Asiencup – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Tue, 01 Feb 2011 13:45:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Was bleibt, was war gut, was weniger? Das war Katar 2011 https://ballverliebt.eu/2011/02/01/was-bleibt-was-war-gut-was-weniger-das-war-katar-2011/ https://ballverliebt.eu/2011/02/01/was-bleibt-was-war-gut-was-weniger-das-war-katar-2011/#comments Mon, 31 Jan 2011 23:26:12 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3907 Was bleibt, was war gut, was weniger? Das war Katar 2011 weiterlesen ]]> „Ich habe mich entschieden, weit weg von Italien zu trainieren, um mich von der dortigen Schizophrenie zu entgiften. Ich bin zurückgekehrt zu der Arbeit, die mir am meisten gefällt – den Fußball zu lehren!“ – Das sagt Alberto Zaccheroni. Jener Mann, der das tolle japanische Team zum Sieg im Asien-Cup geführt hat.

Schon nach dem ersten Gruppendurchgang musste jeder, der mehr gesehen hat als nur die Ergebnisse, wissen: Der Titelgewinn führt nur über diese bärenstarken Japaner – obwohl es im ersten Spiel gegen Jordanien „nur“ ein 1:1 gegeben hat. Im Nachhinein betrachtet, im Lichte dessen, was die Jordanier erreicht haben, verwundert dieses Resultat nicht mehr. Nach 32 Spielen, die Ballverliebt analysiert hat, darf natürlich ein Debriefing nicht fehlen. Eine Zusammenfassung dessen, was das Turnier Katar 2011 so alles gebracht hat.

Das Problem mit dem All-Star-Team

Ballverliebt-Allstars des Asiencups 2011

So könnte ein All-Star-Team des Turniers aussehen. Das ist aber durchaus problematisch – denn einige Positionen sind unstrittig, für andere gäbe es viele glaubhafte Möglichkeiten, für andere eigentlich gar keine. Das fängt schon bei der Position der Solo-Spitze an. Hier gab es nämlich im Grunde keinen einzigen Spieler, der wirklich überzeugt hätte. Harry Kewell hat zwar einige Tore geschossen, darunter das wichtige im Viertelfinale gegen den Irak, aber sonst vor allem durch slapstickhaftes Verschludern bester Möglichkeiten geglänzt. Alternativen wie Ji Dong-Won (Südkorea) oder Ryoichi Maeda (Japan) haben immer fleißig gerackert, aber wenig Torgefahr ausgestrahlt. Und auch bei den restlichen 13 Mannschaften hat sich keiner nachhaltig angeboten. Was eine der ganz großen Erkenntnisse dieses Turniers ist: Es fehlen die Vollstrecker.

Ein absolutes Überangebot herrscht dafür auf der Sechser-Position – mit dem Südkoreaner Ki Sung-Yueng (21) hat sich eines der weltweit größten Talente dieser Position in den Vordergrund gespielt. Ob er noch lange bei Celtic Glasgow unter Vertrag steht? Aber auch Yasuhito Endo aus Japan und Nashat Akram aus dem Irak wussten auf der Position vor der Abwehr durchaus zu gefallen, auch sie hinterließen einen viel nachhaltigeren Eindruck als jeder Stürmer dieses Turniers.

Auch im linken Mittelfeld gab es mehr Kandidaten als nur den überragenden Shinji Kagawa. Zyniker könnten sagen, Dortmund solle froh sein, dass er sich nach seinem Gala-Auftritt gegen Katar verletzt hat; so bleibt er dem BVB über den Sommer hinaus erhalten – ansonsten wäre ein Transfer nach England kaum zu verhindern gewesen. Vor einem solchen stünde aber über kurz oder lang auch Matt McKay – wäre der Australier vom A-League-Leader Brisbane Roar nicht schon 27 Jahre alt. Er spielte ebenso ein starkes Turnier und war einer der Gründe, warum es die Socceroos bis ins Finale geschafft haben.

Durchbruch für Japan: Yuto Nagatomo!

Wenn es noch einen Beweis gebraucht hätte, wie essenziell die Position des Außenverteidigers im modernen Fußball geworden ist, Yuto Nagatomo hätte ihn erbracht. Eine ansprechende WM brachte ihm im Sommer einen Vertrag bei Serie-A-Aufsteiger Cesena ein, seine überragenden Leistungen beim Asiencup wurden mit einem Wechsel zu Inter Mailand belohnt. Christian Chivu bekommt also starke Konkurrenz. Er war auch essenziell für das generelle Spiel der Japaner, das vor allem in der Vorrunde massiv an jenes von Arsenal erinnerte – vor allem die erste Hälfte gegen Syrien.

Japan

Zaccheroni rückte mit den Japanern von jenem 3-4-3 ab, das er üblicherweise präferiert. Von der Grundformation her ist es ein nicht besonders ungewöhnliches 4-2-3-1. Einen wirklich zentralen Spieler kann man in dem ungemein augewogenen und sehr gut aufeinander abgestimmten Team aus Nippon gar nicht ausmachen. Die Spielanlage beruht auf der großen Flexibiliät der der offensiven Mittelfeldspieler, der Übersicht von Taktgeber Makoto Hasebe und der Breite, welche die massiv nach vorne stürmenden Außenverteidiger bringen. Die somit auch jene des Gegners nach hinten drücken – so sieht Defensivarbeit Anno 2011 aus.

Angesichts der Tatsache, dass die Flanken oft bis hin zur gegnerischen Grundlinie von Nagatomo links und dem Schalker Uchida rechts besetzt werden, können die drei in der Spielgestaltung – im Idealfall Honda zentral, Kagawa links und Okazaki (der nach zwei Spielen Matsui abgelöst hatte) – ihre Zwischenräume enger gestalten, was es für den Spielaufbau angesichts vermehrter Anspielstationen in kurzer Distanz leichter macht.

Außerdem gibt es an den Flanken immer eine Anspielstation, und Maeda vorne bindet mit viel Laufarbeit beide gegnerischen Innenverteidiger, sodass sich Honda und Co. mit diesen nicht herumschlagen müssen. Und das alles geschieht, sofern alle fit und frisch sind, auch noch in einem irren Tempo, vor allem in den ersten 20 Minute der Spiele. Was für den Titelgewinn letztlich aber nur die halbe Miete war – denn auch wenn es nicht läuft, wie im Viertelfinale gegen Gastgeber Katar oder im Finale gegen Australien, behält die Mannschaft stets Ruhe. Die Spieler auf dem Platz ebenso wie der Teamchef an der Seitenlinie. Zaccheronis genialer Schachzug, Nagatomo im Finale nach vorne zu ziehen und hinter im einen Innenverteidiger die Drecksarbeit machen zu lassen, wurde vom Neu-Mailänder mit der Vorlage zum 1:0 belohnt.

Ein weiterer Punkt, der sich äußerst positiv auf die Performance der Japaner auswirkte, war sicherlich die Tatsache, dass sich immer mehr den Sprung nach Europa zutrauen und sich dort auch durchsetzen. Honda ist Leistungsträger bei ZSKA Moskau, Kagawa beim designierten deutschen Meister Dortmund, Hasebe stemmte mit Wolfsburg schon eine Meisterschale, Uchida lebt sich nach Startschwierigkeiten bei Schalke immer besser ein, Torhüter Kawashima und Innenverteidiger Yoshida spielen in Belgien, Okazaki geht nach Stuttgart und Nagatomo eben zu Inter Mailand.

Durchbruch für Südkorea? Ki Sung-Yueng und Koo Ja-Cheol!

Es war am Ende wohl ein einziges Tor gegen Indien, was den Südkoreanern die Teilnahme am Finale gekostet hat. Ein Tor mehr gegen den überforderten Underdog im letzten Gruppenspiel, und statt Iran und Japan wären auf dem Weg ins Finale „nur“ Irak und Usbekistan gestanden. So aber musste sich das Team um Park Ji-Sung nach dem Semifinal-Aus im Elferschießen gegen Japan mit dem dritten Platz begnügen. Doch Moment… dem Team um Park Ji-Sung? Berechtigter Einwand – denn beim letzten Turnier des Man-Utd-Stars spielte sich ein ganz junger Mann ins Rampenlicht.

Südkorea

Und zwar Ki Sung-Yueng von Celtic Glasgow. Der 22-Jährige hat bereits 36 Länderspiele auf dem Buckel, spielte eine sehr ordentliche erste Weltmeisterschaft und war bei diesem Turnier einer der drei stärksten Spieler seines Teams. Ein Trio, zu dem der sehr mannschaftsdienliche, aber etwas überspielt wirkende Park Ji-Sung im Übrigen nicht mehr gehört: Der 29-Jährige hat seine Schuldigkeit getan und übergibt den Staffelstab nun an jene Generation, der er mit seinen Leistungen in den letzten Jahren die Tür nach Europa geöffnet hat. Der mit seinen 1.88m für einen Koreaner extrem große Sechser Ki bestach nicht durch auffällige Aktionen, sondern durch tolles Stellungsspiel, enorme Spielintelligenz und hohe Laufbereitschaft. Er nahm gegnerische Offensivkräfte wie Honda oder Cahill aus dem Spiel und spielte unauffällige, aber sichere Pässe in der Spieleröffnung.

Generell hinkte das Spiel der Koreaner aber. Ähnlich wie bei Japan sollte auch bei den Koreanern unter Cho Kwang-Rae die Breite von den Außenverteidigern kommen und sich das offensiven Mittelfeld zusammenziehen. Das Problem: Lee Chung-Yong fehlt es an der Klasse, Park Ji-Sung an der Frische und der Achter Lee Yong-Rae konnte nicht die nötigen Akzente setzen. Der einzige, der in der Offensive wirklich auf sich aufmerksam machen konnte, war Koo Ja-Cheol: Auf den 21-Jährigen von Jeju United war vor dem Turnier nur Young Boys Bern aufmerksam geworden, ein Transfer zu den Schweizern scheiterte letztlich am tollen Asiencup von Koo. Der seine Zelte nun in Wolfsburg aufschlagen wird. Er ist aber kein klassischer Zehner, sondern mehr eine hängende Spitze: Seine besten Szenen hatte der schnelle Mann, wenn er aus der Tiefe kommen und sich zwischen gegnerischer Innenverteidigung und gegnerischem Sechser zwischen den Linien bewegen konnte.

Auf diesen beiden Spielern wird in Zukunft die Hoffnung der südkoreanischen Fans ruhen. Denn der dritte extrem starke Mann bei diesem Turnier ist mit seinen 30 Jahren kein junges Talent mehr – nämlich Cha Du-Ri, der nach harten Jahren in Deutschland nun bei Celtic Glasgow untergekommen ist.

Ein letztes Hurra aus Australien

Auch, wenn es ein starkes Spiel im Finale gab und dieses surreale 6:0 im Semifinale gegen Usbekistan: Es fällt schwer, Australien wirklich als zweitbestes Team des Turniers zu sehen. Zu leicht war der Weg ins Finale, zu wenig überzeugend die recht durchwachsenen Spiele in der Vorrunde, und zu starr im Endeffekt auch das Spiel der Socceroos unter ihrem deutschen Teamchef Holger Osieck.

Australien

Außerdem war es keine Mannschaft mit Zukunft. Das Durchschnittsalter des Teams liegt bei knapp 30 Jahren, und wenn Matt McKay mit seinen 27 Lenzen nur zwei Spieler um sich herum hat, die (auch nicht viel) jünger sind als er selbst, wird schon klar, dass der Finaleinzig dieser Mannschaft jenes letzte Hurra einer Spielergeneration ist, den man eigentlich schon für die WM in Südafrika hatte erwarten können.

In Katar war Australien eine der wenigen verbliebenen Mannschaften, die mit einem klassischen 4-4-2 aufgetreten sind und in keiner Minute davon abgerückt sind. Die Vorwärtsbewegung kam fast ausschließlich über die Flanken und da spielte sich eben Matt McKay in den Vordergrund – auch, wenn er erst im Viertelfinale erstmals in der Startformation stand. Kein Wunder, dass die Socceroos erst in der K.o.-Phase ins Rollen kamen, mit einer starken Partie gegen den Irak und einer cleveren Leistung gegen jene Usbeken, die im Semifinale zeitweise zwei Drittel Ballbesitz hatten.

Taktisch gibt es über diese eher wenig prickelde Mannschaft nicht viel zu sagen. Aber in Hinblick auf den nächsten Asiencup im Jahr 2015 ist die Altersentwicklung alermierend – denn dieser wird just in Australien ausgetragen. Kein allzu günstiger Zeitpunkt, jetzt, wo der große Generationswechsel ansteht.

Unter Wert geschlagen: Iran

Am Ende steht das Aus im Viertelfinale – womit die Iraner weniger erreicht haben, als ihnen eigentlich zugestanden wäre. Ja, das zweite Gruppenspiel (1:0 gegen Nordkorea) war furchtbar. Aber die Art und Weise, wie das Team vom US-Iraner Afshin Ghotbi in der sehenswerten Auftaktpartie gegen den Irak mit einem 4-4-2 verschob, was das Zeug hielt, war interessant. Die folgende Umstellung auf das 4-1-4-1 folgerichtig, die Leistung des zweiten Anzugs im letzten Gruppenspiel (3:0 gegen die VAE) souverän. Und letztenendes scheiterte man am Pech in der Auslosung. Jeden anderen Gegner als die Südkoreaner, von den überragenden Japanern abgesehen, hätten die Iraner mit hoher Wahrscheinlichkeit geschlagen.

Gutes Coaching: Usbekistan

In gleichem Maße, wie die Iraner Pech mit der Auslosung hatten, müssen die Usbeken als Glückskinder gelten. Die gut organisierte, aber in der Spielgestaltung harmlose Truppe aus Zentralasien hatte die mit Abstand leichteste Gruppe zu überstehen und bekam mit Jordanien auch noch einen einigermaßen dankbaren Gegner im Viertelfinale. Zugegeben: Das 0:6 im Semifinale gegen Australien war um mindestens drei Tore zu hoch.

Die Usbeken bestachen vor allem durch ihre hohe systematische Flexibilität. Der Ausgangspunkt war auch bei ihnen ein 4-2-3-1, aber innerhalb dieses Systems konnte ohne größere Reibungsverluste gewechselt werden. Praktisch jeder Offensivspieler konnte sowohl im Zentrum als auch auf beiden Seiten spielen, dazu gab es fleißige Außenverteidiger und mit dem immer wieder nach vorne marschierenden Odil Achmedov auch noch einen interessanten Innenverteidiger.

Am auffälligsten war bei Usbekistan aber der Teamchef: Vadim Abramov verstand es immer wieder, mit intelligenten Wechseln Spiele zu retten, die zu entgleiten drohten. So war es etwa gegen Kuwait, aber auch gegen Jordanien. In letzterem Spiel trat sein Team übrigens in einem 3-2-4-1 an – die einzige experimentelle Formationsvariante in diesem Turnier.

Die positiven Überraschungen: Jordanien und Syrien

Auf dem Papier war die Vorrundengruppe B eine klare Sache: Japan und die Saudis gehen locker durch, Jordanien und Syrien haben keine Chance. Aber weit gefehlt! Die beiden Teams aus dem nahen Osten machten den Japanern das Leben extrem schwer und kippten den großen Nachbarn Saudi-Arabien in eine der schlimmsten sportlichen Krisen ihrer Geschichte. Aber wie ging das?

Jordanien - Syrien 2:1

Bei beiden Teams – natürlich – durch taktische Cleverness, ohne die es als Underdog einfach nicht geht. Ansonsten war die Herangehensweise aber durchaus verschieden. Die Syrer schlugen die Saudis (mit einem 4-4-1-1), fingen sich nach dem Seitenwechsel gegen Japan (mit einem 4-1-4-1) und rannten gegen Jordanien mit einem 4-2-3-1 mit voller Kraft an. Vor allem aber gaben sie ihr letztes Hemd, was ihren Kampfgeist anging. Der rumänische Teamchef Valeriu Tita verstand es, das Optimum aus seiner ausgeglichen besetzten Mannschaft heraus zu holen. Vor allem der gegen die Saudis und gegen Jordanien als Zehner agierende Belgien-Legionär Malki machte einen guten Eindruck, auch der fleißige linke Flügelmann Jehad Al-Hussein gefiel. Dass es letztlich nicht reichte, lag an der mangelnden Chancenverwertung.

