Wird 2013 ein österreichischer Klub die Champions League erreichen?

Im kommenden Herbst bekommt Österreich die – vorerst einmalige – Gelegenheit, zwei Starter für die Champions League-Qualifikation entsenden zu können. Wer welchen Startplatz bekommt, ist noch Gegenstand des Saisonfinales. Wir haben uns angesehen, was die möglichen beiden Szenarien für Chancen ergeben, dass im Herbst ein oder gar zwei Klubs die Gruppenphase der Königsklasse erreichen.

Der Non-Champions-Weg

Österreichs Tabellenzweiter qualifiziert sich als eine von insgesamt 15 Mannschaften für den Non-Champions-Weg. Er steigt zeitgleich ein mit dem Tabellendritten aus Frankreich und den Tabellenzweiten aus Russland, Niederlande, Ukraine, Griechenland, Türkei, Belgien, Dänemark und der Schweiz. Derzeit besetzen die folgenden Teams die passenden Plätze in den entsprechenden Meisterschaften.

Frankreich: Olympique Lyon (Koeffizient 95,800)
Russland: Zenit St. Petersburg (70,766)
Niederlande: PSV Eindhoven (64,945)
Ukraine: Metalist Kharkov (62,451)
Türkei: Fenerbahce (46,400)
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Belgien: Club Brügge (36,880)
Griechenland: PAOK Thessaloniki (28,800)
Österreich: Salzburg (28,075) / Austria Wien (16,575)
Dänemark: FC Nordsjaelland (12,640)
Schweiz: Grasshopper Club Zürich (7,285)

Nur in Belgien (Zulte Waregem) und Frankreich (OGC Nizza) könnten schlechter gesetzte Teams noch die Quali für die Quali schaffen. Voraussichtlich Salzburg aber auch die Austria würde also als achtes oder bestenfalls sechsten von zehn Teams ungesetzt sein. Der Gegner wird nach aktuellem Stand also Olympique Lyon, Zenit St. Petersburg, PSV Eindhoven, Metalist Kharkov oder Fenerbahce Istanbul heißen (nationale Veränderungen sind noch möglich, würden aber an der Reihung und Schwierigkeit praktisch nichts ändern).

Würde man die Runde überstehen, wird es kaum besser. In der letzten Qualifikationsrunder der Nicht-Meister steigen mit den Vierten aus England (Chelsea/Arsenal/Tottenham), Deutschland (Schalke/Eintracht Frankfurt/Freiburg) und Spanien (Real Sociedad/Valencia), sowie den Dritten aus Italien (AC Milan/Fiorientina) und Portugal (Paços de Fereira) neue Brocken ein.

Von den genannten Namen wäre Salzburg besser gesetzt als Frankfurt/Freiburg, Real Sociedad und P.d.Fereira. Man bräuchte also in diesem Optimalfall neben dem eigenen unwahrscheinlichen Aufstieg auch einen ebenso unwahrscheinlichen von Nordsjaelland und den Grasshoppers, dann wäre man gesetzt und würde gegen eines dieser Teams spielen. Schon allein da in Deutschland aber Schalke klarer Favorit auf das Ticket ist, wird das nicht passieren. (Die Austria läge auch noch hinter Real Sociedad (spanische Klubs haben einen Mindest-Koeffizienten von 17,605) und wäre damit selbst bei wundersamsten Vorkommnissen mit absoluter Sicherheit ungesetzt.)

Prognose: Wie er auch heißt: Österreichs Vizemeister sollte sich auf eine Teilnahme in der letzten Europa League-Qualifikationsrunde einstellen.

Der Meister-Weg

Und der Meister? Der kommt zeitgleich mit dem Vize in den Bewerb. Allerdings in Qualifikationsrunde 3 des wesentlich einfacheren Meister-Modus, wo man gegen die Meister aus den Ländern ab UEFA-Ranglistenplatz 14 spielt. Die Austria wäre 9.- oder 10.-bestes der 20 Teams und damit garantiert gesetzt (Salzburg wäre hier 6. oder 7. Team). Damit fallen harte Gegner weg. In dieser Runde wären die schwierigsten erwartbaren Brocken folgende:

NK Marburg (SLO)
Levski Sofia (BUL)
Sheriff Tiraspol (MOL)
Maccabi Tel Aviv (ISR)
Molde FK (NOR)
IF Elfsborg (SWE)
Sligo Rovers (IRL)

Das muss ein österreichischer Meister überstehen können. Im entscheidenden Playoff vor der Gruppenphase warten dann aber ziemliche Brocken. Sofern nicht mindestens vier der folgenden Klubs sensationell ausfallen oder auf nationalem Weg verhindert werden, müsste der österreichische Meister sich auf die ersten fünf der folgenden Gegner einstellen.

