WM-Qualifikation für 2018
Happel-Stadion, Wien, 6. Oktober 2016
Österreich - Wales
2-2
Tore: 28' und 48' Arnautovic bzw. 23' Allen, 45' Wimmer (ET)

Gute Leistung gegen Wales: Österreich holt 2:2

Die Stimmung in Österreich vor dem Spiel war angespannt bis sorgenvoll – die Stimmung nach dem 2:2 gegen Wales darf durchaus in Richtung Optimismus gehen. Mit einer sehr vorzeigbaren Vorstellung gegen den EM-Halbfinalisten bleibt das ÖFB-Team voll im Rennen um einen Platz bei der WM in Russland. Frei von Schwachpunkten war die Leistung aber auch nicht.

Österreich - Wales 2:2 (1:2)
Österreich – Wales 2:2 (1:2)

Kleiner Rückgriff auf das EM-Halbfinale der Waliser: Wie hat es Portugal geschafft, Wales zu kontrollieren und letztlich relativ sicher 2:0 zu besiegen? Zum einen fehlte auch damals Aaron Ramsey – und zum anderen kesselten die Portugiesen Joe Allen ein. Dieser konnte somit nicht aus dem Zentrum heraus das Spiel diktieren.

Allen als österreichischer Fokuspunkt

Österreich ging es grundsätzlich recht ähnlich an. Man ließ die walisische Dreierkette hinten unbehelligt, auch die kampfkräftigen Ledley und King im Mittelfeld wurden nur situativ angegangen – aber sobald der Ball bei Joe Allen war, wurde der Mann von Stoke City von zumindest zwei Österreichern aggressiv angepresst.

Die erhoffte Wirkung blieb nicht aus: Ohne den verletzten Ramsey und ohne den quasi aus dem Spiel gepressten Allen sahen die Waliser seltsam unrund, fast schon aus den Fugen gedrängt aus. Spielerisch gab es für den EM-Halbfinalisten keinen Weg in den österreichischen Strafraum. Plakativster Effekt des Allen-Fokus war das Tor zum 2:2: Allen musste unter Druck einen Not-Rückpass spielen, dieser fiel unpräzise aus, Arnautovic nahm den Ball auf und traf.

Natürlich: Wie in unserem Podcast angekündigt, sah man Wales schon früh an, dass man mit einem Remis ganz gut leben könnte. Risikovermeidung wurde groß geschrieben, Überraschendes gab es nicht zu sehen. Sprich: Wenn aus dem Spiel nichts geht, dann steht man halt hinten sicher und schaut, was sich aus Standards ergibt.

In der 20. Minute etwa deutete Abwehrchef Ashley Williams nach einem Ballgewinn seinen Nebenleuten: Ruhig, ruhig, nicht sofort schnell umschalten, Ball sichern ist wichtiger.

Wimmer auf der linken Seite…

Bei den Namen Dragovic, Hinteregger und Wimmer in der Startformation hätte man mit einer Dreierkette auch bei Österreich rechnen können – aber Kevin Wimmer spielte tatsächlich als Linksverteidiger. Was genau das sollte, wurde in den 90 Minuten nicht ganz klar. Er stand zunächst recht hoch, Alaba kippte in den LV-Raum ab, aber Wimmer war auch nach vorne passiv. Es dauerte 17 Minuten, ehe er Arnautovic das erste Mal hinterlief.

Defensiv brannte auf seiner Seite überhaupt nichts an, aber das Flügelspiel über Chris Gunter ist nun auch nicht gerade die Paradedisziplin von Wales. Wimmer beschränkte sich auf Pässe der Marke “Lieber nichts kaputt machen”, ein echter Faktor im Aufbau war er nicht. Und aus den Gesten von Arnautovic war schon hie und da herauszulesen, dass er sich einen echten Linksverteidiger hinter sich gewünscht hätte.

In jedem Fall aber hielt Wimmer Arnautovic den defensiven Rücken gegen Gunter frei – so konnte sich Arnautovic vermehrt auf seine offensiven Aufgaben konzentrieren. Und diese erledigte er ja exzellent.