Die kann man Jordanien hingegen nicht vorwerfen – beim 2:1-Sieg im entscheidenden Spiel gegen Syrien, dem wohl energiegeladensten Match des ganzen Turniers, vergab man zwar die einzige selbst herausgespielte Torchance, gewann aber letztlich dennoch. Weil die bombenfeste Defensive um Ersatz-Kapitän Bashir Bani-Yasin ein sensationelles Turnier spielte. Und das, nachdem mit Hatem Aqel dessen Partner schon in der ersten Partie verletzt w.o. hatte geben müssen! Doch Teamchef Adnan Hamad, ein Iraker, hatte eine perfekt aufeinander abgestimmte Truppe, die mit Spielmacher Hassan Abdel-Fattah auch in der Offensive einen fähigen Mann hatte, mit Sulaiman Al-Salman einen hervorragenden Rechtsverteidiger, mit Hashhash und Abdulrahman ein gut funktionierendes Duo im defensiven Mittelfeld, und mit Amir Shafi einen starken Torhüter.

Gute Figur gemacht: Titelverteidiger Irak

Was vom Asiencup 2007 in Erinnerung blieb? Nicht die Tatsache, dass von den vier (!) Veranstaltern Indonesien, Malaysia, Thailand und Vietnam nur die damals von Alfred Riedl trainierten Vietnamesen die Vorrunde überstanden. Sondern der sensationelle Titel für den Irak – einem vom Krieg gebeutelten Land; einer seit Jahrzehnten sportlich absolut wertlosen Mannschaft. Dass dieser Titel kein kompletter Zufall war, zeigte die Mannschaft bei diesem Turnier vollauf. Vor allem der extrem laufstarke und umsichtige Sechser Nashat Akram – der bei Al-Wakrah in Katar spielt – hatte ein hervorragendes Turnier, die Abwehr zeigte sich auch diesmal als große Stärke. Aber auch unter dem deutschen Teamchef Wolfgang Sidka tat sich das Team schwer mit der Spielgestaltung. Was letztlich auch das Viertelfinal-Aus gegen Australien bedeutete. Bleibt die mit einem Durchschnittsalter von 25,4 Jahre auch noch sehr junge Truppe zusammen, ist eine Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien durchaus nicht unrealistisch.

Sich nach Kräften blamiert: Saudi-Arabien und China

Alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Das war das Auftaktspiel der Saudis, das 1:2 gegen Syrien, auf den Punkt gebracht. Was Teamchef José Peseiro auch prompt seinen Job kostete! Nasser Al-Johar übernahm und machte gegen Jordanien, taktisch gesehen, eigentlich alles richtig. Eine massive Leistungssteigerung, bei der nur die Tore fehlten. Was nach dem 0:1 schon nach zwei Partien das Aus bedeutete, woraufhin in der letzten, bedeutungslosen Partie beim 0:5 gegen Japan alles in sich zusammenfiel. Ein Turnier, das in seiner Bedeutung wohl einen noch schlimmeren Eindruck hinterlässt als die WM vor neun Jahren mit dem 0:8 gegen die Deutschen…

Das Hauptproblem bei den Chinesen war die Tatsache, dass die Mannschaft keine solche war. Eine Ansammlung von (zumeist auch nicht übermäßig begabten) Einzelspielern. Die wenigen Leistungsträger schafften es nicht, über drei Spiele eine halbwegs konstante Leistung abzuliefern. Der Zehner Deng Zhuoxiang spielte gut gegen Kuwait, schrecklich gegen Katar und saß gegen die Usbeken nur auf der Bank. Schalke-Legionär Hao Junmin spielte nach seinen Einwechslungen gegen Kuwait und Katar ansprechend, war gegen Usbekistan aber ein Totalausfall. Andererseits wurde Sturmspitze Gao Lin in einem Spiel noch vor der Pause runtergenommen, um in der nächsten Partie doch wieder ran zu dürfen – jedes Selbstvertrauens beraubt. Der überforderte Teamchef Gao Hongbo zog sein Team mit schlechtem Coaching zwar runter, muss seinen Posten aber trotzdem nicht räumen. So sind die Chinesen keine Mannschaft, die man mittelfristig auf dem Radar haben muss.

Und der Gastgeber? Katar agierte achtbar

Katar

Kanonenfutter? Na, ganz so schlimm war’s dann noch nicht, was der Gastgeber dieses Turniers – und auch der WM in elf Jahren – da fabrizierte. Auch, wenn man nach dem 0:2 im Eröffnungsspiel gegen Usbekistan schon glauben konnte, dass nicht viel möglich wäre. Aber nach dem Schlüsselerlebnis gegen China – wo die Kataris nach einer halben Stunde merkten, dass der Gegner noch nervöser war als man selbst – und der wichtigsten Umstellung von Bruno Metsu – jenem Trainer, der Senegal 2002 ins WM-Viertelfinale geführt hatte – war Katar im Turnier angekommen.

Diese Umstellung war die Maßnahme, Yusuf Ahmed als hängende Spitze im 4-4-1-1 spielen zu lassen. Er war einer der Schlüsselspieler beim Gastgeber – neben Sebastian Soria. Der gebürtige Uruguayer (einer von acht nicht in Katar geborenen Kaderspielern) zeigte vor allem im Viertelfinale gegen Japan, was er kann. Er war in diesem Spiel sehr lauffreudig, und vor allem bei Kontern immer wieder gefährlich. Was der Spielanlage der Kataris am ehesten entspricht: Mit zwei Viererketten tief stehen und verteidigen; nach vorne auf Konter lauern.

Interessant war aber durchaus, dass die vier Spiele vier völlig unterschiedliche Szenarien boten, mit denen Katar höchst unterschiedlich umging. Erst, gegen Usbekistan, von einem sehr kompakten und defensivstarken Gegner ausmanövriert. Dann, gegen China, auf den Druck besser reagiert als der Gegner und das Spiel selbst in die Hand genommen. Im letzten Gruppenspiel, gegen Kuwait, gegen einen ambitionierten, aber schwachen Gegner zwei frühe Abwehrschnitzer souverän ausgenützt. Und schließlich, gegen Japan – der ersten wirklich guten Mannschaft, gegen die Metsu und Co. antreten mussten – ihr volles Potential im Gegner entnerven und schnell kontern gezeigt. Dieses Viertelfinale war zum einen zweifellos die beste Turnierleistung des Gastgebers und andererseits ein Anzeichen dafür, dass durchaus Entwicklungspotential vorhanden ist. Auch, wenn in elf Jahren wohl keiner der aktuellen Mannschaft bei der Heim-WM antreten wird: Katar ist auf einem guten Weg.

Indien… was sollte das denn?

Ein kurzes Wort noch zum Auftritt der Inder. Der war peinlich. Der war nicht zu rechtfertigen. Und er wirft, nach fünf absolut unterirdischen Halbzeiten (lediglich die zweite gegen Bahrain war anständig) zwei Fragen auf: Erstens, warum darf so ein absolut chancenloses Team teilnehmen? Das zieht den ganzen Bewerb runter. Und zweitens: Wie schafft es ein Land mit einem Millardenvolk nicht, besseren Fußball zu spielen als europäische Zwergstaaten wie Färöer und Liechtenstein? Die würden gegen die Inder nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen…

Schlusswort: Das generelle Niveau

Das Turnier hat gezeigt, dass der asiatische Fußball in seiner Spitze erweiterte Weltklasse ist und in der Breite zwar nicht besonders aufregend ist, aber grundsoliden Fußball von taktisch ansprechend bis sehr gut ausgebildeten Mannschaften zeigt. Die Stimmung und die allgemeine Reputation mögen bei Afrikacups höher sein, das Niveau des Turniers als ganzen ist aber sicherlich vergleichbar und muss den Vergleich zu den afrikanischen Titelkämpfen nicht scheuen.

Bis auf die heillosen Inder haben alle 15 Teilnehmer die Grundzüge modernen Fußballs verstanden. Taktisches Verständis und Flexibilität im Positionsspiel sind bei praktisch allen teilnehmenden Teams grundsätzlich vorhanden. Bei den meisten Mannschaften gehen auch die Außenverteidigier durchaus mit nach vorne, nur die in ihrer Spielanlage generell eher vorsichtigen Kataris, die Bahrainis und jene aus den VAE hielten sich da eher zurück. Bevorzugtes System ist, wie es fast weltweit der Fall ist, verschiedene Variationen des 4-2-3-1 bzw. 4-1-4-1 (Offensiv bei Japan, Südkorea und in Ansätzen bei Kuwait. Kompakt bei Usbekistan, Iran, VAE und Syrien. Eher vorsichtig bei Jordanien, Irak, Bahrain). Das herkömmliche 4-4-2 bzw. 4-4-1-1 (wie bei China, Saudi-Arabien, Indien und Nordkorea) ist auch in Asien immer mehr am Rückzug.

Funktioniert hat es nur bei den konterstarken Kataris – und bei Australien. Wobei es bei den Socceroos eher die individuelle Klasse und die Erfahrung der einzelnen Spieler war, die das Team trugen. Und nicht das System.

Auch eine Erkenntnis dieses Asiencups. Und es wird die Erkenntnis der kommenden Jahre sein, ob das ein dauerhaft tragfähiges Modell sein kann…

(phe)

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Glücklicher Sieg, verdienter Titel https://ballverliebt.eu/2011/01/29/glucklicher-sieg-verdienter-titel/ https://ballverliebt.eu/2011/01/29/glucklicher-sieg-verdienter-titel/#respond Sat, 29 Jan 2011 22:55:56 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3883 Glücklicher Sieg, verdienter Titel weiterlesen ]]> Wie es die Australier im Finale schafften, die klare Überlegenheit nicht in einen deutlichen Sieg umzumünzen, wissen sie wohl selbst nicht. So freut sich Japan auch dank Zacs kluger Umstellung über einen glücklichen Sieg, der einen verdienten Titel sichert. Dritter wird Südkorea – im ersten Spiel nach Park Ji-Sung.

Japan – Australien 1:0 n.V.

Japan - Australien 1:0 n.V.

Frischer, das war schon vor dem Spiel klar, mussten die Australier sein. Deutlich leichterer Weg ins Endspiel, kräfteschonend im Semifinale – das die Japaner aber so sehr unter Druck gerieten, war nach dem Turnierverlauf nicht in diesem Ausmaß zu erwarten. Die Australier machten in ihrem 4-4-2 nämlich einen tollen Job, den Gegner nie zur Entfaltung kommen zu lassen. Ein Schlüsselspieler war dabei Brett Holman: Er hatte die Mammut-Aufgabe, mit Yuto Nagatomo den äußerst offensivstarken Linksverteidiger der Japaner hinten festzunageln. Das gelang ihm sensationell, was Nippon eine gefährliche Waffe nahm.

Australien überlegen

Das größte Handicap bei Japan war aber das Fehlen von Shinji Kagawa. Der Dortmund-Star, der gegen Südkorea einen Mittelfußbruch erlitten hatte, fehlte an allen Ecken und Enden. Für ihn kam Jungo Fujimoto zu seinem ersten Turniereinsatz – und der 26-Jährige war bis zu seiner Auswechslung in der 56. Minute komplett unsichtbar. Er spielte, anders als Kagawa, auf der rechten Seite, dafür kam der Neo-Stuttgartet Shinji Okazaki ausnahmsweise über links. Das passte beides nicht – Okazaki fehlte die Hilfe von Nagatomo; Fujimoto fand nie Bindung zum Spiel und auch er musste ohne seinen Außenverteidiger auskommen: Atsuto Uchida war gegen Matt McKay auch viel in der Defensive gebunden.

Zudem standen die Australie im Ballbesitz sehr hoch, machten Druck und schafften es sehr gut, den verbleibenden Offensivspielern der Japanern sehr wenig Platz zu lassen. So kamen die Japaner, denen man auch aufgrund des Drucks, dem sie ausgesetzt waren, die Verschleißerscheinungen des langen Turniers ziemlich ansah, nie zur Geltung. Keisuke Honda war bei Jedinak und Valeri in guten Händen, Maeda vorne hing völlig in der Luft.

Ganz anders die Australier. Die Socceroos zeigten die mit Abstand beste Leistung ihres Turniers und kamen zu zahllosen hochkarätigen Torchancen, doch vor allem Harry Kewell zeichnete sich schon vor dem Seitenwechsel im Versieben selbiger aus. Die Japaner retteten sich mit einem 0:0 in die Kabine, das Bild änderte sich aber auch in der zweiten Hälfte nicht – gleich in der 47. Minute etwa schafften es die Socceroos, den Ball aus wenigen Zentimetern Entfernung, den Ball nicht zur längt überfälligen Führung über die Linie zu drücken.

Zaccheroni stellt um

Was Alberto Zaccheroni in der 56. Minute reagieren ließ: Kagawa-Ersatz Fujimoto musste für Innenverteidiger Iwamasa weichen. Das Ziel dieser Maßnahme war klar: Nagatomo sollte von seinen Defensivaufgaben etwas befreit werden. Er übernahm die Rolle links in der offensiven Dreierkette, von dort wechselte Okazaki auf seine angestammte rechte Seite; Konno wanderte vom Abwehrzentrum auf die LV-Position und blieb dort auch – das heißt, es blieben immer drei japanische Abwehrspieler hinten.

Japan - Australien 1:0 n.V. (ab Min. 56)

So sollte zum einen eben die Offensivstärke von Nagatomo besser zur Geltung kommen, und andererseits der unangenehme Brett Holman unter Kontrolle gebracht werden. Holger Osieck sah sich das zehn Minuten an und nahm dann seinerseits Holman runter und brachte mit dem bulligeren Brett Emerton eine frische Kraft für diese Flanke. Die Folge der japanischen Umstellung: Die Flanken (vor allem jene von Nagatomo) atmeten deutlich auf und der australische Druck aus dem Spiel heraus – dieser kam aufgrund der defensiv besetzten Zentrale ja auch nur von den Flanken – nahm ab. Was zwar nichts daran änderte, dass die Australier weiterhin die besseren Chancen hatten (die neue de-facto-Dreierabwehr wackelte, aber mehr aus Müdigkeit, weniger wegen Systemfehlern), aber die Japaner beruhigten das Spiel und vermittelten den Australiern den Angst machenden Eindruck, dass auch sie sich keinen Fehler mehr erlauben durften.

Es war dennoch vor allem Torhüter Eichi Kawashima, der seine Mannschaft mit einigen sensationellen Paraden vor allem gegen Kewell, aber auch gegen Cahill im Spiel hielt – da waren auch seine unterirdischen Abschläge, die regelmäßig im Seitenaus landeten, zu verschmerzen. Nach dem Umstellungen gelang es den stehend K.o. wirkenden Japanern, sich mit einem 0:0 in die Verlängerung zu schleppen – Australien hätte da schon deutlich führen müssen.

Japan bestraft Socceroos

In der Verlängerung hatte Osieck allerdings bald einmal genug von der brutalen Fahrlässigkeit, mit der vor allem Harry Kewell sensationelle Chancen vernebelte – der Galatasaray-Legionär, der mit seinem späten Tor gegen den Irak den Sieg im Viertelfinale gesichert hatte, musste in Minute 103 für Robbie Kruse weichen. Auch auf der anderen Seite gab es einen Wechsel in der Spitze, aber aus einem anderen Grund: Ryoichi Maeda war viel gelaufen, konnte aber wenig bewirken, weswegen mit Tadanari Lee in der 99. Minute eine frische Sturmspitze kam.

Was ein Goldgriff sein sollte. Denn in der 109. Minute wurden die Australier doch noch dafür bestraft, derart stümperhaft mit ihrer Überlegenheit umgegangen zu sein – einmal konnte sich Nagatomo doch gegen Wilkshire durchsetzen, seine Flanke fand in der Mitte den völlig freistehenden Lee, und dieser netzte mit einem sensationellen Volleyschuss ein. Der einzige echte Abwehrfehler der Australier, die in dieser Situation unsortiert waren. Die Australier warfen nun alles nach vorne, aber nach diesem Schockmoment fehlte es an der Ruhe, das Spiel noch einmal zu wenden und mit einem Tor noch ins Elfmeterschießen zu kommen. Auch, als Okazaki mit einem unbedachten Handspiel in der Strafraumgrenze in der 121. Minute noch einen gefährlichen Freistoß hergab – es blieb beim 1:0 für Japan.

Fazit: Glücklicher Sieg, verdienter Titel

Dass es für Japan ein schwerer Weg und ein langes Turnier war, war unübersehbar. Australien hatte das Spiel im Grunde 120 Minuten lang voll im Griff und hätte (mindestens) 3:0 gewinnen müssen. Doch die unglaubliche Schwäche vor dem gegnerischen Tor und ein gut haltender japansicher Torhüter verhinderten jenen Sieg, den sich die Australier in diesem Finale absolut verdient gehabt hätte.

