Arshavin – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Tue, 12 Jun 2012 21:59:18 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Błaszczykowski schießt Polen zurück ins Turnier – Tschechen wackeln wieder https://ballverliebt.eu/2012/06/12/blaszczykowski-schiest-polen-zuruck-ins-turnier-tschechen-wackeln-wieder/ https://ballverliebt.eu/2012/06/12/blaszczykowski-schiest-polen-zuruck-ins-turnier-tschechen-wackeln-wieder/#respond Tue, 12 Jun 2012 21:57:50 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7471 Błaszczykowski schießt Polen zurück ins Turnier – Tschechen wackeln wieder weiterlesen ]]> Nein, einen Sieg hat es für Polen auch im zweiten Spiel der Heim-EM nicht gegeben. Aber das 1:1 gegen die Russen fühlt sich fast wie einer an, zumal man es nach dem Traumtor von Błaszczykowski und einer ansprechenden Leistung in der eigenen Hand hat, ins Viertelfinale zu kommen. Jetzt muss nur noch ein Sieg gegen die Tschechen her – und das scheint möglich, weil diese trotz Blitz-Führung zum 2:0 gegen Griechenland wieder keine gute Figur gemacht haben.

Polen - Russland 1:1 (0:1)

Russland hatte gegen die Tschechen viele Freiheiten. Was daran lag, dass die Tschechen im eigenen defensiven Mittelfeld zu viel Räume gewährt haben – genau diesen Fehler wollte Franciszek Smuda, der polnische Teamchef, natürlich nicht machen. Darum machte er aus dem 4-4-1-1 der ersten Partie nun gegen die Russen ein 4-1-4-1, um eben genau den Aufbau der Russen über Shirokov und Siryanov zu verhindern, und die Sbornaja damit auf die Flügel zu drängen.

Dort lauerten zwar Arshavin und Dzagoyev, dazu die Außenverteidiger Shirkov und Anyukov, aber für erstere standen ja als Hilfe für Boenisch und Piszczek die Kollegen aus dem Halbfeld bereit, und auf Letztere sollten Błaszczykowski und Obraniak Druck ausüben, sodass diese gar nicht erst zu ihren gefährlichen Vorstößen kommen konnten.

Polens Strategie gegen den Ball

Teil A des Plans ging ganz gut auf. Shirokov versuchte zwar wiederum, mit seinen vertiaklen Vorstößen auch ohne Ball Unruhe zu stiften, aber Dudka agierte recht umsichtig und die polnische Defensive als Ganze ließ sich davon überhaupt nicht beeindrucken. Siryanov postierte sich deutlich tiefer, mitunter auf eine Höhe mit Sechser Denisov; er hatte so zwar mehr vom Ball, aber weil Polanski und Murawski die Räume exzellent zustellten, kamen kaum russische Anspiele an – da brauchte es gar kein Pressing von Seiten der Polen.

Das Verteidigen gegen die Außenstürmer Arshavin und Dzagoyev klappte dagegen nur so halb. Obraniak arbeitete sehr gut defensiv und half Boenisch – mit Abstand dem schlechtesten Teil der polnischen Mannschaft – so gut er konnte. Dzagoyev war über die meiste Zeit des Spiels kaltgestellt. Aber Arshavin war überall zu finden: Er sah schnell, dass er gegen Błaszczykowski und Piszczek wenig anrichten konnte und verlegte sich schnell darauf, sich ins Halbfeld zu positionieren, den Raum zwischen polnischem Mittelfeld und Abwehr zu bearbeiten und verließ sich auf seine Qualitäten am Ball.

Russland nicht so gut wie gegen Tschechien

Man kann auch sagen: Arshavin agierte oftmals recht eigensinnig, verpasste regelmäßig den Zeitpunkt zum Abspiel und rannte sich immer wieder in der polnischen Verteidigung fest. Aus dem Spiel heraus waren die Russen etwas zu statisch und ausrechenbar, um gegen die diszipliniert und kompakt stehenden Polen etwas auszurichten. Fast logisch daher, dass das 1:0 für Russland in der 37. Minute nach einem Standard fiel: Dzagoyev verwertete einen Arshavin-Freistoß per Kopf.

Die Polen zeigten sich gegenüber dem 1:1 gegen die Griechen also deutlich verbessert, was ihre Abwehrarbeit anging und auch, was die generelle psychische Lage betrifft: Die Übernervosität von gerade der zweiten Hälfte gegen Griechenland war deutlich verfolgen. Was aber in den vier Tagen natürlich nicht korrigiert werden kann, ist die unglaubliche Rechtslastigkeit im Spiel. Piszczek und Błaszczykowski tragen das Aufbauspiel quasi alleine.

Polen versuchen, ihre Stärken ins Spiel zu bringen

Das ist zwar sehr eindimensional, aber wenn man vorne einen Robert Lewandowski hat, kann sich das trotzdem ausgehen. In der abgelaufenen Saison gab es kaum Stürmer in Europa, die Bälle besser halten können, abdecken, Zeit gewinnen bis die Mitspieler aufgerückt sind – und dabei dennoch so gedanken- und handlungsschnell sind, dabei jederzeit den Abschluss suchen zu können. Seine unbestrittenen Tempo- und Technik-Vorteile gegen Beresutski und Ignashevitch (die beiden russischen Innenverteidiger sind fraglos die limitiertesten Kicker in ihrem Team) konnte er zwar kaum ausspielen, aber alleine seine Präsenz sorgte für Entlastung.

Bei alldem war aber doch klar, dass die Polen um den Umstand wussten, fußballerisch nicht mit den Russen mithalten zu können. Natürlich war das Einziehen einen Zerstörers im Mittelfeld und das damit verbundene Verzichten auf eine hängende Spitze dem geschuldet und, keine Frage, die Polen überließen den Russen ganz bewusst die Initiative. Weil sie wussten: Die größten Chancen, zum Torerfolg zu kommen, bestehen, wenn man nach Ballgewinn in den Rücken der aufgerückten Außenverteidiger kommt und die gegnerischen Innenverteidiger mit Tempo kommt.

Nach Ausgleich nicht auf Defensive umgestellt

Natürlich war das Ausgleichstor von Błaszczykowski nach einer Stunde in erster Linie ein herausragender Schuss, den Malafeev nie im Leben halten kann, aber die Entstehung war genau so: Schneller Gegenzug, der spätere Torschütze bekommt einen Ball in den Lauf hinter Shirkov, Lewandowski zieht einen Innenverteidiger, und Błaszczykowski kann abziehen.

Interessanterweise gab Smuda in der Folge seinen Vorsichts-Kurs auf: Er hatte einerseits bemerkt, dass die Russen an diesem Tag nicht so stark in der Vorwärtsbewegung waren und wollte daher zweitens etwas mehr Struktur in die eigene Spielgestaltung bringen. Daher nahm er Dudka vom Feld und brachte mit Mierzejewski einen kreativeren Mittelfeld-Spieler, der genauere Pässe mit mehr Übersicht spielen kann.

Und tatsächlich: Das Zentrum der Polen verlor nicht etwa an Balance, sondern konnte nun Bälle auch besser halten. Das bewirkte, dass Shirokov und Siryanov sind nun endgültig aus dem russischen Spielaufbau verabschiedeten. Advocaat versuchte daher, mit Ismailov statt dem (trotz seines Tores) diesmal nicht so starken Dzagoyev jenen Flügel zu stärken, auf dem Boenisch stand. Ein Wechsel dessen Wirkung verpuffte, womit es beim korrekten 1:1 blieb.

Fazit: Polen verdient sich den Punkt, von den Russen kam zu wenig

Die Polen haben gezeigt, dass sie mit der passenden taktischen Marschroute auch einem Gegner wie Russland Paroli bieten können. Sie haben das Zentrum der Sbornaja sehr gut neutralisiert und sie damit ausrechenbarer gemacht. Zudem gelang es Lewandowski hervorragend, die russische Abwehr zu beschäftigen und die starke rechte Seite muss als Punktsieger gegen Shirkov gelten.

Die Russen verließen sich zu sehr auf Einzelaktionen von Arshavin. Im Mittelfeld fehlte es an den nötigen Laufwegen, um das kompakte und robuste, aber spielerisch nicht unbedingt auf Top-Niveau stehende polnische Zentrum auseinander zu reißen. Vor allem Siryanov und Shirokov müssen sich anlasten lassen, einen etwas lustlosen Eindruck gemacht zu haben, als man nicht so leicht durchkam wie gegen das recht offene tschechische Zentrum.

Im Endeffekt war es ein interessantes und flottes Spiel, nachdem wohl beide Teams mit dem Resultat leben können. Die Russen, weil die die Gruppe immer noch anführen und sie mit einem Sieg gegen die Griechen diese auch gewinnen. Und die Polen, weil sie den Einzug ins Viertelfinale in eigener Hand haben: Ein Erfolg gegen Tschechien, und alles ist gut. Und der ist allemal möglich.

Überfahren ist er worden, im ersten Spiel, von Blaszczykowski und Piszczek. Dennoch durfte José Holebas auch gegen die Tschechen als Linksverteidiger anfangen – und wieder ging’s schief. Einmal ließ er Jiráček innen entwischen, einmal Gebre Selassie außen, und nach fünf Minuten waren die Tschechen schon mit 2:0 voran. Die schnellste Zwei-Tore-Führung der EM-Geschichte…

Tschechien - Griechenland 2:1 (2:0)

Was die Tschechen aber auch gut heraus gefordert haben. Michal Bilek reagierte auch von der Aufstellung her gut auf die Problemstellen beim 1:4 gegen Russland. Oder, viel mehr, setzte er dort fort, wo er schon beim ersten Spiel reagiert hatte: Statt nämlich Plašil auf die Sechs zu stellen, ohne einen Tackler um sich herum – was sie gegen die flinken Russen anfällig für Konter gemacht hatte – zog er Plašil auf die Acht und ließ Hübschmann hinter ihm die Aufräum-Arbeit machen.

Das klappte zunächst hervorragend, weil Plašil und Rosický ein ganz gutes Verständnis untereinander hatten, und weil Jirácek den defensiv wie erwähnt überforderten Holebas permanent narrte, ihn überlief, ihn aus der Position zog – was auch für den exzellenten Theo Gebre Selassie ein Fest war. Die Tschechen kontrollierten das Spiel.

Tschechen lassen Zügel schleifen

Man könnte allerdings auch sagen, dass sie sich selbst einlullten. Mit der billigen frühen Führung im Rücken ließ schon im Laufe der ersten Hälfte die Initiative immer mehr ein. Was der selbe Fehler war, den die Polen schon gegen die Griechen gemacht hatten. Und in selbem Maße kam auch Holebas, defensiv entlastet, immer besser ins Spiel.

