England – Ballverliebt https://ballverliebt.eu Fußball. Fußball. Fußball. Thu, 04 Jul 2024 20:28:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 Verdient eine EURO 2024 ohne Österreich überhaupt einen Sieger? https://ballverliebt.eu/2024/07/04/verdient-eine-euro-2024-ohne-oesterreich-ueberhaupt-einen-sieger/ https://ballverliebt.eu/2024/07/04/verdient-eine-euro-2024-ohne-oesterreich-ueberhaupt-einen-sieger/#respond Thu, 04 Jul 2024 20:10:33 +0000 Österreich scheidet gegen die Türkei aus. Nix wars mit dem Geheimfavoriten-Dasein. War alles nur Schall und Rauch?

Und wer soll dieses Turnier nun noch gewinnen? Kommt es im Viertelfinale bei Spanien gegen Deutschland zum vorzeitigen Finale? Frankreich hat mit Portugal eine echte Hürde vor sich. England muss sich gegen die Schweiz steigern. Und die Niederlande kriegen es mit der Türkei zu tun. Der neue Ballverliebt-Podcast diskutiert die heiße Phase des Turniers.

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Sind wir fast schon im Finale? Österreich im EURO 2024-Achtelfinale gegen die Türkei https://ballverliebt.eu/2024/07/01/sind-wir-schon-im-finale-oesterreich-im-euro-2024-achtelfinale-gegen-die-tuerkei/ https://ballverliebt.eu/2024/07/01/sind-wir-schon-im-finale-oesterreich-im-euro-2024-achtelfinale-gegen-die-tuerkei/#respond Sun, 30 Jun 2024 22:05:45 +0000 Der Hype um Österreich ist vor dem Duell mit der Türkei am Höhepunkt. Geht das Team von Ralf Rangnick wirklich als Favorit in dieses Spiel? Das und alle anderen Achtelfinalspiele der EURO 2024 im Update. Und wie sind die Leistungen von England, Deutschland, Spanien und der Schweiz bei ihren Achtelfinal-Siegen einzuschätzen? (Als Youtube-Video ist der Podcast hier zu finden.)

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Das war 2022/23, Teil 3: Trent Alexander-Achter https://ballverliebt.eu/2023/06/15/klopp-trent-alexander-arnold-liverpool/ https://ballverliebt.eu/2023/06/15/klopp-trent-alexander-arnold-liverpool/#respond Thu, 15 Jun 2023 17:12:48 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18833 Das war 2022/23, Teil 3: Trent Alexander-Achter weiterlesen ]]> Truth be told: Die Saison von Liverpool war furchtbar. Natürlich, andere Vereine wären froh über einen fünften Platz und letztlich muss das Liverpool, über weite Strecken eher gegen Platz zehn rangierend, auch irgendwie sein. Einem 2:2 gegen Arsenal im April folgten sechs Siege in Folge, die zumindest die Europa League retteten. Nur: Was war danach anders als vorher und was heißt das für die nächste Saison?

Die Geschichte von 2022/23 bei Liverpool ist jedenfalls auch die Geschichte von Trent Alexander-Arnold.

Ja, wo isser denn?

„Wenn wir hoch pressen, ist oft – nicht immer, aber oft – Trent der am höchsten positionierte Spieler der Abwehrkette, das heißt: Wenn wir hoch pressen, ist er vorne. So spielen wir Fußball! Jetzt kann man sagen, ja, verteidigt halt besser. Aber man kann nicht alles haben. Wenn man pressen will, braucht man Spieler in bestimmten Positionen. Also entweder schickt man einen Stürmer Richtung Außenbahn, um den Rückraum abzusichern. Oder man schickt das Mittelfeld etwas höher. Oder wir sichern die letzte Linie mit drei Spielern ab, plus Fabinho oder wer auch immer gerade auf der Sechs spielt, und schiebt die nach vorne. Wenn wir aber den Ball nicht sofort hoch zurückgewinnen, spielt der Gegner den ersten Ball lang genau auf diese Seite. Nun muss Joel, Joey oder Ibou – wer auch immer rechter Innenverteidiger spielt – das abdecken und das ist okay. Das ist das Risiko, das wir eingehen. Das ist kein verrücktes Risiko, in neun von zehn Fällen gewinnen wir den Ball zurück. Aber in dem einen Mal, wenn nicht, schreien die Leute: Wo ist Trent? Und das ist eine Frage, die ich nicht verstehe! Wir schauen doch alle zu viel und so lange, um dann ernsthaft zu sagen, ja, verteidigen wäre doch seine Hauptaufgabe…“

Das sagte ein sichtlich animierter Jürgen Klopp nach einem 3:3 in Brighton im Herbst 2022, als Alexander-Arnold bei allen drei Gegentoren, nun ja, nicht besonders nachdrücklich verteidigt hat. Gerade im Vorfeld der WM überlagerte die Diskussion über seine defensiven Schwächen die Wahrnehmung der für Liverpool sehr enttäuschenden ersten Saisonhälfte.

Die Ausgangslage

Was das große Liverpool der letzten Jahre ausmachte, war der Umstand, dass die Außenverteidiger – Andy Robertson links und Trent Alexander-Arnold rechts – die eigentlichen Spielmacher waren, während das Mittelfeld-Zentrum eher die Drecksarbeit erledigte; das extrem eingespielte Angriffs-Trio mit Salah, Mane und Firmino sorgte für die Treffer.

Aber wie das eben so ist mit Teams, die über Jahre hinweg praktisch unverändert bleiben: Irgendwann sind Schlüsselspieler über dem Zenit, fallen ein paar Puzzlesteine heraus, und das Gebilde bricht bis zu einem gewissen Grad in sich zusammen. Mané wurde verkauft, Firmino war viel verletzt, Thiago genauso, der mittlerweile 32-jährige Henderson war nicht mehr jede Woche auf der Höhe seines Potenzials.

Die Folge: Das Gegenpressing, auf exakteste Abläufe aufgebaut, offenbarte immer mehr Löcher, die von den Gegnern mit Vorliebe in Form von Kontern hinter Alexander-Arnold genützt wurden. Liverpool kassierte eine ungekannte Menge an Gegentoren, während vorne das Werk lahmte: Darwin Núñez musste sich erst reinfinden, Luis Díaz fehlte lange verletzt, das Mittelfeld sah plötzlich Elliott, Jones und Bajcetic viele Minuten bekommen.

