Testspiel
Happel-Stadion, Wien, 16. November 2016
Österreich - Slowakei
0-0
Tore: keine

Die (wenigen) Lehren des 0:0 von Österreich gegen die Slowakei

Mit einem Spiel, das nichts für Feingeister und Schönwetterfans war, verabschiedet sich Österreich in die Länderspiel-Winterpause. So unansehnlich, so zäh und so niveauarm das 0:0 in einem zu fast drei Vierteln leeren Happel-Stadion aber auch war, es gab schon ein paar Erkenntnisse.

Österreich - Slowakei 0:0
Österreich – Slowakei 0:0

Kein Alaba im Zentrum, kein Janko vorne, kein Hinteregger hinten: Die erste Hälfte zeigte an diversen Stellen zumindest personelle Experimentierfreude. Nach der Pause kamen dann einige Stammkräfte (Alaba, Hinteregger, Klein, später auch Janko).

Das Abwehr-Zentrum

Andreas Lukse zeigte bei seinem Länderspiel-Debüt im zarten Alter von 29 Jahren eine blitzsaubere Partie. Davor aber gab es sehr wohl einige sichtbare Probleme. Das Fehlen von Martin Hinteregger hatte zur Folge, dass es aus der Innenverteidigung heraus so gut wie keine Spieleröffnung gab. Dragovic, der noch eher dazu in der Lage wäre, hatte viel mit sich selbst zu tun: Kleine Ungenauigkeiten, kleine Konzentrationsfehler, kleine Ausrutscher. Nichts dramatisches, aber in Summe schon ein Indiz dafür, dass er bzw. warum er in Leverkusen nicht spielt.

Als Hinteregger im Spiel war, kam Zug in den ersten Pass. Statt kurzer Abspiele auf die Sechser rückte Hinteregger immer wieder etwas auf, packte seine präzisen langen Bälle aus und zeigte deutlich, warum er im Normalfall absolut die erste Wahl ist.

Defensiv kam die Abwehr nur dann in Schwierigkeiten, wenn die Slowaken schnell umschalteten, denn aus dem Spiel heraus waren sie gar nicht am Kreieren interessiert auch, weil sie das ohne Marek Hamsik gar nicht wirklich können. Auffällig war aber schon, dass sich die österreichische Abwehr recht schnell fallen ließ, wenn die Slowaken den Ball eroberten – die Mittelfeldkette aber nicht. Da hatte die Slowakei oft Platz, was die Gefahr in Umschaltmomenten erst wirklich erzeugte.

Das Mittelfeld-Zentrum

Wer wissen wollte, warum der Teamchef David Alaba im Zentrum für wertvoller hält als auf der linken Seite, sollte sich noch einmal die erste Halbzeit in ihrer geballten Grausamkeit ansehen. Ilsanker beschränkte sich auf seine Rolle als Zweikämpfer gegen eine kaum vorhandene slowakische Offensive und ließ ansonsten seinen Einsatz zu einem 45-minütigen Rückpass-Training werden.

Dergestalt auf sich alleine gestellt, war es für Julian Baumgartlinger natürlich schwierig bis unmöglich, die (einmal mehr unmöglich weit vor ihm stehenden) Mitspieler in der Offensive in Szene zu setzen. Die Folge waren auch hier Sicherheitsbälle und Fehlpässe im Aufbau.

Statt Ilsanker und Baumgartlinger besetzten nach dem Seitenwechsel Alaba und Dragovic das Mittelfeld-Zentrum im österreichischen 4-4-2. Dragovic gab nun den Beißer und Alaba den Kreator. Alaba profitierte in dieser Rolle auch davon, dass nun Hinteregger für die Eröffnung da war und er in einer höheren Position als Baumgartlinger spielen konnte. Das sorgte für etwas bessere Verbindungen in die vordere Reihe, weil der Abstand zu dieser nun nicht mehr ganz so groß war.

Ob das Sechser-Duo Dragovic/Wimmer, das in den letzten fünf Minuten spielte, so wirklich Zukunft hat, darf wohl leicht in Zweifel gezogen werden.