Natürlich war das sich anbahnende Angriffsspiel der Hellenen eher durchschaubar. Setzte auf lange Bälle Richtung Samaras, mehr auf Willen als auf Klasse. Und auf die Tatsache, dass die Tschechen das Spiel schon gewonnen glaubten. Aber Maniatis und Fotakis im Zentrum bekamen nun immer mehr Zeit am Ball und das Bemühen, das Spiel von hinten heraus zu lenken, war durchaus erkennbar.

Griechen versuchen es, aber es fehlt das Zwingende

Natürlich: Dass Petr Čech den Griechen mit einem ähnlichen Aussetzer wie vor vier Jahren gegen die Türkei den Anschlusstreffer schenkte, half natürlich. Aber man darf auch nicht verschweigen, dass bei Fernando Santos wie schon im ersten Spiel die Wechsel gut funktioniert haben. Mit Gekas kam ein schnellerer, wendigerer Mann für das Sturmzentrum, dafür ging Samaras auf den Flügel; dazu konnte Fortounis seine Pässe aus dem Zentrum heraus besser gestalten als zuvor auf dem Flügel. Als Santos merkte, dass Fortounis‘ Pässe (und wohl auch seine Kräfte) nachließen, warf er Kostas Mitroglou in die Schlacht: Einen grimmigen, robusten Spieler, der den Tschechen zusätzliche Probleme bereitete.

Anders hingegen die Wechsel von Michal Bilek. Er sah sich in der Pause gezwungen, den am Rande der gelb-roten Karte wandelnden Rosický in der Kabine zu lassen. Sein Ersatz Kolař agierte zwar giftig, aber hat natürlich nicht annähernd die Klasse von Rosický, wenn es um das Lenken und das Gestalten des Spiels geht. In der Spitze bewegte sich Milan Baroš schlecht und war so kaum eine Anspiel-Option. Und Jiráček, so gut er im Vorwärtsgang ist, zeigte ungewohnte Schwächen in den Zweikämpfen.

So konnten die Griechen in der Schlussphase mit de facto vier Stürmern angreifen, aber in der letzten Konsequenz fehlte dann doch die Klasse. Die Tschechen hatten das Spiel komplett aus der Hand gegeben und hingen in den Seilen wie ein überraschend getroffener Boxer, aber die wirklich zwingenden Chancen auf das 2:2 konnten sich die Hellenen nicht mehr heraus arbeiten.

Fazit: Tschechen fühlen sich zu früh sicher, Griechen können es nicht nützen

Vielleicht ging es am Beginn des Spiels zu einfach – aber das wäre auch als Erklärung zu einfach. Die Tschechen standen zunächst zwar im Zentrum durch die höhere Positionierung und die Absicherung hinter Plašil deutlich sicherer als noch gegen die Russen, aber dennoch fehlt es im restlichen Team – den wirklich exzellenten Rechtsverteidiger Gebre Selassie mal ausgenommen – an der Qualität. Und wenn dann noch ein Gefühl von vermeintlich sicherem Sieg hinzu kommt, kann die Mannschaft den Schalter nicht mehr umlegen.

Die Griechen, das muss man ihnen zu Gute halten, sind unter Fernando Santos längst nicht mehr so negativ wie in den späten Rehhagel-Jahren (in den früheren war das ja durchaus offensiver, auch bei der vermeintlich so negativ angelegten Euro 2004). Allerdings fehlt es an einem Passgeber im Mittelfeld, der das Auge und die Klasse hat, so einem Spiel eine Struktur zu geben; an echten Flügelstürmern, die auch mal brauchbare Flanken schlagen können; an Außenverteidigern, wo man nicht entweder gegen den Ball Angst haben muss (Holebas) oder in der Vorwärtsbewegung beim Gegner keine Angst verbreiten (Torosidis).

Beide haben das Viertelfinal-Ticket zwar noch in eigener Hand. Aber ob es für die Griechen gegen die Russen reicht, nachdem diese beim 1:1 gegen Polen gesehen haben, dass es mit Halbgas nicht geht? Zweifelhaft. Und auch die Tschechen werden am letzten Spieltag gegen den Gastgeber Probleme haben, wenn man wieder so nachlässig agiert und so bereitwillig dem Gegner das Spiel überlässt.

(phe)

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Reality Check für Polen, verdienter Sieg für Russland https://ballverliebt.eu/2012/06/09/reality-check-fur-polen-verdienter-sieg-fur-russland/ https://ballverliebt.eu/2012/06/09/reality-check-fur-polen-verdienter-sieg-fur-russland/#comments Sat, 09 Jun 2012 02:29:11 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7412 Reality Check für Polen, verdienter Sieg für Russland weiterlesen ]]> EURO 2012 / Tag 1 | Die Russen machen’s nicht ungeschickt. Kräfte eher ein wenig sparen und, wie beim 4:1-Sieg zum Start in die EM gegen Tschechien, die Post nur in ausgewählten Aktionen abgehen lassen – dort aber so richtig. Beim Gastgeber Polen ging die Post nur eine Viertelstunde lang ab. Dann verlor man gegen Griechenland den Faden und letztlich sogar fast noch das Spiel…

Russland - Tschechien 4:1 (2:0)

Sie sind zur Ausnahme geworden, die Teams, die zu einem großen Teil von einem einzelnen Spieler abhängig sind. Die Tschechen aber sind so eine Mannschaft: Tomáš Rosický ausgenommen, ist das tschechische Team Anno 2012 eine recht gesichtslose Truppe, der es an der individuellen Klasse fehlt. Umso größer war die Erleichterung, dass der Mann von Arsenal doch noch rechtzeitig fit geworden ist. Oder zumindest fit genug, um dabei zu sein.

Gerenell ist bei den Tschechen das Zentrum das Prunkstück. Nicht nur wegen Rosický, sondern auch wegen Jaroslav Plašil: War er in der Vergangenheit oft am Flügel zu finden, stellt ihn Teamchef Michal Bilek als tief stehenden Sechser auf, der die Bälle verteilt. Zwischen Plašil und Rosický war dann noch Petr Jiráček zu finden, der etwas hinter Rosický versetzt ebenso viel vertikal verschob. Mit dieser gesunden Mischung aus Energie (Jiráček), Technik (Rosický) und Übersicht (Plašil) hielt man das russische Dreier-Mittelfeld zunächst gut in Schach.

Ab durch die Schnittstelle

Was auch an Theo Gebre Selassie lag. Der Rechtsverteidiger mit dem typisch tschechischen Namen nützte die zuweilen recht zentrale Positionierung von Arshavin aus um einiges an Betrieb nach vorne zu veranstalten. Gefährlich wurden die Tschechen in dieser Phase zwar nicht, aber es gelang zumindest, die Russen vom eigenen Strafraum fernzuhalten.

Die Strategie im Spiel nach vorne bei den Russen war hingegen ebenso simpel wie erfolgreich: Schnelles Umschalten nach Ballgewinn, und vor allem: Mit so wenigen Pässen wie möglich vor das gegnerische Tor zu kommen. Hoch wurde dabei gar nicht gespielt – sondern praktisch alles flach und vor allem mit einer ganz klaren Stoßrichtung: Ab durch die Schnittstellen zwischen Innenverteidiger und Außenverteidiger. Fast immer, wenn mehrere Russen auf Čech zuliefen, kam der Pass zwischen Sivok und Kadlec bzw. zwischen Hubník und Gebre Selassie durch. Was möglich war, weil Kershakov innen immer zumindest einen Innenverteidiger auf sich zog und der entsprechende Außenverteidiger im Zustellen des entstehenden Raumes den russischen Gegenspieler im Rücken aus den Augen verlor. So stand’s schnell 2:0, ohne dass die Russen viel für das Spiel gemacht hätten.

Rosickýs Bindung zum Spiel gekappt

Die Tschechen blieben zwar auch in der Folge das Team mit mehr Ballbesitz, aber weil sich Rosický innerhalb des russischen Mittelfeld-Dreiecks immer mehr aufrieb, war von ihm immer weniger zu sehen. Jiráček merkte das zwar und versuchte, durch höhere Positionierung Rosickýs fehlende Bindung zum Spiel auszugleichen, aber es gelang nicht, Zugriff auf den Strafraum zu bekommen. Baroš konnte seine Tempo-Vorteile gegenüber Ignashevich und Beresutski nie ausspielen.

Im Gegenteil: Immer mehr gelang es dem russischen Mittelfeld-Trio, das fehlen eines Tacklers im tschechischen Mittelfeld auszunützen und mit schnellem Ausschwärmen der Offensiv-Spieler – also der der Angreifer plus einem aus dem Mittelfeld – die tschechische Abwehr immer wieder in 4-gegen-4-Situationen zu verwickeln und damit schwer in Verlegenheit zu bringen.

Sicherung im Mittelfeld, aber hinten bleibt’s problematisch

Bilek erkannte das Problem und brachte mit Tomáš Hübschmann einen echten, gelernten Sechser statt des auf der rechten Flanke eher glücklosen Rezek. Das hatte den Effekt – auch nach dem Anschlusstreffer durch Pilař – dass die Tschechen im Zentrum zunächst etwas sicherer standen, es aber Rosický immer mehr an Unterstützung im Spiel nach vorne Fehler. Im Laufe der zweiten Hälfte tauchte er immer mehr unter, war fast unsichtbar. Womit seine Mannschaft im Spiel nach vorne ein ziemliches Problem hatte.

Anders als die Russen. Sie stießen weiterhin nach Ballgewinn schnell vor und durch die starken Laufwegen von Kershakov war in der tschechischen Innenverteidigung (die mit Hubník und Sivok auch nicht gerade auf internationalem Niveau besetzt ist) ständig Chaos. Mit den permanenten Schnittstellen-Pässen wurde das Duo zusätzlich zermürbt. Das ermöglichte Kershakov einige gute Möglichkeiten, die er aber allesamt recht fahrlässig vernebelte; was schade ist, denn seine Leistung an sich war ansprechend.

Die Russen schafften es gut, die Tschechen kein Tempo aufnehmen zu lassen und schonten so letztlich auch ihre eigenen. Ehe es in der Schlussphase noch zweimal gelang, die tschechische Abwehr auszuhebeln: Erst mit einem starken Steilpass auf Dzagoyev, dann mit einer starken Einzelleistung des eingewechselten Pavlyuchenko.

Fazit: Ohne große Anstrengung zum 4:1

Die Russen haben eigentlich alles richtig gemacht: Das Tempo des Spiels kontrolliert und nach dem 2:0 niedrig gehalten, somit die Kräfte nicht überansprucht und dennoch die Schwächen des Gegners gnadenlos angebohrt und letztlich klar mit 4:1 gewonnen.

Bei den Tschechen darf es durchaus für Kopfschmerzen sorgen, wie sehr die Mannschaft von Rosický abhängig ist und wie sehr sie in der Luft hängt, wenn der Mann von Arsenal vom Gegner aus dem Spiel genommen wird. Was übrig bleibt ist, wie erwähnt, eine etwas konturlose Mannschaft ohne echten Plan, wie man einen Gegner von der Klasse der Russen aushebeln kann.

