Cahill – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Mon, 04 Mar 2013 15:25:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Den Mutigen gehört die Welt – den Einfallslosen nur Prügel. Drei Beispiele. https://ballverliebt.eu/2013/03/04/den-mutigen-gehort-die-welt-den-einfallslosen-nur-prugel-drei-beispiele/ https://ballverliebt.eu/2013/03/04/den-mutigen-gehort-die-welt-den-einfallslosen-nur-prugel-drei-beispiele/#comments Mon, 04 Mar 2013 14:35:40 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=8418 Den Mutigen gehört die Welt – den Einfallslosen nur Prügel. Drei Beispiele. weiterlesen ]]> Wer sich etwas überlegt, kann verlieren – wer sich nichts überlegt, hat schon verloren. Dieses Motto ist in der österreichischen Bundesliga beim einen oder anderen schon angekommen, bei vielen aber immer noch nicht – zuletzt kündigte etwa Rapid-Trainer Peter Schöttel sinngemäß an, wieder jenen anspruchslosen Riegel-Fußball spielen zu wollen, der die Saison 2011/12 schon zur unerträglichsten aller Zeiten gemacht hat. Dabei möchte man den Verantwortlichen zurufen: Den Mutigen gehört die Welt. Man braucht nicht einmal Jahre, um das umzusetzen. Nur den Mut, es anzugehen. Und wer keinen Mut hat, verliert. Wie diese drei Beispiele aus der MLS zeigen.

Mutig durchziehen und belohnt werden: Portland Timbers

Portland Timbers - New York Red Bulls 3:3 (1:3)
Portland Timbers – New York Red Bulls 3:3 (1:3)

Den Mut zeigten, selbst aktiv zu sein. Zu pressen. Die Außenverteidiger bedingungslos nach vorne zu beordern. Und einen Mittelstürmer haben, der extrem viel arbeitet. Kurz: Eine Philosophie der Eigeninitiative etablieren. Geht nicht von heute auf morgen? Geht doch von heute auf morgen. Zumindest von der Idee, die man der Mannschaft einimpfen kann. Und auch auf Details achtet – wie etwa, dafür das Spielfeld knapp vier Meter breiter zu machen.

Genau diesen Weg gehen in der MLS die Portland Timbers. Gerade mal vier Stammspieler aus der letzten Saison waren in der ersten Start-Elf nach dem kompletten Re-Boot übrig: Nach zwei enttäuschenden Jahren, in denen der schottische Trainer John Spencer ebenso schottischen 4-4-2-Hau-Ruck-Fußball spielen ließ und mangels Erfolg und Weiterentwicklung letztlich entlassen wurde, wagen die Portland Timbers in ihrer dritten MLS-Saison einen totalen Neustart. Neo-Coach Caleb Porter soll der Architekt der modernen Offensiv-Philosophie sein.

Jeder weiß genau, was wann zu tun ist…

In seinem 4-2-3-1 sind praktisch alle Positionen nach einer eigenen Job Description haargenau besetzt. Die Außenverteidiger Harrington und Miller stehen sehr hoch und beackern die Seitenlinien quasi im Alleingang, während die Mittelfeld-Außen Alhassan und Nagbe dadurch einrücken können. Sechser Will Johnson ist ein Wadlbeißer, ein Terrier, der für die Ballgewinne zuständig ist (und dafür, den gegnerischen Zehner – diesmal Tim Cahill – zu nerven). Diego Chará, der Achter, kann dem Spiel einen Takt geben, vor allem aber auch selbst durch gute vertikale Laufwege Löcher reißen. Der etwas starksig wirkende Zehner Diego Valeri kann mit seiner Technik die Bereitschaft zeigen, auch mit wenig Platz den Ball zu fordern. Und Solospitze Ryan Johnson ist extrem aktiv und steht nicht nur wie sein Vorgänger Kris Boyd im Strafraum und wartet auf Flanken.

Das ist natürlich alles nicht Revolutionäres und nichts, was man nicht bei anderen Mannschaften auf dem Globus nicht auch sieht, keineswegs. Es ist aber erstaunlich, wenn man das Team mit der letzten Saison vergleicht, in der das genaue Gegenteil zu sehen war: Vorsichtige und bei Flanken unbeholfene Außenverteidiger. Keine Ideen und keine Kompaktheit im Zentrum. Kaum Bewegung vorne. Und vor allem: Extrem viele personelle Rochaden. Da spielte Nagbe mal vorne, mal hängend, mal auf dem Flügel. Da spielte Jewsbury, eigentlich Sechser, mal einen verkappten Spielmacher, dann wieder als Rechtsverteidiger. Da war kurzzeitig sogar Andi Dober als Neuzugang im Gespräch.

