Argentinien – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Sun, 18 Dec 2022 21:14:10 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Die WM ist am Ende, Messi ist Weltmeister, ein Finale zum Erinnern (Podcast) https://ballverliebt.eu/2022/12/18/die-wm-ist-am-ende-messi-ist-weltmeister-ein-finale-zum-erinnern-podcast/ https://ballverliebt.eu/2022/12/18/die-wm-ist-am-ende-messi-ist-weltmeister-ein-finale-zum-erinnern-podcast/#respond Sun, 18 Dec 2022 21:14:09 +0000 Argentinien ist Weltmeister. In einem denkwürdigen Spiel holt die Albiceleste den Sieg gegen Frankreich im Elfmeterschießen. Es gab einiges zu diskutieren. Tom und Philipp schlüsseln im Podcast alles auf und ziehen ein Fazit unter das Turnier in Katar.

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WM-Finale 2022: Messi v. Mbappe https://ballverliebt.eu/2022/12/14/wm-finale-2022-messi-v-mbappe/ https://ballverliebt.eu/2022/12/14/wm-finale-2022-messi-v-mbappe/#respond Wed, 14 Dec 2022 22:09:12 +0000 Mit Argentinien und Frankreich haben sich im Halbfinale der WM 2022 die beiden Favoriten durchgesetzt. Bei Kroatien und Marokko war nach einem herausragenden Turnier die Luft raus. Nun folgt der Kampf um den Titel. Tom & Philipp schauen zurück und voraus.

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WM 2022-Halbfinale: Ohne Neymar, Ronaldo und England (Podcast) https://ballverliebt.eu/2022/12/11/wm-2022-halbfinale-ohne-neymar-ronaldo-und-england-podcast/ https://ballverliebt.eu/2022/12/11/wm-2022-halbfinale-ohne-neymar-ronaldo-und-england-podcast/#respond Sat, 10 Dec 2022 23:06:42 +0000 Argentinien ringt die Niederlande nieder, Brasilien ringt Kroatien nicht nieder, Frankreich setzt sich gegen England durch und Portugal scheitert an Marokko. Ronaldos Tränen, Messis Genie und ein paar sehr fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen gibt es in diesem Podcast.

Und die Innenansicht aus Nordamerika. Unser Supporter Florian Ederer schaltet sich aus den USA zu und liefert Expertise über die Entwicklungen im ersten ausgeschiedenen Kontinentalverband: dem CONCACAF. Wie ist das Abschneiden von Mexiko, Kanada und der USA zu bewerten und erklären? Die tragen ja 2026 gemeinsam die nächste WM aus.

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Südamerika bei der WM 2018: Zu wenig echte Weltklasse https://ballverliebt.eu/2018/07/10/wm-2018-suedamerika-brasilien-argentinien-uruguay-kolumbien-peru/ https://ballverliebt.eu/2018/07/10/wm-2018-suedamerika-brasilien-argentinien-uruguay-kolumbien-peru/#comments Tue, 10 Jul 2018 08:42:33 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=15004 Südamerika bei der WM 2018: Zu wenig echte Weltklasse weiterlesen ]]> Zum vierten Mal hintereinander kommt der Weltmeister nicht aus Südamerika – Rekord. Schon im Viertelfinale war für den letzten des Conmebol-Quintetts Endstation – erstmals seit 2006. Brasilien muss sich einerseits ärgern, dass man die sicher größte Chance seit langem nicht genützt zu haben.

Andererseits aber festigte dieses Turnier die Vormachtstellung der Seleção, die bis zum Amtsantritt von Teamchef Tite vor zwei Jahren geraume Zeit nicht gegeben war. Argentinien ist am Ende, Kolumbien stecken geblieben, Chile nicht einmal qualifziert. So heißt der erste Verfolger am Kontinent derzeit Uruguay.

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LINK-TIPP: Südamerika bei der WM 2014

Brasilien: Ausgewogen und stark genug – eigentlich

2006 war Brasilien zu statisch, 2010 zu vorsichtig, 2014 mental nicht für die Heim-WM gerüstet (vor allem die längst in China untergetauchten Oscar und Hulk). Diesmal hat eigentlich alles gestimmt. Bis auf die Chancenauswertung im Viertelfinale. Denn obwohl Belgien einen perfekten Plan hatte: Was die Chancen und deren Qualität betrifft, hätte Brasilien dieses Spiel dennoch gewinnen können bzw. müssen.

Es ist argumentierbar, dass dies die beste brasilianische Mannschaft seit dem Titel von 2002 ist. Die Abwehr ist routiniert und lässt praktisch nichts zu, im Tor gibt es zwei Weltklasse-Optionen (neben Alisson noch Éderson von Man City). Im Mittelfeld gibt es die richtige Balance aus Absicherung und Vorwärtsgang, und vorne einen Neymar. Dieser hat seinem Image zwar mit seiner übergroßen Theatralik keinen Gefallen getan, grundsätzlich aber ein gutes Turnier gespielt. Er hat zwei Tore erzielt (darunter das wichtige 1:0 im Achtelfinale gegen Mexiko), ein weiteres augfelegt, hat im Schnitt 4,6 Torschüsse pro Spiel vorbereitet. Gemeinsam mit Coutinho (der aus dem Mittelfeld heraus ähnlich produktiv war, aber weniger Risiko einging – logisch, wenn man seine Position berücksichtigt) bestimmte er den brasilianischen Angriff.

Man kann durchaus hinterfragen, ob Gabriel Jesus (statt Firmino) und Willian (statt Douglas Costa) wirklich die Optimalbesetzungen waren. Fagner ist nur dritte Wahl als Linksverteidiger (hinter den verletzten Dani Alves und Danilo) und das sah man auch. Weil aber auch alle anderen Teams ihre Schwächen hatten, hätte das vollauf zum Titel reichen können. Wenn man nur das Belgien-Spiel überstanden hätte.

Nach den peinlichen Auftritten bei den letzten drei Copa-América-Turnieren (Viertelfinale 2011 und 2015, Vorrunde 2016) hat sich Brasilien unter Tite – der nach dem 2016er-Turnier von Dunga übernommen hat – eindrucksvoll an der Spitze der südamerikanischen Hackordnung zurückgemeldet. Unter dem auch in der Heimat hochgeschätzten Tite, der als Trainer bereit bestätigt wurde, gab es bis zum unglücklichen 1:2 gegen Belgien in 16 Spielen 13 Siege und drei Remis.

Uruguay: Unspektakulär und kaum zu bezwingen

Glücklich, wer als Nationalteam über die Stamm-Innenverteidigung von Atlético Madrid verfügt. Godín und Giménez haben auch im Trikot der Celeste de facto nichts zugelassen, sind ohne Gegentor durch Vorrunde marschiert und sind danach nur von einem Eckball, einem Freistoß und einem Fehler von Keeper Muslera bezwungen.

Glücklich auch, wer Luis Suárez und Edinson Cavani als Stürmer aufbieten kann. Vor allem Cavani zeigte ein großartiges Turnier, war nach vorne stets brandgefährlich und arbeitete stark auch nach hinten. Im Viertelfinale bestätigte sich aber der Eindruck von der Copa Centenario vor zwei Jahren: Es geht nur mit beiden. Damals war nur Cavani dabei (neben ihm versuchten sich Rolán, Stuani und Hernández), Uruguay schied sang- und klanglos in der Vorrunde aus. Diesmal war im Viertelfinale gegen Frankreich ohne den verletzten Cavani nur Suárez dabei, die Offensiv-Power war gleich Null.

Dazwischen hat Óscar Tabárez, mit 71 Jahren der älteste Trainer des Turniers, den fälligen Generationswechsel aber vollzogen. Mit Bentancur (20), Torreira (22) und Nández (22) spielten drei ganz junge Spieler im Mittelfeld, das im Turnierverlauf auch in der Anordnung verändert wurde. Die ersten zwei Matches absolvierte Uruguay im flachen 4-4-2, dann kam Torreira auf die Sechs und Bentancr übernahm die Spitze einer Raute.

Mit dem verdienten Viertelfinale-Einzug etabliert sich Uruguay nach dem zweiten Platz in der Qualifikation weiterhin als zweite Kraft auf dem Kontinent. Dass es nicht für mehr reicht, liegt auch an den ein wenig fehlenden personellen Alternativen. Aber hey, Uruguay hat kaum halb so viele Einwohner wie Österreich.

Argentinien: Der komplette Kollaps

Viel erinnerte an Frankreich 2010. Eine Revolte unter den Spielern, ein entmachteter Trainer, internes Chaos und sportlicher Kollaps. Der Finalist von WM 2014, Copa América 2015 und Copa Centenario 2016 zerfiel in seine Einzelteile.

Man wirkte auch nie wie eine von Jorge Sampaoli – einem Apostel des Offensivspiels, des wütenden Pressings, der ungewöhnlichen Formationen – gecoachtes Team. Lahm und einfallslos in einem 4-2-3-1 beim 1:1 gegen Island. Komplett kollabierend gegen Kroatien in einem nicht funktionierenden 3-4-3, das völlig an Messi vorbei lief. Eine Halbzeit lang gegen Nigiera solide in einem 4-4-2, das danach dem Panikmodus wich. Man kämpfte aneinander vorbei, erzwang aber noch den nötigen Sieg. Im Achtelfinale (im 4-3-3 spielend) stemmte man sich mit Einsatz gegen die Niederlage, aber Frankreich konnte stets einen Gang höher schalten. Das von Sampaoli angekündigte 2-3-3-2 blieb eine Ankündigung.

In vier Spielen war nie erkennbar, was die Spielidee bei Argentinien sein soll, welche Rolle Messi einnehmen soll, wer nun eigentlich die Kommandos gibt. Mascherano geht das Spiel mittlerweile viel zu schnell, Di María war gegen Frankreich sagenhaft schlecht. Die in der durch 30 teilnehmende Klubs katastrophal verwässerten heimischen Liga spielenden Maximiliano Meza und Cristian Pavón haben kein internationales Format. Enzo Pérez ist kaum mehr als ein Mitläufer, Éver Banega spielt gute Pässe, aber ist zu langsam. Und Torhüter von Weltformat hatte Argentinien ohnehin nie.

Eine große Generation ist in Russland mit einem Knall abgetreten. Messi, Mascherano, Higuaín, Di María, Agüero, Banega, Otamendi – für sie alle war dies höchstwahrscheinlich ihre letzte WM. Mehr als zwei, drei Spieler aus dem aktuellen Team werden 2022 nicht mehr dabei sein. Oder muss man sich gar um die Teilnahme für Katar sorgen? Ohne Messi ist Argentinien nur das achtbeste Team in Südamerika. Achtmal trat man in der Quali ohne ihn an, sieben Punkte gab es in diesen Spielen.

Und es kommt auch zu wenig nach. In den letzten fünf U-20-Weltmeisterschaften hat Argentinien nur einmal die Vorrunde überstanden, ist 2015 gegen Österreich ausgeschieden, war zweimal nicht einmal qualifiziert. Die neuen Zentralfiguren in den kommenden Jahren werden wohl Paulo Dybala (der aber teamintern offenbar überhaupt keine Lobby hat) und Giovanni Lo Celso sein. Rundherum gibt es einige Kandidaten – Mauro Icardi von Inter, Manuel Lanzini von West Ham, eventuell Lucas Alario von Leverkusen. Aber längst nicht so viele, dass man automatisch von einem WM-Titelkandidaten sprechen könnte.

Kolumbien: Kein eindeutiges Urteil möglich

Juan Quintero wurde nach vier Jahren wieder ins kolumbianische Team zurückgeholt, spielte eine ansprechende WM. Radamel Falcao, der 2014 verletzt gefehlt hatte, machte endlich sein erstes WM-Tor. Yerry Mina und Davínson Sánchez gaben die Visitenkarte ab, nach dem nahenden Karriereende von Godín das beste Verteidiger-Duo Südamerikas zu werden.

Und doch: Es hing bei Kolumbien zu viel an James Rodríguez. Wenn der von Real zu den Bayern abgeschobene Kreativ-Spieler dabei war, war Kolumbien eine Macht – wie beim 3:0 gegen Polen. Wenn er fehlte, wie beim Achtelfinale gegen England, gibt es zwar immer noch einen Plan B (Dreierkette, um gegnerische Wing-Backs zu beschäftigen) und einen Plan C (Härte, um den Rhythmus und die Nerven des Gegners runterzuziehen). Aber spielerisch ist dann nicht mehr viel los.

