4-4-2 – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Wed, 18 Nov 2015 12:21:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Alternativ-Österreich unterliegt der Passiv-Schweiz https://ballverliebt.eu/2015/11/18/alternativ-oesterreich-unterliegt-passiv-schweiz/ https://ballverliebt.eu/2015/11/18/alternativ-oesterreich-unterliegt-passiv-schweiz/#comments Wed, 18 Nov 2015 11:13:31 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=11868 Einserkeeper Robert Almer, Zlatko Junuzovic, Martin Harnik, Marc Janko und nach 15 Sekunden Sebastian Prödl fielen für Österreich beim Jahresabschluss-Länderspiel gegen die Schweiz aus. So konnte man die Negativ-Serie gegen die Eidgenossen nicht beenden. Teamchef Marcel Koller veranlassten die Ausfälle, um ein wenig zu experimentieren. Zehner Junuzovic, Stürmer Janko und Flügel Harnik wurden durch die Stürmer Marcel Sabitzer und Rubin Okotie sowie Flügel Jakob Jantscher ersetzt. 

Österreich vs. Schweiz 2015: 1:2

In einer zerfahrenen Partie mit vielen Zufallsaktionen ging die Schweiz früh durch eine Fehlerkette in der ÖFB-Defensive in Führung. Özcan setzte einen Abstoß auf den Ball-fordernden Florian Klein etwas kurz an. Der Stuttgarter konnte so nicht den Raum vor sich nutzen, sondern musste zurück auf David Alaba legen und dessen blinde Verlängerung zurück in die vermeintliche Innenverteidigung bediente stattdessen Seferovic. Die Innenverteidiger hatten sich vor dem Abstoß an den Seitenlinien angeboten und waren noch nicht zurück im Zentrum. Und Özcan machte Seferovic den Heber zu leicht. Er kam zu spät aus seinem Tor, um ihn zu verhindern und doch zu früh, um Hinteregger und Dragovic in den Zweikampf kommen zu lassen.

Nicht viel weniger zufällig entstand der umgehende Ausgleich durch Alaba. Der ungefährliche Angriff schien nach einem hektischen Abschluss des spielerisch allgemein schlecht in die Mannschaft integrierten Marcel Sabitzer vorbei, doch ein ungeahndetes Handspiel der Schweizer Innenverteidigung legte Alaba den Ball perfekt zum Abschluss vor die Füße.

Die Spielanlagen waren klar verteilt. Österreich wollte das Spiel machen, die im 4-4-2 abwartenden Schweiz nicht. Und damit hatte Österreich ein gewisses Problem. Im Zentrum blieb Julian Baumgartlinger meist solo zurück, weil David Alaba einen radikalen Freigeist gab. Seine Ausflüge wurden in Abwesenheit von Junuzovic (dem vielleicht unersetzbarsten aller ÖFB-Kicker) aber nicht immer verlässlich abgesichert, da sich Sabitzer an diesem gewohnten, zentralen Dreier-Karussell naturgemäß als Stürmer nicht beteiligte. Im Zentrum entstanden so durch Alabas weite Reisen größere Räume. In diesem alternativen Hybriden aus 4-4-2 und 4-1-3-2 hatte man bei Ballverlust und insbesondere nach der ersten Pressingphase sichtbare Probleme die Kompaktheit zu halten.

Zu spüren war das bei der von Özcan vereitelten Großchance durch Shaqiri (23.). Alaba blieb im Angriff hängen, den Konter hätte (der auch zu riskant vorgerückte) Baumgartlinger allein gegen sechs Gegenspieler im Zentrum absichern müssen. Und da auch die Innenverteidigung zuerst nicht hoch genug herausgerückt war und sich Hinteregger dann aber in Unterzahl in den Zweikampf verwickelte statt sich zurückfallen zu lassen, kombinierten sich die Schweizer zu einem Abschluss, der eigentlich ein Tor hätte sein müssen.

Österreich vs Schweiz 2015: 1:2
Gleich bleibt der österreichische Angriff hängen, die Mannschaft ist auf einen Konter aber überhaupt nicht eingestellt. Özcan verhindert das 1:2.