Was aber nichts daran ändert, dass Japan über das Turnier gesehen zweifellos das beste Team war und sich absolut verdient zum vierten Mal den Pokal überreicht bekommt. Auch, wenn sie im Finale eigentlich chancenlos gewesen waren – sie machten aus ihrer handvoll Chancen das Tor, Australien aus ihren zahllosen eben nichts. So müssen sich die Australier die späte Niederlage selbst zuschreiben.

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Spiel um 3. Platz: Südkorea – Usbekistan 3:2 (3:1)

Südkorea - Usbekistan 3:2

Das Spiel um den dritten Platz – für Südkorea wohl das Spiel eins nach Park Ji-Sung. Der Star von Manchester United hat nach diesem Turnier seine internationale Karriere beendet, und wegen einer Verletzung konnte er an diesem kleinen Finale auch gar nicht mehr teilnehmen. Seine Kollegen haben ihm einen versöhnlichen Abschied bereitet, in einem Spiel, das nicht in die Geschichte eingehen wird.

Denn während das kleine Finale bei der WM ein flammendes Plädoyer für diese Partie war, litt dieses Spiel über weite Strecken und der Luft, die nach den Semifinals bei beiden Mannschaften deutlich entwichen war. Die Usbeken mussten erst einmal schauen, nach dem 0:6-Desaster gegen Australien sich wieder zu finden; die Südkoreaner waren nach dem Out im Elferschießen und dem Fehlen von Park Ji-Sung auch nicht von Beginn an mit höchstem Elan bei der Sache.

Personell rückte Lee Yong-Rae von der Achter-Position im 4-2-3-1 in die Offensivzentrale auf, Ki Sung-Yueng dafür von der Sechs auf die Acht. Am grundsätzlichen Spiel der Koreaner änderte das aber wenig: Auch in diesem Spiel zog sich das Offensivzentrum gerne zusammen, für die Breite im Spiel sorgten in erster Linie die Außenverteidiger (von denen Cha Du-Ri diesmal die Kapitänsbinde übernommen hatte). Bei den Usbeken kehrte Alexander Geinrich in die Mannschaft zurück, er ließ sich wiederum oftmals etwas fallen und spielte einen Center wie etwa im Eishockey, um die vor ihm nach innen ziehenden Außenstürmer zu bedienen. Hinter diesem Trio deckte Djeparov wiederum die gesamte Breite des Spielfelds ab. Innenverteidiger Achmedov ging auch in diesem Spiel oftmals mit nach vorne.

Alles also mehr oder weniger wie gehabt, und so plätscherte das Spiel vor sich hin, mit klaren Vorteilen bei den Koreanern vor sich hin. Die sich dann auch als effizienter im Nützen der gegnerischen Fehler zeigten: Platz beim Konter wegen Achmedovs Ausflug, 1:0. Nicht aggressiv genug gestört im usbekischen Strafraum, 2:0. Karpenko viel zu halbherzig im Kopfballduell, 3:0. Schon vor der Pause schien das Spiel zu Gusten der eiskalten Südkoreaner (die entsprechend auch ihre Tore eher schaumgebremst feierten) entschieden zu sein, ehe ein harter Elfmeter, verwandelt von Alexander Geinrich, die Usbeken kurz vor der Halbzeit wieder ins Spiel brachten.

Ansonsten war von den Zentralasiaten in der Vorwärtsbewegung wenig zu sehen, zu behäbig wurde nachgerückt, zu langsam etwaige Konter vorgetragen, zu groß war die Vorsicht, sich nicht wie gegen die Australier hinten zu entblößen. Das änderte sich erst nach dem Seitenwechsel, als es wiederum Geinrich war, der in seinem fünften Einsatz nun doch noch ein Tor aus dem Spiel heraus erzielen konnte – Lee Chung-Soo ließ ihn gewähren – um so das Spiel wieder eng zu machen.

Aber die Koreaner ließen sich nicht noch einmal überrumpeln. Mit Yoon Bit-Garam und Son Heung-Min kamen frische Kräfte für die einschlafende Offensive, und sofort hatte Korea das Spiel wieder im Griff. Ein Spiel, das nun immer mehr einschlief: Minutenlanges Ballgeschiebe in der eigenen Abwehr prägten weite Strecken der letzten halben Stunde, nun auch wieder mit einem leichten Chancenplus auf Seiten der Koreaner. Tore gab’s aber keine mehr.

Fazit: Kein großes Spiel. Der Fixplatz für den nächsten Asiencup in Australien 2015, der dem Sieger der Partie zustand, war ganz offensichtlich keine übermäßige Motivation. Es fehlte dem Spiel über weiter Strecken am Tempo und nach dem langen Turnier und den für beide Teams bitter verlaufenden Semifinals schlicht und einfach der Wille, noch einmal ein Feuerwerk anzuzünden. Die Koreaner nützten die Fehler, die ihenen die Usbeken anboten, in einem auch taktisch nicht besonders abwechslungsreichen Match besser und gehen daher als verdienter Sieger vom Platz. Immerhin also Platz drei im letzten Turnier mit Park Ji-Sung.

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Asiencup-Semifinale: Eineinhalb enge Spiele https://ballverliebt.eu/2011/01/25/asiencup-semifinale-eineinhalb-enge-spiele/ https://ballverliebt.eu/2011/01/25/asiencup-semifinale-eineinhalb-enge-spiele/#respond Tue, 25 Jan 2011 19:30:51 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3874 Asiencup-Semifinale: Eineinhalb enge Spiele weiterlesen ]]> Japan und Südkorea neutralisierten sich im deutlich besser besetzten der beiden Semifinals 120 Minuten lang. Letztlich behielt Nippon im Elfmeterschießen die Nerven. Welche die Usbeken im Stich gelassen haben – nachdem sie als aktivere Mannschaft nach einer Stunde 0:3 gegen Australien hinten waren…

Japan – Südkorea 2:2 n.V. (1:1, 1:1), 3:0 i.E.

Japan - Südkorea 2:2 n.V., 3:0 i.E.

Es gab drei Schlüsselduelle in diesem Spiel – die der gelbvorbelasteten Sechser (Endo vs. Ki), und die beiden auf den Flanken (Nagatomo vs. Cha Du-Ri bzw. Uchida vs. Lee Young-Pyo). Je eines davon gewann der Koreaner bzw. der Japaner, eines endete ohne Sieger – und somit ging diese eher vorischtig geführte Partie fast folgerichtig erst in die Verlängerung und dann ins Elfmeterschießen.

Beide Teams zeigten von Beginn an extrem großen Respekt voreinander. Was hieß: Jene Achter, die bei beiden Mannschaften im Turnierverlauf deutlich mehr offensive Aufgaben hatten – also Makoto Hasebe bei Japan und Lee Yong-Rae bei den Koreanern – spielten mit ihren Sechsern beinahe auf einer Höhe, um die schnellen Offensivspieler der Gegner besser kontrollieren zu können. Die Koreaner massierten zudem einmal mehr ihre vordere Dreierreihe ziemlich im Zentrum zusammen. Die Folge: Durch die Mitte gab es für Japan kein Durchkommen, selbst fehlte den Koreanern aber massiv die Breite im eigenen Spiel.

So musste sich das Spiel, wenn es wirklich vor das Tor gegen sollte, auf die Flanken verlagern. Hier drehte vor allem der Japanar Yuto Nagatomo auf: Der Linksverteidiger von Serie-A-Klub Cesena drängte seinen Gegenspieler Cha Du-Ri, der bis dahin auch ein sehr ordentliches Turnier absolviert hatte, ziemlich nach hinten und ließ ihn auch auf der anderen Seite nicht zur Geltung kommen. Ansonsten hatten die Defensivreihen das Spiel aber unter Kontrolle, sodass es in der 23. Minute ein sehr harscher Elfmeter für Südkorea war, den Ki Sung-Yueng zum 1:0 nützen konnte.

Starker Ki

Und überhaupt, der Jungstar von Celtic Glasgow. Das 35. Länderspiel des erst 21-Jährigen Sechsers untermauerte sein Image als eines der größten Talente Asiens einmal mehr. Shinji Kagawa kam gegen ihn und Cha nie ins Spiel, auch Keisuke Honda biss sich an Ki und Lee Yong-Rae die Zähne aus – und das, obwohl Ki wusste: Bei einer gelben Karte müsste er im Finale zuschauen! So aber blieben die Japaner, die vor allem in der Vorrunde noch so aufgetrumpft hatten, völlig stumpf. Und es musste einer der beherzten Vorstöße von Nagatomo her, um noch vor der Pause den Ausgleich zu erzielen; Maeda verwertete in der Mitte zum 1:1.

Was auch immer Keisuke Honda versuchte, es fruchtete nicht. Orientierte er sich weiter nach vorne, kamen noch weniger Bälle an; ging er nach hinten, wurde er vom dichten Mittelfeld völlig verschluckt. Auch die rechte Angriffsseite der Japaner blieb harmlos – Uchida und Okazaki neutralisierte Lee Young-Pyo und den ebenso wie Honda oft im Zentrum verschluckten Park Ji-Sung, Akzente setzen konnte auch sie nicht.

Zweite Hälfte: Wachsende Müdigkeit

Mit dem Neutralisieren auf gutem Niveau ging es auch nach dem Seitenwechsel weiter. Je länger die Partie dauerte, desto eher waren es aber die Koreaner, die sich minimale Vorteile erarbeiten konnten: Sturmspitze Ji Dong-Won ließ sich immer wieder zurückfallen, um sich die Bälle selbst zu holen oder als Empfänger schneller Steilpässe mit Tempo zu kommen – bis er in Minute 66 für Hong Jeon-Ho aus dem Spiel genommen wurde. Dieser spielte nun als zentraler Mann vor der Abwehr, Ki und Lee Yong-Rae rückten dafür etwas nach vorne um Honda und Kagawa noch weiter vom eigenen Tor wegzudrängen.

Mitte der zweiten Hälfte merkte man bei beiden Teams immer mehr den Kräfteverschleiß, den das Turnier bis zu diesem Zeitpunkt bereits verursacht hat. Bei den Japanern war diese Müdigkeit vor allem eine Mentale, nachdem sie fast in jedem Spiel ans Äußerste gehen mussten, weil sie es (mit Ausnahme des 5:0 gegen die Saudis) immer verpasst hatten, rechtzeitig für die Entscheidung zu sorgen – oder sie aufgrund äußerer Umstande brutal zu kämpfen hatten, wie im Viertelfinale gegen Katar. Die Folge der schwindenen Kräfte war bei beiden Mannschaften ähnlich: Die Laufarbeit vor allem in der Offensive ging immer mehr zurück, vermehrt wurde mit (nicht immer punktgenauen) Pässen versucht, die reduzierte Laufarbeit auszugleichen. Was sich auf das Niveau des Spiels natürlich nicht allzu positiv auswirkte.

Anders als Ki bei den Koreanern, der trotz seiner Defensivaufgaben auch immer wieder Akzente nach vorne zu setzen versuchte (und zwar nicht nur durch die Standardsituationen, die fast alle der 21-Jährige ausführte); blieb sein Pendant Yasuhito Endo diesbezüglich blass. Er überließ die Versuche nach vorne fast exklusiv Makoto Hasebe, der zwar viel versuchte und mit klugen Pässen immer wieder für Entlastung sorgte, aber seine Vorderleute fast nie gewinnbringend einsetzen konnte. Plakativste Kosequenz der starken koreanischen Defensive um Ki Sung-Yueng: Der völlig entnervte Kagawa wurde noch vor Ende der regulären Spielzeit aus der Partie genommen. Mit Augsburg-Legionär Hosogai ging es in die Verlängerung, die sich schon länger abgezeichnet hatte.

Verlängerung: Nächster umstrittener Elfer

Auch der koreanische Teamchef Cho Kwang-Rae hatte reagiert – aber anders: Er warf in der 82. Minute mit Son Heung-Min (für den gegen Nagatomo völlig blassen Lee Chung-Yong) einen echten Mittelstürmer in die Schlacht. In der Verlängerung deutete zunächst nichts auf eine Änderung des Spiels hin – leichte Vorteile für die Koreaner gab es weiterhin. Bis der saudische Referee Al-Ghamdi offenbar ein schlechtes Gewissen für seinen fragwürdigen Elfmeter für die Koreaner in der ersten Hälfte bekommen hat und er den Japanern in der 96. einen ähnlich fragwürdigen Strafstoß zuerkannte. Das Foul fand nämlich wohl eher außerhalb des Strafraums statt.

Wie zum Beweis für seine diskrete Leistung schoss Keisuke Honda den Elfer fürchterlich schwach, sodass Jung Sung-Ryong ihn mit den Füßen abwehren konnte. Doch seine Mitspieler schalteten langsamer als der eigewechselte Hosogai, der in den Abpraller lief und doch zum 2:1 für Japan verwandelte. Bei den Koreanern kam nun mit Kim Shin-Wook noch ein zusätzlicher Stürmer, woraufhin Zaccheroni Sturmspitz Maeda vom Platz nahm und mit Inoha einen fünften echten Verteidiger brachte.

Lucky Punch

Bei den Koreanern gab es nun nur noch die Brechstange, und Japan schien die Führung einigermaßen cool über die Zeit bringen zu können. Alleine Nagatomo und Honda spielten sich zwei Minuten lang an der gegnerischen Eckfahne und holten immer wieder Eckbälle und Einwürfe heraus. Es wäre nicht verwunderlich gewesen, hätte Japan das Resultat über die Zeit gebracht, nach den Eindrücken des bisherigen Turniers – wo Japan immer die Ruhe bewahrt hatte. Aber diesmal konnte Korea in der 121. Minute doch noch den Lucky Punch setzen, indem aus einem Freistoß und dem anschließenden Gewühl im Strafraum Innenverteidiger Hwang zum 2:2 traf. Die Koreaner lagen sich in den Armen, als wäre der Finaleinzug schon fix.

Aber die Nerven waren letztlich doch auf Seiten der Japaner, während die Spieler aus Südkorea beim Elfmeterschießen selbige komplett verließen. Erst scheitere Koo Ja-Cheol mit einem halbhohen Schuss an Kawashima, dann tat es ihm Lee Yong-Rae mit einem noch schlechteren Schuss ins Zentrum gleich, und als Hong Jeong-Ho rechts am Tor vorbeischoss, war es fast schon klar. Drei der vier Japaner hingegen trafen – womit Nippon ins Finale einzieht.

Fazit: Ein spektakuläres Spiel war es ganz und gar nicht – im Gegenteil, es war über weiter Strecken von hoher Vorsicht geprägt; dem Bestreben, dem Gegner so wenige Fehler wie möglich anzubieten, und die oberste Maxime war, die schnellen Offensivreihen der Kontrahenten nicht in ihr Spiel kommen zu lassen. Hier tat sich einmal mehr vor allem Ki Sung-Yueng hervor, der Kagawa entnervte und Honda nie wirklich zur Geltung kommen ließ. Auf der anderen Seite rieb sich Park Ji-Sung im Mittelfeld auf, der in der Vorrunde noch so starke Koo Ja-Cheol tauchte gegen den zweiten schweren Gegner in Folge zum zweiten Mal ab. So war das Remis letztlich korrekt.

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Australien – Usbekistan 6:0 (2:0)

Australien - Usbekistan 6:0

Mit Tim Cahill konnte man ja rechnen, wenn man die bisherigen Spiele der Australier gesehen hat. Aber dass sich plötzlich Harry Kewell bei eigenem Ballbesitz bis in die eigene Hälfte zurückzieht, das hatten die Usbeken nicht am Radar. Schon wussten sie mit dem schnell auf ihr Tor zustürmenden Kewell nichts anzufangen, ließen ihn gewähren, und nach nicht einmal fünf Minuten stand es schon 1:0 für Australien.

Für die Australier natürlich ein sensationell guter Anfang. Zum einen natürlich, weil eine frühe Führung immer gut ist. Noch mehr aber, weil sich die Socceroos nun tiefer stellen konnten; sie waren nun nicht mehr gezwungen das Spiel zu gestalten – was ihnen und ihrem 4-4-2 ohnehin nicht entspricht, und was vor allem gegen das kompakte Mittelfeld der Usbeken eine Mammutaufgabe  geworden wäre.

So aber waren die Zentralasiaten am Zug, aber so richtig zündende Ideen hatten sie nicht. Die vorderen vier Spieler waren oftmals weit vor der restlichen Mannschaft, abgetrennt von dieser durch die australische Mittelfeldkette. Diese machte die Räume gut eng und ließ wenig zu. Und wenn doch, waren usbekische Vorstöße über die linke Angriffsseite von Kasanov erfolgversprechender: Denn hier war mit Luke Wilkshire ein Gegenspieler am Werk, der nicht seinen besten Tag hatte und schon in der ersten halben Stunde eher unnötig zwei Freistöße in gefährlicher Distanz kostete.

