UEFA Nations League – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Wed, 20 Nov 2024 10:39:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Der ÖFB und sein Team: Gut gemeint und doch auf die Nase gefallen https://ballverliebt.eu/2024/11/19/nations-league-ofb-slowenien-kasachstan-rangnick-mitterdorfer-gartner/ https://ballverliebt.eu/2024/11/19/nations-league-ofb-slowenien-kasachstan-rangnick-mitterdorfer-gartner/#respond Tue, 19 Nov 2024 15:13:01 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=20837 Der ÖFB und sein Team: Gut gemeint und doch auf die Nase gefallen weiterlesen ]]> Nein, nötig wäre das nicht gewesen. Ist es wirklich ein sportliches Drama? Naja. Österreich hat in den Schlussminuten des Heimspiels gegen Slowenien noch den Sieg hergeschenkt und mit dem 1:1 den Direktaufstieg in die A-Gruppe der Nations League verpasst. Verschmerzbar, es gibt ja eh noch das Aufstiegsplayoff, und selbst wenn man in der B-Gruppe bleiben sollte – eigentlich wurscht. Der erste Topf für die WM-Quali ist sich gerade noch ausgegangen, das ist sicher wichtiger.

Aber die beiden abschließenden Spiele der vierten Nations League sind aus österreichischer Sicht ein Spiegelbild des Krawalls im ÖFB, der eben nicht hinter den Kulissen stattfindet, sondern auf dem Altar der Öffentlichkeit.

Klare Parallelen

Das Team erledigte einen potenziell unangenehmen Job beim 2:0 in Kasachstan ohne Drama. Dann, in einem voller Erwartung ausverkauften Happel-Stadion, ist man gegen Slowenien voll auf Kurs, kommt aber vor der Ziellinie ins Straucheln und fällt auf die Nase, wird für seine Versäumnisse bestraft.

Im Präsidium war davor die von Präsident Klaus Mitterdorfer angestrebte Strukturreform durchgegangen, alles sah eigentlich fein und zukunftsträchtig aus: Ein CEO, dazu ein Abteilungsleiter Sport (Peter Schöttel) und ein Finanz-Chef, also die Neuhold-Rolle. Als mögliche Geschäftsführer kursierten zunächst der aktuelle Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer – dem im Frühjahr potenziell unangenehme Verhandlungen zum neuen TV-Vertrag ins Haus stehen – und der international bestens vernetzte ehemalige Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, nun auch die von Mitterdorfer vorgeschlagene ehemalige Postbus-Chefin Silvia Kaupa-Götzl.

Und dann zerbröselt die Stimmung in schlechter Kommunikation und den verbalen Giftpfeilen, die sich die Beteiligten über die Medien gegenseitig zuwerfen: Die Mannschaft für Neuhold. Gartner gegen Rangnick („Man muss aufpassen, wo er hingaloppiert“). Alaba gegen Gartner (der verletzte Kapitän bezichtigt NÖFV-Präsidenten, unterstützt von OÖ-Präsident Götschhofer, bezüglich der von Gartner verbreiteten angeblichen Streik-Drohung der Spieler nun offen der Lüge). Mitterdorfer kann nur noch versuchen, die Brände auszutreten.

Wir erleben die größten Chaos-Tage im ÖFB seit dem Winter 2001/02, als Beppo Mauhart irgendwie einen Präsidenten Frank Stronach verhindern wollte und gleichzeitig ein neuer Teamchef gesucht wurde

Das 2:0 in Kasachstan

Dabei hat ja allgemein gefallen, was die Repräsentanten des ÖFB in diesem Jahr auf dem Rasen gezeigt haben, ach ja, Fußball wurde ja auch gespielt. Dem EM-Katerfrühstück im September (nur 1:1 in Slowenien, 1:2-Niederlage in Oslo) folgte die schwungvolle Auferstehung im September (4:0 gegen Kasachstan, gar 5:1 gegen Norwegen). Die Rechnung war klar: Zwei Siege in den letzten zwei Spielen, und Österreich ist Gruppensieger.

Der Flug ist lang, das Wetter kalt, das Stadion nicht mal halbvoll und der Gegner kann unangenehm sein – aber Österreich war in Kasachstan von der ersten Minute an da. Wie schon beim souveränen 4:0 in Linz war das ÖFB-Team wieder wach im Pressing, man ließ die Kasachen kaum Zeit am Ball und wenn die Hausherren doch mal am österreichischen Strafraum waren – wie in der 10. Minute – wirkte das so „hui, wir sind im Angriffsdrittel, ähm…. was mach ma jetzt? Na, versuch du was! Was? Keine Ahnung…“

Der kasachische Block ließ sich relativ leicht mittels Überladungen ins Zentrum ziehen, wodurch Posch extrem viel Raum zum Aufrücken hatte, zudem waren die beiden Ketten alles andere als kompakt – der einrückende Romano Schmid machte sich dort immer wieder anspielbar. Das 1:0 nach einer Viertelstunde wurde genau über so einen Pass rechts neben den in die Mitte geschobenen kasachischen Block vorgetragen, vor dem 2:0 versprach Marotchkin der Ball, was ihn zu einer Notbremse zwang. Der Freistoß saß, Kasachstan war einer weniger, das Match entschieden.

Österreich blieb griffig und giftig und die Kasachen (dann im 4-4-1) rissen den Zwischenlinienraum noch weiter auf, das war ein richtiger Ozean. Das ÖFB-Team bearbeitete diesen nach Belieben hätte bis zur Halbzeit schon auf 5:0 stellen können und nach nach dem Seitenwechsel gab es zwei, drei gute Aktionen, die jedoch nicht mit einem Tor endeten. So ab der 60. Minute wurde immer noch vorne draufgegangen, im eigenen Aufbau von hinten entwich jedoch das Tempo und die Bereitschaft zu Risikopässen. Das Spiel schlief ein wenig ein und plätscherte dem Endstand von 2:0 entgegen.

Das 1:1 gegen Slowenien

Da sich Norwegen am Donnerstag in Slowenien durchgesetzt hatte, brauchte Österreich auch im abschließenden Heimspiel gegen die Slowenen einen Sieg für Platz eins in der Gruppe und den direkten Aufstieg. Die Gäste überließen erwartungsgemäß dem ÖFB-Team den Ball und störte die Eröffnung.

Das sah in der Praxis so aus, dass die Stürmer Šeško und Vipotnik das österreichische ZM in den Deckungsschatten stellte und Timi-Max Elšnik aus dem Mittelfeld aufrückend und die österreichische IV anlaufend einen Eröffnungspass provizierte. Das in den schwarzen Trikots zum 50. Jubiläum der Kooperation mit Puma spielende ÖFB-Team löste diese Situationen zwar gefahrlos auf, situativ kippte Seiwald dafür ab. Es gelang aber nicht, etwa durch den entstehenden Raum zwischen Gnezda-Čerin und Mlakar hindurch nach vorne zu kommen.

Österreich vermied Risikopässe und achtete darauf, möglichst nicht in billige Ballverluste zu laufen. Wie in Kasachstan verdichtete man im Zentrum, Slowenien gab aber längst nicht so bereitwillig die Außenbahnen her. Die beste Route zum Tor ergab sich für Österreich, wenn man Slowenien aufgerückt erwischte – wie eben beim 1:0 nach einer halben Stunde. Ein Konter gegen Slowenien im eigenen Stadion, wenn sich die Gelegenheit ergibt, muss man sie auch nützen.

Allerdings: Das Bemühen, sich in den Zwischenlinienraum zu arbeiten und dort durch zu kommen, zeitigte ebenso immer wieder Erfolg. In der 33. Minute, als es aber knapp abseits war. In der 35. Minute, als Oblak gegen Baumgartner parierte. Wie Sabitzer, der in der 61. Minute aus aussichtsreicher Position zum Abschluss kam. Wie in der 64. Minute, als Sabitzer verzog. Defensiv schaffet es Österreich gleichzeitig, Šeško nie Tempo aufnehmen zu lassen.

Es war sicher nicht jene ultimative Glanzleistung, als die es Rangnick nach dem Spiel am ORF-Mikro zu verkaufen versuchte (was auch sicher eher als Signal und nicht als Analyse zu werten war), aber eine professionelle und konzentrierte, seriöse Darbietung, der einzig das Tor zur Entscheidung gefehlt hat. Erst, als nach 70 Minuten die Intensität kräftebedingt nachließ, konnte sich Slowenien etwas mehr ins Spiel einbringen. Matjaž Kek brachte einen neuen Flügelspieler, Rangnick beließ die Startformation hingegen bis kurz vor Schluss auf dem Feld.

Ohne neue Impulse und vor allem ohne frische Beine war es Österreich nun kaum mehr möglich, offensive Akzente zu setzen. Es ging darum, zumindest das 1:0 über die Zeit zu bringen. Bis Österreich in der 81. Minute einmal das slowenische Anlaufen nicht gut auflöste, Pentz‘ Befreiungsschlag beim Gegner landete und via Karničnik der völlig freie Gnezda-Čerin bedient wurde, der zum 1:1 abdrückte. Der Sieg war verspielt, damit der Gruppensieg.

We seem to have a knack for miscommunication…

Norwegen gewann gegen Kasachstan 5:0 und staubte diesen ab. Ärgerlich aber nicht tragisch. Also wieder Vorhang auf für das Bühnenstück im ÖFB. Komische Oper? Schicksalsschwangere Tragödie? Oder gar eine Farce?

Mitterdorfer jedenfalls hat eben im Oktober die Strukturreform durchgebracht, das geht nicht ohne zerschlagenes Porzellan. Wenn die Fraktion der üblichen Verdächtigen im Präsidium beleidigt ist, soll das so sein, es gibt wahrlich Schlimmeres. Es sollte wohl keinen offensichtlichen Sieger im seit Jahren tobenden Machtkampf zwischen Generalsekretär Thomas Hollerer und Wirtschafts-Vorstand Bernhard Neuhold geben (zumal Neuhold eine Rolle beim Aus von Gerhard Milletich gespielt hatte), dann müssen halt beide gehen – vom Blick von außen: nachvollziehbar. Dass sich Trainerstab und Mannschaft dabei öffentlich für den als umgänglich und professionell geltenden Neuhold in den Kugelhagel warfen, war aus ihrer Sicht notwendig, entsprechend verständlich war die verschnupfte Reaktion auf dessen Ausbootung. Fünf seiner sechs Monate Kündigungsfrist sind noch übrig.

Dass davor über Monate die Kommunikation zwischen Mitterdorfer und Rangnick zusammengebrochen war bzw. sein soll, sickerte erst nach der entscheidenden Präsidiumssitzung am 18. Oktober durch. Ein Eigentor von Mitterdorfer: Bei der Präsidiumssitzung im August war Rangnick dabei und dort forderte er weitere Schritte in Richtung Professionalisierung des vor allem auf Entscheider-Ebene immer noch ziemlich kleinmütig aufgestellten ÖFB. Die Blockadehaltung vor allem von NÖFV-Präsident Johann Gartner, der diese gerne und oft öffentlich vertritt, kann Mitterdorfer nicht entgangen sein. Umso fahrlässiger, dass er den starken und öffentlich überaus beliebten Teamchef für seine Pläne nicht näher an sich band, sondern im Gegenteil durch (kolportierten) fehlenden Kontakt von sich weg schob.

…that stabbed us in the back this time.

Nun ist Mitterdorfer, der als Macher und Reformer in die ÖFB-Geschichte eingehen hätte können, in einer Lose-Lose-Situation: Er hat das Präsidium UND die Mannschaft verloren. Und ein Sicherheit vermittelndes Signal an die Angestellten der ÖFB-Geschäftsstelle – wo sehr viele „Team Neuhold“ waren und nur sehr wenige „Team Hollerer“ – war die Vorgehensweise eher auch nicht.

„Wenn ich in meiner Teamchef-Zeit zu Präsident Mauhart gesagt habe, ich brauche dieses oder jenes, konnte ich mich darauf verlassen, dass er sich darum kümmert“, sagte Herbert Prohaska im ORF, angesprochen auf die öffentlich beleuchteten Bruchlinien innerhalb des ÖFB. Nun verband Beppo Mauhart mit Prohaska eine Nibelungentreue, wie sie wohl kein ÖFB-Präsident jemals mit einem der 27 anderen Teamchefs hatte. Die Machtfülle von Mauhart und die Strukturen innerhalb des Verbandes waren in den 1990ern aber noch anders als das Standing von Klaus Mitterdorfer im heillos zerstrittenen ÖFB-Präsidium.