…und die entstehende österreischische Asymmetrie

So war Arnautovic links oft weitgehend auf sich alleine gestellt, während Florian Klein rechts fleißig in der gegnerischen Hälfte herum turnte, immer wieder einiges an Raum vorfand und diesen auch durchaus nützte. So agierte Österreich asymmetrisch: Rechtsverteidiger Klein hoch und aktiv, Linksverteidiger Wimmer tiefer und passiv.

Diese Überladungen der rechten Seite sind beim traditionell linkslastigen Spiel des ÖFB-Teams ungewohnt und merkbar hatten auch die Waliser nicht ganz damit gerechnet. Dass aus dieser Ausrichtung, mit der so nicht zu rechnen war, nicht mehr heraus sprang, liegt auch an der eher anonymen Vorstellung von Marcel Sabitzer. Bei ihm gilt weiterhin: Stark und auffällig beim Klub, mäßig und sehr unauffällig im Nationalteam.

Alaba und Baumgartlinger unbehelligt…

In den letzten Spielen wurde es sehr deutlich: Österreich hasst es, wenn die Mittelfeld-Zentrale mit Alaba und Baumgartlinger in Manndeckung genommen wird. Es wäre keine Überraschung gewesen, wenn der walisische Teamchef Chris Coleman, einer der flexibelsten seiner Zunft, sein gutklassiges Mittelfeld auch auf Mannorientierungen ansetzt – das passierte aber überhaupt nicht.

Im Gegenteil: Alaba und Baumgartlinger konnten das österreichische Spiel weitgehend unbehelligt von Gegenspielern lenken und dirigieren, so gut wie jeder Angriff hatte bei den beiden ihren Ausgang, so gut wie immer wanderte der Ball problemlos zu den beiden zurück, wenn man sich vorne festgespielt hatte. Baumgartlinger holte sich viele zweite Bälle und war besonders stark in Gegenpressing-Situationen; Alaba forderte den Ball, war überall zu finden, es wirkte aber nie krampfhaft oder übertrieben egobezogen.

Beide zeigten eine sehr brauchbare Leistung; Alaba legte den wichtigen, schnellen Ausgleich zum 1:1 auf.

…aber nicht immer mit Abspieloptionen

Aus der Ruhe, die das zentrale österreichische Duo genoss, hätte aber durchaus noch mehr resultieren können. In diversen Aufbauaktionen, vor allem in der ersten Hälfte, wurde aber der Abstand zwischen den beiden und der Offensivreihe aber wieder zu groß. Die beiden sahen sich zu weiten Vertikalpässen genötigt – ganz ähnlich wie im Auftaktspiel der WM-Quali in Georgien.

Dort arbeitete man sich so noch einige Chancen heraus, gegen die gutklassige walisische Fünfer-Abwehr (die es gegen den Ball war) ging das praktisch gar nicht. Das Resultat war relativ viel Ballbesitz für Österreich (an die 60% in Phasen der ersten Hälfte, am Ende waren es 54%), nie die Sorge um Gefahr für das eigene Tor, aber auch wenige wirklich zwingende eigene Torchancen.

Das große Negative: Standardsituationen

Und obwohl sie über weite Strecken des Spiels sehr wenig Gefahr ausstrahlten, ging Wales zweimal praktisch aus dem Nichts in Führung. Erst ließ man Allen einmal unbewacht und er traf per Weitschuss, dann war Österreich wieder einmal (wie schon gegen Island bei der EM) nach einem gegnerischen Einwurf nicht in der Lage, den Ball zu klären.

Wie überhaupt Standards der ganz große Schwachpunkt des ÖFB-Teams waren, sowohl offensiv als auch defensiv. Eigene Freistöße und Eckbälle wurden zum überwiegenden Teil stets gleich, vorhersehbar und phantasielos ausgeführt. Wales kam aus solchen Situationen praktisch nie in Bedrängnis.

