Schöner Sieg dank Willen & Strategie: Österreich bezwingt Serbien 3:2

Mit einer punktgenau sitzenden taktischen Marschroute kommt Österreich im letzten Heimspiel unter Teamchef Marcel Koller zu einem verdienten Sieg gegen Fast-Gruppensieger Serbien. Angesichts dessen, was dem ÖFB-Team unter dem machttaktischen Einfluss des Präsidiums für ein Koller-Nachfolger droht, kann man diese feine Leistung nicht ohne ein weinendes Auge betrachten.

Österreich – Serbien 3:2 (1:1)

Ohne die angeschlagenen Sabitzer (Zahn-OP), Harnik (Fersensporn), Alaba und Hinteregger (jeweils Sprunggelenk) war klar, dass es personell einige Umstellungen geben muss. Es gab aber auch eine Umstellung im System – und zwar eine, die den Aufbau der Serben extrem behinderte und dem ÖFB-Team selbst einen guten Griff auf das Spiel erlaubte.

Asymmetrisches, enges 4-4-2

Arnautovic nämlich spielte nicht, wie gewohnt, auf der linken Seite, sondern neben Burgstaller im Angriffszentrum. Links agierte Kainz vor allem in der Anfangsphase recht breit, während Grillitsch – nominell als rechter Mittelfeldspieler aufgeboten – konsequent im Halbfeld agierte und den Zwischenlinienraum suchte.

Rechtsverteidiger Moritz Bauer hatte damit die rechte Seitenlinie alleine zu beackern, mit Baumgartlinger und Grillitsch als Anspielpartner.  Der als Linksverteidiger spielende Maximilian Wöber agierte deutlich defensiver als Bauer und bildete eher eine Dreierkette, wenn Bauer aufrückte.

Viele Vorteile

Diese Formation bot gegen das 3-4-2-1 von Serbien viele Vorteile. Die serbische Dreierkette wurde von zwei Spielern beschäftigt, vor allem aber bot sich durch die einrückende Positionierung eine 3-gegen-2-Überzahl im Mittelfeldzentrum. Durch die Beschäftigung der serbischen Abwehr und der serbischen Unterzahl im Mittelfeld war den Gästen ein Aufbau über Matić und Milivojević nicht möglich.

Sehr intelligent interpretierte zudem Grillitsch seine Position. Er stellte sich zwischen den Linien auf, war immer anspielbar und sorgte dafür, dass sich stets ein Serbe aus seine Position bewegen musste. Diese Räume konnten dann – je nachdem – Bauer, Baumgartlinger oder der jeweils auf der halbrechten Seite agierende Stürmer ausnützen.

Auf der anderen Seite war es an Kainz, die Eröffnungspässe von Ivanović zu stören. Der einstige Chelsea-Spieler ist in der Dreierkette mit Abstand der beste Passgeber und als langjähriger Außenverteidiger ist ihm auch der Vorwärtsgang nicht fremd. Kainz rückte situativ ein, aber seine etwas äußere Positionierung erlaubte es ihm, Ivanović ganz gut zu kontrollieren.

Gut gegen den Ball, gutes Umschalten

Österreich zeigte kein wildes, sondern ein sehr zielgerichtetes Pressing, das darauf ausgelegt war, nach Ballgewinnen möglichst schnell in die Schnittstelle zwischen den serbischen Wing-Backs und den äußeren Dreierketten-Verteidigern zu kommen. Da die Wing-Backs Ivanović und Kolarov für die Spieleröffnung recht hoch agierten, bot sich hier immer wieder Platz.

Das ÖFB-Team erarbeitete sich damit einige sehr gute Chancen, auch nach dem schon da klar gegen den Spielverlauf gefallenen Gegentor zum 0:1 nach elf Minuten. Immer wieder wurde die relativ langsame serbische Dreierkette in Verlegenheit gebracht und nach knapp einer halben Stunde besorgte Burgstaller den hochverdienten Ausgleich, später fiel auch das 2:1 durch Arnautovic aus einer Umschaltsituation.

Serbien deutete mehrmals Gefährlichkeit an

Die Serben hatten große Probleme, sich auf das österreichische Spiel einzustellen, aber sie kamen dennoch zu einigen im Ansatz gefährlichen Aktionen. Da das Mittelfeld quasi aus dem Spiel war, waren die langen Bälle auf Sturmspitze Mitrović von größerer Bedeutung, die Halbstürmer Gaćinović und Tadić suchten sich die Räume im Umschalten. Hier ließ Österreich zwischen Abwehr und Mittelfeld manchmal zu große Räume.