…zumindest nach vorne

Üblicherweise heißt es, man müsse zuerst sicher stehen, ehe man sich um die Offensive kümmert. Porter macht es genau anders herum: Während das Offensiv-Spiel schon im ersten Versuch richtig gut klappte, wird hinten noch heftig geschnitzt. Das sind zum Teil richtig derbe individuelle Schnitzer (wie Silvestre beim 0:1 und beim 1:2, bzw. Jean-Baptiste beim 1:3), aber auch die Abstimmung zwischen Mittelfeld und Abwehr stimmt noch nicht so ganz. Zuweilen wurden die Räume etwas gar groß, rückten die Innenverteidiger bzw. die defensiven Mittelfeldspieler nicht so nach Außen, dass es im Rücken der Außenverteidiger eine Absicherung gäbe (siehe das 1:2).

Das heißt: Die Timbers versprechen ein Team zu werden, das in den 34 Regular-Season-Spielen an die 70 Tore schießen wird, aber wohl auch ebenso viele kassiert. Caleb Porter kann sich diesen Ansatz allerdings auch aufgrund des Liga-Modus erlauben: Es gibt aus der derzeit 19 Teams umfassenden MLS keinen Abstieg. Gut für Portland, denn letztes Jahr war man die drittschlechteste Mannschaft – und gar nur eine einzige schoss noch weniger Tore.

Courage haben heißt auch: Mut zur Umstellung

Gegen die New York Red Bulls hatte Portland die erste Hälfte schon ganz gut im Griff, kassierte aber eben drei billige bis peinliche Gegentore. Die New Yorker agierten ebenso aus einem 4-2-3-1, in dem Thierry Henry von der linken Seite kam und recht hoch stand, der Argentinier Fabián Espindola mit seinen schnellen Antritten als Solo-Spitze für Unruhe sorgte, Tim Cahill als Zehner eher blass blieb und der alternde Freistoß-Künstler Juninho bis eben auf Freistöße kaum am Spiel teilnahm. Der Kompromiss, denn NYRB-Coach Petke dafür eingehen musste, war Dax McCarty – dieser gab Juninhos persönliches Hausmädchen, grätschte alles an, was sich ihm in den Weg stellte, ist aber nicht für eigene Impulse zuständig. So verdichtete sich der Mittelkreis in der Anfangsphase ganz extrem.

Zwar hatte Portland dort durch das Übergewicht an zum Spielen willigen Akteuren Vorteile, kam aber kaum wirklich durch. Das – und der Spielstand von 1:3 – zwang Porter dazu, in der Halbzeit Modifizierungen vorzunehmen. Valeri rückte weiter auf, agierte als hängende Spitze. Nagbe positionierte sich weiter Außen als davor und rückte erst relativ hoch ein; Alhassan dafür positionierte sich auf der anderen Seite noch weiter nach innen, überließ Ryan Miller endgültig die Außenbahn und gab neben Chará einen zweiten Gestalter aus der Spielfeld-Mitte. Dadurch hatten die Timbers nun auf den Flanken die Kontrolle, im Zentrum ebenso, und drückten den Gegner massiv hinten rein.

Bei den Red Bulls ging es recht schnell nur noch darum, den Sieg irgendwie zu retten. Petke stellte auf ein 4-4-1-1 um (mit Henry vorne, Cahill dahinter, dazu zwei eng stehende Viererketten), es half aber nichts. Portland kam zum hochverdienten 3:3 und hatte sogar noch Chancen, das Spiel zu gewinnen.

Highlight-Video

————————

Den Mut beim ersten Rückschlag verlieren: Philadelphia Union

Philadelphia Union - Sporting Kansas City 1:3 (1:1)
Philadelphia Union – Sporting Kansas City 1:3 (1:1)

Wie es gehen könnte, wenn einen nicht der Mut verließe, zeigte an diesem Auftakt-Spieltag das Team aus Philadelphia. Das war letztes Jahr kaum besser als die Timbers, und auch Union-Coach Hackworth (der zum Interims- zum Vollzeit-Chef befördert wurde) überlegte sich etwas.