Andererseits aber war Wales zwar aus dem Spiel völlig harmlos, aber jedesmal brandgefährlich, wenn man viele Leute im österreichischen Strafraum hatte – also bei Standards, bei Eckbällen (die sich vor allem in der Schlussphase häuften) und bei den langen Einwürfen von Gareth Bale. Souverän löste Österreich diese Situationen nur selten, und einmal – beim Tor zum 2:1 für Wales – gar nicht.

Fazit: Ordentliche Leistung mit Schwachstellen

Es war alles in allem die beste Leistung, die das ÖFB-Team im Kalenderjahr 2016 abgeliefert hat – gemeinsam mit der ersten Hälfte gegen Albanien, vermutlich, und der zweiten Hälfte bei der EM gegen Island. Man kontrollierte das Zentrum und damit das Spiel, und vor allem: Mental war Österreich auf der Höhe.

Zweimal gegen den Spielverlauf in Rückstand geraten und zweimal recht schnell wieder ausgeglichen: Das spricht absolut für das Team, zumal der Druck sicherlich deutlich höher war, als man das öffentlich zugeben wollte. Nach der harzigen Vorbereitung, der verkorksten EM und dem Zitter-Auftakt in Georgien stand nicht weniger als die Perspektive der kommenden 12 Monate auf dem Spiel.

Außerdem spielte Österreich ohne einen Linksverteidiger, der diese Bezeichnung wirklich verdient, und weitgehend auch ohne einen Rechtsaußen – Wimmer war, so brav er es machte, völlig out of position und Sabitzer eben kein wirklicher Gewinn für das Team. Auch Janko war merklich nicht auf hundert Prozent und Almer – der schon ganz am Anfang sensationell nach einem Standard gegen Bale parierte – musste sogar ausgewechselt werden.

Natürlich: Eine Niederlage in Belgrad, und die ganze schöne Hochstimmung nach dieser sehr vorzeigbaren Vorstellung ist dahin. Aber das 2:2 gegen Wales darf durchaus als Erfolg gewertet werden, der das angeknackste Selstverständnis des ÖFB-Teams wieder stabilisiert. Damit kann man auch in Serbien etwas holen.

gruppe-d

Ankündigung: Zum Spiel am Sonntag gegen Serbien wird es bei uns einen Liveticker geben. Als Vorschau legen wir euch unseren aktuellen Podcast ans Herz.

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

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  • Peda

    Keine Ahnung woher das kommt, aber deinen Spielerbewertungen kann ich nur äußerst selten zustimmen.

    Positiv hervorheben möchte ich einmal Alaba, der sich ausnahmsweise ein- und unterzuordnen wusste. Daher war er in Flügelszenen auch im Rückraum anspielbar und turnte nicht wie leider schon oft gesehen mit Janko und Junuzovic an der letzten Linie herum. Dadurch konnte die Zirkulation besser aufrecht erhalten werden, man war für das Gegenpressing besser gestaffelt und gegen die hüftsteife Verteidigung waren seine Lupfer aus dem zweiten Drittel ein probates Mittel (zu Beginn wirkte das am schnellen Rasen etwas sinnlos, aber mit der Zeit wurde es deutlich besser).
    Wimmer fühlte sich in engen Räumen und hohen Zonen überraschenderweise sichtbar wohler als Suttner gegen Georgien, der damals immer wieder nach vorne gescheucht werden musste. Er war zudem in die Ballzirkulation nicht tiefer eingebunden als Klein – https://twitter.com/11tegen11/status/784425020533645313 – Confirmation Bias? Dass seine Rolle bei den beiden Gegentreffern in die Bewertung seiner Leistung als Linksverteidiger einfließt, ist aus meiner Sicht schlicht falsch.
    Wenn Sabitzer gestern kein Gewinn gegenüber Harnik war, dann weiß ich auch nicht. Ballbehauptung, Ablagen, Weiterleitungen – das alles hat man vom Neo-Hannoveraner noch äußerst selten gesehen. Und ich bezweifle, dass Schöpf für die Aufgaben gestern (Sabitzer und Arnautovic hielten sich hoch – oft höher als Janko – in den äußeren Schnittstellen der Fünferkette auf und spielten viel mit dem Rücken zum Tor) die bessere Wahl gewesen wäre.

