausnahme der zweiten Hälfte des Finales zu keiner Minute davon abzurücken, egal, in welcher personellen Aufstellung, egal, wie sehr auch erschreckend viele Medien das ab dem Viertelfinale offiziell angegebene 4-2-3-1 blind übernahmen.

Der Titel ist vor allem für Löw eine Genugtuung, weil ihm in Deutschland immer wieder vorgehalten wurde, mit seinem intellektuellen Zugang, seinem Faible für flache Hierarchien und ohne, wie sich Leute wie Effenberg gerne bezeichnet, „Typen“ (wiewohl etwa Müller und Schweinsteiger durchaus etwas zu sagen haben), zu weich und zu wenig Siegermentalität für einen großen Titel mitzubringen. Für die nun endgültig große Generation war er der Höhe- und gleichzeitig der Schlusspunkt: Lahm hat nach zehn Jahren im Nationalteam mit 116 Länderspielen adé gesagt, Klose wird sicher folgen, auch bei Schweinsteiger wäre das keine Überraschung und Podolski war bei dieser WM bestenfalls ein Nebendarsteller.

Wenigstens kommt Löw dann nicht in die Verlegenheit, aus überzogener Loyalität zu lange an zu vielen alten Recken festzuhalten.

Niederlande: Eine Bronzemedaille für Van Gaals Ego

Nicht wenige bezeichneten diese WM als gigantischen Ego-Trip des neuen Manchester-United-Managers Louis van Gaal. Er hat für dieses Turnier den holländischen Fußball einmal auf links gedreht und alles anders gemacht, als es die Granden bei Oranje für gut befanden. Dreiekette und Konterfußball statt 4-3-3 und schöngeistigem Spiel, dazu eine Horde von international unbekannten und unerfahrenen Leuten in der Defensive. Keine Frage, Van Gaal ging großes Risiko. Mit Aktionen wie dem Torhüter-Tausch in der 120. Minute im Viertelfinale gegen Costa Rica ebenso wie mit dem generellen Stil.

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Holland: Konsequent mit drei Innenverteidigern und Konterfußball. Das Risiko ging auf, weil das Star-Offensiv-Trio vorne die Räume gut nützte.

Vor allem, weil ja angesichts der Gruppengegner Spanien und Chile ein frühes Aus mehr als nur einen Fuß in der Tür der Wahrscheinlichkeiten hatte. Hollands Glück: Im ersten Spiel brach Gegner Spanien völlig auseinander, die Kontertaktik ging voll auf und nach dem unglaublichen 5:1-Erfolg über den Titelverteidiger hatten auch die Spieler selbst den Beweis, dass es mit dem 3-4-1-2-System funktionieren kann.

In der Tat brannte im ganzen Turnier hinten sehr wenig an (Elfmeter-Gegentor gegen Spanien, ein Glücksschuss und ein Elfer gegen Australien, ein Weitschuss gegen Mexiko) und vorne richtete es das individuelle Talent des Dreigestirns mit Sneijder, Robben und Van Persie, das die Räume hervorragend nützte, die angreifende Gegner ihnen anboten. Das war keine besonders aufregende Oranje-Truppe, aber für das vorhandene Spielermaterial passte die sehr pragmatische Herangehensweise.

Das ist natürlich kein Modell für die Zukunft, denn auf Dauer kann es sich ein Bondscoach nur mit Erfolgen leisten, das typisch holländische Spiel derart zu verraten. Zudem ist die Eredivisie ja auch nicht direkt für ihre kompromisslosen Defensiv-Konzepte bekannt – Angriff ist einfach in der orangen DNA.

Lieber verliert man formschön, als dreckig zu gewinnen. Obwohl eine defensive Grundhaltung das Team 2014 fast ins Finale geführt hätte und 2010 eine sehr pragmatische und auch nicht wirklich aufregende Herangehensweise beinahe den Titel gebracht hätte.

Frankreich: Deschamps braucht einen Deschamps

Irgendwie war dieses Turnier aus französischer Sicht nicht Ganzes und nichts Halbes, damit der letzten EM nicht ganz unähnlich. Dabei wäre so viel Talent in diesem Kader, auch der Ausfall von Franck Ribéry (der aber ohnehin eine ziemlich schwache Rückrunde gespielt hatte) wog nicht allzu schwer. Mit Honduras hatte man keinerlei Probleme, die Schweiz nahm man auseinander, aber danach war es wie abgebrochen.

Frankreich:
Frankreich: Seltsam führungslos im Zentrum. Da half auch ein wirklich starker Benzema nicht viel.