1 FC Basel (GC Zürich*)
2 Bate Borisov
3 Celtic Glasgow
4 Steaua Bukarest
5 APOEL Nikosia
—- (ab hier würde nachgerückt)
6 Viktoria Plzen (Sparta Prag)
7 Dinamo Zagreb
8 Partizan Belgrad (Roter Stern Belgrad*)
9 Austria Wien (Red Bull Salzburg wäre 7.)
10 Legia Warschau (Lech Posen**)
(Gereiht nach UEFA-Rangliste; Klubs in Klammer sind Mannschaften, die noch Meister werden könnten; Pseudomeister mit einem Sternchen würden schlechter als die Austria liegen, solche mit zwei Sternchen besser, Quelle)

Prognose: Einen Aufstieg in die Gruppenphase muss man von den Österreichern hier praktisch erwarten können. Wenn es jener in die Champions statt Europa League wäre, dürfte man das aber durchaus eine kleine Sensation nennen.

(tsc)

  • Pingback: Wie wichtig die Europacup-Saison 2013/14 für Österreich ist - Ballverliebt()

  • Peter

    Danke für die Zusammenfassung!

    Ich halte den Modus für Champions und Europa League insgesamt für ziemlich gelungen, aber dass nur 17 der 32 Mannschaften in der Champions League-Gruppenphase Meister sein können (!), zeigt mMn wie schief die Ebene im europäischen Clubfußball ist.

    Würden sich 2/3 Meistermannschaften für die Gruppenphase qualifizieren (also aktuell z.B. auch Polen, Kroatien), würde das momentan natürlich das Niveau drücken, aber über Jahre die Qualität im europäischen Clubfußball steigern. Das Startgeld für die Champions League ist für die Hälfte unserer Bundesligamannschaften das Jahresbudget!

    • stimmt einerseits, andererseits aber auch nicht. das startgeld der champions league resultiert natürlich aus ihrer attraktivität gerade auf die großen märkte. sie sinkt, wenn du vertreter von dort rauskickst.

      dazu würdest du nationale meisterschaften natürlich noch massiver ungleich machen, wenn die vier teams die in österreich meister werden können, immer wieder so gewaltige finanzspritzen bekämen. als resultat würdens mittelfristig vermutlich nur noch 2-3 mannschaft sein, die die liga dafür umso mehr dominieren. eine nationale schwächeperiode, wie sie zum beispiel sturm erlebt hat, wäre vermutlich mit einem normalen finanzgebahren nicht mehr aufzuholen. ganz abgesehen vom hohen Anreiz, sich wirtschaftlich zu übernehmen, nur um als Meister an die Millionen zu kommen.

      gilt auch für die großen ligen. wenn in deutschland, italien, england und spanien nur noch 3 teams in die CL kommen, dann würde das die dichte der topklubs dort stark reduzieren. schon jetzt merkt man dort, wie wichtig es ist, in die qualiplätze zu kommen, um im nächsten jahr nicht drastisch zurück zu fallen.

      Der aktuelle Modus ist imo für kleinere Nationen recht gut. Die österreichischen Teams könnten durchaus in die CL kommen, wenn sie mal über 2-3 Saisonen gute Ergebnisse in der EL bringen. Problematischerweise aber aus komplett eigenem Verschulden waren die Austria und Salzburg da vergangenes Jahr nicht dabei, weshalb ihnen die entscheidenden Punkte fürs gesetzt werden einfach fehlen. Wer im Vorjahr an Admira oder Düdelingen gescheitert ist, kann im nächsten halt auch nicht Anspruch auf einen CL-Fixplatz einfordern.

      Natürlich muss man auch heuer versuchen, die CL zu erreichen, aber imo sollte das gesetzte Ziel das Überstehen der EL-Gruppenphase sein – das gilt auch für Sturm und Rapid. Egal wer nächstes Jahr dann Meister wird, dürfte dann 2014/15 mit einer sehr machbaren Auslosung rechnen. Dazu braucht man halt ca. 30 UEFA-Punkte und damit kontinuierlich gute Arbeit über mehrere Jahre.

  • Chris

    Frage: Weiß man eigentlich schon wer nächstes Jahr im Free-TV CL bzw. EL überträgt?

    • Soweit ich weiss ändert sich im kommenden jahr nix. Puls4 und orf.