Österreich konnte kaum Chancen herausspielen. Okotie erzielte nach einem Standard in der 36. Minute zwar das reguläre 2:1, die Schiedsrichter verweigerten ihm aber die Anerkennung. Nur wenige Sekunden später kam ein weiter Ball der Schweiz über das Mittelfeld, wieder ließ sich Hinteregger in einen Zweikampf verwickeln und trabte dann nur langsam wieder nach hinten. Zwar wurde seine Position von Fuchs nachbesetzt, aber genau im Moment von dessen Übergabe des Gegenspielers zurück an Hinteregger flankte Mehmedi unbedrängte von Klein in genau diese Zone und der freie Seferovic überhob Özcan zum am Ende entscheidenden 1:2.

Mit der Hereinnahme von Ilsanker statt Sabitzer zur Pause übernahm Alaba offiziell die Zehnerrolle. Österreich kehrte in ein 4-2-3-1 zurück. Das Spiel funktionierte besser, zu Chancen kam es aber erst nach einer Spielstunde. Österreich drückte im letzten Drittel des Spiels vor allem auf Betreiben von Arnautovic, der selbst zwei Chancen vorfand. Der Stoke-Spieler rückte im Verlauf der zweiten Hälfte zunehmend ins Zentrum und am Ende in den Sturm. Der dann verweiste linke Flügel wurde spät im Spiel vom eingewechselten Debütanten Florian Kainz besetzt (gegenüber hatte schon davor Onisiwo statt Jantscher seine Chance bekommen), Baumgartlinger aus dem Spiel genommen.

Österreich nahm mehr Risiko, die Schweiz blieb mit ein oder zwei Ausnahmen aber sowohl harm- als auch ambitionslos. Das ÖFB-Team wirkte in dieser offensiven Variante sogar besser abgesichert. Hinteregger und Dragovic können fast all ihre Gegner im direkten Duell sehr verlässlich abmontieren, solange die nicht wie in den wenigen positiven Gäste-Aktionen des Spiels in Überzahl kommen – und dafür stand die Schweiz nun zu tief. Der Ausgleich wäre verdient und möglich gewesen, er gelang Österreich aber nicht mehr.

Der Dämpfer kommt zu einem „perfekten“ Zeitpunkt. Er stört niemanden wirklich, muss auch nicht beunruhigen und erinnert doch sanft daran, dass das Team natürlich nicht unverwundbar ist. Österreich verlor zum zweiten Mal in Folge erst im November sein erstes Match. Gelänge das noch ein drittes Mal, wäre der kommende Sommer eine riesige Party im Land.

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Kurzanalyse: Chelsea zeigt leichtsinnigem ManCity die Grenzen auf https://ballverliebt.eu/2014/02/04/kurzanalyse-chelsea-zeigt-mancity-die-grenzen-auf/ https://ballverliebt.eu/2014/02/04/kurzanalyse-chelsea-zeigt-mancity-die-grenzen-auf/#comments Tue, 04 Feb 2014 13:10:07 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=9926 Kurzanalyse: Chelsea zeigt leichtsinnigem ManCity die Grenzen auf weiterlesen ]]> Man kann über Jose Mourinho viele Dinge sagen, aber dass er nicht ganz genau weiß, wie man eine geölte Maschine ins Stottern bringt, ist keines dieser Dinge. Der Portugiese hat mit Chelsea am Montagabend bei Manchester City mit 1:0 gewonnen und damit einen wichtigen Erfolg im englischen Meisterkampf gefeiert. City war zuhause seit 2010 nicht mehr ohne Torerfolg geblieben und gilt nicht zu unrecht als eines der derzeit besten Teams des Kontinents.

