Stoppt die Vuvuzela-Blödheit

Ist es eher ein Öööööööööh oder doch ein Eeeeeeeeh? Wie soll man den Klang der Vuvuzela am Besten beschreiben? Liest man sich die Kommentare auf Twitter und in Foren durch, könnte man zu dem Entschluss kommen, dass das Verschriftlichungsproblem egal ist, weil der Sound den europäischen Fußballfan auf jeden Fall nervt.

Da wird viel mit dem Ausschalten des Fernsehers gedroht (wers glaubt!), oder zumindest des Tons (schon eher), ordentlich geschimpft und immer wieder poppen Forderungen nach einem Verbot auf. Mich nerven die Leute, die ein Jahr nach dem Confed Cup immer noch nicht über den ungewohnten Sound hinweg kommen schon eher. Vor allem Verbotsforderungen sind schlichtweg ignorant, weil man den Südafrikanern damit ihre Fankultur verbieten will (während man selbst jeden Eingriff in die eigene feurig bekämpft).

Dabei hat man es selbst in er Hand, seine Nerven zu schonen. Wenn man sich nicht bewusst weigert die Sache gelassen zu sehen, kann man sich an den Sound der monotonen Tröten schon gewöhnen. Ich weiß das aus Erfahrung, weil ich es schon beim Confederations Cup im Vorjahr schaffte (dabei müsste mich als Freund der spielbezogenen englischen Fankultur das Ganze am Ehesten stören) und dem Öeöeöeöeöeeeh mittlerweile sogar schon ein wenig abgewinnen kann. Nicht viel – zugegeben – aber jedenfalls nicht weniger als dem monotonen Getrommle, repetitivem Trompeten oder den ermüdenden Dauergesängen in so manchem europäischen Stadion.

Ob sich in Südafrika wohl schon Leute zu fordern erdreistet haben, diese Stimmungskiller zu verbieten? Oder ist das eine Blödheit die exklusiv von Norden nach Süden gelebt wird?

(tsc)

  • ich wäre für die alternative die vuvuzuelas nur bei spielen afrikanischer teams zuzulassen .. so haben die ihre spielkultur und wir unsere :)

  • Philipp

    “Jeder Mensch ist frei in seinem tun und lassen !!!” aber nicht wenn sein/ihr TUN von Vuvuzelas zum LASSEN gezwungen wird. Mit Toleranz und Freiheit hat dieser Sponsorinduzierte Schwachsinn aber auch gar nix zu tun. Eher mit Unterdrückung und Gleichschaltung.

    Wie vielfältig, lautstartk, divers und spannend globale Fankultur ohne derartige unsägliche Marketingtröten sein kann hat man heute ansatzweise bei FRA-MEX gesehen. Das war fast schon sowas wie Stimmung. Mehr davon, bitte.
    Der Skz Filter funzt bei mir übrigens nur sehr geringfügig.

  • schak27

    Übrigens, bei Sky gibt es jetzt bei der Tonoption 1 einen Vuvu-Filter!! Funktioniert nicht 100%, aber es ist etwas besser!!

  • schak27

    Bravo Philipp, ganz deiner Meinung

  • Hermann

    Jeder Mensch ist frei in seinem tun und lassen !!!
    Wer das nicht Tolerieren kann sollte erst mal an sich selbst arbeiten bevor er bei anderen anfängt.
    Was die FIFA betrifft sage ich nur das es totaler schwachsinn ist die Fussball-Fans in ihrer auslebung extremst einzuschränken.
    Irgendwann muss auch mal gut sein mit verbotennur weil es ein paar leut gibt denen dies oder jenes nicht passt (gefällt).
    Leute die Menschheit wird schon zu genüge eingeschränkt, wollen wir uns unser bisschen freiheit was wir haben auch noch nehmen ???

  • Philipp

    Sich mit dem Getröte abzufinden ist nicht schwer.Nach ein paar Spielen hat man das eh intus, und kanns ignorieren.

    EIns ist aber schon schwer: die gesamten anderen 90% an Fankultur – brasilianische Trommeln, englische Chants, anonymes Raunen, deutsches Geklatsche, holländische Trompeten und ghanaische Tänze überhaupt nicht wahrnehmen zu können, Flut und Ebben eines Spiels im Support nicht wiederzufinden.
    Für jemand der eine WM für mehr als elf gegen elf am Rase, mehr als globale taktische Analyse hält ist das schwer. Sorry.
    Mir geht bei dieser WM wahnsinnig viel an Diversität und Weltkulturen in den Stadien ab. Und wer die Wahrnehmung dieses großen Verlustes als Intoleranz deutet, der hat nicht viel verstanden.