Das Spiel gegen Arsenal

Als es am 9. April zum Aufeinandertreffen mit Arsenal kam, lag Liverpool mit acht Punkten Rückstand auf den fünften Platz am Zipfel der Conference-League-Plätze. Es gab einzelne Highlights wie das 7:0 gegen Manchester United und daheim blieb man zumeist immerhin ungeschlagen, zur Wahrheit gehörten aber auch ein 0:1 in Bournemouth, ein 0:0 bei Palace sowie drei Auswärtspleiten in Folge in Brentford, Brighton und Wolverhampton und zwei erschütternd blutleere 0:0 gegen ein Team von Chelsea, das sich noch viel zielloser durch die Saison schleppte.

Knapp eine halbe Stunde war gegen Arsenal also gespielt, als Sky-Co-Kommentator René Adler erstmals auf Trent Alexander-Arnold hinwies: „Man sieht auch, dass Trent sich viel im Zentrum vor der Abwehr aufhält!“

Liverpool – Arsenal 2:2 (1:2)

Es war ein großartiges, schnelles, intensives Spiel mit vielen Chancen, in der ersten Hälfte für Arsenal, in der zweiten für Liverpool, es endete 2:2 und unter dem Bewundern der Qualität ging Alexander-Arnolds Rolle ein wenig unter. Ja, war wohl eine Reaktion auf Zinchenko, der bei Arsenal das gleiche macht, Gleichstand im Mittelfeld herstellen. Aber waren das jetzt zwei verlorene Punkte für Arsenal im Titelkampf oder doch ein gewonnener?

Die positiven Effekte

Es dauerte eine Woche bis zum überragenden 6:1 auswärts (!) in Leeds, bis einem dämmern konnte: Hoppla, der turnt ja wieder nur im Mittelfeld herum. Und hey, das funktioniert ja richtig gut. Bleibt das jetzt etwa so?

Tatsächliche Positionen bei Leeds-Liverpool (17.4.2023). Alexander-Arnold (Nr. 66) spielt deutlich erkennbar im Mittelfeldzentrum neben Fabinho (Nr. 3). Quelle: whoscored.com

Ja, es war „nur“ Leeds, ein körperlich und geistig kaputtes Team auf dem Weg zum Abstieg. Aber: Alexander-Arnold kam im Mittelfeld-Zentrum auf 151 Ballkontakte – so viel wie nie zuvor in seiner Premier-League-Karriere, dazu kamen zwei Assists. Es folgten Siege gegen Nottingham, West Ham, Tottenham, Fulham, Brentford und Leicester.

Auffällig war in diesen Spielen, dass – bis auf jenes gegen Fulham – stets die linke Seite die nach vorne aktivere war, üblicherweise war es davor die rechte von Alexander-Arnold gewesen. Dessen offensive Zahlen waren trotz der fehlenden Ergebnisse bis dahin eigentlich gut gewesen – 0,33 Expected Assists pro 90 Minuten, nach dem es in den Jahren davor 0,40 (2022) sowie 0,25 (2021) und 0,32 (2020) gewesen sind. In seinen Spielen als einrückender RV schnellte diese Zahl plötzlich auf 0,56 pro 90 Minuten nach oben, ein Wert, der ligaweit nur von Kevin de Bruyne überboten wurde.

Auch war Alexander-Arnold noch mehr im Spielaufbau involviert. Aus seinen 94 Ballkontakten pro 90 Minuten vor dem Switch wurden 108 Ballkontakte danach. In den zehn Spielen vor dem Switch verzeichnete Liverpool 1,7:1,5 Expected Goals pro Spiel, danach waren es 2,5:1,0 pro Match.

Die Fragezeichen, die bleiben

Nun ist es längst nicht mehr ungewöhnlich, dass Außenverteidiger zur Konterabsicherung in den Sechserraum rücken; Guardiola hat das bei den Bayern schon vor fast einem Jahrzehnt eingeführt. Alexander-Arnold fühlt sich bekanntermaßen am Ball wohl, er kann einen Sechser (der es in der Praxis ja eher war) bzw. einen Achter (der besser in das zugegeben billige Wortspiel im Titel dieses Artikel passt) wohl problemlos langfristig spielen.

Aber.

Schon gegen Arsenal blieb seine rechte Abwehrseite komplett verwaist; Gabriel Martinelli hatte hier viel Raum, Ibrahima Konaté musste immer wieder weit nach außen rücken. Gerade in der ersten Halbzeit taumelte Liverpool so in diverse defensive Verlegenheiten, kassierte zwei Gegentore, es hätten noch mehr sein können. Und dann war ja noch dieses wilde Spiel gegen Tottenham, als Alexander-Arnold nach vorne bei so gut wie jeder Aktion seine Füße im Spiel hatte, die verwaiste rechte Seite von den Spurs aber mit Erfolg angebohrt wurde.

Konaté ist ein Innenverteidiger, der ein Spiel lesen kann, sich nicht aufzurücken scheut und auch die nötige körperliche Robustheit für solche Zweikämpfe mitbringt – mehr als Alexander-Arnold. Es ist halt ein Hochrisiko-Spiel und es fühlt sich so an, als wäre das jetzt mal ein erster Schritt gewesen, um in einer verloren scheinenden Saison zu retten, war zu retten war. Oder, um ohne ganz große Gefahr auch einfach mal was ausprobieren zu können.

Bleibt das so?

Liverpool ist in einer Phase des Umbruchs und in diesem Sommer stehen viele personelle Weichenstellungen an. Für diese Entscheidungen braucht es Klarheit, welche Spielertypen welche Positionen wie ausfüllen können müssen. Das Experiment „Trent Alexander-Achter“ hat Potenzial, das haben die letzten zwei Monaten gezeigt, es wirft aber Fragen anderswo auf.

Bleibt Klopp beispielsweise beim 4-3-3? Im Winter hat er immer wieder mit anderen Systemen kokettiert, einem 4-4-2 etwa, um Rollen für Gakpo UND Núñez zu finden. Wenn Alexander-Arnold im Mittelfeld bleibt, soll dann ein anderer den Rechtsverteidiger spielen – oder deckt Klopp dann die Breite mit einer Dreierkette ab? Was passiert mit dem halbrechten Achter, wo soll der hin, ohne zwischen Alexander-Arnold und Salah im dichten Raum herumzustehen und wäre es nicht besser, diesen nach rechts zu schieben – und wäre dann nicht erst recht wieder ein echter Außenspieler besser? Oder traut es Klopp beispielsweise Harvey Elliott zu, einen Zehner im Zentrum zu spielen? Und in welcher Rolle genau wird Neuzugang Alexis Mac Allister seinen Platz im Team finden?