Natürlich ist es auch Pech, dass man im ersten Spiel gleich nach fünf Minuten in Unterzahl ist – wiewohl Kolumbien dennoch Gruppensieger wurde. Natürlich ist es Pech, dass der wichtigste Spieler schon nicht fit zum Turnier kommt und sich nach anderthalb Spielen wieder verletzt. Natürlich ist es auch Pech, wenn man im Elfmeterschießen rausfliegt.

Darum sind die Kolumbianer einerseits unter Wert geschlagen worden, weil ein Halbfinal-Einzug genauso möglich gewesen wäre. Und andererseits haben sie auch wieder bekommen, was sie verdienen, wenn am Ende eben doch zu viel mit einem Spieler steht und fällt. Ein eindeutiges Urteil über dieses Turnier ist bei Kolumbien also nicht zu fällen. Aber: Dieses Team ist noch nicht am Ende. In den kommenden vier Jahren wird kaum ein Spieler aus Altersgründen rausfallen.

Peru: Gut, aber es fehlte Durchschlagskraft

Für Peru war es schon das Größte, erstmals seit 36 Jahren überhaupt an einer WM teilnehmen zu können. Mit einem verdienten Sieg gegen Australien im Gepäck ging es nach der Vorrunde wieder nach Hause, wirklich böse ist den Peruanern auch offenbar keiner. Dabei wäre eine Achtelfinal-Teilnahme nicht nur möglich, sondern eigentlich auch verdient gewesen.

Gegen Dänemark scheiterte man im ersten Spiel an der fehlenden internationalen Cleverness, aber keineswegs an einem besseren Gegner. Die sowohl auf einem solidem Defensiv-Block und einem ballbesitzorientierten Kurzpass-Spiel angelegte Strategie sorgte dafür, dass man im Grunde alle drei Spiele über weite Strecken unter Kontrolle hatte. Peru zeigte keinen Hauruck-Fußball, aber es fehlte die Durchschlagskraft.

Das Team hat nicht nur in der Qualifikation, sondern auch nun bei der WM selbst gezeigt, dass eine klare Philosophie und ein guter Teamgeist es ermöglichen, mehr zur erreichen, als eigentlich drin ist. Die Semifinal-Einzüge bei Copa América 2011 und 2015 wurden eher glücklichen Umständen zugeschrieben. Aber spätestens, als man 2016 bei der Centenario Brasilien eliminierte und danach zum WM-Ticket stürmte, zeigte sich echte Substanz. Viele Spieler werden auch noch einige Jahre für Peru spielen können.

Dennoch steht hinter der Nachhaltigkeit der Entwicklung ein Fragezeichen. Die peruanische Liga ist extrem schwach, in der Copa Libertadores – der südamerikanischen Champions Leauge – gewannen Perus Klubs nur 6 der letzten 60 Spiele. Zum fünften Mal in Folge findet 2018 das Achtelfinale ohne peruanische Beteiligung statt. Sogar die Klubs aus Venezuela und Bolivien haben bessere Bilanzen. Das sind keine guten Voraussetzungen, neues Talent an die Spitze heranzuführen.

Wer hat gefehlt?

In erster Linie hat man natürlich Chile vermisst. Der Sieger von Copa América 2015 und Copa Centenario 2016 sowie Finalist des Confed-Cups 2017 wurde hinter Peru nur Sechster in der Eleminatoria Sudamericana.

Zum Verhängnis wurde den Chilenen wohl vor allem die Altersstruktur. Da viele maßgeblichen Spieler praktisch gleich alt waren (und 2007 bei der U-20-WM vor Österreich Dritter wurden), verfügte Chile praktisch ein Jahrzehnt lang über ein extrem eingespieltes Team von gutklassigen Spielern. Nun sind sie allerdings alle gleichzeitig alt geworden. Bravo (35), Valdivia (34), Beausejour (34), Jara (32), Vidal (31), Medel (30), Isla (30), Alexis Sánchez (29): Diese acht Spieler alleine kommen auf 840 Länderspiel-Einsätze.

Marcelo Bielsa hat das Team aufgebaut, Jorge Sampaoli hat es zum Höhepunkt des Copa-Sieges im eigenen Land getrieben, Juan Antonio Pizzi hat mit dem Titel 2016 für das letzte Hurra gesorgt. Jetzt ist es die Aufgabe von Reinaldo Rueda, eine völlig neue Mannschaft zusammen zu stellen. Mit Namen, die man in Europa (noch?) nicht kennt und wohl auch mit einer anderen Spielweise. Rueda, der 2010 mit Honduras und 2014 mit Ecuador bei der WM war, steht eher für staubigen Fußball. Die Zeit der chilenischen Kunst ist vermutlich erst einmal vorbei.

Ein ähnliches Problem, also ein abrupt erzwungener Generationswechsel, macht Paraguay zu schaffen. Das Team, die von 1998 bis 2010 bei jeder WM dabei war (2x Achtelfinale, 1x Viertelfinale), 2004 Olympia-Silber holte und 2011 noch im Finale der Copa América stand, hatte keine Nachfolger. In der Quali für diese WM hatte man zwar bis zum letzten Spieltag eine Chance zur Teilnahme, verschenkte sie aber leichtfertig. Statt Legionären in Spanien, England und Deutschland tummeln sich die Spieler heute vor allem in der eigenen Liga. Der prominenteste Spieler in Europa ist Antonio Sabaría von Betis Sevilla.

Ähnliches gilt auch für Ecuador (WM-Teilnahme 2002, 2006 und 2014), wo die mittelfristige Prognose nicht so gut aussieht. Venezuela (viele Legionäre in Europas zweiten Ligen und in der MLS) hat derzeit ohnehin andere Probleme als Fußball und Bolivien (fast alle Spieler in der eigenen Liga aktiv) ist seit Jahrzehnten irrelevant.

So geht es weiter

Wie auch Asien, Afrika sowie Nord- und Mittelamerika geht es auch in Südamerika 2019 mit der nächsten Kontinentalmeisterschaft weiter. Im kommenden Sommer rittern die zehn Conmebol-Teams um den Titel. Turnusmäßig ist nun Brasilien mit der Austragung dran. In den WM-Arenen von Rio de Janeiro, Sao Paulo, Belo Horizonte, Porto Alegre und Salvador wird gespielt, zum Auffüllen – es wird in drei Vierergruppen gespielt – hat man sich diesmal Japan und Katar eingeladen.

Danach wird umgestellt. Ab 2024 findet die Copa dann stets parallel zur Europameisterschaft statt. Als sportlich wie finanziell hochwertigen Pausenfüller schiebt man 2020 erneut ein gesamt-amerikanisches Turnier ein. Diese Copa Panaméricana wird, wie schon die baugleiche Copa Centenario 2016, in den USA stattfinden.

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Südamerika bei der WM: Zwar wieder kein Titel, aber erneut breiter geworden https://ballverliebt.eu/2014/07/18/zwar-wieder-kein-titel-aber-suedamerika-stellt-sich-immer-noch-breiter-auf/ https://ballverliebt.eu/2014/07/18/zwar-wieder-kein-titel-aber-suedamerika-stellt-sich-immer-noch-breiter-auf/#comments Thu, 17 Jul 2014 22:34:03 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=10428 Südamerika bei der WM: Zwar wieder kein Titel, aber erneut breiter geworden weiterlesen ]]> Nur ein Team von außerhalb konnte südamerikanische Teams in der K.o.-Runde besiegen. Eines! Was nur zeigt, wie stark und vor allem mit welcher beeindruckenden Breite die Teams aus Südamerika bei der WM auftrumpften. Mittlerweile sind nicht nur zwei Teams da, die Weltmeister werden können, sondern vier, die von extrem hoher Qualität sind. Und ein Fünfter war vor vier Jahren ja immerhin im Semifinale. In dem das Team des Gastgebers diesmal ja ein historisches Debakel erlitt.

Brasilien: Wo sind die ganzen Samba-Kicker hin?

Als die Seleção vor einem Jahr den Confed-Cup gewann, sah man eine Mannschaft, die nichts besonders innovatives machte, aber eine solide Mischung aus allen Einflüssen war, die es im modernen Fußball so gibt. Keine aufregende, aber eine grundsolide Truppe. Zwölf Monate später gab es den krachenden Einsturz eines Teams, das offenbar alles verlernt hatte, nicht als Mannschaft funktionierte und in dem Teamchef Scolari zu viel und zu lange an „seinen“ Spielern festhielt.

Brasilien
Brasilien: Wenn Fred der beste Mittelstürmer ist, hat die Seleção ein ziemlich massives Problem.

Dabei war eben in der Tat alles weg. Paulinho, der aus dem Mittelfeld den Punch bringen sollte, ist nach einem verlorenen Jahr in Tottenham ein Schatten seiner selbst. Hulk stagniert oder enwickelte sich sogar zurück. Fred ist eine Gemeinheit von einem Mittelstürmer, verglichen mit ihm war Toni Polster ein Dauerläufer.

In keinem Spiel konnte Brasilien wirklich überzeugen. Gegen Kroatien hätte man ohne das Elfer-Geschenk wohl nur 1:1 gespielt, Kamerun war kein Gegner, gegen Chile und Kolumbien wackelte man bedenklich, ehe es gegen Deutschland das 1:7-Desaster im Halbfinale setzte. Die vermutlich beste Leistung konnte man gegen Mexiko abrufen. Bezeichnenderweise gewann Brasilien dieses Spiel nicht.

Das Halbfinale, das in die WM-Geschichte eingehen wird, offenbarte drastisch, wie sehr die Mannschaft von Thiago Silva (der den Laden hinten zusammenhielt) und Neymar lebte. Unter dem Druck des Gewinnen-Müssens warfen die Spieler übermotiviert alle Grundlagen der Taktik über Bord und liefen Deutschland nicht ins Messer, sondern mit Anlauf in ein deutsches Katana.

Die grundsätzliche Frage, die sich Brasilien nach Platz vier bei der Heim-WM (was ja rein als Ergebnis eh nicht so schlecht ist) stellt, ist eine aus brasilianischer Sicht erschreckende: Wie kann es sein, dass es ausgerechnet im Land des Samba-Fußballs, im Land von Pelé, Garrincha, Zico, Romario, Ronaldo und Ronaldinho nur einen einzigen Offensiv-Akteur von Weltformat gibt? Inhaltliche Fehlleistungen und Spiele, in denen alles daneben geht, können immer mal passieren. David Luiz und Thiago Silva sind dennoch Weltklasse-Spieler, Luiz Gustavo trotz allem ein Sechser von internationalem Format. Aber Oscar tauchte völlig unter, Hulk ebenso. Alles hing an Neymar.

Die Seleção ist nicht in einem so tiefen Loch, wie es nun scheint. Der neue Teamchef, wer immer es sein wird, muss aber einen Weg finden, dass nicht alles zusammenklappt, wenn Neymar nicht dabei ist oder einen schlechten Tag hat. Und ganz generell muss sich der Verband etwas einfallen lassen, wie man wieder ein paar ordentliche Offensiv-Spieler und vor allem Mittelstürmer aus dem Zuckerhut zaubert. Denn was den Zug zum Tor angeht, ist man alleine in Südamerika nicht mehr unter den Top-3.

Argentinien: Wo ist die Hilfe für Messi?

Nein, dass die Albicelete prickelnden Offensiv-Fußball gezeigt hätte, könnte man nicht gerade behaupten. Auch, dass Lionel Messi zu jeder Zeit Herr der Lage ist und ein Kapitän, der vorangeht und die Kollegen pusht, wenn’s mal nicht läuft, kann man nicht sagen. Allerdings war der große kleine Mann von Barcelona fast immer zur Stelle, wenn seine Mannschaft mal ein Tor oder zumindest einen Assist von ihm brauchte.

Argentinien
Argentinien: Es lebte mehr von Messi, als bei der Besetzung nötig war. Aber es funktionierte.

Seltsam, aber obwohl die Qualität der Spieler direkt um Messi herum – Higuaín, Lavezzi, Agüero, natürlich Di María – deutlich höher ist als die der Nebenleute von Neymar, steht und fällt auch bei Argentinien alles mit einem Spieler. Die Auftritte des knapp unterlegenen Finalisten waren selten wirklich unterhaltsam und fußten vornehmlich auf einer außergewöhnlich sicheren Defensiv-Abteilung.

