Ist Ostösterreich im Fußball überrepräsentiert?

Nachdem wir in unserer Facebook-Gruppe kürzlich eine Karte der Bundesligamannschaften veröffentlicht haben, kam eine für allem für Westösterreicher stets verlockende Reaktion. Die Bundesliga sei ostlastig, hieß es. Wir überprüfen.

Die Ostbehauptung
Die Ostbehauptung

Natürlich hängt der Begriff “Osten” ein bisschen damit zusammen, wo man gerade steht. Für Bregenzer könnte Innsbruck schon als Wilder Osten gelten. Kulturell und statistisch ist mit Ostösterreich im Allgemeinen aber die Region Niederösterreich-Wien-Burgenland gemeint. Westösterreich setzt sich aus Vorarlberg, Tirol Salzburg und zumindest Teilen von Oberösterreich zusammen, Südösterreich besteht aus Kärnten und der Steiermark.

Bundesliga-Orte 2013/14
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Erste-Liga-Orte 2013/14
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Nimmt man diese Regionen zum Maßstab, so stellen in der kommenden Saison Ostösterreich 4, Südösterreich 2 und Westösterreich 4 Bundesligaklubs. In der zweiten Liga hat Ostösterreich 5, Südösterreich 2 und Westösterreich 3 Vereine am Start. Von den 20 Teams im österreichischen Profifußball sind also tatsächlich 9 aus dem Osten, 4 aus dem Süden und 7 aus dem Westen.

Ist also der Osten zu stark und wird der Süden ignoriert? Nein, denn diese Aufteilung entspricht auch ungefähr der Bevölkerungsaufteilung in Österreich. Ostösterreich beherbergt 43 Prozent der Einwohner dieses Landes, Westösterreich kommt auf 36 Prozent, Südösterreich lediglich auf 21 Prozent. Die Unterschiede ist also weder auf die 10 Bundesliga noch die 20 Profivereine bezogen statistisch relevant.

Wie sieht es gemäß der fußballerischen Verbands-Gliederung in Ost-Mitte-West über die Regionalligen aus? Hier wandert Oberösterreich aus dem West in die Mitte. Im Profifußball stammen demnach 9 Vereine aus der Ost-Liga, 5 aus der Mitte und 6 aus dem Westen. Wie wirkt sich das auf die Repräsentation der Bevölkerung auf der Profifußball aus? Die Regionalliga Ost steht unverändert für 43 Prozent der Bevölkerung und 45 Prozent der Vereine. Der Westen fällt auf 19 Prozent der Bevölkerung, stellt aber 30 Prozent der Vereine. Und in der Mitte befinden sich zwar nunmehr 38 Prozent der Menschen, aber nur mehr 25 Prozent der Vereine.

Der “Westen” ist im im Profifußball eher über- als unterrepräsentiert. Auch wenn mans nach einem eigenwilligen West-Definition untersucht und nur Tirol und Vorarlberg als “Westösterreich” definieren würde, ändert sich die Diagnose nicht: Mit 15 Prozent der Profi-Vereine und 13 Prozent der Bevölkerung ist auch dieses “Westösterreich” adäquat repräsentiert.

Freilich sind an den kleineren Ungleichheiten zwischen den Regionalliga-Zugehörigkeiten keine strukturellen Ungerechtigkeiten schuld. Ganz konkrete sportliche, finanzielle oder organnisatorische Probleme beim LASK, GAK und BW Linz haben je nach Einteilung den Süden oder die Mitte zurückgeworfen (während der Westen mit dem FC Lustenau-Rückzug sich auch noch selbst geschwächt hat). Auch dass Innsbruck in der Bundesliga als einziger Verein aus Vorarlberg und Tirol dasteht (was rein optisch auf Landkarten eine West-Armut vorspiegelt), hat er dem erbärmlichen Frühjahr der Austria Lustenau und damit sich selbst zu verdanken.

Der in Österreich gerne als Wasserkopf verschmähte Osten, ist hingegen in keiner Statistik überrepräsentiert, sondern bringt sich derzeit und auf absehabre Zeit gemäß seiner Bevölkerungsstärke in den Profifußball ein.

Und als Ausblick? Diverse immer mögliche Pleiten in der kaputten zweiten Liga außen vor gelassen, ist keine Schwächung des Westens zu zu erwarten. Mit dem LASK und Austria Salzburg als vielversprechende Aufstiegsaspiranten in RL Mitte und West könnte er im Profifußball eher gestärkt werden, während in der Ostliga (muss gegen West relegieren) kein offensichtlicher Aufsteiger auszumachen ist. Wer aus der Ersten Liga absteigt ist naturgemäß schwer abzuschätzen, aber die Kandidaten Hartberg und Horn werden eher Süden und Osten schwächen, als den Westen. (tsc)

  • Ich stimme dem Ausgangsstatement zu, weil ich als Salzburger Salzburg nicht als “Westösterreich” sehe, sondern nur Tirol und Vorarlberg. Und die sind wirklich unterrepräsentiert.

