Banants – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Fri, 18 Jul 2008 20:33:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Salzburg – Jerevan (7:0) – Taktikbesprechung https://ballverliebt.eu/2008/07/18/salzburgs-70-taktikbesprechung/ https://ballverliebt.eu/2008/07/18/salzburgs-70-taktikbesprechung/#respond Fri, 18 Jul 2008 18:31:58 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=251 Salzburg – Jerevan (7:0) – Taktikbesprechung weiterlesen ]]> Es kommt einem so vor, als wäre alles, was in zwei Jahren Trapattoni in mühsamer Kleinarbeit einstudiert wurde, auf einen Haufen geworfen und entsorgt worden wäre – Co Adriaanse hat mit den Bullen nicht nur einen Reboot gemacht, er hat den Rechner völlig neu aufgesetzt. Und wie es meistens ist: Plötzlich funktioniert alles viel besser. Das möchte ich anhand des 7:0-Sieges im besseren Trainigsspielchen gegen Banants Jerevan – bei dem Georg und ich vor Ort waren – einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Wie schon bekannt, stellt der neue Trainer ein 4-3-3 holländischer Prägung auf. In der Viererkette hinten Gercaliu links, Boussaidi rechts und in der Mitte Sekagya und Aufhauser, im zentralen Mittelfeld Kovac, links und rechts von ihm Öbster und Tchoyi; Zickler und Mahop als Winger und Nelisse (diesmal als Janko-Ersatz) als Center-Forward. Soweit die nackten Daten.

In der Praxis fällt einem recht schnell auf, dass die Abstimmung zwischen Aufhauser und Sekagya in der IV noch nicht wirklich vorhanden ist. Da wird die (einzige) gegnerische Sturmspitze schon mal nicht beachtet und darf zentral vorm Tor völlig freistehen. War in diesem Spiel egal – der arme Kerl sah sowieso keinen Ball. Aber Aufhausers angstvolle Blicke, wann immer er einem weiten Ball nachlief, verbreiten nicht gerade große Sicherheit.

Was auffiel: Die linke und die rechte Seite der Salzburger arbeitet nicht symmetrisch. Auf der linken Seite, der deutschsprachigen, läuft Gercaliu, wann immer es ihm möglich ist, mit nach vorne. Gegen die Armenier turnte er nicht selten jenseits der Mittellinie umher, um vorne immer wieder auch direkt den Zug zu Zickler zu suchen. Öbster spielt hier etwas eingerückt im linken Halbfeld – zum einen als gern gesehener Partner im Doppelpass, zum anderen als wachsames Auge was die Defensive betrifft. Die linke Seite aber, die fremdsprachige, funktioniert anders: Hier klebt Boussaidi hinten, um mit seinem Stellungsspiel – im Zweikampf hat er mitunter leichte Probleme – den linken offensiven Mittelfeldmann der Armenier aus dem Spiel zu nehmen (was vorzüglich gelang), macht nach vorne aber so gut wir gar nichts. Dafür ist Tchoyi (also die theoretische Entsprechung von Öbster) oft direkt an der Außenlinie zu finden und sucht entweder Mahop für Kurzpassspiel, oder die Flanke auf Nelisse. Beides gelang gegen Banants aber nicht wie gewünscht, weil Tchoyi den Ball zu oft vertendelte, bzw. sich ihn von den Armeniern abnehmen ließ (weshalb es logisch war, dass er nur aus einem Weitschuss ein Tor schießen konnte). Das veranlasste Mahop hingegen dazu, gerne auch hin und wieder in die Zentrale zu ziehen, um dort den Einfädler zu spielen. Zickler ging in diesen Situationen von links mehr in die Spitze. Was Tchoyi betrifft, so wurden seine Aktionen nach der Pause effizienter: Das 5:0 und das 6:0 bereitete er mit beherztem Einsatz vor.

Das konstruktive Spiel der Salzburger fand in der ersten Stunde fast ausschließlich über die Flanken statt. Das Mittelfeld versuchte Banants mit einem massierten Auftritt (also ein dicht gestaffeltes Fünfer-Mittelfeld) dicht zu machen: Das einzige, was den Gästen über längere Zeit gut gelang. Das Spiel über Kovac (also das zentrale Mittelfeld) war nach dem Trial-and-Error-Prinzip aufgebaut, hier kam bis zum Dreierwechsel nichts Gewinnbringendes heraus.