Gegen Kansas City, Halbfinalist der letzten beiden Jahre, gab’s ein ziemlich schiefes 4-4-1-1. Linksverteidiger Gaddis blieb hinten und Gabriel Farfan im linken Mittelfeld stand ebenso sehr tief, um Graham Zusi – einen der Shooting Stars der letzten Jahre – im Griff zu behalten. Dafür übernahm Brian Carroll die Agenden als zentraler Gestalter und auch als linker Flügel. Keon Daniel, hängende Spitze mit auffälligen Dreadlocks, verschob viel vertikal und Sébastien le Toux lauerte auf schnelle Antritte.

Zudem presste dieses Trio, zum Teil gemeinsam mit dem kraftvollen Sechser Michael Lahoud, gegen das kompakte Dreier-Mittelfeld des Gegners. Mit Erfolg: Le Toux besorgte das frühe 1:0 und hätte kurz darauf das 2:0 nachlegen müssen, schob aber den Ball am leeren Tor vorbei. Der Außenseiter hatte alles im Griff, bis man hinten einmal kräftig schlief und kurz vor der Pause wie aus heiterem Himmel das 1:1 kassierte.

Damit war’s um den ganzen schönen, mutigen und proaktiven Plan bei Philadelphia geschehen. Nach dem Seitenwechsel agierte man wie das Kaninchen vor der Schlange. Man presste nicht mehr, ließ dem Gegner Zeit für den Spielaufbau und es half auch nicht, dass Zusi nun wesentlich zentraler agierte als in der ersten Hälfte und keiner seiner beiden Bewacher darauf reagierte. Kansas City kam letztlich zu einem völlig problemlosen 3:1-Sieg. Aus Sicht des Verlierers absolut vermeidbar, wenn man weiter so mutig wie bis zum Ausgleich agiert hätte.

Highlight-Video

————————

Gegen ein planloses Team keinerlei Mut haben: Chicago Fire

Los Angeles Galaxy - Chicago Fire 4:0 (1:0)
Los Angeles Galaxy – Chicago Fire 4:0 (1:0)

Wenn es einen idealen Zeitpunkt gibt, gegen den MLS-Meister von 2011 und 2012 zu spielen, dann jetzt. Die Los Angeles Galaxy haben gegenüber dem letzten Jahr (als man nach einer mäßigen Regular Season in den Play-Offs auftrumpfte) neben David Beckham auch Landon Donovan (der wegen seines Burn-Outs eine Auszeit nimmt) und Chippen Wilhelmsson (gut, der ist kein großer Verlust) verloren.

Trainer Bruce Arena aber blieb auch ohne die Schlüsselspieler Beckham und Donovan seinem flachen und eher statischen 4-4-2 treu. Mit den beiden konnte er das machen, weil Beckham aus dem Zentrum heraus eine traumhafte Präzision hatte und Donovan mit seinem Spielverständnis viele, richtige Laufwege nahm. Ohne die beiden allerdings passt das alles nicht so recht zusammen.

Aus dem Zentrum kommen keinerlei Impulse, aus der personellen Not heraus muss Innenverteidiger De la Garza als Rechtsverteiger ran, dafür RV Franklin im Mittelfeld. Mike Magee,ein verlässlicher aber nicht besonders torgefährlicher linker Flügelspieler, muss in den Sturm neben Robbie Keane. Die Außenbahnen waren bemüht, aber harmlos und an Spielaufbau gab’s sonst nur lange Bälle in die vage Richtung von Magee und Keane. Kurz: Die pure Einfallslosigkeit.

Alleine: Chicago – letztes Jahr sogar mit mehr Regular-Season-Punkten als die Galaxy – machte es noch schlechter. Das Team von Arne Friedrich, der wegen einer Verletzung nicht mitwirken konnte, hatte überhaupt keinen Plan, wie man das mehr als stotternde Team aus L.A. aushebeln könnte. Larentowicz und Lindpere im Mittelfeld-Zentrum versteckten sich nach Kräften, von den Außenverteidiger kam sehr wenig, von Duka und Nyarko noch weniger. Die einzigen, die echten Einsatz zeigten, war Chris Rolfe und Maicon Santos, die beiden Offensiven im 4-4-1-1. Das Problem dabei: Rolfe beging technische Fehler am laufenden Band, ihm flipperten die Bälle oft meterweit weg. Und Maicon Santos fehlte es einfach an der Unterstützung.