    Ich weiß auch nicht, ob Schöpf mit mehr Spielzeit überhaupt einen Impact hätte machen können, da die Rollen der Offensiven gestern doch stark vom Standard abwichen (Janko fiel oft weit hinter Junuzovic zurück. Was war da der Plan? Lufthoheit gegen die Sechser und Geschwindigkeit gegen die Innenverteidiger? War beides irgendwie kein Faktor). Aber wenn ich eines bekritteln würde, dann die wiederholt späten Wechsel.
    Warum Almer nicht schon zur Halbzeit raus sondern gröberes riskieren? Durch die Behandlungspausen und den langwierigen Wechsel ging neben wichtigen Spielminuten auch der gute Rhythmus verloren.
    Bei Schaubs Einwechslung dachte ich kurz ich sehe ein Testspiel. Auf Sieg spielte er mit dem Debütsicher nicht, da wäre Lazaros Geschwindigkeit wichtiger gewesen als der inverse Rapidler Flügel, der sich mit Ansage in das dichte Zentrum dribbelte.

    Eine Bitte in die Runde: kann bitte irgendjemand ein Best Of von Hinteregger im Nationalteam zusammenbasteln? Seine Pässe und Dribblings sind jedes Mal einfach nur die reinste Freude. Sein Lupfer in Bedrängnis auf Arnautovic und wie er Bale mit dem Kopf austanzt – einfach unpackbar, der Typ… :-D

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  • don’tfollowme

    Weiß nicht was ich davon halten soll, einerseits natürlich ein Punktgewinn nach zweimaligen Rückstand der in einer Niederlage hätte enden können, andererseits wären zwei Punkte mehr möglich gewesen. Aber das ist dann zu viel “hättiwari”.

  • buxi

    Ich fand Wimmer jetzt auch nicht so schlecht. Ist jedenfalls eine Option für die Zukunft. Wenn er das noch ein paar mal spielt wird die Harmonie mit Arnautovic sicher besser, und das Eigentor – ja mei – passiert halt mal.
    Janko: Seine zeit wird wohl langsam enden. Wenn er nicht auf 100% – und das ist er mit den vielen Verletzungen selten – würde ich mir da eher Gregoritsch wünschen. Bin gespannt wie lange koller noch an ihm festhält. Gerade gestern war da wenig von janko zu sehen gerade erste halbzeit. Stellt sich für mich die frage warum man zu den drei leuchttürmen in der wales iv noch einen 4ten dazu stellt.

  • martidas

    Vor dem Spiel hätte ich das Ergebnis genommen. Nach den Eindrücken im Stadion schwankt meine Stimmung zwischen “Starkes Remis gegen den EM-Halbfinalisten” und “Ausgerechnet gegen uns holen die Waliser ihren ersten Punkt in den grauen Dressen.”

    Mich hätte ja wirklich interessiert, wie das Spiel verlaufen wäre, hätte Österreich das 1:0 geschossen. Wales war teilweise extrem bieder und schon sehr auf das Unentschieden aus. Aber verständlich, für den vermeintlichen Gruppensieg passt ein Unentschieden in Wien ganz gut in den Plan.

    Sonst hat das Spiel wenig Neues gebracht. Koller bleibt Koller: Ein treuer Stamm, ein bewährtes System, aber für jedes Spiel bis auf die kleinste Feinheit perfekt auf den Gegner abgestimmt. Kollers größte Stärke besteht einfach darin, dem Gegner seine Stärken zu nehmen. Wenn man bedenkt, wie im Laufe der letzten Jahre Neymar, Ronaldo, Ibrahimovic und nun auch Bale kaum zur Geltung gegen uns kamen, kann man Koller nur Komplimente aussprechen. Taktisch gab es defensiv heute nichts zu bemängeln, für die Slapstickeinlagen in der Verteidigung kann Koller nichts (siehe erstes Gegentor) und zum zweiten fällt mir nur mein alter Trainer ein: “Am Feld kann man kein Tor aus einem Einwurf bekommen und in der Halle aus keiner Ecke. Fakt.”