Die Partie im Etihad Stadium war ein absolutes Spitzenspiel mit hochklassig agierenden Akteuren und zwei Top-Trainerfüchsen, insofern ist es etwas überraschend, dass es ein relativ offensichtliches taktisches Problem war, dass den Siegestreffer ermöglichte. Um das zu erörtern werfen wir einen kurzen Blick auf die Aufstellungen:

Manchester City - Chelsea 0:1 (0:1)
Manchester City – Chelsea 0:1 (0:1)

Manchester City spielte ein schiefes 4-4-2-System. Aufgrund zahlreicher Ausfälle stellte Pellegrini neben Toure den alternden Demichelis ins defensive Mittelfeld. Navas pickte rechts an der Seitenlinie, während Silva von links ständig ungehemmt zur Mitte zog. City machte das Spiel breit und ließ dafür seine Außenverteidiger stark mitgehen.

Chelsea kam im 4-2-3-1 angetanzt und machte stattdessen vor allem das Zentrum dicht. Zwei eher konservative Außenverteidiger, zwei echte Sechser (Matic und Luiz), ein erst etwas nach rechts tendierender und später defensiver werdender Willian als zentraler Mittelfeldspieler und nur ein echter Stürmer (Eto’o) waren die Features dieser Formation.

Das Silva-Loch

Navas hielt die Position rechts, Silva bearbeitete die rechte Seite sogar mehr als seine angestammte  linke - niemand ersetzte ihn dort.
Navas hielt die Position rechts, Silva bearbeitete die rechte Seite sogar mehr als seine angestammte linke – niemand ersetzte ihn dort. (Bilder: FFT Statszone)

Soweit man das über Medien und Twitter mitbekommt geben viele Pellegrinis durch einige Verletzungen erzwungene Entscheidung für den behäbigen Demichelis die Schuld an der Niederlage (Milner und Rodwell waren noch nicht voll fit, Fernandinho und Garcia verletzt). Tatsächlich fehlte City mit ihm etwas der gewohnte offensive Drive und vielleicht wäre das der Grund gewesen, warum es nur zu einem Remis gereicht hätte. Aber schuld am entscheidenden Gegentor und damit der Niederlage war ein anderes Problem, nämlich die Entscheidung für zwei Stürmer.

Weder Dzeko noch Negredo ließen sich allzu weit zurückfallen, sondern orientierten sich an Chelseas Innenverteidigern. Dadurch entstand zwischen Mittelfeld und Sturm ein zu großes Loch im Spielaufbau, das Silva zu stopfen versuchte, indem er seine Position im linken Mittelfeld immer wieder für lange Zeit in Richtung Mitte oder noch weiter nach rechts verließ, um mit Navas und Toure zusammen das engmaschige Abwehrnetz zu durchbrechen.

Dadurch stand aber der an sich gar nicht allzu offensive Chelsea-AV Ivanovic immer wieder längere Strecken ohne Gegenspieler da. Gerade bei Ballgewinnen und schnellen Gegenstößen für Chelsea konnte sich der Serbe deshalb ziemlich sorglos nach vorne wagen (insbesondere, weil hinten rechts im Zweifelsfall mit Luiz und Cahill eh zwei Spieler die Lücke stopfen konnten, von denen höchstens einer mit einem Stürmer beschäftigt war).

Das Silva-Loch in einer Situation lange vor dem Tor
Das Silva-Loch in einer Situation lange vor dem Tor (Bild: Sky Go)

Genau eine solche Situation erlaubte Ivanovic beim Gegentor, so weit aufzurücken, dass er erst einen unbedrängten Pass auf Ramires und nach dem Abpraller einen Schuss von der Strafraumgrenze nachsetzen konnte. Der Angriff von Chelsea war gar nicht besonders schnell vorgetragen(vom folgenden Bild bis zum Treffer dauert es über 35 Sekunden). Der Spanier hätte durchaus zurücklaufen können, verzichtete aber schlicht darauf. Ein zu leichtsinniger Fehler auf diesem Niveau.

