Bjelica – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Thu, 12 Dec 2013 22:36:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Die Austria in der CL: Gute Teile und starke Phasen, aber zu wenig konstant https://ballverliebt.eu/2013/12/12/die-austria-in-der-cl-gute-teile-aber-zu-wenig-konstant/ https://ballverliebt.eu/2013/12/12/die-austria-in-der-cl-gute-teile-aber-zu-wenig-konstant/#comments Thu, 12 Dec 2013 21:26:36 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=9877 Die Austria in der CL: Gute Teile und starke Phasen, aber zu wenig konstant weiterlesen ]]> Mit dem ersten Sieg eines heimischen Teams in der Königsklasse seit dem 20. Februar 2001 endete sie, die Champions-League-Premiere der Wiener Austria. Nach einem Europacup-Herbst, in der es zwei Ohrfeigen von Atlético Madrid gab, aber andererseits auch fünf Punkte, also mehr, als man erwarten durfte. Ballverliebt blickt noch einmal zurück: Das waren die sechs Spiele der Veilchen in der Königsklasse – und die Lehren daraus.

0:1 gegen den FC Porto

Austria - Porto 0:1 (0:0)
Austria – Porto 0:1 (0:0)

Im ersten Spiel gegen den FC Porto zeigte die Austria eine halbe Stunde lang, wie man einen an sich klar besseren Gegner ärgert: Giftiges Pressing im Mittelfeld, dem anderen Team gar nicht erst die Möglichkeit zur Gestaltung geben, und überfallsartig umschalten. Die Portugiesen hatten damit große Probleme, bis die Umklammerung der Austria etwas nachließ.

So kam Porto etwas besser ins Spiel und nützte nach knapp einer Stunde eine Unachtsamkeit der Austria zum 1:0 durch Lucho González. In der Folge fehlte es Violett an den Mitteln, Porto ernsthaft ins Wanken zu bringen – so stand die knappe Niederlage zum Auftakt zu Buche.

0:0 in St. Petersburg

St. Petersburg - Austria 0:0
Zenit – Austria 0:0

Für das Auswärtsspiel im alten Petrovskyi-Stadion änderte Trainer Bjelica das System: Vom 4-1-4-1, das es in der Qualifikation gab, auf ein 4-4-1-1. Damit war auch die Herangehensweise sehr defensiv – mit zwei Viererketten, aus in denen fast nur die Mittelfeld-Außen Royer und Leovac offensiv vorhanden waren.

Die Führung für Zenit schien nur eine Frage der Zeit, bis der deutsche Referee Deniz Aytekin kurz vor der Halbzeit Zenit-Achter Axel Witsel mit einer lächerlichen roten Karte unter die Dusche schickte. Gegen damit nur noch zehn Spieler von Zenit verteidigte die Austria in der Folge das Remis einigermaßen trocken über die Zeit. Das 0:0, bei dem man nach vorne wiederum keinen nennenswerten Stich machte, bedeutete aber immerhin schon im zweiten Spiel den ersten Punkt.

0:3 gegen Atlético Madrid

Austria - Atlético Madrid 0:3 (0:2)
Austria – Atlético Madrid 0:3 (0:2)

Hatte die Austria gegen Porto mutig begonnen und bei Zenit wacker verteidigt, wurde gegen den überlegenen Gruppensieger aus Madrid ein deutlicher Klassenunterschied sichtbar. In etwas seltsamen Trikots, deren Farbe eine schräge Mischung aus gold und gelb war und dabei eher senfig aussah, lief man den extrem ballsicheren, gedankenschnellen, technisch beschlagenen und vorm Tor eiskalten Madrilenen recht hilflos hinterher.

Nach nicht mal zehn Minuten stellte Raúl García auf 0:1, nach zwanzig Minuten hieß es dank eines grandiosen Konters und Diego Costas erstem Tor des Abends 0:2, kurz nach der Pause stellte der Brasilo-Spanier den 0:3-Endstand her. Atléti musste sich nicht mal wirklich anstrengen, um der Austria eine Lehrstunde zu erteilen.