So gingen die Galaxy mit einer 1:0-Führung in die Halbzeit, nachdem drei Verteidiger Filigrantechnik-Wunderwuzzi Robbie Keane nur andächtig beobachteten, eine zweimal abgefälschte Flanke bei Magee landete und dessen nochmal abgefälschter Seitfallzieher im Tor. Mehr Fähigkeit zur eigenen Gestaltung zeigten die Gäste dann auch nach dem Seitenwechsel nicht: Haarsträubende Fehlpässe im Aufbauspiel, zu viele Räume zwischen den Reihen und in den Schnittstellen (wie beim 0:2), viel zu nachlässigen Verteidigen mit komplett körperlosem Spiel (wie beim 0:3). So konnte sogar Magee drei Tore machen und Keane per Fallrückzieher für den 4:0-Endstand sorgen.

Oder anders gesagt: So bekommt man sogar von einem Team, das so tut als wären Beckham und Donovan noch da und bei dem damit nicht so arg viel passt, die Bude angefüllt.

Highlight-Video

(phe)

]]>
https://ballverliebt.eu/2013/03/04/den-mutigen-gehort-die-welt-den-einfallslosen-nur-prugel-drei-beispiele/feed/ 18
Asiencup, Tag 12: Verpasste Chancen https://ballverliebt.eu/2011/01/19/asien-cup-tag-12-verpasste-chancen/ https://ballverliebt.eu/2011/01/19/asien-cup-tag-12-verpasste-chancen/#respond Tue, 18 Jan 2011 23:11:53 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3794 Asiencup, Tag 12: Verpasste Chancen weiterlesen ]]> Bahrain verpasste in der ersten Hälfte die Chance, den immer noch nicht restlos überzeugenden Australiern ein Tor zu schießen und so ins Viertelfinale zu kommen. Und Südkorea verpasst gegen Indien ein Schützenfeld – und somit die Chance auf den leichten Weg ins Finale…

Australien – Bahrain 1:0 (1:0)

Australien - Bahrain 1:0

Wie die Syrer tags zuvor wussten auch die Spieler aus Bahrain: Nur ein Sieg hilft weiter, im Kampf um das Viertelfinale. Und so fingen sie auch an. Die Australier sahen sich erstmals in diesem Turnier mit ihrem 4-4-2 einem Fünfermittelfeld gegenüber, dass wirklich den Willen zur Spielgestaltung zeigte – anders als beim doch recht kontrollierten Auftritt der Südkoreaner gegen Australien.

Die Socceroos kamen in der Anfangsphase damit überhaupt nicht zurecht und so drückten die Bahrainis sie in den ersten 20, 25 Minuten sauber hinten rein. Alleine, das mit dem Toreschießen ist weiterhin ein Problem – und so überlebte Australien diese Phase unbeschadet. Auch, indem nun einer der beiden Stürmer (zumeist Cahill) sich etwas nach hinten orientierte und auch einer der beiden zentralen Mittelfeldspieler (Valeri) sich gerne ein Stück hinter seinen Partner in der Zentrale zurückfallen ließ. Ein 4-1-4-1 wurde so zumindest vorsichtig angedeutet.

Der große Nackenschlag für die forschen Bahrainis kam kurz vor der Pause, als Mile Jedinak einen Tausendguldenschuss zum 1:0 für Australien versenkte. Was zur Folge hatte, dass Bahrain in der zweiten Halbzeit – nun mussten zwei Tore in 45 Minuten her – gegen die nun besser stehenden und früher attackierenden Australier nicht mehr wie gewünscht mit spielerischen Mitteln nach vorne kam. Im Gegenteil: Wie gegen Indien brauchte es immer öfter lange Bälle. War die Kugel mal vorne, sah das weiterhin gut aus und wurde auch das eine oder andere Mal gefährlich. Aber die Australier konnten sich recht schnell recht gut darauf einstellen.