Wo ist der Gastgeber aus Polen am Stärksten? Natürlich über die rechte Seite mit den Dortmunder Meister-Kickern Piszczek und Błaszczykowski. Umso erstaunlicher, wie sehr die Griechen diese Seite defensiv zunächst offen ließen! In das Eröffnungsspiel dieser Europameisterschaft startete der Champion von 2004 mit einem 4-3-3, in dem Linksaußen Giorgios Samaras sehr hoch stand und hinter ihm José Holebas (einer von drei „Deutschen“ auf dem Feld, neben Boenisch und Polanski bei den Polen) die Aufgabe überließ, mit dem Power-Duo der Borussia alleine fertig zu werden.

Polen - Griechenland 1:1 (1:0)

Wenig überraschend war der schmächtige Holebas mit den beiden, die immer wieder auf ihn zukamen, heillos überfordert und die Polen dominierten das Spiel über die rechte Seite. Auch deshalb, weil vor allem Holebas zu billigen Abspielfehlern neigte. Das Umschalten bei den Polen klappte schnell, und immer wieder wurde Lewandowski in der Mitte bedient. Das 1:0 nach einer Viertelstunde – Błaszczykowski schickt Piszczek, dessen Flanke landet bei Lewandowski – hatte sich abgezeichnet.

Schwachstelle Boenisch

So stark beim Gastgeber die rechte Seite war, so überschaubar waren die Bemühungen auf der linken. Sebastian Boenisch, der als Linksverteidiger aufgestellt war, lieferte eine zuweilien grausame Vorstellung ab. Er war nur damit beschäftigt, die Kreise des keineswegs überragenden Ninis einzuengen – was ihm auch nicht gelang, und er nur das Glück hatte, dass die Flanken von Ninis auch schwach waren. Maciej Rybus vor ihm musste viel alleine machen.

Die Polen müssen sich aber nicht nur vorwerfen lassen, aus den vorhandenen Chancen nicht das zweite und das dritte Tor nachgelegt zu haben, sondern danach auch Spiel aus der Hand gleiten lassen zu haben. Hier muss vor allem die Mittelfeld-Zentrale erwähnt werden: Murawski und Polanski brachten im Spiel nach vorne sehr wenig und das merkten die Griechen dann auch. Vor allem Maniatis auf der halbrechten Position stellte sein Positionsspiel entsprechend um.

Griechen langsam und unkreativ

War er zuvor noch eher ziellos aufgerückt und zwischen Ninis und Gekas eine verschmähte Option gewesen, beschäftigte der mit Abstand jüngste und beweglichste Grieche im Zentrum dann vermehrt Murawski. Seinen Vorwärtsdrang vermissten die Polen in der Folge, weil Polanski keine Kreativität zeigte.

Freilich: Genau diese Kreativität ging bei Griechenland komplett ab. Mehr als lange Bälle in die grobe Richtung von Samaras und Gekas gab es kaum, die Flanken von Ninis waren nicht der Rede wert, das Zentrum machte zwar gut Druck, aber verlangsamte eigene Angriffe zumeist und legte den Rückwärtsgang ein. Der (völlig überzogene) Ausschluss von Sokratis Papastathopoulos und die Änderung, die Greichenlands Teamchef Fernando Santos für die zweite Hälfte vornahm, zeigten allerdings Wirkung.

Gute Änderungen von Santos

Santos ersetzte Ninis durch Salpingidis. Er hatte natürlich erkannt, dass Boenisch die ganz große Schwachstelle in der polnischen Defensive ist, und wollte die durch den gelernten Stürmer Salpingidis vermehrt anbohren. Was der Mann von PAOK auch sehr geschickt machte, auch unterstützt von Mainatis im Mittelfeld. Dieser hat das Auge für schnelle Pässe in den Lauf. Das kam in der ersten Halbzeit nicht zur Geltung, weil niemand da war, den Maniatis schicken hätte können. Doch nun erwischten Manaitis und Salpingidis Boenisch ein ums andere mal auf dem falschen Fuß, sodass sich im Rücken von Boenisch die Griechen gut ausbreiten konnten. Auf diese Weise fiel das 1:1 wenige Minuten nach Wiederanpfiff.

Was den Griechen erlaubte, aus dem eher risikoreichen 4-2-3 in den Minuten zwischen Ausschluss und Ausgleich ein 4-4-1 machen zu können, in dem sich die Flügelspieler Samaras und Salpindigis zurückzogen. Darauf reagierten die Polen nicht besonders intelligent: Błaszczykowski zog immer mehr ins Zentrum und ließ Piszczek die Flanke alleine zur Bearbeitung. Das klappte aber nicht, weil Samaras defensiv nur deutlich mehr tat und somit auch Holebas Sicherheit verlieh. Piszczek alleine konnte das nicht aushebeln, und im Zentrum war Błaszczykowski verschenkt.

Polen immer schwächer

Ehe es in der 68. Minute einmal mehr Boenisch war, der weiteres Unheil für seine Mannschaft anrichtete. Bei einem Pass in den Rücken der Viererkette war es Boenisch, der die Abseitsfalle komplett verschlief, Salpingidis somit in eine reguläre Position stellte und dem polnischen Goalie Szczęsny nichts anderes übrig blieb, als den Griechen zu legen. Klares Foul, klare Torchance verhindert – und damit klarerweise die rote Karte. Der Keeper von Arsenal wusste, was los war, und begab sich ohne zu protestieren vom Feld.

Dass sein Ersatzmann Przemysław Tytoń den Elfmeter von Karagounis parierte, hielt die Polen im Spiel – denn angesichts der Tatsache, wie sie das Spiel ab der 20. Minute aus der Hand gegeben hatten, wären sie wohl kaum wieder zurückgekommen. Die Abstände zwischen Verteidigung und Mittelfeld waren nun oft viel zu groß, die griechischen Angreifer konnten sich dort genüsslich breitmachen. Zusammenhängende Aktionen gab es kaum noch, Lewandowski war kaum im Spiel – und auch von der Bank kamen keine Impulse. Der erzwungene Wechsel von Tytoń (für Rybus) war der einzige, den der polnische Teamchef Smuda während der gesamten Partie vornahm.

Fazit: Zumindest ist noch nichts verloren

Spannend war das Spiel, keine Frage. Aber hohe Qualität hatte es über weite Strecken nicht zu bieten: Das Aufbauspiel war langsam, baute praktisch nur auf die Eingespieltheit der Dortmund-Connection (bei den Polen) bzw. auf lange Bälle (bei den Griechen). Der Gastgeber hätte das Spiel klar gewinnen müssen, ließ sich von den leichten Adjustierungen beim Gegner aber aus dem Konzept bringen.

Dabei waren die Hauptfaktoren sicherlich zum einen die fehlende Eingespieltheit in einer doch eher bunt aus Polen, Deutschen und Franzosen zusammen gewürfelten Mannschaft – und natürlich die enorme nervliche Belastung einem EM-Spiels im eigenen Land. Die höhere Qualität haben zweifellos dennoch die Polen, und mit dem Remis ist zumindest noch nicht allzu viel in Scherben.

Aber nun wartet mit Russland die mit sehr viel Abstand beste Mannschaft der Gruppe.

(phe)

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Euro-Classics 2008 – Den Sieg erzwungen / Zum Glück gezwungen https://ballverliebt.eu/2012/06/07/euro-classics-2008-den-sieg-erzwungen-zum-gluck-gezwungen/ https://ballverliebt.eu/2012/06/07/euro-classics-2008-den-sieg-erzwungen-zum-gluck-gezwungen/#comments Thu, 07 Jun 2012 00:04:46 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7389 Euro-Classics 2008 – Den Sieg erzwungen / Zum Glück gezwungen weiterlesen ]]> In den Halbfinals der Euro 2008 sahen jeweils klare Favoriten (Deutschland und Spanien) gegen zwei Außenseiter mit dem Turnierverlauf auf ihrere Seite (Türkei und Russland). Letztlich setzten sich die Favoriten durch, aber nicht ohne besondere Umstände. Die einen mussten den Sieg erzwingen, die anderen wurden von der Verletzung des Torschützenkönigs zum Glück gezwungen…

Na, wer fehlte den Türken denn diesmal? Antwort: Servet, Aşık, Güngör, Emre (alle verletzt), dazu Demirel, Arda und Nihat (gesperrt). Sprich: Den Türken stand für das Halbfinale gegen Deutschland ein flotter 15-Mann-Kader zur Verfügung. Darunter noch genau ein einziger Innenverteidiger. Kein Wunder, dass Fatih Terim im Vorfeld nur halb im Scherz meinte, dass womöglich der dritte Torwart Tolga als Feldspieler eingewechselt werden müsse.

Deutschland - Türkei 3:2 (1:1)

Freilich: Das war natürlich auch ein wenig Geplänkel, um die Deutschen in Sicherheit zu wiegen. Und das gelang auch, bis zu einem gewissen Grad. Dass sich die DFB-Elf aber generell schwer tat, ein Spiel selbst zu gestalten, war dem türkischen Trainer-Fuchs natürlich nicht entgangen und es spielte auch voll in seine Karten.

Es wären auch nicht typisch für die Türken in diesem Turnier gewesen, wenn sie nicht wieder in einem komplett neuen System angetreten wären. Nach einem symmetrischen 4-2-2-2 (gegen Portugal), einem 4-2-3-1 (gegen die Schweiz), einem assymmetrischen 4-2-2-2 (gegen Tschechien) und einem 4-3-3 (gegen Kroatien) war es diesmal ein ganz klares 4-1-4-1 mit einer wie auf einer Perlenkette aufgereihten Mittelfeldreihe.

Dahinter war Mehmet Aurélio weniger die klassische Absicherung, sondern vielmehr ein recht konsequenter Manndecker für Michael Ballack. Die Türken überließen den Deuschen recht bereitwillig den Ball, pressten ab der Mittellinie mit der Viererkette im Mittelfeld recht aggressiv, und nahmen den recht statischen und einfallslosen Deutschen die Anspielstationen vorne.

Die türkischen Außen, also Kâzım rechts und Boral links, rückten zudem immer wieder ein und wurden von Sabri und Balta hinten abgedeckt, sodass im Zentrum zuweilien vier Türken gegen maximal drei Deutsche standen. Bei Ballgewinn wurden bei den Türken schnell umgeschaltet – wie beim Lattenschuss nach rund zehn Minuten. Inhaltlich waren die Roten die klar bessere Mannschaft, und nach 22 Minuten wurde auch die defensive Passivität von Podolski ausgenützt: Er verhinderte Sabris Flanke nicht, und Boral verwertete den Abstauber, nachdem der Ball an die Latte geprallt war.