Als es hart wurde, also gegen die recht direkten Nigerianer und vor allem dann gegen die geschickt im Mittelfeld agierenden Deutschen, zeigte das zentrale Trio der Franzosen zu wenig Präsenz. Das kann man auch von einem Pogba trotz seines jungen Alters schon erwarten, vor allem hätte aber mehr von Cabaye und Matuidi kommen müssen. Die beiden müssen durchaus als die Verlierer des Turniers aus französischer Sicht gelten, denn beide haben schon ein Alter erreicht, in dem es nicht mehr viele Endrunden zu spielen gibt.

Besonders erschreckend war aber die Tatsache, dass man beim Viertelfinal-Aus gegen Deutschland über sieben Kilometer weniger gelaufen ist als der Gegner, obwohl man 80 Minuten im Rückstand lag. Das ist nicht mit der Hitze zu erklären, die für den Gegner ja genauso war. Das spricht entweder gegen die Fitness der Franzosen oder gegen den Willen. Denn von besonderen Anstrengungen, das Spiel noch herumzureißen, war wenig zu erkennen.

Deschamps fehlte ein Spieler wie Deschamps, ein verlängerter Arm des Trainers im Mittelfeld. Das kann Pogba werden. Noch war es der hoch veranlagte U-20-Weltmeister aber nicht.

England: Ja, die waren auch dabei

Die Three Lions haben so wenig Eindruck hinterlassen, dass man fast vergessen könnte, dass die überhaupt dabei waren. Dabei war die spielerische Intention von Roy Hodgson gar nicht so dermaßen steinzeitmäßig bieder wie das noch vor zwei Jahren der Fall war. Aber die Mischung passte nicht. Die Jungen sind noch zu jung, die alten über dem Zenit und die dazwischen reißen’s nicht heraus.

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England: Nicht Fisch, nicht Fleisch. Produkt eines im Schneckentempo vollzogenen Umbruchs.

Diese drei Gruppen hat Hodgson nicht zu einem funktionierenden Ganzen vereinen können. Rooney im Speziellen ist nach zehn Jahren Spitzenfußball körperlich ruiniert wie andere Anfang, mitte dreißig, dazu wird er seit einigen Jahren sowohl bei United als auch im Nationalteam so wahllos hin- und hergeschoben, dass sich kein Rhythmus einstellen kann. Gerrard hat zwar einen Rhythmus, aber die lange und emotional aufwühlende Saison bei Liverpool hat ihre Spuren hinterlassen.

Die können Henderson, Sterling und Sturridge noch besser verkraften, aber ihnen fehlte zum einen ein Spieler wie sie ihn bei Liverpool in Suárez hatten, und zum anderen der internationale Vergleich, weil sie ja kaum oder noch wenig Europacup gespielt haben. Teams, die von der Insel kommen, spielen halt nicht wie Italiener oder Urus.

Und eine Abwehrreihe mit Baines, Jagielka, Cahill und Johnson ist nichts anderes als aller-grauster Durchschnitt. So hochgelobt Baines seit Jahren wird (warum auch immer), so lange Johnson schon dabei ist – aber England hat mit einiger Sicherheit das schlechteste AV-Pärchen aller europäischen Teilnehmer gehabt. Ihre Vorstöße wirkten beliebig, ihre Flanken hatten zuweilen Regionalliga-Format (vor allem die von Johnson, eine Frechheit).

England wirkt wie in einem Umbruch, der seit vier Jahren im Gange ist und ohne wirkliche Überzeugung betrieben wird. Man will die Alten raushaben, nimmt aber dennoch Gerrard UND Lampard mit. Man ersetzt den gefühlt seit den Achtzigern gesetzten Ashley Cole mit einem Spieler, der nur vier Jahre jünger ist und trotzdem erst eine Handvoll Europacup-Einsätze hinter sich hat. Man kommt endlich vom bald greisen Rio Ferdinand weg, und stellt einen 31-Jährigen und einen 28-Jährigen vor Joe Hart hin.

Der englische Verband blickt seit Jahren voller Bewunderung auf den Erfolg, den Deutschland nach dem radikalen Schnitt 2004 hat. Einen ähnlich radikalen Schnitt zu vollziehen, traut man sich auf der Insel aber nicht. Und genau darum wurschtelt man sich seit Jahren mittenrein in die weltfußballerische Anonymität.