Das Problem der Usbeken in der Defensive – aus der Achmedov immer wieder bis weit ins Mittelfeld aufrückte – war, dass sie es verabsäumten, die Seiten zu schließen. So hatten Holman (der sich oftmals fast auf eine Höhe mit Cahill und Kewell begab) und McKay bei Tempovorstößen Platz, um ungehindert bis zur Grundlinie durchgehen zu können. Eine dieser Aktionen legte jenen Eckball auf, den der aufgerückte Innenverteidiger Sasa Ognenovski (der im Übrigen in Südkorea sein Geld verdient) zum 2:0 nützen konnte.

Und nach der Pause ging es in der gleichen Tonart weiter: Die Usbeken hatten zeitweise 68% Ballbesitz, sie kamen aber nicht in den australischen Strafraum – und hinten wurden weiterhin die Seiten komplett verwaist zurückgelassen. Letzlich fiel auch das 3:0 in der 65. Minute über einen schnellen Gegenstoß auf der linken Seite; McKays Zuspiel konnte der mit aufgerückte Carney verwandelt. Damit war das Spiel entschieden, und als wenige Minute später die usbekische Solospitze Bakajev mit seiner zweiten gelben Karte des Feldes verwiesen wurde, war’s ganz vorbei.

Denn nun ließen die Usbeken die Köpfe komplett hängen. War davor immer noch der Versuch erkennbar, über erhöhten Ballbesitz im eigenen Mittelfeld mal eine Lücke im dichten australischen Verbund zu finden, war nach dem 0:3 und dem Ausschluss die Luft völlig raus und nur Temur Jurajev, der im Tor den verletzten Stammgoalie Ignati Nesterov vertreten musste, verhinderte lange Zeit ein schlimmes Debakel. Alleine zweimal rettete er gegen den in der 53. Minute für Kewell eingewechselten Kruse in allerhöchster Not.

Die Australier kannten mir ihren Gegnern aber keine Gnade. Sie überließen den geschlagenen Usbeken weiterhin den Ball und sobald dieser bei einem Australier landete, ging’s ratzfatz auf Jurajev und die immer seltener funktionierende Abseitsfalle zu. Emerton sorgte für das 4:0 (74.) und einige Minute später schlief der eingewechselte Ibragimov, wodurch Valeri beim 5:0 (83.) nicht im Abseits stand. Das zeigte nun auch beim bis dahin wirklich starken Jurajev Wirkung, eine Minute später ließ er einen völlig harmlosen „Schuss“ von Kruse zum 0:6 durch die Finger flutschen.

Fazit: „Die Grenzen aufgezeigt“ wurden den Usbeken in diesem Spiel eigentlich nicht, das kann man trotz des 0:6-Debakels nicht sagen. Im Gegenteil hatten sie eine Stunde lang deutlich mehr Ballbesitz, nur fanden sie gegen die sehr tief stehenden Australier kaum Lücken. Die Socceroos kamen aus zwei Kontern und einer Standardsituation zu einer eigentlich zu hohen 3:0-Führung, für die sie nur das Nötigste getan hatten – gut geplant, gut ausgeführt, aber keine drei Tore besser. Danach waren die Usbeken psychisch am Ende, wodurch sich das hohe Resultat erklären lässt.

Natürlich war es letztlich eine souveräne Vorstellung der Australier, aber solange es gegen elf Usbeken ging, die eine Chance für sich sahen, war es nicht glänzend. Das 6:0 sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Socceroos einen verglichen mit Japan extrem leichten Weg ins Finale hatten. Das spricht einerseits für die Japaner, weil diese zweifellos die bessere Mannschaft besitzen. Deutlich weniger Kraft verbraucht haben auf dem Weg ins Endspiel aber die Australier.

(phe)

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Asiencup, VF 3/4 – Gute Startphasen spät belohnt https://ballverliebt.eu/2011/01/22/asiencup-vf-34-gute-startphasen-spat-belohnt/ https://ballverliebt.eu/2011/01/22/asiencup-vf-34-gute-startphasen-spat-belohnt/#respond Sat, 22 Jan 2011 19:13:11 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3822 Asiencup, VF 3/4 – Gute Startphasen spät belohnt weiterlesen ]]> Zwei Spiele, zwei Viertelfinals, und zweimal der gleiche Spielverlauf! Sowohl die Australier (gegen Titelverteidiger Irak) als auch die Südkoreaner (gegen Mitfavorit Iran) waren zu Beginn überlegen, gaben die Partie dann aus den Händen – und belohnten sich in der Verlängerung doch noch!

Australien – Irak 1:0 n.V.

Australien - Irak 1:0 n.V.

Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die defensive Mittelfeldzentrale bei den Irakern überhaupt nicht aufeinander abgestimmt war. Kaum ein Wunder – mit Qusay Munir wurde ein Spieler neben Stamm-Sechser Nashat Akram gestellt, der in den Spielen zuvor eher aus der offensiven Zentrale heraus für Impulse sorgen sollte. So rannten die Australier in den Anfangsminuten beinahe mühelos über die Iraker drüber: Durch die Mitte, wenn sich Cahill etwas zurückfallen ließ, und auch über die Seiten mit McKay (links) und Holman (der auf die rechte Seite wechselte).

Zudem standen die Australier in ihrem 4-4-2 in dieser Phase auch sehr hoch, mit Neill und Ognenovski zum Teil bereits jenseits der Mittellinie. Erst nach etwa einer Viertelstunde konnten sich die Iraker etwas befreien – die Zentrale hatte sich nun gefunden und vor allem Mohamed Hawar, der auch immer mal wieder die Seiten wechselte, sorgte nun (vermehrt über die rechte Seite) für Entlastung. Das Team aus dem Irak konnte nun die numerische Überlegenheit im Zentral etwas besser ausspielen.

Was erstaunlicherweise nicht nur dem eigenen Spiel gut tat, sondern auch der Torgefährlichkeit der Gegner. Denn nun konnten die Australier mit schnellen Pässen auf die Spitzen den sich bietenden Platz mit mehr Tempo ausnützen; McKay und Kewell hatten kurz vor der Halbzeit jeweils die Führung auf dem Fuß.

In den zweiten Druchgang starteten die Iraker dann ähnlich schwungvoll wie die Australier in den ersten gestartet waren. Vor allem den Außen gelang es nur sehr gut, ihre australischen Gegenspieler deutlich weiter nach hinten zu drängen, wodurch deren Aufbauspiel merklich erlahmte – denn das Zentrum hatten die Iraker ja schon in der ersten Hälfte besser unter Kontrolle bekommen. Das verstärkte sich noch, als Sidka mit Karim Mustafa (statt Mahdi Karim) eine zusätzliche Kraft für die Zentrale brachte – wodurch Qusay etwas weiter in die Offensive aufrücken konnte, was ihm sichtlich gut tat.

Die Australier waren in Sachen geordneter Spielaufbau den Irakern zwar nun einigermaßen deutlich unterlegen, das heißt aber nicht, dass die nicht auch zu Chancen gekommen wären – die nach vorne sehr fleißigen Basem und Salim Said boten hinter sich bei Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung natürlich mitunter einige Löcher. Mit hohen Bällen Richtung Cahill und Kewell konnte der Ball immer wieder vor das irakische Tor gebracht werden, aber weil das Nachrücken deutlich zögerlicher von Statten ging als vor dem Seitenwechsel und die Iraker so oft Zeit hatten, sich wieder zu stellen, blieben den Australiern zumeist nur Fernschüsse.

Die besseren Tormöglichkeiten konnten sich, je länger das Spiel lief, die Titelverteidiger aus dem Irak erarbeiten; doch wie auch sein Gegenüber Mohamed Khassid hatte auch Mark Schwarzer im australischen Gehäuse einen sehr guten Tag und machte einige gute Chancen zu Nichte. Weshalb es mit einem 0:0 in die Verlängerung ging.

Australiens Teamchef Holger Osieck hatte dafür Tim Cahill vom Platz genommen und mit Scott McDonald eine neue Sturmspitze gebracht – der Celtic-Angreifer ließ sich aber nicht, wie zuvor Cahill, immer wieder ins Mittelfeld fallen um dort gegen das (um den gelernten Sechser Alaa Abdul-Zehra zusätzlich verstärkte) irakische Zentrum zu helfen. Zudem hatten die Iraker in der Verlängerung die deutlich höheren Kraftreserven. So konnten sie nun endgültig die Kontrolle über das Spiel übernehmen.

Osieck musste reagieren, und er nahm mit dem zunehmend wirkungslosen Holman und den schon gelbvorbelasteten Carney aus dem Spiel – ohne, dass diese Maßnahmen wirklich etwas gebracht hätten. Im Gegenteil, immer mehr war es Mark Schwarzer, der die Australier im Spiel hielt. Bis zu einem Vorstoß in der 117. Minute über den rechten Flügelmann Mark McKay – dessen weite Flanke ins Zentrum fand genau den Kopf von Harry Kewell, der die Australier entgegen des Spielverlaufs in Führung brachte. Womit die Partie entschieden war. Denn die geschockten Iraker wussten keine Antwort mehr.

Fazit: Den späten Sieg der Australier kann man durchaus als glücklich bezeichnen. Nach einem starken Beginn wurden die Schwachpunkte des 4-4-2 gegen einen Gegner mit extrem kompaktem Mittelfeld zunehmend deutlich, auch über die Flanken kam mit Fortdauer des Spiels immer weniger. Den Einzug ins Halbfinale (wo es gegen die Mannschaft aus Usbekistan gehen wird) haben die Socceroos in erster Linie Mark Schwarzer zu verdanken – und der Unfähigkeit der Iraker, aus den durchaus vorhandenen Torchancen auch wirklich mal ein Tor zu machen. So gesehen hat sich der Titelvertidiger das Ausscheiden sicherlich auch selbst zuzuschreiben – aber der souveräne Einzug ins Viertelfinale und die Tatsache, dass nicht viel zur Teilnahme am Halbfinale gefehlt hat, zeigt ganz deutlich, dass der Titelgewinn vor vier Jahren kein purer Zufall war.

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Iran – Südkorea 0:1 n.V.

Iran - Südkorea 0:1 n.V.

Wenn es sowas wie „Alte Bekannte“ im asiatischen Fußball gibt, dann sind das fraglos der Iran und Südkorea. Und zwar nicht erst, seit am letzten Spieltag der WM-Qualifikation für 2010 Park Ji-Sung mit seinem späten 1:1-Ausgleich den Iranern die Teilnahme am Turnier in Südafrika gekostet hatte. Nein – seit Einführung des Viertelfinales beim Asiencup 1996 gab es in genau dieser Runde immer die Begegnung zwischen diesen beiden Mannschaften! Zweimal setzten sich da die Iraner in der regulären Spielzeit durch – doch wann immer es in eine Verlängerung ging, hatten die Koreaner das bessere Ende. Ein Omen, auch für diese Partie…

In der die Iraner begannen, als ob es einen Vorsprung aus einem Hinspiel gäbe. Abwarten, tief stehen, den Gegner erwarten. Und auf Konter lauern – diese waren aber äußerst selten… Der iranische Teamchef Afshin Ghotbi hatte gegenüber der B-Elf des letzten Gruppenspieltags wieder seine erste Garnitur auf den Platz geschickt, auch der gegen die VAE starke Pejman Nori musste draußen bleiben. Treu blieb Ghotbi allerdings jenem 4-1-4-1, auf das er im zweiten Spiel umgestellt hatte. Kapitän Javad Nekounam spielte den Solo-Sechser, der gelernte Defensivspieler Teymourian war vor ihm in der „offensiven“ Viererketten eingeteilt; auf den Flanken kamen mit Rezaei (rechts) und Khalatbari (links) zwei klassische Außenstürmer zum Einsatz. Viel Gelegenheit, ihre Qualitäten zu zeigen, hatten sie aber nicht.

Denn die Iraner überließen dem Team aus Südkorea von Beginn an den Ballbesitz. Sie hatten ganz offensichtlich nicht Park Ji-Sung als größte Gefahr ausgemacht – der Star von Manchester United spielte bislang sehr mannschaftsdienlich, aber wenig effektiv – sondern mit Koo Ja-Cheol jenen zentralen Offensivspieler, der der den Koreanern bisher mit Abstand den meisten Zug zum Tor gezeigt hatte. So kümmerte sich Nekounam vornehmlich um Koo und Hajisafi machte mit dem erstaunlich fleißigen Khalatbari die linke Abwehrseite komplett zu.

So blieb den Koreanern nur der Weg über die eigene linke Seite. Und hier lief Routinier Lee Young-Pyo trotz seines gesetzten Alters von mittlerweile 33 Jahren wie aufgezogen die Linie auf und ab. Park Ji-Sung vor ihm rückte, wie gewohnt, immer wieder ein – was nicht unproblematisch war, denn so nahmen sich die Koreaner selbst etwas von jener Breite, die gegen einen so defensiv eingestellten Gegner vonnöten gewesen wäre. So wich oftmals Sturmspitze Ji Dong-Won mit auf die Seite aus, was wiederum den Effekt hatte, dass es in der Mitte keinen Abnehmer gab. Dennoch wackelte die iranische Defensive direkt vor dem eigenen Tor immer wieder gewaltig und nur mit großer Mühe und einiger Improvisation bei eher unkoordinierten Rettungstaten konnte das 0:0 gehalten werden.

Die Iraner hatten aber auch andere Probleme, in der Vorwärtsbewegung. Hier konnten sie im Mittelfeld nie wirklich Fuß fassen, weil sie immer in Unterzahl waren – der koreanische Sechser Ki Sung-Yueng ließ sich in der ersten Hälfte bei eigenem Ballbesitz zwischen die Innenverteitiger fallen, um den Außenverteidigern Rückendeckung für deren Märsche nach vorne zu geben. Die Koreaner sind im Übrigen das einzige Team bei diesem Asiencup, der diesen bei der WM im Sommer augenfälligen Trend nachvollzieht.

Wie kaum anders zu erwarten war, nahm Ghotbi für den zweiten Spielabschnitt mit Rechtsverteidigier Nosrati den größten Schwachpunkt seines Teams aus dem Spiel – über seine Seite liefen ja schließlich fast alle koreanischen Angriffe. Für ihn kam mit Khosro Heidari ein von Haus aus etwas offensiver denkender Spieler. Mit weit reichenden Folgen für das Spiel: Denn Heidari gelang es mit vermehrten Vorstößen, Lee Young-Pyo deutlich mehr in die Defensive zu drängen und so auch die letzte offene Tür für die Koreaner zu schließen.

Denen fiel gegen die nun rundum sehr gut stehende iranische Defensiven praktisch gar nichts mehr ein. Koo war abgemeldet, Park Ji-Sung musste sich immer mit zwei Gegenspielern herumschlagen, Lee Chung-Yong auf der linken Seite fand weiterhin keine Bindung zum Spiel. Das nützten die Iraner, selbst merklich offensiver zu werden: Vor allem über Khalatbari (und nach dessen Einwechslung über Shojaei) über die linke Angriffsseite wurde den Koreanern immer wieder Kopfzerbrechen bereitet.

Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass das Spiel nun eine recht flache Angelegenheit war. Die Abwehrreihen beider Mannschaften standen gut, den Angriffsreihen fiel dagegen wenig ein und so plätscherte das Spiel ohne die ganz großen Highlights zielsicher auf die zweite Verlängerung an diesem Tag zu – Neutralisation auf durchaus ansprechendem Niveau.

Daran änderte sich auch in der Verlängerung recht wenig: Die Abwehr der Südkoreaner wackelte, wenn überhaupt, nur bei Standardsituationen, hatte hohe Bälle aber zumeist recht sicher im Griff. Dass es nicht zum Elfmeterschießen kam, lag letztlich an einem Energieanfall des in der 81. Minute für den diesmal wirkungslosen Koo Ja-Cheol eingewechselten Yoon Bit-Garam – er setzte in Minute 105 zu einem beherzten Solo an, Nouri und Hosseini ließen ihm an der Strafraumgrenze zu viel Platz und so konnte der 20-Jährige zum 1:0 treffen.

Was bei den Iranern für die verbleibende Viertelstunde natürlich nichts anderes hieß als „Brechstange auspacken“. Für Nouri kam mit Gholami ein zusätzlicher Stürmer, die Außenverteidiger Hajisafi und Heidari hielten sich nur noch vorne auf, es flog ein Ball nach dem anderen in den koreanischen Strafraum – doch in der Luft waren diese den iranischen Angreifern überlegen, sodass es ihnen praktisch nie gelang, ein eine gute Schussposition zu kommen. Sich in den Strafraum hineinspielen ging auch nicht, zu dicht standen nun fast alle Koreaner dort, um die knappe Führung zu verteidigen. Was am Ende gelang.