Das lag auch daran, dass Julian Baumgartlinger mehr Vertikalläufe zeigte als sonst, womit immer wieder nur Ilsanker im Sechserraum verblieb. Das bedeutete zwar Vorteile für Österreich im Angriffsspiel, aber bot Serbien natürlich Räume. Das änderte sich erst im Laufe der zweiten Hälfte ein wenig.

Noch mehr Verdichtung im Zentrum

Mit der Einwechslung von Schaub (für Kainz) schob auch der linke Mittelfeldspieler (nun eben Schaub) vermehrt ins Zentrum, womit sich ein 4-2-2-2 ergab. Baumgartlinger agierte von da an etwas defensiver, die Absicherung klappte besser – obwohl nun Wöber die Verteidigung der linken Seite quasi alleine zu bewältigen hatte. Nur: Die Serben bekamen diese Seite ohnehin kaum eingesetzt.

Serbien kam aus dem Spiel heraus kaum noch gefährlich vor das Tor von Lindner und wenn der Torhüter von GC Zürich gefordert war, parierte er (wie auch sein Gegenüber Stojković mehrmals) stark. Der serbische Ausgleich fiel aus einem Eckball und verdient war er auch nicht. Für die letzten zehn Minuten brachte Koller dann Gregoritsch für den etwas lädierten Burgstaller; der Augsburger kam eher von der Zehnerposition – also spielte Österreich in einem sehr engen, 4-2-3-1-ähnlichen System und kam kurz vor Schluss doch noch zum 3:2-Siegtreffer.

Fazit: Ein wunderschöner Sieg dank der besseren Taktik

Wie eigentlich eh immer passte die Ausgangs-Strategie von Teamchef Koller auch diesmal. Das serbische Spiel wurde sehr gut neutralisiert, die Schwachstellen der Gegner (die langsame Dreierkette) gut angebohrt, die Stärken der Gegner (das Mittelfeld-Zentrum) stark aus der Gleichung genommen. Sowohl die Positionierung als auch die Leistung von Grillitsch waren un- und außergewöhnlich.

Und in seinem höchstwahrscheinlich letzten Heimspiel war es endlich auch mal wieder der Schweizer, der dem Gegner mit leichten Adaptierungen die Daumenschrauben ansetzte. Koller war stets Herr der taktischen Lage. Österreich spielte initiativ, konzentriert und wusste stets, was zu tun war. Der einzige Grund, aus dem es einen knappen Last-Minute-Sieg gab und keinen glanzvollen, schon in der ersten Halbzeit fixierten Erfolg, war die schwache Chancenverwertung.

Diese Leistung war wohl die beste seit dem legendären 4:1 in Stockholm und das ÖFB-Team zeigte auch den Siegeswillen vom 3:2 in Podgorica – beide Spiele sind zwei Jahre her. Es versteckte sich niemand hinter Alaba, die Aufteilung und die Abstimmung im Mittelfeld waren sehr gut. Die Rolle von Grillitsch hätte Harnik sicher nicht und Sabitzer vermutlich auch nicht in dieser Weise spielen können. Es passte für dieses Spiel in dieser Situation einfach alles zusammen.

Leider bleibt dieser Satz nicht aus: Hätte Österreich schon vor einem Jahr solche Vorstellungen geliefert, würde dem ÖFB nun nicht der Rückfall in die fußballerische Steinzeit drohen, die manchem Landespräsidenten vorschwebt. Das ÖFB-Team hat gezeigt, dass es keineswegs schlechter ist als der wahrscheinliche Gruppensieger. Es sind nur einfach zu viele Spiele vorbeigezogen, in denen man die inhaltliche Initiative hergegeben hat, die Torchancen nicht nützte, billige Gegentore kassierte.

Ja, das ist ein Versäumnis von Marcel Koller, überhaupt keine Frage. Daher ist es legitim, die Amtszeit des erfolgreichsten ÖFB-Teamchef seit zwei Jahrzehnten nun zu beenden. Dieses Spiel hat aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, dass die inhaltliche Vorbereitung und der taktische Plan akribisch vorbereitet und vermittelt werden. Leider ist es vermutlich nicht nur zu spät, es den maßgeblichen Herren im Präsidium klar zu machen.

