Premier League 2010/11 | 29. Spieltag
Anfield Road, 6. März 011
Liverpool FC - Manchester Utd
3-1
Tore: 34' 39' 65' Kuyt bzw. 90' Hernández

Suárez macht die Arbeit, Kuyt erntet die Lorbeeren

Ein weiterer Beweis, dass Liverpool unter Dalglish die Kurve bekommen hat – und ein weiterer Beweis, dass Manchster Utd wahrlich nicht unschlagbar ist! Entscheidend war beim 3:1-Sieg der Reds aber weniger taktische Vorteile, sondern größerer Wille, ein eiskalter Dirk Kuyt vorm Tor, und ein sensationeller Luis Suárez!

Liverpool FC - Manchester United 3:1

Kein Rio Ferdinand – verletzt. Kein Nemanja Vidic – gesperrt. Kein Wunder, dass sich Liverpool gegen die Zweitbesetzung in der Innenverteidigung von Manchester, bestehend aus Wes Brown und Chris Smalling, durchaus Chancen ausrechnete. Im Endeffekt waren es aber weniger diese beiden, die United den Tag verhagelten – das war eine Kollektivleistung.

Denn von Anfang an hatte man den Eindruck, Man Utd wollte dieses Spiel aussitzen; einen Punkt mitnehmen und gewinnen, wenn es sich halt anbietet. Der Spielaufbau war behäbig, Scholes mangelte es im Zentrum am Tempo, Nani stand schon in den 44 Minuten, bevor er von einer rüden Attacke von Carragher aus dem Spiel getreten wurde, neben sich. Rooney und Berbatov hingen vorne in der Luft. Dass der alte Ryan Giggs der mit Abstand aktivste Spieler seiner Mannschaft war, spricht nicht für United. Mehr als ein Weitschuss von Berbatov, der den Pfosten küsste, kam von United kaum.

Ganz anders dafür Liverpool. Vom Anpfiff weg gingen die Reds ein deutlich höheres Tempo als der Gegner, vor allem die Art und Weise, wie das Team mit dem von Kenny Dalglish ausgegebenen 4-4-1-1 umging, war stark. So arbeitete sich Dirk Kuyt, wie man das von ihm kennt, einen Wolf; Meireles und Rodríguez rückten immer wieder weit ein bzw. wechstelten ganz die Seiten, um den Außenverteidigern Raum zu schaffen – und das defensive Mittelfeld von United, gebildet aus Carrick und Scholes, zu testen.

Der überragende Mann auf dem Feld war aber Luis Suárez. Man kann von ihm, vor allem seit seinem Handball im WM-Viertelfinale und der Art und Weise, wie er sich dafür feiern ließ, halten was man will – aber der Uru ist nun mal ein sesationeller Fußballer und das zeigte er in seiner Rolle als hängende Spitze auch. Gegen das Trio Meireles, Rodríguez, Suárez waren Carrick/Scholes überfordert und Suárez nützte das weidlich aus. Er bewegte sich viel, narrte seinen Gegenspieler fast im Minutentakt und war praktisch bei jeder gefährlichen Aktion beteiligt.

Wundertor zum 1:0

Kaum eine Szene demonstriert das so eindrucksvoll wie jene, die nach 34 Minuten zum 1:0 für Liverpool führte. Suárez degradierte die halbe Mannschaft von United in deren Strafraum zu Slalomstangen, in die Hereingabe vor das Tor musste Dirk Kuyt nur noch den Fuß hineinhalten. Zweifellos eine der Szenen, die in jedem Highlight Reel dieser Saison einen Stammplatz haben wird!

United reagierte erstmal gar nicht. Im Gegenteil, nur wenige Minuten später servierte Nani den Ball mit einer seltsam unmotivierten Kopfballvorlage wiederum Dirk Kuyt. Der Holländer konnte wieder nur sehr wenig für sein Glück, außer der Tatsache, dass er eben richtig stand – und problemlos zum 2:0 einköpfen konnte. Doch noch immer lief Manchester nicht heiß. Das kam erst kurz vor der Pause.

Attentat auf Nani

Liverpool - Man Utd (2. Hälfte)

Als nämlich Jamie Carragher völlig unnötigerweise mit Anlauf und gestrecktem Bein Nani auf Kniehöhe niederholzte und dafür nur Gelb sah – eine äußerst kulante Entscheidung von Referee Dowd. Ebenso wie jene, Rafael kurz darauf nach einem kaum weniger brutalen Einsteigen gegen Lucas mit Gelb leben zu lassen. Nani jedenfalls musste raus und für ihm kam Javier Hernández.

Das hatte eine Formationsumstellung zur Folge, am 4-4-2 änderte Sir Alex aber nichts. Rooney ging zurück ins linke Mittelfeld und versuchte dort, seine Tempo-Vorteile gegenüber Carragher auszuspielen; Giggs orientierte sich noch weiter in die Zentrale und Rafael übernahm de facto die Position rechts im Mittelfeld.

Vor allem aber kam United mit einer ganz anderen Einstellung aus der Halbzeitpause. Die Red Devils agierten nun deutlich williger, aggressiver, williger und schneller als in der ersten Hälfte und bekamen so das Spiel recht schnell in den Griff – zwei Drittel Ballbesitz in der Anfangsphase der zweiten Hälfte inklusive.

Wieder staubt Kuyt ab

Nachdem Van der Sar schon kurz zuvor bei einer Hereingabe des erneut sehr starken Meireles nicht allzu sicher ausgesehen hatte, patzte der Routinier dann aber in der 65. Minute erneut, und diesmal entscheidend: Einen Freistoß von Suárez (wem sonst?) ließ der Holländer nur kurz nach vorne abklatschen, und wieder stand Landsmann Kuyt goldrichtig. Ein erstaunlicher Hattrick vom Blondschopf – denn bei keinem der drei Tore war er ursächlich beteiligt, jedes der drei Tore hätte jeder Landesliga-Kicker genauso gemacht. Die Arbeit erledigte zumeist Suárez – Kuyt staubte mit seinem Riecher für die Situation dreimal ab und erntet so die Lorbeeren.

Das Spiel war damit natürlich entschieden und United wusste das auch. So hatte Kenny Dalglish auf Seiten Liverpools ohne Gefahr die Gelegenheit, Neo-Stürmer Andy Carroll seine ersten 20 Minuten im Dress der Reds zu geben. Hernández’ Ehrentreffer zum 1:3-Endstand in der Nachspielzeit war nur Kosmetik.

Fazit: Liverpool mit mehr Wille, United mit mehr Fehlern

Manchester United hat sich diese Niederlage selbst zuzuschreiben. Zum einen, weil es von Beginn an ersichtlich wurde, dass Liverpool den Sieg unbedingt wollte und United mit dem Langsam machen des Spiels nie Erfolg hatte. Zum anderen, weil der Tabellenführer schlicht und einfach zu viele Fehler machte: Nanis wirre Rückgabe vor dem 0:2, Van der Sars Abklatscher vor dem 0:3.

Außerdem versuchte es Sir Alex seltsamerweise während des ganzen Spiels nicht, Suárez in seinen Kreisen einzuengen. Scholes und Carrick waren damit überfordert, und als Fletcher in der 83. Minute kam, war alles schon zu spät. Solche Spiele wären eine Einladung vor allem für Arsenal – nur müssten die diese dann auch annehmen. Und nicht 0:0 gegen Sunderland spielen.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.