    Bzgl. Ukraine und Gaströten: Ibidem.

  • Warum isses eigentlich so schwer, sich einfach mit dem Getröte abzufinden? Wenn man sich städig drüber aufregt, nimmt man’s natürlich immer doppelt wahr.

    Außerdem: Freut euch schon mal auf die EM in der Ukraine in zwei Jahren. Schon mal ein Europacup-Spiel aus Kiew oder Donetsk gesehen? “Ööööööööööööö!”

  • Philipp

    1. Sie wird nicht verboten. Sepp Blatter ist dein Freund.
    2. Wenn, dann nicht weil sich europische Fernsehglotzer aufregen. Da gäbs nämlich eben weit bessere Gründe dafür… 3. VuvuzelA, nicht -E.

  • Es wäre wirklich skandalös, wenn die Vuvuzule verboten würde, nur weil europäische Zuschauer vor ihren Flimmerkästen genervt sind. Spielt auch gar keine Rolle, ob das nun Tradition oder geschicktes Marketing ist. Das sollen die Leute, die da ins Stadion gehen, unter sich aus machen.

  • Philipp

    Aus einem Interview der Frankfurter Allgemeinen mit Musikforscher Reinhard Kopiez von der Uni Hannover. Der kann dir wohl eine bessere Antwort geben als ich.

    ” Frage: Entspringt unsere Abneigung denn vielleicht auch ganz einfach einem chauvinistisch angehauchten Eurozentrismus?

    Antwort: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen, denn die Basisfunktionen des Gehörs sind bei den Menschen doch sehr ähnlich.
    Die Vuvuzela wurde ja auch künstlich initiiert und ist in dieser Form keineswegs Bestandteil der afrikanischen Kultur. Das Instrument ist eine reine Marketingerfindung, die uns als tradierte Kultur verkauft wird. Bei den Ethnologen nennt man so etwas „Invention of Tradition“. Dies bedeutet: Man erfindet z.B. ein Plastikinstrument und behauptet später, dass dies gelebte afrikanische Kultur sei.”

    Damn right.
    Quelle: http://www.faz.net/s/Rub0880D9546AD54B17BA97B50EF7058A13/Doc~EF9C0A6047783469BA39ADD91EDD7D9D4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  • Philipp

    Ich glaube nicht, dass wir auf einen grünen Zweig kommen.

    Du meinst Vuvus sind Fankultur, ich meine sie killen Fankultur. Und nicht, dass ich “europäische Fankultur” (was auch immer das ist) will, wie du fälschlich behauptest.

    Du meinst sie sind zu tolerieren, ich meine dass die objektiv, über alle Kulturen anwendbare Toleranzgrenze überschritten ist und die Tröten, genauso wie Böller zB in europäischen Stadien, verboten gehören.

    Seis drum.
    Nur unterstell mir bloß keinen europäischen Chauvinismus! Um eben dieses Totschlagargument zu vermeiden habe ich oben Mondli Makhanya zitiert, angefügt dass Vuvus von Afrikanern UND Europäern geblasen werden und dass das ganze eben keine Frage von kultureller Toleranz ist. Wäre es eine, wäre es tatsächlich so einfach wie du behauptest: Toleranz gegen Intoleranz. Ich behaupte mal, dass das niedertröten sämtlicher Tribünendiversität mit Toleranz Nüsse zu tun hat.
    Raus damit, wurscht wo. Dabei belass ichs dann mal.

  • Tom Schaffer

    @Phiulipp das Hausrecht der FIFA geht längst viel zu weit. es sollte nicht dazu führen, dass eine WM in einem land ausgetragen wird und dann die gepflogenheiten der dortigen fans verbietet.

    und ich wusste nicht, dass ich irgendwo in diesem artikel was über dich geschrieben habe. die verbotsforerungen gibts aber – in facebook-gruppen wie auch außerhalb.

    du kanst jetzt noch 4000 mal betonen, dass die vuvuzuelas kein teil der fankultur sind (ich hab sie übrigens anders als du behauptest nie als traditionell bezeichnet). es ist fakt, dass sie seit spätestens den 90ern in den südafrikanischen stadien vorkommen und dort bis zum heutigen tag nicht verboten sind. sie sind damit faktischer teil der fankultur. das ist nicht wegzureden oder zu leugnen.