Es wäre vermutlich auch der Versuch von Haus aus sinnlos gewesen – weil für die/den Strippenzieher im ÖFB-Präsidium dies keine Rolle spielt. Die Spieler haben in den letzten Tagen deutlich gemacht, was sie von den Landespräsidenten (und auch der Bundesliga, schließlich hat sich ja auch Hans Rinner gegen das Duo Windtner/Ruttensteiner positioniert) halten. Janko, Arnautovic und Baumgartlinger halten diese übersetzt für egozentrische, fachfremde Machtpolitiker. Das wurde sehr deutlich.

Und leider würde es vermutlich auch sehr deutlich, was Österreich an Marcel Koller hatte, wenn sein Nachfolger nach anderen als fachlichen Gesichtspunkten ausgesucht wird.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

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  • Dudles

    Erstmal danke an die Ballverliebten für eure Arbeit als eine der wenigen Oasen in der fussballcerebralen Wüstenlandschaft österreichische Sportmedien.
    Zu den aktuellen Anlässen:
    Nach dem gestrigen Spiel – da schließe ich mich Teilen der Vorschreiber an – ist es noch schader, dass der verstehbare Wechsel von Koller vorgenommen werden wird. Hätti, wari, tätti – aber wenn er es vorher schon geschafft hätte, ein funktionierendes anderes Grundsystem als das legendäre 4-2-3-1 dazuzuzustellen, würden wir wahrscheinlich nicht über all die völlig überzogenen Seilschafts- und Machtkämpfe, die heute passieren, reden/schreiben müssen.
    Das gestrige asymmetrische 4-4-2 hat (bis auf die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen in verschiedenen Phasen des Spiels) sehr gut funktioniert, die Gründe habt ihr ja geliefert.
    Für mich wäre mit unserem Spielermaterial (gefühlt 50 supertalentierte Innenverteidiger) ein 3-4-3, 3-5-2 oder andere Dreierkettenaufstellungen aufgelegt. Linke Seite Alaba-Arnautovic muss eigentlich permanent der Hammer sein und einige von den nunmehr jüngeren Männern, die gestern zum Zug kamen, wären meiner laienhaften Meinung nach auch vor 12-18 Monaten schon auf- und einbaubar gewesen, um eine andere Grundordnung zu schaffen! Auch Bauer ist ein absoluter Gewinn.
    Dass es der ehrenwehrte Herr Koller – lang und gesund möge er leben – nicht geschafft hat, diese 2., 3. Anzüge fest zu installieren und damit auch die Möglichkeit zu schaffen, ein dominantes In-Game-Coaching zu etablieren (auch wenn er mit Wechseln und Anpassungen leider ein Zauderer ist – gestern war gefühlt der schnellste erste Wechsel seiner Chefzeit), muss eben jetzt ein anderer übernehmen. (Wehmut umwehmütet mein Herz)
    Die Lockerheit, die man dem Coach gestern ansehen konnte, wäre ihm früher schon gut zu Gesicht gestanden, aber wie gesagt: hätti,….

    Gerade lese ich, dass der erste bad case eingetroffen und der erste Teil Hoffnung gestorben ist, was für Hoffnung Teil zwei befürchtenswerterweise auch nichts Helles erscheinen lässt. Wir werden uns noch wundern, was der Ruttensteiner als Klub-Manager erreichen wird und dann weinen, imho.

    Egal, zurück zu euch, ihr seid ja auch Leider im dräuenden Schatten, der den ÖFB zu umgeben aufzieht. Zwei letzte Danks für heute:
    Merci für die sehr ernüchternde Landespräsidentensaga. Wenn i zehn Hoibe drin ghobt hätt, warat i auf an Schlog stouckniachtan wordn. (Den Kärntner an erster Stelle ausgenommen, der scheint ja zumindest aufgeschlossen zu sein, was man von den anderen eisernen (Moderner-Fussball-)Jungfrauen ja so nicht behaupten kann (der Tiroler scheint dazu noch der bleierne Keuschheitsgürtel zu sein)).

    Und last but not least für eure kurzweiligen Podcasts und eh das meiste was ihr so mit uns Konsumenten teilt.

    Alles Gute!

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  • Peda

    Jo eh.