Italien: Mischung aus Klima, Qualität und Form

Langsam war das alles. Die Hitze, sie setzte Andrea Pirlo und Daniele de Rossi schon extrem zu. Nach dem hart erkämpften Auftakt-Sieg gegen England in der Hölle von Manaus gab’s einen erschreckend leblosen Auftritt in der Tropenhitze von Recife, wo man gegen Costa Rica verlor. Und wirkliche Überzeugung und Verve war auch nicht zu erkennen, als man im schwülheißen Natal von Uruguay aus dem Turnier gebissen wurde.

Italien
Italien: Der zweite Außenverteidiger, das langsame Zentrum, biedere Offensiv-Kräfte: Prandelli hatte mit zu vielen Brandherden zu kämpfen.

Da halfen alle taktischen Überlegungen von Fuchs Cesare Prandelli nichts. Die höhere Grundposition von Pirlo, um ihn näher an die Passempfänger zu bringen, ebenso wenig wie der Einsatz von Abschirm-Jäger De Rossi und der Einsatz von Pirlo-Kopie Verratti neben dem alten Herrn. Weil neben dem wirklich braven Darmian es keinen zweiten Außenverteidiger gab, der sinnbringend im Spiel gewesen wäre – nicht der gelernte Innenverteidiger Chiellini, nicht der farblose Abate, nicht der als Wing-Back etwas hilflose De Sciglio.

Was auch ein Problem des Nachwuchses ist. Keine große Liga in Europa hat bei den Kadern der Vereine einen so geringen Anteil an bei den Klubs ausgebildeten Spielern wie die Serie A. Wie in Italien generell üblich, wird lieber an alten, verkrusteten Strukturen festgehalten, als mal etwas Neues zu probieren, weil es immer irgendein Gremium, einen 80-Jährigen Betonschädel, einige polemisierende Medien gibt, die das zu verhindern wissen.

Die Folge ist, dass Prandelli, fraglos einer der besten Trainer des Kontinents, hilflos zusehen musste, wie seine Mannschaft verglühte. Das Erreichen des EM-Finales vor zwei Jahren war kein Zufall, aber die Mischung aus den klimatischen Bedingungen und fehlender Form (wenn etwa Neu-Dortmunder Immobile so spielt, wie er heißt; ein Candreva halt nicht mehr als ein Durchschnitts-Kicker ist, Insigne von seinem Punch genau nichts zeigte, Cassano ein müder Abklatsch von 2012 ist und mit Parolo ein 29-Jähriger neu in den Kader kommt) killte Italien.

Spanien: „Generation Xavi“ entmachtet

Es kommt die Zeit, da bricht alles irgendwie in sich zusammen. Zumindest oft. Das war bei Frankreich 2002 so, das war bei Italien 2010 so, und jetzt hat’s die Spanier erwischt. Zu lange festgehalten an einer Spielweise, die die alternden Spieler nicht mehr auf dem höchsten Niveau zu spielen im Stande waren. Und gerade beim Ballbesitz-Fußball spanischer Prägung ist das unbedingt vonnöten.

Spanien
Spanien: Die Änderungen nach dem 1:5 gegen Holland waren zu spät und halfen zu wenig.

Aber Xavi wurde von den geschickten Holländern so kontrolliert, dass er danach nicht mehr ins Geschehen eingriff. Xabi Alonso nahm von den wie wild pressenden Chilenen ein veritables Trauma mit. Und ohne diese beiden Säulen im Zentrum mäanderte der Rest kopflos durch die Partien. Diego Costa konnte nie so eingesetzt werden, dass er seine Stärken ausnützen hätte können. Zu viele Spieler waren zu langsam oder zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um jenes Gegenpressing zum Funktionieren zu bringen, das ja das eigentliche Erfolgsgeheimnis Spaniens war.

Und vor allem fehlte es dem Abwehr-Duo Ramos und Piqué vor allem gegen Holland, aber auch gegen Chile an der Gedankenschnelligkeit und der Abstimmung – auch, weil Busquets mehr vorne helfen musste als auf die Absicherung nach hinten achten zu können. Die gigantischen Löcher, die entstanden, waren ein Fest für die Holländer und die Hilflosigkeit gegen das chilenische Pressing wurde schnell deutlich.

Das allerdings war schon vorher klar: Von einem mutigen Gegner selbst angepresst zu werden, gefällt den sonst ja selbst pressenden Spaniern gar nicht – wie es etwa Portugal im EM-Halbfinale 2012 machte.

Und dann machte auch noch Iker Casillas jene dämlichen Anfängerfehler, die er nach einem Jahrzehnt auf Top-Niveau zuletzt auch bei Real Madrid immer häufiger wieder eingestreut hatte.