Unmittelbar vor dem Tor: Silva rennt halbrechts am Fünfer herum und läuft wieder nicht auf seine linke Position zurück, Ivanovic trabt unbehelligt mit nach vorne. (Den Ball hat der nach hinten arbeitende Eto'o am unteren Bildrand)
Unmittelbar vor dem Tor: Silva rennt halbrechts am Fünfer herum und läuft nicht auf seine linke Position zurück, Ivanovic trabt mit nach vorne. (Den Ball hat der nach hinten arbeitende Eto’o am unteren Bildrand) (Bild: Sky Go)

Bei Chelsea ist auffällig, dass die Mannschaft wie jedes Mourinho-Team voll im stets ausgeklügelten Gameplan aufgeht. Niemand entzieht sich der Defensivarbeit. Mit drei Aluminiumtreffern ist es auch keine große Übertreibung zu sagen, dass die Belohnung dafür auch höher ausfallen hätte können. Die Mannschaft hat für die Meisterschaft eine gute Restauslosung und im CL-Achtelfinale mit Galatasaray einen sehr schlagbaren Gegner.

Manchester City muss nach dieser Niederlage nicht in kollektive Trauer stürzen. Es wird wenige Teams geben, die defensiv so konsequent gegen die Skyblues auftreten können, ohne dabei offensiv harmlos zu werden. CL-Gegner Barcelona ist eine solche Spielanlage jedenfalls eher nicht zuzutrauen, insofern darf man sich da wohl auf einen offensiven Leckerbissen freuen. (tsc/@schaffertom)

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Senegal fliegt auf die Nase! 1:2-Pleite gegen Sambia https://ballverliebt.eu/2012/01/22/can-1-tag-senegal-fliegt-auf-die-nase-12-pleite-gegen-sambia/ https://ballverliebt.eu/2012/01/22/can-1-tag-senegal-fliegt-auf-die-nase-12-pleite-gegen-sambia/#comments Sat, 21 Jan 2012 23:17:32 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=6498 Senegal fliegt auf die Nase! 1:2-Pleite gegen Sambia weiterlesen ]]> Geheimfavorit Senegal? Naja. Gegen den gefährlichen Außenseiter Sambia strauchelten die Senegalesen nicht nur, sie fielen der Länge nach auf die Nase. Weil es nach guten Umstellungen nur noch den Anschlusstreffer gab! Womit der Druck auf Senegal steigt, weil der nächste Gegner, Co-Gastgeber Äquatorialguinea, sein erstes Spiel gegen Libyen knapp gewonnen hat.

Senegal - Sambia 1:2

Senegal – Sambia 1:2 (0:2). 0-1 Mayuka 12′ / 0-2 Kalaba 21′ / 1-2 Ndoye 74′

Im Spiel der Senegalesen passte nicht viel zusammen. Einerseits agierte die Abwehrkette sehr hoch, andererseits fehlte aber weiter vorne jegliches Pressing und jedes Defensiv-Verständnis im Mittelfeld, um das auch ausnützen zu können, ohne permanent in die Gefahr zu Laufen, ausgekontert zu werden. Dann stand Moussa Sow als nomineller Rechtsaußen im 4-3-3 so hoch und so weit innen, dass es Sambia keinerlei Problem war, ihn aus dem Spiel zu nehmen, während Mamadou Niang auf der anderen Seite so tief stand und auch nicht einrückte, dass sein Linksverteidiger Mbengue auch kaum sinnvoll hinterlaufen konnte.

Sambia war’s nur recht

Den Sambiern war das alles nur recht. Ihr französischer Trainer Hervé Renard – unter dem es vor zwei Jahren schon ein sehr gutes Turnier gab und der vor Kurzem wieder zurückgeholt wurde – verpasste dem Team ein Konzept, das auf stark organisierter Defensive aufbaute und nach Ballgewinn überfallsartige Konter lief. Mit einem Wort: Die hohe Verteidigungslinie und der behäbige Spielaufbau der Senegalese spielte Sambia voll in die Hände.

Weil mit Nathan Sinkala und Rainford Kalaba das Duo im zentralen Mittelfeld des flachen 4-4-2 einen extrem guten Job machte, wenn es darum ging, dass allzu sehr auf das Zentrum konzentrierte Spiel der Senegalesen zu stören und dem Mittelfeld-Trio zwar nicht mit aggressivem Pressing, aber doch mit einigem Druck auf den Ballführenden die Zeit zu nehmen, sinnvoll aufzubauen. Und gleichzeitig provozierten sie Ballverluste, aus denen die Kapital schlagen konnten – das 1:0 nach einem Freistoß wurde so eingeleitet, das 2:0 fiel direkt aus einem schnellen Konter.