Is this the end of the line?

Eine mögliche vorzeitige Vertragsverlängerung von Rangnick über die WM-Kampagne für 2026 hinaus wurde intern, wie kolportiert, seit Monaten auf Eis gelegt. Der Teamchef selbst tat das in seiner PK-Rede vor dem Flug nach Kasachstan aber ohnehin als nicht besonders pressierendes Thema ab – wird das WM-Ticket verpasst, wäre er sowieso von sich aus weg. Übrigens: Rangnick ist schon jetzt der viertälteste Teamchef der ÖFB-Geschichte (nach Brückner, Baric und Happel).

Rangnick wird jedoch eine Verlängerung über 2026 hinaus, dieses Urteil lässt seine bisherige Vita zu, auch von der Art und Weise abhängig machen, wie sich das Umfeld im ÖFB in den kommenden anderthalb Jahren entwickelt. Auf einen unprofessionellen Jahrmarkt der Eitelkeiten hat er keine Lust und mit dem muss er sich jetzt schon seit zweieinhalb Jahren herumschlagen.

Fraglos schwebte das Damoklesschwert eines schnellen Rangnick-Abgangs über der Abstimmung über die Struktur-Reform am 18. Oktober. Die nötige Zustimmung mit Zwei-Drittel-Mehrheit (die einzige, mit der aus seiner Sicht nicht gegebenen Zuständigkeit des Präsidiums für so eine Reform begründeten Gegenstimme kam von Josef Geisler aus Tirol, der sich im TT-Interview aber als Unterstützer des Teams in der Causa Neuhold präsentierte; Salzburg und Oberösterreich enthielten sich) wohl auch deshalb zustande, weil niemand derjenige sein wollte, der von mit Mistgabeln bewaffneten Nationalteam-Fans für eine Rangnick-Flucht ans Kreuz genagelt wird.

Dass einige von ihnen 2017 im Zuge der Ruttensteiner- und Koller-Entsorgung sogar vom ORF als Dorftrottel an die Öffentlichkeit gezerrt und als Karrieristen mit bestenfalls beiläufigem Sinn für die tatsächlichen Interessen des heimischen Spitzenfußballs gebrandmarkt wurden, haben die Landespräsidenten nicht vergessen. Es hat ihnen nicht gefallen.

Hinzu kommt: Mehrheitlich handelt es sich um Langzeit-Präsidenten, die nicht mehr lange in ihrem Amt sein werden. Götschhofer und Bartosch (beide 66) sowie Lumper (62) sind in Oberösterreich, der Steiermark und Vorarlberg in ihren letzten Amtsperioden, sie gelten aber ohnehin als unverdächtig, was persönliches Machtstreben angeht. Salzburgs Ewig-Landeschef Herbert Hübel (66) hat sich vor zwei Monaten zurückgezogen, Geisler (69) hat seine letzte, bis 2028 laufende Amtszeit begonnen. Dieses Quintett wird die reduzierte Rolle der Landes-Chefs im ÖFB-Präsidium nicht mehr betreffen.

Sedlacek (69) hat sich dafür in Wien erst letztes Jahr in eine vierte Amtszeit wählen lassen und Gartner (73), im Jahr 2002 (!) erstmals NÖFV-Präsident, kann sich eine weitere Amtsperiode durchaus vorstellen.

Noch nicht lange amtieren Mitterdorfers Nachfolger in Kärnten, Jurist Martin Mutz (51), Salzburgs Übergangs-Chef Wolfgang Zingerle (65) sowie Georg Pangl (59) im Burgenland. Dieser macht keinen Hehl daraus, das Amt des ÖFB-Präsidenten anzustreben – aber nur hauptamtlich. Ob sich das bis zur nächsten Wahl in einem halben Jahr ausgeht? Zweifelhaft. So viel Reform auf einmal, und der ÖFB ist ein verkrustetes Schlachtschiff, kein agiles Startup.

Cos that would be a crime!

Wo bei alledem die Mannschaft selbst steht? Nun, sie steht vor Aufstiegsspielen für die A-Liga der Nations League (am 22. November wird einer aus dem Quartett Belgien, Serbien, Ungarn, Schottland zugelost) und vor einer WM-Qualifikation, die man als Team aus Topf 1 in Angriff nehmen wird.

Das heißt: Frankreich, Spanien, England, Deutschland, Portugal, Italien, Niederlande, Belgien, Kroatien, Dänemark und die Schweiz kommen als Gegner nicht in Frage. Die zwölf Gruppensieger fahren direkt zur WM nach Nordamerika, die Zweiten müssen in ein zweistufiges Playoff. Keine Frage: Die Voraussetzungen, sich erstmals seit 1998 für eine WM-Endrunde zu qualifizieren, sind so gut wie in den letzten sieben Turnieren vermutlich nie.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich durch den verbandsinternen Wirbel nicht Umwälzungen ergeben, welche diesem Ziel Knüppel zwischen die Beide werfen.

Cos that would be a crime.

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Die Aktivität ist zurück: Österreich siegt 4:0 und 5:1 https://ballverliebt.eu/2024/10/18/osterreich-norwegen-kasachstan-nations-league/ https://ballverliebt.eu/2024/10/18/osterreich-norwegen-kasachstan-nations-league/#comments Fri, 18 Oct 2024 21:27:52 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=20738 Die Aktivität ist zurück: Österreich siegt 4:0 und 5:1 weiterlesen ]]> „Wenn man so gar nichts von seinen Stärken zeigt, obwohl alle Gelegenheiten dafür da gewesen wären, ist das nicht gut.“ Die ersten beiden, sehr schaumgebremsten und auch vom Resultat her unbefriedigenden Länderspielen nach der EM, hinterließen etwas Ratlosigkeit: Negativer Ausreißer oder doch mehr?

Das 4:0 gegen Kasachstan und das 5:1 gegen Norwegen – und hierbei vor allem die Art und Weise des Auftritts, nicht nur die nackten Zahlen – stellten nun klar: Die Enttäuschungen vom September zeigten nicht das neue, blutleere Gesicht des EM-Achtelfinalisten. Sie bleiben aber das Mahnmal dafür, wie das ÖFB-Team aussieht, wenn die geistige Bereitschaft für das aufwändige Spiel nicht zu hundert Prozent gegeben ist.

Das 4:0 gegen Kasachstan

Der Wille, den gehemmten Eindruck vom September zu revidieren, war schon in den ersten Minuten des Matches gegen Kasachstan zu erkennen. Die Probleme, sich gegen tief stehende Gegner durchzukombinieren, sind bekannt – nicht zuletzt ganz frappant zu sehen gewesen im EM-Achtelfinale gegen die Türkei – und das ÖFB-Team hatte sich einen Plan zurechtgelegt, wie es sich gar nicht erst auf endlos-brotlose Ballstaffetten einlassen muss.

„Der beste Spielmacher war das Gegenpressing“, sagte Teamchef Ralf Rangnick nach dem Spiel und das war auch genau so gemeint. Österreich schlug immer wieder die Bälle vor das kasachische Tor bzw. in die grobe Richtung der Sturmspitzen. Gar nicht so sehr, um die Pässe direkt an den Mann zu bringen, sondern vor allem, um den Bällen nachzupressen und sie sofort zu erobern, weil die technisch recht limitierten kasachischen Verteidiger wenig damit anzufangen wussten und auch sofort ein Schwarm von Österreichern über sie herfiel.

Zudem gab man mit diesen Bällen dem unsicheren Torhüter Igor Shatsky die Möglichkeit, Fehler zu machen und Österreich holte auf diese Weise auch einen Eckball nach dem anderen heraus – alleine in der ersten Halbzeit waren es acht, am Ende des Spiels hieß die Eckenbilanz 14:3 für die Hausherren.

Es waren vielleicht nicht explizit absichtliche Ballverluste, um das Gegenpressing auszulösen, aber es ging schon deutlich in diese Richtung.

Leistung für die innere Hygiene

Das 1:0 durch Baumgartner fiel justament aus einer jener Situationen, in denen Kasachstan den Ball hinten gegen das scharfe österreichische Pressing nicht schnell genug und schon gar nicht kontrolliert nach vorne gebracht hat und den Gästen kam es überhaupt nicht gelegen, dass man eben nicht in Ruhe den Strafraum verbarrikadieren konnte. Kasachstan kam nie wirklich in die von Stanislav Tcherchessov gewünschte und etwa beim 0:0 gegen Norwegen und danach auch beim knappen 0:1 gegen Slowenien in anständiger Qualität gezeigte, eigene Spielweise.

Nach der Pause fielen auch die Tore, um innerhalb kürzester Zeit mit dem 2:0 und dem 3:0 alles klar zu machen, am Ende hieß es 4:0 und das war natürlich auch in der Höhe absolut korrekt. Dass man gegen Kasachstan gewinnen würde (und das auch muss), stand nie ernsthaft zur Debatte, es ging aber in der Tat mehr um das „Wie“ als um das „Was“. Gelingt es, wieder ein willigeres, aktiveres Gesicht zu zeigen als im September?

Die klare Antwort war „Ja!“ und damit versicherte man sich auch selbst, dass es kein grundsätzliches Problem war vor allem beim Spiel in Oslo, sondern eine mentale Blockade, entstanden aus den psychischen Nachwirkungen des zu frühen EM-Aus und den spezifischen Umständen des Spiels (Norwegens lange Bälle, die man nicht verteidigt bekam und das Doppelmühle-Spiel, das Sørloth und Ødegård mit Prass veranstalteten).

Das 5:1 gegen Norwegen

Der klare Sieg gegen Kasachstan war schön, aber es wurde auch deutlich, dass dieses Team das eindeutig schwächste der Gruppe ist. Wie soll man also gegen Norwegen jene Problemfelder umgehen, die in Oslo so schlagend wurden – sprich: Wie kann Österreich das eigene Spiel aufziehen, ohne Norwegen wieder ins offene Messer zu laufen?

Einer der größten Faktoren waren die Pressingauslöser. Es wurden die norwegischen Innenverteidiger vor allem dann mit Macht angelaufen, wenn sie mit dem Rücken zum Spielgeschehen standen – also nicht unmittelbar die Gefahr eines langen norwegischen Passes bestand. Wenn die Gäste es schafften, diese erste Welle zu überspielen – wie in der 6. Minute – hatten sie im Zentrum sofort Platz, was gleich mit einem Pfostenschuss von Håland bestraft wurde.

Oder – wenn doch ein langer Ball in Richtung des österreichischen Sechserraumes geflogen kam – verdichtete Österreich so rasch in dieser Zone, dass Norwegen eben nicht ungehindert die zweiten Bälle aufsammeln konnten. Dazu ging das ÖFB-Team wiederum früh durch Arnautovic in Führung, Baumgartner hatte ausnahmsweise zu viel Platz im norwegischen Zwischenlinienraum gehabt, konnte quasi ungehindert vor das Tor, ähnlich wie schon beim 1:0 gegen Kasachstan.

Österreich war danach sehr bemüht, die Kontrolle über das Spiel zu etablieren, indem Ballbesitzphasen ausgedehnt wurden – auch gegen das Anlaufen der Norweger. Im Zweifel mal ein Rückpass, jeder Ballführende hatte immer eine Exit-Option. Zwischen der 20. und der 25. Minute gab es eine Phase von 41 Pässen, nur von einem norwegischen Befreiungsschlag unterbrochen, die in einem Torschuss von Baumgartner mündete. Es folgte eine weitere Ballbesitzphase mit 27 Pässen. Zwischen 21:15 und 25:15 Minuten Spielzeit gab es nur drei norwegische Ballkontakte: der erwähnte Befreiungsschlag sowie danach Torhüter Nyland und Pedersen, der den Ball dann wegdrosch.

Norwegen mit untauglichen Mitteln

Norwegen machte den Zwischenlinienraum zu und verdichtete dort extrem, wenn Österreich da rein wollte. Da macht die Gestaltung zäh und zwang Österreich auf die Flügel – mit der Führung im Rücken hatte das ÖFB-Team aber keine Veranlassung, das mit aller Macht verhindern zu wollen. Zudem hatte Norwegen versucht, durch ein Hochschieben von Thorsby die österreichische Eröffnung zu behindern. Aber weil sich Seiwald (gegebenenfalls auch Laimer) zurückfallen ließ und Österreich so aus einer Dreierkette eröffnete, hatte das für Norwegen nicht den erhofften Effekt.