Die Entscheidung von Jürgen Klopp, Alexander-Arnold ins Zentrum zu schieben, hat also durchaus die eine oder andere Frage beantwortet. Sie hat aber wohl noch mehr neue Fragen aufgeworfen.

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Das war 2022/23, Teil 1: Hybridrolle für Stones rettet Saison für Guardiola https://ballverliebt.eu/2023/06/13/manchester-city-guardiola-stones/ https://ballverliebt.eu/2023/06/13/manchester-city-guardiola-stones/#respond Tue, 13 Jun 2023 04:55:34 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18805 Das war 2022/23, Teil 1: Hybridrolle für Stones rettet Saison für Guardiola weiterlesen ]]> Ab dem 11. März holte Manchester City in elf Liga-Spielen 31 von 33 möglichen Punkten (bei 28:7 Toren), bis zum bedeutungslosen 0:1 in Brentford am letzten Spieltag. In der Champions League gab es ein 7:0 gegen Leipzig, ein 3:0 gegen die Bayern, ein 4:0 gegen Real Madrid und den Gesamtsieg. Obendrein streifte City auch den FA Cup ein und holte mithin das Triple.

Was an diesem 11. März 2023 erstmals passiert ist? John Stones ist passiert, bzw.: John Stones‘ neue Rolle als rausrückender Innenverteidiger.

Stones rückt aus der Abwehrkette ins Mittelfeld

In seiner Zeit bei Bayern München ist Guardiola davon abgekommen, die Außenverteidiger nach vorne marschieren zu lassen, stattdessen rückten Lahm und Alaba in den Sechserraum ein. Im Frühjahr 2023 ging er – nachdem Stones von einer Oberschenkelblessur genesen war – dazu über, überhaupt gelernte Innenverteidiger (Aké und Akanji) als nominelle AV spielen zu lassen, bzw. Walker, der diese Rolle auch ausfüllen kann.

Taktische Unruhe durch Håland…

Warum? Mit Erling Håland hatte Pep nun einen echten Mittelstürmer, der sich kaum an der Ballzirkulation beteiligt, sondern quasi einen Spieler rein für’s Endprodukt. Das klappte von Beginn an hervorragend, dafür funktionierte es anderswo nicht. Bis zur WM-Pause hatte City im Ganzen praktisch gleich viele Tore erzielt wie ohne Håland ein Jahr davor, aber doppelt so viele kassiert.

Nach Jahren mit Falschen Neunen musste das Personal für die Zirkulation im Zentrum nun von hinten kommen, und zwar in Form von John Stones. Der in Franz-Beckenbauer-Manier ins Mittelfeld neben Rodri rückende Verteidiger sorgte für die Stabilität im Ballbesitz, während die de facto drei Innenverteidiger hinter ihm für die Absicherung sorgten. Ähnlich wie Brasilien bei der WM spielte City nun also in in einer 3-2-Staffelung vor dem Torhüter.

…aufgelöst durch Stones im Mittelfeld

Hatte zuvor im Mittelfeld ein Spieler gefehlt, um nach Ballverlusten ins schnelle Gegenpressing zu kommen – mit der Folge von vermehrten Gegentoren – wurde dieses Missverhältnis durch Stones‘ Positionierung im Sechserraum aufgelöst.

In Zahlen ausgedrückt: In den zehn Premier-League-Spielen vor der Umstellung lag das xG-Verhältnis im Schnitt bei 2,17 Toren für und 1,01 Toren gegen City (es wurden 22 Punkte geholt). In dieser Phase sah es so aus, als könnte Arsenal den Titel wirklich über die Linie retten.

In den zehn Matches danach, die City allesamt gewann, lagen die xG-Werte bei 2,23 Toren für und nur noch 0,67 Toren gegen das Guardiola-Team (Zahlen von understat.com). Also: Die Offensive litt nicht, der Defensive war sehr geholfen und Arsenal konnte mit dieser brutalen Konstanz einfach nicht mehr mithalten, brach am Ende unter dem erbarmungslosen Druck von City zusammen.

Plus: Grealish blüht auf

Ein weiterer positiver Effekt war, dass Jack Grealish nun nicht mehr auf einen aufrückenden Außenverteidiger Rücksicht nehmen musste, sondern selbst von weiter hinten seine Stärken im Eins-gegen-Eins suchen konnte, dabei wie gewohnt viele Freistöße provozierte und generell eine fantastische Halbserie absolvierte.

In den vergangenen vier Monaten war City de facto unmöglich zu besiegen, niemand fand in einem ernsthaften Spiel ein taugliches Mittel – bis auf Inter im Champions-League-Finale. Man kann davon ausgehen, dass sich gegnerische Trainer die Herangehensweise von Simone Inzaghi sehr genau angesehen haben.

Das Sternchen hinter dem Triple

Als achter Verein in Europa gelang Manchester City das Triple (nach Celtic, Ajax, Eindhoven, Manchester United, Bayern, Barcelona und Inter; Bayern und Barcelona schafften das sogar zweimal). Die Klasse der Mannschaft ist unbestritten und dass Guardiola in den letzten 15 Jahren einen größeren Einfluss auf die Art und Weise hatte als irgendjemand sonst, wie Fußball gedacht, gespielt und trainiert wird, ebenso.

Das große Sternchen hinter dem Triple ist und bleibt aber bestehen – und das ist das Finanzgebahren des Vereins und untrennbar damit verbunden jenem von den Eigentümern aus Abu Dhabi. Die insgesamt 115 Verstöße gegen die Regularien der Premier League, wegen denen gegen City ermittelt wird, werfen ein düsteres Licht auf die sportlich fraglos beeindruckende Saison des Teams.

Wie auch immer die Causa weitergeht: Dass Guardiola mit der Stones-Rolle das alte WM-System mit vielen, unverkennbaren Elementen in den modernen Fußball des 21. Jahrhunderts eingeführt hat, wird das nicht mehr ändern.

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The Leicester Decade: Aufstieg und Fall der Foxes https://ballverliebt.eu/2023/05/29/the-leicester-decade-aufstieg-und-fall-der-foxes/ https://ballverliebt.eu/2023/05/29/the-leicester-decade-aufstieg-und-fall-der-foxes/#respond Mon, 29 May 2023 13:30:37 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=18777 The Leicester Decade: Aufstieg und Fall der Foxes weiterlesen ]]> Sechste Minute der Nachspielzeit, die Verlängerung steht bevor. Im Rückspiel des Playoff-Halbfinales zwischen Watford und Leicester steht es 2:1 für das Heim-Team, das 0:1 aus dem Hinspiel ist damit ausgeglichen, Auswärtstorregel gibt es nicht. Doch dann drückte Marco Cassetti im Strafraum-Zweikampf Anthony Knockaert weg, der Franzose legte sich hin, Referee Michael Oliver zeigte auf den Punkt. Ein eher softer Penalty.