Die Außenbahnen

Lazaro und Onisiwo auf der rechten Seite war bei diesem ersten Versuch keine echte Granate. Gerade bei Lazaro wurde das fehlende Timing auf der nicht ganz gewohnten Position oft deutlich, was allerdings nicht nur an ihm lag. Zum einen war generell die Passgenauigkeit bei Österreich schwach, zum anderen sind mangels gemeinsamer Spielzeit die Abstimmungen mit Lazaro einfach noch nicht da.

Durch diese Defizite kam auch Karim Onisiwo auf der rechten Außenbahn kaum zur Geltung; im Zentrum bzw. auf der linken Seite nach der Halbzeit wurde es ein wenig besser. Flo Klein kehrte auf seine einstige Position zurück, auf der er von 2007 bis 2009 beim LASK seine ersten Bundesliga-Jahre absolvierte: Rechts im Mittelfeld. Ging so.

Links waren Suttner und Arnautovic, wie fast immer wenn sie zusammen spielen, auch kein Traumpaar. Arnautovic half, wenn nötig, stets hinten aus und zeigte nach vorne eher Einzelaktionen – diese strahlten auch noch am ehesten so etwas wie Gefahr aus. Eine signifikante Verbesserung stellte das Duo Stangl/Onisiwo in der Schlussphase eines ohnehin nur semi-ernsthaft betriebenen Spiels nicht dar.

Der Angriff

Martin Harnik und Lukas Hinterseer agierten zumeist auf annähernd einer Höhe. Das war gut in Pressing-Situationen, aber schlecht im Aufbau – weil es, wie erwähnt, das Loch zwischen ihnen und Baumgartlinger recht groß werden ließ. So fiel es den Slowaken nicht sonderlich schwer, Österreicher zu isolieren. Ein beliebter Move war, einen Österreicher offenbar bewusst frei zu lassen, den Pass dorthin zu locken und diesem dann die Optionen zu nehmen. Erkannte Österreich diese Situationen nicht, war der Ball weg. Erkannte Österreich diese Situationen schon, wurde der Rückzug angetreten.

Erst mit Arnautovic im Zentrum (etwa ab 65. Minute) gelang es besser, sich mit dem Aufbau (zumeist über Alaba) zu verbinden. Was aber nichts daran änderte, dass die Slowakei mit ihrer soliden Defensive sehr wenig zuließ.

Der Gesamteindruck

Torschuss abgeblockt, Nachschuss von der Linie geköpfelt, Chance zum zweiten Nachschuss verschludert. Diese Szene kurz vor der Halbzeit versinnbildlicht das Länderspiel-Jahr 2016 recht schön.

Das Spiel gegen die Slowakei war natürlich vor allem geprägt von unzähligen Fehlpässen im Aufbau, von fehlendem Tempo. Davon, dass im Zweifel stets der Rückzug nach ganz hinten, zu Lukse, angetreten wurde. Dass da schon einige kräftig out of position spielten.

Es lässt sich aber schon gut sehen, dass Hinteregger hinten, Arnautovic auf der Seite und, ja, die Präsenz von Alaba im Zentrum für das Funktionieren der Mannschaft von essenzieller Bedeutung sind. Auf die Frage, was nach Janko kommt, lieferten Harnik und Hinterseer in der ersten Hälfte keine Antwort.

Jetzt gibt es erst einmal viereinhalb Monate kein Länderspiel, und niemand wird nach diesem durchwachsenen Jahr wirklich traurig darüber sein.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

  • Peda

    Irgendwie mag ich an euren Analysen, dass ich mich da immer so schön dran reiben kann, gerade jetzt in diesen nasskalten Tagen.

    Ich bin nämlich mit einigen Dingen nicht ganz einverstanden:
    Wer gestern Ilsanker-Baumgartlinger als Plädoyer für Alaba im Zentrum erachtet, der tappt mMn in Kollers trotzige Falle. Die Aufstellung schrie ja förmlich:”schaut’s her, ich kann eh herumprobieren, nur ist das keinen Deut gescheiter!”
    No na brennt der zusammengewürfelte Haufen dann kein Feuerwerk ab.