Fazit: Wie schon im Nachmittagsspiel wurde jene Mannschaft, welche die erste Halbzeit zum Teil ganz deutlich dominiert hatte, in der Verlängerung belohnt – jeweils, nachdem der Gegner in der zweiten Halbzeit das Spiel sehr offen hatte gestalten können. Am Ende sind die Koreaner ein verdienter Sieger, eben weil sie in der ersten Halbzeit drückend überlegen waren und so auch von Anfang an den Willen zur Spielgestaltung gezeigt haben.

Was aber nicht heißen soll, dass die Iraner keine gute Partie gemacht hätten. Im Gegenteil – Teamchef Ghotbi reagierte in der Halbzeit goldrichtig und konnte so so gut wie jeden Druck, den die Koreaner zuvor ausgeübt hatten, sehr gut abfangen. Allerdings gelang es dem iranischen Team auch nur höchst selten, selbst wirklich gefährlich vor dem Tor der Koreaner aufzutauchen. Wodurch es letztlich logisch ist, dass eine Einzelaktion das Spiel zu Ungunsten der Iraner entschieden hat.

Was für sie extrem bitter ist – denn sie waren kaum schwächer als Südkorea und über das Turnier gesehen fraglos besser als (mit der großen Ausnahme Japan natürlich) alle anderen Mannschaften. Und doch steht als nacktes Resultat am Ende das Aus im Viertelfinale.

(phe)

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Asiencup, VF 1/2: Japan gegen 14 und das usbekische 3-2-4-1 https://ballverliebt.eu/2011/01/21/asiencup-vf-12-japan-gegen-14-und-das-usbekische-3-2-4-1/ https://ballverliebt.eu/2011/01/21/asiencup-vf-12-japan-gegen-14-und-das-usbekische-3-2-4-1/#respond Fri, 21 Jan 2011 18:47:03 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3811 Asiencup, VF 1/2: Japan gegen 14 und das usbekische 3-2-4-1 weiterlesen ]]> Die dezimierten Japaner mussten sich nicht nur gegen das gut spielende Team aus Katar durchsetzen, sondern auch gegen ein inferiores Schiri-Gespann. Und die Usbeken versuchten, Jordanien mit einem eigenwilligen System zu überraschen. Einem 3-2-4-1. Oder sowas Ähnlichem.

Japan – Katar 3:2 (1:1)

Japan - Katar 3:2

Die zentrale Frage, die sich Katars Teamchef Bruno Metsu vor dem Viertelfinale gegen Japan – bis dahin eindeutig die beste Mannschaft der Turnier – stellen musste, war: Wie sollen wir mit den extrem schnellen, flexiblen und passgenauen Offensivspielern der Japaner umgehen? Die Syrer hatten es in ihrem Gruppenspiel mit einem defensiv interpretierten 4-1-4-1 versucht und waren gescheitert. Metsu wählte einen anderen Zugang. Und er tat gut daran.

Das Konzept des Gastgebers gegen Honda, Kagawa und Co.: Konsequentes Doppeln des Ballführenden, ohne aber die Grundformation des 4-4-2 aufzulösen. Das hieß gleichzeitig, dass im Grunde auch alle vier Mittelfeldspieler vermehrt mit Defensivaufgaben zu tun hatten, nach vorne sollt es über Konter gehen. Yusuf Ahmed und vor allem der in diesem Spiel brutal starke Sebastian Soria waren willige Adressaten für lange Flachpässe in die Spitze.

Die Japaner kamen mit dem geschickten Defensivspiel der Kataris überhaupt nicht zurecht. Es gelang ihnen nie auch nur im Ansatz, ihr Kurzpassspiel aufzuziehen, weil sie am Ball kaum Zeit bekamen und Anspielstationen sehr gut verstellt waren. Was zu Folge hatte, dass sich Innenverteidiger Yasuyuki Konno alsbald sehr aktiv nach vorne mit einschaltete. Doch nicht nur, dass das vorne nichts brachte, nein, es brachte vor allem die japanische Hintermannschaft zum wackeln. Denn die recht sorglose Spielanlage von Konno hätten die Kataris schon in der 8. bzw. 9. Minute beinahe zu jener Führung genützt, die in der 13. Minute dann tatsächlich fiel: Langer Flachpass auf Soria, der steht nicht im Abseits, lässt noch Yoshida aussteigen und verwandelt zum 1:0 für den gastgebenden Außenseiter.

Was das Team aus Katar natürlich bestärkte, genau so weiter zu spielen. Die Japaner fingen (nachdem ihnen nach einem Foul von Burhan an Okazaki ein klarer Elfmeter verweigert worden war – die erste von einigen groben Fehlentscheidungen vom überforderten malayischen Referee) an, ein wenig zu probieren und sie machten schnell die Abseitsfalle des Gegners als möglichen Schwachpunkt aus. Vor allem, nachdem Honda mit einem sensationellen Chip in den Strafraum den haarscharf nicht im Abseits stehenden Okazaki bediente, dessen Schuss Kagawa zum 1:1-Ausgleich ins Tor köpfte.

Immer wieder flogen nun Bälle aus dem Halbfeld auf die hart an der Abseitslinie stehenden Maeda und Okazaki, doch nun ließ sich die Viererkette der Kataris nicht mehr überlisten. So versuchte dann auch Honda immer mehr, sich weit fallen zu lassen, um neben Hasebe für die Spieleröffnung zu sorgen, und sich ein wenig aus der Umklammerung zu lösen, welche die Kataris immer wieder ansetzten, sobald Honda am Ball war. So war das Spiel vor der Pause nicht besonders schön und auch alles andere als spektakulär, aber durchaus interessant.

Ehe sich in der zweiten Halbzeit das schreckliche Schiedsrichtergespann immer mehr in den Vordergrund spielte. Die zentralen Szenen des Spiels fanden um die 60. Minute statt, und die Initialzündung war ein vermeintliches Foul von Japans Innenverteidiger Maya Yoshida. Der spielte zwar einen Meter neben dem Schiri-Assistenten mehr als eindeutig den Ball, wurde aber dennoch mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen – und als der nur Augenblicke zuvor eingewechselte Fábio César den fälligen Freistoß zum 2:1 für Katar verwandelte (wobei Goalie Kawashima alles andere als gut aussah), war es mehr eine Frage des Willens. Umso wichtiger war es für die Japaner, dass Kagawa, der für einmal an den Verteidigern vorbei kam (weil Al-Hamad ausgerutscht war) einen alles andere als leichten Ball nur wenige Minuten nach dem Ausschluss und dem Rückstand zum 2:2 verwandelte.

Zaccheroni nahm Solospitze Maeda raus und füllte mit Iwamasa die Innenverteidigung auf, und seine Mannschaft agierte nun in einem 4-2-3; wobei aus der Offensivkette immer wieder Okazaki und (zumeist) Honda in die Spitze aufrückten, wenn die Japaner im Ballbesitz waren. Die zurück liegenden Favoriten waren natürlich auch mit zehn Mann gefordert, das Spiel in die Hand zu nehmen, und zu diesem Zweck rückte auch die Abwehrkette oftmals kollektiv bis zur Mittellinie auf – die Außenverteidiger Inoha und Nagatomo, sonst ja verkappte Außenstürmer, hielten sich aber eher zurück.

Was vor allem an Sebastian Soria lag. Der Uruguayer in Diensten der Kataris war extrem viel unterwegs, immer anspielbar, trickreich und somit brandgefährlich. Und was den Japanern das leben mindestens ebenso schwer machte, war weiterhin das Referee-Gespann. Denn nach einem nicht gegebenen Elfmeter und dem an den Haaren herbeigezogenen Ausschluss wurden sie nun auch zweimal wegen vermeintlichen Abseits zurückgepfiffen – beide Male falsch, einmal davon sogar um zwei Meter. Es hatte beinahe den Anschein, als sollte Katar um jeden Preis ins Semifinale gehievt werden.

Die gerechte Strafe folgte dann aber in der 89. Minute: Erneut setzte sich der extrem starke Kagawa durch, wurde im Strafraum umgesäbelt, doch der Ball kam zu Inoha – und dieser setzte zum 3:2 für Japan ein. Es war letztlich die Entscheidung, denn trotz fünf Minuten Nachspielzeit (wofür?) wusste Katar keine Antwort mehr.

Fazit: Ein Spiel, dass eindeutig von der Spannung und der Dramaturgie lebte. Und das von einem inferioren Schiedsrichter-Gespann beinahe entschieden worden wäre! Was schade ist, denn die Mannschaft aus Katar zeigte eine wohl durchdachte, sehr konzentrierte und absolut taugliche Leistung und lieferte sicherlich ihr bestes Spiel bei diesem Heimturnier ab. Dass es am Ende trotzdem nicht für das Semifinale gelangt hat, liegt an der individuellen Klasse der Japaner die – untypisch für dieses Turnier – eiskalt mit ihren wenigen Torchancen umgingen und sich auch von widrigsten Bedingungen nicht aus der Ruhe bringen ließ.

So hat die beste Mannschaft des Turniers auch einmal mehr gezeigt (wie schon gegen Jordanien im Auftaktspiel), dass man ohne Zweifel auch jene mit den besten Nerven ist. Und wenn auch solche Spiele gewonnen werden…

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Usbekistan – Jordanien 2:1 (0:0)

Usbekistan - Jordanien 2:1

Wer ein jordanisches Team erwartet hat, das abwartet und den Gegner kommen lässt; und wer ein usbekisches Team erwartet hat, dass das Mittelfeld unter Kontrolle hat aber kaum Torgefahr erzeugen kann, der hatte Recht. Genau so stellte sich dieses Viertelfinale nämlich dar! Die Jordanier, in einem 4-4-1-1 angetreten, zeigten zwar weder aggressives Pressing noch eine allzu harte Gangart in der Defensive, schafften es aber ohne größere Probleme, die Usbeken aus dem eigenen Strafraum herauszuhalten.

Selbst wurde das Team von Adnan Hamad in erster Linie über schnelle Konter gefährlich (und hier vor allem über Hassan Abdel-Fattah, der Spielgestalter, mit Abstand der beste Fußballer seiner Mannschaft) und über Standardsiauationen. Die beiden Außenspieler im Mittelfeld, Amer Deeb und Abdelhalim, rückten ein und deckten die Sechser Haidarov und Kapadze, wenn die Usbeken von hinten einen neuen Angriff einleiten wollten. So wurden diese über die Außen gezwungen, wo Al-Salman (gegen den in der Gruppenphase so schwungvollen Kasanov) und Al-Dmeiri (gegen Tursunov) alles im Griff.

Vor dem Tor nahm der usbekische Teamchef Vadim Abramov vor dem Spiel einige bemerkenswerte Änderungen vor: Zu allererste jene im System, das sich in diesem Spiel als eine Art 3-2-4-1 darstellte. Hinten spielte mit Achmedov nur ein echter Innenverteidiger, die gelernten AV Jurajev und Mulladjanov rückten bei Gefahr in die Mitte (was in der ersten Hälfte aber sehr selten war). Davor wie gehabt die beiden Sechser, plus Djeparov etwas vorgerückt, und ganz vorne eigentlich eine Viererkette ohne echten Stürmer.

Abramov hatte Maxim Shatskich, der keine gute Vorrunde abgeliefert hatte, nicht aufgeboten und zog dafür Alexander Geinrich von der Spitze ins zentrale offensive Mittelfeld zurück. Der Glatzkopf ist kampfstark, giftig und zeigt immer vollen Einsatz, ist für einen Stürmer vor dem Tor aber viel zu harmlos. So nahm Ulugbek Bakajev, der statt Shatskich in die Mannschaft gerückt war, den Platz ganz vorne ein – oder, was es eher trifft, er war derjenige, der am Ehesten in die Spitze ging.

Weil die Jordanier sich aber sehr gut auf dieses Sytem einstellen konnten, blieb es bis zur Pause beim 0:0. Nach Wiederanpfiff ging’s dafür schnell: Freistoß von Djeparov, Kopfballtor Bakajev (46.); und drei Minuten später konnte Kasanov für einmal Al-Salman abschütteln und flanken, erneut war in der Mitte Bakajev zur Stelle. Doch wer geglaubt hat, das 0:2 würde Jordanien aus der Bahn werfen, sah sich getäuscht.

Sie haben die Zeichen der Zeit nämlich erkannt und rückten nun wesentlich aktive nach (was zuvor nur sehr zögerlich geschehen war) und versuchten es auch über die unterbesetzten usbekischen Außen. Sofort kam es zu einigen gefährlichen Torchancen und der Anschlusstreffer in der 58. Minute war schon durchaus verdient – Innenverteidiger Bashar Bani-Yasin, der in der ersten Hälfte während eines Tackling das Knie von Tursunov ins Gesicht bekam und dadurch einen Schneidezahn eingebüßt hatte, traf per Kopf nach einer Ecke.

Abramov reagierte, indem er den weitgehend abgemeldeten Kasanov vom Platz nahm und mit Andrejev einen etwas defensiveren Spieler brachte, der in den Spielen zuvor als Linksverteidiger agiert hatte. Das brachte aber wenig, weshalb zehn Minuten später der angeschlagene Geinrich für einen Innenverteidiger, nämlich Ismailov, weichen musste. Mit der damit einhergehenden Umstellung zurück auf das gewohnte 4-2-3-1 konnten die Usbeken das Spiel merklich beruhigen.

So hat der usbekische Teamchef einmal mehr, wie schon gegen die Kuwait mit einem guten Wechsel ein Spiel gerettet, das aus der Hand zu gleiten drohte. Denn die Jordanier schafften es gegen die nun deutlich massiertere Defensive, die kaum mehr Löcher hergab – vor allem auf den Seiten nicht – kaum noch, vor das Tor zu kommen. So waren die Usbeken mit einigen (allerdings allesamt stümperhaft abgeschlossenen) Kontern dem 3:1 sogar noch näher.

Fazit: Mit ihrem eigenwilligen System konnten die Usbeken das vor allem defensiv sehr spielintelligente Team aus Jordanien nicht aus dem Konzept bringen, der zusätzliche Mann im Mittelfeld brachte keine merkliche Verbesserung. Zudem zeigten sich die Usbeken, wie schon im gesamten Turnier, nicht gerade versiert im Herausspielen von Torchancen. Umso erstaunlicher, dass sie in vier Spielen nun schon acht Tore erzielt haben – darunter aber zwei Tausenguldenschüsse, ein abgefälschter Roller, ein haarsträubender Fehler der gegnerischen Abwehr, ein Eckball und „nur“ drei herausgespielte Tore.

Die Jordanier sollten sich nicht grämen – sie haben mit dem Viertelfinaleinzug schon deutlich mehr erreicht, als zu erwarten gewesen wäre. Und auch in diesem Spiel haben sie alles andere als eine schlechte Figur gemacht: Sehr disziplinierte Defensive in der ersten Hälfte und durchaus mutig nach vorne, als es nach dem Doppelschlag nötig war. Letztlich fehlte aber die Klasse vor dem gegnerischen Tor, um die Sensation zu schaffen, die ein Seminfinaleinzug zweifellos gewesen wäre.

(phe)

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Asiencup, Tag 13: Ungefährdete Favoriten https://ballverliebt.eu/2011/01/19/asiencup-tag-13-ungefahrdete-favoriten/ https://ballverliebt.eu/2011/01/19/asiencup-tag-13-ungefahrdete-favoriten/#respond Wed, 19 Jan 2011 22:04:11 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3801 Asiencup, Tag 13: Ungefährdete Favoriten weiterlesen ]]> Wer es in drei Spielen nicht schafft, auch nur ein einziges Tor zu schießen, scheidet verdient aus. Das gilt für die Nordkoreaner genauso wie für das Team aus den Emiraten – und so war es den Favoriten aus dem Irak und dem Iran letztlich ein Leichtes, souverän ins Viertelfinale einzuziehen.

Irak – Nordkorea 1:0 (1:0)

Irak - Nordkorea 1:0

Dem Titelverteidiger aus dem Irak reichte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Remis zum Viertelfinale. Aber Teamchef Wolfgang Sidka wollte es nicht darauf ankommen lassen und ließ seine Mannschaft von Beginn an nach vorne spielen, das Kommando übernehmen. Wieder war sein System ein Mittelding aus 4-1-4-1 und 4-2-3-1, diesmal mit Karim Mustafa als fleißig aufrückendem Achter auf halblinks. Linksverteidiger Mahid Karim wanderte ins rechte Mittelfeld, und Karrar Jassem kam für Hawar auf der linken Seite zum Einsatz – allesamt Maßnahmen, die sich auszahlten.