    Koller bleibt Koller bedeutet aber leider auch eine permanente Schwäche bei Standards (offensiv und defensiv) und Mutlosigkeit in der Offensive. So sehr ich seine teilweise brillianten Matchpläne schätze, so sehr verfluche ich seine Vorsicht in den letzten 20 Minuten. Es wird einfach nie passieren, dass man bei Spielen wie gegen Schweden zum Auftakt der EM-Quali, heute gegen Wales oder gegen Ungarn bei der EM (ja nicht mal beim Test gegen die Niederlande!) auch mal den Matchplan über den Haufen wirft, den zweiten Stürmer bringt und schaut was passiert. Das wird nicht immer gutgehen, keine Frage, aber ohne Üben wird es auch nicht besser. Und man kommt im Fußball irgendwann in Situationen wo der Mut dann auch belohnt wird (siehe die Einwechslung Eders im EM-Finale).

    Sorgenkinder bei den Spielern gibt es ja immer, bislang kann man das immer wieder gut kompensieren, aber auf lange Sicht sollte man nicht mit Sabitzer, Özcan, Hinterseer und Co. planen. Es gibt einfach Spieler, die funktionieren im Team nicht. Ich plädiere ja immer noch für Kainz (er war neben Schöpf, der einzige Spieler außerhalb Kollers Stamm, der wirklich in seinen wenigen Minuten eine Verstärkung war). Und Dragovic macht mir echt Bedenken. Der hat in der kurzen Zeit bei Leverkusen völlig sein Selbstvertrauen verloren.

    Und Janko und Almer sind einfach alternativlos im Team, leider. Drum spielen sie zurecht, auch wenn sie nicht 100% fit sind.

    • Ich hab grad vorhin mit Freunden über das Spiel geredet und genau das auch gesagt – das muss man auch mal betonen: Wurscht welcher Superstar-Stürmer mit seiner Mannschaft gegen Österreich angetanzt ist, man hat ihn persönlich fast völlig aus dem Spiel genommen. Ibrahimovic, Neymar, Suarez, Bale … Liegt einerseits an den sehr guten Innenverteidigern, die man ziemlich zuhauf hat und die hauptsächlich dafür zuständig sind, muss aber schlicht auch an der Vorbereitung durch Koller liegen.

      “Es wird einfach nie passieren, dass man bei Spielen wie gegen Schweden zum Auftakt der EM-Quali, heute gegen Wales oder gegen Ungarn bei der EM (ja nicht mal beim Test gegen die Niederlande!) auch mal den Matchplan über den Haufen wirft, den zweiten Stürmer bringt und schaut was passiert.”

      Ich habs vor dem Spiel gesagt und drum bleib ich dabei. Ein Remis gegen Wales zurzeit ist ein gutes Ergebnis. Das ist der EM-Halbfinalist mit vollem Selbstvertrauen, während Österreich angeknackst ist und dringend über Ergebnisse sein Selbstvertrauen zurückgewinnen muss. Heute noch auf Risiko zu gehen und des 2:3 zu riskieren wäre viel viel schädlicher gewesen, als es geholfen hätte mit dem Risiko noch das 3:2 zu machen. Wenn man das eigene Spiel wieder stabilisiert kann man jederzeit in Wales gewinnen. Insofern finde ich es eine gute Kalkulation.

      “aber auf lange Sicht sollte man nicht mit Sabitzer, Özcan, Hinterseer und Co. planen.”