Die spielerische Brillanz bracht Jogi Löw erst in Richtung der WM in Südafrika in seine Mannschaft. Für das Team in diesem Turnier gab es im Grunde nur zwei Wege zum Torerfolg: Freistöße (einer gegen Österreich und zwei gegen Portugal) und Flanken von der linken Seite (einmal gegen Kroatien und einmal gegen Portugal). So war es auch in diesem Spiel. Podolski konnte in der ganzen ersten Hälfte nur zweimal in den Raum geschickt werden, einmal brachte er eine Flanke in die Mitte, wo Schweinsteiger verwertete – eine Kopie des ersten Tores gegen Portugal.

Konkreter wurden die Aktionen nach dem Seitenwechsel auch deshalb nicht, weil Rolfes verletzt ausscheiden musste und durch Frings ersetzt wurde. Kein guter Tausch – schließlich konnte Rolfes zumindest noch Ansatzweise sinnbringende Pässe nach vorne spielen, Frings war ein reiner Zerstörer.

So plätscherte das Spiel recht ereignisarm über weiter Strecken der zweiten Hälfte. Ehe die Deutschen aus einem Freistoß (wie auch sonst) etwas unverhofft zum 2:1 kamen – Rüştü kam aus seinem Tor, kam aber nicht mehr rechtzeitig vor Klose an den Ball, dessen Kopfball landete im Netz. Doch auch hier gilt: Die Türken wären nicht die Türken, wenn sie nach diesem Nackenschlag nicht doch wieder ausgleichen hätten können.

Terim brachte Gökdeniz (für den müde gelaufenen Boral auf links) und mit Mevlüt statt Ayhan eine zumindest hängende Spitze zu Semih dazu. Und natürlich war es auch wieder die Seite des defensiv recht, nun ja, passiven Lukas Podolski, über die Sabri durchging, sich auch gegen Lahm durchsetzte und einen Pass parallel zur Toraus-Linie zur Mitte brachte – wo Semih die Kugel an Lehmann vorbei ablenkte. Das 2:2.

Nun aber ging bei den Türken die Ordnung verloren. Was zuvor vorne klar strukturiert war und wo jeder seine genauen Aufgaben kannte, herrschte nach dem 2:2 etwas Chaos, und in der Rückwärtsbewegung war Sabri nicht so konsequent wie er hätte sein müssen. So war in der Nachspielzeit bei Deutschland wieder die Variante „Angriff von links“ an der Reihe, und Lahm wühlte den Ball zum 3:2 durch die Abwehr. Nun hatten die Türken keine Antwort mehr.

Nach 80 Minuten gegenseitiger Neutralisation und zehn Minuten wilden Treibens war Deutschland im Finale, das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Offensivleistung mehr als mau war. Ohne den komplett neutralisierten Ballack war kaum Kreativität vorhanden. Podolski sorgte auf der linken Seite zwar für einige gute Aktionen und war letztlich auch an allen Toren irgendwie beteiligt, war aber doch ein extremes Sicherheits-Risiko nach hinten. Und die Zentrale konnte mit dem aggressiven türkischen Mittelfeld kaum umgehen.

Eigentlich hatte Fatih Terim mit seinem verbleibenden Mini-Kader alles richtig gemacht. Doch ein beinahe klischeehaft erkämpfter, „typisch deutscher“ Sieg bedeutete für eine der faszinierendsten Teams des Turniers das Aus im Halbfinale.

Luis Aragonés hasst Gelb. Er hasst es. Und doch musste seine Mannschaft in den gelben Ausweich-Trikots zum Halbfinale gegen Russland antreten. „Dabei ist das nicht mal ein richtiges Gelb“, brummte der spanische Teamchef noch, „sondern mehr sowas Senf-ähnliches.“ Gelbe Trikots hin oder her, Aragonés wusste, dass er Juri Shirkov stoppen musste, um nach dem 4:1 im ersten Gruppenspiel auch im Halbfinale die Oberhand gegen die Russen zu behalten.

Spanien - Russland 3:0 (0:0)

Er wies Rechtsverteidiger Sergio Ramos an, so hoch wie möglich zu stehen, Shirkov schon in der russischen Hälfte festzunageln, und so dem Aufbauspiel der Russen die größte Waffe zu nehmen. Der Effekt für die russische Mannschaft war verheerend. Weil Shirkov der einzige Spieler war, der überhaupt auf diesem Flügel aufgeboten wurde, fehlte die Breite, wodurch die Sbornaja ins Zentrum gezwungen wurde – wo sie wegen den einrückenden Silva und Iniesta immer wieder in eine 3-gegen-4-Unterzahl gerieten.

Andrej Arshavin versuchte zwar, über seine Positionierung über die halbrechte Seite zu retten, was zu retten war und den Rückraum hinter Ramos zu nützen, aber weil Puyol sehr aufmerksam agierte, funktionierte das gar nicht und Arshavin war genauso aus dem Spiel genommen wie Shirkov.

Und damit das Tempo im Spiel der Russen. Die hatten zwar zunächst sogar mehr Ballbesitz, konnten aber nie Tempo aufbauen und wussten so nicht so recht, was sie mit der Kugel anfangen sollten. Allerdings kamen durch das extrem enge eigene Spiel auch die Spanier nicht so recht durch. Das änderte sich erst durch die Verletzung von David Villa nach einer halben Stunde.

Es wäre natürlich etwas hart, zu sagen, die Verletzung von Villa wäre das beste gewesen, was Spanien in diesem Spiel passieren hätte können. Was aber nichts daran ändert, dass es stimmt. Denn mit Cesc Fàbregas kam genau jener Spieler rein, der in der Folge den Unterschied ausmachte. Durch die tiefere Positionierung von Fàbregas gegenüber Villa hatten die Spanier nun teilweise eine Zwei-Mann-Überzahl im Zentrum, das sich brutal auswirkte.

Und nach dem Seitenwechsel schnell für die Vorentscheidung sorgte. Die Russen hatten nun auf so viele Spanier aufzupassen, dass Prioritäten gesetzt werden mussten, und in der Nähe des eigenen Strafraums lagen diese eher auf Torres, Silva und Fàbregas – nicht aber auf Xavi. Bei Inestas Flanke fünf Minuten nach Wiederanpfiff hatten die Russen Xavi einfach nicht auf der Rechnung. Sie ließen ihn gewähren, er traf zum 1:0, und die Russen waren schwer getroffen.

Mit Fàbregas im Mittelfeld dominierte Spanien nun nach Belieben. Shirkov blieb abgemeldet, Arshavin isoliert und mit Ausnahme von fünf Minuten in der ersten Halbzeit war auch von Pavlyuchenko nicht viel zu sehen. Stattdessen drehten die Spanier an der Temposchraube und verwirrten die Russen mit ihren ständigen Rochaden immer mehr. Torres wurde in der Folge fast im Minutentakt bedient, er vernebelte aber die besten Chancen – ehe der halb durch die zweite Hälfte für ihn eingewechselte Güiza in der 73. Minute mit seinem 2:0 den Deckel draufmachte.

Bei den Russen waren zuvor Sychov für Saenko gekommen (rechte Angriffsseite), und mit Bilyaletdinov statt Semshov (der sich erfolglos darum bemüht hatte, Xavis Kreise einzuengen) sollte etwas mehr Punch nach vorne kommen – doch mit dem 2:0 und mit der Einwechslung von Xabi Alonso für Xavi, um die vorgezogene Positionierung von Bilyaletdinov auszugleichen, war alles vorbei. Das 3:0 durch den großartig aufspielenden David Silva war nur noch die Draufgabe.

So wurde Luis Aragonés mehr oder weniger zu seinem Glück gezwungen – die Einwechslung von Fàbregas bescherte seinem Team den entscheidenden Vorteil im Mittelfeld und damit den letzlich ungefährdeten Sieg.

(phe)

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Euro-Classics 2008 – Zwei Korken-Knaller https://ballverliebt.eu/2012/06/04/euro-classics-2008-zwei-korken-knaller/ https://ballverliebt.eu/2012/06/04/euro-classics-2008-zwei-korken-knaller/#respond Mon, 04 Jun 2012 06:48:46 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=7244 Euro-Classics 2008 – Zwei Korken-Knaller weiterlesen ]]> Spanien? Trotz starkem Kader noch immer irgendwie gescheitert. Griechenland? Den Spielverderber der spielerisch ansonsten grandiosen EM vier Jahre davor wollte keiner sehen. Schweden? Immer dabei, meistens ganz gut, aber selten wirklich aufregend. Die Russen? Zwanzig Jahre her, dass die eine relevante Mannschaft hatten. Kaum jemand interessierte sich vor der Euro2008 für die eher unscheinbare Gruppe D. Zu Unrecht, denn zumindest zwei Teams drückten dem ganzen Turnier ihren Stempel auf!

Spanien - Russland 4:1 (2:0)

Spanien – Russland 4:1 (2:0)

Luxusprobleme plagten Luis Aragonés vor dem Turnier-Start seiner Spanier. Im Mittelfeld hatte er Silva, Xavi, Iniesta und Fàbregas, dazu Xabi Alonso und Senna zur Verfügung. Vorne David Villa und Fernando Torres. Wen sollte der 69-jährige Griesgram da draußen lassen? Und doch nahm vor dem Turnier niemand die Spanier für voll. Weil sie noch immer einen Weg gefunden hatten, kolossal zu scheitern.

Gegen Russland ging Aragonés von seinem aus der Quali gewohnten 4-1-4-1 ab und brachte Villa UND Torres, Senna statt Xabi Alonso und beließ Fàbregas auf der Bank. Senna war der tiefste Spieler im Mittelfeld, Silva besetzte die linke Flanke und Iniesta nominell die rechte. Letzterer orientierte sich aber eher in die Mitte Richtung Xavi. Villa agierte als hängende Spitze und bewegte sich über die komplette Breite des Feldes.

Die Spielweise der Spanier war aber jener, die Barcelona in den folgenden Jahren praktizierte, bestenfalls ähnlich. Ja, Xavi verteilte aus der Tiefe die Bälle und es wurden die Lücken gesucht, die vor allem Villa durch seine hervorragenden Laufwege riss. Aber es gab kein Pressing. Nach Ballverlust zog sich die Mannschaft zurück, verhielt sich abwartend.

Bei den Russen hatte es Guus Hiddink geschafft, aus der eher rustikalen Mannschaft, die in den vielen Jahren davor staubtrockenen und in jeder Hinsicht un-aufregenden Fußball gespielt hatte, komplett umzupolen. Das wurde hier auch deutlich, obwohl Andrej Arshavin, der Top-Star des überragenden Uefa-Cup-Siegers Zenit St. Petersburg, in den ersten zwei Spielen gesperrt war. Hiddink setzte auf ein 4-2-3-1, in dem der Achter Konstantin Siryanov viel aufrückte, Die Flügelspieler Bilyaletdinov und Sychov viel einrückten und die Außenverteidiger – vor allem Juri Shirkov auf der linken Seite – brutal nach vorne preschten. In der Zentrale tummelten sich dann bis zu fünf Russen, die fächerartig ausscherten.