    • Nein, sind sie nicht. Die Statistik für Tirol und Vorarlberg allein steht im Text. ;)

  • Rafael W.

    aye, da hat die Wochenendvorfreude den klaren Geist benebelt…

    Ging mir aber weniger um eine Auflistung von einzelnen Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte sondern um eine Auflistung von Gebieten mit einer Bevölkerungsdichte welche groß genug ist um einen Verein über einen längeren Zeitraum in der ersten Liga zu tragen.

    Die “gefühlte” Überrepräsentation des Ostens liegt ja eher in der ferneren Vergangenheit begründet als im jetzt & wenn man sich die ewige Tabellen anschaut ist bei jener der Bundesliga das Verhältnis recht ausgeglichen.

  • Ich würde zwischen Ried und Wolfsberg eine vertikale Trennlinie in West und Ost machen, ohne den abschwächenden Kunstgriff namens “Süd”. Dann stehts 4:6 bzw. 3:7. Ich denke der Eindruck des West-Ost-Gefälles entsteht vor allem dadurch, dass die Ostvereine wirklich im Osten des Landes sind während die Westvereine vor allem in der Bundesliga recht mittig liegen, mit Innsbruck als einzigem Bundesligisten weit im Westen.

    • Nimm Kärnten, Tirol, Oberösterreich, Vorarlberg und Salzburg zusammen -> 40% der Vereine, 41% der Bevölkerung

      Tu Kärnten stattdessen zum Osten dazu, dann hat der Westen 35% der Vereine und 35% der Bevölkerung.

      Man kann es drehen und wenden wie man will, Westösterreich ist nicht unterrepräsentiert.

      Selbst wenn man Tirol allein nimmt. Tirol hat 8,4% der österreichischen Bevölkerung aber immerhin 10% der Bundesligateams bzw 5% der Profiteams. Oder Vorarlberg 4% der Bevölkerung, 0% der Bundesliga und 10% der Profiteams. Das sind keine statistisch relevanten Abweichungen. ^^

  • Rafael W.

    meh. Natürlich formal richtig aber doch irgendwie an der Fragestellung vorbei.

    Um mal Kollege Blumenaus Tirade gegen Dorfklubs in der ersten Liga als Argumentationsgrundlage zu nehmen: Maßgebend ist ja nicht die gesamte Bevölkerungsanzahl/dichte sondern, mehr oder minder abgetrennte, Einzugsgebiete. (Die Ausnahme wären Dorfvereine welche sich einen Großsponsor/Mäzen an Land gezogen haben wie z.B. Liefering/(Pasching) mit RBS)

    Damit würde die Fragestellung lauten: Wieviele “Bevölkerungscluster” (welche das Stadion eines Buliklubs halbwegs füllen können) gibts in Österreich, wie sind sie verteilt und wie verteilen sich die Vereine in der ersten und zweiten Liga darauf.

    Und da gibts in erster ganz grober Näherung :

    Bregenz-Dornbirn 2 Verein
    Innsbruck 1
    Klagenfurt-Villach 0
    Salzburg 2
    Wels 0
    Linz 1
    St. Pölten 1
    Wien 4
    Graz 1
    Wr. Neustadt 1

    Womit sich eher die Frage stellt was die Mitte für ein Strukturproblem hat.

    • Warum sollte das an der Fragstellung vorbeigehen? Die Frage war, ob Ostösterreich überrepräsentiert ist. Und das wird beantwortet.

      Was du da machst, ist doch eine ganz andere Analyse, nämlich ob sich Profifußball (vom Mäzenswesen abgesehen) normalerweise in größeren Bevölkerungsansammlungen abspielt. Die Antwort ist logischerweise ja.

      So bedeutend, wie du das darstellst sind Großräume im Profifußball, besonders so wie er derzeit in Österreich stattfindet, aber nicht. Warum? Es wird im Schnitt vor 800-14.000 Zusehern gespielt – die kann man so ziemlich überall zustandebringen. Für einen guten Zuseherschnitt in der zweiten Liga, ja sogar für einen unterdurchschnittlichen in der Bundesliga braucht man nicht unbedingt eine für österreich herausragende Bevölkerungsdichte. Auch die Minibudgets sind durch die Unterstützung von regionalen Mittelbetrieben und kleineren Städten finanzierbar.

      Regionen wie jene rund um Mattersburg, Ried, Wolfsberg oder Kapfenberg gibt es in ganz Österreich genug. In der Häufigkeit korrelieren derartige Bevölkerungsverdichtungen mit der Bevölkerungszahl der Bundesländer grob, also seh ich für die Frage nach der Repräsentation von Großregionen keinen Sinn in deiner Aufsplittung.

      Die Frage, die du stellst ist: In welchen Städten, die groß genug für Profifußball wären, läuft etwas schief? Das verlangt aber Einzelanalysen, keine Auflistung, die Wien und Bregenz-Dornbirn als gleichwertige Entitäten darstellt. :)