      Bei Hinterseer und Sabitzer hätte ich ein ähnliches Bauchgefühl, weil sie zum derzeitigen Team spielerisch nicht voll zu passen scheinen.
      ABER:
      Das würde ich eben nicht auf “lange Sicht” sagen, sondern mittelfristig. Denn sie sind durchaus noch entwickelbar und zurecht in ihrer Karriere nicht unerfolgreich. Und vor allem: Wenn die Generation Arnautovic-Junuzovic-Harnik ihre Ende erreicht (und das wird in 3-6 Jahren passieren), sind das Spieler, auf die man in Österreich nicht einfach verzichten kann. Und das ist auch der Grund, warum sie derzeit dabei sind: Es drängen sich einfach keine Alternativen in der zweiten Reihe auf.

      Bei Özcan weiß ich nicht. Auch da gibts nicht viele bessere Alternativen (wie viele hemische Keeper haben schon tatsächlich in der deutschen Bundesliga gespielt?). Es gibt keinen objektiven Grund, warum er im Team nicht funktionieren sollte. Da müssen sich wohl einfach ein paar negative Erlebnisse durch ein paar positive Momente lösen, um das nötige Vertrauen von allen Seiten aufzubauen.

      • martidas

        Ich muss lernen, das Risiko zu gehen. Natürlich besteht die Gefahr des 2:3 und der negativen Folgen, aber genauso wie gegen die Niederlande bekommst du so eine Situation nicht besser serviert. Wales ist zufrieden mit dem X, wartet eigentlich auch nicht mehr auf den Konter, sondern lässt nur mehr Zeit verstreichen. Ja, wenn du selbst dann nicht den Mut hast, dann beraubst du dich einfach einer Stärke. Und glaube mir, als ehemaliger Torwart bin ich normalerweise ein Verfechter des “Sicherheits-Fußballs”. Aber ein bisschen Mut braucht es halt schon auf Dauer.

        Bei Özcan liegt es an der Spielweise, das kann ich dir aus erster Hand berichten. Das ist auch der Grund, warum Almer im Team eine Klasse stärker ist als in seinen Vereinen, Verteidigung und Torwart müssen harmonieren. Almer braucht eine selbstständige Defensive vor sich, dann kann er sich auf sein Torwartspiel konzentrieren und dann ist er Weltklasse. Bei der Austria muss er aber ständig die gesamte Defensive einrichten, was viel Konzentration kostet (er kommt im NT mit einem Zehntel an Kommandos aus). Özcan hingegen braucht eine gewisse Präsenz am Platz und richtet sich gewissermaßen auch an seinen Kommandos auf. Wenn aber nun die Verteidigung gut spielt und eigentlich nur einen verlässlichen Torhüter braucht und dann einen übermotivierten Kommandogeber bekommt, der noch dazu unter dem Niveau der Verteidigung spielt (siehe seine Patzer im NT), dann knirscht es ganz schnell in der Harmonie. Und Özcan hat weder die Autorität noch das Standing in der Mannschaft um das aufzufangen.

        • Das Tormannspiel ist nicht wirklich meine Expertise, drum sag ich dazu heute nicht mehrl als das: Allgemein haben wir zum Glück Almerm, bei dem die Teamchemie stimmt, und allgemein haben wir dahinter einfach nicht viel besseres als Özcan.

          Bezüglich des “Muts” aber: Wales ist zu gut um als Gegner auf unkalkuliertes RIsiko zu machen. Gib z.B. Bale nur einmal zu viel Platz und du verlierst das Spiel. Auf der anderen Seite sind die Chancen mit mehr Risiko auch tatsächlich zu gewinnen einfach gering – Fußball ist ein Spiel mit wenig Lohn fürs Risiko. Man nimmt es aus Verzweiflung heraus, nicht aus Trotz. Eine unnötige Niederlage statt einem guten Remis wollte Koller dem Team und das Team sich selbst in dieser Phase seiner Entwicklung nicht antun und das kann ich sowohl nachvollziehen als auch gutheißen. Heute zu verlieren wäre ein harter Rückschlag für die Qualifikationschancen gewesen und damit auf Sicht vielleicht das Ende dieser vielversprechenden Generation und Kollers Ära. Gegen die Niederlande mag das anders gewesen sein, aber das ist auch wurscht. In Bewerbsspielen find ich die kalkulierte Gangart hochvernünftig.