Das Resultat war in diesem Fall ein hochklassiges Spiel, der erste Spielabschnitt war zweifellos eine der herausragenden Halbzeiten des kompletten Turniers. In der beide Teams Chancen hatten – so wie Siryanovs Pfostenschuss nach 23 Minuten – aber weil sich die Russen hinten etwas naiv anstellten, scorte Spanien zweimal. Kolodin und Shirokov, fußballerisch deutlich die schwächsten Russen, standen zuweilen arg weit auseinander und zeigten sich vor allem schnellen spanischen Steilpässen aus der Tiefe nicht gewachsen. Erst legte Torres nach einem solchen für Villa quer, dann steckte Xavi für den Torjäger von Valencia durch.

Hiddink brachte für die zweite Hälfte mit Bystov einen neuen Mann für die linke Angriffsseite, er wollte damit dessen Tempo die vermeintliche spanische Schwachstelle, Linksverteidiger Capdevila, anbohren. Doch Bystrov versteckte sich von der ersten Minute an. Zudem kamen in der Folge bei den Spaniern Fàbregas (für Torres) und Cazorla (für den nach einer Lebensmittelvergiftung nicht ganz fitten Iniesta). Diese Wechsel nahmen Russland aus dem Spiel: Denn mit Cazorla (rechts) und Silva (links) waren nun beide der extrem offensiven russischen AV gebunden, im Mittelfeld stand es durch die tiefere Positionierung von Fàbregas nun endgültig 3 gegen 3, und vorne war Villa ein ständiger Gefahrenherd.

Hiddink nahm in der 70. Minute den Totalausfall Bystrov wieder vom Platz, aber das Pendel war längst in Richtung der Spanier umgeschwungen. Umso mehr, als Villa einmal mehr Shirokov austanzte und zum 3:0 traf. Die Russen waren inhaltlich übervorteilt worden, damit auch psychisch geschlagen. Der Anschlusstreffer durch Pavlyuchenko kurz vor dem Ende war nur ein kleines Aufflackern, das (Abseits-)Tor von Fàbregas in der Nachspielzeit zum 4:1 kaum noch mehr als Kosmetik.

Griechenland – Schweden 0:2 (0:0)

Griechenland - Schweden 0:2 (0:0)

War das erste Spiel an diesem Tag noch zumindest eine Stunde lang uneingeschränkt großartig, bot das Abendspiel in Salzburg die mit Abstand ödesten 90 Minuten des Turniers.

Ottos Titelverteidiger aus Griechenland kamen wie schon 2004 mit einem klassischen Libero (Dellas) und zwei Manndeckern daher (Kyrgiakos gegen Ibra, Antzas gegen Henke Larsson). Das stellte sich defensiv als Fünferkette dar, im Ballbesitz gingen alle Spieler bis auf die drei hinten und noch Basinas weit nach vorne. Die Folge: Minutenlanges Hin- und Herschieben des Balles in der eigenen Hälfte, ehe ein komplett sinnbefreiter langer Ball in die grobe Richtung des gegnerischen Tores folgte. Bezeichnend dafür etwa der 70m-Torschuss von Dellas nach einer halben Stunde, der näher an der Eckfahne landete als am schwedischen Tor. Von einem der sich schlecht bis gar nicht bewegenden Mitspieler ganz zu schweigen.

Das unglaublich langsame Tempo der Partie war aber auch möglich, weil es die Schweden tunlichst vermieden, den ballführenden Griechen auch nur im Ansatz unter Druck zu setzen. Das flache 4-4-2 von Lars Lagerbäck war extrem statisch, im Umschalten langsam, ohne jedes Pressing und bar jeder Kreativität. Kurz: Hölzern. Die besten Szenen gab es, wenn Chippen Wilhelmsson die Seite wechselte und Seitaridis einen zweiten Gegenspieler hatte.

Erst nach dem Seitenwechsel rückten die Schweden etwas auf, um nicht das ganze Spiel zuzusehen, wie sich die Griechen, in ihrer Hälfte alleine gelassen, die Zeit runterspielten. Das behagte den Griechen zwar nicht, aber weil Kyrgiakos seinen Gegenspieler Ibrahimovic auf Schritt und Tritt verfolgte, kamen die Schweden kaum zu Torchancen. Erst nach 67 Minuten entwischte Ibra seinem Bewacher und er traf mit einem sehenswerten Schuss ins lange Eck. Wenige Minuten später nudelte der aufgerückte Innenverteidiger Petter Hansson den Ball zum 2:0 über die Linie, das Spiel war entschieden. Rehhagel löste zwar seine Dreierkette auf (nominell zuindest, weil nun dafür Seitaridis hinten blieb), aber zu viele Abspielfehler, technische Unzulänglichkeiten und fehlende Kreativität verhinderten griechische Torchancen.

Stand nach dem ersten Spieltag: Spanien 3, Schweden 3, Griechenland 0, Russland 0.

Schweden - Spanien 1:2 (1:1)

Schweden – Spanien 1:2 (1:1)

Der Ansatz von Aragonés, mit Villa UND Torres zu spielen, hat sich gegen Russland ausgezahlt. Darum war der Ansatz und die Aufstellung gegen die Schweden exakt gleich. Doch stellte sich schnell ein Lerneffekt ein: Mit langen Bällen in die Spitze wird’s gegen die robuste und vielbeinige schwedische Defensive nicht viel zu holen geben. Dem 1:0 durch Torres nach einem Eckball zum Trotz.

Das Trekronor-Team tat Spanien nämlich nicht den Gefallen, wie Russland mitspielen zu wollen, sondern stellte sich tief. Lediglich die Mittelfeld-Außen Ljungberg und Elmander schauten, dass sie halbwegs hoch standen, um den Vorwärtsdrang von Ramos und Capdevila zu bremsen. Die Spielanlage der Schweden war zumindest in der ersten Hälfte aktiver als noch gegen die Griechen, der Ausgleich durch Ibrahimovic nach einer halben Stunde war die Belohnung.

Dennoch: Je länger das Spiel dauerte, umso passiver wurden die Schweden, und umso mehr ähnelte das Spiel der Spanier nun doch jener ballbesitz-orientierten Kurzpass-Orgie an, für die Xavi, Iniesta und Co. bekannt sind. Es fehlte den Spaniern an der Breite und die Schweden machten im Zentrum hervorragend die Räume dicht.

Aragones reagierte nach einer Stunde darauf und brachte, wie schon in der ersten Partie, Cazorla für Iniesta; dazu Fàbregas statt Xavi. Die Neubesetzung auf den Flügeln hatte die Folge, dass neben Elmander (und später Seb Larsson) auch Ljungberg mehr in die Defensive eingebunden war. Schweden war extrem passiv, ließ das Spiel der Spanier über sich ergehen und wollte nur noch den einen Punkt über die Zeit mauern – die Einwechslung eines zusätzliches Sechsers (Källström) für Henke Larsson war ein klares Indiz dafür.

Es gelang allerdings nicht. Weil David Silva in der Nachspielzeit doch noch eine Lücke erspähte, in die er Villa schickte. Dieser ließ noch Mellberg aussteigen und schob zum 2:1 ein. Praktisch in letzter Sekunde, aber hochverdient.

Griechenland – Russland 0:1 (0:1)

Griechenland - Russland 0:1 (0:1)

Nachdem die Russen Spanien ins offene Messer gelaufen waren, agierten sie gegen Griechenland deutlich vorsichtiger. Semshov spielte zurückgezogen, mit Siryanov war eher ein gelernter Achter auf der rechten Außenbahn aufgestellt. Arshavin saß das letzte Spiel seiner Sperre ab.

Auf der anderen Seite trauten sich die Griechen mehr zu als beim Auftritt gegen Schweden, für den sie mörderische mediale Prügel bezogen hatten. Weil die Russen nur mit einem Stürmer spielten, sparte sich Rehhagel den zweiten Manndecker, mit Patsatzoglou kam dafür ein dritter Spieler ins zentrale Mittelfeld. Somit war dort wieder Gleichstand hergestellt. Zudem sorgte die hohe Positionierung von Charisteas und Amanatidis dafür, dass die sonst so aktiven russischen Außenverteidiger nicht so zur Geltung kamen wie noch gegen Spanien.

So trafen sich die Teams ziemlich in der Mitte. Das Spiel war geprägt von langen Bällen, wenig zusammen hängenden Aktionen und generell überschaubarem Niveau. Es gelang den Russen nicht, das Spiel breit zu machen und damit Räume zu schaffen – schließlich war die Grundausrichtung der Griechen immer noch defensiv und darauf bedacht, den Gegner nicht zur Geltung kommen zu lassen.

Die Griechen erinnerten in diesem Spiel deutlich mehr an jene Leistungen, die ihnen vier Jahre zuvor den Titel beschert hatten: Hinten nicht viel zulassen, aber zweikampfstark im Zentrum und stark über die Flügel. Seitaridis preschte bis zu seinem Austausch (Muskelzerrung) kurz vor der Halbzeit so die Flanke auf und ab, wie er das in Portugal gemacht hatte und bereitete so auch die eine oder andere Chance vor.

So brauchten die Russen einen ziemlich derben Fehler von Torhüter Nikopolidis, um zum 1:0 zu kommen: Der Torhüter lief einer Bilyaletdinov-Flanke am Tor vorbei nach, Semak brachte den Ball zurück zur Mitte und Siryanov konnte aus zwei Metern mühelos verwerten. Nach dem Seitenwechsel brachten die Russen mehr Leute in die gegnerische Hälfte, weil sie merkten, dass sie von den Griechen ohne Seitaridis auf der Außenbahn nicht mehr viel zu befürchten hatten. Es blieb aber eine schwache Partie mit vielen Fehlpässen. Und die schwächste Leistung der Russen in diesem Turnier.

Stand vor dem letzten Spieltag: Spanien 6, Schweden 3, Russland 3, Griechenland 0.

Griechenland – Spanien 1:2 (1:0)

Griechenland - Spanien 1:2 (1:0)

Die Spanier waren nicht mehr von Platz eins zu verdrängen, so konnte es sich Luis Aragonés erlauben, gegen die Griechen die Reservisten auflaufen zu lassen, lediglich Iniesta blieb in der Startformation. Statt Akteuren von Barça und Real waren das nun Spieler von Valencia und Liverpool. Also immer noch nominell stark genug, um die Griechen in Schach zu halten.