Der aus einem Freistoß resultierende 1:1-Ausgleich kurz vor der Pause – Pentz war auf der Linie geklebt – kam aus dem Nichts, sollte sich aber dank des reichlich ungeschickten Elfmeter-Fouls von Hanche-Olsen wenige Sekunden Beginn der zweiten Halbzeit nicht als nachhaltige Spaßbremse erweisen. Damit war Norwegen wieder gezwungen, selbst mehr zu tun, nun fiel das Fehlen von Martin Ødegaard so richtig ins Gewicht: Das Mittelfeld-Zentrum war kreativ tot, Linksaußen Nusa war vor der Pause kaum involviert und nach einer Stunde ausgewechselt; der wuchtige Ryerson hatte mit dem wuseligen Mwene große Probleme und Håland hing wie Sørloth in der Luft.

Österreich hingegen ging weiter drauf. Posch bedrängte nach einer Stunde Møller-Wolfe an der norwegischen Torlinie so sehr, dass letzterer einen Eckball hergab – der landete zum 3:1 im Netz. Wenig später behauptete der sehr fleißige Arnautovic, wie schon zuvor in vielen Situationen, von drei Norwegern bedrängt im Zehnerraum den Ball, erlaubte den Mitspielern das Aufrücken und er bediente Sabitzer, der schließlich das 4:1 assistierte.

Norwegen wusste nicht so recht, ob man das Ergebnis aufzuhübschen trachten sollte oder doch das 1:4 verwalten, und schon fing man sich aus einem Konter das 1:5. Vor allem Flanken aus dem Halbfeld auf die zweite Stange erwiesen sich als für Norwegen kaum zu verteidigen.

Wenn alles passt, ist es immer noch gut

Die norwegischen Medien übergossen ihr Team mit einer Lawine der Kritik. Knut Espen Svegaarden etwa, Beatwriter des norwegischen Teams für die größte Boulevard-Zeitung VG, sprach gar von der „katastrophalsten, peinlichsten Halbzeit Norwegens in meinen 40 Jahren als Sportjournalist“. Besonders bitter, weil Norwegen ja vor gerade mal einem Monat in Oslo auf Augenhöhe mit Österreich agiert habe und sogar gewonnen hat.

Aber war das da wirklich so? „Das sind wir“, betonte Marko Arnautovic nach dem 5:1 von Linz ins ORF-Mikro. Das in Oslo im September, das war nur ein Schatten des österreichischen Teams. Norwegen sah damals auf Augenhöhe aus, weil Österreich wirklich schlecht war, vermutlich das schlechteste Spiel der bisherigen Amtszeit von Ralf Rangnick abgeliefert hat. Das von Linz, das ist der tatsächliche Leistungsunterschied. Vielleicht nicht vier Tore, das war auch situationsabhängig. Aber spielt Österreich, was Österreich kann, kann Norwegen nicht mal hinschnuppern.

Die Art und Weise, wie Österreich diese beiden Spiele absolviert hat ist beruhigend. Die Ergebnisse sowieso. Aber, auch wenn ein 4:0 und ein 5:1 natürlich ein super Statement sind – hier ging es um das Selbstverständnis und um die Erkenntnis: Wenn die passende Strategie ordentlich umgesetzt wird, ist Österreich zu stark für die Gegner im B-Zug der Nations League. Wenn es aber nicht passt – der Gegner einen am falschen Fuß erwischt, das unglückliche EM-Aus noch im Hinterkopf ist, kein Druck ausgeübt wird – geht es eben auch gegen die Truppen aus dem B-Zug der Nations League schief.

Österreich hat den Gruppensieg nun in der eigenen Hand, Siege in Astana sowie in Wien gegen Slowenien reichen fix zum direkten Wiederaufstieg in die A-Gruppe. Spielt man so wie in den beiden Oktober-Matches, gelingt das. Spielt man so wie im September, eher nicht.

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Details entscheiden bei 1:3 gegen Kroatien: Österreich steigt ab https://ballverliebt.eu/2022/09/27/osterreich-kroatien-rangnick-abstieg/ https://ballverliebt.eu/2022/09/27/osterreich-kroatien-rangnick-abstieg/#respond Tue, 27 Sep 2022 12:47:55 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18315 Details entscheiden bei 1:3 gegen Kroatien: Österreich steigt ab weiterlesen ]]> Mit einem 1:3 gegen Kroatien endete die erste Nations-League-Kampagne für Österreich mit dem Abstieg. Wie in den meisten Spielen zeigte das ÖFB-Team auch hier gute Ansätze und starke Phasen, letztlich trafen die Kroatien im Spielverlauf aber die besseren Entscheidungen. So sicherten sie sich selbst den Gruppensieg.

Österreich – Kroatien 1:3 (1:1)

Wie schon beim 3:0 in Osijek vertraute Ralf Rangnick auf ein System mit Dreier-Abwehr. Damals hat es überhaupt nicht funktioniert und wurde nach einer halben Stunde für jenes 4-2-2-2 aufgegeben, das seither das Stamm-System war. Posch, Danso und Alaba bildeten die Dreierkette, Trimmel und Sabitzer (!) gaben die Wing-Backs, Schlager und Seiwald das Mittelfeld-Zentrum. Vor einem Christoph Baumgartner mit großem Aktionsradius stürmten Arnautovic (der mit dem 104. Länderspiel nun alleinige Rekordhalter auf der Männer-Seite ist) und Michael Gregoritsch.

Nach außen verteidigen

Die rasche Antwort auf das 0:1 in Form des Ausgleiches war wichtig, weil Österreich dadurch nicht lange dem Spielstand nachjagen musste. Kroatien hatte ein deutliches Übergewicht an Ballbesitz, das ÖFB-Team verteidigte die Gegner (im gewohnten 4-3-3 aufgestellt) nach außen. Anders als Österreich selbst drei Tage zuvor in Paris lief sich Kroatien dort aber nur bedingt fest. Die Qualität der Spieler und ihere Ballsicherheit erlaubte es ihnen, sich in den offensiven Halbräumen festzusetzen: Mit kurzen, schnellen Pässen wurde das österreichische Anlaufen umspielt.

Als Marcelo Brozovic nach einer Viertelstunde verletzt ausschied, änderte sich die Statik des Spiels ein wenig. Das lag aber weniger an Lovro Majer, der für Brozovic ins Spiel kam, sondern an daran, dass sich zunächst Baumgartner, dann vermehrt auch Gregoritsch in diese Halbräume fallen ließen. Wo zuvor nur Schlager und Seiwald für das Engmachen der Räume zuständig waren, gab es nun geringere Abstände.

Relais-Station ohne Impulse

Das Umschalten, wenn es Ballgewinne gab – vor allem in der eigenen Hälfte – war nicht gerade überfallsartig. Eher wurde darauf geachtet, den Ballbesitz zu sichern. Schlager und Seiwald hielten sich mit Vorwärtspässen auffällig zurück. Der gelegentliche Diagonalpass auf den aufgerückten Wing-Back, der gelegentliche Dribbling-Vorstoß (so wie bei Schlager, der kurz vor der Pause Arnautovic‘ große Torchance auflegte), aber viel mehr kam offensiv von den beiden nicht.

Dies führte dazu, dass Österreich das Spiel mit Fortdauer des Matches immer mehr beruhigen konnte und auch in der Ballbesitz-Statistik den früh verlorenen Boden wieder ein wenig aufholen konnte. Das führte aber nicht dazu, dass sich Österreich in der gegnerischen Hälfte gewinnbringend festsetzen hätte können. Versuche, hinter die kroatische Abwehr zu kommen (und sei es nur, um Eckbälle zu provozieren) waren absolute Mangelware.

Kroatische Adaptierung, österreichische Umstellung

Nach Brozovic‘ Auswechslung ging Kovacic auf die Sechs, Majer und Modric besetzten die Achter-Positionen. In der zweiten Halbzeit wurde aus dem 4-3-3 bei Kroatien ein 4-2-3-1, in dem Lovro Majer auf die Zehner-Position ging und situativ sogar neben Mittelstürmer Budimir (bzw. danach Livaja) auftauchte. Damit fiel Österreich der erste Pass schwerer und in der Folge auch die Tiefenbewegung. Nicht, dass Kroatien plötzlich wieder Oberwasser hatte, aber das Spiel schlief ein wenig ein.

Nach dem Dreifach-Tausch in der 62. Minute

Das wird Rangnick wohl zu dem Dreifachwechsel und der Systemumstellung nach 60 Minuten bewogen haben. Wie Zlatko Dalic zuvor ging nun auch er auf ein 4-2-3-1, mit Wöber und Lainer auf den Außenverteidiger-Positionen, Sabitzer und Cham (bei dessen Debüt) auf den Flügeln und Baumgartner hinter Gregoritsch. Bevor sich Österreich in der neuen Formation wirklich eingrooven konnte, kassierte man aber das 1:2 und gleich darauf das 1:3 – jeweils aus Hereingaben von der rechten Abwehrseite, bei denen die Abstimmung im Zentrum nicht passte.

Damit war die Luft bei Österreich entwichen. Die Kroaten ließen in der Folge den Ball wieder vermehrt in den eigenen Reihen zirkulieren, ohne mit Nachdruck den Weg nach vorne zu suchen und die Begegnung plätscherte ihrem Ende entgegen.

Fazit: Versuch war da, Limitationen auch

Dass die Umstellung nach einer Stunde ein Schuss in den Ofen war, räumte ja auch Ralf Rangnick selbst unmittelbar nach dem Spiel ein. Wobei der Gedanke wohl kein falscher war, ein einschlafendes Spiel mit eigenem Schwung neu in Gang zu bringen. Wie oft haben wir uns bei Foda aufgeregt, dass er nach einer Stunde ein Spiel bremsen wollte, anstatt die Daumenschrauben anzulegen. Was hätte es geholfen, ein Remis über die Zeit zu schaukeln? Nichts. Zum einen entspricht es nicht Rangnicks Denkweise – man erinnere sich an seinen Ärger nach dem späten Ausgleich durch Frankreich in Wien – und zum anderen hätte man so oder so nur mit einem Sieg die Chancen auf den Verbleib in der A-Gruppe nützen können.

Sofern der Gegner es zulässt, ist die Spielanlage unter Rangnick initiativer als unter Foda, das bleibt so, auch wenn man es in Paris nicht so richtig gesehen hat. Es wird versucht, selbst eine Entscheidung herbeizuführen – nicht, eine Entscheidung für den Gegner zu verhindern. Die Gegner in der Gruppe waren stark (Weltmeister, Vize-Weltmeister, EM-Halbfinalist), in vier der sechs Spiele hat man entweder angeschrieben und hatte die realistische Chance darauf.

Das ist gut, aber es wurden auch die Limitierungen des Teams deutlich. Es gibt ein Überangebot an tauglichen zentralen Mittelfeldspielern (Laimer und Grillitsch verleihen dem Zentrum nochmal andere Elemente als Schlager und Seiwald), gute Innenverteidiger sowie Stürmer, die grundsätzlich wissen, wo das Tor steht. Aber die Außenbahnen sind echte, teils dramatische Problemzonen. Um das Fehlen eines Zehners (und auch einen solchen hat Österreich nicht wirklich) kann man herumspielen, um fehlende Außenspieler nicht.

Das Team ist gut genug aufgestellt, um ohne große Sorgen in die EM-Qualifikation zu gehen (die am 9. Oktober ausgelost wird und Ende März 2023 startet) und die Teilnahme an der Endrunde in Deutschland muss das logische Ziel sein. Mit den echten Big Boys kann Österreich aber nicht ganz mithalten. Dafür müsste Rangnick ein Zauberer sein und sich auf magische Weise ein paar Flügelspieler herzauben, die auch in die Tiefe gehen.

So lange es die nicht gibt, hilft nur eines: So gut wie möglich darum herum spielen. Das hat Rangnick in dieser Nations League probiert. Er wird seine Schlüsse aus dem Gesehenen ziehen.

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Keine Chance: Österreich verliert 0:2 bei frischeren Dänen https://ballverliebt.eu/2022/06/14/danemark-osterreich-niederlage-rangnick/ https://ballverliebt.eu/2022/06/14/danemark-osterreich-niederlage-rangnick/#respond Tue, 14 Jun 2022 06:31:06 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18107 Keine Chance: Österreich verliert 0:2 bei frischeren Dänen weiterlesen ]]> Das letzte Spiel des Nations-League-Quartetts war sicher das bisher schlechteste für Österreich unter Ralf Rangnick. In Dänemark setzte es für ein personell wie kräftemäßig zumindest aus dem vorletzten Loch pfeifende ÖFB-Team eine verdiente 0:2-Niederlage. Dänemark presste wirkungsvoller, wirkte eingespielter und reifer als Österreich.