Vor allem mit Karim auf der rechten Flanke wussten die Nordkoreaner nicht umzugehen. Zumal sich der irakische Sechser Akram ebenfalls auf diese Seite orientierte und Qusay seine Vorstöße auch über halbrechts setzte – die Iraker schufen so ein deutliches Übergewicht auf dieser Seite, und einige gefährliche Situationen entstanden über dieses Trio. So war es nur folgerichtig, dass das zu diesem Zeitpunkt schon hochverdiente 1:0 für den Irak über genau diese rechte Flanke vorbereitet wurde, Jassem brauchte den Abklatscher von Torhüter Ri Myong-Guk nur noch über die Linie bugsieren.

Die Nordkoreaner spielten wieder in ihrem 4-4-1-1, es fehlte ihnen aber die Breite im Mittelfeld. Immer wieder zogen sich die vier Spieler dort zusammen – das wäre eine gute Idee gewesen, wenn (wie etwa gegen die Iraner) die beiden Außenverteidiger nach vorne gekommen wären, um über die Außen für Druck zu sorgen. Das passierte aber viel zu selten. Immer wieder versuchten es die Nordkoreaner durch die Mitte, über die hängende Spitze Hong, oft auf mit langen Bällen auf Stoßstürmer Jong Tae-Se. Auch das Nachrücken wurde viel zu halbherzig vorgetragen: Kam tatsächlich mal ein Ball vorne an, waren Hong und Jong zumeist gegen eine zahlenmäßige Übermacht der Iraker auf sich alleine gestellte. So hatten die Iraker wenig Mühe, die Führung in die Pause zu bringen.

Völlig unverständlich blieb aber auch nach dem Seitenwechsel, weshalb die Koreaner die Flanken derart vernachlässigten. In den wenigen Situationen, die mal tatsächlich über die Seiten vorgetragen wurden und in denen dann stets durchaus ungehindert geflankt werden konnte, wankte die irakische Abwehr sofort. Es fehlt im koranischen Mittelfeld ganz deutlich ein Spieler, der ein Spiel lenken kann, der Ideen nach vorne hat, der ein Spiel wirklich lesen kann. So blieben die Nordkoreaner eindimensional und berechenbar.

Die Iraker waren – auch aufgrund des Spielstands in der Parallelpartie, bei der die VAE mittlerweile im Rückstand waren – im Wissen, dass nun auch in Remis in jenem Fall reicht, nun nicht mehr allzu versessen darauf, ein zweites Tor zu erzielen und sie zogen sich demnach auch etwas weiter zurück. Mit Amaa Abdul-Zehra kam halb durch die zweite Hälfte dann auch ein zusätzlicher Sechser, wodurch sich nun ein defensiv ausgerichtetes 4-2-3-1 ergab. Natürlich konnten die Nordkoreaner gegen die nun immer tiefer stehenden Iraker nichts mehr ausrichten. Der Ausgleich gelang nicht mehr – geschweige denn, der notwendige Sieg.

Fazit: Die Iraker fanden nach dem Un-Spiel gegen die VAE hier recht schnell wieder zurück in die Spur. Die klare Konzentration auf die rechte Angriffsseite brachte dem Titelverteidiger den frühen Vorteil, die durchaus abgeklärte Spielweise in der zweiten Hälfte war ein Ausdruck des Wissens, dass der Gegner komplett harmlos war. Die Nordkoreaner enttäuschten ähnlich wie im ersten Spiel: Uninspiriert und langweilig schafften sie es nie, den notwenigen Druck zu erzeugen und deshalb müssen sie auch ohne Torerfolg in drei Spielen die Heimreise antreten.

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Iran – Vereinigte Arabische Emirate 3:0 (0:0)

Iran - VAE 3:0

Im ersten Spiel recht ordentlich, im zweiten hingegen ganz und gar nicht überzeugend – für den iranischen Teamchef Afshin Ghotbi, dessen Mannschaft schon vor dem Spiel als Gruppensieger festgestanden war, musste sich die Frage stellen, ob er lieber seiner Stammformation eine weitere Partie zum aufeinander abstimmen gibt, oder ob er die Reservisten zum Einsatz kommen lassen soll. Ghotbi entschied sich für letztere Variante: In der Startformation gab es gegenüber dem mühseligen 1:0 gegen Nordkorea acht Änderungen und am Ende des Spiels hatte er nach seinen Wechseln sämtlichen Feldspielern in seinem Kader schon Einsatzminuten bei diesem Turnier gegönnt.

Das genaue Gegenteil war bei Srecko Katanec zu sehen: Der slowenische Teamchef der Vereinigten Arabischen Emirate schickte im dritten Spiel zum dritten Mal die exakt selbe Formation auf das Feld. Seine Mannschaft musste gewinnen und auf ein Remis im Parallelspiel hoffen, um noch ins Viertelfinale zu kommen, und sie begann auch durchaus forsch. Vor allem über die Seiten schafften es die VAE zu Beginn des Spiels immer wieder, zur Grundlinie durchzukommen. Zudem machte der iranische Zweier-Goalie Shahab Gordan bei seinem Länderspiel-Debüt eine in zwei, drei Situationen eine mehr als unsichere Figur.

Nach etwa einer Viertelstunde rissen sich die Iraner dann aber am Rahmen. Im Mittelfeld wurde nun ein Pressing aufgezogen, dass im Aufbauspiel der VAE wie ein Grenzwall wirkte: Spielerisch war kein Durchkommen mehr. So war der Außenseiter gezwungen, vermehrt auf hohe Bälle in die Spitze zu setzen. Diese wurde aber zumeist relativ sichere Beute der iranischen Defensive – wie schon in den ersten beiden Spielen offenbarten sich auch diesmal große Schwächen im Offensivspiel der VAE. Es fehlte der Zug zum Tor, das Mittelfeld rückte zu halbherzig nach und Khalil fehlt es vorne an der Durchsetzungskraft.

Anders war die Entwicklung bei den Iranern. Nach den Abstimmungsproblemen in den Anfangsminuten wurde das Mittelfeld schnell kompakter, zudem stand im 4-1-4-1 diesmal (anders als gegen Nordkorea) nicht einer der Außenspieler zu weit vorne, um miteingebunden zu werden. Nein, diesmal starteten die Außen (Afhsin rechts und Shojaei links) oftmals erst nach Ballgewinn ihre Sprints, die sie zielstrebig Richtung Strafraum führten; die Seitenlinien wurden vernachlässigt. Das stellte die VAE durchaus vor Probleme, auch wenn es vor der Pause noch keine Tore gab.

Für die zweite Hälfte stellte Ghotbi geringfügig um: Rezaei kam für Shojaei und ging auf seine angestammte rechte Seite, Afshin dafür nach links. Der Eindruck der Schlussphase der ersten Hälfte manifestierte sich aber weiterhin: Gegen die immer stärker werdenen Iraner schafften es die VAE immer weniger, auch nur halbwegs sinnvoll vor das gegnerische Tor zu kommen. Bei den Iranern galt nun „Angriff ist die beste Verteidigung“ und auch Katanec‘ Umstellungen (Omar statt Al-Wehaibi für das Zentrum, dafür Al-Hammadi nach links; danach Al-Shehhi als neuer Quarterback statt Amer) halfen da wenig – und als die Iraner in Minute 70 nach einem (seltenen) Tohuwabohu in der VAE-Abwehr das verdiente 1:0 erzielten, war die Partie entschieden.

Denn im Parallelspiel stand es schon lange nicht mehr Unentschieden, selbst waren die VAE hinten und dass ihnen noch zwei Tore gelingen würden, wo es doch im ganzen Turnier zuvor noch kein einziges gegeben hatte, dass wussten sie sichtlich selbst, war nicht mehr realistisch. Da passte es auch ins Bild, dass eine numerische Überlegenheit (Afshin hatte in der 75. Minute nach einer ungestümen Attacke an VAE-Goalie Nasser Gelb-Rot gesehen) gleich wieder aus der Hand gegeben wurde, als nur vier Minuten später Rechtsverteidiger Sebil nach einer rüden Attacke ebenso vom Platz musste. Und als wenige Augenblicke später das 2:0 für den Iran fiel (durch den im zentralen Mittelfeld extrem starken Nori) war die Partie endgültig gelaufen.

Nicht aber, ohne in der Nachspielzeit noch für ein Kuriosum zu sorgen: Denn ausgerechnet VAE-Innenverteidiger Walid Abbas, der gegen den Irak in der Nachspielzeit das Eigentor zum entscheidenden 0:1 erzielt hatte, lenkte kurz vor dem Schlusspfiff auch in diesem Spiel einen Ball im Laufduell mit Rezaei ins eigene Tor. Dass es diesmal ein bedeutungsloser Lapsus war, der nur noch von statistischem Wert ist, mag ihn trösten. Und die Tatsacher, dass er kein Kolumbianer ist…

Fazit: Nach kurzen Anlaufproblemen war diese Leistung der iranischen Reservisten sicherlich deutlich besser als jene der ersten Mannschaft gegen Nordkorea. Gutes Pressing im Mittelfeld, wenig Probleme in der Defensive und letztlich auch mit den nötigen Toren – sicherlich ist der Iran ein verdienter Gruppensieger, gegen Südkorea im Viertelfinale wird es aber deutlich schwerer als gegen die doch recht biederen Konkurrenten in der Gruppe. Den Spielern aus den Emiraten fehlte es, wie schon im ganzen Turnier, an einem wirksamen Offensivkonzept, an Durchschlagskraft vor dem Tor und sicherlich auch ein wenig an der Spielübersicht. Der zu Beginn äußerst unsichere iranische Schlussmann etwa wurde viel zu wenig geprüft, und wäre es nur aus Distanzschüssen gewesen.

(phe)

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Asiencup, Tag 9: Rückfall https://ballverliebt.eu/2011/01/15/asiencup-tag-9-ruckfall/ https://ballverliebt.eu/2011/01/15/asiencup-tag-9-ruckfall/#respond Sat, 15 Jan 2011 22:47:22 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3770 Asiencup, Tag 9: Rückfall weiterlesen ]]> Im direkten Duell boten der Iran und der Irak ein wunderbares Spiel. In ihrer jeweils zweiten Partie aber… Die Iraner würgten sich zu einem glücklichen 1:0 gegen Nordkorea und beim Irak wackelte in einem schrecklichen Spiel gegen die VAE fünfmal das Aluminium, ehe in der Nachspielzeit ein Eigentor fiel.

Iran – Nordkorea 1:0 (0:0)

Iran - Nordkorea 1:0

Bei der eher bedrückenden Leistung gegen die Verinigten Arabischen Emirate hatten es die Nordkoreaner nur angedeutet. Gegen die Iraner haben sie dann wirklich gezeigt, dass sie tatsächlich auch offensiven Fußball spielen können! Es kam ihnen allerdings auch ziemlich entgegen, dass die Iraner mit ihrer neuen Formation nicht so richtig zu Rande kamen.

Denn hatte Afshin Ghotbi seine Iraner beim 2:1 gegen den Irak noch in einem 4-4-2 aufgestellt, versuchte er es gegen Nordkorea mit einem etwas schrägen 4-1-4-1, dass etwas hinkte. Denn Mohammedreza Khalatbari, der die linke Offensivbahn einnahm, stand oftmals viel zu weit vorne, um eine Bindung zum Spiel bekommen zu können. Wenn man schon, wie bei es bei der WM einige Mannschaften mit Erfolg gemacht haben, eine schiefe Formation spielt, sollte man auch schauen, dass der vorgerückte Außenstürmer daran auch tatsächlich teilnehmen kann.

Die Koreaner attackierten früh, standen hoch und schoben in ihrem 4-4-1-1 die Mittelfeldkette oftmals zusammen, sodass Platz für die Außenverteidiger entstand. Außerdem ließ sich Hong mitunter ganz in die Mittelfeldreihe zurückfallen, wodurch dort eine koreanische Überzahl entstand und das Trio in der iranischen Zentrale nicht zur Geltung kam. Die Folge: Der Iran war auf lange Bälle in die Spitze angewiesen, um das blockierte Mittelfeld zu überbrücken. Und hierbei kam nichts heraus, was das koransiche Gehäuse nachhaltig gefährden hätte können.

Anders Nordkorea: Nachdem sich der anfängliche Staub etwas gelegt hatte – in den extrem zerfahrenen ersten zehn Minuten hatte der Referee aus Bahrain schon elf Fouls (!) gepfiffen – spielten sie sich immer wieder munter in Richtung iranischen Strafraum, vor allem der körperlich starke und dennoch schnelle Jong Tae-Se sorgte immer wieder für Unruhe. Was den Spielverlauf angeht, mussten die Iraner mussten froh sein, mit einem 0:0 in die Pause zu kommen. Andererseits durften sie sich auch über eine Situation nach einer halben Stunde ärgern, als das vermeintlichte 1:0 (das alles, aber nicht verdient gewesen wäre) von Karim Ansari-Fard aus unerfindlichen Gründen nicht gegeben wurde – denn weder war es Abseits, noch Handspiel…

Für den zweiten Abschnitt nahm Ghotbi dann Iman Mobali aus dem Spiel – gegen den Irak hatte er auf der linken Seite noch eine gute Partie gemacht, hier war er in der Mittelfeldzentrale aber nicht gut aufgehoben. Für ihn kam Mohamed Nouri in die Partie, und er beruhigte das Zentrum sehr schnell. Er zeigte wesentlich mehr Präsenz als Mobali, stand defensiv deutlich sicherer und hatte auch den Blick für den Mitspieler. Einziges Manko: Auch mit Nori wurde das Tempo bei den Iranern nicht höher. Waren die Koreaner immer noch bemüht, das Spiel schnell zu halten, wich bei iranischem Ballbesitz jeder Schwung sofort.

Aber immerhin war durch das verstärkte Mittelfeld die Gefahr deutlich geringer geworden, dass die Iraner in Rückstand geraten könnten. Nach einer Stunde kam dann ein vorentscheidender Wechsel bei den Nordkoreanern: Mun In-Guk, der Mann am linken Flügel, verließ das Spielfeld und für ihn kam mit Ryang Yong-Gi ein gelernter Sechser, der sich nicht sofort für die linke Seite verantwortlich fühlte. Prompt ging kaum eine Minute nach dem Wechsel der Iraner Nouri nach einem Einwurf von Ryang andächtig betrachtet auf dieser Seite durch, flankte zur Mitte und Ansari-Fard verwertete zum durchaus glücklichen 1:0 für den Iran.

Auch Ghotbi hatte gewechselt, und damit auch sein Sytem adaptiert: Mit Gholami Rezaei kam ein neue Offensiver für die rechte Seite statt Rechsverteidiger Nosrati, dessen Position der zuvor als RM agierende Heidari einnahm. Das hieß, dass die Iraner nun mit einem astreinen 4-3-3 auf dem Feld standen. Einziges Manko dabei: Die drei Stürmer Khalatbari, Ansari-Fard und Rezaei standen sehr weit vor dem Rest der Mannschaft, bewegten sich nicht allzu viel und kümmerten sich kaum um die Defensive.

Die ja nun gefragt war, denn die Nordkoreaner mussten ob den Rückstands natürlich vermehrt Risiko gehen. Das Match, das vor dem 1:0 nur vor sich hingeplätschert war, hatte nun merklich an Schwung gewonnen, weil zumindest die sieben restlichen Iraner das erhöhte Tempo mitgingen. Doch obwohl es zur einen oder anderen Chance für Nordkorea kam, ein echter Druck auf das Tor der Iraner konnte nicht entwickelt werden. Dennoch sah Ghotbi das Treiben wohl mit wachsender Sorge, sodass es in der 85. Minute ein Signal an Rezaei und Khalatbari gegeben haben muss – denn schlagartig standen die beiden Außenstürmer nun wieder brav in der Mittelfeldreihe.

Für Nordkorea ergab sich erst in der Nachspielzeit die größte Chance auf einen Ausgleich, der hochverdient gewesen wäre – aber weil Hong aus zehn Metern nur die Latte traf, blieb es beim 1:0 für den Iran.

Fazit: Eine überzeugende Leistung war das von den Iranern beileibe nicht. Langsam, ohne echte Zielstrebigkeit, ja, mitunter gar behäbig traten sie auf. Torchancen wurde über die gesamte Spielzeit sehr wenige herausgespielt, das Tor entstand aus einer Schlafmützigkeit auf Seiten der Nordkoreaner. Diese ließen mit diesem Spiel die drögen Erinnerungen an die destruktive WM vergessen und zeigten, dass sie duchaus auch Offensivblut in ihren Adern fließen haben. Letztlich fehlte es an der Cleverness, die offensichtlichen Schwächen bei den Iranern – die schon fix im Viertelfinale sind – auszunützen.