Die vom wahren Chef auf dem Feld dirigiert wurde, nämlich von Javier Mascherano. Er hatte mit Biglia einen patenten Adjutanten, hatte mit Garay und Demichelis sichere Hinterleute und Torhüter Romero zeigte ein sehr gutes Turnier, obwohl er bei Monaco nur in internen Trainings-Spielchen Praxis bekam.

Im Grunde spielte Argentinien so, wie Finalisten oft spielen: Hinten wenig anbrennen lassen, vorne im entscheidenden Moment zuschlagen. Wiewohl es Alejandro Sabella, so sehr es ihm an Charisma zu fehlen scheint, gelungen ist, die Gruppe zu vereinen, und sei es nur, um gemeinsam Sabellas Autorität öffentlich in Frage zu stellen. Seinen Grundsatz von „Humilidad y Trabajo“, von Demut und Arbeit, haben aber alle angenommen.

Nach dem überforderten Clown Maradona und dem ahnungslosen Selbstdarsteller Batista hatte Argentinien einen Teamchef gefunden, der sich ausschließlich mit dem sportlichen beschäftigt. Das wurde belohnt, aber um in vier Jahren auch wieder eine gute Rolle zu spielen, muss es gelingen, neue Schlüsselfiguern zu finden. Mascherano ist schon 30, Messi befindet sich seit einem, anderthalb Jahren am absteigenden Ast. Es wird sicherlich noch mehr Verantwortung auf Angel di María zukommen.

Denn Messi wird schon ein wenig mehr Hilfe benötigen, in Zukunft.

Kolumbien: Wäre mit Falcao noch mehr möglich gewesen?

Er war eine Augenweide, dieser James Rodríguez (der, um das ein für allemal festzuhalten, NICHT „dscheims“ heißt, sondern „chames“). Vorbereiter, Vollstrecker, Gegenspieler-Verrückt-Macher, und das alles mit einem Babyface, das das genau Gegenteil der wilden Erscheinung Carlos Valderrama ist. Kolumbien stürmte unaufhaltsam ins Viertelfinale und hatte dort gegen Brasilien zu spät gemerkt, dass man gar keine Angst vor dieser Truppe haben muss.

Kol
Kolumbien: Eine Augenweide. Tolle Spieler, viel Initiative, und das nicht mal in Bestbesetzung

Weshalb sich die Frage stellt: Wäre mit einem fitten Radamel Falcao vielleicht sogar noch mehr möglich gewesen? Denn Teo Gutiérrez zeigte sich als hervorragender Arbeiter, als guter Mitspieler für James und Cuadrado, aber nicht als Vollstrecker. Während hinter im die vermutlich beste offensive Mittelfeld-Reihe des Turniers wirbelte. Dazu verwirrte man die Gegner mit permanenten Rochaden: Da agierte James mal als Sturmspitze, mal links, da ging Jackson Martínez mal ins Zentrum, dazu gab’s mit Armero und Zuñíga zwei forsche Außenverteidiger. Eine Augenweide.

Die Cafeteros bestätigten den Aufwärtstrend, der schon unter Hernán Dário Gomez begonnen wurde und José Néstor Pekerman, an sich ja ein ruhiges Gemüt, formte Kolumbien zu einer ähnlich aufregenden Mannschaft wie seine „Fabelhaften Peker-Boys“ aus Argentinien bei der WM 2006. Und das Schöne ist: Bis auf Kapitän Mario Yepes fällt in näherer Zukunft kein Stammspieler aus Altersgründen aus dem Team.

Kolumbien kann also als Ganzes noch besser werden. Und Falcao ist bald wieder zurück.

Chile: Ist diese Form konservierbar?

Nächsten Sommer findet in Chile die Cópa America statt. Die Roja hat dieses Turnier noch nie gewonnen und nach dem knappen und auch eigentlich nicht verdienten Achtelfinal-Aus gegen Brasilien versprach Arturo Vidal, dass sich das ändern wird. Die Vorzeichen sind gut: Die Mannschaft ist mit einem Schnitt von 26,5 Jahren noch relativ jung, alle haben die komplexen Taktik-Varianten von Teamchef Jorge Sampaoli verinnerlicht, und Vidal selbst war nicht mal voll fit.

Chile
Chile: Das mit Abstand aufregendste, was dieses WM-Turnier zu bieten hatte. Viel zu früh raus.

Und die Chilenen waren, wie schon vor vier Jahren unter Marcelo Bielsa, eine überaus geile Mannschaft. Sampaoli ist ein im positiven Sinne fußballerischer Geistesgestörter, ein Besessener, ein Freak. Und so spielen auch seine Teams. Wie einst das 3-1-4-2-Monster von La U, wie das 2-1-3-4-0-Gebilde, das Australien eine halbe Stunde lang verzweifeln ließ. Wie das Pressing-Ungetüm, das Xabi Alonso so sehr in den Wahnsinn trieb, dass dieser sich nach einer Halbzeit traumatisiert auswechseln ließ.

Und mit Eduardo Vargas hat man nun auch endlich einen Stürmer, der auch mal Tore macht, Alexis Sánchez in Top-Form bringt auch die nötige Direktheit mit. Marcelo Díaz auf der Sechs – neben Mena, Aranguiz und Silva einer von vier Stammkräften, die unter Sampaoli bei La U gespielt haben – ist die personifizierte Balance. Dazu ist Claudio Bravo ein exzellenter Torhüter.

Und wohlgemerkt: Im ganzen Kader gibt es nicht einen einzigen gelernten Innenverteidiger. Keinen.

Chile hat es absolut drauf, auf absehbare Zeit eine bestimmende Kraft in Südamerika und damit auch in der Welt zu werden bzw. zu bleiben. Wenn Pinilla gegen Brasilien in der 120. Minute nicht die Latte, sondern das Tor getroffen hätte, wer weiß, wie weit Chile gekommen wäre.

Eines ist nur klar: Kein Team bei dieser WM ist mit dem nackten Resultat – Aus im Achtelfinale – so massiv unter Wert geschlagen worden wie Chile. Jetzt muss nur noch die Form bis nächstes Jahr konserviert werden.

Uruguay: Wer folgt den alten Herren?

José Maria Giménez erspielte sich schon einen Stammplatz bei den Großen, Stürmer Nico López kommt bei Udinese regelmäßig zum Einsatz, Linksaußen Diego Laxalt bei Serie-A-Absteiger Bologna. Aber sonst? Keiner der Mannschaft aus Uruguay, die vor einem Jahr Vize-Weltmeister bei der U-20-WM wurde, ist auch nur in der Nähe eines Stammplatzes bei einem halbwegs vernünftigen Klub, geschweige denn in der Nähe der Nationalmannschaft. Das wird über kurz oder lang zum Problem werden.

Uruguay
Uruguay: Fast alles hing an Godín und Suárez. Folgt nun der Generationswechsel bei der Celeste?

Denn obwohl man sich alte Willenskraft zeigte und somit England und Italien in 50:50-Spielen nieder ringen konnte, bleibt nach dem WM-Turnier, das mit einer Demontage im Achtelfinale gegen Kolumbien endete, die Erkenntnis: Besser ist Uruguay nicht geworden. Noch mehr als zuletzt schon hängt praktisch alles an Luis Suárez vorne und Diego Godín hinten.

Der Rest ist, bei allem Respekt, braver Durchschnitt und es ist weit und breit niemand in Sicht, der etwa im Mittelfeld das Spiel an sich reißen könnte. Arévalo ist nicht der Typ dafür, Lodeiro ist ein seit Jahren steckengebliebenes Talent, Cavani ist im Trikot von PSG wesentlich gefährlicher.

Und dann wird auch noch der ganze Auftritt überschattet von Suárez ekelhafter Dummheit gegen Italien. Die folgende Sperre heißt, dass Suárez die Copa America nächstes Jahr verpasst. Das wird für Langzeit-Teamchef Tabárez die Nagelprobe werden. Noch ein weiteres Mal mit den alten Recken, aber ohne den besten Spieler versuchen, alles rauszuquetschen, oder im Wissen um die Chancenlosigkeit, um den Titel mitzuspielen, den Umbau starten?

Die Antwort darauf wird gleichzeitig die Antwort auf die Frage sein, ob sich Tabárez, 67 Jahre alt, den Generationswechsel noch antun will.

Ecuador: Wäre die Quali auch ohne Höhenlage gelungen?

Immerhin: Seine drei Tore (also alle, die Ecuador bei dieser WM schoss) brachten Enner Valencia einen Premier-League-Vertrag bei West Ham ein. Sehr viel mehr wird aber nicht bleiben. La Tri verlor zwar nur knapp gegen die Schweiz und rang Frankreich ein verdientes Remis ab, aber dennoch hinterließen die drei Spiele vor allem eines: Verwunderung ob des antiquierten Spielstils der auch nicht mehr ganz jungen Mannschaft.

Ecuador
Ecuador: Mit dem flachen 4-4-2 und Konzentration auf die Flügel war das reichlich antiquiert.

Neben Honduras kam nur noch Ecuador mit einem flachen 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeld-Leuten in einem damit unterbesetzten Zentrum auf, das Spiel nach vorne passierte praktisch ausschließlich über die Flügelspieler Valencia und Montero. Sturmspitze Caicedo fiel in den ersten zwei Spielen nur durch seine Mähne auf, und im dritten nicht mal mehr das, weil er zwischendurch beim Friseur war.

Anders als Enner Valencia. Der Angreifer, der nur durch den plötzlichen Tod von Chicho Benítez vor einem Jahr in die Mannschaft gerutscht war, war beweglich, hatte Übersicht und war auch torgefährlich.

Inhaltlich aber hat sich Ecuador seit der WM 2006, als man mit einem flachen 4-4-2 souverän das Achtelfinale erreichte und dort eher unglücklich England unterlag, keinen Zentimeter weiterentwickelt. Das Team vor acht Jahren war auch individuell echt gut (mit Leuten wie Delgádo, Méndez, dazu Reasco und De la Cruz als AV). Dieses ist eher wieder eines wie 2002, das sich wegen der Höhenlage in den Quali-Heimspielen zur Endrunde gemogelt hat.

Natürlich: Mit Carlos Gruezo von Stuttgart gibt es ein Riesen-Talent im zentralen Mittelfeld. Aber der hat vor drei Jahren noch U-17-WM gespielt. Für eine tragende Rolle bei einer WM der Großen war’s noch ein wenig früh.

Nächste Kontinental-Meisterschaft: Juni 2015 in Chile

Die Brasilianer, die viel gutzumachen haben. Die Argentinier mit Messi, der so knapp dran war, aber nun immer noch keinen Nationalteam-Titel gewonnen hat. Der Offensiv-Wirbel der Kolumbianer. Und natürlich die positiv Verrückten von Gastgeber Chile. Nicht zu vergessen Titelverteidiger Uruguay, der zeigen muss, wie er sich selbst neu erfindet.

Die Copa America, die in einem Jahr stattfindet, ist von der Ausgangslage elf Monate davor die wohl spannendste seit Jahrzehnten, weil sie mehr ist als nur das programmierte Finale zwischen Brasilien und Argentinien, sondern  es gleich zwei Teams gibt, die mindestens auf Augenhöhe mit ihnen sind, wenn nicht sogar schon besser. Die Teams des südamerikanischen Kontinents rücken immer weiter zusammen. Eine Entwicklung, die nur gut sein kann.

Fünf der sechs CONMEBOL-Teams überstanden die Vorrunde, und es gab nur ein Team von außerhalb, das K.o.-Spiele gegen das Quintett gewinnen konnte (Deutschland). Anders gesagt: Hätte man sich nicht gegenseitig eliminiert, wäre die kollektive Stärke noch viel augenfälliger geworden. Andererseits hat es nun drei Turniere hintereinander keinen südamerikanischen Weltmeister gegeben – die längste Durststrecke der Geschichte. Weil die beiden Großen im entscheidenden Moment wieder Federn ließen und die Nachrücker halt doch noch nicht ganz so weit sind.

Noch.