0:4 in Madrid

Atlético Madrid - Austria 4:0 (3:0)
Atlético Madrid – Austria 4:0 (3:0)

Und auch beim Rückspiel im Calderón hätte kein taktischer Kniff dafür sorgen können, dass die Austria auch nur in die Nähe eines Punktes gekommen wäre. Die Spanier hatten durch ihr 4-2-2-2 ständige Überzahl im Zentrum, waren über ihre nach vorne preschenden Außenverteidiger auch auf den Flügeln permanent dominant, gingen früh nach einem Eckball-Gestocher in Führung, lagen zur Halbzeit schon 3:0 in Front.

Nur dem überragenden Heinz Lindner, der generell einen Top-Herbst auf absolut vorzeigbarem internationalem Niveau absolvierte, war es zu verdanken, dass die Austria nicht in ein ganz schlimmes Debakel lief. So hielt er eine Viertelstunde vor Schluss sogar einen Elfmeter. „Die waren einfach zu gut für uns“, konstatierte danach auch Nenad Bjelica – der wegen eines Ausrasters im Hinspiel gesperrt war und von Co-Trainer René Poms vertreten worden war.

1:1 in Porto

Porto - Austria 1:1 (0:1)
Porto – Austria 1:1 (0:1)

Aber auch nach vier Spielen war immer noch eine dicke, fette Null am Torkonto. Das änderte sich dann allerdings im fünften Spiel. Roman Kienast, im 4-2-3-1 auf die Zehn gestellt, nützte nach zehn Minuten einen schlimmen Fehlpass von Danilo zu einem Weitschuss-Treffer zum 1:0. Für die Portugiesen, die nach dem Punktgewinn von Zenit im schon am frühen Abend über die Bühne gegangenen Spiel gegen Atlético umbedingt gewinnen mussten, waren dann in der Folge auch das aktivere Team. Aber wieder wusste Lindner auf so gut wie alles eine Antwort.

Nach der Pause konnte er den Versuch von Jackson Martínez dann aber nicht parieren und nach dem Ausgleich verlegte sich die Austria darauf, den Punkt zu halten. Das gelang auch. Damit war zwar nach dem ersten Tor der zweite Punkt in trockenen Tüchern, gleichzeitig stand aber auch der letzte Gruppenplatz fest.

4:1 gegen Zenit

Austria - Zenit 4:1 (1:1)
Austria – Zenit 4:1 (1:1)

Im abschließenden Spiel gegen Zenit ging es also für die Austria um nichts mehr als um die Chance um den Sieg und damit einen ordentlichen Batzen Geld. Zunächst waren es aber wie schon im Hinspiel die Gäste aus Russland, die den Ton angaben und nach einer halben Stunde auch verdient in Führung gingen.

Doch Hosiners Ausgleich vor der Pause und der Doppelschlag durch Jun und erneut Hosiner unmittelbar nach dem Seitenwechsel brachten nicht nur eine 3:1-Führung für die Austria und damit die Vorentscheidung, sondern ließen die Gäste auch in der Folge ziemlich schwimmen. Es hat sicher auch mitgespielt, dass Zenit um den Zwischenstand im Parallelspiel wusste und in der Gewissheit, dass auch eine Niederlage das Weiterkommen nicht mehr verhindern wird.

Aber klar wurde auch: Eine so tolle Mannschaft, wie Zenit bis vor anderthalb Jahren war, ist sie längst nicht mehr. Das 4:1 von Kienast in der Nachspielzeit machte den Deckel drauf, die Austria hatte gewonnen, und das absolut verdient.

Bilanz: 1 Sieg, 2 Remis, 3 Niederlagen

Gar keine Frage: Die Austria hat deutlich besser abgeschnitten, als man das erwarten konnte. Sie zeigte, dass sie in Phasen und Teilen gegen Teams aus der erweiterten europäischen Top-Klasse wie Porto und Zenit nicht so schlecht aussehen muss – die beiden Abreibungen gegen Atlético waren erwartbar und angesichts der überragenden Klasse der Spanier auch nicht weiter schlimm. Dieses Team ist so gut wie Barcelona und Real Madrid, gegen diese Team schauen ganz andere auch schlecht aus.

Es gelang allerdings nicht, diese Komponenten auf einer konstanten Basis abzurufen. Da wurde mal ein großartiges Mittefeld-Pressing aufgezogen (erste Hälfte gegen Porto), da wurde mal stark verteidigt (zweite Hälfte in St. Petersburg), da wurden dann auch mal konsequent die Torchancen verwertet (daheim gegen Zenit). Dazwischen fehlte es aber auch immer mal wieder am Mut, einen wankenden Gegner auch etwas nachhaltiger anzubohren (Porto daheim und auswärts).