Was bei Bahrain den Frustlevel erhöhte (es gab nun vermehrt eher derbe Foul) und das Selbstvertrauen senkte, weshalb es mit dem Ausgleich auch nichts mehr wurde – geschweige denn mit dem notwenidigen Siegtreffer. Die Australier konnten nicht wirklich überzeugen und schleichen eher zum Gruppensieg, für Bahrain ist die Reise zu Ende – ob der immer wieder auftretenden Schwächen in der Spielgestaltung auch nicht ganz zu Unrecht.

—————————

Südkorea – Indien 4:1 (3:1)

Südkorea - Indien 4:1

Die Geschichte dieses Spiels ist schnell erzählt – die Inder fielen nach der guten zweiten Hälfte nun wieder zurück in jene Verhaltensmuster, die gegen die Australier schon zu einem noch schlimmeren Debakel hätten führen müssen. Die flinken Koreaner stellten innerhalb von zehn Minuten auf 2:0 und ließen sich auch vom schnellen Anschlusstreffer nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Chance folgte auf Chance, und dass es „nur“ mit einem 3:1 in die Kabinen ging, hatten die Inder hauptsächlich ihrem Torhüter zu verdanken, der einige tolle Chancen zunichte machen konnte.

Das selbe Bild bot sich auch in der zweiten Hälfte: Subrata ließ die Koreaner verzweifeln, es reichte nur noch zu einem Tor – und somit verpassten die Koreaner den Gruppensieg um einen Treffer. Bitter – denn anstatt (vermutlich) gegen den Irak und dann im Semifinale gegen den Sieger aus Usbekistan-Jordanien zu spielen, geht es nun gleich gegen Iran und dann wohl gegen Turnier-Topfavorit Japan…

]]>
https://ballverliebt.eu/2011/01/19/asien-cup-tag-12-verpasste-chancen/feed/ 0
Die Altherren-Combo https://ballverliebt.eu/2010/05/05/die-altherren-combo/ https://ballverliebt.eu/2010/05/05/die-altherren-combo/#comments Wed, 05 May 2010 17:32:04 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=1988 Die Altherren-Combo weiterlesen ]]> WM-SERIE, Teil 21: AUSTRALIEN | Nach dem Wechsel in den Kontinentalverband von Asien sind die „Socceroos“ zum zweiten Mal in Serie bei der WM dabei. In Südafrika geht es aber nicht nur um sportliche Werbung, sondern auch um solche für die Bewerbungen 2018 und 2022!

„Wie die Busse in Syndey“, spotteten die Australier vor vier Jahren. Ihr Team hatte gerade durch drei verdammt späte Tore ihr erstes WM-Spiel seit 32 Jahren mit 3:1 gegen Japan gewonnen. „Erst kommt jahrelang gar nichts, und dann gleich drei auf einmal!“ Es war der Auftakt zu einer aus australischen Sicht wunderbaren Endrunde, nach dem Nervenspiel gegen die Kroaten (ja genau, das war das Spiel, in dem Schiri Poll den Kroaten Šimunić dreimal verwartne, eher er ihn ausschloss) ging es sogar ins Achtelfinale.

Dort war nach einem späten Elfmeter (den Lucas Neill mit einer eher eher tolpatschigen als bösartigen Foul verursacht hatte) zwar gegen Italien Schluss, aber Teamchef Guus Hiddink konnte sich der Zuneigung einer ganzen Nation sicher sein – denn der Fußball ist in Australien zwar immer noch kein Massensport, aber der erfreuliche Auftritt in Deutschland hat doch einiges zur Popularität beigetragen. Der Fußball wird „down under“ zwar nie auch nur annähernd den Status von Rugby haben und die Profiliga ist sportlich keine Offenbarung, aber während der Endrunde in Südafrika werden die Augen sicherlich auch am fünften Kontinent auf das runde Leder gerichtet sein, weniger auf das eiförmige.

Dass das auch in Zukunft alle vier Jahre so ist, und die Australier nicht wieder drei Jahrzehnte auf einen WM-Auftritt warten müssen, dafür sollte gesorgt sein – schließlich war das die vorrangige Idee hinter dem Wechsel vom Kontinentalverband von Ozeanien in jenen von Asien. Zwar gibt es dort mit Japan, Südkorea und einigen anderen zwar deutlich stärkere Konkurrenz als in den diversen Inselgrüppchen im Pazifik. Aber auch deutlich mehr Qualifikationsplätze! So kann man sich auch mal einen Ausrutscher leisten. Denn in der Ozeanien-Gruppe war es immer schon so, dass man sich auch mit einer C-Mannschaft durchgesetzt hat, und es dann in jeder Qualifikation wieder an nur zwei Spielen hing. Und in diesen Playoffs darf man nun mal keinen schlechten Tag haben, sonst ist alles aus. Und wer weiß das besser als Australien?