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Drei Gründe, warum Ron Vlaars Elfmeter gegen Argentinien kein Tor war https://ballverliebt.eu/2014/07/12/drei-gruende-warum-ron-vlaars-elfmeter-gegen-argentinien-kein-tor-war/ https://ballverliebt.eu/2014/07/12/drei-gruende-warum-ron-vlaars-elfmeter-gegen-argentinien-kein-tor-war/#comments Sat, 12 Jul 2014 11:24:13 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=10402 Drei Gründe, warum Ron Vlaars Elfmeter gegen Argentinien kein Tor war weiterlesen ]]> „Ein Youtube-Video sorgt für Aufregung“, schreiben manche Medien derzeit. Eine verwackelte Aufnahme vom Penaltyschießen zwischen Argentinien und den Niederlanden soll eine Kontroverse auslösen, ob Ron Vlaars Elfmeter (der allererste der Serie) nicht vielleicht doch die Linie überquert hat, nachdem Sergio Romero in abgewehrt hat.

Hier eine unverwackelte Aufnahme.

Was für Aufregung sorgt, sind allerdings eher einige Medien, als diese Videos von Fans. Denn diese werfen erstmal nur eine Frage auf, die sich recht einfach klären lässt.

War das doch ein Tor?

Nein.

1. Der Ball war nicht über der Linie

Man kann es dem Fan im Stadion und dem Betrachter des obenstehenden Videos verzeiehen, wenn er glaubt, der Ball könnte mit seinem Drall über die Linie gerutscht sein. Nicht aber dem Journalisten zuhause, der Tage später darüber ergebnisoffen berichtet. Denn es gibt andere Videos. Zum Beispiel dieses, in dem ganz eindeutig zu sehen ist, dass der Ball nie über die Linie rollt.

2. Die Torlinientechnologie war an

Selbst wer seinen Augen nicht traut, kann zudem der Torlinientechnologie vertrauen. „Warum wurde die nicht bemüht?„, fragt die FAZ. Und man könnte jetzt bei der FIFA anfragen und diese Frage im Raum stehen lassen, aber die dahinterstehende These ist wahrscheinlich schon falsch. Es ist natürlich anzunehmen, dass die Torlinientechnologie während einem Elferschießen an ist.

Die Torlinientechnologie ist nämlich nicht nur an, wenn sie im Fernsehen animiert wird, sondern immer. Anders als zum Beispiel im Tennis wird sie nicht erst „bemüht“, sondern meldet sich. (Warum das im Tennis anders ist, verstehe wer will.) Wenn das Fernsehen die Bilder zeigt, gibt es im Fußball jedenfalls genau genommen trotz der zwecklosen Inszenierung als spannendem, alles aufklärendem Moment nichts mehr zu klären. War der Ball drinnen, hat der Schiedsrichter längst ein Signal erhalten und das Tor gegeben. War er nicht drinnen, dann wurde längst weitergespielt. Diskussionen sind sinnlos, auch wenn das bei der WM noch nicht jede Fernsehstation verstanden zu haben scheint und tatsächlich Debatten geführt wurden.

3. Ron Vlaar berührt den Ball ein zweites Mal

All das ist aber ohnehin nur von theoretischem Wert, denn die Szene war schon vorher vorbei. Es gibt noch ein weiteres Video aus einer Perspektive hinter dem Schützen. Aus dieser ist eindeutig zu erkennen: Ron Vlaar hat den Ball ein zweites Mal berührt und damit die Situation beendet. Es ist der Moment, bevor er sich an den Kopf fasst und während der Schiedsrichter sich wegdreht, der die Berührung also wohl auch gesehen und den Elfer für beendet befunden hat.

(Edit: Auf einem anderen, online leider überall bereits gesperrten Video aus der Kameraperspektive hinter Vlaar war die Berührung noch besser zu sehen)

Ob der dann noch über der Linie war, ist deshalb völlig uninteressant. Anders als hier:

PS: Um an dieser Stelle allgemeinem Bashing gegen Medien und Journalisten die Grundlage zu entziehen: Zahlreiche andere Medien haben ihre Aufgabe erfüllt und zwar über die Situation berichtet, sie allerdings auch aufgeklärt.

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WM-Geschichte für Einsteiger (3) https://ballverliebt.eu/2014/06/10/wm-geschichte-fuer-einsteiger-3/ https://ballverliebt.eu/2014/06/10/wm-geschichte-fuer-einsteiger-3/#respond Tue, 10 Jun 2014 18:56:53 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=10298 WM-Geschichte für Einsteiger (3) weiterlesen ]]> Brasilien hatte die Fußballwelt über ein Jahrzehnt dominiert, ehe sich Pelé nach dem Triumph 1970 aus der Nationalmannschaft zurückzog. Womit das Pendel im Weltfußball in Richtung jener athletischen, immer hart kämpfenden aber selten schön anzusehenden Mannschaft ausschlug, die die folgenden zwanzig Jahre die große Konstante sein sollte. In jener Zeit, in der Deutschland endgültig seinen Ruf als „Turniermannschaft“ festigte. Mit ihrer Angewohnheit, schlecht zu spielen und trotzdem weit zu kommen.

1974 – BRD Weltmeister, DDR sei Dank

Erst zwei Jahre waren vergangen, seit dem Terror-Anschlag auf die Olympischen Spiele in München. So gesehen war die erstmalige Teilnahme der Nachbarn aus dem Real Existierenden Sozialismus, der zwei Jahre davor Olympia-Bronze geholt hatte und zwei Jahre danach sogar Gold in die DDR heimbringen würde, angesichts der Spannungen zwischen Berlin und Bonn auch nicht ganz unheikel. Zumal die DDR nicht nur in der Vorrunde gegen die BRD gelost wurde, sondern das zweite Gruppenspiel gegen Chile ausgerechnet in West-Berlin austragen musste. Für die DDR-Führung, die West-Berlin nie anerkannte, ein politischer Affront – und dass die DDR-Auswahl gnadenlos niedergepfiffen wurde, obwohl sich in Chile gerade eine überaus brutale Militär-Diktator verdingte, machte die Sache nicht besser.

Das BRD-Team, das 1972 mit Netzer als Regisseur glanzvoll Europameister geworden ist, spielte beim 1:0 gegen Chile unterirdisch, und kaum besser beim 3:0 gegen Australien. Das Flügelspiel mit Flohe und Grabowski lahmte, der alte Overath (30), der statt des formschwachen Netzer spielte, fand nicht ins Turnier, Antreiber Hoeneß agierte mit angezogener Handbremse. So war es nicht ganz unlogisch, dass im Duell gegen die DDR in Hamburg – in dem es dank der geistlosen gegenseitigen Manndeckung praktisch auf dem ganzen Feld vor allem auf den Willen und die Galligkeit ankam – ein spätes Tor von Jürgen Sparwasser den 1:0-Sieg für die DDR brachte.

Was für die BRD nur gut war. Zum einen übernahm Kapitän Beckenbauer (28) in der Nacht danach bei einer heftigen Aussprache im Teamcamp in abgeschiedenen Nest Malente de facto das Kommando in der deutschen Delegation, ein reinigendes Gewitter war das. Und zum anderen kam die DDR als Gruppensieger in die Zwischenrunden-Staffel mit den grandios aufspielenden Holländern, Weltmeister Brasilien und den unguten Argentiniern. Die BRD hatte mit Jugoslawien, Schweden und Polen die deutlich leichteren Gegner erwischt.

Deutschland - Niederlande 2:1 (2:1)
Deutschland – Niederlande 2:1 (2:1)

Dennoch brauchte es auch Glück, um das Finale zu erreichen – hätte es im letzten Spiel gegen Polen nicht aus Kübeln gegossen und auf dem Swimming-Pool-ähnlichen Platz in Frankfurt nicht eine veritable Lotterie gegeben, die Polen hätten vermutlich gewonnen. So aber wurschtelten sich die Deutschen ins Finale, in dem Holland wartete.

Feyenoord und Ajax hatten zuvor viermal hintereinander den Meistercup nach Holland geholt und der junge Bondscoach Rinus Michels (42) brachte die Idee vom „Totaalvoetbal“ um Johan Cruyff auch in die Nationalmannschaft. Es funktionierte: Da jeder alles spielen konnte und es auch tat, waren die zu jener Teil starr in der Idee der Manndeckung agierenden Gegner heillos überfordert.

Im Finale ging Holland durch einen (korrekten) Elfer in der 2. Minute früh in Führung und hatte alles unter Kontrolle, bis Deutschland durch einen (zumindest harten) Elfer zum Ausgleich kam. Kurz vor der Pause legte Gerd Müller das 2:1 nach, ehe sich die Deutschen darauf verlegte, irgendwie das Resultat über die Zeit zu retten. Was dank eines herausragenden Sepp Maier im Tor auch gelang.

1978 – Unappetitlicher Weltmeister

Als die FIFA die folgende Endrunde zwölf Jahre im Voraus nach Argentinien vergab, herrschte dort noch keine brutale Militär-Diktatur. Als das Turnier 1978 kam allerdings sehr wohl. Eines der unappetitlichsten Regimes des 20. Jahrhunderts nützte die Endrunde natürlich schamlos zu Propaganda-Zwecken aus. Sätze wie jener des deutschen Kapitäns Berti Vogts, er habe keine politischen Gefangenen gesehen und darum könnte es ja nicht so schlimm sein, wirken angesichts der wohl ingesamt rund 30.000 beseitigten Regimegegnern wie blanker Hohn.

Um den inneren Widerspruch perfekt zu machen, wurde Argentinien bei der Heim-WM von einem offen linken, langhaarigen Philosophen trainiert. Kettenraucher César Luis Menotti (39), wegen seiner hageren Gestalt „El Flaco“ genannt, der Dürre, verköperte alles, was das Regime verachtete. In der Vorrunde quälte sich sein Team zu zwei knappen Siegen gegen Ungarn und Frankreich und verlor dann gegen Italien – die Druck des Gewinnen-Müssens belastete die Albecelete. Zum einen wegen des Fans, die wegen der eigenen Titellosigkeit gegenüber den drei Erfolgen der Brasilianer bereits einen Minderwertigkeitskomplex entwickelten. Und wegen des Regimes, für das nichts anderes als der Sieg zählte.

Aber auch andere Teams blieben hinter den Erwartungen. Schottland etwa, hoch gewettet, verlor gegen Peru und war schnell draußen. Auch die Spanier, die gerade von einer Militär-Diktatur befreit worden waren, blieben früh hängen. Weltmeister Deutschland gewann weder gegen Polen noch gegen Tunesien, kam aber noch weiter. Die Leistungen wurden nicht besser und die Mini-Chance auf das kleine Finale zerstoben mit einem 2:3 im letzten Zwischenrunden-Spiel gegen die positive Überraschung des Turniers – jene Österreicher, die erstmals nach zwanzig Jahren wieder bei einer WM waren.

In der anderen Gruppe brauchte der Gastgeber einen hohen Sieg gegen Peru, um noch das Finale gegen die weiterhin starken Holländer zu erreichen. Peru legte sich auf den Rücken und ließ sich 6:0 überrollen. Man kann es als erwiesen betrachten, dass Argentinien dem befreundeten Regime in Lima gigantische Lebensmittelmengen als Gegenleistung lieferte und unliebige Oppositionelle beseitigte.

Argentinien - Niederlande 3:1 n.V. (1:1, 1:0)
Argentinien – Niederlande 3:1 n.V. (1:1, 1:0)

Auch vorm Endspiel wurde mit allen Mitteln gearbeitet, um Argentinien einen Vorteil zu verschaffen: Für den holländischen Bus gab es bei der Anfahrt keine adäquate Eskorte, dann ließ die Albiceleste den Gegner minutenlang vorm Anpfiff alleine am Rasen warten, wo sie dem Furor der Menge ausgeliefert war und bewegte sich erst zum Anstoß, als die Handmanschette von René van de Kerkhof entfernt war – die war während des ganzen Turniers kein Problem gewesen.

Das Team um Libero Daniel Passarella (25), den zierlichen Giftzwerg Osvaldo Ardiles (26) und den kraftvollen Torschützenkönig Mario Kempes (24) hatte das Spiel unter Kontrolle, ging nach einer halben Stunde durch Kempes in Führung und hielt die von Ernst Happel betreuten Holländer lange gut in Schach. Bis Joker Dick Nanninga zehn Minuten vor Schluss das 1:1 besorgte und Rob Rensenbrink in der Nachspielzeit noch eine Riesenchance hatte, aber nur den Pfosten traf.

So ging’s in die Verlängerung, wo erst Mario Kempes das 2:1 besorgte und dann Rechtsaußen Daniel Bertoni mit dem 3:1 den Deckel draufmachte. Holland hatte zum zweiten Mal hintereinander ein WM-Finale verloren.