Wie so viele große Trainer vor ihm hat nun also auch Vicente del Boque zu lange an altverdienten Spielern festgehalten. Es sagt sich aber andererseits leicht, er hätte Xavi, Xabi Alonso und womöglich auch Iniesta und Casillas nach drei Titel in Folge eliminieren müssen. Die zu erwartenden Prügel von Medien und Fans will sich niemand antun. Verständlich.

Nicht, dass die Spanien jetzt Sorgen machen müsste – die letzten zwei U-21-Europameisterschaften gewann man, es rückt viel nach. Aber die „Generation Xavi“ ist hiermit an ihrem leider etwas unrühmlichen Ende des Weges angekommen.

Nächste Kontinental-Meisterschaft: Juni 2016 in Frankreich

Die Hälfte von Europas Großen hat komplett enttäuscht, aus den verschiedensten Gründen. Bei England wird sicherlich nichts besser, wenn man weiterhin so lauwarm vor sich hinlebt, bei Italien muss man abwarten, ob Biedermann Mancini übernimmt, Choleriker Conte oder doch Tüftler Guidolin (oder auch ganz wer anderer, Allegri ist ja für die Squadra Azzurra vom Markt). Keiner der drei wird aber die grundsätzlichen Probleme im italienischen Fußball lösen können, da ist der Verband gefragt.

Frankreich braucht für die Heim-EM mehr Persönlichkeiten im Mittelfeld, überall sonst ist die Equipe Tricolore gut aufgestellt. Deutschland wird zumindest zwei, vielleicht sogar drei absolute Schlüsselspieler auf dem Weg zur EM in zwei Jahren ersetzen – ob das ohne Reibungsverluste geht, muss man erst einmal sehen. Erstaunlicherweise sieht aus dem jetzigen Blickwinkel Holland als diejenige Mannschaft aus, die das wenigste Bauchweh haben muss: Der junge Kader hat die Erfahrung einer starken WM, muss praktisch nicht umgebaut werden und Guus Hiddink ist ein ganz erfahrener Trainer, der ein Team völlig anders führt als Van Gaal, sich aber um seine Autorität nicht sorgen muss.

Die Gelegenheit für Teams aus der zweiten Reihe, bei der EM die Arrivierten in den Schatten zu stellen, ist also gegeben. Sie müssten sich jetzt nur noch trauen.

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Topfavorit. Wirklich! Wirklich? https://ballverliebt.eu/2010/06/09/topfavorit-wirklich-wirklich/ https://ballverliebt.eu/2010/06/09/topfavorit-wirklich-wirklich/#comments Wed, 09 Jun 2010 14:15:56 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=2153 Topfavorit. Wirklich! Wirklich? weiterlesen ]]> WM-SERIE, Teil 32: SPANIEN | Wie reagiert der seit vier Jahren de facto unschlagbare Europameister darauf, absoluter Top-Favorit zu sein? Das war früher ein Riesenproblem – doch die immer noch verflixt junge Mannschaft macht mental einen extem stabilen Eindruck.

„Schreckliche Planung“, jammerte Thierry Henry. Es war der 3. März diesen Jahres und Frankreich war gerade in einem Testspiel von Spanien förmlich am Nasenring durchs Stade de France gezogen worden, wurde mit einem Wort vernichtet. Hätten die Spanier wollen, die Franzosen hätten sich wohl sechs oder sieben Tore eingefangen. „Wie kann man ein Testspiel gegen Spanien festsetzen, so kurz vor der WM?“ Wohlgemerkt: Henry spielt für Frankreich, den Finalisten der letzten WM.

Was viel über diese Mannschaft aus Spanien aussagt. Seit dem Achtelfinal-Aus bei der WM in Deutschland vor vier Jahren, just gegen die Franzosen, hat die Mannschaft genau ein einziges Pflichspiel verloren (das Semifinale im Confed-Cup gegen die USA). Das war auch die einzige Niederlage seit November 2006. Das heißt: Eine einzige Niederlage in den letzten 48 Spielen. In der Qualifikation für diese Endrunde in Südafrika? Zehn Spiele, zehn Siege, 28:5 Tore. Und auch in Testspielen hat sich der Europameister nicht versteckt – Argentinien, England, Frankreich, Italien, keiner konnte Spanien biegen. Die Frage scheint nur zu sein, wer im Finale die Ehre hat, gegen die Spanier zu verlieren.