    Nach dem Spiel gestern überwiegt bei mir aber ehrlich gesagt eher der Ärger darüber, dass er sich zu einer solch mutigen Aufstellung – personell wie auch taktisch – nur als Lame Duck durchringen kann. Beziehungsweise wenn die “richtigen” Spieler ausfallen.
    Es hat ihn keiner daran gehindert schon im Hinspiel auf den Gegner einzugehen, oder nach Fuchs’ Rücktritt seine Position ernsthaft nachzubesetzen, oder im zentralen Mittelfeld nur zentrale Mittelfeldspieler (von denen wir einige sehr gute haben) aufzustellen, oder unsere Stürmer richtig einzusetzen (Burgstaller kann nicht Solospitze, surprise!), oder die Testspiele der letzten zwei Jahre völlig sinnbefreit verstreichen zu lassen.

    So schön der Sieg gestern auch war, zeigt er doch vor allem, wie viel mehr möglich (gewesen) wäre.

  • WarumAuchImmer

    Dieser Spiel war der beste Beweis, dass Koller ein miserabler Trainer ist.

    Er hat 2 Jahre lang ein und dieselbe Taktik gespielt, obwohl er viele Spieler hatte, mit denen er auch andere Taktiken (siehe gestern) hätten bespielen können.

    Und warum ist er nicht früher auf diese Aufstellung gekommen? Die ist ihm eingefallen, weil er so gescheit ist, sondern wegen der Absagen. Die Abgänger haben das Team gestern aufgestellt, nicht er selbst.

    Das In Game Coaching war ihm ja auch immer ein Fremdwort, Einwechslungen vor der 98. Minute ja auch.

    Warum er Alaba immer im Mittelfeld haben wollte, wo er nie überzeugt hat, bleibt auch ein Rätsel. Überhaupt wollte er (so wie Krankl) immer “originelle” Aufstellungen haben (Wimmer ua.), wahrscheinlich um zu zeigen, dass er, der Meister, ja so viel gescheiter ist als der Rest.

    Das Problem ist: wenn man so hoch pokert, so stur ist, dann muss man auch abliefern. Wer hoch steigen will, kann auch sehr tief fallen.

    Koller war zwar der beste Teamchef seit Happel und hat uns ins 21. Jahrhundert gebracht (ist ihm hoch anzurechnen), aber das sagt mehr über Constantini und Co. und weniger über ihn selbst. Aber für mehr fehlt ihm einfach die Kompetenz und noch dazu er hat dann irgendwann die Bodenhaftung verloren.

    Dankeschön, und viel Erfolg bei der nächsten Station.

    Und bitteschön, gleich auch einen Nachfolger für den Mr. Pseudo Macher eitler Sesselkleber Windtner suchen.

    • “Und warum ist er nicht früher auf diese Aufstellung gekommen?”

      Erstens war der Gegner nicht immer Serbien.

      Zweitens bis dreiundvierzigstens: Wöber war nicht bei Ajax, Grillitsch war nicht der von heute, Burgstaller war nicht der von heute, Danso war vor zwei Jahren noch ein Kind, Bauer war nicht eingebürgert, Kainz war nicht der von heute. Dragovic, Baumgartlinger und Arnautovic haben eh gespielt

      So zu tun als ob Grillitsch ein Spiel schon vor zwei Jahren so kommandiert hätte, wie gestern, ist ebenso ein historisch falscher, kognitiver Bestätigungsfehler wie die durch wiederholung nicht richtiger werdende Behauptung, dass Alaba dort dauernd Crap wäre oder der Schwachsinn, dass die Mannschaft sonst zwei Jahre ohne diese konkrete Aufstellung von gestern nicht gut war oder die Behauptung, dass Österreich zwei Jahrelang “ein und dieselbe Taktik” gespielt hätte.

      • WarumAuchImmer

        Ich habe mir gerade die Mühe gemacht, mir alle Länderspielberichte auf Ballverliebt seit der Euro anzuschauen (um mich da auch nicht zu täuschen): Ö hat, bis auf eine Ausnahme, immer in einem 4-1-1-3-1 und sehr ähnlichen Mechanismen gespielt, obwohl es gegen beispielsweise Irland oder Wales mit einem 3-1-3-3 oder 4-3-3 (und entsprechenden personellen Adaptionen) wesentlich besser hätte klappen können,

        Und was die Spieler betrifft, geht es hier nicht um Einzelpersonen: Es hat immer wieder Spieler gegeben, die sich hätten empfehlen können, aber niemals die Chance bekommen haben, weil der Shweizer Meister ja so loyal war und auf seinen Stamm gesetzt hat (der zwar eh bei den Vereinen nicht zum Einsatz gekommen waren, aber das hatte ja immer politische Gründe)

        Er hat er verbockt. Mir fällt auf Anhieb kein Land ein, in dem der Teamchef so lange mit so viel Vertrauen so ruhig und so mächtig hat arbeiten können.