Damit wird deutlich, was dem Meister einer im Champions-League-Vergleich kleinen Liga wie Österreich zur europäischen Spitze fehlt: Es ist nicht das grundsätzliche Können, gut zu verteidigen, gut zu pressen oder die Torchancen zu verwerten. Sondern die Fähigkeit, all das gleichzeitig auf dem nötigen Niveau zu zeigen und die Fähigkeit, das über mehrere Spiele hinweg konstant auf dem nötigen Niveau zu zeigen.

So hat sich die Austria bei ihrer Champions-League-Premiere im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr ordentlich präsentiert; hat dabei fünf Punkte mehr gemacht als etwa Olympique Marseille, und auch mehr Zähler eingefahren als alle sieben anderen Gruppenletzten. Wenn im Frühjahr die Doppelbelastung wegfällt, ist die Austria – dem vielversprechenden Talent von Rapid und der inhaltlichen Überlegenheit von Ried und Grödig zum Trotz – ganz klar die zweitbeste Mannschaft der heimischen Liga und sollte recht sicher Zweiter werden.

Einstweilen aber kann man nur sagen: Danke, Austria, für sechs Champions-League-Abende mit österreichischer Beteiligung. Hat (meistens) Spaß gemacht!

(phe)

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0:3-Lehrstunde für die Austria: Atlético ist dem Meister einfach viel zu stark https://ballverliebt.eu/2013/10/23/03-lehrstunde-fur-die-austria-atletico-ist-einfach-viel-zu-stark/ https://ballverliebt.eu/2013/10/23/03-lehrstunde-fur-die-austria-atletico-ist-einfach-viel-zu-stark/#respond Tue, 22 Oct 2013 22:06:53 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=9750 0:3-Lehrstunde für die Austria: Atlético ist dem Meister einfach viel zu stark weiterlesen ]]> Es war eine Lehrstunde, die die Austria im Champions-League-Heimspiel von Atlético Madrid erteilt bekam. Der spanische Top-Klub war dem heimischen Meister viel zu stark, und dieser machte auch nicht den Fehler, das Spiel nicht mit dem nötigen Ernst anzugehen. Eine humorlose, professionelle Vorstellung und ein 3:0-Sieg, der sehr wenig mit Taktik zu tun hatte, sondern schlicht damit, dass Atlético einfach viel höhere Qualität hat als die Austria.

Austria Wien - Atlético de Madrid 0:3 (0:2)
Austria Wien – Atlético de Madrid 0:3 (0:2)

Das Wichtigste gleich mal vorneweg: Atléti war der Austria in allen Belangen haushoch überlegen. Die inidviduelle Klasse des spanischen Tabellenzweiten, der über sehr weite Strecken der letzten anderthalb Jahre vor Real lag, das auch derzeit tut und den Lokalrivalen zuletzt zweimal im Bernabéu besiegt hat, lag so weit über jener des österreichischen Meisters, dass der Spielverlauf und das Ergebnis nur sehr wenig mit Taktik zu tun haben. Darum hier auch nur eine kurze Übersicht über den inhaltlichen Aspekt dieses Spiels.

Atléti: Überzahl im Zentrum, Feuer frei für die AV

Cholo Simeone stellte sein Team in einem 4-4-1-1 auf, in dem die Mittelfeld-Außen Arda und Koke allerdings recht weit einrückten. Das hatte zur Folge, dass die Madrilenen im Zentrum zumeist eine 4-gegen-3-Überzahl hatten, die sich noch ausbaute, wenn Raúl García sich in diesen Bereich fallen ließ. Jenes Mittelfeld-Pressing, das die Austria in der ersten halben Stunde gegen Porto so exzellent gezeigt hatte, griff ob der personellen Unterlegenheit gar nicht.

Das eigentliche Risiko beim Einrücken der Mittelfeld-Außen ist ja, dass man dem Gegner auf den Außenbahnen theoretisch eine 2-gegen-1-Überzahl überlässt. Weil aber die Außenverteidiger der Austria recht defensiv agierten und Simeone das ohne Zweifel auch so erwartet hat, konnte er dieses Risiko eingehen. Mit der Folge, dass die Außenverteidiger der Gäste, vor allem Filipe Luís – einer der Atlético-Urgesteine – auf der linken Seite, Feuer frei am Weg nach vorne hatten.