Senegal reagiert richtig

Amara Traoré, der senegalesische Teamchef, nahm schon nach einer halben Stunde den besonders schwachen Rémi Gomis rauf und brachte mit Dame Ndoye einen offensiveren Mann. Der Spieler vom FC Kopenhagen blieb zunächst bis zur Pause im Mittelfeld – er sollte dort direkteres und schnelleres Spiel nach vorne bringen, es ging aber immer noch zu viel durch die Mitte. Eben auch, weil sich Sow und Niang selbst ein wenig aus dem Spiel nahmen.

Für die zweite Hälfte stellte Traoré dann gröber um, und zwar de facto auf ein 4-2-4: Niang blieb in der Kabine, dafür kam Issiar Dia neu in die Mannschaft. Dia ging nach rechts, womit die Flanke dort endlich ordentlich besetzt war, Ndoye beackerte die linke Seite. Die Rolle von Moussa Sow blieb dafür etwas unklar – wohl auch ihm selbst. Zweite Spitze? Hoch stehende Nummer zehn? Oder doch weiter eher über rechts kommend, wo er mitunter Dia auf den Füßen stand?

Über die Flügel geht’s gut

So oder so: Senegal verlegte das Spiel nun endlich raus aus dem Zentrum, das Sambia in der ersten Hälfte unter Kontrolle gehabt hat, und versuchten, ihre Flügel im Rücken der sambischen Mittelfeld-Außen ins Spiel zu bringen. Dort konnten die Senegalesen ihre individuelle Überlegenheit viel besser ausspielen als im kompromisslos zugemachten Zentrum und sie diktierten das Spiel nun nach belieben.

Umso mehr, als Papiss Cissé für Sow neu in die Partie kam und sofort einen sehr gefährlichen Eindruck machte. Das Anschlusstor, dass Ndoye eine Viertelstunde vor Schluss gelang, war nur noch eine Frage der Zeit und die europäischen Fußball gewohnten Senegalesen hatten in der Schlussphase auch ganz deutliche Kräftevorteile. Wie K.o. Sambia war, zeigte sich bei einem äußerst halbherzig gespielten und letztlich leichtfertig verschlampten Konter kurz vor Schluss. Der aber nicht mehr machte, weil dem Senegal der Ausgleich, der verdient gewesen wäre, nicht mehr gelang.

Fazit: Das sind die zwei Viertelfinalisten

Was kann das Team aus dem Senegal also mitnehmen, wenn schon keine Punkte? Die Erkenntnis, dass mit der richtigen Umstellung und konsequentem Flügelspiel die Partie total unter Kontrolle gebracht werden konnte. Aber auch, dass der pomadige Halbgas-Fußball aus der ersten Hälfte, gepaart mit unglaublichen defensiven Nachlässigkeiten im Mittelfeld bestraft wird. Keine Frage, gegen die beiden verbleibenden Gruppengegner muss Senegal ohne Wenn und Aber den Viertelfinal-Einzug fixieren.

Weil aber auch Sambia klar über die beiden anderen Teams zu stellen und und nun die drei Punkte auf dem Konto hat, könnte diese Niederlage für Senegal noch sehr teuer werden, weil es nun im Viertelfinale höchstwahrscheinlich gegen die Ivorer geht. Bei den Sambiern muss sich in den verbleibenden Gruppenspielen zeigen, wie gut das Team ein Spiel selbst aufziehen kann. Denn hier mussten sie das nicht tun und Verteidigen und auf Konter spielen, das wurde nun sehr deutlich, kann der Viertelfinalist von vor zwei Jahren ganz vorzüglich.