        Er ist nun mal beratungsresistent und stur. Es hat es vergeigt.

        • ein 4-2-3-1 (oder das häufige 4-4-1-1) oder wie du jetzt schreibst 4-1-1-3-1 ist aber halt eine formation, keine taktik. davon abgesehen wurden diese formationen seit inklusive der euro gespielt:

          6x 4-2-3-1 georgien (h), wales (2x), irland (h), serbien (a), ungarn
          3x 3-4-3 Moldawien (h), Finnland, Island
          3x 4-4-2 Serbien (h), Slowakei, Portugal
          1x 4-1-4-1 gegen Irland (a)
          1x 4-2-4 georgien (a)

          über die hälfte aller spiele wurde also nicht im 4-2-3-1 gespielt. und das personal war ebenfalls ziemlich abwechslungsreich aufgestellt. ob man zB da ganz vorn jetzt janko oder burgstaller oder harnik hat, macht zwar nicht für die formation aber sehr wohl für die taktik einen unterschied.

          koller hat fehler gemacht, er wurde auch zurecht und gerade auch von uns für manche kritisiert, aber dieses pauschale bausch und bogen vernadern, er hätte es komplett vergeigt und nie was anderes probiert, ist nicht seriös. es ist viel auch einfach unglücklich gelaufen und das kann es immer mal – eine rolle bei der beurteilung sollte spielen, was man beeinflussen kann. und da war manches schlecht und auch in den vergangenen jahren vieles gut.

  • martidas

    Da war gestern sehr viel Wehmut im Stadion dabei. Denn Jose war wohl doch nicht wegen dem vakanten Trainerjob in Wien.

    Und, um ehrlich zu sein, war da sehr viel Genugtuung für mich selbst dabei. Was musste ich mir die letzten Jahre anhören, wenn ich Lindner vehement verteidigt und mir gegen Özcan die Finger wund geschrieben habe. Grillitisch habe ich immer in die Startaufstellung gefordert, genau wegen seiner hybriden Art zu spielen und seiner Spielintelligenz. Und Arnautovic ist längst der Kapitän, zu dem ich ihn letztens erklärt habe. Hörbar verschnupft sichert er in der zweiten Halbzeit mit einem 70m Sprint den Ball und spricht danach von “meiner Mannschaft”, herrlich. Und auch Koller habe ich immer für seine genialen Pläne verteidigt, usw.

    Das Eigenlob ist mir natürlich hochgradig peinlich, als langjähriger Poster sei es mir aber einmal verziehen, denn irgendwann hat man einfach auch den Drang es in die Welt zu schreien: Ich habe es euch immer gesagt (nicht gegen die Redaktion gerichtet).

    Doch was sind eigentlich die wirklich interessanten Erkenntnisse aus diesem Spiel?

    – Erfolgt die richtige Wahl des Stürmers fallen auch die Tore. Endlich war in dieser Qualifikation einmal der passende Stürmertyp am Feld und schon funktioniert es. Das ändert nichts an meiner grundsätzlichen Kritik an Burgstaller (seinen Fähigkeiten), aber seine Funktion hat er gestern tadellos erfüllt.

    – Die berühmten paar Prozent. Gestern war wieder der Wille am Platz, der in der laufenden Qualifikation doch gefehlt hat. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die interne Dynamik in der Mannschaft recht ausgeprägt ist. Koller hatte da nicht immer ein glückliches Händchen (die entsprechenden Geschichten sind bekannt). Wenn die Mannschaft ohne bestimmte Spieler geschlossener ist, dann muss ich im Notfall auch auf Klasse verzichten (aber bitte niemals auf Hinteregger).

    – Die schlechte Angewohnheit (übernommen aus dem jahrelangen Pressing und daher schwer auszumerzen) den Ball immer schnell nach vorne zu tragen war gestern nicht zu merken. Endlich waren in einem Spiel mal unterschiedliche Tempi von der Mannschaft zu sehen.