Das schnelle 1:0 für die Spanier entstand folgerichtig aus einem Zusammenspiel von Koke und Filipe Luís. Letzterer startete in die Schnittstelle zwischen Rogulj und Dilaver, wurde von Koke bedient, legte zur Mitte und Raúl García schloss ab. Das ging der Austria deutlich zu schnell. Wie auch das zweite Tor, dass aus einem blitzsauberen, Atlético-typischen Konter fiel. So konnten die Gäste recht schnell einen Gang zurückschalten.

Erzwungene Änderung nicht von Nachteil

Nenad Bjelica war nach einer Viertelstunde gezwungen, den angeschlagenen Marko Stankovic auszuwechseln. Mit dem neu ins Spiel gekommenen Roman Kienast wurde aus dem anfänglichen 4-1-4-1 nun eher ein 4-4-1-1 bei der Austria. Mit Kienast funktionierte das Anpressen der gegnerischen Spieleröffnung etwas besser, auch weil er von Haus aus etwas höher stand als Mader und Stankovic, die davor einen längeren Anlauf zum Gegenspieler hatten und Atlético daher leichter drumherum spielen konnte.

Philipp Hosiner knallte den Ball vor der Pause an die Latte, die beste Chance der Austria. Man hatte aber nie das Gefühl, dass Atlético wackeln würde. Man hatte aber ständig das Gefühl, dass Atlético problemlos zulegen kann, wenn es nötig ist. Spätestens nach dem 3:0 acht Minuten nach dem Seitenwechsel war alles klar und Simeone konnte weiter dazu übergehen, Stammspieler zu schonen.

Der bärenstarke Filipe Luís durfte sich die komplette zweite Halbzeit ersparen, Diego Costa hatte seine Schuldigkeit nach einer Stunde getan. Atléti spielte danach in einem 4-1-4-1 weiter, mit Raúl García an vorderster Front, in der Schlussphase statt ihm mit Adrián. Seriös und professionell wurde das Spiel über die Zeit geschaukelt. Nach dem Motto: Wenn sich noch was ergibt, fein, wenn nicht, auch egal.

Fazit: Atlético um mehrere Nummern zu groß

Natürich hat die Austria nur dann eine Chance gegen einen übermächtigen Gegner wie diesen, wenn alles zusammen passt, alle einen glanzvollen Tag erwischen und die andere Mannschaft es nicht mit dem nötigen Ernst angeht. Nur: Der frisch genesene Stankovic war eben doch noch nicht ganz genesen, Jun war meilenweit von einer guten Form entfernt, Rogulj hatte einige Stellungsfehler, und Hosiner fehlt die Eiseskälte vor dem Tor, die ihn letzte Saison ausgezeichnet hat.

Zudem machte Atlético einfach keine billigen Fehler. Technisch ist diese Mannschaft eine Augenweide, da flippert bei der Ballannahme kein Ball weg, das wird problemlos aus dem Nichts das Tempo verschärft, da kommen Pässe wie blind an, da gibt es immer eine offene Anspielstation, da wird auch vor dem Tor nicht lange gefackelt. Darum hätte kein taktischer Winkelzug dieser Welt dafür sorgen können, dass die Austria dieses Spiel gewinnt.

Dafür war er Qualitäts-Unterschied einfach zu groß.

(phe)

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30 mutige Minuten reichen nicht: Die Austria verliert 0:1 gegen Porto https://ballverliebt.eu/2013/09/19/30-mutige-minuten-reichen-nicht-die-austria-verliert-01-gegen-porto/ https://ballverliebt.eu/2013/09/19/30-mutige-minuten-reichen-nicht-die-austria-verliert-01-gegen-porto/#comments Wed, 18 Sep 2013 22:10:42 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=9501 30 mutige Minuten reichen nicht: Die Austria verliert 0:1 gegen Porto weiterlesen ]]> Eine halbe Stunde lang machte die Austria so ziemlich alles richtig, was man als Underdog richtig machen kann: Früh stören, schnell umschalten, den spielstarken Gegner nicht zur Entfaltung kommen lassen. Dummerweise aber eben nur eine halbe Stunde lang. Dann gab’s mehr Platz und mehr Raum für Porto – und die Portugiesen schlugen die Austria bei deren Champions-League-Debüt mit 1:0.