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Äquatorialguinea – Libyen 1:0 (0:0). 1-0 Balboa 87′

Davor gab’s schon das Eröffnungsspiel dieses Afrika-Cups: Mit Co-Gastgeber Äquatorialguinea und Libyen trafen die beiden Gruppen-Außenseiter aufeinander. Viel Schönes gab’s beim 1:0-Sieg der Heimischen aber nicht zu sehen. Im Gegenteil: Die beiden Teams zeigten das wahrscheinlich schlechteste Spiel des ganzen Turniers. Hoffenlich.

Äquatorialguinea - Libyen 1:0

Die Gastgeber, bei denen erst zwei Wochen vor dem Turnier mit Gilson Paulo ein neuer Teamchef installiert worden war, traten in einem 4-2-3-1 an, das aber auf den Außenpositionen sehr unterschiedlich interpretiert wurde: Während Randy Iyanga auf der linken Seite viel Wirbel machte und immer wieder auch mit guter Technik zur Grundlinie durchging, rückte Portugal-Legionär Balboa auf der rechten Seite immer wieder weit ein.

Das erlaubte Rabea Akoubaker, dem libyschen Linksverteidiger, vor allem in der Anfangsphase, weit nach vorne aufzurücken und Ahmed Saad Osman, der seinerseits vorne früh nach innen rückte, zu unterstützen. Gerade über diese linke Seite dominierten die Libyer das Spiel zunächst.

Die „Ritter vom Mittelmeer“, von denen einige selbst im Krieg kämpften und deren Qualifikation angesichts der Umstände eine unglaubliche Sensation ist, konnten ihren Schwung aber nicht mitnehmen. Nach etwa einer Viertelstunde attackierten die Äquatoguineaner früher, versuchten sich an schnellem Spiel nach vorne und kamen so auch zu guten Chancen – einem Pfostenschuss und einem Tor, das wegen (vermeintlichem?) Abseits aber nicht gegeben wurde.

Niveau sinkt

Je länger die erste Halbzeit ging, desto weiter sank aber das Niveau in den Keller. Iyanga auf der linken Seite gewann zwar viele Zweikämpfe, seine Zuspiele waren aber eine Katastrophe; die Außenverteidiger rückten immer weniger auf (bei den Gastgebern machten sie das ohnehin nie, die Libyer wurden immer vorsichtiger), und in der Mitte standen sich praktisch alle auf den Füßen und keiner schaffte es, öffnende Pässe auch an den Mann zu bringen.

Zudem war das Tempo äußerst überschaubar und bei beiden Teams nicht wirklich eine Strategie erkennbar, an die sich die Teams hielten. Das änderte sich auch in der zweiten Hälfte nicht, nachdem Libyen brasilianischer Teamchef Marcos Paqueta von einem Hybrid aus 4-1-4-1 und 4-2-3-1 auf ein recht klares 4-2-3-1 umstellte, indem er Esnani zurückbeorderte. So war Balboa besser unter Kontrolle und das Spiel verlor sich ohne Linie endgültig in einem eher planlosen Mittelfeldgeplänkel.

Später Siegtreffer

Dass es am Ende doch die Gastgeber waren, die die Oberhand behielten, liegt daran, dass sie dennoch die leicht höhere Kreativität an den Tag legten und in der 87. Minute ein feiner Lochpass den genau rechtzeitig in den freien Raum hinter der erstaunlich weit aufgerückten libyschen Abwehr gestarteten Balboa fand und jener Spieler, der sich bei Real und Benfica nicht durchsetzen konnte und nun beim Portugiesischen Mittelständler Beira-Mar spielt, cool abschloss. Kurz danach schoss der eingewechselte Ekedo sogar nochmal an die Latte.

So holt Co-Gastgeber Äquatorialguinea in einem alles andere als hochklassigen Spiel einen nicht unverdienten Sieg, weil man sich trotz einer überschauberen Leistung, was Tempo, Strategie und Zusammenspiel angeht, dennoch als geradlinigere Mannschaft präsentierte. Für einen Viertelfinaleinzug reicht es so aber nicht.