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Irak – Vereinigte Arabische Emirate 1:0 (0:0)

Irak - Vereinigte Arabische Emirate 1:0

Wolfgang Sidka, deutscher Teamchef der Iraker, wusste: Gegen die VAE ist seine Mannschaft, der Titelverteidiger, gefragt. Gegen die konnte er nicht erwarten, die Bürde des Spielgestaltens – wie im offenen Spiel gegen den Iran – zumindest zu gleichen Teilen zu splitten. Darum zog er auch Alaa Abdul-Zehra aus dem defensiven ins offensive Mittelfeld und ließ mit einem 4-1-4-1 spielen. Vor allem in der Anfangsphase ging Linksfuß Hawar auch immer mal wieder auf die rechte Seite, um nach innen zu ziehen; viel Gelegenheit dazu bekam er aber nicht. Denn es passierte – nichts.

Das Team aus den Emiraten fühlte sich ganz offensichtlich sehr wohl damit, den Irakern das Spiel zu überlassen und selbst nur abzuwarten und auf Konter zu lauern. Und dem Team aus dem Irak fiel absolut nichts ein, die zwar tief stehenden, aber nicht einmal besonders aggressiven Gegner aus dem Konzept zu bringen. Ohne jedes Tempo wurde der Ball nur hin- und hergeschoben, ohne dass viele Pässe in die Tiefe gewagt wurden. Und so konnten auch keine ankommen.

Das VAE-Team des Slownenen Katanec brauchte über 20 Minuten, um sich das erste Mal aus dem Kokon zu wagen, aus dem Spiel heraus klappte aber auch bei ihnen kein gewinnbringender Vorstoß. Dafür waren die Standards umso gefährlicher: Der köpfte Al-Kamali nach einem Eckball an den Pfosten (23.), dann setzte Khater einen Freistoß an die Latte. Dazwischen und danach: Wenig Tempo, einigeln, die Iraker machen lassen. Die wurden dann auch mal gefährlich, wenn auch nicht aus dem Spiel heraus. Samal Said traf nach einer Ecke ebenso nur die Latte (39.), und kurz vor der Pause drosch Qusay einen 30-Meter-Verzweiflungsschluss an den Pfosten (42.).

Das Bild änderte sich auch unmittelbar nach der Pause nicht, aber nach einer Stunde merkte das Team aus den Emiraten dann doch, dass dem Irak absolut beizukommen wäre. So zogen sie als erstes an der Temposchraube und intensivierten ihre eigenen Bemühungen nach vorne nun merklich, Ismail Al-Hammadi sorgte für den dritten Aluminium-Treffer seiner Mannschaft (63.), den fünften insgesamt. Da den Irakern nun die Bürde genommen wurde, alleine das Spiel zu schultern, tauten sie nun auch ein wenig auf. Damit wurde das Match nun durchaus flotter. Besser wurde es aber nicht.

Denn wie schon gegen die Nordkoreaner verstanden es die VAE nicht, sich vor das gegnerische Tor zu spielen – wieder stellten sie zwar das sicher nicht schlechtere Team, aber die Iraker mussten in Wahrheit noch weniger Angst vor einem Gegentor haben als die Nordkoreaner vor vier Tagen. So plätscherte das uninteressante Spiel einem vermeintlich logischen 0:0 entgegen – ehe in der 94. Minute der irakische Stürmer Yunes Mahmud eine Flanke zur Mitte schlug, die VAE-Verteidiger Walid Abbas am Fuß traf – und von dort ins Tor kullerte.

Fazit: Der 1:0-Sieg des Irak ist mehr als glücklich, denn der Titelverteidiger hat rein gar nichts dafür getan, sich die drei Punkte zu verdienen. Mit ideenlosem Standfußball quälte man sich eine Stunde lang, mit hektischem und wenig durchdachtem Panik-Fußball die restlichen 30 Minuten. Besonders bitter ist das Ende natürlich für das Team aus den Emiraten: Einmal mehr das wachere Team, aber einmal mehr krankt es einfach an den Ideen nach vorne. So hat der Irak im letzten Spiel gegen Nordkorea das Schicksal in eigener Hand: Nur bei einer Niederlage wird das Viertelfinale noch verpasst. Dann allerdings fix.

(phe)

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Asiencup, Tag 8: Schuldig gebliebene Antworten https://ballverliebt.eu/2011/01/14/asiencup-tag-8-schuldig-gebliebene-antworten/ https://ballverliebt.eu/2011/01/14/asiencup-tag-8-schuldig-gebliebene-antworten/#respond Fri, 14 Jan 2011 21:14:32 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3756 Asiencup, Tag 8: Schuldig gebliebene Antworten weiterlesen ]]> Die Frage, ob Australien oder Südkorea ein größerer Titelkandidat ist, wurde nicht geklärt – auch, wenn die Südkoreaner beim 1:1 leichte Vorteile auf ihrer Seite hatten. Während Bahrain sich eine Halbzeit lang mit den Indern spielte, ehe diese sich tatsächlich massiv steigern konnten!

Australien – Südkorea 1:1 (0:1)

Australien - Südkorea 1:1

Ein echter Test war für Australien das lockerleichte 4:0 gegen Indien nicht – die erste Standortbestimmung gab’s gegen Turnier-Mitfavorit Südkorea. Und nun wird über die wahre Leistungsstärker der Socceroos auch einiges klarer. Was sie zum Beispiel nicht können: Ein Spiel gegen einen gleichwertigen Gegner selbst sinnvoll gestalten. Die Koreaner stellten dem 4-4-2 von Aussie-Teamchef Osieck ihr gewohntes 4-2-3-1 entgegen und reagierten prompt auf das, was die Australier so anboten.

Abweichungen in der Formation und im System gab es bei Osieck gegenüber dem Indien-Spiel nicht. Das heißt: Emerton und vor allem Holman auf den Außenbahnen im Mittelfeld durchaus offensiv, in der Mitte Culina und Jedinak defensiv, zwischen diesen und den beiden Stürmern Kewell und Cahill – das Nichts. Das nützte mit Lee Yong-Rae der vorgeschobenere der beiden koreanischen Sechser dazu, mangels Gegenspieler in der Defensive in die offensive Mittelfeldkette vorzurücken. Das hatte durchaus Effekt: Denn neben Jedinak hatte nun auch Culina einen einigermaßen direkten Gegenspieler, den es zum im Auge behalten galt und der Weg nach vorne war über die beiden in der Zentrale nicht mehr zu beschreiten. Genauso, wie es Cha Du-Ri seinem Widerpart Brett Holman nicht ermöglichte, wirklich ins Spiel einzugreifen.

So hatten die Australier zwar einiges an Ballbesitz, zumeist war das aber nur Geschiebe in der Abwehr auf der Suche nach einer Lücke, durch die nach vorne gespielt werden konnte. Die Koreaner sahen sich das eine Viertelstunde an und beschlossen dann, selbst ein wenig die Daumenschraube anzuziehen. Sie wurden nun aggressiver, standen höher und versuchten, ihre Geschwindigkeitsvorteile auszunützen. Allerdings: Ohne die Hilfe ihrer Außenverteidiger, die sich weiterhin in erster Linie um Emerton und Holman kümmerten, fehlte dem der letzte Nachdruck.

Erstaunlich war in diesem Spiel folgende Tatsache: Die Australier hatten dann ihre besten Szenen im Angriff, wenn es (gegen die als flink, aber nicht besonders robuste koreanische Innenverteidigung) schnelle, flache Querpässe in den Strafraum gab – einmal vergab hier der freistehende Kewell kläglich, kurz darauf klärte Cha im letzten Moment vor Cahill. Auf der Gegenseite allerdings brachte beinahe jeder hohe Ball in den australischen Strafraum eine brenzlige Situtation vor dem Tor; obwohl die Kanten Neill und Ognenovski den kleinen und nicht für ihre Kopfballstärke bekannten Koreaner eigentlich klare Vorteile im Luftkampf hätten haben müssen.

Kein Zufall somit, dass sich in der 24. Minute nach einem 60-Meter-Pass von Cha Du-Ri in den gegnerischen Strafraum Ju Dong-Won gegen beide IV durchsetzte, auf den aus der Etappe heranstürmenden und von Culina sträflich vernachlässigte Koo Ja-Cheol ablegen konnte und es durch den 21-jährigen Jungstar, der noch in der koreanischen Liga bei Jeju United spielt, das 1:0 für die Koreaner fiel. Der zentrale Offensivmann schoss somit auch das dritte Tor Südkoreas bei diesem Turnier.

Die Strafe für den schlafenden Culina war die Auswechslung für die zweite Halbzeit, für ihn kam Carl Valeri in die Partie. Die Australier starteten aktiver in den zweiten Durchgang, aber spielerisch war das immer noch nicht besonders aufregend. Im Gegenteil, je länger das Spiel lief, desto mehr reduzierte sich die Spielgestaltung bei den Socceroos auf lange Bälle. Nach etwa einer Stunde ließ sich dann kurzfristig Kewell etwas zurückfallen, aber nachdem er schnell gemerkt hatte, dass die Bälle so einfach über ihn drübersegeln, ging er wieder nach vorne.

Auch womöglich, weil die Australier mittlerweile zum Ausgleich gekommen waren: Nach einem Eckball entschloss sich der koreanische Torwart Jung Sung-Ryong zu spät, aus seinem Gehäuse zu kommen, sodass Mile Jedinak an ihm vorbei zum 1:1 einköpfen konnte. Die Koreaner hatten nun zwar die deutlich reifere Spielanlage, kamen aber an der nun präsenter agierenden australischen Defensive kaum einmal vorbei, zudem ließ Schiedsrichter aus Katar, der in der ersten Hälfte noch einigermaßen kleinlich agierte, nun vor allem den Australiern diverse Unsauberkeiten im Zweikampf durchgehen. Nach dem Ausgleich nahm Koreas Teamchef Cho Kwang-Rae dann mit Koo Ja-Cheol seinen Zehner heraus und brachte Yeom einen Neuen, zudem orientierte sich Park Ji-Sung nun immer mehr in die Mitte, um die Rolle des Spielgestalters ganz zu übernehmen.

Mehr als eine richtig gute Chance schaute dann aber nicht mehr heruas – Ki Sung-Yueng verpasste es nach einem feinen Doppelpass im Strafraum, Schwarzer zu überwinden. So stand am Ende ein 1:1-Unentschieden.

Fazit: Das Team aus Südkorea war jenes mit der besseren Spielanlage und dem besseren Fußball, die Australier hielten vor allem in der zweiten Hälfte vor allem mit Kampfkraft dagegen. An jene Klasse, welche die Japaner in ihren ersten beiden Spielen zeigten (auch wenn die Resultate das nicht ausdrücken), reichen aber auch die Koreaner nicht heran. Das Resultat war ein intensives, aber nicht besonders attraktives Spiel, dessen Resultat den Koreanern – die den Sieg zweifellos eher verdient gehabt hätten – wohl mehr hilft als den Australiern, weil somit die Gesamt-Tordifferenz den Gruppensieg entscheiden wird. Und ob die Südkoreaner Indien auch so billig davonkommen lassen wie die Australier…?

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Bahrain – Indien 5:2 (4:1)

Bahrain - Indien 5:2

Salman Sharida hat Video geschaut. Ganz offensichtlich – denn der Teamchef von Bahrain versuchte mit seiner Mannschaft von Beginn an, genau jene Schwächen in der indischen Mannschaft anzubohren, die bei deren 0:4 gegen Australien am Augenscheinlichsten wurden. Also: Konsequentes Spiel über die Außen, die Abseitsfalle zu eigenen Gunsten nützen, gerne auch hohe Flanken in den Strafraum schlagen. Und weil Sharida die Inder hinten sehr massiv unter Druck setzen wollte, beorderte er drei offensive Mittelfeldspieler weiter nach vorne. Wodurch sich ein 4-2-4 ergab, mit Rakea und Al-Safi als theoretischem Bindeglied dazwischen. Theoretisch deshalb, weil die beiden viel zu tief standen und so ein riesiges Loch zwischen den beiden und den Offensivleuten entstand.

Es gab also kaum einen Angriff der Bahrainis, der nicht im Laufe seines Entstehens mal einen langen, hohen Pass nach vorne beinhaltete. War die Kugel allerdings mal vorne und kamen dann auch die Außenverteidiger aus der ebenso viel zu tief stehenden Abwehrreihe mit nach vorne, kamen die Inder mächtig ins Schwitzen. Das frühe 0:1 konnten sie noch postwendend ausgleichen (die Hintermannschaft von Bahrain hatte wohl nicht damit gerechnet, dass tatsächlich mal ein Ball in ihre Richtung geflogen kommt), nach dem schnellen 2:1 (nach einem Torwartfehler) war Bahrain aber wieder im Fahrersitz. Bei Tor Nummer drei und vier (beide, wie schon das zweite, durch Abdulatif) hebelten sie jenes Abseits, in das die Australier noch fast im Minutentakt getappt waren, aus.

Die Inder? Nun ja. Die beiden Viererketten schoben sich wie in der Auftaktpartie statisch hin und her und einen schlüssigen Plan im Spiel nach vorne suchte man vergeblich. Aber immerhin waren die Räume, die man dem Gegner überließ, nicht ganz so massiv wie im ersten Spiel und außerdem versuchte man zumindest, in die Zweikämpfe zu kommen. So gesehen war es schon ein kleiner Fortschritt.

Und ein großer Fortschritt war es dann, was die Inder nach der Pause zeigten. Denn plötzlich bekam ihr Spiel so etwas wie eine Struktur: Kapitän Climax Lawrence blieb eher zurück, wenn die anderen drei im Mittelfeld aufrückten; die Außenverteidiger gingen plötzlich vermehrt nach vorne, es wurde nun der Gegner aktiv angegangen – kurz gesagt, die Inder verbreiteten auf einmal einen Hauch von Fußball. Die Bahrainis hatten mit derlei Gegenwehr überhaupt nicht gerechnet, und bevor sie es sich versahen, hatten die Inder den Anschluss zum 2:4 geschafft.

Die Spieler aus Bahrain wussten überhaupt nicht, wie ihnen geschah. Dadurch, dass sich Indien-Stürmer Yadav eher etwas hängender spielte, konnten die vier im Mittelfeld selbiges breiter machen, ohne allzu große Löcher zu offenbaren. In der Tat drehten sie sogar die Ballbesitzstatistik zu ihren Gunsten! Die vier Bahrainis vorne waren so sehr vom Spiel abgeschnitten, dass drei von ihnen wieder ein halbwegs nominelles Mittelfeld bildeten; und sie warfen auch die Nerven weg: Faouzi Aaish, der linke offensive Mittelfeldmann, holte sich innerhalb weniger Augenblicke wegen eines sinnlosen Fouls am Mittelkreis Gelb und wegen einer plumpen Schwalbe Gelb-Rot.

Bahrain stellte kurzzeitig auf eine Dreierabwehr um (Isa nahm den Platz von Aaish ein), ehe Mahmud Abdulrahman (statt Stürmer Al-Dakeel) für diese Position kam und Bahrain sich in einem 4-1-3-1 aufstellte. Und als dann Abdulatif (wer sonst?) zu einem beherzten Sololauf ansetzte und in der 76. Minute sein viertes Tor zum 5:2 erzielte, war das Spiel dann doch entschieden.

Fazit: Auch, wenn es bei einem Endresultat von 5:2 etwas seltsam klingen mag – aber Bahrain hat in der Tat keine überzeugende Leistung geboten. In der ersten Hälfte haben sie die Fehler der indischen Hintermannschaft recht clever ausgenützt, aber schon da waren Schwächen im Spielaufbau nicht zu übersehen. Und als die Inder nach dem Seitenwechsel überraschenderweise tatsächlich eine klare Leistungssteigerung erkennen ließen, gingen die Bahrainis völlig ein. Die Inder können trotz der Niederlage erhobenen Hauptes in das letzte Spiel gehen; Bahrain wird sich trotz des Sieges etwas einfallen lassen müssen.

(phe)

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Japan, das Arsenal Asiens https://ballverliebt.eu/2011/01/13/japan-das-arsenal-asiens/ https://ballverliebt.eu/2011/01/13/japan-das-arsenal-asiens/#comments Thu, 13 Jan 2011 22:57:48 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3740 Japan, das Arsenal Asiens weiterlesen ]]> War Alberto Zaccheroni in letzter Zeit bei Arséne Wenger hospitieren? Eine Frage, die sich aufdrängt. Denn die von Zac trainierten Japaner spielen wie eine Blaupause der Gunners: Hohes Tempo, extremes Rochieren, und sogar die Positionierung der Spieler erinnerte beim 2:1 über Syrien an Arsenal.