Was an diesem 12. Mai 2013 folgte, gehört zu den legendärsten Szenen überhaupt im englischen Fußball. Watford-Goalie Almunia blockte Knockaerts Elfmeter mit den Füßen, blockte den Nachschuss mit dem Oberkörper und Watford lancierte einen Konter, 14 Sekunden später drosch Troy Deeney die Kugel an Kasper Schmeichel vorbei ins Tor. Gianfranco Zolas Watford stand im Finale um den Premier-League-Aufstieg (und verlor gegen Crystal Palace).

Und Leicester? Für die Foxes war es zwar ein Tiefschlag, gleichzeitig aber auch der Startschuss zum bemerkenswertesten Jahrzehnt der nunmehr knapp 140-Jährigen Vereinsgeschichte. Ziemlich genau 10 Jahre – mit einem Meistertitel, einem Cupsieg und einem Europacup-Halbfinale später – steigt Leicester City nun wieder aus der Premier League ab.

2014: Der Aufstieg

Dass Leicester 2013 überhaupt im Playoff spielte, war einem Last-Minute-Tor am letzten Spieltag zu verdanken, mit dem man Nottingham 3:2 besiegte und damit von Platz acht auf sechs sprang – übrigens mit einem 18-jährigen Harry Kane auf dem Feld.

2004, also neun Jahre zuvor, hatte Leicester zuletzt in der Premier League gespielt, zwischendurch waren die Foxes sogar für ein Jahr in die Drittklassigkeit abgestürzt. In den 28 Jahren zwischen dem Abstieg 1976 und dem von 2004 spielte Leicester nur 13 in der höchsten Liga, nie länger als sechs Jahre – ein klassischer Fahrstuhlklub.

Das K.o. an der Vicarage Road wurde gut weggesteckt, in der Saison 2013/14 war Leicester in annähernd unveränderter Besetzung das überlegene Team der Championship. Zwischendurch blieb man 20 Spiele lang ungeschlagen, am Ende standen 102 Punkte aus den 46 Matches zu Buche, neun Zähler Vorsprung auf den Zweiten Burnley, 17 Punkte auf den Dritten Derby County.

2013/14: Aufstieg als Meister der Championship

2015: The Great Escape

Für die Premier League holte man sich Routinier Estebán Cambiasso von Inter und Stürmer Leonardo Ulloa von Brighton, aber Leicester kassierte üble Prügel. Nach 29 der 38 Runden standen vier Siege satten 19 Niederlagen gegenüber, man war Letzter, mit sieben Zählern Rückstand auf das rettende Ufer. Es folgte, was als „The Great Escape“ bekannt werden sollte.

2:1 gegen West Ham (Siegtor in der 86. Minute), 3:2 bei West Brom (nach 1:2-Rückstand kurz vor Schluss), 2:0 gegen Swansea, 1:0 in Burnley, 0:0 gegen den überlegenen Leader Chelsea, 3:0 gegen Newcastle: Drei Spieltage vor Schluss hatte Leicester die Abstiegsränge verlassen. Ein Remis gegen Southampton machte den Klassenerhalt sogar schon am vorletzten Spieltag fix.

Trainer Nigel Pearson musste dennoch seine Koffer packen. Der als Häferl bekannte Pearson, der sich bei jeder Gelegenheit mit Spielern, Journalisten, Vorgesetzten und auch sonst jedem anlegte, stolperte quasi über seinen Sohn James: Dieser hatte auf einer Klub-Tour durch Thailand, Heimat von Klubbesitzer Vichai Srivaddhanaprabha, gemeinsam mit drei weiteren Nachwuchsspielern ein rassistisches Sex-Video produziert.

2014/15: Platz 14 in der Premier League

2016: The Year Hell Froze Over

Statt Cambiasso, der nach Griechenland ging, kam ein unbekannter Franzose aus Caen – ein gewisser N’Golo Kanté. Statt Pearson kam Claudio Ranieri, arbeitslos, seit er ein halbes Jahr zuvor als griechischer Teamchef daheim gegen die Färöer verlor. Und auch einen Österreicher holte man sich, Christian Fuchs, er spielte Jeffrey Schlupp aber erst im Laufe des Herbstes aus der Startformation.

„Wir spielen mit einem Drei-Mann-Zentrum: Drinkwater in der Mitte und Kanté links und rechts von ihm“, meinte Steve Walsh, Scouting-Chef von Leicester City, nur halb im Scherz. Nur zwei Teams in der Premier League hatten noch weniger Ballbesitz, gar nur eines brachte noch weniger eigene Pässe an den Mann. Aber: Die defensive Grundstruktur mit zwei Kanten in der Abwehr ein einem Kanté davor, kombiniert mit schnellen Umschaltspielern und einem eiskalten Vollstrecker in Jamie Vardy war zwar leicht zu durchschauen, aber kaum zu knacken.

Bis Weihnachten gab es nur eine Niederlage, und als im Frühjahr alle auf den Einbruch warteten, kam er einfach nicht. Natürlich: Chelsea implodierte, Liverpool war im Umbruch, City spielte ein lähmend ambitionsloses letztes Jahr vor Guardiola, bei United sorgten Pressetermine mit Louis van Gaal für mehr Entertainment als das Team auf dem Platz. Und doch ist Leicesters Titelgewinn eine Cindarella-Story, wie sie im modernen Fußball kaum noch möglich ist.

Meister 2015/16

2017: Katerfrühstück mit CL-Viertelfinale

Vor Saisonbeginn 2016/17 wurde Ranieri voller Dankbarkeit mit einem neuen Vierjahres-Vertrag zu verdoppelten Bezügen ausgestattet, von der Meisterschannschaft konnte man – bis auf N’Golo Kanté – erstaunlicherweise alle halten: Den aus dem Nichts zum Teamstürmer geschossenen Jamie Vardy, den von der halben Liga umworbenen Riyad Mahrez, Torhüter Kasper Schmeichel.

Dass der Titelgewinn eine einmalige Sache sein würde, war allen klar, aber der Ausmaß des Katers, der sich im Herbst breit machte, war dann doch ernüchternd. Bis zum Jahreswechsel wurde schon die Hälfte der Spiele verloren, im Jänner folgten fünf Pleiten in Folge, Leicester war Mitte Februar nur einen Punkt vor einem Abstiegsplatz. Nicht ohne schlechtes Gewissen trennte man sich von Claudio Ranieri, dieser spendete gleich mal die Hälfte seiner 3-Millionen-Abfindung an die „Foxes Foundation“. Der Mann hat einfach Klasse.