In der Anfangsphase ließen es die Salzburger noch ruhiger angehen. Das Spiel wurde hinten oft breit gemacht, bis einer den Ball nach vorne drosch. Banants hatte kaum Probleme, das zu verteidigen. Auch das 1:0 der Salzburger (Kopfball nach Ecke) änderte daran wenig. Erst das 2:0 zeigte den Salzburgern, wie es geht: Tempobolzerei über die Außen, schnelle Pässe, überfallsartig nach vorne – schon kommen die Gäste nicht mehr mit. Das 2:0 war die Initialzündung, denn jetzt wussten die Bullen, wie Banants beizukommen war. Und diese Schwäche nützten sie eiskalt aus: Die Armenier standen dem hohen Tempo nun völlig hilflos gegenüber. Waren sie anfangs noch bemüht, Ordnung zu bewahren, so regierte mit Fortdauer des Spiels nur noch das blanke Chaos.

Nach etwa einer Stunde wechselte Adriaanse dreifach: Er brachte Bodnar (für Boussaidi), Jezek (für Öbster) und Vonlanthen (für Mahop). Folge: Die Bullen standen nun 4-2-3-1 mit Nelisse vorne, dahinter Zickler zentral, Jezek links und Vonlanthen rechts. Offiziell. Denn de facto war das nun ein 2-4-4: Jezek und Vonlanthen als Außen, Zickler mehr als (mindestens) hängende Spitze als zentral hinter Nelisse. Dazu marschierte vor allem Bodnar nur über die zuvor eher tote rechte Seite viel nach vorne. Nun schlug auch die Stunde des zuvor unauffälligen Kovac: Er hatte zwar weiterhin nur den Aktionsradius des Mittelkreises, aber nun hatte er vier potentiellen Anspielstationen. Das Spiel als Quarterback machte Kovac sichtlich Laune, denn mindestens einer (zumeist Jezek) war immer frei.

Es gibt aber auch leichte Kritikpunkte am Salzburger Spiel zu finden. Das Zurücklaufen bei Konterangriffen wirkte unkoordiniert und wirr. Eine bessere Mannschaft hätte das (wie auch die Unsicherheiten Aufhauser/Sekagya) besser ausgenützt – wie Rapid am Wochenende. Dazu ist es erstaunlich, dass es eine halbe Stunde dauert, bis man begreift, dass man mit Tempo den Gegner leicht knacken kann. Weiters: Die Chancenauswertung bis zum 6:0 war top, danach nur noch schludrig. Vor allem Zickler wollte es oft allzu schön machen, was so gut wie nie gelang. Aber bei einem derart eindeutigen Spielstand kann man das schon mal machen.

Was man nicht vergessen sollte: Den Armeniern fehlten vier Spieler, die kein Visum bekamen. Um wie viel besser sie mit diesen Spielern agiert hätten, vermag man nicht zu sagen. Verloren hätten sie aber auch so.

(Text phe, Fotos und Grafiken Georg)

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Anorthosis – Banants – Tobol https://ballverliebt.eu/2008/07/01/anorthosis-banants-tobol/ https://ballverliebt.eu/2008/07/01/anorthosis-banants-tobol/#respond Tue, 01 Jul 2008 12:47:21 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=241 Anorthosis – Banants – Tobol weiterlesen ]]> Rapid muss in der CL-Quali wohl nach Zypern, Salzburg im UEFA-Cup nach Armenien und die Austria nach Kasachstan. Wer sind diese drei Mannschaften?