Bei den Hellenen zeigte sich in diesem Spiel wiederum deutlich, dass man zu deutlich besseren Leistungen in der Lage ist, wenn man nicht selbst Gestalten muss. Im Zentrum standen den drei spanischen Pass-Gebern drei recht defensive Gegenspieler gegenüber, so konnten die Spanier ihr Kurzpass-Spiel nicht aufziehen – ganz davon abgesehen, dass das Team nicht eingespielt war und auch das Tempo fehlte.

Und die Breite. Sergio García und Iniesta zogen zur Mitte, wurden aber von den etwas zu vorsichtigen Arbeloa und Navarro nicht hinterlaufen. Nikopolidis wurde, durchaus bewusst, immer wieder aus der Distanz getestet. Nicht ohne Grund, schließlich machte der Torhüter keinen sicheren Eindruck.

Der Spielaufbau bei den Griechen stützte sich einmal mehr auf viele lange Bälle. So wurde man nach vorne kaum gefährlich, zumal Salpingidis recht hoch stand und sich zwischen den spanischen Reihen positionierte – grundsätzlich keine dumme Idee, nur kamen die Anspiele auf ihn nicht an.

Dennoch: Wie in der Partie gegen die Russen zeigten die Griechen auch hier deutliche Ähnlichkeit mit ihrem Spiel bei der Euro 2004. Hinten wenig zulassen, über die Flügel für Entlastung sorgen (das machten Vyntra und Spiropoulos recht anständig) und im Zweifel auf Standards hoffen. Freistoß-Flanke Karagounis, Kopfball-Tor Charisteas: Das 1:0 kurz vor der Pause war wie aus dem Turnier von 2004.

Die Spanier schalteten nach dem Seitenwechsel einen Gang nach oben, die Außenverteidiger machten mehr, und mit der Zeit passte auch die Abstimmung. Für den Ausgleich musste zwar dennoch ein langer Ball herhalten (Güiza legte diesen auf De la Red ab, der verwertete dann), aber die Griechen ließen sich doch zu weit nach hinten drängen. Zusätzliche Probleme gab es, nachdem Kyrgiakos angeschlagen raus musste und Antzas gegen den beweglichen Güiza zunehmend schlecht aussah.

Rehhagel hatte keine echten Alternativen auf der Bank. Die Einwechslung von Tziolis für Karagounis machte sein Team zwar frischer, aber nicht besser. Spanien wartete geduldig auf die Chance, ließ den Griechen keinen Raum mehr. Und kurz vor dem Ende löste sich Güiza entscheidend vom schläfrigen Antzas, köpfte die Flanke von der rechten Seite mühelos ein – und Spanien hatte 2:1 gewonnen.

Russland - Schweden 2:0 (1:0)

Russland-Schweden 2:0 (1:0)

Im letzten Quali-Spiel, einem mühsamen 1:0 in Andorra, holte sich Andrej Arshavin eine rote Karte ab. Im letzten Spiel der Gruppe gegen Schweden war er wieder dabei. Gerade rechtzeitig für dieses „Achtelfinale“.

Das Russland gewinnen musste, den Schweden reichte ein Remis. Hiddink ließ, wie gewohnt, seine Außenverteidiger sehr weit nach vorne schieben. Kapitän Semak agierte als Sechser sehr tief und ließ sich immer wieder auf eine Höher mit den IV fallen – eher allerdings auf die Seite von Shirkov. In den ersten Minuten tat sich Russland etwas schwer, in die Gänge zu kommen.

Das änderte sich, als sich Semshov im Zentrum etwas fallen ließ. So wurde das Loch zwischen Defensive und Offensive geschlossen und die russische Show konnte beginnen. Mit Shirkov und Anyukov extrem hoch, Bilyaletdinov und Siryanov auf den Halbpositionen, dem aufrückenden Semshov und dem extrem aktiven Arshavin als hängende Spitze wurde ein Tempo-Fußball aufgezogen, mit dem die Schweden nicht mitkamen.

Vor allem die linke Abwehr-Seite mit Nilsson und Hansson wurde als Schwachstelle ausgemacht. Kein Zufall, dass das schon zu diesem Zeitpunkt überfällige 1:0 nach 20 Minuten über diese Seite aufgebaut wurde: Siryanov mit Lochpass für Anyukov, dessen Flanke verwertete Pavlyuchenko.

Die Schweden waren biedern, geradezu hölzern. Die Mittelfeld-Zentrale mit Svensson und Andersson stand oft viel zu hoch und kam überhaupt nicht in die Zweikämpfe, hielt also nichts her. Elmander und Ljungberg waren gegen die extrem offensiven Außenverteidiger komplett hinten gebunden und vorne standen zwei Stürmer, die kaum am Spiel teilnehmen konnten. Henke Larsson war wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr der Schnellste, Ibrahimovic wegen hartnäckigen Problemen im linken Knie, die ihm schon die halbe Saison bei Inter gekostet hatten. Das Trekronor-Team konnte von Glück reden, dass die ein Feuerwerk abbrennenden Russen nicht schon längst viel höher führten.

Die Russen ließen zu Beginn der zweiten Hälfte ihre Stärken erneut aufblitzen: Schnelles Denken, schnelles Umschalten, schnelles Handeln. Ein langer Ball der Schweden wurde von Shirkov abgefangen, der legte zu Arshavin quer und startete sofort einen Sprint nach vorne, bekam den Ball in den Lauf gespielt, spielte 50 Meter oder sechs Sekunden später, längst im schwedischen Strafraum angekommen, auf Arshavin quer – dieser war ebenso schnell nach vorne gesprintet – und dieser erzielte das 2:0. Ein Weltklasse-Konter, die Schweden waren damit komplett überfordert.

Nach dem 2:0 schalteten die Russen zurück, sie waren ein ungeheures Tempo gegangen. Lagerbäck erlöste danach Daniel Andersson und versuchte, mit Kim Källström die Lücke im Offensiv-Zentrum ein wenig zu schließen. Dass dieser nicht schon in den Spielen vorher eingesetzt worden war, liegt vermutlich an einem internen Machtkampf – Källström und Ibrahimovic können sich bis auf den Tod nicht ausstehen. Lagerbäck hielt Källström wohl für verzichtbarer als Ibra. Mit dem neuen Mann und somit mehr Spielkultur und durch die gemächlichere Gangart der Russen bekamen die Schweden nun etwas Kontrolle über das Mittelfeld, viele Chancen kamen dabei aber nicht heraus.

Ehe in der Schlussphase, nachdem Lagerbäck seine Viererkette zugunsten eines neuen Stürmers (Allbäck für Nilsson) aufgelöst hatte, drückten die Russen wieder etwas aufs Gas – und kamen prompt wieder zu einigen guten Tormöglichkeiten. Es blieb beim 2:0. Ein Ergebnis, das den Russen das Viertelfinale bescherte – und den Schweden schmeichelt.

Endstand der Gruppe: Spanien 9, Russland 6, Schweden 3, Griechenland 0.

Alles auf Ibrahimovic‘ Knie oder interne Störungen zu schieben, ginge aber am Kern vorbei: Schweden war einfach zu alt, zu überholt, zu statisch, zu wenig kreativ, kurz, zu schwach. Die Zeit jener Generation, die 2002, 2004 und 2006 immer die Vorrunde überstanden hatte und zweimal heftig an die Tür zur zweiten K.o.-Runde angeklopft hatte, war schlicht vorbei. Genau wie die 12-jährige Amtszeit von Lars Lagerbäck nach der verpassten Quali für die WM 2010.

Die Griechen machten sich mit ihrem peinlichen Auftritt im ersten Spiel viel kaputt, denn in den verbleibenden Spielen war das durchaus halbwegs vernünftig. Was dem Titelverteidiger allerdings eklatant fehlte, war eine ordnende Hand im Zentrum. Das war beim Titelgewinn 2004 Theodoros Zagorakis gewesen, ohne ihm fehlte den Griechen die Schaltstelle und damit jegliches spielerische Moment.

Was bei den Russen und den Spaniern hingegen im Übermaß vorhanden war. Schon nach der ersten Halbzeit im ersten Spiel konnte kaum ein Zweifel daran bestehen, welche beiden Teams aus dieser Gruppe ins Viertelfinale einziehen. Zwar liefen die Russen den Spaniern dann ins offene Messer und so agierten sie gegen die Griechen übervorsichtig, aber dennoch war zu den beiden anderen Teams ein Klassenunterschied erkennbar.

Was den Spaniern ein Viertelfinale gegen Italien bescherte. Und Guus Hiddink eines gegen seine Heimat.

(phe)

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Arsenal vs Barcelona – Die Effizienz entscheidet https://ballverliebt.eu/2011/02/17/arsenal-vs-barcelona-die-effizienz-entscheidet/ https://ballverliebt.eu/2011/02/17/arsenal-vs-barcelona-die-effizienz-entscheidet/#comments Thu, 17 Feb 2011 01:13:20 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=4074 Arsenal vs Barcelona – Die Effizienz entscheidet weiterlesen ]]> Ein 3:3 hatte Herbert Prohaska als Wunschergebnis genannt. Am Ende wurden es nur halb soviele Tore, mit ein bisschen weniger Eigensinn und ein bisschen mehr Präzision im letzten Pass hätten es auch gut und gerne deutlich mehr werden können. Am Ende reichten den Gunners 5 Minuten, um den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen.

Arsenal FC - FC Barcelona
Arsenal FC - FC Barcelona

Dieses Spiel war die Analysehölle. Sehen, begreifen, notieren. Normal kein Problem, wenn sich die Angriffsszenen aber derart überschlagen, wie heute Abend im Arsenal-Stadium (Remember: Keine Sponsorennamen in internationalen Partien), artet das alles zu harter Arbeit aus.

Zwei Möglichkeiten hatte ich für heute Abend gesehen: Einerseits zwei Teams, die sich mit des Gegners Stärke vor Augen gegenseitig totlauern. Oder zwei Teams, die sich im Bewusstsein ihrer eigenen Stärke bedingungslos nach vorne werfen. Geworden ist es glücklicherweise (trotz der erwähnten Nachteile für den geneigten Analytiker) Variante zwei.

System Flexibel

Glaubt man den Fernseheinblendungen, so war Arsenal heute in einem 4-5-1 unterwegs. Glaubt man dem Geschehen am Rasen, so war es über die meiste Zeit eher ein 4-4-1-1. CL-Debutant Szecsny hütete das Gunners-Tor, und das tat er – wie man vorausschicken darf – auch sehr souverän über die 90 Minuten. Eboue, Koscielny, Djourou und Clichy bildeten eine klassische Arsenal-Viererkette, die wirklich nur im Falle eines gefährlich anrückenden Gegenangriffs eine solche ist. Stammkraft Sagna fehlte, weil gesperrt.