2016/17: Platz zwölf, Viertelfinale Champions League

Dafür hatten die Foxes bei ihrem ersten internationalen Antreten nach 16 Jahren Spaß. Die Champions-League-Gruppe gegen den FC Porto, Club Brügge und den FC Kopenhagen gewann Leicester, im Achtelfinale wurde Sevilla eliminiert, erst im Viertelfinale war gegen Atlético Madrid knapp Schluss. Unter Craig Shakespeare, der zunächst interimistisch und dann Vollzeit das Traineramt übernahm, fuhr man in der Liga die nötigen Pflichtsiege ein, beendete die Saison als Zwölfter.

1:1 im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Atlético Madrid. Das Hinspiel hatte Atleti 1:0 gewonnen.

2018: Konsolidierung im Niemandsland

Iborra aus Sevilla, Maguire aus Hull, Iheanacho von Man City, dazu leihweise Dragovic aus Leverkusen – auch im Sommer 2017 wurde punktuell ergänzt, fast alle Meisterspieler waren aber immer noch an Bord. Der Saisonstart ging in die Hose, Craig Shakespeare wurde nach nur einem Sieg aus den ersten acht Spielen entlassen, Claude Puel ersetzte ihn. Mit ihm wurde die Spielanlage deutlich aktiver: Nachdem der Ballbesitz in den drei Saisonen davor bei 44,8 Prozent (2015), 44,7 Prozent (2016) und gar nur 41,6 Prozent (2017) lag, schraubte Puel den Wert bis auf 48,3 Prozent nach oben.

Im Ganzen war 2017/18 aber sonst keine besonders bemerkenswerte Saison. Eigengewächs Ben Chilwell spielte Fuchs im Frühjahr zunehmend aus der Start-Elf, man verbrachte das Gros der Saison im vorderen Mittelfeld, weit weg von jeglicher Abstiegsgefahr, aber auch weit weg von den Top-6. Leicester kam als Neunter ins Ziel und man war, was man nach dem Aufstieg von 2015 idealer- und realistischerweise anstrebte zu sein: Ein solider Mittelständler.

Neunter in der Saison 2017/18

2019: Ein neues Gesicht

Nach dem Titel 2016 konnte man Mahrez noch mit einem neuen Vertrag locken, zwei Jahre später ließ man den Algerier doch zu Man City gehen und kassierte über 65 Millionen Euro dafür. Überhaupt war die Saison 2018/19 jene, in der das Team ein spürbar neues Gesicht bekam. Erstmals gab Leicester über 100 Millionen am Transfermarkt aus – für James Maddison von Norwich, für Ricardo Pereira vom FC Porto (die viel spielten), für Cağlar Soyüncü von Freiburg (der sich, weil er kaum Englisch sprach, zunächst überhaupt nicht zurecht fand). Im Winter kam auch Youri Tielemans, zunächst leihweise, in der Folge um 45 Millionen von Monaco fix verpflichtet.

Überschattet wurde die Saison vom tragischen Helikopter-Absturz nach dem 1:1 gegen West Ham im Oktober, bei dem Eigner Vichai Srivaddhanaprabha ums Leben kam. Der Klub rückte zusammen – der Thailänder war kein unnahbarer Investor wie viele andere in der Premier League, sondern jemand, der sich wirklich mit dem Klub identifizierte und dem man das auch abnahm. Auf dem Feld schwamm Leicester auch mit der neu formierten Mannschaft im vorderen Mittelfeld dahin, zumindest bis zum Jahreswechsel, diesem folgte ein Punkt aus sechs Spielen und die Trennung von Puel.

Von Celtic Glasgow krallten sich die Foxes Brendan Rodgers als Nachfolger, sieben seiner ersten zehn Spiele im Amt gewann er, am Ende stand wie im Vorjahr Platz neun zu Buche.

2018/19: Wieder Neunter mit verjüngter Mannschaft

2020: Lange zweite Kraft im Land

Unter Rodgers bekam Leicester endgültig ein völlig anderes Gesicht, auch weil Maguire um 85 Millionen zu Manchester Utd transferiert wurde und Meisterkapitän Wes Morgan keine Rolle mehr spielte. Mit Söyüncü und Evans in der IV gab es nun höhere Ball- und Passsicherheit von hinten heraus, mit Tielemans und Maddison ein spielstarkes Mittelfeld, mit Eigengewächs Barnes und Neuzugang Ayoze Pérez produktive Flügel und mit Pereira und Chilwell offensiv denkende Außenverteidiger.

Leicester war ein Ballbesitz-Team geworden – in der Saison 2019/20 hatten nur Man City, Liverpool und Chelsea mehr Ball als die Foxes. Es gab einen überragenden Herbst, in dem man bis auf ein unschlagbares Liverpool alle distanzierte, den Dezember startete man mit sechs Zählern Vorsprung auf das drittplatzierte Manchester City. In die Corona-Pause gingen Vardy und Co. als Dritter, dank acht Punkten Vorsprung auf Rang fünf schien eine Champions-League-Teilnahme mindestens greifbar, wenn nicht sogar so gut wie sicher. Einnahmen, die man angesichts des neuen, 100 Millionen Euro schweren Trainingszentrums auch brauchen hätte können.

Nach der dreimonatigen Unterbrechung entgleiste die Saison aber wegen vieler Verletzungen. Mit Chilwell (Ferse) und Fuchs (Leiste) waren beide Linksverteidiger außer Gefecht, mit Pereira (Kreuzband) auch der Rechtsverteidiger – die AV hatten im Herbst 116 Chancen assistiert, kein anderen AV-Paar in der Premier League hatte mehr als 45 auf dem Konto. Und weil auch Maddison (Hüfte) fehlte und dazu noch Ndidi in Folge einer Knieverletzung seiner Form nachlief, kam Leicester schlimm ins Straucheln – so sehr, dass man auf den fünften Platz zurückfiel und sich mit der Europa League zufrieden geben musste.