Anorthosis Famagusta ist also der Gegner von Rapid. Dabei ist „Famagusta“ eigentlich Etikettenschwindel: Denn die Stadt Famagusta ist im türkischen Teil der Insel, sodass der FC Anorthosis vor mittlerweile 34 Jahren in das etwa 50km entfernte Larnaca umezogen ist. Der Verein ist 13-facher zypriotischer Meister (8x in den letzten 15 Jahren) im Fußball, für die Blau-Weißen hat es (welche Überraschung) noch nie für die Champions League-Gruppenphase gereicht. Aber Vorsicht ist dennoch geboten: Vor drei Jahren eliminierte man in der 2. CL-Qualirunde immerhin den damaligen türkischen Vizemeister Trabzonspor! Der Star bei der „Alten Dame“ (ja, wirklich) sitzt auf der Trainerbank. Temuri Ketsbaia (40) ist langjähriger Teamspieler aus Georgien, der auf dem Platz jede Menge internationale Erfahrung gesammelt hat, bei Teams wie AEK Athen oder Newcastle United. Er geht mittlerweile in seine fünfte Saison bei Anorthosis, er war in den vergangenen vier Jahren Spielertrainer und konzentriert sich nun ganz auf das Traineramt. Es gibt auch einige Spieler, die einem nicht unbekannt sind, wenn man sich mit dem Fußballgeschäft eingehend beschäftigt. Da steht zum Beispiel Arjan Beqaj im Tor: Er ist albanischer Teamtorwart. Davon darf man sich zwar nicht täuschen lassen, Albaner waren noch nie gute Torleute, aber immerhin. Auf der linken Verteidigerposition findet man Jeffrey Leiwakabessy, der sich in den letzten Jahren seine Brötchen von Alemannia Aachen bezahlen ließ, im Mittelfeld den Portugiesischen Wandervogel Paulo Costa (der jedes Jahr einen anderen Verein hatte, wie z.B. Bordeaux und Porto, zuletzt Aris Limassol). Anorthosis ist eine Legionärstruppe: Neben dem Albaner im Tor, dem Holländer hinten und dem Portugiesen in der Mitte gibt es noch Spieler aus Frankreich, Serbien, Polen und natürlich Griechenland. Das darf aber alles nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Mannschaft internationalen Ansprüchen ernsthafter Natur nicht genügt. Es handelt sich hier sicherlich um eine brauchbare Mannschaft, die in der 1. Qualirunde sicher eine der besseren ist, aber nichts, wovor man ich wirklich fürchten müsste. Mannschaften aus Zypern sind unangenehm (vor allem Auswärts), aber außerhalb der Heimat oft eine Klasse schwächer. Gelingt Rapid ein Auswärtstor, steht die Türe in die 3. Qualirunde ganz, ganz weit offen. Die Chancen auf den Aufstieg würde ich auf 65-70% beziffern. Ach ja: Anorthosis muss vorher noch in der 1. Qualirunde am armenischen Meister Pjunik Jerevan vorbei. Das sollte aber kein wirkliches Problem sein.

Leichter zu schlagen sind da sicher Banants Jerevan (Salzburgs Gegner) und Tobol Kostanaj (gegen die die Austria spielen muss). Dafür sind sie auch umso unbeschriebenere Blätter. Tobol Kostanaj (Vereinsfarben Gelb-Blau) kommt aus der kasachischen Stadt Kostanaj im äußersten Norden dieses großen Landes. Die Stadt, die etwa so groß ist wie Graz, liegt am Fluss Tobol. Der nach diesem Fluss bennante Klub hat auch schon Österreich-Erfahrung: Vor einigen Jahren musste Pasching im UI-Cup die weite Reise antreten. Trotz der fünf Stunden Zeitunterschied (!) fuhr Pasching recht locker über dieses Team drüber. Im letzten Jahr kam man erstanunlicherweise durch den UI-Cup durch, mit Siegen über Slovan Liberec und OFI Kreta – keine schlechte Leistung. Und dass Teams aus Kasachstan unangenehm sein können, weiß man ja seit Mattersburgs Dusel-Auftritt gegen Aktobe letztes Jahr. Der FC Tobol ist in den letzten Jahren beständig im Vorderefeld der Tabelle zu finden und führt diese aktuell (zu Saisonhalbzeit) sogar an. Auf die wenig bekannten Spieler einzugehen, bringt aber nichts.

Wie auch bei Banants Jerevan. Beim Team aus der armenischen Hauptstadt (1,1 Millionen Einwohner) spielen zwar einige Teamspieler aus Armenien, aber der Bekanntheitsgrad dieser Spieler geht hierzulange stramm gegen Null. Lediglich für Ibrahim Sekagya wird es eine Reise zu einem Landsmann: Noah Babali Kasule, wie Sekagya aus Uganda, spielt dort. Banants war in seiner Geschichte zwei Mal armenischer Cupsieger, konnte in sieben Europacup-Teilnahmen erst ein einziges Mal überhaupt die erste Qualirunde überstehen. Für die Austria gilt genauso wie für Salzburg: Das Weiterkommen ist absolute Pflicht, und normalerweise sogar mit den RedZac-Teams möglich. Ein Scheitern wäre eine Blamage färöer’schen Ausmaßes.

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