Volle Attacke? Nicht bei Sturm.

Sturm Graz behauptet mit einem 2:0-Erfolg über Wacker Innsbruck die Tabellenspitze. Es war in diesem Spiel aber offensichtlich, dass bei den Grazer nur vier Mann für die Offensive zuständig sind, die kaum von hinten unterstützt wurden. Somit war Sturm von Imre Szabics abhängig.

Sturm Graz - Wacker Innsbruck 2:0

Erster gegen Zweiter, das klingt nach viel – war aber leider inhaltlich recht wenig. Das Hauptproblem bei den Grazern war, dass die vier Offensiven im 4-4-1-1 sehr wenig Unterstützung aus dem Zentrum und von den Außenverteidigern bekamen. So lief das Spiel von Sturm oft nach Schema F ab: Steilpass auf Szabics, der legt ab auf die Außenspieler – zumeist Hölzl. Perthel zeigte sich wenig abenteuerlustig nach vorne, Standfest noch weniger. Zwar hatten die beiden Koch bzw. Öbster gut im Griff. Aber Flanken, die vorne eigentlich die AV schlagen sollten, kamen so von den Flügelspielern im Mittelfeld, und in der Mitte waren sehr wenige mögliche Abnehmer. So hatten die fünf defensiven Innsbrucker auch dank guter Abseitsfalle (auf die hie und da auch der Linienrichter reingefallen war) nicht allzu viel Mühe, die Grazer kaum zur Geltung kommen zu lassen.

Wacker-Trainer Walter Kogler schickte sein Team in einem 4-1-3-1-1 auf das Feld, mit Marcel Schreter als hängender Spitze hinter Burgic; nicht selten ließ sich Schreter auch ganz in die offensive Mittelfeldreihe fallen. Auch bei den Innsbruckern fiel jedoch die eklatant mangelnde Ambition vor allem von Linksverteidiger Hauser auf. Georg Harding auf der anderen Seite war zumindest ein wenig aktiver. Es gelang Wacker jedoch nicht, die ballführenden Grazer wirklich unter Druck zu setzten: Pressing wurde nur angedeutet, aber nicht konsequent gezeigt. Wodurch natürlich null Wirkung erkennbar war.

Das eindimensionale Spiel von Sturm lebte in der Kreativität vom Spielverständnis Imre Szabics’ – der Ungar wusste, wann er wo zu stehen hatte, um Angriffe seiner Mannschaft am Leben zu erhalten. In Wacker-Sechser Tomas Abraham hatte er aber einen unangenehmen Gegenspieler, der Szabics zumeist gut in Schach hielt. So hielten die nach vorne recht unambitionierten Innsbrucker zumindest das Spiel der Grazer unter Kontrolle, und der Spielstand von 0:0 schien ihnen nach zwei Niederlagen in Serie durchaus nicht Unrecht zu sein.

Sturm konnte nur dann Gefahr erzeugen, wenn Weber und Kienzl sich ins Angriffsspiel mit einschalteten und nach vorne rückten. Kein Wunder also, dass das 1:0 für Sturm in der 60. Minute durch einen Steilpass von Weber in den Lauf von Szabics durch die Wacker-Innenverteidiger Jauregi und Pichler hindurch fiel, welchen den Ungar nur noch über die Linie schieben musste. Diese Führung war verdient, weil Sturm trotz halbherzigem Spiel nach vorne mehr Ambition zeigte als die Gäste.

Mit dem Rückstand war nun Wacker gefordert, mehr für das Spiel zu machen, aber den Tirolern gelang es nicht, für sinnvolles Spiel nach vorne zu sorgen. Überhastete Pässe, Schwächen in der Ballannahme, fehlende Spielübersicht – die Innsbrucker bestätigten nun alle Klischees über den österreichischen Fußball. Nichts war mehr zu sehen von dem Selbstvertrauen und er Sicherheit des ersten Saisonviertels, in dem Aufsteiger Wacker wochenlang die Tabelle anführte. Lediglich ein schöner Lupfer von Prokopic auf Burgic resultierte in einer Torchance – der ersten echten für Wacker in der 73. Minute, welche der Slowene aber vergab.

In dieser Phase kam für den angeschlagenen Hölzl der gelernte Rechtsverteidiger Eherenreich für die Mittelfeldposition, was das Offensivpotential der Grazer auf drei Mann reduzierte. Wacker hatte den Schock des Gegentores endgültig verdaut und erlangte deutlich mehr Sicherheit aus der Tatsache, dass die Grazer es nun ganz offensichtlich gar nicht erst versuchten, aktiv auf ein zweites Tor zu gehen. Vor allem der umsichtige Schildenfeld aber verhinderte, dass Wacker zu echten Torchancen kam – auch, weil er immer wieder auf die Seite ging um Standfest auszuhelfen.

Es ist beinahe logisch, dass auf der anderen Seite die endgültige Entscfheidung durch einen Flankenlauf von Szabics vorbereitet wurde – seine abgefälschte Flanke musste Kienast nur noch ins Tor ablenken. Der Ungar war der mit Abstand beste Mann auf dem Platz und bekam kurz vor Schluss auch noch seinen Abgangsapplaus.

Fazit: Sturm Graz gewann dieses Spiel verdient, weil deutlich mehr Wille zur Spielgestaltung erkennbar war und Wacker nach dem Rückstand, als die Mannschaft gefordert war, keinen wirklichen Plan B hatte. Sehr viel Schönes und viel Kreativität war bei den Hauserren aber auch nicht zu erkennen.

(phe)

Über Philipp Eitzinger

Journalist, Statistik-Experte und Taktik-Junkie. Kein Fan eines bestimmten heimischen Bundesliga-Vereins, sondern von guter Arbeit. Und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch alles gut wird.

  • Mike Oberbichler

    erschreckend vor allem das defensivkonzept bei sturm… angsthase pur. aber das zeigt in erster linie etwas positives: sie hatten angst vor koch und öbster. wenn die ihren aufwärtstrend wieder finden und fortsetzen würden, hätten wir in zukunft auf den außen noch mehr nennenswerte österreicher