2019/20: Am Ende aus den CL-Rängen gepurzelt

2021: FA Cup krönt starke Saison

Für die neue Saison verordnete Rodgers seinem Team ein zielgerichteteres, effizienteres Pressing und eine neu formierte Abwehr. Für Chilwell (zu Chelsea) und Pereira (verletzt) wetzten nun Timothy Castagne und Luke Thomas (wenn nicht gerade verletzt) bzw. James Justin die Außenbahnen auf und ab, Wesley Fofana nahm den Platz von Söyüncü in der Innenverteidigung ein: Der Franzose war defensiv wesentlich robuster als der Türke, bei vergleichbaren Passwerten.

Die Veränderungen griffen und Leicester spielte wieder stark vorne mit und war über weite Strecken jener Saison, die coronabedingt praktisch komplett vor überdimensionalen Werbebannern statt Zuschauern in den Stadien ausgetragen wurde, bombensicherer Dritter hinter den beiden Klubs aus Manchester. Erst in der Schlussphase kam der Motor wieder ins Stottern, nach drei Niederlagen in den letzten vier Spielen (gegen Newcastle, Chelsea und Tottenham) rutschte man wie schon im Vorjahr am letzten Drücker aus der Champions League.

2020/21: Fünfter. Nach der Verletzung von Barnes stellte Rodgers von 4-3-3 auf ein 3-5-2 bzw. 3-4-1-2 um.

Erstmals wurde auch über längere Strecken von der Viererkette abgewichen – als Reaktion darauf, dass sich im Winter Linksaußen Harvey Barnes am Knie verletzte und Rodgers keinen adäquaten Ersatz im Kader hatte. Mit dem 3-4-1-2 schaffte man es, wenn schon nicht in der Liga, dann doch im FA Cup, großen Erfolg zu haben: Mit Erfolgen über Brighton, Manchester Utd und Southampton zog man ins Finale ein, wo das goldene Tor von Youri Tielemans für den 1:0-Sieg und den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte sorgte.

Finale im FA Cup 2021: Leicester – Chelsea 1:0 (0:0)

2022: National meh, international mehr

Mit Wes Morgan und Christian Fuchs, die kaum noch eine Rolle gespielt haben, verabschiedeten sich im Sommer 2021, dafür griff Leicseter für Daka, Soumaré und Vestergaard kräftig in die Tasche und damit ziemlich daneben: Vestergaard wurde ein katastrophaler Flop, Daka war der Sprung aus Österreich nach England zu groß (der Viererpack gegen Spartak Moskau blieb sein einziger Höhepunkt) und Soumaré war nie mehr als eine Option. Man holperte auch in die Saison rein: Nur zwei Siege und drei Niederlage in den ersten sieben Spielen, dazu ein eher peinliches 0:1 bei Legia Warschau in der Europa League.

Davon erholte sich Leicester nie ganz, nach den zwei starken Jahren versanken die Foxes wieder im Tabellen-Mittelfeld. Die Europa League nahm Rodgers zwar für englische Verhältnisse ungewöhnlich ernst, im Grunde bekam dort nur Oldie Vardy seine Pausen, dennoch reichte es nur für Gruppenplatz drei und den Umstieg in die Conference League. Dort hatte Leicester aber endlich seinen Spaß: Nach Erfolgen gegen Stade Rennes und Eindhoven stand man erstmals in der Vereinsgeschichte in einem internationalen Halbfinale. Dort zog man knapp gegen Mourinhos Roma den Kürzeren.

1:1 im Semifinal-Hinspiel der Conference League. Das Rückspiel sollte die Roma 1:0 gewinnen.

In der Premier League kam nach Weihnachten der nächste Bruch: Fofana war wegen Wadenbeinbruchs ohnehin lange out, nun verletzte sich auch Evans. So war gegen Man City jeder defensive Halt weg, was angesichts der als heroisch empfundenen Leistung (nach 0:4 zur Halbzeit noch auf 3:4 herangekommen, letztlich 3:6 verloren) in den Hintergrund rückte. Im folgenden Spiel gegen Liverpool gab es einen wunderlichen 1:0-Sieg, bei dem Kasper Schmeichel alle Fehler der Vorderleute ausbügelte. Und dann setzte ein interner Corona-Cluster das Team zwei Wochen in den Lockdown.

Von den kommenden fünf Spielen gewann Leicester kein einziges, der Fokus wurde auf den Europacup gelegt, Leicester landete knapp innerhalb der oberen Tabellenhälfte. Das ist, was Kader, Budget und Möglichkeiten entspricht. Nach den starken Jahren 19/20 und 20/21 war es aber schon ein Rückschritt.

2021/22: Rückfall auf einen anonymen achten Platz

2023: Leblos dem Abstieg entgegen

Der Verkauf des genesenen Fofana zu Chelsea spülte 80 Millionen in die Kassen, das war auch nötig, denn die Srivaddhanaprabha-Familie – mit Flughafen-Shops reich geworden – hatten die Corona-Lockdowns schwer getroffen. Mit Kasper Schmeichel verlor Leicester zudem einen grandiosen Rückhalt und das vorletzte Puzzlestück der Meistermannschaft, da auch Marc Albrighton endgültig aussortiert wurde. Nur Jamie Vardy, mittlerweile 35 Jahre alt, war noch übrig.

Am Transfermarkt reagierte man auf die wackelig gewordene Defensive, verpflichtete mit Wuschelkopf Faes (von Reims) und Leuchtturm Souttar (von Stoke) zwei Innenverteidiger. Die Saison ließ sich aber geradezu verheerend an: Dem 2:2 gegen Brentford zum Start folgten sieben Niederlagen mit 22 (!) Gegentoren. James Maddison, der in den Wochen vor der WM-Pause in starker Form agierte, hievte die Truppe in der Folge zu fünf Siegen gegen Teams aus den hinteren Regionen, die Abwehr stabilisierte sich spürbar, Leicester „überwinterte“ auf Rang 14 und ging positiv gestimmt in die zweite Saisonhälfte.

Doch die Abwehr blieb eine Achillesferse, Wout Faes‘ Eigentor-Doppelpack gegen Liverpool kann dafür beispielhaft stehen, bis zum 36. Spieltag blieb man kein einziges Mal ohne Gegentor. Gleichzeitig blieb der Angriff harmlos, von den 14 Spielen nach der WM-Pause wurden neun verloren, das Team wirkte zunehmend leblos. Anfang April trennte sich Leicester von Brendan Rodgers, Dean Smith übernahm, aber auch er konnte nichts mehr retten. Zwei Siege – davon einer am letzten Spieltag, als man die Rettung nicht mehr in der eigenen Hand hatte – waren zu wenig.

Leicester City steigt nach neun Jahren wieder aus der Premier League ab.