Ads

Im Herbst 2001 in den Schlussminuten an Uruguay gescheitert, 1997 extrem unglücklich via Auswärtstoren am Iran, 1993 knapp an Argenitinien. Und auch für die Teilnahme an der letzten Endrunde in Deutschland vor vier Jahren musste gegen Uruguay das Elfmeterschießen herhalten. Diesmal, in der Asien-Gruppe? Da stand das WM-Ticket für Australien nie auch nur ansatzweise in Frage. Fünf Punkte vor Japan und zehn vor dem dritten Gruppenplatz, der immer noch zur Teilnahme an den Playoffs gereicht hätte – und das nach nur acht Spielen in der Finalgruppe.

Der Mann, der an der Seitenlinie dafür gesorgt hat, ist Pim Verbeek. Der Holländer war schon 2002 und 2006 der Co-Trainer von Guus Hiddink bzw. Dick Advocaat bei den Südkoreanern und übernahm ein halbes Jahr nach dem so erfreulichen Turnier in Deutschland das Zepter bei den Australiern. Er veränderte gegenüber Hiddink praktisch nichts, er übernahm in einigen Qualifikationsspielen sogar dessen 3-6-1, welches Hiddink bei der WM vor vier Jahren zuweilen zum Einsatz brachte.

Da die Teilnahme an dieser Endrunde in Südafrika eben nie zur Debatte stand und schon vor einem Jahr fixiert wurde, hatte Verbeek – der nach dem Turnier Teamchef in Marokko wird – viel Zeit und Gelegenheit, viel auszuprobieren. Noch nicht so sehr im Hinblick auf die Zeit nach der WM, dass wird seinem Nachfolger obliegen. Nein, Verbeek ging es im letzten Jahr viel mehr darum, personelle und taktische Alternativen auszuloten. So kam ein 4-2-3-1 ebenso zum Einsatz wie ein 4-4-2 oder eben auch das 3-6-1.

Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wenn es in der schweren Gruppe mit Deutschland, Ghana und Serbien dann zur Sache geht, doch wieder die erfahrenen Spieler die Kohlen aus dem Feuer holen sollen. Spieler wie Tim Cahill, Harry Kewell oder Lucas Neill, allesamt schon dreißig oder älter. Für viele aus dem Kader (wie Torhüter Mark Schwarzer, Routinier Craig Moore oder Linksfuß Scott Chipperfield) wird dieses Turnier sicherlich das letzte große ihrer Karriere werden.

Wie generell im Kader die wirklich jungen Spieler fehlen. Die Spieler, die in acht oder zwölf Jahren die Führungsfiguren sein könnten. Denn Australien hat sich durchaus aussichtsreich für die Ausrichtung der Endrunden 2018 bzw. 2022 beworben. Und während für die WM in acht Jahren noch ein europäische Gastgeber gesetzt scheint, gibt es für 2022 tatsächlich kaum Konkurrenz, die nicht in allzu ferner Vergangenheit schon einmal das Turnier organisieren durfte. Spieler, die jetzt gerade erst zwanzig wären und dann Führungsspieler sein könnten, gibt es aber im ganzen Kader nicht. Im Gegenteil: Kein Spieler unter 26 Jahren darf sich beim bevorstehenden Turnier ernsthafte Hoffnungen auf einen Stammplatz machen. Und der jüngste im Kader, der 23-jährige Offensiv-Spieler Dario Vidosic, konnte sich zuletzt nicht einmal beim deutschen Abstiegskandidaten Nürnberg durchsetzen und wurde in die zweite Liga verliehen.

So fehlt den Australiern im Moment die mittel- und langfristige Perspektive, spätestens nach der nächsten WM in Brasilien wird kein einziger Leistungsträger mehr zur Verfügung stehen und wirklich junges Blut kommt nicht nach. Und auch, wenn es bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 vorrangig um sportpolitische und wirtschaftliche Erwägungen geht, die mangelnde sportliche Perspektive wird dem australischen Verband sicherlich nicht helfen. Vor allem dann nicht, wenn nach einem eventuellen frühen Aus des Gastgebers der aktuellen Weltmeisterschaft die Fans des Ausrichters in der heißen Phase des Turniers womöglich nicht mehr so richtig mitziehen.