Austria Wien - FC Porto 0:1 (0:0)
Austria Wien – FC Porto 0:1 (0:0)

Couragiert sich nicht vom Namen und von der Qualität des Gegners einschüchtern lassen: Diese Marschroute war in der ersten halben Stunde bei der Premiere der Austria in der Champions League gegen den FC Porto klar erkennbar.

Was die Austria gut machte

Das zentrale Mittelfeld-Trio mit Holland, Stankovic und (vor allem) Mader ließ ihren direkten Gegnern überhaupt keine Zeit am Ball. Es war offensichtlich, dass die Portugiesen mit einem so aggressiv störendem Gegner nicht gerechnet hatten, sie wirklich jedenfalls ziemlich überrumpelt. Mit so erzwungenen Ballgewinnen und flinkem Umschalten gelang es der Austria, Porto zu ärgern; gerade der extrem giftige Royer machte Porto zu schaffen.

Es wurden zwar wenig produziert, was die Gäste wirklich in Sorge um einen Rückstand versetzen hätte müssen – zumeist wurde etwas überhastet von der Strafraumgrenze der Abschluss gesucht, oder die umsichtig agierenden Innenverteidiger Otamendi und Mangala klärten – aber man zeigte Porto: „Wir sind nicht gewillt, hier einfach nur das willige Opfer zu geben“.

Bei allem Stören vorne wurde aber gleichzeitig versucht, die Balance zwischen Offensive und Defensive nicht zu risikoreich zu gestalten. Die Austria-Außenverteidiger Suttner und Koch blieben verhältnismäßig vorsichtig, suchten nicht so oft wie gewohnt den Vorwärtsgang, sondern achteten lieber darauf, dass die permanent die Seiten tauschenden Porto-Außenstürmer Licá und Silvestre Varela nicht zur Entfaltung kamen. Kurz gesagt: Die Austria spielte so, wie man als Außenseiter gegen einen von der inidiviuellen Qualität deutlich besseren Gegner spielen muss.

Was die Austria nicht so gut machte

Das einzige Feld, in dem das mit dem Balance-Bewahren nicht so gut funktionierte, war der Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr in der Mitte des Feldes. Wenn Mader und Co. nach vorne drückten, rückte die Viererkette – und hier im speziellen die Innenverteidigung – nicht mit auf. Porto schaffte es in der ersten halben Stunde nicht, diesen Raum auszunützen, auch weil ihren dafür merklich die dazu notwenidige Laufarbeit fehlte.

Nach einer halben Stunde kombinierte sich Porto mal durch und Jackson Martínez hatte die erste wirklich nennenswerte Chance für die Gäste. Das war so ein wenig der Weckruf: Nun erhöhte Porto das Pensum, erkannte den sich bietenden Raum hinter dem Mittelfeld-Trio, und versuchte vermehrt, diesen zu bearbeiten. Dabei kam Porto auch zu Pass, dass die Intensität des Pressings der Austria zum gleichen Zeitpunkt deutlich nachließ.

Mit der vermehrten Zeit und dem verringerten Druck, den Porto im Mittelfeld nun hatte, bekam der Favorit das Spiel innerhalb von wenigen Minuten voll in den Griff. Auch die nun konsequenter nach vorne stoßenden Außenverteidiger Alex Sandro und Danilo – übrigens jene Flügelzange, die für Brasilien bei der U-20-WM vor zwei Jahren in der Vorrunde Österreich demolierte und später Weltmeister wurde – rückten mehr auf. So wurde neben dem (unauffälligen) Jun auch der (extrem auffällige) Royer nach hinten gedrückt, was der Austria viel Zug nach vorne nahm.

Porto münzt höhere Qualität um

Das Bild der letzten Viertelstunde der ersten Hälfte änderte sich auch im zweiten Spielabschnitt nicht. Porto konnte sich sogar trauen, sich noch weiter nach vorne zu schieben als vor dem Seitenwechsel: Zuweilen standen gar die beiden Innenverteidiger an der Mittellinie. Porto machte dabei zwar nicht den ganz massiven Druck und stellte die Austria nicht unter Dauerbeschuss, aber wurde unter deutlich weniger Stress gestellt und nützte es in der 55. Minute aus, dass weiterhin der Raum zwischen Austria-Abwehr und Austria-Mittelfeld zu wenig konsequent zugestellt wurde. Ein Passweg aus dem Zentrum über halbrechts auf den einmal mehr aufgerückten Rechtsverteidiger Danilo, Flanke in den Rückraum, Lucho González trifft zum 1:0.