2022/23 – Platz 18, der Abstieg

Die Reise ist zu Ende

Neun Jahre erstklassig, so lange schafften es die Foxes zuletzt in den Sechzigern. Nach dem Abstieg von 1955 dauerte es zwei Jahre bis zur Rückkehr, genau wie nach den Abstiegen von 1969, 1978 und 1981. Der Abstieg von 1987 hatte eine achtjährige Erstliga-Abstinenz zur Folge, nach den Abstiegen von 1995 und 2002 kehrte man sofort wieder zurück, nach jenem von 2004 waren es zehn Jahre bis zum Premier-League-Comeback.

Der gute Name, den sich Leicester im letzten Jahrzehnt erarbeitet hat, wird beim Recruiting für eine starke Truppe in der Championship ein Argument sein, ebenso wie die über 50 Millionen Euro an Parachute Payments. Auf der anderen Seite stehen Eigentümer, die finanziell in den letzten Jahren nicht mehr allzu viel zu bieten hatten und zu viele Zugänge, die floppten. Ja, ein Team mit Maddison, Barnes und Tielemans sollte nicht in diese Lage kommen. But here they are.

Norwich, Fulham und Burnley haben in den letzten Jahren gezeigt, dass man als Absteiger einen erheblichen Wettbewerbs-Vorteil gegenüber langjährigen Zweitligisten hat. Kehrt Leicester also relativ bald wieder in die Premier League zurück? Es ist zumindest nicht ganz unwahrscheinlich.

Hätte man den Leicester-Fans 2014 gesagt, dass sie vor ihrem nächsten Abstieg Meister werden, Cupsieger werden, dazu je ein europäisches Halb- und ein Viertelfinale erreichen: Sie hätte es mit Handkuss unterschrieben. Die letzten zehn Jahren waren die beste Dekade, die Leicester City jemals erlebt hat.

Und wie wird nun das nächste Jahrzehnt?

xG (grün) und xGA (rot) seit dem Aufstieg 2014. Rolling Average aus jeweils 38 Spielen. Quelle: understat.com
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Podcast: Es geht wieder los mit der Premier League, Bundesliga und Marko Arnautovic https://ballverliebt.eu/2022/08/08/podcast-premier-league-bundesliga-saisonstart-2022-2023/ https://ballverliebt.eu/2022/08/08/podcast-premier-league-bundesliga-saisonstart-2022-2023/#respond Mon, 08 Aug 2022 19:19:58 +0000 Die englische Premier League und die deutsche Bundesliga sind wieder gestartet und auch in der spanischen La Liga drängt sich der ein oder andere Aufreger auf. Die Ballverliebt-Crew erwacht aus dem kurzen Sommerschlaf und bespricht den Saisonauftakt in England und Deutschland. Und was könnte Manchester United mit Marko Arnautovic vorhaben?

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EURO 2020: Italien ist Europameister https://ballverliebt.eu/2021/07/14/euro-2020-italien-ist-europameister/ https://ballverliebt.eu/2021/07/14/euro-2020-italien-ist-europameister/#respond Wed, 14 Jul 2021 20:46:54 +0000 Italien ist Europameister. Die Mannschaft von Roberto Mancini schlägt die von Gareth Southgate im Elfmeterschießen in Wembley. Die Führung der Engländer und die Elferschützen sorgen für Debatten.

Tom und Philipp fällen die ultimativen Urteile über das Spiel, das Turnier und die Welt des Fußballs. Viel Spaß mit dem letzten Podcast zur EURO 2020.

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EURO 2020 – Finale: England – Italien https://ballverliebt.eu/2021/07/09/euro-2020-finale-england-italien/ https://ballverliebt.eu/2021/07/09/euro-2020-finale-england-italien/#respond Fri, 09 Jul 2021 17:55:29 +0000 Bringt England den Fußball heim oder holt Italien sich den Titel? Tom & Philipp beraten im Ballverliebt Fußball Podcast vor dem EURO 2020-Finale über die Stärken und Schwächen der beiden Finalisten und ihre Leistungen im Halbfinale.

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2020/21: In der letzten Liga-Runde geht es in fast ganz Europa noch um viel https://ballverliebt.eu/2021/05/20/2020-21-in-der-letzten-liga-runde-geht-es-in-fast-ganz-europa-noch-um-viel/ https://ballverliebt.eu/2021/05/20/2020-21-in-der-letzten-liga-runde-geht-es-in-fast-ganz-europa-noch-um-viel/#respond Wed, 19 May 2021 23:02:40 +0000 https://ballverliebt.eu/?p=17487 2020/21: In der letzten Liga-Runde geht es in fast ganz Europa noch um viel weiterlesen ]]> Es geht noch um einiges in Europas Top-Fußball in der letzten Runde der Corona-Saison 2020/21.

Spanien: Titelkampf in letzter Runde

In Spanien spielen Atletico (1., 83) und Real (2. 81) im Fernduell um den Titel. Atletli muss gegen Valladolid auswärts ran, das noch mit Huesca und Elche um einen Nicht-Abstiegsplatz kämpft. Real hat mit Villarreal keinen einfachen Gegner, aber einen Pflichtsieg zuhause am Programm. Atleti muss dann gewinnen, denn in Spanien zählt das direkte Duell bei Punktegleichheit – und Real hat diesen Vergleich gewonnen.

Dahinter geht es bei Barcelona (bei Eibar) und Sevilla (zuhause gegen Alaves) um den nicht so wichtigen dritten Platz.

Real Sociedad, Real Betis und Villarreal schnapsen sich im Fernduell aus, welche beiden in die Europa League dürfen und wer in die European Conference League soll. Das alles stimmt: falls Villarreal nicht das Europa League-Finale gegen Manchester United gewinnt und dadurch in die Champions League kommt, denn dann ist Celta Vigo in der ECL.

Die Entscheidungsspiele: Samstag, 18:00

England: Zitterspiele um Plätze in Europa

In England spielen Chelsea (3., 67, Aston Villa (a)), Liverpool (66, +24, Christal Palace (h)) und Leicester (66, +20, Tottenham (h)) im Fernduell um zwei Champions League-Plätze.

Für West Ham (62), Tottenham (59), Everton (59) und – ja, echt – Arsenal (58) geht es um einen oder zwei verbleibende Europa-League-Plätz. Leeds (56) gesellt sich möglicherweise dazu, wenn es um den ECL-Platz geht.