Umso wichtiger ist ein gutes Abschneiden der „Socceroos“ in Südafrika, denn nur mit dieser öffentlichen Aufmerksamkeit wird es möglich sein, weiterhin den Nachwuchs zum Fußball zu bringen; den Soccer weiterhin als ernsthafte Alternative zum Rugby oder zum Aussie-Rules-Football etablieren zu können. Da kann es durchaus hilfreich sein, dass der Fußball Marke Australien recht herb daherkommt: Einsatz und Kampf sind Trumpf. Techniker, die spielerischen Glanz verbreiten können, gibt es zwar, aber sie sind eindeutig in der Minderheit.

Mit einem wunderbaren Hochgefühl kann der extrem routinierte Torhüter Mark Schwarzer in sein letztes großes Turnier gehen. Der 37-Jährige erreichte mit dem Premier-League-Underdog Fulham sensationell das Finale in der Europa League und ist zweifellos immer noch einer der besten Schlussmänner der englischen Eliteliga. Vor ihm hat Verbeek schon einiges ausprobiert, am wahrscheinlichsten ist aber eine klassische Viererkette. In dessen Zentrale sollen Craig Moore (34), der seit dem Winter bei einem griechischen Mittelständler Kavala spielt, und Lucas Neill (32) abräumen. Letzterer wechselte nach neun Jahren Premier League zu Galatasaray und damit seinem Landsmann Harry Kewell. Das Duo Moore/Neill war auch schon vor vier Jahren das zentrale Gespann. Rechts ist mit Luke Wilkshire (28) ein Russland-Legionär erste Wahl, rechts mit David Carney (26) ein holländischer Meister. Spielt Verbeek mit einer Dreierkette, gesellt sich Carney zu den beiden Innenverteidigern und Wilkshire rückt ins defensive Mittelfeld vor – oder eher noch auf die Bank.

Das Mittelfeld ist bei den Australiern die bevölkerungsreichste Zone. Bis zu sechs Mann ist Verbeek die Spielkontrolle wert. Hier agiert er praktisch immer mit zwei klassischen Sechsern, in der Regel sind dies Vince Grella (30), der nach vielen Jahren in Italien nach Blackburn wechselte, und Jason Culina (29), der nach langer Zeit beim PSV Eindhoven nun wieder in der heimischen A-League sein Geld verdient.  Im offensiven Mittelfeld ist der Samoaner Tim Cahill erste Wahl. Der 30-jährige Everton-Legionär musste nach Einsätzen für samoanische Jugend-Nationalteams fast zehn Jahre warten, ehe er 2004 endlich für Australien auflaufen durfte. Im rechten Mittelfeld ist der Platz von Brett Holmen (mit 26 noch einer der jüngeren) und links der von Harry Kewell. Nach vielen Verletzungen hat der langjährige Liverpool-Spieler, auch schon 31, in der Türkei bei Galatasaray eine sportliche Heimat gefunden.

Mit diesem Fünfermittelfeld – Grella/Culina defensiv, Holmen/Cahill/Kewell offensiv – hat Verbeek zuletzt am häufigsten agiert. Es kann aber eben auch sein, dass er einen sechsten Mann reinbringt, auf Kosten eines Verteidigers. Dann würden Grella/Culina defensiv unverändert bleiben, Kewell zu Cahill zentral hinter die dann immer noch einzige Spitze rücken, und mit Scott Chipperfield ein eher defensiv ausgerichteter Mann auf die linke Seite gehen.