    es geht hier ausschließlich darum, dass manche den sound den sie machen nicht ertragen (wollen!). die WM ist nunmal dort, drum ist die dortige fankultur die dominante und das soll sie auch sein – ob dir das nun passt oder nicht. ;)

    willst du europäischen sound in den stadien, dann beschwer dich darüber, dass die WM nicht in europa stattfindet, aber nicht darüber, dass die südafrikaner sich nun so in den stadien benehmen wie bevor sie die wm bekamen.

  • Philipp

    ??? Ich bin keiner derartigen facebook Gruppe beigetreten, noch denke ich dass solche Gruppen Sinn machen. Ausserdem geht es nicht um “die Gesetzgebung in Südafrika”, sondern die Hausrechte der FIFA.

    Ebenso sinnfrei ist es aber, die Tröterei als angebliches Kulturgut sakrosankt zu schreiben. Und das hast du, meiner meinung nach mit wenig Reflektion, getan. Sie ist eben kein solches, wie Mondli Makhanya gut beschrieben hat. Dazu kommt noch, dass die europäischen Anhänger vor Ort ja eh schon genauso fest blasen. Von einer Attacke auf ein teures südafrikanisches Kulturgut also keine Rede. Und selbst wenn die Tröte so eines wäre: Fankulturen werden laufend “sabotiert” durch Verbote, die mal Sinn, mal keinen Sinn machen. Mir ist es in diesem Fall lieber, dass die Vuvus “sabotiert” werden als dass sie weiterhin den grossen rest der in SA präsenten Fankulturen aus aller Welt sabotieren. Raus damit, ich bleibe dabei. Passieren wird es eh nicht, du hast ja Sepp Blatter auf Deiner Seite der diesselbe Vorstellung von afrikanischer Supportkultur hat… also was streiten wir.

  • Tom Schaffer

    Nochmal: Du bist für die Gesetzgebung in Südafrika nicht zuständig. Du kannst dein Unbehagen drüber ausdrücken und dich mit Antigruppen in Südafrika solidarisch erklären. Aber du solltest nicht einer deutschen Facebookgruppe beitreten, die von der FIFA fordert, die südafrikanischen Gegebenheiten zu ignorieren und ein Verbot durchzudrücken.

    Genau das passiert hier aber. Hier wird nicht an die südafrikanischen Fans appelliert (sondern denen von ihnen, die Vuvuzuelas haben, noch unterstellt, sie wären doofe traditionslose Gloryhunter usw usf), sondern hier wird versucht die andere Fankultur zu sabotieren.

  • Philipp

    Richtig. Das will ich nicht nur ignorieren, sondern aus den Stadien haben. Der Ton am Fernsehgerät ist mir dabei wurscht, an den gewöhnt man sich eh.
    Du missverstehst den Konflikt als einen von guten toleranten Menschen gegen engstirnige Menschen die sich anmaßen “Fankultur gepachtet” zu haben und steigerst dich dabei auf blutdruckerhöhendes Niveau. Das ist einfach nicht der Fall, nicht mal in SA selber, wie meine beiden Quotes oben ja gut darstellen. Was unterstellst du denn jenen Südafrikanern die das Zeugs selber lieber heute als morgen los werden wollen? Nein nein, hier geht es um anderes, das ist nicht nur eine Frage der Toleranz.
    Und: ja, wenn bei der WM2006 die Deutschen mit aufblasbaren Riesenklatschhänden sämtliche Gesänge im Stadion übertönt hätten, wäre ich auch für ein Verbot gewesen.

    Von der mangelnden Gastfreundschaft die sich im Niederblöken sämtlicher Gesänge jener Fans die aus aller Welt angereist sind äußert mal ganz abgesehen. Man könnte so gesehen den Trötern nämlich genauso gut Intoleranz für andere Fankulturen vorwerfen.

  • Tom Schaffer

    Die Vuvuzuelas gibt es in Südafrika eben seit den 1980ern/90er-Jahren in den Fußballstadien. Damit ist das kein kurzer Hype um die Europäer zu nerven, sondern ein Teil der Fankultur. Es gefällt in Südafrika offensichtlich genügend Menschen, sodass es noch nicht verboten ist – und das willst du einfach ignorieren.