Nicht, dass die Austria keine Torchancen gehabt hätte. Aber das Pressen im Verbund, das die erste halbe Stunde ausgezeichnet hatte, gab es einfach nicht mehr. Was es gab, waren Einzel-Initiativen, wie etwa jene von Hosiner, der den hoch stehenden Innenverteidigern von Porto den Ball abluchste, dann aber nicht schnell genug war. Und durch Standardsituationen, aus denen aber zu wenig gemacht wurde. Die Ecken blieben pratisch alle harmlos, die größte Gefahr nach einem Freistoß war ein Stankovic-Kopfball.

Zudem wurden nicht geradlinig genug der Weg nach vorne gesucht. Angriffe wurden immer wieder auf halbem Weg abgebrochen. Mit der körperlichen Frische schwand auch die geistige, die Risikobereitschaft nahm eher ab als zu, daran änderte auch die Einwechslung von Okotie für Holland nichts entscheidendes. Natürlich hätte der auch reingehen und der Austria ein 1:1 bescheren können. Was aber halt fehlte, war die kollektive Arbeit gegen das Mittelfeld von Porto. Ein wenig „Hättiwari“: Hätte dieser Druck aus der ersten halben Stunde aufrecht erhalten worden, wäre das Spiel höchstwahrscheinlich nicht verloren worden – womöglich sogar gewonnen.

Fazit: Couragiert, aber nicht konsequent genug

Die Austria zeigte eine halbe Stunde lang eine sehr couragierte, sehr aktive und auch durchaus intelligente Leistung. Vor allem der extrem laufstarke Mader und der extrem giftige Royer zeigten da ausgesprochen gute Performances. Leider gelang es nicht, diese Marschroute länger als 30 Minuten durchzuziehen. Denn anstatt Porto weiter zu nerven und die Lust am spielen zu nehmen, wurde den Gästen in der Folge zu viel Zeit am Ball gelassen.

Und das nützt eine Klassemannschaft wie Porto nun mal aus. Ohne großen Glanz zu verbreiten und ohne sich voll zu verausgaben dann einen 1:0-Sieg einfahren: Um das zu verhindern, hätte die Austria konsequenter das anfängliche Forechecking durchziehen und dann aber auch konsequenter die sich bietenden Chancen ausnützen müssen. Dafür war aber, vor allem in der Schlussphase, die nötige körperliche Frische auch nicht mehr vorhanden.

So heißt es nach dem Spiel: Ganz gut ausgesehen, mancher mag sich auch eine „unglückliche Niederlage“ einreden. Die Realität ist aber eher, so hart es klingen man: Wer in der Champions League nur 30 Minuten aktiv ist, wird nicht viel gewinnen. Auch nicht, wenn einem noch so viel eingeredet wird, es wäre eine unglückliche Niederlage gewesen.

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Reif für die Bundesliga? Lustenau wäre interessanter, der WAC passt besser https://ballverliebt.eu/2012/05/05/reif-fur-die-bundesliga-lustenau-ware-interessanter-der-wac-passt-besser/ https://ballverliebt.eu/2012/05/05/reif-fur-die-bundesliga-lustenau-ware-interessanter-der-wac-passt-besser/#comments Fri, 04 May 2012 23:36:21 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7126 Reif für die Bundesliga? Lustenau wäre interessanter, der WAC passt besser weiterlesen ]]> Mit dem 2:2 bei Austria Lustenau hat der WAC einen womöglich vorentscheidenden Schritt zum Aufstieg in die österreichische Bundesliga gemacht – beim direkten Duell zeigten der Kroate und der Isländer auf den Trainerbänken aber beide ihre Qualitäten. WAC-Coach Bjelica mit seiner eher nüchternen, kompakten Spielanlage. Und Lustenau-Trainer Kolvidsson mit dem auch inhaltlich fundierten Versuch, das Spiel selbst zu gestalten.