Davor werkte Walcott als Pendler zwischen Linksaussen im Mittelfeld und Sturm nebst Neigung zu Ausflügen in die Mitte. Daneben werkte Song, der sich deutlich mehr auf Defensivaufgaben verlagerte. Wilshere und Nasri (in ähnlicher Ausführung zu Walcott) ergänzten die Zentrale des englischen Liga-Zweitplatzierten auf der linken Seite. Cesc Fabregas ackerte meist vor dem Mittelfeld als hängende Spitze, der Holländer Van Persie gab den einzigen nominellen Stürmer.

In einem nicht minder flexiblen 4-3-3  stand Gästeteam aus Spanien am Rasen. Stammgoalie Valdes hütete den Kasten, mit Alves, Pique, Abidal und Maxwell konnte Josip Guardiola aus dem Vollen schöpfen. Die Drei davor, namentlich Xavi, Busquets und Iniesta, bildeten den Mittelfeldstamm. An den Offensivseiten werkten Pedro Rodriguez und David Villa, in der Mitte durfte sich „La Pulga“, Lionel Messi, austoben.

Man darf diese Formationsangaben aber keinesfalls zu ernst nehmen, sind sie doch bestenfalls beim Spielaufbau aus der Abwehr heraus einigermassen exakt. In einer Partie, die größtenteils aus wechselseitigen Kontern oder schnellen Gegenschlägen aus Ballverlusten im Mittelfeld besteht, ist der Versuch, bunte Punkte repräsentativ auf einem zweidimensionalen Fussballfeld anzuordnen zum Scheitern verurteilt. Die Grafik dient heute lediglich als kleine Orientierungshilfe.

Schnellstart

Beide Teams warteten nach dem Anpfiff nicht lange ab, sondern leiteten umgehend eine flotte Partie ein, in der das Schaffen von Raum über intelligentes und brutal schnelles Passspiel beiderseits die wichtigste Devise war. Wer wartet, verliert. Beide Trainer ließen fast durchgehend bis an den gegnerischen Sechzehner Pressing betreiben. Barcelona praktizierte das häufig sogar mit 6-7 Mann.

Die ersten Minuten schien es, als wären die Gunners besser ins Spiel gekommen. Die Barca-Zentrale machte den Eindruck, noch nicht ganz warmgelaufen zu sein, denn die Fehlpassquote war die ersten zehn Minuten doch beachtlich, Ordnung in der Zentrale nur zaghaft erkennbar. Gefährliches Spiel nach vorne wollte dem Weltstarensemble aus Katalonien noch nicht gelingen. Wenn überhaupt, ging es über Maxwell an die Grundlinie.

Nach sechs Minuten prüfte Van Persie Victor Valdes das erste Mal aus spitzem Winkel nach einem Walcott-Solo und Fabregas-Zuspiel. Mehr sollte im ersten Neuntel des Spieles auch dem Heimteam nicht gelingen, sieht man von der Feldüberlegenheit ab.

Gäste am Ruder

In den Folgeminuten sollte sich das Bild sehr schnell und sehr deutlich ändern. Die Zentrale der Blaugrana rückte dichter zusammen, die oftmals schlecht angebundenen Offensivspieler rückten zur Verstärkung nach hinten. Nun waren es die Gunners, die auf einmal viele Bälle nicht mehr präzise an den Mann brachten. Die aufkeimende Nervosität ging soweit, dass Wengers Truppe die Kugel schon bei Einwürfen vor dem eigenen Strafraum recht schnell an den Gegner verlor. In Minute 26 krachte es schließlich.

Ein Gegenstoss von Barca, die zweite Reihe der Gunners ließ Messi weitgehend gewähren, Djourou und Koscielny machten die drei Schritte nach vorne, Clichy nicht. Damit war David Villa auch nicht Abseits, als Messi das sich ihm bietende Loch sah und das Leder hindurchbeförderte. Villa vollendete die Szene trocken und schob das Leder unter dem herausstürzenden Szcesny durch in die Maschen.

In der Hitze des Gefechts ging beinahe unter, dass Arsenal nur wenige Sekunden davor selbst dem Führungstreffer noch recht nahe gewesen war. Eine aus dem Konter geborene Flanke von Fabregas wurde dem Kopf von Van Persie erst im allerletzten Moment entzogen.

Eine Verschnaufpause blieb auch nach dem Tor nicht, nicht einmal drei Minuten nach der Führung, hätte Barca noch eins drauflegen können. Wieder sah es einfach aus: Ein Angriff über die rechte Seite, ein bisschen Wühlarbeit von Villa, der schließlich aus kurzer Distanz einen Stangerlpass auf Pedro anbrachte. Dem ging der Ball etwas zu weit in den Rücken, sodass er via Ferse vollstrecken wollte, aus wenigen Metern aber an Szczesny scheiterte. Die gleiche Szene, keine fünfzehn Sekunden später: Van Persie schießt aus halblinker Position vom Sechzehnereck der Gäste deutlich am Tor vorbei. Kein Zweifel: Diese Partie ist schnell.

Erste Erkenntnisse

Was aber über die erste Halbzeit hinaus auffiel war die Unsicherheit der Arsenal-Viererkette in der Rückwärtsbewegung. Mehrmals fehlte die Koordination im Nachrücken entlang der Spielfeldbreite, was zu gefährlichen Löchern führte. Auch die Abseitsfalle funktionierte manchmal nur mit Ach- und Krach.

Einmal – wir schreiben nun Minute 38 – funktionierte sie sogar überhaupt nicht. Messi überwand zuerst ein Tackling vor dem Strafraum mit einigem Ballglück, woraufhin die Defensive des Heimteams in ein leichtes Tohuwabohu geriete. Nutznießer war der angespielte Pedro, in dessen Schuss sich Szczesny zu werfen vermochte. Sein Passgeber wiederum erreichte diesen Abpraller und wuchtete ihn mit vollem Körpereinsatz ins Tor. Die Auflösung der Zeitlupe: Das Zuspiel auf Pedro war definitiv kein Offside. Der Abstauber von Messi auch nicht, denn der Ball, den er da noch erreicht hatte, war eindeutig kein Pass. Was der Linesman zum Glück für die Gunners aber anders gesehen hatte.

Und noch eine Erkenntnis drängte sich zum Ende dieser ersten 45 Minuten auf: Barcelona war nun wesentlich besser darin, das Spiel nach Ballverlusten des Gegners schnell zu machen. Die Ursache ist darin zu suchen, dass die Arsenal-Abwerreihe nach vorne langsamer nachrückte als das Mittelfeld nach vorn aufrückte. Der so entstandene Raum bot sich Iniesta und Co natürlich als Kurzpass-Eldorado an.

Zur Pause stand es in dieser Partie, übrigens die zweihunderste für den Arsenal FC im Rahmen des Europacups, also 0:1. Auf Wechsel wurde verzichtet, die Teams kamen unverändert wieder aufs Feld.

Schlechter Tausch

Immerhin, das Heimteam hatte sich nun besser auf den Gegner eingestellt. Vor- und Nachrücken lief nun ausreichend synchron ab, Wilshere startete nun 10 Meter tiefer und die Arsenal-Zentrale war weiter zusammengerückt. Sie spielte aber immer noch fehleranfälliger als jene von Barcelona. Nach einer Stunde Spielzeit (inklusive einem von Koscielny gerade noch vereitelten Pedro-Alleingang) lag Barca nicht nur bei deutlich mehr gespielten Pässen, sondern wies auch eine signifikant höhere Passerfolgsquote (ARS 73% – BAR 83%) auf.

Mit dem Offensivpressing der Katalonen hatte man aber immer noch seine liebe Mühe, und so brach nach 68 Minuten erneut Hektik im Rückraum aus, weil man einmal wieder den Ball nicht weg bekam. Es ist fürwahr selten, dass es einer Mannschaft gelingt, Arsenal im eigenen Strafraum festzunageln. Für die blieb die Szene ohne schwere Folgen.

Unmittelbar darauf schaltete Guardiola einen Gang zurück und brachte Mittelfeldmann Seydou Keita für Stürmer Villa. In die andere Richtung bewegte Arsene Wenger seinen Schaltknüppel, er brachte Andrej Arshavin ins Spiel und nahm den brav, aber insgesamt nicht überragend spielenden Song heraus. Der ordnete sich parallel zu Cesc Fabregas, sozusagen als zweite hängende Spitze, im Spiel ein. Das hatte den Effekt, dass im Mittelfeld ein Unterzahlspiel vermieden wurde und es für schnelle Gegenstösse eine weitere Anspielstation gab. Weil Guardiola mit seinem Tausch die offensive Schlagkraft seiner Mannschaft vermindert hatte, ergab sich nur geringe Mehrarbeit für die Gunners-Defensive.

Einige Momente und diverse Halbchancen später, entließ Wenger auch den müde werdenden Walcott in den Feierabend und brachte mit Nicklas Bendtner eine frische Kraft mit gleicher Aufgabe (77′).

Arsenal FC - FC Barcelona (ca. ab 70')
Arsenal FC - FC Barcelona (ca. ab 70')

Blitzartige Blattwende

Zwar keine unmittelbare Folge dieses Tauschs, aber durchaus auch als Konsequenz der taktischen Umstellung davor, gelang dem Heimteam nun der unerwartete Ausgleich. Wobei „unerwartet“ hier eher „wider dem Spielverlauf“ bedeutet, denn auch Arsenal hatte bis dahin schon ein paar hochkarätige Torgelegenheiten verbraten. Jedenfalls hatten sich die Gunners links vor den Strafraum vorgearbeitet, wo Clichy und Arshavin gefällig kombinierten. Ersterer wagte dann einen Schlenzer zu Van Persie, der seinen zu spät reagierenden Gegenspieler (die Barca-Abseitsfalle hatte für dieses Mal nicht funktioniert) hinter sich ließ und auf die Grundlinie zuging. Statt nun den von allen erwarteten Querpass oder eine Ablage zu bringen, knallte der Niederländer den Ball in den kurzen Winkel.

Am größten war die Verblüffung sicherlich bei Victor Valdes. Der hatte als Torwart freilich auch mit einer anderen Variante spekulieren müssen, hatte aber trotzdem zu früh zum Ausfallschritt angesetzt. Und so sauste der sonst sicherlich parierbare Schuss an ihm vorbei – 1:1 (78′). Wechseljoker Arshavin wendete das Blatt kurz darauf endgültig.

Ein verzweifelter Angriff der Blaugrana beschwor den Konter der Gunners herauf. Nasri bekam den langen Ball ab und marschierte relativ unbedrängt rechts in den Sechzehner von Barca. Dort genügte ein kleiner Haken um etwas Platz zwischen sich und dem mitgelaufenen Abidal zu schaffen. In der Mitte war Nasri mitgelaufen, Fabregas sah aber auch den etwas dahinter und links des Strafraums nachrückenden Arshavin. Und bediente ihn mustergültig. An zwei Gegnern vorbei schlenzte dieser das Leder mit sanftem Effet. Valdes, unterwegs in die andere Richtung, war die Sicht verstellt, und so konnte er wiederum nur hilflos zusehen, wie das Rund unweit von ihm ins Eckige einschlug – 2:1 (83′).