Das einzige WM-Finale nach 1938 und bis 2006 im Übrigen, in dem weder Brasilien noch Deutschland vertreten war.

1982 – Durchgebrunzt

Im Sommer 1982 wurde Spanien von einer fast noch nie gesehenen Hitzewelle überzogen – praktischerweise genau während der WM. Die dennoch einige Glanzlichter sah, vor allem von den Brasilianern. Die Seleção um Sócrates und Zico verzauberte die Welt mit wunderschönem Fußball. Dass sie das Turnier gewinnen würden, stand früh außer Frage, bis ein 2:3 in der Zwischenrunde gegen Italien doch alles zunichte machte.

Weil sich bei den tropischen Bedinungen diejenigen Teams am besten hielten, die möglichst langsam anfingen. So wie Italien – mit drei Remis in der Vorrunde in einer Gruppe mit Polen, Kamerun und Peru durchgebrunzt. Wie die Deutschen, sie sich nach einer erstaunlichen Auftaktpleite gegen Algerien mit einem Nichtangriffspakt gegen Österreich in die Zwischenrunde schummelten. Wie EM-Finalist Belgien, der El Salvador 1:0 bewzang – vier Tage, nachdem die Mittelamerikaner in ein 1:10 gegen Ungarn gelaufen waren.

Die Italiener, die von einem Wettskandal in der Serie A erschüttert nach Spanien fuhren, fanden immer besser zusammen und zwei Tore von Paolo Rossi, einem Hauptbeteiligten an dieser unschönen Sache, sicherten das 2:0 im Halbfinale gegen Polen. Während Europameister Deutschland gegen Frankreich alles in die Waagschale werfen musste. Vor lauter Einsatz rammte etwa Goalie Toni Schumacher Gegenspieler Battiston mehrere Zähne aus dem Gebiss. Nach einem 1:1 war Frankreich in der Verlängerung schon 3:1 voran, letztlich gewann aber Deutschland im Elferschießen.

Italien - Deutschland 3:1 (0:0)
Italien – Deutschland 3:1 (0:0)

Im Endspiel trafen sich dann eine wenig spektakuläre italienische und eine wenig spektakuläre deutsche Mannschaft in einem auch nicht besonders spektakulären Spiel. Erst nach einer Stunde brach Paolo Rossi die Gegenwehr, die körperlich erledigten Deutschen konnten nicht mehr kontern. Ehe Paul Breitner das Ehrentor erzielen konnte, hatten Marco Tardelli und der früh für den verletzten Graziani eingewechselte Alessandro Altobelli schon eine komfortable 3:0-Führung heraus geschossen.

Italien schloss mit dem dritten Titel, dem ersten nach 44 Jahren, mit Brasilien auf, war damit Rekord-Weltmeister – und wurde als solcher in der folgenden EM-Quali Gruppenvierter. Hinter Rumänien, Schweden und der Tschechoslowakei.

1986 – Die Hand Gottes

Deutschland quaifizierte sich zwar, krachte aber schon in der Vorrunde raus und schasste Bundestrainer Jupp Derwall. Für ihn kam der mittlerweile 39-jährige Franz Beckenbauer, ohne Trainerlizenz, aber mit großen Hoffnungen.

Mexiko durfte 16 Jahre nach dem ersten Mal schon wieder eine Endrunde ausrichten. Weil Kolumbien sich mit der Ausrichtung der WM finanziell zu überheben drohte, sprang Mexiko kurzfristig ein. Wieder waren es dabei die Höhenlage und die Hitze, die den Teams zu schaffen machte. Und wieder waren es die weniger glanzvoll agierenden Teams, die letztlich auftrumpften.

Allen voran waren es nämlich die Dänen, die im Vorfeld schon als heißer Titelkandidat gehandelt wurden und entsprechend spektakulär durch die Gruppenphase schnitten – etwa mit einem 6:1 gegen Uruguay und einem 2:0 gegen Deutschland, ehe man im Achtelfinale Spanien ins offene Messer lief. Auch Brasilien zeigte wieder Fußball für’s Auge, scheiterte aber im Viertelfinale an Frankreich.

Womit wieder die Stunde der Durchwurschtler schlug – die der Deutschen. Ziemlich harzige Vorrunde, ein Gequäle beim 1:0 gegen Marokko, ein Gewürge mit Sieg im Elferschießen gegen Mexiko, eine Zitterei bis zum Schlusspfiff im Halbfinale gegen Europameister Frankreich. Schlimm war das. Und schlimm war auch, wie Argentinien im Viertelfinale England bezwang – mit einem wunderschönen Solo von Maradona und einer nicht so schönen Handarbeit von Maradona. Der trotz eindeutiger Beweise darauf beharrte, es wäre die Hand Gottes gewesen, die den Treffer erzielt hätte. Ja, eh.

Argentinien - Deutschland 3:2 (1:0)
Argentinien – Deutschland 3:2 (1:0)

Das Argentinien von 1986 hatte rein gar nichts mehr mit dem von 1978 zu tun. Unter Carlos Bilardo wurde ein strenger Defensiv-Fußball gespielt, mit einem Libero, zwei Manndeckern, zwei Außendeckern und drei Abfangjägern.

Vor und nach dem 1:0 durch Libero José Luis Brown – Schumacher hatte eine hohe Flanke falsch eingeschätzt – blieb es auch im Endspiel eher mäßig unterhaltsam, was auch an der Anstoßzeit von 12.00 Uhr Mittags lag – es war einfach zu heiß für grandiosen Tempo-Fußball. Und als Jorge Valdano nach einer Stunde auf 2:0 stellte, glaubte niemand mehr daran, dass die biedere Arbeiter-Truppe aus Deutschland das noch aufholen könnte.

Vor allem, weil Argentinien nun die Schotten dicht machte. Dass man Deutschland nie abschreiben soll, auch wenn man noch so eine durchschnittliche Truppe am Start hat, zeigte sich aber auch in diesem Spiel: Zwei Ecken, zwei Tore – eins von Kapitän Karlheinz Rummenigge, eins vom eingewechselten Rudi Völler – sorgten in den Minuten 74 und 81 für den Ausgleich.

Entscheidend war aber letztlich dennoch das Genie von Diego Maradona – sein Zuckerpass in eine entblößte Abwehr auf Burruchaga brachte das 3:2 und den zweiten Titel für Argentinien.

1990 – Höhepunkt der Langeweile

Mit Holland wurde eine absolut offensiv orientierte Mannschaft Europameister, aber die generelle Tendenz im Weltfußball war klar defensiv. Die Spiele waren immer mehr geprägt von Sicherheitsdenken, und die Endrunde in Italien bildete den Höhepunkt davon. Alleine im Spiel gegen Deutschland fabrizierte etwa der Außenseiter aus der Vereinigten Arabischen Emiraten über 50 Rückpässe, die Muhsin Musabah allesamt sehr zeitintensiv mit der Hand aufnahm – das Resultat dieses generellen Trends zum Sicherheitsdenken kulminierte in einem Turnier voller quälend langweiliger Spiele, für die sich das Heimpublikum aus der Serie A begeistern konnte, der Rest der Welt aber nicht. Direkte Folge: Die Rückpassregel.

Was der Rest der Welt sah, war ein Titelverteidiger, der über weite Strecken agierte wie in der ganzen Zeit seiner Regentschaft: Eine seltsam leblose Truppe, die sich eine Ohrfeige nach der anderen abholte – zunächst auch, nachdem der zunehmend panische Verband im Vorfeld der WM Carlos Bilardo als Teamchef zurück holte. Im Eröffnungsspiel gab’s gleich mal ein 0:1 gegen Kamerun, der Weltmeister schummelte sich als Gruppendritter noch irgendwie ins Achtelfinale. Nach einer Vorrunde, in der nur ein einziges der 24 Teams mehr als sechs Tore zustande gebracht hatte. Und war die Vorrunde zumindest nur spielerisch nicht schön, wurde es im Achtelfinale richtig ekelhaft, als Frank Rijkaard zielsicher in die Lockenpracht von Rudi Völler spuckte.

Das einzige Team, das alle mit seiner positiven Herangehensweise auf seine Seite schlug, war Kamerun. Nach dem überraschenden Sieg im Eröffnungsspiel wurde das Team um Oldboy Roger Milla (38) Gruppensieger und eliminierte im Achtelfinale die hochgewetteten Kolumbianer um den wandelnden Wischmop Carlos Valderrama. So wurde Kamerun das erste afrikanische Team in einem WM-Viertelfinale, und hätte man nicht gegen ein (wie es dem Zeitgeist halt entsprach) sehr diszipliniertes, aber nicht gerade funkeldes Team aus England im Viertelfinale nicht äußerst unglücklich und unverdient nach Verlängerung verloren, man wäre sogar das erste und bis heute einzige afrikanische Team in einem Halbfinale gewesen.

Von allen guten Teams die stabilsten waren die Deutschen und die Italiener. Die Gastgeber kassierten auf ihrem Weg ins Halbfinale nicht ein einziges Gegentor und man hatte mit Toto Schillaci den überraschenden Torschützenkönig in seinen Reihen, aber gegen Argentinien war im Elfmeterschießen Schluss. Und auch das andere Halbfinale ging ins Shoot-Out, dieses entschied Deutschland gegen England für sich – so gab es eine exakte Neuauflage des Finales von 1986. Das einzige Mal, das es zweimal hintereinander die gleichen Länder ins Endspiel geschafft hatten.

Deutschland - Argentinien 1:0 (0:0)
Deutschland – Argentinien 1:0 (0:0)

Diesmal war aber alles umgekehrt. Deutschland war eine stabile, gutklassige Mannschaft, die den amtierenden Europameister besiegt hatte, die die starken Tschechoslowaken auch mit einer schlechten Leistung bezwangen. Argentinien hingegen mogelte sich so ins Finale, wie das vier Jahre davor die Deutschen getan hatten: Zitter-1:0 gegen Brasilien, Elferschießen gegen Jugolsawien, Elferschießen gegen Italien, in keinem Spiel die bessere Mannschaft. Ein zynisches Team, das noch mehr als das von 1986 von Maradona lebte. Von einer humorlosen Defensive. Und von einer Spielweise, die mit Fug und Recht als „schmutzig“ zu bezeichnen ist.

Das Endpsiel von Rom beendete Argentinien nach den Ausschlüssen von Dezotti und Troglio mit acht Feldspielern, dennoch brauchte es einen späten Elfmeter für den hochverdienten Sieg der Deutschen. Andi Brehme versenkte den Ball im rechten Torwart-Eck und Deutschland hatte nach zwei verlorenen Finals endlich den dritten Titel in der Tasche. Nachdem man vier der vergangenen fünf Endspiele erreicht hatte war man nun gemeinsam mit Brasilien und Italien Rekord-Weltmeister.

Und weil die gut ausgebildeten Spieler der ehemaligen DDR nach der Endrunde zum deutschen Team stießen, ließ sich der scheidende Teamchef Beckenbauer zu dem Sager hinreißen, dass Deutschland nun „auf Jahrzehnte hin unschlagbar sein“ werde. Der Kaiser irrte. Rom war nicht der Startpunkt einer deutschen Ära. Sondern ihr Ende. Die Globalisierung des Fußballs hielt Einzug, eine Entwicklung, die Deutschland komplett verschlief. Aber mehr dazu in Teil 4!

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WM-Geschichte für Einsteiger (1) https://ballverliebt.eu/2014/06/06/wm-geschichte-fuer-einsteiger-1/ https://ballverliebt.eu/2014/06/06/wm-geschichte-fuer-einsteiger-1/#comments Fri, 06 Jun 2014 10:44:38 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=10220 WM-Geschichte für Einsteiger (1) weiterlesen ]]> Das war eine feine Sache, dieses Olympische Turnier von Amsterdam 1928. Genau wie jenes von 1924. Wenn man davon ausgeht, dass die FIFA damals schon so tickte, wie sie heute tickt (und zeitgenössische Berichte deuten darauf hin), musste sie der Neid gepackt haben. Kurz: Es kann nicht sein, dass die Entscheidung, wer denn die beste Nationalmannschaft im Fußball ist, bei den Kollegen des IOC fällt. Schließlich war man ja selbst der Weltverband.