Austria Lustenau - Wolfsberger AC 2:2

Ein Kroate und ein Isländer – sie kämpfen als Trainer um den Aufstieg in die Bundesliga: Die Wolfsberger mit dem führeren Kaiserslautern-Profi Nenad Bjelica (40, seit acht Jahren erst als Spieler, dann als Trainer in Österreich tätig) und die Lustenauer Austria mit Helgi Kolvidsson (40, als Spieler in Lustenau und im süddeutschen Raum in zweiter und dritter Liga unterwegs) sind jene Teams, die sich als die verbliebenen Kandidaten im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga herauskristallisiert haben. Mit dem WAC in der besseren Position: Mit vier Punkten Vorsprung ging’s zum direkten Duell am viertletzten Spieltag ins Ländle.

Die Spielanlage des Heimteams

Das größte Problem, mit dem Lustenau zu kämpfen hatte, war das krankheitsbedingte Fehlen von Spielmacher Sascha Boller. Statt dem Blondschopf aus Deutschland musste Jan Zwischenbrugger auf die Zehn in Kolvidssons 4-2-3-1 gehen. Dieser ist ein braver Spieler, aber er strahlt weder die Omnipräsenz eines Boller aus, noch hat er dessen Qualitäten im Gestalten des Spiels.

Zudem war Zwischenbrugger zwischen WAC-Sechser Messner und Roland Putsche ziemlich eingezwickt, sodass er noch weniger am Spiel teilnehmen konnte. So gab es zwei Möglichkeiten für die Vorarlberger, nach vorne zu kommen: Über die Flanken (das frühe 1:0 durch Boya entstand aus schleißigem Abwehrverhalten – Suppan versuchte nicht einmal, den Flankenball zu verhindern) oder über lange Bälle.

Vor der Pause: WAC hat das Spiel im Griff

Der WAC machte schon vor, aber erst recht nach dem 1:1-Ausgleich (einem schlimmen Patzer von Lustenau-Goalie Kofler bei einem Jacobo-Freistoß) sehr geschickt das Mittelfeld zu. Nenad Bjelica setzte in dieser Partie nicht auf sein gewohntes 4-4-2, sondern opferte einen Stürmer, um die Zentrale zu stärken. Generell war die Ausrichtung der Kärntner recht defensiv, kein Wunder, sie konnten mit einem Remis deutlich besser leben.

Jacobo – ein richtig unguter Kerl auf dem Platz, weinerlich und mit einer veritablen Fallsucht ausgestattet – sollte, wie gewohnt, auf dem linken Flügel für Akzente setzen, die anderen drei in der Mittelfeld-Kette hatten aber eher defensive Aufgaben. Kerhe auf der rechten Seite bremste gemeinsam mit Baldauf den flinken Thiago ein, Putsche passte auf, dass Zwischenbrugger nicht ins Spiel kam. Lediglich Zakany war noch mit gestalterischen Aufgaben bedacht: Er positionierte sich oft recht tief und stieß dann wie ein Box-to-Box-Spieler bis in die Spitze vor. Der Sechser Messner agierte als reiner Zerstörer – Aufgaben in der Gestaltung hatte er praktisch keine.

Der Plan des WAC ging auf: Lustenau fand keine Wege, um mit spielerischen Mitteln durch das Mittelfeld der Kärntner durchzukommen, da konnte sich Boya noch so viel bewegen und auch im Mittelfeld sich anbieten. So blieben nur noch lange Bälle, mit denen der WAC keine Probleme hatte. Die Folge: Lustenau hatte zwar mehr Ballbesitz, aber die Kärntner kontrollierten das Spiel.

Nach der Pause: Lustenau findet vor das Tor

Zwei Aspekte ließen das Spiel nach der Pause zu Gusten von Lustenau kippen: Zum einen, dass WAC-Coach Bjelica seine Flügelspieler die Seiten tauschen ließ. So sollte statt Jacobo nun der defensiv deutlich stärkere Manuel Kerhe die Angriffsbemühungen des starken Lustenau-RV Daniel Dunst einbremsen. Das war aber ein Schuss ins Knie: Nicht nur, dass Dunst gegen Kerhe (gegen den er selbst defensiv nichts zu befürchten hatte) noch mehr nach vorne randalierte als vor der Pause, nein, nun ließ sich auch Lustenau-LV Zech nicht lumpen und tat es Dunst gleich.

Und zum anderen, dass Thiago und Krajic, die beiden Lustenauer Außenstürmer, deutlich zentraler agierten bzw. einrückten, um den Außenverteidigern das hinterlaufen zu ermöglichen. So überrannten die Vorarlberger das Zentrum, sodass der WAC hier überhaupt nichts Konstruktives mehr zeigen konnte, und verfügten aber dennoch über die nötige Breite, um die Abwehrkette des WAC auseinander zu ziehen.