Aber langsam. Spanien gehörte immer zumindest zu den Teams im erweiterten Kreis der Kandidaten, bevor es in Turniere ging. Aufgegangen ist der Knopf erst, als endgültig alle gesagt haben: „Die haben’s noch nie geschafft, da braucht man jetzt gar nicht mehr drauf hoffen!“ Und siehe da, der alte Luis Aragoñés fuhr genau da den Europameistertitel ein. Hochverdient, als mit Abstand bestes Team des Turniers. Es stimmte hinten, es funktionierte vorne, und ohne Raúl und Joaquín passte auch das Mannschaftsklima. Das war das Erfolgsgeheimnis, an dem auch Vicente del Bosque, der nach der EM den Posten des Teamchefs übernahm, nicht entscheidend rüttelte. Warum auch? Und unter dem letzten wirklich großartigen Trainer, den Real Madrid hatte (womöglich, weil er mit seiner spröden und gänzlich unglamurösen Art so gar nicht zu den Galaktischen passte), wurde aus der starken Form eine echte Dominanz.

Zudem hatten fast alle Leistungsträger, die in Deutschland noch etwas zu grün waren, beim Triumph von Wien noch immer kein fortgeschrittenes Alter: Torres war 24, Iniesta ebenso, Fàbregas erst 21 und David Silva auch erst 22, genau wie Sergio Ramos. Xavi ist nun, mit 30 Lenzen, auf seinem absoluten Leistungszenit angekommen. Intern gibt es die fiesen Animositäten zwischen dem Barcelona-Lager und dem Real-Madrid-Lager vergangener Tage nicht mehr. Dieser Kader ist vereint in dem Bestreben, gemeinsamen Erfolg zu haben und nicht vom Vorhaben entzweit, denen vom anderen Großklub die Show zu stehlen. Diese Mannschaft hat de facto keine Schwächen, agiert mit einem unglaublichen Selbstvertrauen, die Spieler sind alle im richtigen Alter, die Mischung stimmt. Und durch das 0:1 gegen die Amerikaner vor einem Jahr wissen sie nun auch, dass sie in jedem Spiel Gas geben sollten. Wer in Gottes Namen soll diese übermächtige Mannschaft stoppen?

Aber das mit der Bürde des Topfavoriten ist so eine Sache. 2006 führte der Weg nur über Brasilien, und die Franzosen gingen diesen im Viertelfinale; das selbe Spielchen gab es 1998 im Finale. 2002 konnten eigentlich nur Argentinien oder Frankreich den Titel holen, am Ende schaffte es keiner der beiden auch nur ins Achtelfinale. Deutschland musste sich 1994 den Titel vermeintlich nur abholen, ehe das Team Bekanntschaft mit Bulgarien machte. Sich einen WM-Titel einfach abholen, das läuft so nicht. Zumal es ja durchaus sein kann, dass es den Spaniern früher oder später so geht wie etwa dem FC Barcelona in der abgelaufenen Champions-League-Saison – irgendwann wird schon einer daherkommen, der dem Angriffswirbel der Europameister Einhalt gebieten kann. So wie Inter Mailand im CL-Semifinale, so wie die Amerikaner vor einem Jahr. Ein WM-Traum ist wahnsinnig schnell ausgeträumt.

Umso mehr müssen die Spanier darauf achten, sich auch in der Vorrunde schon keine Blöße zu geben. Wird die Gruppe mit der Schweiz, Chile und Honduras (welche der Favorit natürlich im Normalfall im Schlaf dominieren müsste) nicht gewonnen, wartet wahrscheinlich schon im Achtelfinale der große Co-Favorit, Brasilien. Und das so unbrasilianisch humorlose Team von Carlos Dunga wäre etwa so eines, das den Spaniern recht effektiv die Lust nehmen könnte. Einer K.o.-Partie gegen Portugal oder gar Côte d’Ivoire könnte Del Bosque wesentlich entspanner entgegen sehen. Weil seine Mannschaft diesen Teams in seiner Breite zweifellos klar überlegen ist.

Und das fängt schon hinten an. Iker Casillas wäre der erste Torhüter seit Dino Zoff 1982, der als Kapitän einen WM-Pokal entgegen nehmen würde. Er ist schon sehr früh Stammkeeper von Real und auch in der Nationalmannschaft geworden, spielt schon seine dritte WM und sein fünftes großes Turnier als spanische Nummer eins und hat schon über 100 Ländermachtes auf dem Buckel, obwohl der Madrilene noch keine 30 Jahre alt ist. Seit er seine Jugendschwächen abgelegt hat, ist er ein sicherer Rückhalt und auch so ein wenig die Symbolfigur des „neuen“ Spanien: Ruhig, bescheiden, unpretentiös. Aber auf dem Platz bärenstark.