Dänemark – Österreich 2:0 (2:0)

Gerade in der Abwehr hatte Rangnick nicht mehr viele Möglichkeiten. Im 4-4-2 spielte diesmal Valentino Lazaro als Linksverteidiger und Patrick Wimmer im rechten Mittelfeld, dafür bekam zumindest Konrad Laimer eine kurze Pause. Für Dänemark waren von der besten Aufstellung Vestergaard, Delaney, Poulsen, und Damsgaard nicht dabei.

ÖFB-Team sofort unter Druck

Österreich nah von einem konsequenten Angriffspressing, wie schon zuletzt gegen Frankreich, Abstand. Der Grund dafür kann eine taktische Überlegung gewesen sein (nachdem sich die beiden Teams im Hinspiel gegenseitig niederpressen wollten, was einen hohen Kraftaufwand bedeutete), oder aber auf den Kräfteverschleiß der letzten anderthalb Wochen – oder beides.

Jedenfalls bekamen die Dänen längere Ballbesitzphasen zugestanden als die Österreicher, deren Aufbauversuche selten mehr als einen Vorwärtspass überlebten. Dänemark hingegen doppelte den österreichischen Ballführenden konsequent und auch das Gegenpressing griff. Große Torchancen gab es für die Dänen – von den beiden Toren abgesehen – zwar nicht, aber sie hatten das Spiel bombenfest im Griff.

Dänemark kontrolliert die Spielfeldbreite

Das lag auch daran, dass sie die Breite des Spielfeldes viel besser bespielten als Österreich. Dass die Gastgeber im Angriff nach außen gedrängt wurden, machte ihnen nichts aus: Durch ihr 3-4-3-System hatten sie ihre Außenspieler höher postiert, während sich Österreich immer eher im Zentrum zusammenzog. Aus dem Verbund tretende Spieler, die dänische Gegenspieler stellen wollten, wurden nicht so gut abgedeckt wie noch in Kroatien oder im Heimspiel gegen Dänemark.

Auch waren lange Bälle zur Seitenverlagerung ein probates Mittel für Dänemark. Das Querverschieben im Block klappte nicht reibungslos, die Dänen konnten so für Räume sorgen, die Mæhle links (gegen Debütant Patrick Wimmer) und Skov-Olsen rechts (gegen den auf ungewohnter Seite spielenden Lazaro) dann bearbeiten konnten.

Fehlende Aspekte im österreichischen Aufbau

Österreich selbst hingegen verdichtete sich auf dem Weg ins Angriffsdrittel im Zentrum. Dieser Fokus ist ein inhärentes Feature von Rangnick-Teams, gerade gegen Frankreich wurden aber gute Chancen (und auch das Tor) durch geschickte Pässe vom Zentrum in Richtung Halbfeld in die Schnittstelle zwischen AV und IV kreiert. Nun aber, gegen die dänische Fünferkette, fand Österreich diese Schnittstellen nicht und rannte sich somit fest.

Außerdem fehlten die Vertikalläufe und die Eröffnungspässe von David Alaba (bzw. Martin Hinteregger). Defensiv machte Danso zwar wieder fast alles richtig und Trauner spielte geschickt um seine Tempo-Nachteile herum, im Aufbau konnten beide aber nicht im Ansatz für jene Akzente oder auch Überraschungsmomente sorgen, wie sie der angeschlagene Alaba oder der verletzt gar nicht angereiste Hinteregger bieten können.

Halbzeit-Umstellungen von Rangnick

Gegen das kroatische 4-3-3 hatte sich das Fünferketten-System für Rangnick als Fehlgriff erwiesen, der schnell korrigiert wurde. Nun aber, in Dänemark, brauchte es die Fünferkette, um die Breite besser zu kontrollieren. Aus dieser Überlegung heraus stellte Rangnick für die zweite Halbzeit auf ein 5-2-3 um: Lainer und Weimann gaben nun die Wing-Backs, Sabitzer gab einen Achter-Linksaußen-Hybrid, Onisiwo kam von der rechten Seite. Zusätzlich kam Konrad Laimer für Xaver Schlager.

Zweite Halbzeit

Dies zeigte schnell Wirkung. Mit Laimer kam viel mehr Wucht ins Pressing, der (Noch?)-Leipziger eroberte zahlreiche Bälle – auch, weil die angelaufenen Dänen in dieser Zone nicht mehr so leicht auf den eigenen linken Außenspieler abgeben konnten. Stryger (der für den angeschlagenen Mæhle gekommen war) hatte nun sofort Lainer gegen sich stehen, mit Trimmel stand dahinter noch ein weiterer Gegenspieler.

20 verbesserte ÖFB-Minuten

Österreich verschaffte sich spürbar Luft und bis zu 68. Minute kam Dänemark zu keinem einzigen Torschuss mehr. Allerdings verpuffte der Boost nach 15 bis 20 Minuten zusehends, ohne dass man selbst Kasper Schmeichel in die Bredouille bringen hätte können. In der 66. Minute kamen Arnautovic (als linker Angreifer) und Gregoritsch (als Mittelstürmer, der sich situativ nach hinten fallen ließ); Sabitzer übernahm die Wing-Back-Position von Weimann.

Da jedoch bei Laimer die Kräfte wieder schwanden, krallte sich Dänemark wieder zunehmend Kontrolle über das Zentrum. In dieser Phase wirkte Österreich endgültig besiegt und die Dänen waren einem dritten Treffer näher als das ÖFB-Team einem Anschlusstor. Beides gab es nicht mehr.

Fazit: Viele Erkenntnisse aus den vier Spielen

Dänemark war geistig wie körperlich frischer, besser eingespielt, hatte mehr Schwung auf dem Platz und die besseren Chancen, hat verdient gewonnen. Gegen Frankreich war, der langen Führung zum Trotz, der Punkt ein glücklicher gewesen. In Kopenhagen gab es für Österreich erstmals unter Rangnick nichts zu holen. Die Niederlage ist korrekt und mit dem 0:2 ist Österreich wohl eher noch gut bedient.

Das sollte aber nichts daran ändern, dass die ersten vier Spiele unter Rangnick eine Aufbruchstimmung in Fußball-Österreich erzeugt hat, für die selbst Marcel Koller fast ein Jahr gebraucht hat (in fairness, Koller hatte auch nicht vier Spiele hintereinander und musste ein verheertes Team neu aufsetzen, Rangnick konnte sofort mit einem kundigen und seiner Spielidee gegenüber sehr aufgeschlossenen Kader arbeiten). Das unter Foda nur ein einziges Mal ausverkaufte Happel-Stadion war schon im zweiten Rangnick-Heimspiel voll. Rangnick hat wohl jetzt schon mehr öffentlichen Rückhalt als es Foda jemals hatte.

Diese vier Spiele haben auch viele Erkenntnisse gebracht, über Rangnicks Denkweise ebenso wie über Personalien. Hatte Foda noch gefordert, die Erwartungen ja nicht zu hoch zu stecken, fordert Rangnack im Gegenteil, den typisch-österreichischen Kleinmut auszutreiben. Ein glückliches Remis gegen den Weltmeister ist nicht zufriedenstellend, weil man bis kurz vor Schluss geführt hat und in der PK nach dem 1:1 zitierte Rangnick sinngemäß Herm Edwards. You play to win the game.

Das 4-4-2 mit Achtern als Mittelfeld-Außen war in diesen Matches sein präferiertes System, er hat aber kein Problem damit, es zu adaptieren, wenn es der Spielverlauf oder der Gegner nötig macht. Mit diesem System spielt er um die zwei größten Problemstellen im Team herum: Es gibt keine offensiven Außenspieler von internationalem Format und es gibt weit und breit keinen Zehner. Ein 4-2-3-1 verbietet sich für Rangnick also geradezu.

Die vier Spiele haben auch personell viel Aufschluss gebracht. Im Mittelfeld spielten Schlager und Seiwald (zentral) sowie Laimer und Sabitzer (halb-außen) jeweils 315 Minuten, also drei ganze Spiele plus eine Halbzeit. In der Abwehr ist Danso der große Gewinner und es wurde deutlich, dass es zumindest einen aufbauenden Innenverteidiger braucht – es steht zu vermuten, dass dies eher Alaba sein wird als der gleich alte Hinteregger, weil der Champions-League-Sieger vielseitiger einsetzbar ist als der Europa-League-Sieger.

Im Tor hat Pentz grundsätzlich eine gute Figur gemacht, er hat technische Vorteile gegenüber Lindner; dieser ist dafür größer und hat mehr Erfahrung. Im Angriff hat Rangnick den Luxus aus verschiedensten Spielertypen wählen zu können: Arnautovic und Weimann, Gregoritsch und Onisiwo, Kalajdzic und Baumgartner – As You Like It, würde Shakespeare sagen.

Im September geht es in Frankreich und gegen Kroatien noch darum, vielleicht wirklich den Abstieg aus der A-Gruppe zu vermeiden, vor allem aber darum, die an sich ja funktionierende Idee mit etwas mehr körperlicher und geistiger Frische zu vertiefen, als dies in diesem Schnellfeuer-Länderspielfenster am Ende einer langen Saison möglich war. Es gibt auf jeden Fall eine starke Basis, auf der man aufbauen kann.

Auch, wenn Peter Linden das nicht gefällt.

Spielzeit in den vier Matches

Torhüter: Lindner und Pentz jeweils 180 Minuten.

Abwehr: Trauner 270, Danso 230, Trimmel 225, Wöber 179, Alaba 158, Lainer 143, Friedl 91, Lazaro 82, Posch 62.

Mittelfeld: Laimer, Sabitzer, Seiwald, Schlager alle 315, Ljubicic und Wimmer 45.

Angriff: Weimann 199, Arnautovic 178, Gregoritsch 142, Onisiwo 117, Kalajdzic 110, Baumgartner 64.

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Achtungserfolg: Österreich erzittert 1:1 gegen Frankreich https://ballverliebt.eu/2022/06/10/osterreich-frankreich-unentschieden-rangnick/ https://ballverliebt.eu/2022/06/10/osterreich-frankreich-unentschieden-rangnick/#comments Fri, 10 Jun 2022 20:51:52 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18100 Achtungserfolg: Österreich erzittert 1:1 gegen Frankreich weiterlesen ]]> Mit einer kernigen Abwehrschlacht in der zweiten Hälfte und auch etwas Glück kommt Österreich zu einem 1:1 gegen Weltmeister Frankreich. Diesmal traute sich die Truppe von Teamchef Ralf Rangnick nicht ganz so aggressiv vorne drauf zu drücken wie beim 3:0 in Kroatien und dem 1:2 gegen Dänemark, kontrollierte Frankreich eine Hälfte lang gut – bis die Franzosen weiter aufrückten.

Österreich wieder im 4-4-2 wie gegen Dänemark, wieder mit engen Ketten

Das ÖFB-Team war wieder im 4-4-2 aufgestellt, wiederum mit Sabitzer und Laimer auf den Außenpositionen im Mittelfeld. Wie schon fast gewohnt standen die Ketten sehr eng, man verzichtete aber darauf, schon die französische Innenverteidigung anzulaufen, stellte stattdessen eher die Eröffnungspässe zu – das wirkte etwas zurückhaltender als noch gegen Dänemark. Man verhindert damit aber zumeist gut, dass die Franzosen mit Tempo durchkommen.

Ähnliche Systeme

Frankreich vertraute auf praktisch das selbe System: Ein enges 4-4-2 gegen den Ball, in dem es für Österreich kein Durchkommen gab. Zwar ließen die Franzosen zu, dass Alaba neben dem Sturm-Duo weit nach vorne dribbeln konnte, aber bei den zwei Viererketten war Schluss. In Wahrheit lauerten die Franzosen sogar ein wenig darauf – zu sehen in jener Szene nach einer Viertelstunde, als nach einem besonders weiten Alaba-Vorstoß die Absicherung fehlte, Seiwald die gelbe Karte nehmen musste und der fällige Freistoß von Pentz doppelt abgewehrt wurde.