Zwei Mann hinter einer Spitze (was im Ballbesitz schnell zu einem 3-4-3 werden kann) hätte den Vorteil, dass das Angriffsspiel nicht ganz so auf den einen zentralen Mann vorne ausgerichtet ist, denn allzu große Torgefahr strahlt auf WM-Niveau keiner der Kandidaten ganz vorne aus. Josh Kennedy, der lange in Deutschland bei Karlsruhe und Nürnberg aktiv war und jetzt in Japan spielt, ist beileibe kein Torjäger von Weltklasse-Format. Scott McDonald, der im Winter zum englischen Zweitligisten Middlesbrough wechselte, weist da schon vor allem in seinen vielen Jahren für Motherwell und vor allem Celtic Glasgow eine deutlich beeindruckendere Torquote auf, Nabel der Fußballwelt ist die schottische Liga aber bekanntlich nicht. So kann es durchaus sein, dass sich die Spitzen etwa an den humorlosen und extrem kopfballstarken Innenverteidigern aus Serbien oder deren abgebrühnten Kollegen aus Deutschland recht flott die Zähne ausbeißen.

Die Australier kommen mit der fast identischen Mannschaft von vor vier Jahren daher. Diese hat zwar immer noch Qualität und vor allem Routine ohne Ende, ist aber seither weder besser noch schneller geworden. Nur über die Athletik zu kommen, wird in dieser Gruppe mit drei Gegnern von internationaler Klasse sicherlich zu wenig sein, weshalb ein erneuter Achtelfinal-Einzug der „Socceroos“ schon eine Überraschung wäre. Doch andererseits ist es weit über die Hälfte der Mannschaft der letzte Auftritt auf der Bühne einer Weltmeisterschaft, sie werden darauf bauen, dass der Wille auch Berge versetzen kann.

Und der pure Wille hat ja schon vor vier Jahren fast zum Viertelfinale gereicht.

————————————————

AUSTRALIEN
gelbes Trikot, grüne Hose, Nike – Platzierung im ELO-Ranking: 19.

Spiele in Südafrika:
Deutschland (Abendspiel So 13/06 in Durban)
Ghana (Nachmittagspiel Sa 19/06 in Rustenburg)
Serbien (Abendspiel Mi 23/06 in Nelsrpuit)

TEAM: Tor: Ante Covic (35, Elfsborg), Michael Petkovic (33, Sivasspor), Mark Schwarzer (37, Fulham). Abwehr: David Carney (26, Twente Enschede), Patrick Kisnorbo (29, Leeds), Mark Milligan (24, JEF United), Craig Moore (34, Kavala), Lucas Neill (32, Galatasaray), Jade North (27, Tromsö), Shane Stefanutto (31, North Queensland), Luke Wilkshire (28, Dinamo Moskau). Mittelfeld: Mark Bresciano (30, Palermo), Tim Cahill (30, Everton), Nick Carle (28, Crystal Palace), Scott Chipperfield (34, Basel), Jason Culina (29, Gold Coast), Brett Emerton (31, Blackburn), Vincenzo Grella (30, Blackburn), Mile Jedinak (25, Antalyaspor),  Carl Valeri (26, Sassuolo). Angriff: Brett Holman (26, Alkmaar), Joshua Kennedy (27, Nagoya), Harry Kewell (31, Galatasaray), Scott McDonald (26, Middlesbrough), Dario Vidosic (23, Duisburg).

Teamchef: Pim Verbeek (54, Holländer, seit Dezember 2007)

Qualifikation: 3:0 in Katar, 0:0 in China, 1:0 gegen den Irak, 0:1 auf neutralem Boden gegen den Irak, 3:1 gegen Katar, 0:1 gegen China. 1:0 in Usbekistan, 4:0 gegen Katar, 1:0 in Bahrain, 0:0 in Japan, 2:0 gegen Usbekistan, 0:0 in Katar, 2:0 gegen Bahrain, 2:1 gegen Japan.

Endrundenteilnahmen: 2 (1974 Vorrunde, 2006 Achtelfinale)

>> Ballverliebt-WM-Serie
Gruppe A: Südafrika, Mexiko, Uruguay, Frankreich
Gruppe B: Argentinien, Nigeria, Südkorea, Griechenland
Gruppe C: England, USA, Algerien, Slowenien
Gruppe D: Deutschland, Australien, Serbien, Ghana
Gruppe E: Holland, Dänemark, Japan, Kamerun
Gruppe F: Italien, Paraguay, Neuseeland, Slowakei
Gruppe G: Brasilien, Nordkorea, Côte d’Ivoire, Portugal
Gruppe H: Spanien, Schweiz, Honduras, Chile

* Die Platzierung im ELO-Ranking bezieht sich auf den Zeitpunkt der Auslosung

]]>
https://ballverliebt.eu/2010/05/05/die-altherren-combo/feed/ 1