          Risiko bedeutet, sein Schicksal auch bis zu einem gewissen Grad dem Zufall zu überlassen. Es gab IMO heute keinen Grund, das zu tun. Man wirft im ersten Viertel keinen Hail Mary Pass

          • martidas

            Mir tut es halt auch um Lindner leid. Im Gegensatz zu Özcan hat er weit solidere Spiele im NT abgeliefert, passt besser zum Team und ist jetzt auch kein schlechter Goalie. Mit Spielpraxis kann man da nicht argumentieren, die hatte Almer die längste Zeit ja auch nicht. Lindner kennt auch das Team gut, man hätte ihn als dritten Goalie mitnehmen können und hätte dann zumindest ein erprobtes Backup zum “Risiko” Özcan. Die Einberufung von Lukse (so sehr ich sie ihm gönne) war meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig.

            Bezüglich des Mutes kann man das auch anders sehen: Hätte Koller auswärts gegen Schweden in der WM-Quali den Mut gehabt auf das 2:0 zu spielen, wären wir vielleicht zur WM gefahren, hätten dort unseren Lehrgang absolviert und wären dann mit der entsprechenden Erfahrung zur EM gefahren und wer weiß. Es kann immer in beide Richtungen gehen, aber nie und zwar wirklich nie das Risiko zu nehmen, ist dem Team schon öfter auf den Kopf gefallen und wird dem Team auch noch öfter auf den Kopf fallen. Ich gebe dir schon Recht, gestern war es vielleicht die vernünftigere Entscheidung. Aber generell muss da mehr Mut in den letzten 20 Minuten kommen. Davon bin ich überzeugt.

  • Ich fand Wimmer nicht so schlecht und war recht froh, dass er sich vor allem anfangs eher zurückhielt mit dem Aufrücken. Immer wenn er mal ein paar Meter nach vorne ging und Wales den Ball hatte, hat Bale schon so wie wild in den Raum hinter Wimmer gedeutet – den Ball hat er aber zum Glück dann nie gut dorthin bekommen und Wimmer hat eben auch drauf aufgepasst.

    Bin darüber hinaus gespannt, wie lange es dauert, bis die Leute wieder vergessen, welche genialen Pässe Alaba auf Arnautovic gespielt hat, wie oft er zum Schuss kam und wie gut er mit Baumgartlinger harmoniert, um dann zu behaupten, dass er die Position im Zentrum einfach nicht kann.

    • maritdas

      Natürlich kann er diese Position spielen. Die Frage ist nur wie. Alaba war vor der Sommerpause völlig überspielt und ein Mittelfeldmotor außer Form, der noch dazu bevorzugter Passempfänger und -geber des Teams ist und dann stattdessen Ballverluste am laufenden Band produziert, war halt auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Kritik im letzten halben Jahr war schon berechtigt, finde ich, und mit dem Rücktritt von Fuchs hätte sich eine Rückkehr auf seine Stammposition angeboten (und die Achse Alaba – Arnautovic ist schon eine Versuchung). Allerdings, da bin ich bei dir, ist er in Normalform auch bei mir im MF gesetzt.

      In Unform kann man ihn aber schon auch mal auf seiner Stammposition einsetzen (dort greifen mehr Automatismen und weniger Ballkontakte bedeuten auch weniger Ballverluste).

    • JB

      Bin ich der einzige, der Junuzovic als schwach und fast als Fremdkörper gesehen hat? Er läuft anscheinend auch seiner Form nach und wenn das NT nicht dieses extreme Pressing spielt, kann er seine größte Stärke nicht ausspielen. Als Schöpf kam wirkte das ganze gleich flüssiger und auch schlüssiger