Guardiola setzte nun alles auf eine Karte, und er schickte Adriano zum Aufwärmen. In der 89. Minute der regulären Spielzeit ersetzte dieser schließlich Iniesta. 180 Sekunden später hatte Alves den Ausgleich am Fuß. Letztlich konnte er aber keinen Nutzen daraus ziehen, dass ihm Arshavin versehentlich eine Flanke per Kopf vor die Füße abwehrte. Hier war es der junge, polnische Torwart Szczesny, der in höchster Not den Winkel bewachte. Messi holte sich den Ball noch um es selbst zu probieren, letztlich konnte Arsenal den Ball aber aus dem Gewühl schlagen. Es blieb beim historischen, weil ersten Sieg von Arsenal über Barcelona.

Fazit

Das Spiel hielt, was die Namen versprachen. Für den Zuseher mit Chips und Bier ein Feuerwerk des Fussballs. Für den Analysten mit Kuli und Notizblock darüber hinaus aber auch ein Hort der Qualen. Arsenal und Barcelona praktizieren jeweils Fussball auf extrem hohen Niveau, und haben das heute deutlich zur Schau gestellt. Gerechterweise muss man sagen, dass der Tabellenführer der Primera Division etwas mehr glänzen konnte als der wohl letzte Titelrivale von Manchester United in der Premier League. Gemessen an den Chancen wäre heute so ziemlich jedes Ergebnis möglich gewesen.

Guardiolas Konzept, extrem frühes Pressing mit vielen Spielern, dazu ein enorm kompakt und flexibel spielendes Mittelfeld, ging eine Stunde lang gut auf. Obwohl sich Arsenal mit kleineren Veränderungen zur Pause darauf eingestellt hatte, kam nie das Gefühl auf, dass die Überlegenheit des Gastensembles in Gefahr wäre. Dann wurde die Einwechslung von Keita für Villa dank des Paralleltausches von Arshavin für Song unfreiwillig zum Knieschuss für die Katalanen. Aus taktischer Hinsicht, weil die Gunners die Offensive verstärkten ohne die Zentrale zu schwächen, und aus personeller Hinsicht, weil Keita seine liebe Mühe hatte, ins Spiel zu finden.

Zwei Geistesblitze und ihre perfekte Ausführung sicherten Arsenal den Sieg. Dahinter steht natürlich spielerische Klasse, entscheidend war aber schlichtweg Effizienz. Hätten die Gäste ihr Zielfernrohr heute besser justiert, wäre die Partie wohl deutlich anders ausgegangen. Vom Konjunktiv kann man sich aber bekanntlich nichts kaufen. (gp)

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Bären, Falken und Pharaonen – Gemeinsam im Urlaub https://ballverliebt.eu/2010/04/22/baren-falken-und-pharaonen-gemeinsam-im-urlaub/ https://ballverliebt.eu/2010/04/22/baren-falken-und-pharaonen-gemeinsam-im-urlaub/#comments Thu, 22 Apr 2010 12:07:33 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=1935 Bären, Falken und Pharaonen – Gemeinsam im Urlaub weiterlesen ]]> WM-SERIE: “LEIDER NEIN”, Teil 2 | Russland, der EM-Semifinalist? Nicht dabei. Schweden, Dauergast seit vielen Jahren? Auch nicht dabei. Ägypten, zuletzt dreimal in Serie Afrikacup-Sieger? Auch nicht! Nicht alle Favoriten haben’s nach Südafrika geschafft…

Es war eine vermeintlich leichte Aufgabe. Slowenien. In einer leichten Gruppe an die zweite Stelle gespült worden. Für einen amtierenden EM-Semifinalisten doch kein Problem! Und genauso traten die Russen im Playoff-Hinspiel in Moskau auch auf: Drückend überlegen, dem Gegner in allen Belangen überlegen. Nur das mit dem Torabschluss, das wollte nicht so richtig klappen – so stand es kurz vor Schluss nur 2:0 für den schon zu dem Zeitpunkt als WM-Mitfavoriten gehandelten russischen Bären. Es hätte mindestens 5:0 stehen müssen! Doch so kam wie aus dem nichts Nejc Pečnik und erzielte das Auswärtstor für die Slowenen. So gewannen die Russen ein hochüberlegen geführtes Match nur mit 2:1. Immer noch kein Problem, beim Rückspiel in Maribor ist auch ein knapper Vorsprung eigentlich nur da, um über die Zeit gebracht zu werden. Aber dann…

Aber dann spielten die Slowenen, die plötzliche WM-Chance vor Augen, groß auf und gingen vor der Halbzeit durch Bochum-Legionär Zlatko Dedič in Führung. Und die Russen warfen die Nerven weg! Alexander Kershakov flog nach 65 Minuten vom Platz, der Ausgleich wollte nicht gelingen. Und spätenstens, als in der Nachspielzeit auch noch Juri Shirkov vorzeitig vom Platz musste, war klar: Russland ist raus! Ein hoch gehandelter Mitfavorit, mit Trainerfuchs Guus Hiddink, mit so vielen Klassespielern in den eigenen Reihen – gescheitert an der eigenen Überheblichkeit. Das Desater kostete Hiddink den Job, vielen Spielern ihr gutes Image in Russland. Und einem wie Andrej Arshavin verhagelte es die komplette Saison bei Arsenal, er wirkte daskomplette restliche Jahr deutlich gehemmt.

Die Russen bauen nun schon vor, in Richtung Euro2012. Dick Advocaat ist neuer Teamchef, eine logische Wahl, schließlich holte der Holländer schon mit Zenit St. Petersburg 2008 zum ersten Mal einen Europacup nach Russland. Er vollzog einen fliegenden Wechsel von Belgien nach Russland, um es besser zu machen als sein Landsmann.

Nicht nur die Russen sind es allerdings, die die Qualifikation als zumindest sicherer Tipp für die Endrude verpasst haben. Auch die Schweden haben es nicht geschafft. Erstmals seit der WM 1998 sind die Skandinavier damit nicht dabei, Teamchef Lars Lagerbäck nahm seinen Hut selbst, Zlatan Ibrahimovic zumindest bis zum nächsten Turnier ebenso. Bei den Schweden muss allerdings angemerkt werden, dass sich ihr Scheitern schon bei ihrer äußerst matten EM in Österreich angedeutet hat. Das überalterte Team wirkte langsam und hölzern, wurde so vor allem von den Russen regelrecht vorgeführt. In der Gruppe zogen die Schweden gegen Dänemark und Portugal den Kürzeren, immerhin konnten die Ungarn noch eingeholt werden.

Auf ein Neues nach der WM heißt es auch bei den Tschechen, bei dene nach dem unnötigen Vorrudenaus in der Schweiz das pure Chaos folgte. Neuer Teamchef, neue Verbandsspitze, und eine Horror-Qualifikation. Als Verbandsboss Hašek für die letzten Spiele selbst den Teamchef-Posten übernahm, war es schon zu spät und die Tschechen in einer wirklich leichten Gruppe an der Slowakei und Slowenien gescheitert. Michal Bilek ist der neue sportliche Verantwortliche. Für die nächste Europameisterschaft soll der Generationswechsel, wie bei den Schweden, vollzogen sein.

Und um den Haken zu den Russen zu schlagen: Auch der zweite unterlegene Semifinalist der letzten Europameisterschaft hat den Sprung nach Südafrika verpasst. Die Türken! Sie standen gegen die überragenden Spanier und die dank ihrer Weltklasse-Offensive tatsächlich bärenstarken Bosnien von Anfang an auf verlorenem Posten. Der Nachfolger von Fatih Terim auf der Kommandobrücke? Ausgerechnet der mit den Russen gescheiterte Guus Hiddink… Die Türken eliminierten im Viertelfinale von Wien die Kroaten, welche ebenso fehlen. Zweimal gegen England verloren, zweimal gegen die Ukraine nicht gewonnen – das war zu viel. Und von den beiden Gastgebern der nächsten Europameisterschaft schaffte es kein einziger zur WM-Endrunde. Die Ukrainer blieben im Playoff gegen die Griechen hängen. Und die Polen waren in der leichten Tschechien-Gruppe sogar noch schlechter als der Nachbar…

Verlassen wir aber nun Europa – denn auch anderswo blieben namhafte Mannschaften auf der Strecke. Wie etwa in Afrika! Die „Pharaonen“ aus Ägypten sind zweifelsfrei die beste Mannschaft ihres Kontinents, gewannen die Afrikacups von 2006, 2008 und 2010. Und scheiterten dennoch auch dieses Mal! Ausgerechnet gegen Erzfeind Algerien, im Entscheidugsspiel – weil am Ende der Gruppenphase die beiden Teams exakt punkt- und torgleich waren. Zuzuschreiben haben sich die Ägypter das Aus vor allem selbst, denn hätten sie im Heimspiel gegen Sambia nicht Punkte gelassen, alles wäre im Lot gewesen. Auch Tunesien scheiterte vornehmlich an sich selbst: Der WM-Teilnehmer von 98, 02 und 06 hatte Nigeria im Griff und hätte in Mosambik wohl nur ein Remis gebraucht. Die Tunesier verloren aber mit 0:1, so schnappten ihnen die Nigerianer im letzten Moment doch noch das WM-Ticket weg!

Meilenweit von einer Teilnahme entfernt waren indes die Marokkaner – sieglos, mit nur drei Toren in den sechs Finalrundenspielen müssen sie daheimbleiben. Wie auch der Senegal, der Viertelfinalist von 2002! Die neue Generation der Senegalesen überstand nicht einmal die Vorrunde, wie auch Angola. Der Gastgeber des Afrikacups hielt sich zwar dort mit dem erneuten Viertelfinal-Einzug schadlos, aber die WM geht ohne die „Schwarzen Antilopen“ in Szene.

Ordentlich gerupft wurde in der Qualifikation vor allem der arabische Raum. Neben den Ägyptern verpassen schließlich auch Stammgäste wie der Iran (trotz nur einer Niederlage, aber mit zu vielen Remis) und die „Falken“ aus Saudi-Arabien (im Playoff gegen Bahrain) das WM-Ticket. Und Bahrain zog ja dann auch noch gegen Neuseeland den Kürzeren! Auch der amtierende Asien-Meister Irak fehlt. Und die Chinesen standen völlig auf verlorenem Posten.

Vor alle diese Teams gilt nun die Hoffnung auf die Endrunde in Brasilien 2014. Dort wollen sie alle wieder dabei sein. Aber sicher nicht alle werden es auch schaffen!

Ballverliebt-WM-Serie | Leider Nein!
Teil 1 – Zwerge / Teil 2 – Favoriten / Teil 3 – Stars

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