1930 – ein besseres Jux-Turnier

Nach einem Rundruf in Europa und Südamerika – jenen beiden Kontinenten, die schon voll im Fußballfieber waren – meldeten sich von Italien bis Spanien jede Menge Länder, die sich die Austragung vorstellen konnten. Aber nur eine war bereit, die Kosten selbst zu tragen. Das war Uruguay. Logisch: Die letzten beiden olympischen Turnieren hatte das kleine Land zwischen Brasilien und Argentinien gewonnen, da ließ man sich nicht lumpen.

Anders als praktisch alle europäischen Länder, denen die Überfahrt zu teuer, zu strapaziös und überhaupt das Turnier dann irgendwie doch nicht wichtig genug war. Gab ja nichts zu verdienen und es war schließlich Welt-Wirtschaftskrise. So brauchte es auch keine Qualifikation, nein, man war froh, überhaupt 13 Teams zusammenkratzen zu können, davon sieben alleine aus Südamerika.

Finale 1930: Uruguay - Argentinien 4:2 (1:2)
Uruguay – Argentinien 4:2 (1:2)

Kein Wunder, dass sich letztlich mit Uruguay und Argentinien auch die Kontrahenten des Olympia-Finales von zwei Jahren davor im Finale trafen. Wie „professionell“ das Turnier organisiert war, zeigt auch die Tatsache, dass es die FIFA nicht mal für nötig befunden hatte, einen Ball zu bestimmen, mit dem gespielt werden sollte. So brachten die Finalisten jeweils ihren eigenen mit – Argentinien spielte vor der Pause mit dem eigenen Spielgerät eine 2:1-Führung heraus.

Nach dem Seitenwechsel war es aber wohl so, dass Uruguay es besser verstand, bei allem Individualismus der damals in Mode war, auch hie und da zu verteidigen. Die Celeste kassierte keinen Treffer mehr, aber schoss noch drei – so wurde Uruguay mit einem 4:2-Sieg erster Fußball-Weltmeister.

1934 – Auf Mussolinis Geheiß

Die Europäer sahen, dass das erste Turnier ein schöner Erfolg war und drängten nun doch auf den Markt. Italien bekam anderthalb Jahre nach dem Turnier in Uruguay den Zuschlag, das Turnier 1934 zu veranstalten. Sehr zur Freunde des faschistischen Diktators Benito Mussolini, der den Sport als hervorragendes Propaganda-Material betrachtete.

Deshalb wurden flugs ein paar argentinische Vize-Weltmeister von 1930, die in ihrer Ahnengalerie irgendwo was Italienisches aufweisen konnten, eingebürgert. Was Vittorio Pozzo, einem strammen Nationalisten (wenn auch, wie man später offenbar herausfand, kein Faschist) im Geiste und bedingungslosen Pragmatisten in Fußball-Fragen, nur recht war. Er ging zwar vom vorherrschenden 2-3-5 nicht grundsätzlich ab, verpasste dem Team eine defensive Grundausrichtung (sprich: Manndeckung) und setzte im Aufbau auf das Genie Giuseppe Meazza.

Hätte aber alles nichts geholfen, wenn nicht von oben ein wenig nachgeholfen worden wäre. Im Halbfinale gegen jene Österreicher, die in den Jahren davor als „Wunderteam“ die Konkurrenz demolierten, brauchte es schon eine ziemlich, nun ja, eigenwillige Schiedsrichter-Performance des Schweden Eklind. Dieser war vor dem Spiel von Mussolini persönlich eingeladen worden, erkannte dann einen Treffer von Rechtsaußen Enrique Guaita an, obwohl der österreichische Goalie von drei Italienern behindert wurde, und klärte später eine österreichische Flanke sogar höchst selbst. Italien siegte 1:0, der zeitgleiche Finaleinzug der Tschechoslowaken war deutlich weniger umstritten – 3:1 gegen die Deutschen.

Italien - Tschechoslowakei 2:1 n.V. (1:1, 0:0)
Italien – Tschechoslowakei 2:1 n.V. (1:1, 0:0)

Wegen seiner „hervorragenden“ Spielleitung im Halbfinale durfte Eklind auch das Endspiel von Rom leiten, wieder zeigten seine Entscheidungen einen gaaanz leichten Drall Richtung Italien. Die harte Gangart der Squadra Azzurra war ihm egal, dummerweise für die Italiener aber auch dem Gegner. Die Tschechoslowaken nämlich ließen sich nicht unterkriegen und glichen in der zweiten Halbzeit sogar zum 1:1 aus, weshalb es in die Verlängerung ging.

Kurz nach Beginn dieser sorgte allerdings Angelo Schiavio, Mittelstürmer aus Bologna, für das Tor zum 2:1. Es war der Endstand, Italien war Weltmeister – sehr zur Freude von Mussolini. Seine selbstgestellte Mission war erfüllt, und er selbst war daran wohl nicht ganz unbeteiligt.

1938 – Großdeutsche Blamage

Was die WM 1934 für Mussolini war, hätten zwei Jahre später die Olympischen Spiele von Berlin für seinen Diktator-Kollegen aus Deutschland werden sollen, dem kam da aber ein gewisser Herr Owens, Sprinter aus den USA, dazwischen, der den deutschen Modellathleten die Show gestohlen hat.

Knapp zwei Jahre später verleibte sich sein Land in Anbahnung eines Weltkriegs Österreich ein, und weil die athletischen und robusten Deutschen eine echt gute Mannschaft hatten und die flinken, technisch versierten Österreicher mit ihrem „Scheiberlspiel“ ebenso, hielt man die neu geschaffene Verbindung daraus für beinahe unschlagbar. Das Gegenteil war aber der Fall: Zwei so verschiedene Stile konnten in den wenigen Wochen zwischen Anschluss und WM nicht zusammengeschweißt werden und das großdeutsche Team flog bei der WM in Frankreich schon in der allerersten Runde raus. Gegen die kleinen, neutralen Schweizer. Wie peinlich.

Sogar Kuba hatte die erste Runde überstanden, aber am Ende stand wie schon vier Jahre davor ein Finale zwischen den humorlosen Italienern und einem Team aus dem spielstarken mitteleuropäischen Raum – diesmal den Ungarn. Diese waren im Semifinale gegen Schweden schon nach wenigen Sekunden im Rückstand, gewann aber noch 5:1, während Italien gleichzeitig die Brasilianer mit ihrem Superstar Leonidas mit 2:1 Einhalt bieten konnten.

Italien - Ungarn 4:2 (3:1)
Italien – Ungarn 4:2 (3:1)

Im Endspiel starteten die Italiener forsch und führten schon nach einer halben Stunde mit 3:1, danach verlegten sie sich darauf, den ungarischen Wirbelwind zu bremsen und die Führung über die Zeit zu bringen. Halb durch die zweite Hälfte gelang Kapitän György Sarosi – der nach dem Krieg nach Italien ging und dort bis zu seinem Tod mit über 80 Jahren blieb – der 2:3-Anschlusstreffer, aber mit dem Tor zum 4:2 zehn Minuten vor Schluss machte Silvio Piola von Lazio den Deckel drauf.

Die spannendste Figur in diesem Finale war aber Alfred Schaffer, der Trainer der Ungarn. Er suchte sich schon als Aktiver seine Vereine nach den Verdienstmöglichkeiten aus, gilt somit als erster kontinentaler Profi. So spielte er schon in den 1920-ern in Deutschland, arbeitete als Trainer dort genauso wie in Wien und auch in Italien, ehe er kurz nach Kriegsende 1945 tot in einem Zug in Prien am Chiemsee gefunden wurde. Weshalb er mit 52 Jahren starb, kam nie raus.

1950 – Maracanazo

Seine Bemühungen, Fußball-Weltmeister zu werden, gingen schief, aber Hitler schaffte es sehr wohl, mit dem von ihm angezettelten Weltkrieg die zwei folgenden Endrunden zu verhindern. Jene 1942 hätte er gerne im Deutschen Reich stattfinden gesehen, 1946 hatte die Welt verständlicherweise ganz andere Sorgen als ein Fußball-Turnier. Auch für 1950 standen die Bewerber nicht gerade Schlange. Brasilien hob schließlich als einziger die Hand. Deutschland war wegen der Kriegsschuld (wie auch Japan) ausgeschlossen.

Und durfte auch England begrüßen. Das Team von der Insel hatte die ersten drei Turniere verweigert, weil man ja ohnehin felsenfest davon überzeugt, war dem Rest der Welt um acht bis zwölf Klassen überlegen zu sein, und um dies zu demostrieren, ließ sich die FA herab, um Superstar Stanley Matthews herum eine Mannschaft nach Südamerika zu schicken – die dann prompt gegen eine bunt zusammengewürfelte Hobbykicker-Truppe aus den USA 0:1 verlor und wie begossene Pudel schon nach der Vorrunde rausflogen. In der Heimat glaubte man bei der Übermittlung des Resultats „0:1“ an einen Tippfehler, korrigierte diesen auf „10:1“ und freute sich des vermeintlichen Sieges.

Qualifiziert, aber nicht dabei war dafür das Team aus Indien. Die weit verbreitete Geschichte, man habe das Antreten verweigert, weil die FIFA die Inder nicht barfuß antreten lassen wollte, ist eine nette, aber falsche Story. Die Reise nach Brasilien war dem indischen Verband schlicht zu teuer. Ein schönes Einkommen sicherte dafür der von Brasilien vorgeschlagene neue Modus: Vier Gruppen, dann eine Finalgruppe von vier Teams statt des gruppenlosen K.o.-Modus von vor dem Krieg. Die Betonköpfe von der FIFA waren dagegen, gaben aber dann doch nach, weil die Veranstalter gedroht hatten, sonst kein Turnier zu veranstalten.

Brasilien - Uruguay 1:2 (0:0)
Brasilien – Uruguay 1:2 (0:0)

Die Endrunde fand statt, und nach dem frühen Aus der Engländer war eigentlich klar, dass nur Brasilien Weltmeister werden konnte. In der Finalrunde wurde Schweden 7:1 und Spanien 6:1 demoliert, sodass im letzten Spiel gegen Uruguay ein Remis reichte. So sicher waren sich die Hausherren, dass die Zeitungen schon am Tag des letzten Spieles den Titel feierten.

Offiziell 171.000, in Wahrheit wohl deutlich mehr, wollten im Maracanã bei der Krönung dabei sein, sie sahen aber die größte Katastrophe in der Geschichte der Seleçao: Hinten hielt Maspoli (bis auf einen Schuss von Friaça) alles, Uruguay nahm die Angreifer der Favoriten in Manndeckung und nützte es vorne aus, dass niemand wirklich verteidigen wollte und Linksverteidiger Bigode die Hosen gestrichen voll hatte. Erst glich nach einer Stunde Schiaffino aus, zehn Minuten vor Schluss schoss der zierliche Alcides Ghiggia den 2:1-Siegtreffer für Uruguay.

Die traurige Folge des „Maracanazo“ war eine Selbstmord-Welle in Brasilien – die bereits begann, indem sich einige schockierte Zuseher über die Brüstung des Stadions stürzten.

1954 – Goldenes Team nur mit Silber

Die Deutschen durften vier Jahre später in der Schweiz wieder mitmachen, wurden aber immer noch mit Argwohn betrachtet. Sportlich wurde das Team aber ohnehin als weitgehend chancenfrei betrachtet, weil es ja nur einen Weltmeister geben konnte: Ungarn. Das „Goldene Team“ um Ferenc Puskás und Nandor Hidekguti war das mit sehr viel Abstand beste der Welt, gewann als erste kontinentale Mannschaft ein Jahr davor im Wembley mit 6:3, und um zu beweisen, dass das kein Zufall war, legte man im letzten Spiel vor der WM gleich nochmal ein 7:1 in Budapest nach. Die Frage war nur, wer im Finale gegen die Ungarn verlieren durfte – die heißesten Kandidaten waren die wiedererstakten Österreicher um Ocwirk, Hanappi und Happel; die Engländer, Weltmeister Uruguay und die noch immer stinkigen Brasilianer.

Ungarn prügelte Südkorea 9:0, eine nicht in Bestbesetzung auftretende deutsche Mannschaft 8:3, schaltete im Viertelfinale ohne nennenswerte Probleme Brasilien 4:2 aus und traf erst im Halbfinale auf Widerstand – gegen Uruguay brauchte es die Verlängerung. Österreich entwickelte sich zum logischen Finalgegner, aber im Viertelfinale musste man bei über 40 Grad gegen den Gastgeber antreten, Torhüter Rudi Hiden erlitt einen Sonnenstich und musste quasi ferngesteuert werden. Österreich gewann zwar 7:5 (ein lächerliches Ergebnis, eigentlich), kroch aber im Halbfinale am Zahnfleisch und ging gegen die Deutschen 1:6 unter.