Auch Frankreich mit zwei sehr engen Ketten

Im Versuch, nach vorne zu kommen, behalf sich Österreich notgedrungen mit Chip-Bällen in die Spitze in Richtung Arnautovic, um den Block zu überspielen. Die schnellen französischen Innenverteidiger Konaté und Saliba schafften es aber souverän, keine Abschlüsse aus diesen Situationen zuzulassen. Erst, wenn Österreich in der französischen Hälfte Ballbesitz etabliert hatte, zogen sich die beiden dunkelblauen Ketten bis an den eigenen Sechzehner zurück.

Geniestreich zur Führung

Nach etwa 20 Minuten schlief die Partie ein wenig ein. Die Franzosen waren im Enghalten der Ketten nicht mehr ganz so aufmerksam; zudem blieb die Abwehrkette an der Mittellinie wie an einer Grenze stehen, konnte aber die weiten Seitenverlagerungen der Österreicher nun besser antizipieren und die aufrückenden ÖFB-Außenverteidiger schneller stellen.

Besser kam Österreich nun durch, in dem Pässe aus dem Zentrum oder dem Halbfeld in Richtung Außen. So wie beim 1:0, als sich Arnautovic so in die Schnittstelle begeben konnte und Laimer nachrückte, ehe im Zentrum Weimann zum 1:0 verwertete. Und wie wenige Minuten später, als Schlager auf Laimer gab und dieser wieder viel Platz vorfand.

Frankreich rückt viel weiter auf

Nach dem Seitenwechsel rückte die französische Abwehrkette im Ballbesitz weiter auf und drückte Österreich somit weiter hinten hinein, vor allem über die Außenpositionen gab es nun viel Druck von den Gästen und verlorene Bälle wurden schnell wieder zurück erobert. Ein Ausgleich wäre in dieser Phase verdient gewesen und Coman verschoss die beste Chance leichtfertig. Deschamps brachte nach einer Stunde Mbappé für Griezmann, um die Daumenschraube weiter anzusetzen.

Österreich konnte sich kaum befreien, selbst Alaba konnte die Bälle nur noch unkontrolliert nach vorne schlagen und musste dann auch angeschlagen ausgewechselt werden, die beiden frischen Stürmer Gregoritsch und Onisiwo konnten vorne ebenso nicht ganz nach Wunsch die französische Eröffnung verzögern. Durch die erzwungene Auswechslung von Alaba wurde Rangnick auch seines dritten Wechselslots beraubt, wodurch in den letzten 25 Spielminuten keine personellen Impulse mehr gesetzt werden konnten.

Zittern bis zum Schluss

Was nach dieser 70. Minute beim Wechsel von Danso für Alaba aber passierte, war die Umstellung auf eine Fünferkette – Sabitzer rückte gegen den Ball weit nach hinten, gab den Linken Wing-Back, Danso ging auf die linke Seite von Trauner – die Dreierketten-Formation mit Trauner im Zentrum. Damit konnte ein wenig Druck absorbiert werden, aber dass sich Mbappé einmal zwischen Trauner und Danso davon stahl, als Österreich aufgerückt war, und nach einem Pass in den Lauf zum 1:1 einschoss, konnte nicht verhindert werden.

Schlussphase: Österreich im 5-3-2

Ebenso wenig, dass Mbappé kurz danach sogar das 2:1-Siegtor auf dem Fuß hatte, aber Patrick Pentz – der mit seiner guten Technik im Spielverlauf oftmals schnell weiterspielen konnte und damit einige potenziell brenzlige Situationen entschärfen hatte können – lenkte den Schuss gerade noch an die Latte. Ein letzter Entlastungsangriff von Österreich tief in der Nachspielzeit konnte man nicht zum Lucky Punch nützen

Fazit: Auch Abwehrschlacht ist möglich

36 Prozent Ballbesitz, kaum dreimal ordentlich in die gegnerische Hälfte gekommen, dafür in einigen Situationen kräftig Glück gehabt: In der zweiten Hälfte merkte man schon, dass das kein gelangweiltes kroatisches Team war, sondern ein Weltmeister, der bei aller üblichen Nüchternheit dann doch nicht nach dem Niederlage gegen Dänemark auch in Österreich verlieren wollte.

Hatte es Österreich vor der Pause noch gut geschafft, die Franzosen bis auf einige wenige Szenen zu neutralisieren, war man nach dem Seitenwechsel nur noch am Druck absorbieren. Die Stürmer waren sichtbar zu k.o., um noch großen Druck auszuüben und auch Laimer wäre ein Kandidat für eine kräftebedingte Auswechslung gewesen, wäre es noch nötig gewesen. Dafür erwiesen sich Schlager und Seiwald im Mittelfeld-Zentrum als umsichtige Pferdelungen: Sie sicherten hinter dem aufrückenden Alaba ab und schoben situativ nach vorne, aber immer mit Abstimmung, nie ohne die Absicherung zu entblößen.

Letztlich kann man das 1:1 als „Glück des Tüchtigen“ verbuchen, das man sich durch die sehenswerten Darbietungen in Osijek und gegen Dänemark karmamäßig erarbeitet hat. Das nimmt man gerne mit.

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Härtetest gegen Dänemark trotz spätem 1:2 bestanden https://ballverliebt.eu/2022/06/07/nations-osterreich-danemark-rangnick-heimspiel/ https://ballverliebt.eu/2022/06/07/nations-osterreich-danemark-rangnick-heimspiel/#comments Tue, 07 Jun 2022 12:00:34 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18094 Härtetest gegen Dänemark trotz spätem 1:2 bestanden weiterlesen ]]> Auch im zweiten Spiel unter Ralf Rangnick zeigte die die neue Herangehensweise beim ÖFB-Team deutlich. Zwar unterlag man Dänemark mit 1:2, aber die Art und Weise des Auftritts hinterlässt ganz andere, viel positivere Gefühle als beim haarsträubenden 0:4 gegen den gleichen Gegner an gleicher Stelle vor 15 Monaten.

Österreich – Dänemark 1:2 (0:1)

Mit jenem 4-4-2 mit Achtern auf den nominellen Außenpositionen, das gegen Kroatien ab der 30. Minuten so gut funktioniert hat, schickte Ralf Rangnick sein Team in das Match gegen Dänemark. Darin kam eine neue Innenverteidigung (Alaba und Posch) zum Einsatz, dazu kamen Ljubicic (linkes Mittelfeld) und Kalajdzic (vorne) ganz neu ins Team, ebenso Torhüter Patrick Pentz. Alle anderen waren in Osijek zumindest phasenweise im Einsatz. Dänemarks Teamchef Kasper Hjulmand entschied sich für ein 3-4-1-2, in dem Christian Eriksen als nomineller Zehner oftmals weit nach vorne schob und eher eine falsche Neun neben zwei Außenstürmern (Poulsen und Braithwaite) gab.

Intensiv, aber nicht direkt schön

Anders als die behäbigen Kroaten sind die Dänen, no pun intended, eine Starkstrom-Mannschaft: Mit hoher Intensität und aggressivem Anlaufen nehmen sie dem Gegner Platz und Raum. Da Österreich unter Rangnick ebenso spielt, entwickelte sich rasch ein Spiel, das auf nationaler Ebene etwa an das 2021er-Cupfinale zwischen Salzburg und dem LASK erinnerte: Zwei Mannschaften versuchen sich gegenseitig anzupressen, das Ergebnis sind viele Zweikämpfe, viel Wille, aber wenig Spielfluss und ein im ästhetischen Sinne nicht direkt schönes Spiel. In der ganzen ersten Hälfte gab es nur drei ernsthafte Torchancen; zwei davon für die Dänen, eine davon nützten sie.

Das Zentrum des Spielfeldes war eine besonders umkämpfte Zone, beide Mannschaften schafften es hier gut, den Gegner konsequent zu doppeln und Ballgewinne zu erzielen. Die einrückenden Außenspieler Ljubicic und Laimer ermöglichten Österreich eine Überzahl im Zentrum, in dem auch die Abstände zwischen den Spielern wiederum sehr gering waren und damit kurze Anlauf-Wege bestanden und auch eine gute Absicherung. Baumgartner und Kalajdzic hatten aber einen schweren Stand, gegen Dreierkette in der dänischen Abwehr durch die Mitte in den Strafraum zu kommen.

Drei Optionen

Auch das Gegenpressing verhinderte oftmals, dass ein im Zentrum gewonnener Ball auch gewinnbringend weiter verarbeitet wird. Andere Strategien waren dafür gefragt. Bei Österreich waren es drei Varianten, die auffielen. Zum einen eine Form von „Dump & Chase“ – also, wie schon gegen die Kroaten, Chip-Bälle in die Spitze, um nachzupressen und Bälle am Strafraum zu erobern. Dann öffnende (Flach-)Pässe von Alaba entweder durch das Zentrum durch oder auf die Außen.

Und schließlich das Rausrücken des Achter-Außen aus dem im Zentrum verdichteten Block, um neben dem Strafraum bzw. im Rücken des dänischen Wing-Backs hinter die Dreierkette zu kommen um per Stanglpass eine Chance vorzubereiten. Idealtypisch funktionierte dieser Spielzug bei jener Chance in der 16. Minute, als Kalajdzic knapp nicht mehr an den Ball kam.

Symbolhafter Alaba

Überhaupt war David Alaba in seinem ersten Spiel nach dem dritten Champions-League-Sieg seiner Karriere ein Symbolbild dafür, was Rangnick anders macht. Man bekam quasi das Beste aus zwei Alaba-Welten: Zum einen seine Expertise als Innenverteidiger, als der er sich selbst auch mittlerweile eindeutig sieht – das sagte er vor einigen Wochen im Kicker-Interview. Zum anderen jenen Alaba, der quasi aus dem Mittelfeld das Spiel dirigiert, denn die Abwehrkette rückte wieder oft sehr weit in die gegnerische Hälfte auf. Im Durchschnitt war Österreich Abwehrlinie 49,8 Meter vor dem eigenen Tor postiert.

Hier hatte Alaba das Spiel vor sich und konnte versuchen, mit seiner Übersicht uns seinen Pässen die österreichischen Angriffe einzuleiten und zu lenken. Marko Arnautovic, der für die zweite Halbzeit in sein 100. Länderspiel gekommen ist, winkte Alaba öfter als ein Autostopper an der Bundesstraße vorbeikommenden Autos. Oft galten Zuspiele auch ihm, und wenn nicht, band er zumindest Gegenspieler.

Dänische Reaktion und bezeichnender Ausgleich

Die Dänen führten zwar zur Halbzeit mit 1:0, dennoch fühlte sich Hjulmand nicht sicher, was auch mit der Einwechslung von Sabitzer statt Ljubicic zusammenhängen mag. Er stellt nach 51 Minuten jedenfalls auf ein 4-2-3-1 um. Damit sorgte er für eine tiefer gestaffelte Doppelbesetzung an den Flügeln (RV/LV mit RM/LM statt RWB/LWB mit RA/LA) und es erlaubte Eriksen, sich etwas tiefer zu positionieren, weil mit Andreas Cornelius nun ein echter Mittelstürmer auf dem Feld war. Ein Gegner reagiert auf Österreich, auch das gab es schon länger nicht mehr.

Mit seinem Dreifachtausch in der 52. Minute stellte Hjulmand auf 4-2-3-1 um.

Österreich kam nun tatsächlich nicht mehr ganz so leicht unbedrängt neben die Box, dafür fiel ein Tor, das es bis vor kurzem niemals gegeben hätte: Drei Österreicher üben bei einem kurz abgespielten dänischen Abstoß IM (!!!) gegnerischen Strafraum Druck aus, man gewinnt den Ball, Arnautovic spielt nach einem kurzen Haken auf Schlager auf, das 1:1 war da. Dänemark konnte – von Eriksens durch Pentz gerade noch zur Latte gespitzelten Schuss abgesehen – in der zweiten Hälfte nicht mehr wirklich gefährlich werden, letztlich war auch Strygers Schlenzer zum 2:1 keine wirkliche Torchance.

Bei Österreich gab es hingegen einige gute Möglichkeiten: Arnautovic‘ Stangenschuss in der 74. Minute und sein knapp links verzogener Versuch (78.) zum Beispiel, Gregoritsch hatte danach noch die Chance zum Ausgleich (87.) und auch in der Nachspielzeit gab es noch mal zwei Halbchancen. Der Ausgleich wäre angemessen gewesen, gelang aber nicht mehr.