    – Bauer ist Fuchs zum Quadrat. Offensiv eine Waffe, aber defensives Stellungsspiel ist dem Moritz unbekannt, Dafür stimmt der Einsatz. Wöber ist links natürlich komplett verschenkt, keine Frage. Grundsätzlich hat sich die junge Abwehr aber brav geschlagen.

    – Das Mittelfeld ist ohne Alaba nicht unbedingt besser, aber deutlich stabiler.

    – Heinz Lindner. Gott, was ich habe ich mich gestern mit dem Jungen gefreut. Bei dieser unfassbaren Parade in der zweiten Halbzeit bin ich im Stadion regelrecht ausgezuckt, aber das werden wohl nur Torhüter wirklich nachfühlen können.

    So, ich verspreche beim nächsten Mal bin ich wieder nüchterner in der Analyse, aber da kam gestern einfach viel zusammen bei mir. Und dass ich ich mich auch schon oft geirrt habe, steht natürlich auch außer Frage.

    Gruß an die Redaktion,
    Martidas

    • WarumAuchImmer

      Beim Thema Koller werden wir nicht einer Meinung werden, aber ansonsten d’accord, Begeistert muss man sein über die nicht nüchterna Analyse mit Feuer ;)

    • Alles was nett ist, ist immer erlaubt. ;)

      Zu Lindner. Hab mich auch sehr für ihn gefreut, dass er die Punkte mit seinen Paraden gesichert hat. Aber auf der Linie und bei den Reflexen war er eigentlich immer stark. Die Schwächen mit dem Ball am Fuß hat man auch gestern oft gesehen und Flanken gabs nicht viele. Was ich gar nicht ausgehalten hab, war dass er bei österreichischen Ecken immer weit vorm Tor stand (gut) und dabei aber immer ewig mit irgendwas beschäftigt war (herumschauen, Stutzen zurechtrücken). Ich hatte permanent Bammel, dass er den Corner verpasst und entscheidende Momente bei der Reaktion auf einen Konter verliert (war zwar vollends unbegründet, trotzdem wärs mir lieber, wenn er sich da konzentrierter Verhalten würde).

      • martidas

        Ja, einen gewissen “Hans Guck-in-die Luft” – Touch kann man ihm schon attestieren. Das kennt man von ihm noch aus Austria – Zeiten. Schleicht sich oft bei Torhütern ein, die in der Jugend mit tollen Reflexen viel kaschieren konnten. De Gea wäre da das prominenteste Beispiel dafür, aber der hatte bei United über Jahre eines der weltbesten Tormanntrainings um diese Schwäche auszumerzen.

        Das “Herumschauen” hingegen war eigentlich immer eine der Stärken von Lindner, der Junge kann grundsätzlich ein Spiel ziemlich gut lesen. Sein Problem war immer sein zaghafter Charakter, du musst als Torwart einfach der unumstrittene Chef der Abwehr sein, ohne Rücksicht auf Verluste. Die junge Abwehr hat ihm sichtlich gut getan, weil er Verantwortung übernehmen musste und sich die Jungen auch an seine Kommandos hielten. Selten so gute und auch umgesetzte Kommandos von ihm gesehen.

        Feldspieler wird er keiner mehr, das stimmt, aber ich fand es gut, dass er bei den Abstößen seine Linie durchgezogen hat, trotz Kritik seitens der Mitspieler. Zeugt von einer Weiterentwicklung seines Selbstbewusstseins. Gerade beim Thema Abstoß hat man ja immer so seine Meinungsverschiedenheiten mit den Feldspielern und um da keine Unruhe bei sich selbst aufkommen zu lassen, muss man seine Sache einfach beinhart durchziehen.

        • Mit Herumschauen meinte ich natürlich nicht den Blick aufs Spiel, sondern auf irgendwas anderes.

          • martidas

            Als Torwart hat man leider oft Zeit dafür. Ich erwähne jetzt nicht, dass das berühmteste Gegentor meiner Karriere dadurch zustande kam, dass sich hinter meinem Tor eine wunderschöne Polizistin befand. Aber auch Spruchbänder oder schöne Choreos zu Beginn der zweiten Halbzeit sind mitunter recht ungut für die Konzentration.

            Man hat es halt nicht leicht, aber ja, der Heinzi ist, wie oben schon erwähnt, anfällig für sowas, das stimmt schon.