Deutschland - Ungarn  3:2 (2:2)
Deutschland – Ungarn 3:2 (2:2)

So waren die Deutschen also doch im Endspiel. Der Dauerregen, der sich am Finaltag über Bern ergoss, machte den Ungarn zwar etwas sorgen – im tiefen Boden fiel ihnen ihr flinkes, technisch starkes Kombinationsspiel deutlich schwerer – aber als Puskás und Czibor nach zwei deuschen Abwehrfehlern schon nach acht Minuten eine 2:0-Führung herausgeschossen hatten, war der ungarische Sieg nur noch eine Frage der Höhe.

Dachten wohl auch die Ungarn selbst. Doch die kampfbetonte deutsche Spielweise und ihre Spezialschuhe von Zeugwart Adi Dassler (Herr Adidas) – die hatten Schraubstollen. Das, in Verbindung mit dem Regen, in Verbindung mit Bruder Leichtsinn bei den Ungarn, führte dazu, dass die Deutschen schnell zum 2:2-Ausgleich kamen. Das vor allem auch deshalb lange Bestand hatte, weil Toni Turek im deutschen Tor einen fantastischen Tag hatte.

Kurz vor Schluss sorgte ein flacher Schuss ins linke Eck von Helmut Rahn für das 3:2 und die Entscheidung – zum zweiten Mal hintereinander hatte der haushohe Favorit im entscheidenden Spiel gegen einen krassen Außenseiter verloren.

Ungarn kam nie wieder auch nur in die Nähe eines WM-Endspiels. Brasilien dafür schickte sich an, die Fußball-Welt zu dominieren. Aber mehr dazu in Teil 2!

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Messi kann auch für Argentinien glänzen – 4:1-Erfolg gegen Chile https://ballverliebt.eu/2011/10/08/messi-kann-auch-fur-argentinien-glanzen-41-erfolg-gegen-chile/ https://ballverliebt.eu/2011/10/08/messi-kann-auch-fur-argentinien-glanzen-41-erfolg-gegen-chile/#respond Sat, 08 Oct 2011 01:22:45 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5892 Messi kann auch für Argentinien glänzen – 4:1-Erfolg gegen Chile weiterlesen ]]> Nach einer vom Niveau her eher mauen, aber sehr ausgeglichenen Copa América geht’s nun in die WM-Quali – und Argentinien versucht mit einem neuen Teamchef, den peinlichen Auftritt bei der Copa vergessen zu machen. Den Chilenen zog man mit starkem Pressing und einem im System funktionierenden Messi den Zahn.

Argentinien - Chile 4:1

Argentiniens neue Teamchef Alejandro Sabella formierte sein Team in einem 4-2-3-1, mit Messi als Zehner hinter Higuain, auf den Flanken waren José Ernesto Sosa und Angel di María aufgestellt. Eines der Hauptprobleme der Argentinier bei der Copa América war die Tatsache, dass man unter Batista nicht nur Messi nicht zum funktionieren brachte, sondern vor allem, dass das Flügelspiel praktisch gar nicht vorhanden war – was das Messi-Problem zu einem guten Teil mit verursacht hat.

Nun ist es so, dass Chile eine Mannschaft ist, die übrlicherweise ganz besonders über die Flügel kommt. Oder besser: Über die Flügel kam, denn unter Claudio Borghi verengte sich das Spiel der Chilenen merklich. Er setzte auf ein 3-1-4-2 mit zwei echten Zehnern in der Mitte (Valdivia und Matí Fernández), die Flügel waren jeweils die weitgehend alleinige Verantwortung von Isla und Beaugejour.

Platz hinter Isla

Das funktioniert üblicherweise recht gut, wenn die Chilenen im Zentrum mit ihrem Pressing und ihrem technisch beschlagenen Tempospiel das Geschehen kontrollieren. Das klappt aber nicht, wenn man den Kampf um die Pressing-Hoheit verliert, aber dennoch weit aufrückt. Genau das passierte vor allem Mauricio Isla in der Anfangsphase erstaunlich oft: Er war zu weit aufgerückt, und Angel di María nützte den freien Platz hinter Isla zu gefährlichen Angriffen.

So wie in der 7. Minute, als bei ein Freistoß der Chilenen in der Mauer landete, blitzschnell umgeschaltet wurde, und Di María den vielen Platz nützte, um mit einem präzisen Pass Higuain zu bedienen – das 1:0 für Argentinien war gefallen. Und nach disem Strickmuster kamen noch einige weitere Angriffe, ehe Gonzalo Jara die Zeichen der Zeit erkannte und sich vermehrt auf den Flügel orientierte.

Kaum ein Weg nach vorne

Chile kam gegen das starke Pressing der Argentinier überhaupt nicht dazu, aus dem Mittelfeld heraus die Spitzen zu bedienen. Der Ball wurde zwar durch schnelle Vertikalpässe schnell über die Mittellinie gebracht, dort ging es dann aber nur noch in die Breite. Banega und Braña machten das Zentrum zu, schalteten Fernández und Valdivia aus und beteiligten sich wie alle anderen fleißig daran, Druck auszuüben.

Hinzu kam, dass Solospitze Higuain ein Arbeitspensum an den Tag legte, das seinesgleichen sucht. Der Stürmer von Real Madrid ließ sich oft nach hinten fallen, um dann entweder mit Tempo auf die wegen der hoch stehenden Wing-Backs recht auseinandergezogene chilenische Dreierkette zu stürmen, oder aber die startenden Messi oder Di María zu bedienen. So wie beim 2:0.

Argentinien bestraft Chiles offensive Anlage…

Chile wurde für den Versuch, positiven Fußball nach vorne zu spielen, von den cleveren Argentiniern brutal bestraft, denn zumindest in der Anfangsphase tat sich die Albicelete schon schwer, das Spiel selbst konstruktiv nach vorne zu tragen. Da kamen Messi und Co. die Räume, die die Chilenen durch ihre offensive Spielweise offenließen, sehr entgegen.

Erstaunlicherweise änderte Claudio Borghi für die zweite Hälfte genau gar nichts; dumm also, dass das Defensivverhalten der ganzen Mannschaft, ganz speziell von Abwehrboss Waldo Ponce, mit „recht nachlässig“ noch sehr wohlwollend beschrieben werden kann. Die chilenische Hintermannschaft stand jender der Argentinier dabei zwar kaum wirklich etwas nach, aber die Argentinier sind einfach kaltschnäuziger im Abschluss. Auch wenn Higuain beim 3:0 nach einer Flanke von Di María (der davor von Messi bedient worden war) wohl im Abseits stand.

…Chile die schwache Gaucho-Abwehr aber nicht

Das größte Problem von Chile ist es schon länger, das war unter Bielsa schon nicht anders, dass die Chancenverwertung deutlich unterdurchschnittlich ist. Daran wäre Chile fast in der WM-Vorrunde gescheitert, daran ist Chile bei der Copa América eigentlich viel zu früh im Viertelfinale gegen Venezuela tatsächlich gescheitert.

Die argentinische Abwehr zeigte sich in diversen Situationen alles andere als sattelfest, aber es braucht schon eine ganz besondere Slapstick-Einlage, um sich tatsächlich ein Gegentor einzufangen. Was aber nichts machts, weil man kurz davor das Geschenk dankend zurück gab und Hinguain sein drittes Tor in diesenm Spiel ermöglichte. Dieses 4:1 machte den Deckel auf die Partie.

Spiel gelaufen

Die Argentinier stellten daraufhin den Nachdruck in ihrem Spiel ein und gewährten Chile mehr Platz und auch mehr Zeit am Ball, man blieb selbst aber durch schnelle Gegenstöße in die weitgehend entblößte Hintermannschaft von Chile immer wieder gefährlich, ja, Argentinien war auch in dieser Phase dem fünften Tor näher als Chile dem zweiten.

Viele wirklich geplante Aktionen brachten die beiden Teams nun nicht mehr so richtig zu Wege, es war eher ein recht wildes Hin und Her ohne größere Strategie dahinter – was wie eine offene Partie aussah, war aber letztlich nur das Lockerlassen der Zügel seitens der Argentinier, die genau wussten, dass das Spiel gewonnen war.

Fazit: Sabella bringt Messi mit Pressing ins Spiel

Der Schlüssel zum Sieg für Argentinien war nicht nur die gute Chancenverwertung gegenüber den vor dem Tor bekannt schlampigen Chilenen, sondern vor allem das gewonnene Pressing-Duell. Messi und Co. ließen Chile kaum Zeit am Ball, ließen sie somit nie ihr gefürchtetes Tempospiel aufziehen und zogen dem Team von Claudio Borghi relativ schnell den Zahn. Ohne Alexis Sánchez fehlt den Chilenen in der Vorwärtsbewegung jeglicher Nachdruck und in der Abwehr machte vor allem der sonst so zuverlässige Waldo Ponce einen erschütternd fahrigen Eindruck.

Nach den Katastrophen Maradona und Batista auf der Position des Teamchefs dürfte Argentinien mit Alejandro Sabella nun endlich einen Mann gefunden haben, der tatsächlich weiß, was er tut, und nicht nur von seinen Meriten als Spieler oder seinem Standing innerhalb des Verbandes profitiert, wie das seine zwei weitgehend sinnbefreiten Vorgänger gemacht haben.

Vor allem das Verwenden des konsequenten Pressing ließ Lionel Messi aufblühen. Das ist genau sein Spiel, das er von Barcelona kennt, und das er auch braucht, um seine Qualitäten voll ausspielen zu können. Das gelang vor allem im Zusammenspiel mit Di María und Higuain wirklich gut.

Sodass dieser 4:1-Sieg ein echter Indikator dafür ist, dass Messi im argentinischen Trikot durchaus funktionieren kann.

(phe)

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Copa, VF 1/2: Argentinien ist raus! https://ballverliebt.eu/2011/07/17/copa-vf-12-argentinien-ist-raus/ https://ballverliebt.eu/2011/07/17/copa-vf-12-argentinien-ist-raus/#comments Sun, 17 Jul 2011 01:37:34 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=5327 Copa, VF 1/2: Argentinien ist raus! weiterlesen ]]> Es hatte sich schon in der Gruppenphase angedeutet. Und im Viertelfinale war es nun soweit: Gastgeber Argentinien scheidet bei der Copa América aus! Weil Uruguay auch in Unterzahl das Konzept eisenhart durchzog, Torhüter Muslera eine Weltklasse-Leistung bot. Und Tévez im Elfmeterschießen nicht traf. Der Lohn für Uruguay: Halbfinale gegen Senstations-Team Peru, das Kolumbien eliminierte!

Argentinien - Uruguay 1:1 n.V., 4:5 i.E.

Die Formation, die Sergio Batista in dieses Viertelfinale schickte, war die selbe wie beim überzeugenden 3:0 gegen Costa Rica. Allerdings schafften es die Urus, wie nicht anders zu erwarten war, deutlich besser, damit umzugehen: Sie spielten kompromisslos gegen den Mann, sehr körperlich und robust. Ohne den weiterhin nicht fitten Edinson Cavani griff Teamchef Tabárez auf jenes 4-4-2 zurück, mit dem er Mexiko mit 1:0 geschlagen hatte.

Der frühe Führungstreffer für Uruguay – Diego Pérez war am langen Pfosten alleinegelassen worden, sodass er die Kopfballablage nach einem Freistoß über die Linie drücken konnte – spielte der Celeste natürlich zusätzlich in die Hände. Was Tabárez spielen ließ, hatte mitunter etwas von Manndeckung

Mann gegen Mann

So passte in der Zentrale Egídio Arévalo explizit auf Messi auf, Diego Pérez übernahm den wiederum auf halblinker Position agierenden Di María; der von der linken Flanke nach innen ziehenden Kun Agüero wurde von Maxi Pereira, mit der Ausnahme von ein oder zwei Szenen, zur Unsichtbarkeit degradiert.