(phe)

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Erst im Schock, dann ohne Hirn nach vorne – U21 verliert 0:2 gegen Bulgarien https://ballverliebt.eu/2011/11/10/erst-der-schock-dann-ohne-hirn-nach-vorne/ https://ballverliebt.eu/2011/11/10/erst-der-schock-dann-ohne-hirn-nach-vorne/#respond Thu, 10 Nov 2011 19:00:52 +0000 http://ballverliebt.eu/?p=6045 Erst im Schock, dann ohne Hirn nach vorne – U21 verliert 0:2 gegen Bulgarien weiterlesen ]]> Zum EM-Qualifikationsspiel der österreichischen U21 gegen Bulgarien (0:2) verlieren wir heute nicht viele Worte, haben aber zwei Animationen für euch vorbereitet, die das Problem der Österreicher nach dem schnellen 0:2-Rückstand aufzeigen sollen.

Österreich - Bulgarien (U21, EM Quali): Spielaufbauproblem der Österreicher

Österreichs 4-4-2 verwandelte sich in der Vorwärtsbewegung (die es bei zeitweise über 70 Prozent quasi immer gab) erst in ein 3-4-3, dann sogar in ein 3-2-5. Das Problem war der hirnlose Sturm nach vorne, der der Spielmacherrolle von Holzhauser völlig den Boden unter den Füßen wegzog. Wenn er den Ball bekam, waren längst alle Stürmer angekommen, zugedeckt und im Stillstand. Nur Linksverteidiger Farkas war zu diesem Zeitpunkt noch im Vorwärtsgang, der weite Pass auf ihn allerdings schwierig. Meist war dem Stuttgarter nur der Alibischupfer auf Schwab möglich, der dann vorm selben Problem stand. Beim Versuch den recht weiten Pass auf die Außenposition zu spielen schossen die Bulgaren dazwischen und konterten blitzschnell.

Die versuchte Lösung des Problems bot ein nachrückender Innenverteidiger (das Wort Konter hier bitte einfach ignorieren)

Dilaver deutete die „Lösung“ des Problems schon in der ersten Hälfte nach einer halben Stunde an, indem der Innenverteidiger aufrückte und in der Mitte das Spiel weniger ausrechenbar bzw. optionenreicher machte. In der zweiten Hälfte stellte Trainer Andi Herzog gleich Holzhauser auf diese Position um die offensiv komplett unambitionierten Bulgaren zu erdrücken. Die ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und standen hinten diszipliniert. Der Nachteil, hinten mit diesem 2-3-5 besonders anfällig zu sein, kam deshalb kaum zum Tragen. Um einen Vorteil aus der offensiven Übermacht zu ziehen, war die Leistung der ÖFB-Elf aber zu schlecht.

Fazit: Mit dem katastrophalen Start der Österreicher war der Gameplan natürlich sofort zerstört. Nicht nur mussten die Bulgaren danach kein Risiko mehr eingehen und konnten dicht machen, auch das Selbstvertrauen fehlte dann völlig. Herzog reagierte zur Pause auf Probleme (und nahm noch mehr Risiko als die Grundaufstellung ohnehin schon abnötigte), konnte sie aber nicht wirklich lösen. Das nicht uninteressante Experiment ist damit voll in die Hose gegangen.

Es zeigt damit besonders gut auf, weshalb Herzog dringend in den Vereinsfußball sollte. Er selbst sprach nach dem Spiel davon, möglicherweise zu viel Risiko genommen und die Situation falsch eingeschätzt zu haben. Es muss einem jungen Trainer erlaubt sein, solche Versuche zu machen, seine Ideen auszuprobieren – mit einer Nationalelf gibt es dazu aber viel zu wenige Gelegenheiten. In der Qualifikation geht es um zu viel. In diesem Fall kostet es dem ÖFB-Nachwuchs wohl schon frühzeitig die Teilnahme an der Europameisterschaft. (tsc)

Österreich startete mit: Siebenhandl – Farkas, Dilaver, Dibon, Schimeplsberger – Holzhauser, Schwab – Royer, Teigl – Alar, Weimann (zur Pause kamen Elsneg und Schöpf für Teigl und Schimpelsberger; Nach einer Stunde ersetzte Tadic im Sturm Alar)

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