    Statt Junuzovic hat er einen Linksaußen mitgenommen, Schöpf und Schaub durften bei der U21 aushelfen und Grillitsch ist immer noch nur auf Abruf. Natürlich ist dann Alaba im Zentrum alternativlos, wenn man keine Alternativen (mehr) dabei hat. Durch diesen originellen Rumpfkader hatte man nicht nur kein offensiv brauchbares DM, sondern auch keine spielerisch brauchbare Sturmreihe.

    Ich habe gestern folgende Erkenntnisse gewonnen:

    1) Lazaro ist als RV sehr brauchbar, technisch ein ordentliches Upgrade zu Klein – quasi ein Alaba auf rechts. An der Abstimmung fehlte es gestern, no na.

    2) Onisiwo ist vom Typ her am ehesten ein Arnautovic-Ersatz, aber für diese Erkenntnis hätte ich ihn keine 90 Minuten quer über den Platz schieben müssen.

    3) Koller will ganz offensichtlich nicht mehr.
    Ich habe seine Kader, seine Abruflisten, seine Aufstellungen und Erklärungen immer nachvollziehen können. Er hat klare Prinzipien und war für mich in der Hinsicht immer ein offenes Buch. War, denn irgendetwas ist passiert:
    Sabitzer und Schöpf waren gegen Irland keine Überraschung in der Startelf, Sabitzer zentral und Schöpf rechts jedoch schon. Dass geschah laut Koller, weil sie das aus dem Verein eher so gewöhnt sind. Warum spielen dann Alaba ZM, Wimmer LV und Lazaro RV?
    Marcel Koller hat sich seit seiner Bestellung immer wieder darüber beschwert, dass er so wenig Zeit hat um mit dem Team zu arbeiten – nur, um dann in dieser schwierigen Phase das einzige Testspiel innerhalb von neun Monaten einfach herzuschenken. Das halte ich für eine Frechheit!

    Wenn sich Marcel Koller hinstellt und behauptet, dass momentan nur der Einsatz und das Glück den Unterschied zu 2014 ausmachen, dann muss ich daran zweifeln, dass er jemals begriffen hat, was das Team damals gut und heute schlecht macht.
    Wenn sich Marcel Koller angegriffen fühlt, wenn bei gewissen Personalentscheidungen, mit denen er sich wieder Baustellen aufgerissen hat, nachgehakt wird, dann läuten bei mir die Alarmglocken.

    Bei mir hat er leider in den letzten Wochen jeglichen Kredit verspielt und ich befürchte, dass er wie schon bei seinen vorangegangenen Stationen über seine Sturheit stolpern wird.

  • Michael Rudolf

    So einfach würde ich das Argument, dass DA im Zentrum unersetzbar ist jetzt nicht auf dieser Partie aufbauen:

    1) War die zweite Hälfte noch weniger zum anschauen als die erste.
    2) War DA in der ersten Hälfte gar nicht im Spiel. Daher kann man wohl auch schwer ableiten wie der Spielaufbau mit DA aussehen würde – als zb im Aufbau zeitweise einrückendem LV wie unter Pep letztes Jahr, zB generell mit einem Linksverteidiger, der irgendwie an Kombinationen teilnehmen kann. Die Aufstellung war aber von MK wohl dazu angelegt den Kritikern vorzuführen was passiert, wenn DA nicht 8er spielt!
    3) Waren weder Junuzovic, noch Schöpf, noch andere mögliche Kandidaten die evtl. einen 8er geben könnten verfügbar/im Einsatz.
    4) Hat wohl auch die Besetzung des 10er + Sturm noch etwas Einfluss auf den Spielaufbau, und da waren jetzt nicht die Kombinationsmonster im Einsatz!

    Vor der Partie wird behauptet, dass dieses Spiel ernst genommen wird – und dann liefert MK so eine Aufstellung? Das Interview danach “fehlendes Glück im Abschluss” war eine Bankrotterklärung! Wenn Herberti Prohaska was zu sagen hätte (seiner Körpersprache und seiner kaum beherrschten Analyse nach), wäre MK gestern wahrscheinlich entlassen worden! Meiner Ansicht nach wollte MK gestern nur demonstrieren dass, wie du meinst, es ohne DA im Zentrum nicht geht!

    • Peda

      Ich stimme mit dir zu 100% überein!

      Wenn ich meinen Kommentar nicht schon im Editor gehabt hätte, hätte ich ihn mir glatt gespart. ;-)