Der Schlüsselspieler bei Uruguay war aber einmal mehr Álvaro Pereira auf der linken Mittelfeldseite. Er schaffte es zum einen, den gegen Costa Rica noch sehr starken Mariano Zabaleta weit hinten zu binden, was dem argentinischen Spiel das letzte Fünkchen Breite nahm. Und andererseits war er der Hauptlink zwischen Defensive und dem Stürmerduo Forlán/Suárez. Keine neue Rolle für ihn: Das war schon bei der WM in Südafrika sein Job.

Ausgleich änderte nichts, Ausschluss wenig…

Argentinien kam nach einer Viertelstunde zum Ausgleich, Higuaín hatte sich bei einem Freistoß von Messi im Rücken von Lugano gelöst. Weiterhin attackierte die Uru-Mittelfeldreihe relativ hoch und früh, während sich die Abwehrkette eher passiv dahinter aufreihte. Im Spiel nach vorne war vor allem Suárez von der argentinischen Hintermannschaft kaum anders als mit Foul zu stoppen.

Aber weil auch die Urus mit einiger Härte weitermachten, zeichnete sich bald ab, dass das Spiel nicht mit 11 gegen 11 zu Ende gehen würde. Kurz vor der Pause war es dann so weit: Diego Pérez, der Bewacher von Di María, sah nach einem taktischen Foul kurz vor der Halbzeit die Ampelkarte. Die Reaktion von Uruguay: Praktisch keine. Tabárez ließ einfach in einem 4-3-2 weiterspielen.

…weil Zanetti völlig nutzlos war

Das ging sich aus, weil von Zanetti auf der Position des Rechtsverteidigers nicht die geringsten Impulse kamen, der Oldie völlig nutzlos für das Spiel der Argentinier war. Überspitzt formuliert reichte es völlig aus, ihn von Álvaro González und Maxi Pereira von der weite böse Blicke zuzuwerfen. Die Dreierkette im Mittelfeld teilte sich nun Messi und Di María einfach untereinander auf, auch weil Gago weiterhin keine wirkliche Rolle zugedacht bekam. Es gab niemanden, den er zu bewachen hatte – allenfals Álvaro Pereira, der nun aber selbst vermehrt defensiv zu tun hatte.

Das Signal zum Schlussspurt war die Einwechslung von Javier Pastore für den abmontierten Di María. Der neue Mann ging ind Zentrum und Messi wich etwas weiter auf den rechten Flügel aus, die beiden Edeltechniker spielten viel besser zusammen als das zuvor mit Di María geklappt hatte. Dass die Uru-Defensive ob der vermehrten Laufarbeit müder wurde, spielt da natürlich auch eine Rolle.

Muslera rettet, Mascherano „gleicht aus“

Auch, wenn Uruguay aus Kontern ständig brandgefährlich blieb, war Argentinien am Drücker, und nur einige unglaubilche Rettungstaten von Fernando Muslera im Uru-Tor hielten das 1:1 fest. Ehe Javier Mascherano auf dem Feld wieder für Gleichstand sorgte: Obwohl es kaum mehr als ein Allerweltsfoul war, musste der Sechser in Minute 86 mit Gelb-Rot vom Platz. So ging es mit gleich vielen Spielern und gleich vielen Toren in die Verlängerung.

Batista hatte schon zuvor Tévez für den gegen Maxi Pereira absolut chancenlosen Agüero gebracht, in Unterzahl fädelten sich dann Tévez, Messi und Pastore vor Gago (und dann vor Biglia, der als echter Sechser dann hineinkam) als kreative Dreiekette auf, Higuaín arbeitete vorne gegen Lugano und Scotti. Erstaunlich: Der verletzungsbedingte frühe Tausch von Scotti für Victorino blieb trotz eigenem und gengerischem Ausschluss der einzige von Tabárez bis zur 109. Miunte. Da gingen die müde gelaufenen Álvaro Pereira und Elgidio Arévalo (der zudem am Rande des Ausschlusses wanderte).

Unterhaltsame und spannende Verlängerung

Der von beiden Teams gut genützte vermehrte Platz auf dem Feld sorgte ebenso für eine äußerst kurzweilige Verlängerung wie die Tatsache, dass beide Mannschaften ganz offensichtlich kein dringendes Bedürfnis hatten, ins Elfmeterschießen zu gehen und dieses somit aktiv verhindern wollten. Chancen gab es auf beiden Seiten und letztlich wäre ein Sieg weder für Uruguay noch für Argentinien nicht unverdient gewesen.

Am Ende ging es aber doch ins Shoot-Out. Bei dem Lionel Messi zwar für Argentinien seinen Versuch sicher verwertete, das taten danach aber auch alle fünf Urus – Forlán, Suárez, Scotti, Gargano und Cáceres. Bei Argentinien allerdings brauchten Pastore und Higuaín schon mächtig Glück. Tévez hatte das nicht: Der überragende Muslera parierte seinen Versuch.

Womit der Gastgeber aus dem Turnier raus ist…

Fazit: Unglücklich verloren, aber verdient ausgeschieden

…und Sergio Batista seinen Job wohl los. Denn seine Mannschaft war in diesem Spiel gegen Uruguay sicherlich nicht die klar schlechtere Mannschaft. Aber über das Turnier gesehen hat Argentinien einfach viel zu wenig gezeigt, um irgend welche Ansprüche auf einen Halbfinal-Einzug oder gar mehr zu stellen. Der haarsträubende Auftritt gegen Bolivien, danach sie exakt selben Fehler gegen Kolumbien – Batista hat sich selbst geschlagen. Ein einziger Sieg bei einem Heimturnier, und das gegen eine U23 aus Costa Rica, ist für einen Titelanwärter eine beschämende Bilanz.

Batista schaffte es nicht, Messi dauerhaft zum funktionieren zu bringen. Er fand keine Antwort auf den Mangel an Außenverteidigern (Dreierkette wäre eine Idee gewesen). Er konnte nicht konsequent für Breite sorgen. Es kam zu wenig aus dem Mittelfeld hinter Messi. Alles spielerische Brandherde, die nicht einmal ausgetreten wurden, geschweige denn gelöscht.

So darf sich Uruguay über ein vermeintlich leichtes Halbfinale gegen Peru freuen. Die Celeste zog ihr gut funktionierendes Defensiv-Konzept auch nach dem Ausschluss unbeirrt durch und wurde damit belohnt, dass Messi viel auf sich alleine gestellt war, weil Di María, Agüero, Zabaleta und damit auch Higuaín kaum ein Faktor waren. Außerdem hat ein Team das Weiterkommen einfach verdient, dass nach 120 aufregenden und kräftezehrenden Minuten noch fünf Elfmeter so bombensicher verwandeln kann.

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Was kann Kolumbien wirklich? Mäßig gegen Costa Rica, stark gegen ein nicht funktionierendes Team aus Argentinien, überhaupt nicht gefordert von Bolivien. Es war nicht möglich, Kolumbien einzuschätzen – aber Peru legte die Stärken der Cafeteros lahm und offenbarte so deren Schwächen.

Peru - Kolumbien 2:0 n.V.

Das größte Problem der Kolumbianer in ihrer Formation war das zu große Loch zwischen den fünf defensiven Spielern und den offensiven. In diesem Bereich konnten sich die Peruaner ohne große Mühe so stellen, dass es den Kolumbianern nicht möglich war, durch das Zentrum Guarín und Aguilar zu bedienen.

Was aber nötig gewesen wäre, denn durch die hohe Positionierung von Advincula und vor allem Vargas waren die im Turnierverlauf so starken kolumbianischen Außenverteidiger Zuñíga und Armero so zurückgedrängt, dass sie auf den Flügeln das im Zentrum entstandenen Loch nicht umgehen konnten. Die Folge: Kolumbien hatte es extrem schwer, den Ball sinnvoll in die gegnerische Hälfte zu bringen. Die wenigen echten Chancen, die es gab, vergab vor allem Falcao.

Peru neutralisiert Guarín

Beim Außenseitern aus Peru war die Aufteilung im Mittelfeld durchaus interessant. Hier stand mit Balbín der Sechser recht tief, Cruzado spielte schräg vor ihm aber weder einen zweiten Sechser, noch war er auf der Höhe der Offensivreihe. Er mischte sich auch nicht, wie für einen Achter sonst üblich, in das Spiel nach vorne ein – er hatte nur einen Auftrag: Die Kreise von Fredy Guarín so nachhaltig wie möglich zu stören.

Chiroque neben ihm rückte indes immer wieder in die Spitze auf und spielte mitunter beinahe auf einer Höhe mit Guerrero. Peru-Teamchef Makarián hatte offenbar deutlich weniger Angst vor Aguilar, an dem das Spiel auch ohne Sonderbewachung vorbei lief. Die Offensive der Peruaner hatte vor allem zwei Mittel zu Bieten: Lange Bälle zum einen und Vargas zum anderen. Letzterer sorgte er für viel Betrieb, aber wenig Gefahr.

Zusätzliche Kontrolle im Mittelfeld

In der Halbzeit ließ Makarián Advincula in der Kabine und brachte mit Carlos Lobatón dafür einen zusätzlichen Mann für das defensive Mittelfeld, einen, über den das Umschalten von Defensive auf Offensive laufen kann. Er stand etwas tiefer im Zentrum, wodurch Peru im Ballbesitz ein recht klares 4-3-3 spielte. So gelang es weiterhin, die Flügel in Schach zu halten und im Zentrum hatte Peru die gegnerische Offensive nun auch im Griff.

Wenn es mal so weit ist, dass Mondbälle von Innenverteidiger Yepes noch die gefährlichste Variante sind, dem Gegner zuzusetzen, spricht das nicht für Kolumbien – die Gelben agierten auch nach der Pause behäbig und uninspierert, langsam und auch etwas lustlos.

Aufbäumen in Ansätzen

Umso bitterer wäre es gewesen, durch einen wirklich dämlichen Elfmeter – Rodríguez hatte Moreno umgerissen – dann doch in Rückstand zu geraten, aber Falcao nahm die Einladung nicht an und knallte den Strafstoß links am Tor vorbei. Hernán Darío Gómez brachte in der Folge Rodallega für den völlig enttäuschenden Ramos, das Problem wurde damit aber nicht behoben: Ohne Unterstützung von hinten waren die kolumbischen Außenstürmer völlig wertlos.

So orientierte sich Rodallega oftmals in die Mitte und Guarín wich etwas aus, wirklich gebracht hat das aber kaum – so war ein kolumbianisches Aufbäumen in Ansätzen zwar erkennbar, aber wirklich zwingend war das lange nicht. Und doch hätte Guaríns Lattenschuss in der Nachspielzeit beinahe doch noch für den späten Sieg gesorgt.

Peru nützt die Fehler aus

Auch in der Verlängerung änderte sich das Bild des Spieles nicht – Peru legte die Seiten lahm und machte die Mitte zu. Unterschied zur regulären Spielzeit: Der Kolumbianische Schlussmann Neco Martínez patzte! Er konnte einen Freistoß wegen eines Crashs mit seinem eigenen Mitspieler Yepes nicht festhalten und Lobatón wuchtete den Ball von der Strafraumgrenze zum 1:0 unter die Latte.

Die Reaktion von Kolumbien? Außer Panik-Wechseln keine. Mit Teó Gutiérrez und Jackson Martínez kamen noch zwei Stürmer, aber ohne die ausgewechselten Aguilar und Sánchez fehlten nun nicht nur Spieler, welche die vielen Spitzen nun bedienen hätten können, sondern auch die Absicherung nach hinten. So fand Peru bei Kontern natürlich mehr Platz vor – und nachdem Martínez wieder zu kurz geklärt hatte und Vargas zum 2:0 traf, war alles entschieden.

Fazit: Kolumbien fehlt der Plan B

Peru hat gezeigt: Wenn man die so starken Außenverteidiger Zuñíga und Armero aus dem Spiel nimmt, steht das komplette Spiel der Kolumbianer still. Das alleine wäre aus Sicht der Unterlegenen noch halb so schlimm, aber es wurde 120 Minuten lang offensichtlich, dass es keinen Plan B gibt, wenn von den Außen nichts kommt und Guarín ständig einer auf den Füßen steht.

So hat Peru letztlich verdient gewonnen, weil man den eigenen Matchplan wunderbar durchgebracht hat und spät, aber doch auch selbst getroffen hat. Ja, zweimal auf Einladung des kolumbianischen Schlussmannes, aber immerhin. Im Semifinale sind die Peruaner wiederum Außenseiter und müssen das Spiel nicht selbst gestalten – und das liegt ihnen ja besonders.

(phe)

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