Japan – Syrien 2:1 (1:0)

Japan - Syrien 2:1

Valeriu Tita, rumänischer Teamchef der Syrer, hatte sich seine Aufstellung gut überlegt. Er ließ Spielgestalter Malki draußen, stellte auf ein 4-1-4-1 um, um möglichst überall im defensiven Mittelfeld und der Abwehr den jeweils ballführenden Japaner doppeln zu können. Grundsätzlich eine gute Idee, eine richtige Maßnahme. Dabei gab es nur einen Haken.

Den Syrern ging das alles viel zu schnell.

Das Tempo, welches die Japaner in der ersten Viertelstunde an den Tag legten, war atemberaubend. Die Syrer rannten sich die Lungen aus ihren Leibern, um halbwegs die Löcher zu stopfen, in die ihre Gegenspieler permanent reinstießen. Und dennoch spielten die von Alberto Zaccheroni trainierten Japaner Katz und Maus. Und zwar in einer Spielweise und einer Formation, die frappant an das Arsenal von Arséne Wenger erinnert. Auch Zaccheroni lässt seine Mannschaft in einem sehr flüssigen 4-2-3-1 auflaufen. Mit Yasuhito Endo hat er einen eher zurückhängenden Sechser, der zuerst absichert, und erst dann nach vorne schaut. Mit dem grandios aufspielenden Kapitän Makoto Hasebe hat er einen zweiten Sechser, der eigentlich ein Achter ist, mit enormem Vorwärtsdrang, tollem Auge in der Spieleröffnung, der eigentliche Spielgestalter, der oftmals auch in die Mittelfeldreihe oder dafür stößt. Zwei wie etwa Alex Song und Jack Wilshere.

In der offensiven Dreierreihe wird rochiert, was das Zeug hält. Gestartet ist Kagawa links, Honda zentral und Matsui in der Mitte – eine solche Zuordnung verliert aber blitzartig ihre Gültigkeit. Da taucht Matsui schon mal auf der ganz anderen Seite auf, Kagawa in der Mitte oder gar als Sturmspitze, Honda mal zurückhängend, mal auf die Seiten, dann wieder ganz vorne. Fàbregas, Nasri, Rosický und Konsorten lassen grüßen. Und vorne? Dort rennt sich Ryoichi Maeda die Füße wund, lässt sich zurückfallen, geht auf die Seite (bevorzugt die linke), und macht all das, was bei Arsenal einen Robin van Persie ausmacht.

Einziges Manko: Die Tore…

Vom Toreschießen mal abgesehen. Das ist nämlich das große Manko der Japaner – es fehlt der Vollstrecker, der dann auch wirklich mal die Tore macht. Und dennoch wussten die ja eigentlich recht gut eingestellten Syrer nicht, wie sie dem Wirbel Herr werden sollten. Da wurde schon mal Linksverteidiger Sabagh nach innen gezogen und Makoto Hasebe (!) stieß mit vollem Tempo in die riesige freie Zone zwischen Strafraum und Eckfahne und konnte ungehindert flanken. Was den syrischen Kapitän Ali Dyab wahnsinnig machte und ihn zu einen spontanen Standpauke an seine Nebenleute trieb.

Erst, als der ganz große Anfangsschwung nach etwa 20 Minuten etwas nachließ, kamen die Syrer hinten ein wenig zum Durchschnaufen. Die Japaner ließen es von da an ein kleines bisschen ruhiger angehen – was aber immer noch locker reichte, um die Partie komplett im Griff zu haben. Und als die Syrer einmal zu oft die Übersicht vor dem eigenen Tor verloren hatte, drückte Hasebe von der Strafraumgrenze zum längst überfälligen 1:0 ab, mit dem auch die Seiten gewechselt wurden.

Anderes Spiel nach der Pause

Was diese Mannschaft aus Japan allerdings nicht kann: Diese Spielweise über 90 Minuten durchziehen. Was sich schon zum Ende der ersten Hälfte angedeutet hatte – nämlich körperliche Abnutzungserscheinungen, die dem temporeichen Anfang geschuldet waren – verstärkte sich in nach dem Seitenwechsel natürlich. Und das wurde dann auch noch verschärft durch eine geschickte Umstellung von Valeriu Tita: Er brachte statt Aouad mit Al-Khatib nun doch einen zentralen offensiven Mittelfeldspieler. Die Folge: Makoto Hasebe konnte nun nicht mehr so frei von allen Defensivpflichten vorne herum turnen, sondern war vermehrt in seiner Rolle als Sechser gefragt.

Somit waren die Offensivleute ein wenig vom Nachschub abgeschnitten. Außerdem agierten die Syrer nun wesentlich aggressiver, gingen die Gegenspieler früher an und brachen so den Rhythmus der Japaner zusätzlich. So kamen die Außenseiter, die ja schon die Saudis mit 1:0 geschlagen hatten, immer besser ins Spiel und den Japanern gelang es nun nicht mehr so recht, die frecher werdenden Syrer zu kontrollieren.

Nun war das Spiel zwar nicht mehr annähernd so ansehnlich wie vor dem Seitenwechsel, aber dafür umso offener. Nach etwa einer Stunde nahm Titu dann auch den wenig effektiven Solo-Stürmer Al-Zeno aus dem Spiel und brachte einen zweiten offensiven Mittelfeldspieler – jenen Senharib Malki, der gegen die Saudis eine so tolle Partie gespielt hatte. Nun hatten Endo und Hasebe endgültig keine Gelegenheit mehr, sich noch vorne einzuschalten. Und dann wurde es richtig turbulent.

Hektische Schlussphase

In der 70. Minute entschied der iranische Schiedsrichter auf Strafstoß für Syrien. Torhüter Kawashima hatte Malki im Strafraum von den Beinen geholt. Unstrittig. Aber war Malki nicht zehn, fünfzehn Meter im Abseits gestanden? Die Frage, an der sich die japanischen Gemüter erhitzten. Die Antwort: Grundsätzlich ja – aber der Ball kam mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Yasuyuki Konno. Und damit kein Abseits – und die rote Karte für Kawashima obendrein. Es dauerte fünf Minuten, ehe Al-Khatib den Strafstoß ausführen konnte und souverän zum nach dem Verlauf der zweiten Hälfte gar nicht mehr unverdienten 1:1 verwandelte.

Für Ersatztorhüter Nishikawa musste Sturmspitze Maeda den Platz verlassen. Die Japaner stellten nun auf ein 4-4-1 um, in dem Keisuke Honda die hängende Spitze gab. Und bevor sich die Favoriten groß Gedanken machen konnten, ob sie nun mit einem Mann weniger auf Ergebnis halten spielen sollten (gefährlich, weil dann ein Sieg gegen die Saudis am letzten Spieltag Pflicht wäre) oder doch riskieren sollten (auf die reale Gefahr hin, das Spiel noch zu verlieren), drehte sich das Blatt wieder zu Gunsten der Japaner.

Der für Kagawa eingewechselte Okazaki wurde von Dyab und Deka in Gemeinschaftsarbeit niedergerungen, Schiri Torky zögerte zu Recht keine Sekunde, und Honda zitterte den Elfmeter in der 81. Minute zur 2:1-Führung ins Tor. Die Syrer setzten nun natürlich alles auf eine Karte – mit Al-Khatib, Malki und auch Ayan warteten nun drei Spieler in vorderster Front auf Zuspiele, mit Al-Agha kam statt den müden Jahad Al-Hussain ein frischer Mann für die rechte Seite.

Doch anstatt an Toren auszugleichen, glichen die Syrer mit der Anzahl der Spieler aus. Denn in der hektischen, sechsminütigen Nachspielzeit holte sich Linksverteidiger Sabagh erst Gelb für ein Foul an der Strafraumgrenze ab, dann Gelb-Rot, weil er zu früh aus der Mauer gestürmt war…

Fazit: Japan zeigt alles – von Dominanz bis Widerstandskraft

Was für ein Spiel. In der ersten Hälfte waren die Japaner drückend überlegen und hätten da schon für klare Verhältnisse sorgen müssen. Weil sie das nicht taten, in der zweiten Hälfte ermüdeten und das von den Syrern geschickt ausgenützt wurde, wäre das Spiel beinahe noch verloren gegangen. Syrien hat wie gegen die Saudis tapfer gekämpft und in der zweiten Halbzeit wiederhum eine sehr ansprechende Leistung gezeigt. Bitter nur: Trotz den Sieges gegen die Saudis reicht ein Remis im letzten Gruppenspiel gegen Jordanien nicht zum Viertelfinale…

Dort ist auch Japan noch nicht, wiewohl da für ein Aus schon einiges zusammen kommen müsste. Gegen die gegenüber dem Turnierstart wiedererstarkten, aber schon ausgeschiedenen Saudis wird für den Gruppensieg ein Sieg hermüssen, Zittern ums Weiterkommen wäre nur bei einer Niederlage angesagt. Generell muss man aber sagen: Wer so spielen kann wie in der ersten Halbzeit, und solche Partien noch gewinnen kann, wie in der zweiten Halbzeit, dem ist alles zuzutrauen.

Wenn schon Arsenal selbst keine Titel holt, dann doch vielleicht ein Team, das fast genauso spielt.

(phe)

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Asiencup, Tag 7, Teil I: Jordanien macht die Saudis Nasser https://ballverliebt.eu/2011/01/13/asiencup-tag-7-teil-i-jordanien-macht-die-saudis-nasser/ https://ballverliebt.eu/2011/01/13/asiencup-tag-7-teil-i-jordanien-macht-die-saudis-nasser/#respond Thu, 13 Jan 2011 21:16:19 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=3734 Asiencup, Tag 7, Teil I: Jordanien macht die Saudis Nasser weiterlesen ]]> Zweites Spiel, zweiter Teamchef: Nasser Al-Johar übernahm die Mannschaft aus Saudi-Arabien und brachte sie in den drei Tagen, seit er diesen Posten wieder innehat, auf Vordermann. Er beseitigte alle taktischen Fehler, die José Peiseiro begangen hatte, sein Team spielte klasse – und verlor dennoch…

Saudi Arabien – Jordanien 0:1 (0:1)

Saudi Arabien - Jordanien 0:1

Neuer Trainer, neues Glück. Und neue Formation! Nasser Al-Johar, der nach dem Rauswurf Jose Peseiros nach dem peinlichen 1:2 gegen Syrien im ersten Spiel als Teamchef von Saudi Arabien eingesetzt wurde, veränderte nicht nur die Aufstellung an vier Positionen, sondern auch die Formation und die komplette taktische Einstellung. Aus dem 4-4-2, das zwar fluid war, aber zu viel Raum zwischen Mittelfeld und Angriff ließ, wurde unter Al-Johar (der damals beim 0:8 gegen die Deutschen bei der WM 2002 auch schon Saudi-Teamchef war) ein Mittelding aus 4-1-3-2 und 4-1-4-1, vergleichbar etwa mit dem, was Walter Kogler bei Wacker Innsbruck auf den Platz stellt.

Kariri, der gegen die Syrer noch Innenverteigier war, wurde als Solo-Sechser nach vorne gezogen, und Naif Hazazi spielte den Marcel Schreter: je nach Bedarf zurück in die Mittelfeldkette, als hängende Spitze oder gar als echter Stürmer. Außerdem verpasste Al-Johar dem eher engen Mittelfeld, das sich gegen Syrien in der Mitte zusammenzog, um sich der Unterzahl in der Zentrale zu erwehren, eine angenehme Breite (weil sich die Außen eben nun nicht mehr um den Mittelkreis kümmern brauchten) – und durch die Rolle von Hazazi verschwand auch das Loch zwischen Mittelfeld und Angriff. Der erfahrene Trainer hatte alle systematsichen Böcke von Peseiro erkannt und ausgemerzt. Bravo dafür.

Und – abgesehen von der 5. bis zur 15. Minute – hatte das Team aus Saudi Arabien das Spiel auch recht sicher im Griff. Die Jordanier rückten von dem 4-1-4-1, mit dem sie gegen Japan beinahe gewonnen hätten, ab: Baha Abdulrahman rückte zu Hashhash ins defensive Mittelfeld zurück, dafür orientierte sich Hassan Abdel-Fattah weiter nach vorne und gab eine hängende Spitze neben Abdullah Deeb. Personell änderte sich nur die Innenverteidigung, wo Monir den gröber verletzten Kapitän Aqel ersetzen musste.

Alsbald konzentrierten sich die Jordanier auf die mit LV Al-Mousa und LM Al-Shalhoub komplett neu besetzte linke saudische Abwehrseite. Amer und der wiederum sehr fleißige Al-Salman sowieso, dazu Hashhash von der Sechser-Position und auch Abdel-Fattah übervölkerten diese Seite und kamen so, zumindest zwischendurch, richtig gut in die Partie. Die Saudis brauchten eine Weile, bis sie sich aus der Umklammerung lösen konnten. Sie taten das, indem sie ihrereseits von nun an versuchten, das Spiel von dieser Seite fern zu halten – und in der Zentrale und vor allem über der rechte bzw. halbrechte Seite mit Hazazi spielten die fußballerisch besseren Saudis einen durchaus gepflegten Ball. Alleine Tor wollte keines gelingen.

Und so kam es kurz vor der Pause, wie es kommen musste: Ein Verlegenheits-Mondball von der Seitenlinie, abgefeuert von Baha Abdulrahman, senkte sich über den zu weit vor seinem Tor postierten Saudi-Torhüter Walid Abdullah ins Kreuzeck. Keine wirkliche Aktion, nicht herausgespielt, eine Nicht-Chance, und dennoch gingen die Jordanier – wie schon gegen die Japaner – mit einer glücklichen 1:0-Führung in die Kabine.

Saudi Arabien - Jordanien 0:1 (Zweite Hälfte)

Al-Johar musste reagierten, mit kontrollierter Offensive glaubte er nicht mehr gewinnen zu können. Also brachte er statt dem rechten Mittelfeldmann Autef nun mit Al-Shamrani einen weiteren Stürmer und stellte auf ein 4-3-3 um. Im Mittelfeld blieb es bei einem Defensiven – weiterhin Kariri – und Al-Jassem sowie Al-Shalhoub (später der fleißige Al-Abid) übernahmen die Halbpositionen. Das hieß auch, dass die zuvor eher zurückhaltenderen Außenverteidiger deutlich mehr nach vorne machen mussten – was sie auch taten. So gelang es den Saudis, die Jordanier sofort unter Druck zu setzen und hinten fest zu nageln. Das Problem dabei: Die Grünen kontrollierten nach Belieben das Mittelfeld, wetzten sie Flanken auf und ab, aber in den Strafraum kam nichts, was der starke jordanische Schlussmir Amir Shafi nicht entschärfen hätte können.

Jordanien lieferte, je länger die zweite Hälfte lief, immer mehr eine Abwehrschlacht. Acht Mann empfingen die Saudis recht tief, nur noch zwei Spieler (Abdullah Deeb und Abdel-Fattah, später die für diese beiden eingewechselten Abu-Keshek und Abdelhalim) lauerten vorgelagert auf schnelle Konter. Solche kamen auch immer wieder zu Stande, echte Torgefahr brachten diese aber nicht.

Anders als die Saudis in der 75. Minute: Hier gab es die größte Chance auf den Ausgleich, als Al-Shamrani nach schönem Doppelpass alleine auf Shafi zulief, am Torwart aber scheiterte. Angesichts der Überlegenheit der Saudis kann man glaubhaft argumentieren, dass sie nach einem Ausgleich in dieser Situation das Spiel wohl noch gewonnen hätten. So aber packte Al-Johar am Ende die Brechstange ganz aus, indem er für Rechtsverteidiger Shuhail noch einen offensiven Mittelfelspieler (Al-Dawsari) brachte. Die Devise lautete nun nur noch, „Rein ins Getümmel und auf das Beste hoffen“ – das Beste trat aber nicht mehr ein.

Fazit: Für Saudi-Arabien zweifellos eine der bittersten Niederlagen überhaupt. Zum einen natürlich, weil sie für den dreifachen Asienmeister das Aus nach der Vorrunde bedeutet. Vor allem allerdings, weil mit dem Trainerwechsel nach dem Auftaksspiel und den Maßnahmen, die Nasser Al-Johar in dieser Partie gesetzt hatte, im Grunde alles richtig gemacht wurde. Ein seltsames Gegentor und mangelnde Durchschlagskraft waren die Zutaten dieser in höchstem Maße unverdienten 0:1-Niederlage. Und Jordanien? Für die reicht im letzten Spiel am Montag gegen Syrien ein Punkt zum Viertelfinale!

(phe)

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