Fazit: Ein ganz anderes Spiel als damals

Es war ein komplett anderes Spiel als das berüchtigte 0:4 vor einem Jahr: Österreich stand kompakt, ließ sich weder vom dänischen Pressing noch vom Rückstand aus der Ruhe bringen. War man vor 15 Monaten noch gedanklich stets hintennach, begegnete man Dänemark nun auch diesbezüglich auf Augenhöhe. Das ÖFB-Team zwang sogar Dänemark zu einer Reaktion – das war beim 0:4 noch völlig anders. Die Absicherung im Pressing passte, das Durchsichern in der Restverteidigung erlaubte den Dänen kaum Raum und man bot dem EM-Halbfinalisten mutig die Stirn. Das Pressing war gezielt und sicher und ermöglichte sieben Ballgewinne im Angriffsdrittel (Dänemark: drei) und man musste nie Angst haben, dass die Dänen wie damals in 50 Meter freien Konterraum reinlaufen konnten.

Die Niederlage ist ein wenig ärgerlich, aber kein Beinbruch, denn in diesem Bewerb und und zu diesem Zeitpunkt in Rangnicks Amtszeit steht ein wesentlich größeres Augenmerk auf dem „Wie“, nicht so sehr auf dem nackten Ergebnis – das kommt nächstes Jahr in der EM-Quali. Den zweiten Lostopf hat Österreich dort sicher; kommt man unter die zehn besten der 16 A-Gruppen-Teams (minus Deutschland), wäre es sogar der erste.

In jedem Fall war nach den Kroaten, die man auf dem falschen Fuß erwischte und die auch keine große Lust auf das Match gehabt hatten, das Dänemark-Spiel nun ein richtiger Härtetest für Rangnick-Österreich. Auch, wenn es eine knappe Niederlage gab: Die inhaltliche Prüfung hat Österreich bestanden.

Spielzeit Feldspieler: Laimer und Schlager 180 Minuten, Sabitzer und Seiwald und Trimmel 135, Danso 118, Friedl 91, Alaba und Arnautovic und Trauner 90, Wöber 89, Weimann 71, Baumgartner 64, Posch 62, Kalajdzic und Lainer und Ljubicic und Onisiwo 45.

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Das Rangnick-Debüt als Antithese zum Foda-Ball https://ballverliebt.eu/2022/06/05/rangnick-osterreich-kroatien-debut-foda/ https://ballverliebt.eu/2022/06/05/rangnick-osterreich-kroatien-debut-foda/#comments Sun, 05 Jun 2022 12:49:29 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18083 Das Rangnick-Debüt als Antithese zum Foda-Ball weiterlesen ]]> Mit einem 3:0-Auswärtssieg in Kroatien beginnt die Amtszeit von ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick. Das Ergebnis gegen nicht gerade aufopferungsvoll kämpfende Kroaten ist erfreulich, aber auch die Art und Weise spricht für einen weitgehenden inhaltlichen Bruch mit der Spielidee, wie sie unter Franco Foda verfolgt worden war. Und zwar in vielerlei Hinsicht.

Kroatien – Österreich 0:3 (0:1)

Die erste halbe Stunde

Rangnick entschied sich für ein 3-5-2, in dem die Wing-Backs gegen den Ball sehr weit hinten standen und mit Ball sehr weit aufrückten. So weit, dass selbst die drei zentralen Verteidiger sehr weit nach vorne schoben: Danso lief Brekalo einige Male tief im österreichischen Angriffsdrittel an, Trauner schob entsprechend weit mit nach vorne.

Die Aufstellung in einem 5-3-2, wenn die Kroaten den Ball hatten, funktionierte aber nicht. Neben den beiden Achtern Laimer und Schlager hatte Kroatien viel Platz, um sich mit Außverteidiger, eigenem Achter und Außenstürmer auszubreiten. Das konsequente Anlaufen im Zentrum verpuffte damit. Immerhin: Die planvolle Absicherung der Pressing-Welle war gegeben, ein erster signifikanter Unterschied zum Spiel unter Foda.

Die Umstellung auf 4-4-2

Das Mittelfeldtrio mit Sabitzer (zentral) sowie Laimer (rechts) und Schlager (links) driftete nach etwa 20 bis 25 Minuten als Ganzes nach rechts, der linke Wing-Back Weimann spielte höher und Lainer rechts tiefer. Dies war die nach dem Spiel als Schlüssel immer wieder angesprochene Systemänderung auf ein „4-2-2-2“, wie es Spieler und Teamchef danach angaben – dieses klare Wording ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass diese Variante genau so im Vorfeld als Option trainiert und auch genau so bezeichnet wurde.

In dieser Formation jedenfalls hatte Österreich die Außenbahnen wesentlich besser im Griff und auch die beiden Achter Pašalić und Kovačić waren viel weniger ins Spiel eingebunden, weil ihnen der Raum genommen wurde: Das Anlaufen geschah nicht mit wildem Furor, sondern gezielt und durch die geringen Abstände mit guter Absicherung.

Nach der Umstellung ab ca. der 25. Minute (links) bzw. nach der Halbzeitpause (rechts)

Räume bei ratlosen Kroaten

Die Gastgeber konnten zunächst überhaupt nichts mit der veränderten Statik des Spiels anfangen und agierten so, wie man es unter Foda eher von Österreich gewohnt war: Mit mehr Ballbesitz, aber kaum Ideen und erschütternd viel freiem Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr. In diesen hinein gab es zahlreiche Chip-Bälle auf den sehr mobilen Onisiwo (der danach oft das Dribbling suchte, um Mitspielern die Zeit zum Aufrücken zu geben) und Arnautovic. Dieser war von Bologna-Coach Mihajlović im Winter öffentlich dazu angehalten worden, mehr selbst den Abschluss zu suchen und weniger für Mitspieler aufzulegen; bei seinem Abschluss von der Strafraumgrenze zum 1:0 kurz vor der Pause war das die genau richtige Entscheidung.

Selbst kamen die Kroaten kaum noch nach vorne. Im Gegenteil spielten sie sehr viel hinten herum, weil ihnen die Anspielstationen im Zentrum genommen wurden und weil ihnen überall sonst sofort ein Österreicher auf den Zehen stand. Hatte ÖFB-Keeper Heinz Lindner zuvor noch diverse Male retten müssen, zwei-, dreimal auch in höchster Not, war die kroatische Offensive nun sehr gebremst.

Das hätte Arrigo Sacchi gefallen

Für die zweite Hälfte adaptierte Rangnick das Personal am Feld: Weimann ging nach vorne, Sabitzer übernahm die Position im linken Mittelfeld, Seiwald kam für das Zentrum und Gregoritsch statt Arnautovic für die Spitze. Die beiden österreichischen Viererketten standen nun recht eng zusammen und auch die beiden Stürmer nicht weit davor. Was von Teamchef und Team als 4-2-2-2 angegeben wurde, war in der Praxis eher ein 4-4-2, wie es Arrigo Sacchi gefallen hätte: Mit kaum 25 Metern zwischen dem hintersten und dem vordersten Feldspieler und gezieltem Anlaufen der kroatischen Gegner, sobald diese in die Nähe kamen. Dank der geringen Abstände auch mit einer exzellenten Absicherung hinter den anlaufenden Spielern. Mit diesen Grundsätzen revolutionierte Sacchi Ende der 1980er nicht nur den italienischen Fußball.

Und vor allem: Mit aktiver Spielweise und weitem Aufrücken, selbst als man zwar führte, aber noch vor dem Doppelpack, der das Match entschied. Das war ein weiterer großer Unterschied zum Foda-Ball: Anstatt sich zurückzulehnen, wurde aktiv nach vorne verteidigt. Der Block stand in der Regel auf Höhe der Mittellinie statt vor dem eigenen Sechzehner. Es wurde nicht Druck angesaugt, um die Führung zu verteidigen und eventuell einen Konter (über 70 Meter) zu fahren; sondern 30 Meter weiter vorne versucht, den Gegner zu stören und im Idealfall bei Ballgewinnen schon bei der Mittellinie mit dem schnellen Gegenstoß zu beginnen.

Mit dem Sabitzer-Weitschuss zum 3:0 nach knapp einer Stunde war das Match entschieden, die Herangehensweise bei Österreich wurde aber kaum verändert. Auch nach den weiteren Wechseln (Baumgartner für Gregoritsch vorne, Friedl für Wöber links hinten) ließ sich Österreich nie reindrücken – die auch psychisch besiegten Kroaten forcierten das allerdings auch nach der Einwechslung von Modrić nie mit Nachdruck.

Die letzten halbe Stunde war in ihrer ganzen aktiven, erwachsenen Seriosität beinahe langweilig. Anders als bei vielen Champions-League-Spielen von Real Madrid in dieser Saison hatte man auch zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass ein kroatischer Anschlusstreffer an der Sicherheit den österreichischen Sieges irgendetwas ändern würde.

Fazit: Optimismus ist angebracht

Man muss wahnsinnig aufpassen, nicht aus einer gefühlten Euphorie heraus jetzt alles hochzujubeln, nur weil es nicht mehr Franco Foda ist, der an der Seitenlinie steht. Das ÖFB-Team hatte wesentlich mehr Lust auf dieses Spiel, die Kroaten hatten nichts zu beweisen, traten nicht in absoluter Bestbesetzung an und der Spielverlauf spielte Österreich massiv in die Karten.

Und doch gibt es zahlreiche Aspekte, die dafür sprechen, dass nun deutlich mehr aus dem Potenzial des Kaders herausgeholt wird. Neben der spürbaren Freude der Spieler selbst (wie es Wöber kaum verklausuliert formulierte) fiel auf, dass die Abwehr viel weiter nach vorne schob, wenn die Offensivspieler pressten – selbst auswärts bei einer knappen Führung stand die Kette teilweise fünf bis zehn Meter in der gegnerischen Hälfte, anstatt wie unter Foda sklavisch bei der Mittellinie halt zu machen.

Die Formation wirkte kompakter, das Anlaufen sah eine passende Abstimmung. Und vor allem: Anstatt ewig zu warten oder gleich gar nicht zu reagieren, räumte Rangnick den ursprünglichen Plan schon nach 20 Minuten zur Seite, stellte das System um und löste damit die größten Problemstellen auf; Detail-Adaptierungen folgten in der Halbzeit. Und schließlich kam niemand auf die Idee, sich nach der Führung zurückzuziehen. Den Spielern selbst bereitete das unter Foda ohnehin teilweise offen sichtbares Unbehagen; nun werden sie in ihrem Instinkt des Vorwärtsdenkens unterstützt.

Keinesfalls darf man nun in eine übertriebene Euphorie verfallen und die Formulierungen einer „Goldenen Generation“ im ÖFB sind weiterhin übertrieben. Wahr ist aber, dass Ralf Rangnick – wie auch schon Franco Foda – einen soliden und gutklassigen Spielerpool zur Verfügung hat, der auf einigen Position stark besetzt ist (zentrales Mittelfeld, Innenverteidigung – was für ein tolles Spiel zeigte Kevin Danso!), auf anderen nicht (Zehner, offensive Außenspieler). Der Auftritt von Osijek legt die Annahme nahe, dass Rangnick um dieses Ungleichgewicht weiß und sein Team drumrum spielen lässt, ohne ihm die Stärke zu nehmen und vor allem, ohne dem Team eine Spieldenke aufzudrücken, die ihrem Instinkt widerspricht.

Das alleine ist schon ein Zeichen, das eine positive Entwicklung vermuten lässt; ganz unabhängig vom Ergebnis.

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1:1 gegen Norwegens Not-Elf: Mit gefühlter Niederlage zum Aufstieg https://ballverliebt.eu/2020/11/18/osterreich-norwegen-nations-league-aufstieg/ https://ballverliebt.eu/2020/11/18/osterreich-norwegen-nations-league-aufstieg/#comments Wed, 18 Nov 2020 22:03:19 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17255 1:1 gegen Norwegens Not-Elf: Mit gefühlter Niederlage zum Aufstieg weiterlesen ]]> Die gute Nachricht: Österreich ist Gruppensieger und steigt damit in den A-Pool der Nations League auf. Die schlechte: Gegen das hastig und bunt zusammen gewürfelte Team aus Norwegen, das coronabedingt das eigentliche Nationalteam ersetzen musste, hätte es beinahe eine verdiente Niederlage gegeben. Erst der Ausgleich in der 94. Minute verhinderte die Niederlage für ein ideen- und espritloses ÖFB-Team, das schon vor dem Rückstand wenig Plan zeigte und danach jegliche Struktur verlor.