    Und das ist entgegen deiner Unterstellungen nicht romantisiert, das hat nichts mit meiner Hautfarbe zu tun, das ist nicht naiv. Das ist faktisch ganz einfach so. Die Vuvuzuelas sind da – schon länger – sie gehören dort also dazu.

    Eine Fankultur kann durchaus Elemente beinhalten die nicht 100 Jahre alt sind oder aus dem Widerstandskampf gegen ein rassistisches System entstanden sind. Ich wusste nicht, dass die österreichischen oder deutschen Fantrommler aus dem Widerstand gegen das NS-Regime heraus geboren wurden. Und trotzdem werden sie nicht verboten – strange! (Und hat die Pyrotechnik sich wohl gegen den Ständestaat gerichtet, und wird deshalb von den Fanklubs nun so verbissen verteidigt?) (Und ja – die gehen mir auch auf den Geist, so wie die Vuvuzuelas in natürlich in Südafrika auch Leuten auf den Geist gehen!)

    Ob das Instrument von “Gloryhuntern” oder von Ultras kommt, ist mir scheissegal – ganz offensichtlich gehen die Leute damit seit (je nach Quelle) zwei bis drei Jahrzehnten wöchentlich ins Stadion. Wer das tut, ist Teil der Fankultur. Mir geht das Gehabe einiger Leute, die glauben sie hätten die Klubs und Stadien für sich gepachtet und das einzig wahre Fantum entdeckt ohnehin auf den Geist.

    Es ist auch eine Sache, wenn die Südafrikaner sich selbst demokratisch entscheiden, das Zeug zu verbieten. Es ist aber eine andere, wenn jemand glaubt, er hätte das Recht heulend nach Verboten am anderen Ende der Welt zu rufen, weil er den Ton am Fernsehgerät nicht mag.

    Während mir die Vuvzuelas nämlich längst egal sind (ja, mir sind andere Sounds im Stadion auch lieber), weil ichs einfach gelassen sehe, steigern die die sich zu letzterem erdreisten nach wie vor permanent meinen Blutdruck.

  • Philipp

    Noch eins, wenn ich schon dabei bin: “Part of our culture? Balderdash,” said Mondli Makhanya, former editor in chief of the (Johannesburg) Sunday Times, in an interview with the Washington Post. “Singing is very much a part of South African culture. During apartheid, we sung in the worst of times. … We sing vociferously at funerals; we sing vociferously at weddings. What this instrument has done is to take something AWAY from the football culture.”

  • Philipp

    “Jordaan admitted he was not a huge fan of them himself. “I would prefer singing,” he said.

    “It’s always been a great generator of a wonderful atmosphere in stadiums and I would try to encourage them to sing instead of constantly blowing the Vuvus. I admit, this can be nervewracking, and you cannot hear anything else from the stands anymore.

    “In the days of the struggle (against apartheid) we were singing, all through our history it’s our ability to sing that inspired and drove the emotions.”

  • Philipp

    Diese Naivität weissser Europäer, die diese Plastiktröten jetzt als “traditionelle Fankultur” verteidigen nimmt offenbar zu. Leider unberechtigterweise. Die sind in etwa so traditionell wie aufblasbare Plastikpatschhanderl beim Beachvolleyballl in Klagenfurt, und in Südafrika selbst seit höchstens 10 jahren im Einsatz. Habe gerade auf BBC World News einen südafrikanischen (schwarzen) Sportjournalisten gehört der gesagt hat, dass die Tröten bei Rugby schon längst verboten sind, und sie auch in Südafrika selbst einer Menge Leute auf den Geist gehen. Er meinte, dass seien typische Gloryhunter Lärmmacher, die die eigentlichen traditionellen Stadiongesänge, Trommeln und Tänze binnen kurzer Zeit gekillt haben. Um so eine Entwicklung als traditionelle Fankultur zu bezeichnen, braucht es wohl einen gehörigen Schuss romantisierter Vorstellungen von Afrika.
    Ich hoffe dass der Schmarrn, der jeden für eine WM typischen vielfältigen und multikulturellen Support in ständigen, stumpfsinnigen Gedröhne ersäuft, baldesmöglich verboten wird, möge man mich auch als intolerant bezeichnen. OK Chef Danny Jordan hat so eine Entwicklung heute übrigens angedeutet.