Vor dem Schlussmann von Real Madrid wird vermutlich das Innenverteidiger-Duo des FC Barcelona aufräumen – der routinierte Wuschelkopf Carles Puyol, dessen Einsatz, Stellungsspiel und Spielverständnis auf seiner Position im Moment unübertroffen sind; und der 23-jährige Gerard Piqué, dessen Stärken im Zweikampf und im Kopfballspiel liegen. Er hat seit der erfolgreichen EM den Valencia-Spieler Carlos Marchena von der Stammposition verdrängt, was eine von nur ganz wenigen Änderungen gegenüber der Champions von Wien darstellt.

Rechts hinten marschiert wie gewohnt Sergio Ramos auf und ab. Auch der blonde Flügelflitzer ist schon so lange dabei, dass man sich kaum verstellen kann, dass er auch erst 24 Jahre alt ist. Die andere, die linke Seite war über Jahre hinweg der ganz große Schwachpunkt im Team der Spanier. Ob nun Juanfran (02), Raúl Bravo (04) oder Pernía (06), es war immer das schwächste Glied in der Mannschaft. Bis Spätstarter Joan Capdevila vor zwei Jahren ein wirklich tolles Turnier spielte – und nun dennoch von Álvaro Arbeloa verdrängt wurde. Der im Schatten seines Pendants auf der rechten Seite unauffällige Arbeloa ging auch letztes Jahr ein wenig unter, als er im Rahmen des galaktischen Kaufrausches von Real Madrid um geschmeidige vier Millionen Euro von Liverpool kam. Die Abwehrkette wird also von zwei Barcelona-Spielern innen und zwei Real-Spielern außen gebildet. Und es funktioniert grandios.

Gemeinsam mit Arbeloa wechselte vor einem Jahr auch Xabi Alonso von Anfield ins Bernabéu. Der Champions-League-Sieger von 2005 spielte sich fortan auch im spanischen Team fest – so sehr, dass Marcos Senna – vor zwei Jahren beim EM-Titel einer der ganz entscheidenden Figuren – nicht einmal mehr im Kader aufscheint. Neben (oder statt) ihm im defensiven Mittelfeld agiert wiederum ein Spieler von Barcelona, nämlich Sergi Busquets. Die komplette Defensiv-Abteilung wird somit ausschließlich von Spieler der beiden dominierenden Teams der Primera División gestellt. Kein Wunder, schließlich holten sie ihre 99 bzw. 96 Punkte ja nicht nur über ihre Offensive, sondern beide Teams kassierten auch mit Abstand die wenigsten Gegentore.

Vorne kommt Real hingegen nicht mehr vor. Was nicht daran liegt, dass die Königlichen dort nicht gut wären – im Gegenteil, mit 102 Treffern in der wahrlich nicht schlechten spanischen Meisterschaft gelangen sogar um vier mehr als Barcelona – sondern daran, dass bis auf den vor drei Jahren ausgebooteten Raúl bei Real keine Spanier spielen. In den Vorbereitungsspielen agierte Del Bosque mit einem 4-2-3-1, weil mit Andres Iniesta einer aus der angestammten Vierer-Offesnivkette im Mittelfeld ausfiel. Da er aber rechtzeitig fit werden dürfte, wäre es keine Überraschung, wenn Del Bosque, vor allem gegen die Gruppengegner, die Spanien das Wasser nicht reichen können, wieder auf ein 4-1-4-1 zurückwechselte – oder per 4-3-3 den Kontrahenten so richtig einheizt. Die Offensiv-Abteilung wäre identisch mit der vom EM-Finale: Xavi und Iniesta, die beiden genialen Zwillige vom FC Barcelona, dazu kommt ihr möglicher künftiger Mannschaftskollege Fàbregas (der heute 23-Jährige ist schon seit zwei Jahren Arsenal-Kapitän).

Und auch an David Silva, dem auch erst 24-jährigen Zauberer auf der linken Seite, hat der katalonische Großklub bereits Interesse bekundet. Dass der wunderbare Einfädler noch lange beim finanzmaroden Valencia spielt, glaubt niemand so wirklich. Der große Faustpfand von Del Bosque im Mittelfeld: Sollte einer der vier Weltklasse-Offensivspieler ausfallen, kann er immer noch ohne Qualitäts- und Offensivgeist-Verlust einen zweiten Sechser bringen, oder aber genauso auch eine zweite Sturmspitze. Und der große Faustpfand der Spanier in Zukunft: Mit Kader-Alternativen Javi Martínez (21), Juan Mata (22) und vor allem Jesús Navas (24) ist man auch in den nächsten Jahren stark aufgestellt.