Österreich – Norwegen 1:1 (0:0)

Franco Foda konnte – bis auf den gelbgesperrten Dragovic – sowas wie eine stärkste Mannschaft aufbieten. Bei den Norwegern musste, weil der eigentliche Team-Kader in Quarantäne ist, eine Not-Elf anrücken, die von der Wertigkeit der Spieler etwa damit vergleichbar ist, was der ÖFB im Test gegen Luxemburg aufbot: Natürlich weit weg vom Wunsch-Personal, aber durchaus erweiterer Kreis.

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Norwegen: Simpel, aber effektiv

Eingespielt konnte diese norwegische Truppe, mit U-21-Trainer Leif-Gunnar Smerud, natürlich nicht sein. Und doch war ein simples, aber gut greifendes Konstrukt an Plan zu erkennen. Die norwegische Spielweise haben da eben alle verinnerlicht.

Smeruds im klassischen 4-4-2 formierte Mannschaft verteidigte gegen den Ball sehr tief, wobei stets einer aus dem Block in Richtung Ballführenden herausrückte und den Österreichern damit die Zeit nahm. Sobald das ÖFB-Team von hinten über Ilsanker und Hinteregger aufbauen wollte, pressten der Ex-Rapidler Berisha und das in der Eredivisie spielende Angriffs-Talent Stand-Larsen.

Besonders gut war Norwegen darin, schnell vor das Tor zu kommen, wenn in der österreichischen Hälfte ein Ballgewinn gelang. Hierbei kam den Gästen zugute, dass das defensive Umschalten bei Österreich zu langsam passierte. Es gab eine Phase etwa nach einer halben Stunde, als Norwegen innerhalb weniger Minuten zwei-, dreimal gefährlich vor dem österreichischen Tor auftauchte.

Zwei getrennte Mannschaftsteile

Das ÖFB-Team agierte nominell in einem 4-2-3-1, das in der Praxis aber eher ein 4-2-4 war. Darin agierte das Offensiv-Quartett mit Ranftl, Sabitzer, Arnautovic un Alaba sehr eng.

Im Hinspiel, beim 2:1-Sieg in Oslo, ging Österreich über die Außenbahnen nach vor, um von den Seiten zwischen die beiden norwegischen Viererketten zu kommen. Diesmal wurden die Offensivspieler, die sich zumeist zwischen den beiden Ketten aufhielten, dort eingeklemmt: Ulmer und Lainer gingen zwar viel nach vorne, bekamen aber keine Gelegenheit für die Pässe in den gegnerischen Sechserraum.

So zerfiel die österreichische Mannschaft schon nach zehn, zwanzig Minuten in zwei Teile: Hinten die Abwehrkette und die beiden Sechser und vorne das in der Luft hängende Angriffs-Quartett.

Selbstisolation bleibt bestehen

Dass die Außenverteidiger quasi oder Vorderleute spielen mussten, hatte zur Folge, dass Lainer und Ulmer oft zu bremsenden Querpässen auf Baumgartlinger und Schlager gezwungen waren. Schon recht früh in der ersten Halbzeit wurde eine gewisse Ratlosigkeit sichtbar, aber anstatt die offensichtlich nicht funktionierende Spielweise zu ändern, wurden lange Bälle ins norwegische Getümmel geschlagen – oder auch Seitenwechsel auf den ballfernen Außenspieler, wenn sich der norwegische Block mal etwas zu weit ins Zentrum bewegt hatte.

Vernünftige Abschlüsse waren aber kaum dabei. Franco Fodas schon halb durch die erste Halbzeit mit hörbarer Frustration hinein gerufene „Zweite Bälle!“ vermittelte auch nicht direkt den Eindruck von maßgeblichen inhaltlichem Input, wie man das Spiel etwas stringenter gestalten könnte.

Daran änderte sich auch zu Beginn der zweiten Halbzeit wenig – weiterhin bekam Österreich den Ball kaum gewinnbringend ins Angriffsdrittel, und wenn er mal dort war, regierte die Improvisation. Und dann ging Norwegen auch noch in Führung.

Schlussphase ohne Struktur

Foda reagierte, indem er Grbic für Schlager brachte; Sabitzer rückte dafür nach hinten neben Baumgartlinger. Seine Laufwege von hinten heraus – er spielt in Leipzig ja auch eher im Mittelfeld – waren beim 2:1 gegen Nordirland verpufft und als nomineller Zehner war er zuvor zu hoch dafür positioniert gewesen.

Die Chance, die Alaba per Stanglpass für Grbic in der 70. Minute auflegte, verdeutlichte, was dem österreichischen Spiel so gefehlt hat: Es gelang nicht, es wurde nicht einmal wirklich versucht, mit Tempo hinter die norwegische Abwehr zu gelangen. Weiterhin fehlte es den Außenspielern an Mitspielern, um Norwegen mit schnellen Passfolgen etwas zu tun zu geben.

Anstatt Schwung aufzunehmen, verlor das ÖFB-Team in der Folge auch noch die letzte Stringenz und zerfiel komplett in Einzelinitiativen und und wildem Ausprobieren. Foda brachte in der 80. Minute Trauner für den vor allem vor der Pause zuweilen unsicheren Ilsanker – um das 0:1 zu sichern oder um gegen dieses Not-Team aus Norwegen auf einen Standard zu hoffen? Dass ein Angriff über Alaba und Arnautovic in der 94. Minute von Grbic mit einem trockenen Schuss ins Tor zum Ausgleich führte, kam da schon ziemlich aus dem Nichts.

Fazit: Freudlose Erfolge und die Frage: Was könnten sie erst, wenn sie spielten, wie sie könnten?

Was machen wir jetzt mit diesem Nations-League-Herbst? Österreich ist Gruppensieger und damit in den A-Pool aufgestiegen, und hätte dies beinahe mit einer Niederlage gegen eine norwegische Not-Formation mit exakt einem Spieler über zehn Länderspiel-Einsätzen (Møller-Dæhli) fixiert, die gerade noch knapp genug war, um den Aufstieg nicht noch zu versemmeln.

Hätte irgendwie gepasst, dem Last-Minute-Ausgleich zum Trotz.

Die Resultate sind zu gut für einen Trauergesang, die gezeigten Leistungen zu schwach für einen Triumphmarsch. Am Ende gilt wohl das gleiche, was vor einem Jahr für den in einer historisch schlechten EM-Qualigruppe erreichten zweiten Rang gilt: Eh ein vorzeigbares Resultat. Angesichts der Gegner und vor allem der eigenen individuellen Qualität wäre alles andere aber auch eine mittelschwere Blamage gewesen.

Natürlich: In dieser speziellen Saison mit dem ultra-dicht gedrängten Terminkalender stellt gerade in so einer Länderspiel-Phase mit drei Matches in acht Tagen eher das Ergebnis des Laktat-Tests (und, naja, auch des Corona-Tests, wie in Norwegen) auf. Es gibt noch weniger Zeit für gemeinsame Trainings und dafür, Neues zu üben. Es wird halt durchgepeitscht. Aber man darf sich dennoch etwas mehr erwarten gegen zwei Teams, die – wie Nordirland und dieser norwegischer Kader – zwei Klassen schwächer besetzt sind als man selbst.

Da kann Julian Baumgartlinger noch so viel Pragmatismus einfordern und darauf verweisen, dass die Gegner ja so defensiv sind: Von dieser österreichischen Mannschaft muss man einfach mehr erwarten dürfen. 2018 wurde mit keinem einzigen guten Spiel acht Punkte aus vier Nations-League-Spielen geholt. 2019 trotz einem Selbst-Knieschuss gleichenden 2:4 gegen Israel und einem sagenhaft peinlichen 0:1 in Lettland (wohlgemerkt, die Letten wurden in der Nations League hinter Färöer und Malta nur Gruppendritter) die EM-Quali geschafft. Und jetzt, mit einem ganzen Satz aus freudlosen Siegen bzw. Punktgewinnen der Aufstieg in den A-Pool.

Dass es in dieser Nations-League-Kampagne drei österreichische Auswärtssiege, aber nur einen Erfolg auf heimischem Rasen gab, sagt durchaus etwas über die Herangehensweise aus. Franco Foda, der seit knapp 20 Jahren Fußball-Trainer ist, wird man den vorsichtigen Zugang nicht mehr nehmen können – da kann es noch so viele Beispiele dafür geben, wie viel man in Österreich mit aktivem Spiel der Marke Salzburg oder LASK erreichen kann – oder eben jenem der Koller-Jahre.

Man kann es auch so sehen: Wenn Österreich schon mit einer dem Spielermaterial diametral gegenüber stehenden Spielweise die EM-Quali und die Aufstieg in den A-Pool der Nations League schafft, was wäre dann erst möglich, wenn sie wirklich so agieren dürften, wie sie könnten?

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Diesmal bringt Umstellung Erfolg – 1:0 in Rumänien https://ballverliebt.eu/2020/10/14/rumanien-osterreich-nations-league-foda-umstellung/ https://ballverliebt.eu/2020/10/14/rumanien-osterreich-nations-league-foda-umstellung/#comments Wed, 14 Oct 2020 21:49:02 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17218 Diesmal bringt Umstellung Erfolg – 1:0 in Rumänien weiterlesen ]]> Kein Arnautovic, kein Sabitzer, kein Laimer – und doch gab es für Österreich den dritten Länderspiel-Sieg innerhalb einer Woche. Das 1:0 in Rumänien basierte auf einer Umstellung zu Beginn der zweiten Halbzeit: Damit löste Teamchef Franco Foda das zerfahrene Spiel etwas auf und sein Team nützte die Schwächen, welche Rumänien schon zuvor in defensiven Umschaltmomenten offenbart hatte.

Rumänien – Österreich 0:1 (0:0)

Im Hinspiel in Klagenfurt überrumpelte Rumänien das ÖFB-Team mit einem aggressiven, hohen Pressing. Darauf war Österreich diesmal besser eingestellt, zumindest reaktiv. Denn da es beide Teams gut verstanden, dem Gegner die Zeit am Ball zu nehmen und damit die Passgenauigkeit nach unten zu drücken, wurde es vom ästhetischen Standpunkt nicht gerade eine Augenweide von einem Fußballspiel.

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Zerfahrene erste Hälfte

Auffällig waren die Mannorientierungen, welcher das österreichische Mittelfeld – vor allem Schlager und Baumgartlinger gegenüber Stanciu und Marin – bediente, wenn Rumänien das Spiel eröffnen wollte. Kam der Pass aus der rumänischen Abwehr ins Mittelfeldzentrum, standen sofort Österreicher parat. Auch auch die Außenverteidiger wurde von den ÖFB-Spielerin schnell isoliert. Generell stellte Österreich rasch und geschickt Überzahl in Ballnähe her.

Spielerisch fiel den Rumänen nicht viel ein. Wenn sie doch in die Nähe des Strafraums gekommen sind, halfen Österreichs Spieler gut zusammen, um den ballführenden Rumänen abzudrängen. Mehr als ein Weitschuss zu Spielbeginn und eine Chance, nachdem Baumgartlinger in der Vorwärtsbewegung sehr robust vom Ball getrennt wurde, schaute vor der Pause für Rumänien nicht heraus. Kurz nach Wiederanpfiff folgte das Tor, welches wegen (vorgeblichem) Abseits nicht zählte.

Österreich hatte etwas mehr Torszenen, allen voran natürlich der Lattenschuss von Gregoritsch nach etwa 20 Minuten. Vor allem, wenn man mit Tempo gegen ein etwas aufgerücktes rumänisches Team kontern konnte, waren die Gastgeber zuweilen unsortiert. Am auffälligsten war dies nach rund zehn Minuten, als Schlager den Konter nicht erfolgreich abschließen konnte.

Fodas Umstellung auf 5-4-1

Zehn Minuten nach Wiederanpfiff kam Posch für Hinteregger, mutmaßlich, um den früh gelb-belasteten Hinteregger vor einem Ausschluss zu bewahren. Im Zuge dieses Austausches wurde aber auch das System und die generelle Herangehensweise beim ÖFB-Team geändert. Posch nahm Hintereggers Position ein, aber Ilsanker rückte von der Sechs zurück in die Abwehr. Dadurch entstand ein recht klares 5-4-1.

Nach der Umstellung

Die Absicht war offensichtlich: Das offene Spiel um den Ball brachte nichts ein und man rieb sich zunehmen darin auf. Letztlich war dies die Art von Spiel, die Rumänien zu wollen schien. Also schob Österreich nach der Umstellung im Block etwas weiter zurück und man ließ die rumänischen Abwehrspieler den Ball zirkulieren, ohne viel Raumgewinn zu gewähren. Früher oder später kam aber ein Pass nach vorne, hier war Österreich wieder schnell in Überzahl und nach Ballgewinn ging es schnell in Richtung Tătăruşanu.