Vor allem Boya verstand es sehr geschickt, die sich bietenden Räume im Strafraum anzugehen, sich mit seinem robusten Körperbau zur Wehr zu setzen und den Abschluss zu suchen. Lustenau war nach dem Seitenwechsel das klar spielbestimmende Team und hatte genug Chancen, sich die verdiente Führung zu sichern. Doch die Möglichkeiten wurden allesamt vergeben.

WAC erst in Not, dann in Führung

Bjelica nahm eine Viertelstunde vor Schluss Zakany aus dem Spiel und brachte mit Jochum einen zweiten Zerstörer und stellte auf ein 4-2-3-1 um. Das Signal war klar: Schauen, dass das 1:1 über die Zeit gebracht wird. Doch es ergab sich sogar die Chance auf mehr: Jacobo, von dem nichts mehr zu sehen war, ging bei einem der seltenen Konter nach einem leichten Schubser von Dürr spektakulär zu Boden – Freistoß, Solano kam mit dem Kopf dran, und der WAC führte 2:1.

Die Vorarlberger warfen in den letzten Minuten dann noch alles nach vorne, und ein Freistoß-Gewaltschuss von Innenverteidiger Stückler brachte in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Hochverdient – mindestens. Im Kampf um den Aufstieg aber wohl dennoch etwas zu wenig.

Fazit: WAC passt besser in die Bundesliga, Lustenau wäre interessanter

Im Endeffekt geht das Remis in Ordnung: Der WAC kontrollierte das Spiel mit geschicktem Spiel gegen den Ball vor der Pause, Austria Lustenau mit mutigem Spiel nach vorne nach dem Seitenwechsel. Für den Kampf um den Bundesliga-Aufstieg heißt das, dass der WAC sich nur noch selbst schlagen kann – in den letzten drei Spielen sollten die Kärntner ihren Vier-Punkte-Polster eigentlich nicht mehr verspielen.

Doch egal, wer nun das Ticket für die Bundesliga löst: Es wird eine Mannschaft rauf kommen, die sich vor der höchsten Spielklasse nicht fürchten muss – obwohl weder der WAC noch Lustenau zeigen etwas wirklich Außergewöhnliches zeigen.

Angesichts der aktuellen Bundesliga-Landschaft würde wohl der WAC besser hinein passen: Geschickte Arbeit gegen den Ball im Mittelfeld. Bis auf Jacobo keine Spieler, auf die man ein spezielles Auge richten müsste, aber sehr kompakt. Im Spiel nach vorne könnte es in der Bundesliga etwas Probleme geben: Zakany als Box-to-Box-Spieler, der das Umschalten von Defensive auf Offensive organisiert, ist dabei durchaus ausrechenbar. Das reicht in der Ersten Liga, aber bei den auf Verhindern geeichten Teams der Bundesliga geht das sicher nicht mehr so leicht. Zudem dürfen Zweifel angemeldet werden, ob Christian Falk als Solo-Spitze in der Bundesliga wirklich zurecht kommt. Er tut sich mit einem Sturmpartner sichtlich leichter.

Schöner zum Ansehen wäre, auch wenn es sich wohl nicht mehr ausgehen wird, Austria Lustenau. Unter Kolvidsson, und da vor allem nach der Winterpause, zeigen die Vorarlberger immer den Mut zur Initiative. Massiv nach vorne marschierende Außenverteidiger, Flügelstürmer die das Hinterlaufen ermöglichen,  ein Sascha Boller als nimmermüder Spielgestalter (wenn er nicht gerade krank im Bett liegt) – und mit Pierre Boya als robustem Solo-Stürmer, der Bälle nicht nur versenken sondern auch halten kann, dabei eigentlich zu gut für die Erste Liga ist.

Da es in der Bundesliga ja nicht so richtig viele Mannschaften gibt, die selbst gestalten (wollen), wäre ein Team wie Lustenau – wie gesagt, nichts Außergewöhnliches, aber zumindest inhaltlich an höheren Sphären orientiert – ein netter Farbtupfer gewesen.

Weshalb man Helgi Kolvidsson nur gratulieren kann und sagen muss: Bitte mehr Trainer von dieser Sorte!

(phe)

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