Wie auch in der Abteilung Attacke. Liverpools Fernando Torres, goldener Torschütze im EM-Finale gegen Deutschland, sollte seine Knieblessur rechtzeitig auskurierten. Und selbst, wenn „El Niño“, der mit 26 auch schon sein viertes großes Turnier absolviert, nicht auflaufen kann: Kein Problem, es gibt ja immer noch David Villa. Der eiskalte Goalgetter von Valencia ist ja schließlich auch nur Torschützenkönig der letzten Europameisterschaft. Beide dürfen Del Bosque allerdings nicht ausfallen, denn als Alternative gibt es dann nur noch den international wenig erfahrenen Fernando Llorente von Bilbao; Pedro Rodríguez von Barcelona, die Entdeckung der abgelaufenen Saison, ist ein klassischer Flügelstürmer.

Was nichts daran ändert, dass man an den Spaniern erst einmal vorbei muss. Ohne Frage, wenn der Europameister sein Leistungspotential in jedem Spiel abruft, gibt es keine Mannschaft, die Spanien schlagen kann; wohl nicht einmal Brasilien. Aber wehe, das Team von Del Bosque erlaubt sich, vor allem in der K.o.-Phase, auch nur einen schwachen Tag! Frag nach bei all den gescheiterten Topfavoriten der letzten Turniere. Es geht schnell, und es heißt wieder: „Ja, diese Spanier, schon eine gute Mannschaft – aber mit dem Druck können sie nicht umgehen!“

Den Europameister-Titel kann Spanien keiner mehr nehmen. Die Rolle als WM-Favorit aber auch nicht. Mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt.

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SPANIEN
rotes Trikot, blaue Hose, adidas – Platzierung im ELO-Ranking: 2.

Spiele in Südafrika:
Schweiz (Nachmittagsspiel Mi 16/06 in Durban)
Honduras (Abendspiel Mo 21/06 in Johannesburg/S)
Chile (Abendspiel Fr 25/06 in Pretoria)

TEAM: Tor: Iker Casillas (29, Real Madrid), Pepe Reina (27, Liverpool), Víctor Váldes (28, Barcelona). Abwehr: Raúl Albiol (24, Real Madrid), Álvaro Arbeloa (27, Real Madrid), Joan Capdevila (32, Villarreal), Carlos Marchena (30, Valencia), Gerard Piqué (23, Barcelona), Carles Puyol (32, Barcelona), Sergio Ramos (24, Real Madrid). Mittelfeld: Xabi Alonso (28, Real Madrid), Sergi Busquets (22, Barcelona), Cesc Fàbregas (23, Arsenal), Andres Iniesta (26, Barcelona), Javi Martínez (21, Bilbao), Juan Mata (22, Valencia), Jesús Navas (24, Sevilla), David Silva (24, Valencia), Xavi Hernández (30, Barcelona). Angriff: Fernando Llorente (25, Bilbao), Pedro Rodríguez (22, Barcelona), Fernando Torres (26, Liverpool), David Villa (29, Valencia).

Teamchef: Vicente del Bosque (59, Spanier, seit August 2008)

Qualifikation: 1:0 gegen Bosnien, 4:0 gegen Armenien, 3:0 in Estland, 2:1 in Belgien, 1:0 gegen und 2:1 in der Türkei, 5:0 gegen Belgien, 3:0 gegen Estland, 2:1 in Armenien, 5:2 in Bosnien.

Endrundenteilnahmen: 12 (1934 Viertelfinale, 50 Vierter, 62 und 68 Vorrunde, 78 Vorrunde, 82 Zwischenrunde, 86 Viertelfinale, 90 Achtelfinale, 94 Viertelfinale, 98 Vorrunde, 2002 Viertelfinale, 06 Achtelfinale)

>> Ballverliebt-WM-Serie
Gruppe A: Südafrika, Mexiko, Uruguay, Frankreich
Gruppe B: Argentinien, Nigeria, Südkorea, Griechenland
Gruppe C: England, USA, Algerien, Slowenien
Gruppe D: Deutschland, Australien, Serbien, Ghana
Gruppe E: Holland, Dänemark, Japan, Kamerun
Gruppe F: Italien, Paraguay, Neuseeland, Slowakei
Gruppe G: Brasilien, Nordkorea, Côte d’Ivoire, Portugal
Gruppe H: Spanien, Schweiz, Honduras, Chile