Man lud dadurch zwar durchaus Druck ein und Rumänien war sehr bemüht, für Gefahr zu sorgen. Aber nur Österreich näherte sich dem Tor an: Einmal, in der 62. Minute, wurde gerade noch vor Schlager geklärt; wenig später näherte sich Schlager noch weiter an, dann rettete der rumänische Keeper bei einem Gewaltschuss von Baumgartner. Alle diese Angriffe wurden über die rechte Seite lanciert, als in der 75. Minute Alaba und Baumgartner von links in den Strafraum kamen und Schöpf freistehend fanden, war das 1:0 für Österreich gefallen.

Kurze Unsicherheit über weitere Marschroute

Das Problem, wenn man sich zurückzieht, um offensiv für sich Räume zu schaffen: Wenn der Plan aufgeht und man in Führung geht, wie geht’s dann weiter? Doch wieder offener, um die Entscheidung herbeizuführen, oder weiterhin auf Konter lauern? In den ersten Minuten nach dem Führungstor schien man auch innerhalb des österreichischen Teams nicht so richtig zu wissen, wie es gehen soll. Schlager beispielsweise drängte vermehrt nach vorne. Letztlich setzte sich das Rückzug-Denken durch.

Die Rumänen warfen alles nach vorne, Mirel Rădoi brachte mit Puşcaş einen zweiten Stürmer und stellte vom variablen Mix aus 4-1-4-1 (gegen den Ball) und 4-2-3-1 (im Ballbesitz) auf ein klares 4-4-2 um. Im Rückstand wurde aber deutlich, dass Rumänien recht patent darin ist, den Gegner zu stören und dessen Fehler zu nützen. Wenn aber eine eigene Idee gefragt ist, ist nicht viel los.

Fazit: Diesmal war defensive Umstellung zielführend

Beim Sieg in Belfast war Österreich klar besser, schaltete nach der Führung zurück und suchte nicht mehr die Entscheidung und machte damit einen unterlegenen Gegner unnötig stark. Auch in Ploieşti erfolgte eine defensive Umstellung, sogar im System, aber der Kontext war ein völlig anderer.

In Rumänien rieb man sich eine Halbzeit lang mühsam gegen einen zumindest gegen den Ball recht geschickt agierenden Kontrahenten auf, konnte sich aber keine zählbaren Vorteile erarbeiten. Die Umstellung vom 4-2-3-1 auf das 5-4-1 nach einer knappen Stunde war ein Versuche, das Gesamtgefüge des Spiels zu verändern und einen Vorteil daraus zu ziehen.

Das hat auch funktioniert.

Die erste Halbzeit in Belfast war erheblich besser als alles, was man in Ploieşti zu sehen bekam. Dennoch hinterlässt der Sieg bei dem zerfahrenen, mühsamen und unansehnlichen Spiel in Rumänien einen wesentlich angenehmeren Nachgeschmack: Diesmal wurde im laufenden Match die Marschroute gewinnbringend geändert.

Damit bleibt Österreich an der Spitze der Gruppe, punktgleich mit Norwegen. Das heißt auch: Wenn am 14. November daheim gegen Norwegen gewonnen wird, ist das ÖFB-Team fix Gruppensieger und auch Aufsteiger in den A-Pool – unabhängig davon, was drei Tage zuvor gegen Nordirland passiert.

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1:0 – aber nur dank Fodas Handbremse noch gezittert https://ballverliebt.eu/2020/10/12/oesterreich-nordirland-foda-nations-league-2020-belfast/ https://ballverliebt.eu/2020/10/12/oesterreich-nordirland-foda-nations-league-2020-belfast/#comments Sun, 11 Oct 2020 22:14:13 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17212 1:0 – aber nur dank Fodas Handbremse noch gezittert weiterlesen ]]> Österreich übernimmt mit einem 1:0-Sieg in Nordirland zur Halbzeit dieser Nations-League-Ausgabe die Führung in der Gruppe. Einer sehr ordentlichen Auftritt vor dem Seitenwechsel folgte ein sehr zurückhaldender nach der Pause. Diese Handbremse sowie Fodas defensive Wechsel ermöglichten einem um mehrere Klassen schlechteren Gegner völlig ohne Not, zurück ins Spiel zu finden.

Nordirland – Österreich 0:1 (0:1)

An sechs Positionen rotierte Franco Foda im Vergleich zum 2:1-Erfolg im Testspiel gegen Griechenland – nur Dragovic, Hinteregger (in den Innenverteidigung), Ilsanker (der eines nach vorne auf die Sechs rückte) und Julian Baumgartlinger verlieben mit Torhüter Pavao Pervan in der Startformation. Aus dem schrägen 3-5-2 von Klagenfurt wurde in Belfast ein 4-4-1-1; Xaver Schlager spielte hinter Michael Gregoritsch einen Zehner mit großem Aktionsradius.

David Alaba spielte in seinem ersten Länderspiel seit elf Monaten, wie unter Foda üblich, auf der linken Seite – allerdings als Linksverteidiger, weil Andi Ulmer (wie auch Cican Stankovic) wegen der positiven Corona-Fälle bei Salzburg nach dem CL-Qualispiel gegen Maccabi Tel-Aviv passen musste.

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Österreich kontrolliert Nordirland mühelos

Von der giftigen, aggressiven Spielweise Nordirlands unter Michael O’Neill vor zwei Jahren ist unter dessen Nachfolger Ian Baraclough fast gar nichts mehr übrig. Nordirland stellte sich in einem 4-5-1 defensiv auf, überließ Österreich bereitwillig den Ball und verlegte sich darauf, durch die Mitte nichts durch zu lassen und Alaba zu doppeln. Situativ gab es zarte Versuche, die österreichische Spieleröffnung anzulaufen, aber Hinteregger und Dragovic befreiten sich problemlos aus diesen Situationen.

Nach Ballverlusten schaltete der Österreicher, der den Ball verloren hatte, sofort auf Gegenpressing-Modus um. Schlager und Gregoritsch liefen die Nordiren hoch an, sodass hier kein geregelter Aufbau möglich war, und schaffte es der Ball in die nordirischen Sechserraum oder zu den Außenverteidigern, liefen die Österreicher ihre Gegenspieler sofort an, sodass der Rückwärtsgang eingelegt werden musste.

Zahlreiche Seitenverlagerungen

Das ÖFB-Team baute vornehmlich über die Außenbahnen auf. Zum einen, weil Nordirland das Zentrum zu schließen versuchte, und zum anderen, weil Franco Foda das gerne so machen lässt. Die Nordiren schoben in diesem Fall gerne auf den ballführenden Außenverteidiger, vor allem auf David Alaba. Dieser sah sich praktsich immer zwei, oft sogar drei Gegenspielern im Umkreis von zwei Metern gegenüber, was seine Passgenauigkeit und damit auch seinen Beitrag zum Spiel minimierte.

Österreich aber hatte ein Mittel gefunden, diese Strategie der Nordiren für sich zu nützen. Und zwar mit Seitenverlagerungen: Immer und immer wieder wurde der Ball schnell und hoch von einer Außenbahn zur anderen manövriert, gerne schlug auch Julian Baumgartlinger lange Diagonalbälle zur ballfernen Außenbahn. Dort schuf Österreich dann schnell Überzahl und kam in einigen Situationen gut zur Torlinie durch bzw. versuchte, in den Strafraum zu ziehen.

Überlegenheit, aber wenig echte Chancen

Nur die echten, herausgespielten Torchancen fehlten ein wenig. Einmal provozierte Christoph Baumgartner nach einer halben Stunde einen Schnitzer von Craig Cathcart, schlenzte den Ball aber knapp am Tor vorbei. Einmal kam Michael Gregoritsch nach einem Freistoß zum Kopfball, aber McGovern parierte.

Die Nordiren zogen sich so weit zurück, dass Hinteregger und Dragovic regelmäßig bis in die nordirische Hälfte aufrückten, vor allem Hinteregger tauchte immer wieder sogar am Strafraum auf. Kurz vor der Halbzeitpause fand eine seiner Zuspiele vor das Tor Gregoritsch, dieser verwertete zum hochverdienten 1:0.

Österreich lehnt sich zurück

Nach Wiederanpfiff lehnten sich die Österreicher spürbar zurück, man überließ Nordirland vermehrt den Ball, anstatt die offensichtliche Unterlegenheit der Gastgeber zu nützen, weiter Druck zu machen und die Entscheidung zu suchen. Wie unbeholfen Nordirland agierte, wurde in zahlreichen Situationen offensichtlich, wenn man (vor allem im Zentrum) in Zweikämpfe verwickelt wurde und unzählige Fouls beging.

Die zunehmende Passivität Österreich lud die Nordiren ein, den Nachdruck zu verstärken. Sie blieben zwar harmlos, erspielten sich aber immer mehr Sicherheit.

Alabas richtige Reaktion – Fodas destruktiver Wechsel

Nach etwa einer Stunde verließ David Alaba seine Position als Linksverteidiger und verstärkte das Zentrum. In dieser Phase erinnerte die Formation eher wieder an das Griechenland-Spiel: Baumgartner war quasi linker Wing-Back, Ilsanker ließ sich etwas in die Abwehr fallen; dadurch wurde auch Lainer ein wenig von seinen Defensiv-Aufgaben entbunden. Österreich hatte nun eine zusätliche Anspielstation im Zentrum, Alaba entfloh seinen Bewachern, provozierte Freißstöße, beschäftigte die Nordiren.

Das ging etwa zehn Minuten so, in denen das ÖFB-Team die Kontrolle wiedererlangt hatte. Dann ging Alaba wieder nach links hinten, drei Minuten später kam mit Christopher Trimmel ein zweiter Rechtsverteidiger statt Ranftl. Ein klar defensiver, destruktiver Wechsel – und von Foda das unmissverständliche Signal:

Hört bloß auf, das Spiel entscheiden zu wollen! Jetzt wird defensiv gelaufen und der Sieg über die Zeit gezittert.

Gegen einen um zwei Klassen schwächeren Gegner, den man genau durch die eigene Passivität erst auf die Idee gebracht hat, nicht mehr nur auf einen österreichischen Gnaden-Akt zu hofen.

Fazit: Risiko durch Feigheit

Es gelang, der 1:0-Sieg wurde eingefahren. Aber dass Foda sein Team gegen das wirklich schlechte nordirische Team in eine kräftezehrende Abwehrschlacht zwang, er einmal mehr destruktiv den Gegner stark machte anstatt aktiv die Entscheidung zu suchen, ist eines der immer wieder kehrenden, großen Ärgernisse der Arbeit von Franco Foda.

Zum dritten Mal im vierten Spiel seit der Corona-Pause war die Strategie zu Beginn völlig richtig, durchaus aktiv und auf die Stärken des eigenen sowie die Schwächen des Gegners abgestimmt. Das bewusste Überladen des norwegischen Sechserraumes, die asymmetrische Formation mit der etwas schiefen Dreierkette gegen Griechenland, die gezielten Seitenverlagerungen gegen Nordirland: All das hat wunderbar funktionert. Die Arbeit des neues ÖFB-Chefanalysten Stefan Oesen trug Früchte.

Aber selbst, wenn das aktive Spiel funktioniert – was es nur gegen Rumänien nicht so recht tat, und selbst dieses Spiel verlor man eher wegen vermeidbarer Gegentore als wegen der geschickten Taktik des Gegners – raubt die Foda’sche Handbremse gegen Ende des Spiels regelmäßig jeden Esprit und baut den Gegner, selbst wenn er wie in Belfast wirklich nicht gut ist, zu einer potenziellen Gefahr auf.

Völlig ohne Not, völlig sinnlos.

Zumal man – jede Distanzstatistik belegt das – immer mehr läuft, je weniger man den Ball hat. Sprich: Die spielerische Passivität kostet nicht nur Kontrolle und bringt Siege bzw. Punkte in Gefahr, sie kostet auch noch zusätzlich Kraft. Und gerade das ist in Zeiten des durch Corona massiv komprimierten Spielplans völlig unverständlich.

Ja, es hat den Sieg gegeben. Und ja, Österreich ist Nordirland qualitativ meilenweit überlegen. Und doch muss man sich ärgern, dass man so ein Spiel beinahe noch aus der Hand gegeben hätte.

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