Wieso ist das so unklar? Es besteht die Möglichkeit, dass Chelsea als Fünfter die CL-Ränge verpasst aber als CL-Titelgewinner nach dem Finale gegen Manchester City dort dann doch mitspielt. Brisant: Tottenham (bei Leicester), und Everton (bei ManCity) haben harte Spiele, Arsenal hat also intakte Chancen, die Lokalrivalen von den Spurs am letzten Meter zu überholen und zumindest die ECL zu erreichen. Sofern Ralf Hasenhüttl mit Southampton aber nicht bei West Ham gewinnt, sollten die Hammers die Europa League sicher haben.

Die Entscheidungsspiele: Sonntag, 17:00

Deutschland: Abstiegskampf im Fokus

In Deutschland ist ganz vorne alles wichtige klar. Ob Dortmund oder Wolfsburg Dritter werden hat nur geringen Wert.

Union, Gladbach, Stuttgart und Freiburg rittern noch um den ECL-Platz.

Bielefeld (32, Stuttgart (a), Bremen (31, Gladbach (h)) und Köln (30, Schalke (h)) spielen um einen Nichtabstiegs- und einen Relegationsplatz.

Die Entscheidungsspiele: Samstag, 15:30

Italien: Juve droht CL zu verpassen, aber …

Seit 2011 (Milan) war Juventus in Italien 9 mal in Folge Meister. Diesmal ist es Inter. Und es kommt schlimmer für die Turiner. Denn von Milan (3., 76), Napoli (4., 76) und Juve (5., 75) können nur zwei in der Champions League landen. Auch hier zählt der direkte Vergleich mehr als die Tordifferenz, Serienmeister Juve kommt zumindest an Atalanta (2., 87) deshalb nicht mehr vorbei. Dass Milan aber eben noch zu Atalanta muss, macht den Bianconeri (in Bologna) eine Tür auf. Napoli dürfte zuhause gegen Verona nichts anbrennen lassen.

Der Fernduell-Sieger zwischen Roma (61) und Sassuolo (59) beehrt die European Conference League. Roma genügt wegen des direkten Vergleichs ein Remis.

Die Entscheidungsspiele: Sonntag, 20:45

Frankreich: Chance auf Wunder

Eine TV-Konferenz zur Ligue 1 könnte an diesem Wochenende mehrere Sicherungen durchbrennen lassen, denn es geht noch um unfassbar viel.

Ein Punkt trennt den OSC Lille (1., 80) und Paris SG (2., 79), das 7 der letzten 8 Titel gewonnen hat. Die Truppe von Christophe Galtier darf in Angers (12.) eigentlich genauso wenig anbrennen lassen wie PSG in Brest (16.), aber schon in der vorletzten Runde lies Lille überraschende Punkte liegen. Die Tordifferenz spricht bei Punktegleichstand für PSG.

Falls tatsächlich beide patzen hat auch Monaco (3., 77) in Lens (6.) plötzlich noch eine theoretische Titelchance (muss dabei aber auch eine 6-Tore schlechtere Tordifferenz gegen Lille oder eine 22-Tore-Differenz zu PSG aufholen). Patzt hingegen Monaco, kann Lyon gegen Nizza doch noch die Champions League erreichen. (Ob der Dritte in Frankreich in der Gruppenphase oder im Playoff steht, entscheidet sich im Europa-League-Finale. Ein Sieg von Manchester United bringt die Gruppenphase, einer von Villarreal das Playoff.)

Lens (6., 56, +1) könnte seinerseits Marseille (5. 59, +7) noch aus der Europa League boxen. Rennes (7., 55, +10) könnte wiederum Lens noch aus der ECL reißen.

Und im Abstiegskampf? Bordeaux (14., 42) Strassbourg (15., 41.), Brest (16., 41), Lorient (17., 41) und Nantes (18., 40) könnten alle noch am Relegationsplatz (18.) landen.

Die Entscheidungsspiele: Sonntag: 21:00

Österreich: Spaß mit dem Modus

In Österreich kämpfen Rapid (2., 33, +22) und Sturm (3., 33, +16) im Fernduell um einen Startplatz in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation. Der Verlierer ist hingegen im Europa-League-Playoff – kein schlechter Trostpreis. Vor allem, weil damit ein Start in der Europa Conference-League-Gruppenphase fix wäre.

Der Vizemeister kann als CL-Quali-Teilnehmer hingegen noch ganz aus dem Europapokalherbst fliegen kann. (Eine Niederlage im Nichtmeister-Weg der CL führt in die dritte Qualirunde der Europa Leauge. Eine Niederlage dort führt ins Playoff der European Conference Leauge. Eine Niederlage dort führt ins Tal der Tränen).

Möglich ist alles: Rapid empfängt den LASK, der zwar 30 Punkte hat, aber die Wiener und Grazer nicht mehr überholen kann, weil deren Punkte im Grunddurchgang abgerundet wurden. Sturm muss zum WAC (27), der derzeit mindestens 5. ist und den LASK noch überholen kann, weil auch die Punkte der Kärntner nach dem Grunddurchgang abgerundet wurden.

Die Entscheidungsspiele: Samstag, 17:00

Der Vierte der Meistergruppe spielt in der zweiten Quali-Runde der Europa Conference League. Der Fünfte muss bekanntlich ins geile „Europa-Conference-Keague-Bundesliga-Playoff-Finale-Hin-und-Rückspiel“, wo er auf die Austria oder Hartberg trifft. Die beiden Qualifikationsgruppenteams dürfen wegen dem Cupsieg von Meister Salzburg ja noch ein „tipico-Bundesliga-UEFA-Europa-Conference-League-Bundesliga-Playoff-Halbfinale“ um den Platz im Hin- und Rückspiel des „Tipico-Bundesliga-UEFA-Europa-Conference-League-Playoff-Finales “ spielen.

Der Spaß mit dem Modus wäre perfekt, wenn die beiden in der letzten Runde auch noch einmal gegeneinander ums Heimrecht in diesem Halbfinale spielen würden. Tun sie aber leider nicht. Die Austria muss zu Ried, Hartberg zu Absteiger St. Pölten.

Die Entscheidungsspiele: Vor den Herbstferien sind wir damit sicher fertig

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Die Super League https://ballverliebt.eu/2021/04/20/die-super-league/ https://ballverliebt.eu/2021/04/20/die-super-league/#respond Tue, 20 Apr 2021 20:03:35 +0000 12 Klubs stürzen den Fußball ins Chaos und sich selbst in den Wahnsinn: Die „Super League“ ist geboren. Tom und Philipp präsentieren eine Podcastfolge voller Schimpfworte und Fassungslosigkeit.

Das offizielle Super League Logo: Ein Shit-Emoji und der Schriftzug "Super League" in der Schriftart Comic Sans
Das offizielle Super League Logo
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