* Die Platzierung im ELO-Ranking bezieht sich auf den Zeitpunkt der Auslosung

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https://ballverliebt.eu/2010/06/09/topfavorit-wirklich-wirklich/feed/ 1
Viva España – Am Schluss lebt Spanien hoch https://ballverliebt.eu/2008/06/30/viva-espana-am-schluss-lebt-spanien-hoch/ https://ballverliebt.eu/2008/06/30/viva-espana-am-schluss-lebt-spanien-hoch/#respond Sun, 29 Jun 2008 22:25:09 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=237 Viva España – Am Schluss lebt Spanien hoch weiterlesen ]]> Vorbei ist es. Das wahrscheinlich größte Fußballereignis, das Österreich in absehbarer Zeit erleben wird, hat diesen Abend sein Ende und seinen Sieger gefunden. In einer durchwegs sehenswerten Partie, die gut aus der Reihe vielfach langweiliger Finalspiele fällt, bezwang die „Seleccion“ aus Spanien ihre deutschen Kontrahenten mit 1-0. Es war die 33. Minute, in der Fernando Torres gleichsam Philipp Lahm und Jens Lehmann bezwang, und den Ball über letzteren in die lange Ecke lupfte. Kronkorken Deutschland vs. Spanien

Spanien jubelt, Wien ist so rot wie schon lange nicht mehr. Die heimischen Fans dürften mehrheitlich auf Seiten der Iberer gestanden haben.
Dabei sah es eine gute Viertelstunde nach einem gegenteiligen Ergebnis aus. Gehemmt wirkende Spanier brachten kaum einen präzisen Pass im Mittelfeld zustande, die Kicker in weiß-schwarz hingegen waren drauf und dran die Führung zu erzielen. Bis Lehmann plötzlich einen von Metzelder gemein abgefälschten Ball parieren muss. In dem Moment scheint der deutschen Equipe der Faden gerissen zu sein. Kurz darauf schmeckt das runde Leder Metall, als Torres (glaube ich) den Final-Europass an die Stange köpft.

Adidas EuropassEs folgen größere und kleinere Chancen für die Rocha, auf der anderen Seite läuft sich Podolski zweimal fest. Das Kräfteverhältnis wechselte klar zugunsten des Teams aus dem Südwesten des Kontinents und sollte sich bis zum Schluss nicht mehr ändern. Der Fehler des zur Pause verletzungsbedingt ausgewechselten Lahm, die erneute Glanzlosigkeit von Kapitän Ballack, und auch die fehlenden Impulse der Wechselspieler Kuranyi und Gomes waren ausschlaggebend, dass Schwarz-Rot-Gold nicht zulegen konnte, sich keine zwingenden Chance erarbeitete. Ebenso mitverantwortlich für den rotgelben Finaltriumph: Icker Casillas, der die wenigen Prüfungen dieser Partie souverän meisterte.

Obwohl sie in der zweiten Hälfte deutlich defensiver auftraten, waren die Spanier nervlich nicht ganz sattelfest. Es war Minute 66, da hätte Da Silva dank eines Kopfstoßes eigentlich vom Platz gehen müssen. Damit bleibt eine der berühmten „Was-wäre-wenn?“ Fragen stehen – ob die Spieler von Aragones mit einem Mann weniger und nur einem Tor Vorsprung überlebt hätte, wir wissen es nicht. Ungeachtet dessen bot Roberto Rosetti, der mit seinem ersten Auftritt die EM eröffnete und sie mit seinem vierten beschloss, eine solide Leistung. Sowohl in diesen 90 Minuten, als auch in den anderen drei Partien, war er der Unparteiische, den man sich etwa bei Österreich – Deutschland gewünscht hätte.

Juegos olímpicos Pekín 2008Nun reckten Fernando Torres und seine Mannschaft den Pokal in den Nachthimmel über Wien. Ein schönes Spiel, ein verdienter Sieger, ein letztlich auch verdienter Vize-Europameister. In Österreich wird es nun Zeit, ein bisschen was von der Euphorie und vom Gelernten in den bald beginnenden Liga-Alltag mitzunehmen. Bis mit dem nächsten Confederations Cup und der WM 2010 wieder internationale Großereignisse folgen, wird er nebst den europäischen Pokalbewerben ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit rutschen.

Obwohl, nicht ganz: In Peking wird ein Fußball-Olympiasieger gekürt werden. 2004 waren dies die Argentinier. 2008 qualifizierten sich Holland, Belgien, Serbien und Italien über die U21-EM 2007 für unseren Kontinent. Formell die größten Chancen als Titelträger haben die Oranjes, doch die Konkurrenz aus dem Rest der Welt wird da ein Wörtchen mitzureden haben.

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